Casseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 125.
Fernsprecher 951 und 953.
Freitag, 3. Mai 1912.
Fernsprecher 951 und 953.
2. Jahrgang.
Bor der Alte« Mühle.
Lasse!« Vergangenheit und Caffels Zukunft; die Ratten als... Pioniere der neuen Zettl
Die Alt« Mühl« am grünen Fulda-User hat nun wohl den letzten jungen Mai gesehen, und wen« man jetzt, da die neue Zeit mit Spitzhacke und Brechstange wider das ehrwür- dig.vevwitterte Gemäuer lampst, an dem alten Wahrzeichen der Fuldasiedlung vorüberschreitet, das nun bald nicht mehr sein wird, fühlt man «ine leise Wehmut in der Seele, wie wenn man einen Greis sieht, den des Lebens Bürde ge. beugt und dessen Erdendasein nur noch nach Wochen oder Monden zählt. „Das Aste stürzt": Das Wort klingt hart und herb und seine Nüchternheit erdrückt fast di« frohe Hoffnung, die durch sein« Laute klingt wie die Gewißheit neuen Werdens, das Schönheit und Vollendung auS dem Grabe des Vergangnen erstehen lasten soll. Ein alter Herr, der neben mir stand, wäh. rend der Maiensonne blinkende Strahlen sich im FirstbehanL der Alten Mühle spiegelten, schüstelte mißbilligend das greise Haupt, als er die Wunden sah, die der Dämon Großstadt Dem lauschigen Idyll am rauschenden Fluß ge. schlagen, und als mir ein Nachbar des grauen Gemäuers nach Adam Rieses Methode demon- striert«, wieviel Ratten-Unheil ihm Jahr um Jahr die Alte Mühle ins Haus geschickt, lächelte er, wie ein Weiser über einen Toren zu lächeln pflogt.
Der Nachbar, der feit Jahrzehnten sich der Reiz« des Idylls erfreut (ohne sie vielleicht je er. kannt zu haben), erblickt in dem historischen Ge. mäuer di« Herberge schlimmer Rattenplage, und «8 mildert seinen Groll nicht, daß die Männer des Heimatschutzes und der Wissenschaft um die Erhaltung des ' Denkmals urväterlichen Fleißes mit Aufbietung aller Kraft gerungen: Er sieht eben nur di« Ratten, und es würde ihn kränken, wenn man ihm zu beweisen versuchte, daß Ratten das Antike erst wertvoll machen, etwa wie der Staub vieler Jahrzehnte die Wunderflasche Steinberger Cabinett, Das Leben erzieht nun einmal zur Nüchternheit, und vielleicht liegt eben darin «in Teil der beängstigenden Energie^,ochspannung unsrer Zeit verborgen, die über Empfindungszart- hesten und Regungen andächtiger Pietät so unverdrossen hinweggeht, wie die Ratten-Philo. sophie des Alte-Mühle-Nachbars über die tiefgründigsten Argumente der Heimatschutzbewe. gung. Sie offenbart zwar wenig Verständnis für die verwitternden Schönheiten einer ro- manstsch-verklärten Vergangenheit, aber der Pulsschlag der Zukunft wird in ihr merk- bar, und es ist also nur natürlich, daß sich der Standpunkt des Rattenfeindes und die Wehmut des Alt« Mühle-Freundes gegenüber stehen tote alte und neue Wett.
Als ich dann durch die Gäßchen und Winkel der Altstadt schritt, noch erfüllt von der Wirkung des eben erkannten Kontrastes, empfand ich wirkliche Achtung vor dem schlichten ®l<tne, der unbedenklich die Pietät der Nützlichkeit und die Alte Mühle der Erlösung von den Ratten geopfert haben wollte, weil er erkannte, daß die Forderungen der Wohlfahrt am Ende doch noch wichtiger sind als die Resolutionen der Heimat. schutz-Bewegung. Unsre Altstadt ist ein ein. ziges, seit Jahrzehnten von keinem Hauch vorwitziger Neuzeit gestreiftes Baudenkmal der Vergangenheit Cassels, und man fühlt, wenn man durch ihre Gassen und Gäßchen schreitet, ein heimliches Bedauern darüber, daß die Furcht vor den Ratten, die das Schicksal der Alten Mühle besiegelte, nicht auch in anbei n Teilen des altersgrauen Cassel längst zum Kampf wider die Vergangenheit und zum Sieg von Licht und Lust geführt hat. Zehntausend« von Menschen drängen und winden sich hier auf einem kleinen Fleckchen Erde, dessen Bau. Nutzung bis zur äußersten Grenze des Möglichen ausgedehnt ist, und dessen Enge fast schmerzend wirtt inmitten der düstern Wucht uralter Häu- ferstonten. Caffels Altstadt birgt unzweiselhast mancherlei Schätze an seltnen und charakteristischen Baudenkmälern, und sie würde vielleicht das Ideal ehrwürdiger Altstadt fein, wenn sie außer dem Zauber der Vergangenheft auch den Geist der Hygiene in ihren Gassen beherbergte.
Franz A dickes, der nun bald den Stuhl des Frankfurter Oberbürgermeifters mit dem Sessel des Großbankauftichtsrats-Präsidenten, und die goldne Bürgermeisterkette mit der Würde einer Exzellenz vertauschen will, sand einst, als «r von der Wasserkante zur Mainstadt kam, Alt-Franksutt als verräucherte und verkümmerte Steinwüste vor, die vom Verkehr der rasch ins Riesige «mporwachsenden Großstadt
durch enge Gassen wie durch einen tiefen Flut, graben abgeschnitten war. Unter Adickes begann dann die Periode des Frankfutter „Stadtumbaus"; das System der Straßen, durchbrüche fand in Adickes einen kundigen und tatkräftigen Pionier, und Schritt vor Schritt erschloß sich die Altstadt am Mainufer der großstädtischen Entwicklung Frankfutts. Der „Städte-Erbauer" Adickes ist in jenen Tagen hatt angefeindet worden: Di« Großzügigkeit der Ide« verlangte starke Leistungsmöglich- keiten; aber der Erfolg hat alle Opfer reichlich ausgewogen, Frankfurt hat seine Entwicklung in sich selbst gewonnen, und es gibt heut keine Stadt im Reich, die aus den Trümmern ihrer Vergangenheit eine so statte und leben- kräftige Gegenwart hat erstehen sehen, als grade Frankfutt. Vielleicht dämmert auch sür Cassel einmal der Tag herauf, der feinet Altstadt den Morgenstrahl lichterer Zukunft gönnt: In den Gassen und Gäßchen Att-Cassels winkt nützlichere Arbeit, als draußen in der Weite der Gartenstädte, und es darf vielleicht als ein Zeichen praktischer Erkenntnis begrüßt werden, daß man, um di« Ratten zu scheuchen, der Alten Mühle bröckelnd« Mauern niederreißt. Nur sollte, was den Ratten zuliebe getan wird, der Hygiene nicht vorenthalten bleiben! f. H.
Der Brief an Dr. Henkel.
Kriegsminister Haldane als Friedensapostel.
Zu der von den „Casseler Neuesten Nachrichten" vorge. stern veröffenttichten Friedens. und Freundschaftsbeteuerung des englischen Kriegsministers Lord Haldane in einem Bries an seinen früher» Lehrer, Professor Dr. Henkel in Cassel, wird uns von politischer Seite geschrieben: Siach dem Beispiele Wilhelms des Zweiten, der vor Jahren an seinen einstigen Lehrer, den Geheimrat Hinzpeter in Bielefeld, wiederholt Briese ttchtete, in denen die Gedanken des Monarchen über sozialpolitische Reformen und schulreformatorische Bestrebungen niedergelegt waren, hat jetzt Haldane an seinen früheren Lehrer Dr. Henkel in Cassel ein Schreiben gesandt, worin der englisch« Kriegsminister ein Bekennmis zwecks Besserung der deutsch- englischen Beziehungen niederlegt. Die unverbindliche Form, in der derartige Mei. nunzsäußerungen an die Oeffentlichkeit gelan. gen, trägt sehr zu einer Beherzigung der betreffenden Kundgebungen bei; Schon das Der- trauensverhältnis, in dem hochgestellte Manner zu ihren Lehrern in ihrer Jugendzeit stehen, erweckt angenehme Eindrücke in der All. gemeinhett, und di« Ueberzeugung von der Aufrichtigkeit der Aeußerungen gewinnt von vorn herein an Festigkeit. Wenn Haldane an Dr. Henkel schreibt, „es sei sein höchster Wunsch in seiner ganzen amtlichen Tätigkeit, alles, was in seiner Macht stehe, tun zu können, um die Interessengemeinschaft zwischen Deutsch, land und England zu einer freundschaftlicheren und besseren zu machen, als sie überhaupt jemals gewesen fei“, so schenken wir den Versicherungen volles Vertrauen. Haldane ist nicht nur ein wahrer Verehrer der deutschen Kunst und Wiffenschast, sondern auch
der eifrigftc Friedensapostel zwischen den beiden stammverwandten großen Volkern jenseits und diesseits des Deutschen Meeres. Gleichzeitig mit dem Casseler Send, boten des Kriegsministers erhalten wir eine Erklärung des englischen Ministerpräsi. beuten im Parlamente, in der ebenfalls von den beiderseitigen Interessen des Brittschen und des Deutschen Reiches gesprochen wird. Auf eine Anfrage nach dem Stande der deutsch-englischen Verhandlungen entgegnete Asquith, die Beziehungen zwischen beiden Regierungen seien derattig, daß ste es ermöglichten, Angelegenheiten der beiden Staaten in freier und freundlicher Weife zu erledigen. Wenn an di« Stelle einer unfruchtbaren Eifersucht eine verständige Realpolitik von Land zu Land tieten wird, so muß beiden Völkern, die sich jetzt in Mißttauen aufreiben, damit gedient sein. Nach den Vor. gängen_ des verflossenen Sommers ist es natürlich wünschenswert, daß die englisch« Regierung zunächst mit prattischen Vorschlägen hervortritt. Durch eine gegenseitig wohl, wollende Realpolitik hüben und drüben würde sich bald ein Zustand entwickeln, bei dem die Rüstungssragen, die so viel Mißmut erzeugen, von selbst in den Hintergrund rücken müßten.,Gemäß einem authentischen Worte unseres Kaisers könnten dann Engländer und Deutsch« ohne Unruhe und Mißgunst sagen: Baut, was Ihr wollt ...wir bauen, was wir brauchen!
KriegsmüMer und ßrzberger.
«ine lange Fraktionsberatung des Zentrums stattgefunden, die sich ausschließlich mit der Angelegenheft des Duell-Erlasses beschäftigte, über die der Kttegsrninl- ftei am gleichen Tage eine wesentlich milder gefaßte Erklärung in der Kommission verlesen hatte. Wie wir von zuverlässiger Seit« erfahren, ist es in der Zenirumsberatung sehr lebhaft zugegangen und der Gegensatz zwischen den süddeutschen (namentlich den bayrischen) Mftgliedern des Zentrums und den norddeutschen, fand lebhaften Ausdruck. Die erften, die grundsätzlich das Duell bekämpfen, stehen aus dem Standpunkt, daß umso mehr etwas geschehen müsse, als die Pattei sich bereits durch den Mund ihres Präsidenten in offener Reichs- tagssttzung stark engagiert habe. Allein die Form, die der Zentrumsantrag tragen soll, macht der Fraktion starkes Kopfzerbrechen. Vermutlich wird der Gedanke, einer Novelle zum Militär st rafgesetz aus dem Grunde nicht durchgeführt werden, weil das Milftär- strafgefetz in keinem Zusammenhang mit den Wehrvorlagen steht, daher ein Initiativantrag notwendig würde, dessen Scbicksal zweiselhaft ist. Anders verhält sich die Sacke mit einer Novelle zum Reichsmilitärgesetz von 1874, und die Zentrumsfuristen suchen nun nach einer Form für eine Novelle zu diesem Gesetz, das, wie bekannt, ohnedies zugleich mit den neuen Wehrvorlagen in einem Teil abgeändert werden muß. Dem Wesen nach soll allerdings die Novelle Dasselbe enthalten, wie die ursprünglich gevlante Novelle zum Militär- strafgesetz. Ein endgilttger Beschluß der Zen trumsfraktton in der ganzen Angelegenheit ist frühestens beute abend zu erwarten, da heute nach der Sitzung des Reichstags abermals eine Fraktionssitzung des Zentrums wegen des Duell-ErlasseS stattsinden soll.
*
Ein neues Opfer des Duells!
(Privat-Telegramm.)
Karlsruhe, 2. Mai.
Zwischen dem Oberleutnant Sprenger vom dreißigsten Feld-Attillerieregimerft und dem Oberarzt Dr. Bruening sand ein Duell statt, in dem der erstere so schwer verletzt wurde, daß er gestern seinen Verletzungen erlegen ist. Ueber die Ursache des Duells konnte bisher nichts Zuverlässiges in Erfahrung gebracht werden, doch heißt es, daß ein Streit im Restaurant, der aus geringfügigen Urfachen entstanden war, den Anlaß zum Zweikampf gegeben habe. Di« Forderung war von dem nun verstorbenen Oberarzt Dr. Bme- ning ausgegangen. Die Milttärbehörd« hat beretts eine Untersuchung des Faller ringe» leitet.
Alaschew und Mjaffojedow.
Zwei neue russisch« Skandalaffären.
Die plötzliche Einreichung des Abschiedsgesuchs des russischen Kriegsministers hat in politischen Kreisen allgemein höchlichst überrascht, da man einen plausiblen Grimo der unerwartet eingetretenen Amtsmüdigkeit des Ministers nicht zu «ttenuen vermochte. Jetzt allerdings zeigt sich, daß der Kttegsminister durch eine Skandalaffäre schlimmster Art in Mitleidenschaft gezogen und dadurch zum Rückltttt direkt gezwungen worden ist. Aus Petersburg wird darüber bettchtet:
Petersburg, 2. Mai.
(Privat-Telegramm.)
Es steht jetzt fest, daß der Gendarmerieoberst Ilia sch ew, dessen Verschwinden mit einer (kürzlich von uns mitgeteilten) Spionageaffäre in Verbindung gebracht wurde, unter Mitnah- mc einer bedeutenden Summe Staatsgelder ins Ausland geflohen ist. Ob Jlia- chew auch Pläne von GehrimsottS mitgenommen, ist noch nicht sestgestellt, gilt aber als wahrscheinlich. Was den Fall Mjassoje- d o w betrifft, so wird bekannt, daß Oesterreich eit der Leitung der Konterspionage durch Mjaffojedow über alle russischen Plä- ne sehr gut informiert war. Mjaffoje- dow stand an der Spitze der milttärischen Spionage und hat das Vertrauen des Mi- nisters fchwer mißbraucht. In der Reichsduma ist man empört über die Vorfälle und man erwartet mit Spannung die heurigen Erklämngen des Kriegsministers ftr geschlosse- ner Sitzung der Duma über die beiden Affären. Der Kriegsminister kann sich nur ent- ckuldigen: sakrisch ist an den Skandalge- chichten nichts zu bemänteln und es läßt sich nickt leugnen, daß der Kriegsminister durch die beiden Affären aufs peinlichste in Mit leiden schäft gezogen worden ist.
hatte. Ob das Duell stattfinden wird, dürste von den heutigen ErNärungen des KriegSmini- sters in dieser heiklen Angelegenheit abtzängm.
Notizen vom Tage.
Die nattonalliberale Krise verschärft?
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 2. Mai.
Die Hoffnung, daß es der eingesetzten ftonu Mission gelingen werde, die in der national- liberalen Partei entstandenen Unstimmigkeiten zu beheben, scheint sich nicht erfüllen zu sollen. Die Kommission hat (wie von unterrichteter Seite verlautet) den ihr vorgelegten Entwurf zu einem Einigungskompromitz abgelehnt. Ob damit das letzte Wort vor dem am zwölften Mai stattsindenden Vertretenag gesprochen ist und di« Verhandlungen somit als gescheitert zu gelten haben, bleibt abzw Watten. Ueber di« weiter« Anregung, den Ser« tretertag bis zum Herbst zu verschieben, hat sich der geschästssührende Ausschuß noch nicht end, giltig schlüssig machen können, doch ist es kaum wahrscheinlich, daß eine Vertagung des großen „AbrechnungsterminS* herbeigeführt werden kann, da einflußreiche Patteikreise unter allen Umständen ein« baldige reinlich« Scheidung wünschen, die auf dem am zwölften Mai zusammentretenden Vertretertag erzielt werden soll.
Warum zögert Schorlemer?
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 2. Mak.
Die Verzögerung in der Einbringung der in Aussicht gestellten Gesetzentwürfe über den neuen Kurs in der deutschen Ansiedlungspolitik erregt in parlamentarischen Kreisen lebhaftes Befremden. Der Land- wittschaftsminister hatte am siebzehnten April die Erklärung abgegeben, daß der Besitzfestigungsentwurf für die Ost. und Nordmark „in den nächsten Sagen" dem Abgeordnetenhaus zugehen werde. Bis heute ist dieser Entwurf dem Landtage aber noch nicht zugegangen, obwohl er bereits in der zweiten Märzhälstc vom Staatsministerium verabschiedet worden war. Die Gründ« für diese Verzögerung sind nicht erkennbar; es scheint aber fast, daß die Gesetzentwürfe absichtlich zurückgehalien werden, obwohl der Landtag säst einstimmig ihr« sofortig« Vorlegung verlangt. Eine Verabschiedung der Entwürfe vor dem Herbst i ist nun gänzlich ausgeschlossen.
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Neue Berliner Sensationen?
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 2. Mai.
In später Nachtstunde war hier das Gerücht verbreitet, daß im Laus« des gestrigen Tages gegen «inen bekannten Rechtsanwalt ein Haftbefehl erlassen worden fei. Dem Rechtsanwalt wird zur Last gelegt, sich in mehreren Fällen des Betrugs und der Er- p r «f f u n g schuldig gemacht zu haben. Gegen den Rechtsanwalt schwebt feit längerer Zen ein Disziplinarverfahren. Eine Bestätigung der Nachricht über den Erlaß eines Haftbefehls steht noch aus, doch verlautet, daß tatsächlich eine strafrechtliche Untersuchung wegen der angegebenen Delikte gegen einen der bekanntesten und angesehensten Rechtsanwält« Berlin; schwebt. Die in der Stille geführte Untersuchung soll bereits derart belastendes Material ergeben haben, daß mit nahe bevorstehenden sensationellen Verhaftungen gerechnet werden müsse. In die Affäre sind, wie man hort, vier Personen verwickelt.
5er Roman bet Favoritin.
Die Freundin und Ratgeberin von Königen; die Egeria der Prinzen von Orleans.
(Don unferm Mitarbeiter.)
Frsdsrtc Solide veröffentlicht bet Smit* Paul In Part- ein Buch mit dem Titel „$tf Eröffn von Eastigllone (1840 bis 1900), nach Ihren ungedruckten Intimen Briefen". Der Per. faffer sucht die Gestalt bei berühmten Floren, tinerin, die bis jetzt in geheimnisvoller Tunkei gehüllt war, in volles Licht zu setzen. Er zeigt ffe als die Freundin und Ratgeberin vor Königen, als die Favoritin Napoleon! des Deinen und dann nach 1870, als die Egertv der Prinzen von Orleans, die ffch, in grimmiger Selbstverspottung den Namen „Nolre-Dame des nuits de Paris“ beilegte.
Die Castiglione stammte angeblich aus einer altadeligen genuesischen Familie, die in Spezia wohnte, und führte den Familiennamen O l d o i n i. Man behauptete jedoch, daß ihre Herkunft nicht ganz so klar und zweifelsohn» Ltefli. wie sie eg gern glauben machen wollte.
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Petersburg, 2. Mai. (Privat-Tel«.
gramm.) Dem früheren Präsidenten der
... Reichsduma, Gutschkow, ist gestern eine
Familienstreit wegen der Duell-Attacke? Ducllsorderung von dem Hauptmann Mjasso Wie uns aus Berlin beruhtet wird, hat jedow zugegangen, den Guffchkow in einem am t.,enstaa abend nach der LeichLaaLützung Interview öffentlich als Spion beLeichM.