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Casseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 127.

Fernsprecher 961 und 952.

Sonntag, 5. Mai 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang

toit den Menschen Frederic Cook gesehen, haben in schlichter, allePointen meidender, jeder - Pose abholder Erzählung aus seinem eignen i Mund vernommen, wie er nach bestem Wissen i und Gewissen noch heut das Recht erfaßt, | sich den Entdecker des nördlichen Pols der Erde zu nennen. Und mir scheint, daß es die Pflicht der Menschlichkeit und Gerechtigkeit er- - fordert, Dr. Frederic Cook's Kampf um ein Verdienst, dessen Erstreben der dunkle Schleier f der Polar-Nacht wie ein ewiges Geheimnis deckt, nichtunterm Strich-, nicht ihm Rah- g men ber leichtbeschwingten Feuilleton-Skizze, sondern an einer Stelle zu erörtern, die der r tragischen Wucht dieses eigenartigen Menschen- und Entdecker-Schicksals anch in der äußern - Form des Taggebrauchs öffentlicher Meinung ; gebührend Rechnung trägt.

Ein müder, vom Leben hart geprüfter, vom Stachel des Schicksals im Innersten des Menschlichen getroffner, und doch mit dem Heroenmut des Wahrheitkämpfers dem Ver- hängnis einer düstren Zufallslaune widerstre- bender Mann steht am Vortragspult. Schlicht und einfach, in Wort und Geste ohne Prunk Md Schwung, erzählt er den Lauschenden die Geschichte seiner Fahrt zum Pol wie ein trau- -s kiches Märchen, und wenn nicht das Bild auf der Leinwand die finstern Schrecken der Eis- nacht, die grauenweckende Einsamkeit in der iflifett Unendlichkeit-Wüste am Pol dem Hörer vor's Auge zauberte, könnte man wähnen, die Fahrt durch Nacht und Eis sei imgrunde nur eine Kette unterhaltender Abenteuer, deren nervenprickelnder Reiz sogar den Einsatz des Menschenlebens nicht zu hoch erscheinen lasse.

; Aber hinter dem einfachen Wortgefüge birgt sich eine Giganten-Leistung, hinter den bunten Bildern auf der leuchtenden Leinwand lauern tausend Gefahren, und man fühlt, wie die stahlharte Energie des Mannes, der im schwar­zen Rock am Vortragspult über alle diese Dinge - wie im melancholischen Erinnern an Tage kühn- ' srer Hoffnung plaudert, sich zur höchsten Lei- r stung menschlichen Wollens emporgestrafft.

Frederic Cook behauptet nicht, das Geheim- s nis des nördlichen Pols restlos menschlicher Er- r kenntnis entschleiert zu haben: Er faßt die D Summe seiner Leistung in der Erkenntnis zu- Msammen, diejenige Stelle der Erdober­fläche erreicht zu haben, die dem nördlichen x Nadelpunkt der Erdachse am nächsten liegt. . Der magnetische Pol ist (wie Cook und Pearh x übereinstimmend berichten, und wie es auch von A den übrigen Nordpolfahrern bestätigt worden ist) kein fester Erdpunkt sichtbaren Landes, son- | dern eine Wüste ewig in Bewegung befind- - licken Eises, das eine dauernde Festlegung ii: des Ortspunkts zur Unmöglichkeit macht. Cook hat diese Eiswüste erreicht, hat sie durchquert, bis zu dem Puntt, wo er mit den ihm zur Verfügung stehenden Instrumenten den Pol als feststehend erachten durfte: Das ist der Er­folg seiner Leistung, deren Größe nicht an- i gezweifelt und deren Wert auch dann nicht be- ' strttten werden kann, wenn sie wirklich nicht ' alle Hoffnungen erfüllt hat. Die Tragik im I Dasein Frederic Cooks begann mit dem Mo- !

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würde, wenn er nicht als Erster in den Eis­schollen am Pol Amerikas Sternenbanner auf­gepflanzt hätte, er war dem Kampf mit den Gefahren amerikanischer Stimmungsmache nicht gewachsen; seine Nerven, die der Hochspannung der Energie mondelang sieghaft gehorcht, ver­sagten im Gassenkampf der Jntriguen, und Dr. Frederic Cook gab seinen Gegnern selbst die schärfste Waffe in die Hand: Er enteilte dem Schauplatz des Kampfs!

Heut schweigt von Pearh die Stimme des Tages; als Pensionär der Union zehrt er von den Resten eines Ruhms, dessen Lorbeer fast verwelkt, und während der Sturm um die Krone des Verdienstes längst erstorben, hat sich Frederic Cook zu neuem Kampf ermannt. Män­ner wie Amundsen, Nordenskjöld, Sverdrup, Schleh, Baldwin, Wcight, Payer und Wallace- Autoritäten der Polarforschung rechtferttgen seinen Anspruch, als erster Mensch dem Erdpol des Nordens am nächsten gewesen zu sein: in der öffentlichen Meinung Amerikas, Skandina­viens und Englands hebt sich die Würdigung Cook'schen Verdienstes wie ein Sonnenstrahl aus nebelgrauem Tal empor zum Licht der Kritik, und die Wissenschaft hat längst den Lpott über denSpaziergang zum Pol- ver­lernt. Als Privatmann reist Frederic Cook nun durch die alte Welt; nicht als ein Streiter

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Frederic Boot in Gaffet Eindrücke vom gestrigen Vortrag deS RordpolfahrersCook im Sanusch-Saal.

... Wir wollen nicht, daß die Leute uns lagen: Jetzt glauben wir, daß Tr. Cook den Pol erreicht hat, wir wollen nur, daß sie über das, was wir vorbringen, nachdenken!" (Aus der Einleitung zum gestrigen Casseler Vortrag deS Rordpolfahrers Dr. Cook.) Paul Kahn hat an einem der letzten Tage im Feuilleton der Casseler Neuesten Nachrichten | den Märtyrer Cook gezeichnet: Den Mann, ß der im Kampf «m seine Ehre das Hohngeläch- - ter einer Welt erduldet und den Spott zweier r Erdhälften ertragen hat, ohne am Prinzip der E Gerechtigkeit zu verzweifeln. Und nun haben

Sie NiMpvi-KatMgphe.

Eine neue Aeberschwemmnng des Mississippi.

(Privat-Telegramm.)

Newyork, 4. Mai.

Wie aus Rew-Orleans hierher depeschiert wird, ist rat Gebiet von Torras in Louisia- na, das ungefähr hundertfünszig Kilometer nördlich von New-Orleans am Mississippi liegt, durch den Dammbruch des Flusses un- geheurer Schaden angerichtet worden. Die Einwohner von Torras waren vom Schrecken übermannt, als sie die Zerstörung ihrer Heimstätten vor Augen sahen. Ganze Familien stürzten in den tiefer gelegenen Stadtteilen enffetzt aus ihren Häusern, und viele entkamen nur dürftig bekleidet und mit Verlust all ihrer Habe. Das Wasser drang reißend durch die Dammrisse und brei­tete sich so rapide durch die Stadt aus, daß dis Einwohner ums nackte Leben davonflie- hen mußten. Ein auf dem Bahnhof haltender Güterzug wurde gewaltsam mit Beschlag be- legt und etwa siebenhundert Flüchttinge ent­kamen damtt, kurz ehe der Bahnhof selbst von der Flut erreicht wurde. Torras steht völlig unter Wasser, und elf der reich­sten Gemeinden im Staate sind überschwemmt. Den Zucker- und Baumwollenpflanzungen wurde unberechenbarer Schaden zu­gefügt. lieber ein Dutzend Dörfer und Tau­fende von Morgen des besten Zuckerlandes sind vom Wasser bedeckt. Am Mississippi ist jetzt das ganze Delta überschwemmt. Durch neue Dammbrüche sind ungeheure Was- sermassen in die Niederungen geflutet und überschwemmen dort Landstrecken von Hunder­ten von Quadrat-Kilometern. Der Schaden beträgt viele Millionen von Dollars; die Zahl der Menschenopfer steht noch nicht fest, doch sollen viele Bewohner der über­schwemmten Gebiete ertrunken sein.

erscheint, eine Persönlichkeit abzuberufcn, die über türkische Dinge so gut unterrichtet ist, wie Freiherr Marschall von Biber? stein, so ist doch in nächster Zeit eine Ber< setzung Marschalls auf einen anderen Posten zu erwarten. Das Blatt deutet an, daß dieser neue Posten der des Botschafters in London sei, der durch den Rücktritt des Grafen Metternich frei werde. Als Botschafter in Konstantinopel komme in erster Linie der Gesandte in Athen, Freiherr von Wan­ge n h e i m, in Bettacht.

Newyork, 4. Mai, mittags. (Privat. Telegramm.) Das Hochwasser des Miffift sippi bildet immer noch über weitt Landstrecken in der ganzen Länge des Flusses eine groß« Gefahr, besonders der untere Mississippi wieder in bedrohlichem rapiden Steigen 6e> griffen. New-Orleans ist vom Hochwasser be­droht. Es werden alle verfügbaren Arbeits­kräfte aufgeboten, um die Dämme zu verstär­ke», da sich die Dämme am unteren Mississippi als viel zu schwach erwiesen haben.

Sie Statt hon Theben.

Die Seherin von Paris «nd der Untergang der Titanic; das schwarze Jahr des Unglücks.

(Von unferm Mitarbeiter.)

Unter ber Epttzmarke:Die großen Propre- letungen ber Frau von Thebö«" planier! ein Mitarbeiter be«Pariser Journal" über bi« RLtfel be« MenschcngeifteS": So oft Katastrophen wie ber Untergang berTitanic" ober bi« Erhebung ton Fez bie Menschheit erschüttern muß unbebtngt Madame be Thebtz« interview! werden. In solchen Zetten staut und drängt stch bet ihr eine Menge ängstlicher Leute, die doi dem Antritt einer langen Reise ober angestchti be« Schweigens eine« Abwesenden die berühmte Prophettw- um Rat ober um Deutung ber Zu­kunft bitten. Wir hören bann, rote Madame be Thebt« bie Schleier ber Zulunft lüftet:

«tent, als der Kampf um die Priorttät der Pol- Entdeckuug zwischen Peary und seinem lang- rährigen Freunde Cook einsetzte. Und Cook ist ur diesem Kampfe unterlegen!

Das Werden, Aufheulen und Verhallende dieses Kampfs ist in allen peinlichen Einzel­heiten der Erinnerung noch vertraut. Es war kein erbauliches, kein heldenhaftes Schauspiel, das mondelang in den Gassen öffentlicher Mei­nung wie eine Flutwelle der Leidenschaften sich hinwälzte: Es war ein Verzweiflungskampf der Energien, geführt mit Waffen, wie sie nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, des Dollars und des Bluffs herzuleihen ver­mag, und mit Mitteln betrieben, die unsrem Empsinden kaum noch lauter schienen. Die öffentliche Meinung hat in diesem Ringen -:. ßen Frederic Cook Partei ergriffen: Ter Mann, der den Gefahren der Nacht des Eises getrotzt, der selbst dann noch eine Riesenlei- öuna menschlicher Enerais vollbracht haben

strophe, worin er besonderen Nachdruck legte au die Tatsache, daß trotz der Warnungen vor Eisbergen dieTitanic- ihre Schnelligkeit von einundzwanzig Knoten nicht gemäßigt habe.

Hinter den Kulissen.

Neues zurGeheimgeschichte" von Agadir.

Nach Monsieur Andrö Tardieu, der in sei­nem vor kurzem erschienenen BucheDas Ge­heimnis von Agadir- Enthüllungen über die Ursachen und die einzelnen Phasen des deutsch-französischen Marokko - Konslik- tes gebracht hat, erscheint jetzt Herr Mer- meix mit einerChronik von 1911- und neuen Mitteilungen aus derGeheimge­schichte- der Marokko-Verhandlungen auf dem Plane. Wie er Geschichte erzählt, zeigt nachstehen­der Auszug aus einem der ersten Kapitel sei­ner unterhaltsamen Chronik:

Paris, 4. Mai.

(Don unser« Korrespondenten.)

Wie Herr Mermeix in seinem soeben er­schienenen Buche erzählt, befand sich am simf- undzwanzigsten Juli des Vorjahres Herr ^ondsre (der Präsident einer Kongo-Fluß­schiffahrtsgesellschaft) am Vormittag in seinem Bureau, als er ans Telephon gerufen wurde. Er legte den Hörer ans Ohr, lauschte, und ein Besucher, der sich im Zimmer befand, hörte, wie er mehrere Male sagte:Schön! Schön!- Als die telephonische Unterhaltung beendigt war, wandte sich Fondere wieder sei­nem Gaste zu. Es war sein Freund, der Se­

nator Charles Humbert:Weißt Du (sprach er) mit wem ich mich soeben unterhal­ten habe? Mtt Lancken, dem Baron von Lancken, von der deutschen Botschaft. Er bittet mich, um sechs Uhr in die Botschaft zu kommen; er will Caillaux etwaz sagen las­sen. Ich habe weder ja, noch nein geantwor­tet. Was soll ich tun?- Kurz vor 12 Uhr war Foudsre beim Ministerpräsidenten. Er machte ihm Mitteilung von dem Wunsch deS Herrn von 8unSm und fragte, was er tun sollte. Herr Caillaux überlegte einen Augenblick und antwortete dann:Gehen Sie hin! Man muß, wenn man dazu in der Lage ist, ihre Hintergedanken kennen lernen. Sie haben wohl imMatin- gelesen, was sie fordern. Und ihre Forderungen lassen sich gar nicht erst diskutieren. Wir können wohl einen Teil des

Kongo gegen Togoland auszutaufcheu, aber alsKompensation- geben wir nichts: wenn wir etwas geben, geben wir es eben nur für Togo. Sagen Sie da, obwohl Sie es beretts wissen; aber wiederholen Sie es noch einmal und suchen Sie vor allem heraus­zubekommen, ob sie vielleicht etwas wollen, worüber Sie sich bisher noch nicht ausgesprochen haben. Das wäre von besonderem Interesse." Herr Fondöre begab stch also mtt der Ermächti­gung des Ministerpräsidenten um sechseinhalb Uhr in die deuffche Boffchaft, Rue be Lille. (Sr wiederholte, was Herr Caillaux gesagt hatte; jede Diskussion über die deuffchen For­derungen wäre nutzlos.Wir sind bereit, für das Küstenland deS Kongogebietes Togoland zu geben...-Herr Caillaux mehrt, daß dieser Tausch für uns zu ungünstig wäre, daß er also u n rn ö g l i ch ist. Frankreich würde Togo annehmen und Gebiete im Innern des Kongo­landes dafür geben, aber nicht die Küste, nicht Libreville.-Wtt müssen aber an die Küste gelangen (erwiderte Herr von Lancken) nur um diesen Preis könnte ein Arrangement zustande kommen.- Die Unterhaltungen wur­den in der Folgezeit fortgesetzt, und Herr Mer- meix sucht vor allem.zu beweisen, daß Herr Caillaux die ganze Zeit hindurch f e st g e b l i e- ben sei und nie daran gedacht habe, für MarokkoKompensationen- zu bieten.

Abdankung Muleh Hafids?

Die neuesten, in Paris vorliegenden Mel­dungen aus Fez betätigen, daß Muleh Hafid, der infolge der jüngsten Ereignisse sehr niedergedrückt fft, a b d a n k e n wolle,'falls man seine Abreise nach Rabat verhindern wer­de. Er berufe sich darauf, daß der frühere Mi­nister des Aeußern, de Selves, im vorigen Jabr ihn im voraus ermächtigt habe, wenn er wolle, abzudanken und sich in eine von ihm Zu wählende marokkanische Stadt zurückzuzie­hen, Wie verlautet, wird sich die Regierung der Abdankung und Abreise Mnley Hafids nicht widersetzen. Die vorliegenden Depe­schen aus Marokko lassen deutlich erkennen, daß der Aufruhr immer Wetter um sich greift.

Der Mbersteiner in London?

Marschall von Biberstrin: Ersatz Metternich!

Ein Privattelegramm melbet uns aus Köln: TieKöln. Ztg." erfährt: Obgleich es im oetieiitoärtüren Augenblick nicht unbedenklich

Alexander Dumas Sohn war es, ber den Seherinnenberuf der Madame de Thebes erkannte; und er war es auch, der ihr den Na­menFrau von Theben- gab. Er arbeitete da­mals an seinem RomanLa Route be Thöbes" (ben er bekanntlich nicht vollendet hat), und ber Name Theben der an Lande der Sphinre in hohem Ansehen steht, schien ihm für sein Pa­tenkind durchaus passend zu sein. Bis dahin batte die Dame eifrig st u d i e r t und verschie­dene Examina gemacht; sie wußte aber elbst nicht, was sie eigentlich werden wollte. Da sie eine hübsche Erscheinung war und auch Talent zu haben glaubte, ging sie zur B ü h n e; aus Gesundheitsrücksichten mußte sie diese Laufbahn jedoch bald wieder aufgeben. Unter der Anleitung Desbarolles, der zuerst di« Handwahrsagerei von allem mittelalterlichen Brimborium befreite, wandte sie sich dem Stu- dium der H a n d l i n i e n zu. Da sie die Schü­lerin des besten aller Meister war, und alles was über die divinatorftchen Wissenschaften

um entwundnen Ruhm, nicht als Ankläger wi- der Gegner und Feinde, , sondern als Anwalt und Verteidiger seines guten Namens, seiner Forscherehre und seiner Menschenleistung. Und in dem stillen, träumend in die Weite blickenden Auge des Märtyrers leuchtete ein Strahl zu­versichtlicher Hoffnung auf, als er mir zum Abschied die Hand reichte:Ich weiß, ich werde nicht vergebens ringen . . .!- p. EL

Smmet neue Rassel!

Schwere Anklagen gegen Marconi.

Die Untersuchung über bie Ursachen und Beglettumstände derT i ta n i c-- K ata. st r o v h e fördert iy wua M,.

tonal zutage und uns scheint, daß tatsächlich bei der Ausnahme der Notsignale ber sinkenden Tttantc- schwer gesündigt worden ist. Bekanntlich bekam der DampferCalifornia" als Entgegnung auf feine funkentelegraphischen Warnungen wenige Stunden, ehe dieTitanic-. Katastrophe sich ereignete, bie Aufforderung de« Mund zu halten. Eine ebensolche Er- totberung erhielt ber dänische DampferSir. ma nach dem Unglück, das derTitanic- ,u- gestoßen war, von dem englischen Dampfer Carpathia". Aus Kopenhagen liegen dar- über folgende Meldungen vor:

Kopenhagen, 4. Mai.

(Privat-Telegramm.)

Die dänischen Zeitungen veröffenflichen ent­rüstete Artikel gegen das Verhalten ber eng­lischen Marconi.Gesellschaft. Der DampferBirma" der Ostasiatischen Kompanie befand sich in ber Nähe der Unfall- stelle, während dieCarpathia" die Ueber- lebenden an Bord nahm, und fragte bei dieser drahtlos an, ob Hflse erforderlich sei. Als Ant­wort erhielt der dänische Dampfer nur ein la. konischesWartet!" Der Kapitän bot wiederholt der..Carpathia" Unterstützung beim Rettungs- Werk an. Die endlich eintreffendeAittwort lautete: Benutzt Ihr Schiff Apparate der Marconi. Gesellschaft? Sonst habe ich Order, Euch keineJnformation zu geben." Der. Nische Dampfer teilte mit, er habe Apparate nad) dem System de Forest und erhielt dar­aus von dem höflichen Engländer den Rat:

»Dann haltet bett Mnnb I"

Der dänische Telegraphist Hai stch bereit erklärt, seine Aussage zu beschwören, so daß die Angelegenheit für dieCarpathia" und für die Marconi-Gesellschaft weitere Folgen haben wird. Nun weiß man ja auch, warum ber deutsche DampferFrankfurt" von dem

Telegraphisten derTitanic" so flegelhaft behandelt wurde, weil er keine Marconi-Appa. rate, sondern deutsche an Bord hat. Deshalb also wurde ihm auf feine besorgte Frage, was eigentlich berTitanic" zugestoßen sei, geant­wortet:Sie sind ein Narr!" Die Marconi - Gesellschaft geb, wie ntan weiß, später auch selbst derCarpathia", von Newyork aus den guten Rat, Vorläufig reinen Mund über die Einzelheiten ber Kata- ttophe zu halten, damit man später die Berichte gegen schweres Geld verhökern könne!

Ein weiteres Privat-Telegramm berichtet uns aus London: In der gestrigen ersten Verhandlung ber Londoner Unter, suchnngskommission übte Generalstaatsanwalt Sir Rufus Isaak scharfe Kritik an btn Mißständen auf berTitanic" vor und nach der Katastrophe. Sir Isaak gab in zweistündi- aer Rede eine aenaue -Schilderung der Kata-