Mr. 130. — 2. Jahrgang._________________
.»mundete ihn lebensgefährlich. Das Mäd- . *en behauptete bei der Verhaftung, daß es reinen Vater habe zur Rechenschaft ziehen wol- len, weil er über die Mutter niedrige Verleumdungen verbreitet habe.
> Dos Neueste aus Gaffel
Regentage...!
Endlich begann eS zu regnen. Nicht wie in den letzten Lagen, tropfenweise, zögernd und ängstlich, sondern in klaren, gleichmäßigen Strömen. Ein einförmig nebelgraues Tuch liegt über die Berg« gebreitet, über Dächer wie Türme und hochgelegene Gebäude. Es ist eine allgemeine Regensttmmung bei uns einge- kehrt. Lange genug wurde der Regen ersehnt, das grüne Gold der Erde zu entlocken, auf dem deS Landmanns Hoffen ruht. Und doch ist es eine kritische Zeit, in der dieser Regen einsetzt, es ist die Zeit vor den „Gestrengen Herren", die bereits dicht vor der Tür stehen. Roch weiß man nicht, ob ste Einkehr bei uns halten, oder still und unausfällig vorüberpilgern. Ungefähr um die Mitte des Monats herum bezeichnet der Kalender drei Tage, die der Blütenpracht nicht wohlgesinnt sind. Es sind dies die Eismänner Pankratius. IervatiuS und Mamertus! Man nennt sie auch die „Sommerwächter", weil sie des Muters Macht nun endgültig brechen und der sommerlichen Zeit die goldenen Pforten öffnen. Die alte Bauernregel sagt: „Wer sein Schaf vor Servatius scheert, dem ist die Wolle lieber als das Schaf!" Wir sehen, dieser Aus- i sprach aus dem Hundertjährigen Kalender des r «angheimer Abtes Mauritius Knauer weist auf plötzlich eintretenden Frost hin, der seine M Totenhand über die im Blütengewande pran- f’ grnbe Flur noch einmal breiten kann. Aus diesem Grunde muß auch der Gärtner mit den W drei „gestrengen Herren" rechnen:
| „Pankratius, ServatiuS,
’ Der Gärtner Wohl beachten mutz!
Geh'n sie vorüber ohne Frost, | Dann ist's für ihn ein großer Trost. : Doch kommen sie mit kaltem Regen,
Bringt's Wein und Früchten wenig Segen!" |L Der Städter denkt meist viel zu wenig an die Sorgen, die heiße Tage im Mai, wie sie bis jetzt beschieden waren, dem Landmann bringen, der in nie endendem Kampfe mit Wetter und Wetterlaunen das Brot schaffen will, frier in der Stadt verbreitet der Regen meist Mißmut und trübe Stimmung, die aus allen Winkeln hervorschleicht und die Zeit hinziehen läßt, traurig, öde und rauh. Ein Buch soll die Zeit vertreiben, nach kurzer Frist der Geduld | Wirb es aber wieder beiseite gelegt. . . In den Restaurants und CafSs die gleiche Trostlosig- i- !eit, alles atmet die graue Regenluft, die brau» I ßen schwer und düster über der Flur liegt. Wenn nur der Regen warm und freundlich bleibt, dann gehn die Eismänner vorüber, und Freude kehrt wieder ein, und die Sonne lacht »ufs Neue auf die vom Staube reingewaschene frühlingsgrüne Welt. Und überall erfüllt die Landschaft Blütenpracht und munterer Gesang der Vögel, ohne die wir uns den Wonnemonat mit seinem Sonnenschein und seiner Freude gar nicht denken können, jenen Mai, i in dem die Sänger jubeln:
„C Maienzeit, o Liebestraum, Was ist so süß wie du . . .!" -r-
Abnahme des Regens?
R Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Donnerstag für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Abnehmende 5. Bewölkung, nachts kühler, Tageswärme 6 ansteigend, höchstens vereinzelt leichte Regen- f fälle.
Preiserhöhung im Schuhumchergewerbe?
Wie wir schon mitteilten, steht das Casseler Schuhmachergewerbe gegenwärtig im Zeichen des sozialen Kamp-
1 betraut worden. Das Schloß, dessen Bau schon in kurzer Zeit in Angriff genommen werden soll, wird sich in der Nähe des Jungfernsees in Potsdam erheben und mehr den Charakter eines Landhauses tragen. Die Pläne haben auch dem Kaiser vorgelegen und sind von ihm genehmigt.
Die Kronprinzessin als Protektorin des Tonkünstlerfestes. Der unter dem Vorsitz des Danziger Stadtkommandanten Generalleutnant von Barenfel s-W a r n o w stehende Ehrenausschuß für das diesjährige Tonkünstlerfest hatte, nachdem der Kronprinz einen diesbezüglichen Antrag abgelehnt, die Kronprinzessin um Uebernahme des Protektorats für die diesjährige Tagung gebeten. Die Kronprinzessin hat nunmehr ihre Zustimmung erteilt. Ständiger Protektor des Allgemeinen deutschen Musikvereins ist der Großherzog Ernst Wilhelm von Sachsen-Weimar.
Neues von Carmen Sylva. „Neue Gedanken der Königin von Rumänien" veröffentlichte dieser Tage eine literarische Zeitschrift: Wir entnehmen den Veröffentlichungen folgendes: „Gott verzeiht, die Natur niemals. .. . Vertraue nicht dem Menschen, der dein Fa- tnilienglück in Zweifel stellt. . . . Die Mutter ist wie der liebe Gott: Wenn man in Not ist, wendet man sich an sie; wenn aber Leiden und Unglück wieder gewichen sind, wird sie vergessen. . . . Das Glück ist wie das Echo: es antwortet, aber es kommt nicht. . . . Die Ver- seihung zeugt von Gleichgültigkeit: wer liebt, verzeiht nicht. . . . Das Glück ist der Feind 8er wahren Freundschaft, aber das Unglück ist sticht minder der Feind des Glückes. . . . Eine Frau der „großen Welt" gehört nur noch lose ju ihrer „kleinen Welt", das heißt zu ihrer Familie. . . . Meine Freiheit ist in meinem Denken."
Wieviel Bewohner hat die Erde? Nach «en Berechnungen eines belgischen Statistikers wird die Welt ober vielmehr bie Erde gegenwärtig von 1544 510 000 Menschen bewohnt. Rach der Religion teilen sie sich in folgende Gruppen: Christen (Katholiken, Orthodoxe und Protestanten) 534 940 000, Anhänger des Konfuzius 300 000 000, Anhänger der Religion -er Brahmanen 214 000 000, Muselmanen 173 290 000, Israeliten 104 860 000; der Rest lon 217 420 000 sind Heiden.
________________________________Casseler Neues f e 8. Am vierten April reichten die Gehilfen einen Lohntarif ein, der ganz bedeutende Mehr, forderungen vorsieht. So werden beispielsweise für Sohlen und Absätze bis jetzt 1,55 Mark Arbeitslohn gezahlt; bet neue Tarif fordert 1,70 Mark, für Gummiecken wurden seither 10 Pfennige mehr gezahlt, im neuen Tarif sind 25 Pfennige vorgesehen, und in diesem Verhältnis geht es für alle Arbeiten durch. Es werden fünfzehn bis zwanzig Prozent mehr gefordert. Weiter sollen für jede Arbeitsstunde 50 Pfennige, für Ueberstunden 20 Pfennige Zuschlag gezahlt werden und zehn Prozent Zuschlag für Gesellen, die außerhalb des Hauses arbeiten. Dazu kommt noch die Forderung, daß Kost und Logis beim Meister abgeschafft werden sollen. Diese Forderungen, so wird uns aus Schuhmacherkreisen mitgeteilt, machen den Meistern eine Erfüllung sehr schwierig, wenn sie auch anerkennen, daß die Schuhmachergesellen in Cassel nicht gerade die bestentlohntesten sind. Aber das liegt in der Natur der Sache, seit dem Schuhmachergewerbe, das von jeher Hausindustrie war, die Konkurrenz der Schuhfabriken entstanden ist. Auf beiden Seiten ist man nun gewillt, einander entgegenzukommen, und eine Versammlung am zweiten Mai hat zu der Hoffnung Berechtigung gegeben, daß eine friedliche Beilegung der Differenzen erfolgen wird. In Anbetracht der schwierigen Lage des Kleinhandwerks werben aber die Meister sich gezwungen sehen, die ihnen durch den neuen Tarif erwachsenden Mehrkosten aus das Publikum zu übertragen. Der Vorstand der Schuhmacherinnung hofft, daß dieser Schritt im Publikum in Anbetracht der oben geschilderten Umstände nicht mißverstanden wird.
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2er Kongreß der Hausbesitzer.
Der 2. Verhandlungstag des 2. Internationalen Hausbesitzerkongresses war dem wich» ttgsten Thema der ganzen Tagung gewidmet, bie Realkreditfrage und ihre beste Lösung für den Hausbesitz. Justizrat Dr. B a u - mert-Spandau unter®reitete der Versammlung Leitsätze, in denen gefordert wird, daß jede Hypothek seitens des Gläubigers in der Regel unkündbar sein müsse und eine allmähliche Tilgung der Hypothek eingeführt werde. Für den städtischen Realkredit feien Hypothekenvereine oder Pfandbriefinstitute für erste und zweite Hypotheken nach dem Beispiele Dänemarks ins Leben zu rufen. Stadtrevisor Namm- Göteborg meinte, daß der Staat nicht nur dem Kleinwohnungswesen, sondern auch dem Wohnungswesen des Mittelstandes, wie überhaupt dem aller Klassen helfen müsse, während Rechtsanwalt Dr. Rsmond-Paris anregt, daß die Hausbesitzervereine die öffentliche Meinung für die Entwickelung des Realkredites interessieren. Kunstanstaltsbesitzer Hum ar-München besprach in längeren Ausführungen die Versuche zur Regelung der zweiten Hypothekenfrage. In Gelsenkirchen habe man eine Versicherung für zweite Hypotheken vorgeschlagen, in Mannheim eine Mietsvetlust- versicherung. München habe den gangbarsten Weg beschritten, indem es eine Hausbesitzerbank gründete, die schon für 600 000 Mark zweite Hypotheken ausgegeben habe. Allerdings müsse man auf den Hausbesitzerstand erzieherisch einwirken und den soliden Hausbesitzer trennen von dem, der nur Miete einnimmt und nichts bezahlen will. Er stellte schließlich den Antrag, zur Lösung der Frage des Realkredits bei den zweiten Hypotheken eine Kommission einzusetzen. Diejenigen Städte Deutschlands ober des Auslands, die sich praktisch auf diesem Gebiet betätigen, sollen die Pflicht haben, jedes Jahr ihre Erfahrungen und Abrechnungen dieser Kommission einzu- fenben, bie das eingegangene Material bann weiter verarbeiten soll. Privatier Wege- Berlin versprach sich nur auf genossenschaftlichem Wege Hilfe in bet Frage ber zweiten Hvpotheken und Direktor Cohen- Hamburg trat für eine Hypothekenversicherung für das ganze Reich ein. Schließlich stellte Architekt Vissing- Berlin den Zusatzantrag, die Mündelsicherheitsgrenze für zweite Hypotheken auf städtische Grundstücke zu erhöhen. Direktor Schöneberg-Königsberg teilte mit, daß die ostpreußischen Hausbesitzer ein Kreditinstitut für zweite Hypotheken begründet haben, es fei ihnen aber nicht gelungen, ihre Schuldverschreibungen an den Mann zu bringen und die Aktion sei darauf gescheitert. Hierauf wurden die weiteren Verhandlungen vertagt. »er»
Ein Riefen Warenhausdiebstahl in Cassel! Ein großer Diebstahl wurde gestern in einem hiesigen Warenhaufe aufgedeckt. Seit längerer Zeit war beobachtet worden, daß die verschiedensten Sachen abhanden kamen, ohne daß man den Dieben auf die Spur kommen konnte. Gestern gelang es nun, den Dieb in der Person eines Hausdieners zu entlarven. Durch die Diebstähle war selbstverständlich auch das übrige Personal in Verdacht gekommen und dadurch wurden auch vom Personal strenge Beobachtungen angestellt. Dem Diebe, der mit mehreren anderen Burschen zusammen „gearbeitet" hat, gelang es, nach und nach für über tausend Mark Waren aus dem Geschäftslokal zu schmuggeln. Schuhe, Strümpfe, künstliche Blumen, große Koffer, kurz alles, was erreichbar war, mußte mitgehen. Es ist geradezu bewunderungswürdig, wie es dem Dieb gelang, die Sachen unauffällig beiseite zu schaffen und aus dem Geschäftslokal zu bringen. Als man gestern abend den Hauptübeltäter festnahm, gestand er den Diebstahl ein und verriet auch die Namen feiner Komplizen, die nun ebenfalls fest genommen werden konnten. Ein großer Teil der Sachen wurde wieder aufgefunden.
-r- Die Schauflüge auf döm Forst. Wie be. reitS berichtet, veranstaltet das Casseler Flugkomitee am Sonnabend und am Sonntag auf dem Forst ein großes Schaufliegen. Es fliegen die Flugzeugführer C. Abelmann und H. Schmigulski auf zwei Eindeckern modernsten Typs, die am Sonntag und am .Dienstag hier eintrafen, DaS Miesen besinnt
e Nachrichten_________________________________
um drei Uhr. ES werden veranstaltet: Demon- strattonsflüge, GeschicklichkeitS- und Kunstflüge, Schleffenflüge (Achten usw.), ein Dauerflug, qin Höhenflug fowie Landung im Gleitflug mit abgestelltem Motor und außerdem Passa- gierflüge. Ferner findet Bombenwerfen in Höhen von einhundert bis zweihundert Metern statt, dargestelt durch Herabwerfen von Sandsäcken. Als Zielscheibe dient eine auf dem Erdboden markierte Weiße Fläche. Die Tribünen bleiben bis zum zwölften Mai stehen. Wie verweifen auf das heutige Inserat.
-> Die Jubiläumsausstellung neunzehnhundertdreizehn. Im heutigen Inseratenteil befindet sich ein vom geschäftsführenden Ausschuß der Ausstellung 1913 unterzeichneter Aufruf worin auf die Bedeutung der Sammlung hin- getoiefen wird, und wie wichtig eine wesentliche Unterzeichnung des Garantiefonds fein muß. Dadurch verändert sich das Risiko des Einzelnen in entsprechender Weise und dadurch kommt auch am deutlichsten zum Ausdruck, daß die Ausstellung den Wünschen weiter Kreise begegnet. Die Listen werden am fünfzehnten Mai geschlossen. Als SJlinbe ft betrag ber Zeichnungen sind fünfzehn Mark erwünscht.
-s- Waidmannsheil! Die Jagd auf Rehböcke ist gestern, am ersten Dienstag im Monat Mai, für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel eröffnet worden. Frisch auf zürn fröhlichen Jagen ...!
-r- Die landwirtschaftliche Besichtigungsreise nach dem Osten. Gestern vormittag traten dreißig Landwirte, aus verschiedenen Kreisen Hes. sens stammend, unter Führung des hiesigen Vertrauensmannes ber Königlichen Ansiedlungskommission, Herrn W. Schaumburg, eine Besichtigungsreise nach dem Ansiedlungsgeb let in Posen an. Die Reisegesellschaft besucht An- sieblungsgüter in ben Kreisen Posen-Ost, Czar- nikau und Wirsitz, um sich bort anzukaufen.
-r- Eine Wettertafel in der Wolfhagersttatze. Am Hause Wolfhagerstraße Nr. 164 würbe gestern von der Stadt Cassel eine Wettertafel in Gestalt eines etwa einen Quadratmeter großen Aushängekastens angebracht. An dieser Tafel befinden sich: Ein Thermometer, ein Barometer und ein Hygrometer ber neuesten Konstruktion. Außerdem sind zur Orientierung des Publikums unter dem Baro- und Hygrometer je eine Tafel mit den Bestimmungen zur Anwendung dieser beiden Instrumente angebracht, sodaß jeder Laie mit Leichtigkeit ben Stand und bie Bedeutung des Zeigers erkennen kann, unb eine täglich auszuwechselnde Wetterkarte. Weiter sind auf befon» bereu Tafeln einige Angaben über bie geographische Lage ber Residenzstadt Cassel, sowie die Höhe ber bekanntesten Punkte ber Stabt und ihrer Umgebung angegeben.
—r- Weitere Ausdehnung des Fernsprechverkehrs. Künftig ist ber Sprechverkehr von Cassel aus mit ben nachbezeichneten Orten zu- gelassen gegen bie beistehenben Sprechgebühren: Heyst-op-ben-Berg, brei Mark; Mühlacker, eine Mark «Dürrmenz, Pinache, zum Ortsbereich von Mühlacker gehörig, Buch, Bez. Pots» bam, eine Mark (Schönerlinde, zum Ortsbe- reich von Buch aehörig); Bab Elster, eine Mark «Mühlhausen, Vogt!., zum Ortsbereich von Bab Elster gehörig und Call, eine Mark (Calenberg, Scheven, Kr. Schleften, Soetenich, Urft, zum Ortsbereich von Call gehörig).
-r- Personalien von der Post. Zum Mit- Slied ber Kaiserlichen Disziplinarkammer in assel wurde Oberpostrat Schwerkötting in Frankfurt a. M. für die Dauer des von ihm bekleideten Amtes ernannt. Uebertragen wurde bie Verwaltung einer Bureaubeamtenstelle erster Klasse bet der Ober-Postbirektion in Min- ben (Westf). bem Telegraphensekretär > Hol- lanb-Merten in Cassel. Versetzt würbe Postverwalter Schönewolf von Sontra nach Cassel unter Ernennung zum Ober-Post- assistenten unb freiwillig ausgeschieden ist bie Telgraphengehilsin Nabe in Cassel.
--- Fünfzig Jahre „Singkränzchen". Gestern abenb fanb im Restaurant Günther in ber Frankfurterstraße eine interessante Probe für bas große Konzert statt, bas bie Krönung ber Jubelfeier des „Singkränzchens" bilden wird. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein Gruppenbild gezeigt, das nicht weniger als hun- bertsiebzig gilbet umfaßt. Das künstlerisch ausgeführte Bilb wird von heute ab im Schaufenster ber Firma Chartier in ber unteren Königsstraße ausgestellt. Besonders beachtenswert ist ein kleines Bild ber Gründer des Vereins, jene acht Herren, bie vor nunmehr fünfzig Jahren bas Gesangsguartett „Singkränzchen" bilbefett, bas heute ein fo großer bliihen- ber Sängerkranz geworben ist. Es waren bie Herren Ruhl. Löwer, Bimber. Burgmeister. Dorft, Andresen, Zehner und Schnell. Außerdem befindet sich auf diesem Bilde noch ber erste Dirigent, Kgl. Musikbireftor Spengler. Von ben acht Grünbern lebt nur noch Herr Zehner, ber als Ehrenmitglied deS „Sing- kränzchens" an ber fünfzigjährigen Jubelfeier teilnehmen wird. Aus Anlaß dieser Feier ist eine Festschrift herausgegeben worben, bie ein getreues Spiegelbild der Geschichte und ber glänzenden Entwickelung des Jubelvereins bilbet unb sich in prächtiger Ausstattung präsentiert.
-T- Kleine Tageschronik. Beim Promenaben- konzert am Kaiserplatz bringt heute nachmittag bie Henkelsche Kapelle folgenbe Stücke zum Vortrag: „Unter beutscher Flagge", Marsch von Andrs. Ouvertüre zur Over „Der erste Glücks- tag" von Auber. „Zwei Aeuglein braun", Lied von Gumbert. Selektion aus ber Operette „Die Geisha" von Jones. Walzer nach Jos. Strauß- scheu Motiven aus ber Operette „Frühlings- lust" von Fottas. — Die hiesige „Vereinigung stäbtischer Beamten" hält am neunten Mai, abends neun Uhr, in ihrem Vereiussitz-Restau- rant „Heil. Geist" in der Obersten Gasse ihre monatliche Mitgliederversammlung ab. — Wie aus dem heutigen Inseratenteil ersichtlich ist, veranstaltet ber We rkm ei st er-Be zirksverein morgen abenb halb neun Uhr im großen Stadtpark, faal einen Skbtbilberbortrag über „Die Um. wälzuug in China". — Der am 14. Mai statt, finbenbe Lieberabend Casseler Sieberber, eins findet bereit? lebhaftes Interesse. Der Liederabend wirb im großen Stadtparksaal ab» gehalten.
Donnerstag, 9. Mai 1912.
Letzte Telegramme.
(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)
Neue Arbeltskömpse in England?
(Privat-Telegram m.)
London, 8. Mai.
Nachdem gestern abend der Londonei Transportarbeiter - Verband beschlossen hatte, den streikenden Seeleuten der Pen- fylvania- and Oriental-Compagnie zu Hilfe zu kommen, kann man sich aus eine Wiederholung des großen ArbeitskampfeS vom Herbst des letzten Jahres gefaßt machen. Falls die genannte Dampfergesellschaft nicht nachgibt und wenigstens auf ihren größeren Schiffen mindestens zwei weiße Matrosen für jedes Rettungsboot in den Dienst stellt, wird cS zunächst zu einer Boykottierung seitens der Seenianns-Union und des im Londoner Hafengebiet allein über hunderttausend Mitglieder zählenden Transportarbeiter-Verbandes kommen, was gleichbedeutend sein mürbe mit einer neuen verhängnisvollen, Kraftprobe zwischen den Seeleuten und den Reedereien.
Paris, 8. Mai. (Privattelegramm.) Gestern erschienen etwa zweihundert Arbeiter der Automobilfabrik von Hispano-Suiza in Le- valloa vor dem Direktor und verlangten zu Ende der Woche mehrere freie Tage. Als ihnen dies abgeschlagen wurde, stellten sie sofort die Arbeit ein. In der Mittagsstunde warteten sie auf die noch tätigen Arbeiter, und es kam dann zu einer regelrechten Schlacht, wobei auf beiden Setten vom Revolver Gebrauch gemacht wurde. Polizei und Militär mutzten einfchreiten. Sechszehn Verhaftungen wurden vorgenommen. Zwei Schutzleute und mehrere Ausständische sind schwer verwundet worden.
Die Berliner Oberbürgermeister-Krise.
Berlin, 8. Mai. (Privat-Tele- gram m.) Wie verlautet, ist das schriftlich an ben Magistrat gerichtete Abschiedsgesuch des Oberbürgermeisters Kirschner bereits ab gegangen und wird in der geheimen Sitzung ber Stadtverordneten am morgigen Donners, tag verlesen werden. Daran anschließend wird man alsdann gleich die Kandidaturfrage besprechen. In der öffentlichen Sitzung wird über die Angelegenheit nicht gesprochen werden.
Der Kaiser auf der Heimreife.
Berlin, 8. Mai. (Privat-Tele- gramm.) Kaiser Wilhelm begab sich heute mittag um ein Uhr an Bord der „Hohenzollern" von Korfu nach Genua. Am Sonnabend wird der Kaiser gegen Mittag in Karlsruhe ein. treffen, wo dann die Besprechungen mit dem Reichskanzler und dem Botschafter Freiherrn von Marschall stattfinden werden.
Die Wehrvorlagen im Reichstag.
Berlin, 8. Mai. (Privat-Tele. gramm.) Die Budgetkommission des Reichs, tags genehmigte heute den Ergänzungsetat entsprechend den aus dem neuen Militär, gesetz sich ergebenden Forderungen. Ei« Antrag des Zentrums, die MannschaftS. l ö h n u n g um acht Pfennig zu erhöhen, wur- de bis zur Beratung des ordentlichen Etats zurückgestellck. Die Beschlutzfaffung über die voraussichtlichen Aenderungen des Reichs- Haushaltsetats mürben bis nach erfolgter Klärung der Deckungsfrage ausgesetzt. Hieraus wandte sich die Beratung dem Etat für di? Verwaltung des Reichs.heereS zu.
Churchill-Deleaffö-Poinears.
Paris, 8. Mai. (Privat • Telegramm.) Auf einer Studienreise nach dem Mittelmeer wirb ber englische Marineminister Churchill in Paris einen kleinen Aufenthalt nehmen, um mit dem französischen Marineminister Deleaffs und auch mit beit Ministerpreäfibenten Poincars zu konferieren. Man mißt der Begegnung unb ben Unter- rebungen ber beiden Marineminister ber be, freunbeten Staaten in politifchen Kreisen gro • ß e Bedeutung bei.
Das Verbrechen eines Geisteskranken.
Paris, 8. Mai. (Privattelegramm.) Ein scheußliches Verbrechen ist auf ber Insel Korsika in bem kleinen Dorfe Poggiolo verübt worben. Ein geisteskranker Mann drang in ber letzten Rächt in das Haus einer Nachbarin unb tötete bie Frau, inbem er ihr mit einer Spitzhacke ben Schädel einschlug. De» Verrückte ergriff bann ein langes Küchen- meffer, unb schnitt feinem Opfer erst ben Kopf, bann bie Beine ab. Die Leichen- teile stellte er bann auf einer Wiese auf, wie er sagte, um bie Frau bort weiben zu lassen. Der seit langem gemeingefährliche Kranke ist jetzt in eine Anstalt gebracht worben.
Der Kampf um Rhobos.
Konstantinopel, 8. Mai. (Privat - Telegramm.) Nachrichten aus RhoboS besagen, baß im Innern ber Insel ber Kamps fortbauere. Mehrere hiesige Blätter berichte» heute, baß die auf der Insel befind- lichen türkischen Truppen sehr wohl in der Lage seien, ben Italienern ein Jahr lang Wider staub zu leisten, ba sie mit Lebensmitteln unb Munition reichlich versehen seien. Auch bürfe man türkischerseits auf bie Hilfe bet griechischen Bevölkerung rechnen.
Ein neuer Konserven-Skandal?
Newyork, 8. Mai. (Privattelegrantm.) In ber amerikanischen Konserven Industrie droht abermals ein Skandal auszubrechen. Auf Verlangen des Senators Nelson hat bas parlamentarische Komitee von neuem eine Untersuchung gegen die Konservenfabrikanter eingcleifet. Senator Nelson richtet ähnliche Angriffe wie seinerzeit Upton Sinclair gegen diese Industrie unb behauptet unter anderem, daß trotz aller Angriffe ber Konserven- Jnbustrie diese forttahre, wiederum schlechtes Fleisch für die von ihnen hergestellten Konserven zu verarbeiten.
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