Casseler Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Nummer 131
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 10. Mai 1912
2. Jahrgang«
Fernsprecher 951 und 952.
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Kkrelleur Adolf Wermuth.
RcichsschahsekretLr... Oberbürgermeister.
Der Berliner Oberbürgermeister Kirschner hat gestern in zwei Schreiben an Magistrat und Stadtverordnetenversammlung um seine Entlastung gebeten. Kirschners Rücktritt erfolgt am ersten September. Zum Nachfolger ist von sämtlichen bürgerlichen Parteien der frühere Reichsschatzsekretär Wermuth in Aussicht genommen, dem vierzigtausend Mark Jahresgehalt bewilligt werden sollen. Die Kommunal-Verwaltung scheint von der Hochfinanz und der Großindustrie zu lernen: Sie müht sich, tüchtige S t a a t s b e a m t e, die das Schicksal vor der Zeit in den Feierabend schickte, für die leitenden Posten großstädtischer Verwaltungs-Zentralisationen zu gewinnen und aus diese Weise leistungsfähige, früh zur Untätigkeit gezwungne Kraft für die Kommunalpraxis nutzbar zu machen. Man darf diese neue EntwicklungSrichtung aufrichtig begrüßen, denn sie macht endlich ein« Bahn frei, die in staatlich moderner gearteten Ländern verabschiedeten Staatsbeamten schon seit Menschenaltern offen steht, bei uns indessen (in der Sphäre des Aktenstaubs und der altväterlichen »Traditionen») bislang als Irrweg außerdienstlicher Honorigkeit geächtet war. Es gibt bei uns immer noch brave und rechtschaffne Leute, die an dem wackren Teddy Roosevelt weiter nichts auszusetzen haben, als daß er nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus unter die Journalisten ging, und die Otto von Bismarcks ragende Größe sicher spöttelnd belächeln würden, wenn der Schöpfer des Reichs nach seiner Heimschickung die Kraft des ehernen Siebzigers anders als in stolzer Refigna-
Das MarschaÜ-RStsel.
Gesandter von Wangenheim Marschalls Nachfolger; die Miffion des Bibersteiners.
Das große Rätselraten über die Londoner Miffion des noch in Berlin weilenden Botschaf. ters Marschall von Biber st ein wird in der in. und ausländischen Presse munter fortgeführt. Fest steht nun wenigstens, daß Marschall nicht wieder nach Konstantinopel zurück, kehrt, denn wie uns ein Privat.Tele- g r a m m aus Berlin meldet, hat Freiherr von Marscball den Gesandtenposten in London definitiv übernommen. Sein Nachfolger in Konstantinopel wird der bisherige Gesandte Freiherr von Wangenheim.
Bcrlkn, 9. Mai.
(Privat-Telegram m.)
Wie in hiesigen unterrichteten Kreisen bekannt wird, sind in den Konferenzen zwischen dem Reichskanzler und Herrn von Marschall,
Der Traum des Kriegsministers.
Frankreichs „große Idee": Die Offensive!
Herr M i l l e r a n d, der französisch« Kriegs- minister, (von dem der Deutsche Kaiser einmal gesagt hat: .Hätten wir nur in Deutschland auch einen MillerandI“) hat bekanntlich in der letzten Woche eine Inspektionsreise an die französisch-deutsche Grenze unternommen, und sich über die dabei gewonnenen Eindrücke in einer Unterredung, die er dem militärischen Mitarbeiter des Pariser -Journals" gewährte, folgendermaßen ausgesprochen: »Die große Idee, die seit einer bestimmten Zeit die Organisation unserer Kräfte beherrscht, ist die der Offensiv«, die der Grundsatz unserer Aktion sein muß. Mau muß fortschreiten, wenn man siegen will. Diesen Gedanken will ich sowohl bei den Soldaten wie beim Publikum durchsetzen. Wir wollen niemals vergessen, daß die festen Plätze nur als Stützpunkt« anzuseherr sind, und daß
alle Fragen zufriedenstellend er taugt worden, die die künftige Tätigkeit de8 neuen deutschen Botschafters in London betreffen. Herr von Marschall benutzt die wenigen Tage seines Berliner Aufenthalts ausschließlich dazu, sich mit den Verhandlungen vertraut zu ma, chen, die in der letzten Zeit zwischen Berlin und London geschwebt haben, und schon diese Tat- fache beweist, daß die wichtigste Aufgabe des neuen Botschafters die Fortsetzung und der Abschluß dieser Verhandlungen sein wird.
’ Hessische Abendzeitung
tion hätte versieg«» lassen.
Diese Spezies national-zeitgenössischer »Re- ^^putattons-Prüderie" wird vermutlich auch mit ernster Mißbilligung davon Kenntnis genom- men haben, daß Herr Adolf Wermuth, Exzellenz und weiland Staatssekretär im Schatzamt des Deutschen Reichs, sich dazu her. beigelaffen hat. als Bewerber um den nun bald sreiwerdenden Posten des Berliner Oberbürgermeisters aufzutreten, nachdem er bereits bei den Stadtvätern von Frankfurt am Main die zarte Hoffnung hatte keimen lassen, Exzellenz Wermuth werde um die Zeit der Sommersonnenwende Franz Adickes' stolzes Erbe übernehmen. Bei uns gilt immer noch die aus dem autokratisch regierten Staat ins zwanzigste Jahrhundert hinübergerettete -Tradition", daß ein Minister oder Staatssekretär, der (mit oder ohne Gnadenbeweis) das Amt I verlassen, in stiller Zurückgezogenheit seines Daseins Abend zu verbringen habe, wenn er als Entlaffner den ungeschriebnen Gesetzen und Pflichten deS Exzellenzen-Standes gerecht werden wolle. In den letzten zwanzig Jahren sind im Reich und in Preußen einige Dut. z e n d Minister »verbraucht" worden, von de- neu ein großer Teil noch im Vollbesitz der Kraft von hinnen ging. Rur wenige von ihnen sind inzwischen vom Tode abberufen worden: Die meisten bauen irgendwo (um mit Bismarck zu reden) ihren Kohl, und ihre Kraft, die für ein Ministeramt reichte, geht dem Vaterland und der Ration ungenutzt verloren.
Herr Adolf Wermuth, den die Berliner als Ersatz Kirschner ersehnen, ist (wie man weiß) ohne ein blinkendes Ordenssternchen, ohne ein Wort gnädiger Anerkennung, ohne W. das winzigste AbschiedS-Prädikatchen aus dem Amt gegangen: Und «r war nach dem übereinstimmenden Zeugnis von Freund und Feind der tüchtigste, emsigste, kenntnisreichste und tatkräftigste Säckelmeister, den das Reich in | zwei Jahrzehnten besessen. Die Vorgeschichte und die Nachwehen feines Abschieds zeigen uns Herrn Adolf Wermuth als einen seines Werts bewußten, aufrechten Mann, der es mit den treueid-beschwornen Pflichten seines Amts als unvereinbar erachtete, eine Forderung zu vertreten, deren schwerwiegende Bedenken er klar erkannte. Er ist ein Opfer des »Homoge- nität-Prinzips" geworden; genau wie vor ihm der Schicksalgenoffe Lindequist, und wir alle, die wir diesen einen Tüchtigen unter Durchschnittlem scheiden sahen, fühlten ehrliches Bedauern darüber, daß die „Homogenität" des Kabinetts Bethmann nicht öfter durch stahlhart« Männerenergie dieser starken Persönlich. keit-Prägung inS Wanken gebracht worden: Es hätte dem Reich nur frommen können!
Ein ungnädig Entlaßner. hat Wermuth noch auS dem Exil warnend seine Stimme erhoben, und wir hörten dann im Reichshaus alte und neue Leute am Regierungstisch preisend mit viel schönen Rede» des Wackren Tugend rühmen. Männer d e r Art ünd dem Reich
wir vor diesen Plätzen unsere Sie- g e zu erfechten haben. Gerade deswegen brauchen wir in der Nähe der Grenz« Truppen, die besonders gut eingeübt und diszipliniert sind. Was die Aviatik anbetrifft, so ist in den Ostregionen auf Anregung des Hauptmanns Hirschauer die Einrichtung aviatischer Parks beschlossen. Ich habe mich an Ort und Stelle überzeugen können, daß diese Aufgaben nicht leicht sein werden. Aber ich hoffe, daß wir der materiellen Schwierigkeiten bald Herr sein werden. . .!" Herr Millerand hat hier mit dankenswerter Offenheit gesprochen und w i r können aus seinem Bekenntnis mancherlei Nützliche- lernen.
Ein Türkensieg auf Rhodos.
Eine schwere Niederlage der Italiener, siebenhundert Tote, viele Verwundete.
Das harmlose »Abenteuer von Rhodos", das in der italienischen Presse fast wie ein Scherz behandelt wurde, hat nun plötzlich eine verhängnisvolle Wendung genommen: Meldungen aus Konstantinopel berichten über eine schwere Niederlage, die die Italiener in einein Kampf auf Rhodos erlisten haben und der mit dem Verlust von siebenhundert Toten auf italienischer Sette endete. Römische Depeschen bezeichnen die Meldung über den Sieg der Türken zwar als falsch, doch sind alle Einzelheiten des Kampfes in den türkischen Schilderungen so bestimmt und präzise angegeben, daß an der Zuverlässigkeit der Nachricht nicht zu zweifeln ist. Es liegen über den Kampf auf Rhodos folgende Meldungen vor:
Konstantinopel, 9. Mai.
(Privat-Telegramm.)
Rach Meldungen, die im Ministerium des Aeußern eingetroffen sind, haben die türkischen Truppen auf Rhodos einen großen Sieg über die Italiener erfochten. Die Berichte beziffern die italienischen Verluste auf siebenhundert Tote, zahlreiche Verwundete und sechs Geschütze, Man erzählt, die Italiener seien am Dienstag abend bei dem Versuch, einen abseits stehenden türkischen Posten südlich der Hauptstadt zu umzingeln, in eine vom jungen Obersten Abdullah gestellte Falle geraten und plötzlich von einer erdrückenden Nebcrmacht von allen Seiten angegriffen und nach achtstündiger verzweifelter Gegenwehr gezwungen worden, die Waffen zu strecken. Die Verluste der Türken, die längst vorbereitete Positionen inne hatten, seien vergleichsweise gering. Die Schlacht wurde nach dem Eintreffen von italienischen Verstärkungen wieder ausgenommen und dauert fort. Die Italiener waren über die in den letzten Wochen veranlaßte außerordentliche Verstärkung der Garnison von Rhodos ebenso schlecht informiert wie die Türken über die Flottenbewegung der Italiener gut unterrichtet waren. Die Flotte konnte weder die heliographiche noch die drahtlose Verbindung mit dem Festlande zerstören und war anscheinend nach Landung von zweitausend Mann unbesorgt weggefahren, worauf die Türken ihren Kriegsplan gründeten.
Rückzug der Italiener 1
Ein weiteres Privattelegramm aus Konstantinopel meldet: Der Minister des Innern bestätigt die gemeldeten italienischen Verluste und erklätt, die Nachricht sei von der heliographischen Statton auf Rhodos nach Mermeris und Smyrna abgegangen. Er habe vom Vali dringend genaue Angaben über Einzelheiten verlangt. Nach einem weiteren Telegramm des Vali von Smyrna haben sich die Italiener auf die Kriegsschiffe zurückgezogen. Der Minister des Innern hat weitere Eckundungen verlangt. In der türkischen Deputiertenkammer teilte gestern nachmittag der Präsident die günstige Nachricht mit, was unter den Deputietten brausenden Jubel hervorttef.
Sie Polizei im Landtag.
Ein Tag der Sensationen im preußischen Abgeordnetenhaus; Polizisten führe« einen Abgeordnete« aus dem Saal!
Berlin. 9. Mai.
(Privat.Telegramm.) X
Im Abgeordnetenhaus« richtet« heute der nationalliberale Abgeordnete Schis- fer heftige Angriffe gegen Dänen, Pole« und Sozialdemokraten, denen er jede nationale Gesinnung absprach, worauf de« sozialdemokratische Abgeordnete Borchardt wiederholt durch Zwischenrufe den Red- ner unterbrach. Präsident: Abgeordnete« Borchardt, ich ersuche Sie zum letzten Male, die Zwischenrufe zu unterlassen! Abgeordneter Borchardt: Warum ermahnen Sie nur mich immer; es wird doch auch von der rechten Seite immerzu gerufen. Präsident Dr. von Erffa erklätt darauf: Ich stelle vor dem Hous« fest, daß Abgeordntter Borchardt mir die Leitung der Verhandlungen unmöglich macht und schließe den Abgeordneten Bor- chardt von dem Rest der Sitzung aus. Abgeordneter Borchardt weigerte sich, den Saal zu verlassen. Er erklätt«, daß Derjenige, der ihn gewaltsam wegbring«, sich gegen das Straf- gesetzbuch vergehe. Der Präsident schloß darauf unter ungeheurem Beifall der Rechten und gewalttger Unruhe der Linken die Sitzung auf eine halbe Stunde. Nach Wiederaufnahme der Sitzung weigette sich Borchardt noch immer, seinen Platz zu verlassen. Es erschienen daraufhin ein Polizeileutnant und vier Schutzleute und fühtten Borchardt unter heftigem Widerstre. 6 en aus dem Saal. Der Vorfall rief auf der Linken einen ungeheuren Tumult hervor und einen Augenblick schien eS, als ob man im Saale handgemein werden wolle. Die so. zialdemokratischen Abgeordntten protestierten unter größtem Lärm der Rechten gegen den „HauSknechtSakt" des Präsidiums, der dos Parlament Preußens vor der ganzen Welt entwürdigt habe. Der Tumult, der Lärm und die Unruhe im Saal dauerten fast eine Stunde. Die Fraktionen werden heute abend Sitzungen abhalten, um zu beraten, wie Vor. gonge wie der heutige in Zukunft zu vermeide» seien. Sogar auf den Tribünen entstand ein großer Tumutt, als plötzlich Polizei im Saale erschien und den Abgeordntten Borchardt gewaltsam hinausfühtte. Borchardt sträubte sich aus Leibeskräften, und die vier Schutzleute hat. ten alle Mühe, ihn aus dttn Saal zu bringen: Ein Schauspiel, wie es im preußischen Lan- desparlckment noch nicht da war ., J
Dr. Reicke-ersah Adickes?
(Privat-Telegram m.)
Berlin, 9. Mai.
Im Hinblick auf den bevorstehenden Rücktritt des Oberbürgermeisters Kirschner von seinem Amt und im Hinblick auf die beretts gesicherte Wahl Wermuths zu feinem Nachfolger, wird die Mitteilung verbreitet, daß auch Herr Dr. R e i ck e aus seinem Amt als Bürgermeister der Stadt Berlin auszuscheiden gedenkt. Man versichett, daß bereits unverbindliche Vorbesprechungen mit Vettretern der Stadt Frankfurt am Main stattgefunden hätten, wo man Dr. Reick« als Nachfolger Dr. Adickes in Aussicht genommen habe. Dr. Reicke, der als Kommunalpolitiker sowohl wie als Dichter einen geachteten Ruf genießt, soll sich berett erklätt haben, das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters zu übernehmen. I« städtischen Kreisen verlauttt, daß man Herrn Kirschner bei seinem Ausscheiden aus dem Amt zum Ehrenbürger Berlins ernennen werde.
nicht allzu-ost beschieden gewesen, und man darf die Berliner (deren Sehnsucht auch schon Bernhard Demburg galt) beglückwünschen, wenn Adolf Wermuth, geziett mit der güldnen Kette des Bürgermeisters, Herrn Kirschner am Brandenburger Tor und in der Rathaus-Herrschaft ablöst. Dutzende von Exzellenzen verkümmern in der Langeweile allzufrühen Feierabends, unfreiwillig meist, ohne die Möglichkeit, rostende Kraft nutzen zu können. Von Herrn von Lindequist hören wir, daß er neuerlich unter die Kolonialschttfffteller gegangen und außerdem ein wenig Landwirtschaft zu treiben gedentt; Bernhard Dernburg (der auch als veritable Exzellenz stets ein »Outsider" geblieben) bereist die alte und neue Welt, und leiht seine Erfahrungen als stiller Berater befreundeten Großbank-Unternehmungen; Arnim-Criewen, der tüchtigste Ackerbauminister, dessen sich Preußen seit einem Menschenalter zu erfreuen hatte, bleibt der Oeffeuttichkeit in der Stille des weltfernen Gutshofs verborgen, wie viele andre vor ihm und mit ihm, die des Ministerdaseins Leiden in seinen schmerzlichsten Empfindungen ko- sttten.
Daß P o f a, der Naumburger Domherr im wallenden Batt, fürs Parlament errettet ward, danken wir dem klugen Sinn geschickter Wahlkampf-Manager, die in Posadowskys starker Persönlichkeit und politischer Autorität die »Attraktion" wittetten; wär'S anders gewesen: Der Domherr von Naumburg würde heut noch an der Saale grünem Strande in dumpfer Resignation verharren! In Frankreich, in Italien, in England, im halbasiatischen Serbien und in den finstersten Balkanschluchten »stirbt" der Minister nicht für Land und Nation, wenn ihn das Schicksal vom Stuhl der Exzellenz hinwegdrängt: Er wirkt mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit weiter für seine Ideen und Ideale: sei'S als Publizist, als Parlamentatter, als Unternehmer oder als Kaufmann, und die Erfah- rungen, die er in der Werkstatt der Volksregierung gesammelt, blttben der Nation als zinstragende Wette erhalten. Bei uns ver- spertt die »Tradttion" den enthalfterten Exzellenzen den Weg ins freie Leben; die Bürde des Amts drückt sie bis zum Ende, und wettvolle Kraft verkümmett in Tatenlosigkeit und grollendem Hader mit dem Schicksal. Herr Adolf Wermuth, der schon als Minister man- chem Kollegen leuchtendes Vorbild sein durste, wird nun als Entamteter der Vorkämpfer neuer Entwicklung, und hoffentlich bleibt er, der nie ein einsamer Träumer in weltfremder Verdrossenheit war, auch auf diesem Wege nicht allein! F. H.
Kaiser, Kunst und Künstler. Kaiser Wilhelm «nb „Onkel Herma««"; der Kaiser int Gespräch mit „seinen Malern"; das Telegramm des Onkels.
Dtt Roland von Berlin, der das künstle« ttsch- und literarisch-inttme Genre pflegt, bringt in feiner neuesten Nummer di« Schilderung einer interessanten Episode aus dem Verkehr des Kaisers mit einigen Künstlern. Do« bei hören wir von Aussprüchen, die Wilhelm der Zwttte über Kunst und Künstler getan hoben soll. Man weiß, daß der Marinemaler Karl Saltzmann den Kaiser wiederholt auf den Nordlandsahtten begleitet hat. Der Kaiser schätzte an ihm nicht nur fein Talent, fonbern auch fein stets gleichbleibendes, ungezwungen heiteres Wesen und seinen guten Humor. Als bei eiltet der ersten Fahrten der Maler einigen Herren gerade einen seiner kernigen Berliner Witze auf Deck versetzt und die bekannte »stürmisch^ Heiterkeit" erweckt hatte, kam der Kaiser hinzu: »Na, hier ist man ja höllisch lustig, was gibfS denn?" »Majestät, Saltzmann hat eben einen famosen Witz erzählt." »Den will ich auch hören, los, Saltzmann!" »Rttn, Majestät, es geht nicht . . ." Der Maler windet sich hin und her, bis ihn der Kaiser an einem Knopf des Jackttts in eine Ecke zieht: »Jetzt befehle ich Ihnen als Ihr Landesherr ... erzähle«!" -So. Majestät, in dem Falle." und