Einzelbild herunterladen
 

SSS8 IS® «2» GEB HB MSI SESSE3 &LK /SfcS BEä Stifc,

CÄeler NeM Nchrichtm

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang

Dienstag, 3V. April 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 122

Fernsprecher 951 und 952.

Die offiziöse Zensur

!D

n

:e

a

die zur

Snfttttonäpretfe: Dl« fechSgefpallen« Seite für einheimisch, SeschLfl« 15 Pfz., für aul- roärttß, gnferat« 25 Pf. Meklamezeile für einheimisch« <S«schäft« 43 Pf, für auSroärttge Sefchilft« 60 Pf. Beilage» für die Sefamtauflage werde» mit 5 Marl pro Laufend be. rechnet. Wegen ihrer dicht«» Verbreitung In der Residenz und der Umgebung sind die Laffeler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnserttonSorgan. VefchüflSstelle: SSlnifche Straße 5. Berliner Vertretung! SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

Die Caffeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der AbannementSpretS beträgt monatlich 60 Pfg. bet freier Zustellung ins HauS. Bestellungen werden jederzeit von der SefchäftSstelle ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28/3a Sprechstunden der RedaMon nur von 1 bis 3 Uhr nachmUtagS, Sprechstunden der SuSfunst-Stelle, Jeden Mittwoch und Sonnabend von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrtchftr 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

Wachenschlacht bei Paris.

Die Polizei im Kampf mit den Auto. Banditen; Belagerung des Hanfes der Verbrecher; der Bundi tenchef Bonnot von dreizehn Kugeln durchbohrt

(Telegraphischer Bericht.)

In dem verzweifelten Kampf der Pariser Polizei mit den Auto-Banditen scheint nun ein« entscheidende Wendung einge­treten zu sein: Gestern in der Morgenfrühe hat die Polizei den Verbrechern in dem Parisei Vorort Choish.le.Roi einen regelrechten Br- lagerungslamps geliefert, bei dem der Bandrnführer, der gefürchtete Verbrecher und Anarchist Bonnot, schwer verletzt und ein an. deres Haupt der Bande, Dubois, getötet worden ist. Auch Bonnot ist bald darauf seinen Verletzungen erlegen. Wir erhalten über die Vorgänge bei der Auffindung der Banditen folgende Schilderung: Der Chef der Sicher­heitspolizei, Guichard, hatte am Sonnabend abend erfahren, daß sich Bonnot in der Verklei­dung eines Kolonialinfanteristen in der Garage bei Choisy-le-Roi aushalte. Er begab sich dar­aufhin mit einer starken Abteilung Polizisten nach dem bezeichneten Orte, und als er die Tür zu der Garage öffnete, sah er sich einem Manne gegenüber, der gerade ein Motorrad besteigen wollte, um damit das Weite zu suchen. Er er. kannte in ihm sofort den Verbrecher Dubois und ein Polizist gab mehrere Revolverschüsse auf ihn ab, die aber sämtlich ihr Ziel verfehl, ten. Jetzt stieg Dubois vom Rad- und eröff­nete feincrseits ein Revolverfeuer a u s die Polizisten. Es entspann sich nun ein mit Heftigkeit geführter Kampf, als plötzlich aus einer anderen Erke der Garage mehrere Schüsse fielen, durch die der Polizeiinspektor Augene am Unterleib schwer verletzt wurde. Auch der Inspektor Arlono wurde durch einen Schuß in den Arm verletzt. Um die Po­lizisten nicht unnötig dem Feuer der Banditen auszusetzen, zog der Chef der Sicherheitspoli­zei, Guichard, seine Mannschaften, zurück und

Die Wetterzeichen des Aufruhrs.

(Privat-Telegram m.)

Tanger, 29. April.

Die letzten Nachrichten aus Fez lauten zwar etwas beruhigender, dagegen wächst die Gäh. rungunterdeu Stämmen, besonders im Gharbgebiet. Es verlautet, daß ein Angriff auf die von Franzosen befehligten scherifischen Mehalla bei Elksar und gegen die Stadt Was- san (deren Scheich unter französischem Schutze steht) geplant ist. Bei der französischen Mehalla in Malbaret werden zahlreiche Fälle von Fah. nenflucht gemeldet. Auch verlautet, daß die Haltung der französischen Polizeitruppe in Tanger schwankend sei und daß vorgestern zwanzig Mann dieser Truppe mit Waffen, Mu­nition und Pferden desertiert seien. Nach einer Depesche aus Melilla haben mehrere Stämme im Innern Marokkos einen Bruder Muleh Ha- fids, Mohammed den Einäugigen, zudn Sultan ausgerufen. Auch unter den ma­rokkanischen Stämmen im Rifgebiet macht sich eine bedenkliche Erregung bemerkbar. Alle diese Umstände deuten darauf hin, daß die ge­genwärtige Lage in Marokko austerordent­lich kritisch ist.

Kriegsminifter und Zentrum.

Ein Zentrumsantrag zum Duell-Erlatz.

Herr Spahn vom Zentrum macht nun wirk­lich gegen den Kriegsministcrmobil". Daß das Zentrum nach dem Zusammenstoß mit Herrn von Heeringen über die Duellfrage einen allgemeinen Vorstoß gegen die Duellsitte unter­nehmen werde, war zu erwarten. Aus der nachfolgenden Meldung ersieht man nun, daß das Zentrum schon bei der Beratung der Wehrvorlagen in der Budgetkommission seine Bedingungen zu stellen gedenkt: Es beabsichtigt, wie es scheint, die Bewilligung der Heeresverstärkung von einem Entgegen­kommen in der Duellfrage abhängig zu machen. Wir erhalten folgende Meldung:

Berlin, 29. April.

(Privat-Telegram m.)

Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, beabsichtigt das Zentrum, in der kommen­den Debatte über die Hreresvorlage in der

Die Berichte über die bedrohliche Gestaltung der Lage im Scherifenland stammen fast aus­nahmslos aus französischer Quelle, und man hat also mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß die Verhältnisse in Wirklichkeit noch weit bedenklicher sind, als es in den von Paris aus verbreiteten Depeschen zugegeben wird. Nachrichten aus englischer Quelle lassen denn auch erkennen, daß der Aufruhr in Fez nicht lediglich auf eine Meuterei unzufriedner Ein- gebornen-Truppen zurückzuführen ist (wie es in französischen Berichten zu lesen stand), son­dern daß es sich um eine maurische Volkserhebung gegen die Frem­den, und zwar in erster Linie gegen die neuen Herren des Landes, die Franzosen, handelt. Welche Bedeutung dem Aufstand bei- zumessen ist, läßt sich zur Zett noch nicht ab­sehen; die Tatsache indessen, daß selbst franzö­sische Blätter dringend vor dem Vertrauen auf die Treue der eingebornen Truppen warnen, gibt zu denken, umsomehr, als in den letzten Tagen die Massendescrtionen schwarzer Solda­ten sich gehäuft haben. Bei der Eigenart des Landes kann ein Aufruhr, der in Fez seinen Herd hat, sich nicht so schnell über das ganze Reich ausbreiten, und dieser Umstand kommt den neuen Herren Marokkos wesentlich zu stat­ten, indem sie dadurch Zeit gewinnen, einen entscheidenden Schlag vorzubereiten.

Die Gefahr lauert indessen auch nicht in einem Aufruhr selbst, dessen Aussichtslosigkeit den Mauren nicht zweifelhaft sein kann: Die Gefahr besteht in der fremden- und franzosen­feindlichen Volks st immung, die sich in dem Drama von Fez, in der Flucht von der Fahne Frankreichs und in der zunehmenden Erregung der Stämme offenbart. Was sich in Fez ereignet hat, kann morgen oder übermor­gen in andem Teilen des Maurenlands ge­schehen, denn die Herrschaft Frankreichs in Ma­rokko wurzelt lediglich in der Uebermacht des Eroberers, dessen Rechte das Volk als einen Raub an seiner Freiheit betrachtet. Das Blutbad in der alten Sultansstadt ist eine Tat des Franzosenhasses, die einigermaßen ver­ständlich wird, wenn man hört, daß der dem Golde Frankreichs tributpflichtig gewordne Sultan von den stärksten und freiesten Stäm­men als Verräter am Vaterland ver­flucht wird. Es wird Frankreich vielleicht er­spart bleiben, die Stunde, die ihm die Herr­schaft über Mauretanien als Siegspreis jahr­zehntelanger Arbeit eintrug, einmal als stun­de des Unglücks zu betrauern, denn seine Machtmittel reichen aus, selbst einenheiligen Krieg" maurischen Fanatismus niederzuzwin­gen; aber es ist sicher, daß die Größe der Opfer nicht hinter dem Wert des Erfolgs zurückbleiben wird: Die Schreckenstage von Fez haben bewiesen, daß Frankreich Marokko mit der Waffe in der Hand unter seine Herr­schaft beugen muß, wenn es das Land des Scherifeu wirklich besitzen will! F. H.

Budgetkommission des Reichstags den A n - trag zu stellen, das M i lit ä r st r a s g e - setzbuch dahin abzuändern, daß jede Arr von Tuellvergehen mit sofortigem schlich­te n Abschied bestraft wird. Das Zentrum ist entschlossen, von der Annahme dieses An trags und seiner Berücksichtigung seitens der Militärverwaltung seine Mitwirkung bei der Verabschiedung der Wehrvorlagen ab­hängig zu machen. Der Zentrumsantrag ver langt Entlassung mit schlichtem Abschied auch für die Herausforderung zum Duell und für das Kartelltragen der Zeugen der Duell- grgncr.

Die Falle des Zentrums.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 29. April.

Der kategorische Wortlaut des Zentrums­antrags über die Aenderung des Duell-Pa­ragraphen und die Form des Verlangens beweisen deutlich, daß das Zentrum mit diesem Antrag lediglich einen cntscheidenden Schlag gegen den Kriegsmini st er beabsichtigt. Ter Antrag verlangt nämlich nichts mehr und nichts weniger als die Umge- staltung der vom Kaiser im Fall des Oberarztes Tr. Samüeth kundgegebenen und vom Kriegsminister im Reichstag vertretenen Anschauung (daßein Mann, der zu den Grundanschauungen seiner Standcs- genossen. in Widerspruch tritt, nicht in seiner militärischen Dienststellung belassen werden kann") in ihr grades Gegenteil. Auf die Ent­scheidung über den Antrag darf man also ge­spannt sein: neue Stürme im Reichs­tag stehen anläßlich der Beratung des Antra­ges in sicherer Aussicht.

*

Oberarzt Dr. Schum f.

Wie uns ein Privat. Telegramm aus Würzburg meldet, ist am Sonnabend in Mer­gentheim der Oberwundarzt Dr. Schum, der in der dieser Tage im Reichstage behandelten Duellfrage des Sanitätsarztes Dr. Sambeib viel genannt wurde, plötzlich gestorben. Das Ableben Dr. Schums überrascht umsomehr, als er weder leidend war, noch sonstwie Krankheits­symptome zeigte. (Schum hat bekanntlich den eigentlichen Anlaß zu dem Konflikt des Zen­trums mit dem Kriegsminister gegeben, denn e r war es, der an den Sanitätsrat Dr. Sam. beth den beleidigenden Brief schrieb, der den Ehrenrat veranlaßte, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen und, als Dr. Sambeth eine Duellforderung ablehnte, die mi­litärische Maßregelung Sambeths zu fordern.)

gewöhnlichsten Anständigkeit und ehr­lichen Handlungsweise, wie sie selbst dem ärg­sten Feinde gegenüber Pflicht sei, zuwider ge­handelt. Tafts Behauptung über den Einfluß der Regierungsmaschine auf die Wahlkampagne sei nicht nur eine Unwahrheit, sondern direkt eine absurde Unwahrheit.

Mauretania.

Hie neueste Phase im Marokko Abenteuer-

Wie Depeschen aus Tanger be' richten,steht außer vier hohen marok­kanischen Beamten (Vertrauens­leuten der gesetzgebenden Körper­schaft) auch ein Onkel des Sul- tans,Md den Mohammed, im Ver­dacht, den Aufruhr von Fez a n - gestiftet;» haben. Er soll den Soldaten eingeredet haben, daß der Sultan Muleh Hafid auf ihrer Seite stehe und sie mit allen er- forderlichenWaffen versehen werde, nm die Europäer zu verjagen. Der nationalistische Charakter des Auf­ruhrs scheint damit erwiesen zu sein.

Herr Andrä Tard^ eu, der im deutsch- I französischen Marokko-Handel der nationalisti- L sche Souffleur des (dem Quai dOrsay naheste- I henden) PariserTemps" war, hat uns soeben | in freundlichem Plauderton dasGeheim­en i s von Agadir" entschleiert, hat erzählt, | wie zaghaft Herr Jules Cambon gen Kissingen E kam, und wie er doch schließlich, als Sieger im | Turnier, mit Kiderlens schwäbisch-derber Er- | munterung:Bringen Sie uns etwas mit aus

Paris!" zum Rat der Männer Caillaux' heim- | kehrte. Das Geschäft schien sogar mit der F Opferung der Herren Caillaux und be Sel- ves nicht zu teuer gesichert, sein Effekt wurde r eher noch erhöht durch die Flucht Lindequists F. vor den finstern Reizen der Kongo-Sümpfchen, Mund die nachkommenden Staatsmänner der Re- k publik haben denn auch nicht versäumt, den i glänzenden Handel vor den Augen begeiste- [. rung-trunkner Patrioten ins rechte Licht zu rücken: Marokko wurde über Nacht die stolzeste Zukunft-Hoffnung französischer Strategen und Spekulanten, der Trost all Derer, die in der immer schmerzlicher sich offenbarenden Schwä- i chung gallischen Volkstums die schwerste Gefahr E für Frankreich wittern, und die grimmige Zu- E verficht fanatischer Nationalisten, denen das | Vaterland ohne neuen Heldenlorbeer reizlos dünkt.

I- Daß die Uebernahme des Protektorats a über das Maurenreich sich etwas operettenhast | gestattete, daß Muley Hafid plötzlich marokka- k nische Gewissensbisse über die Auslieferung | seiner Macht an fremde Oberhoheit empfand, k und daß die Unterzeichnung des historischen F Pergaments, das Frankreich den ganzen Nor- | den des schwarzen Erdteils erschließen sollte, K erst unter Anwendung sanfter Gewalt zustande E kam: Das alles vernahmen wir aus französi- k scheu Blätterspalten in der Darstellung mild k belächelter Harmlosigkeiten, und man war des- | halb auch nicht überrascht, ein paar Tage später k zu hören, der Sultan von Frankreichs und des 1 Zufalls Gnaden habe den Vertrag, der Frank- R reichs Herrschaft über Marokko feierlich doku- k mentiert, bei prunkvollem Festbetrieb und un- U term Donner der Kanonen unterzeichnet. Muleh r Hafids Hyeroglvphen-Gekritzel bedeutete ein t Stück Weltgeschichte, und es ziemte sich also, I den historischen Moment auch äußerlich ange- E messen zu garnieren: Der Urzweck französischer I Marokko-Politik, der Inhalt jahrzehntelangen M Sehnens und der französische Grundgedanke E des Kissinger Rendezvous; sie durften als ver- k wirklicht gelten: Deutschland war aus b Marokko ausgeschaltetl

K Die Straßenkämpfe in Fez haben E nun den lauten Triumph erschreckend über- M lärmt, das Gewehrfeuer der Meuterer knattert E wie verhängnisvolle Mahnung und die Feuer- E säule des Aufruhrs pflanzt sich von der alten U Sultanstadt fort durch halb Marokko! Das E Judenviertel von Fez, einst die Zentrale des 1 Handels und Verkehrs, ist ein einziger Trüm- | Merhaufen: in dey schmalen Straßen, in denen L sonst geschäftiges Leben wogte, liegen als k' stumme Zeugen der Mauren-Revolution schreck- | lich verstümmelte Leichen, und die fanatisierten | braunen Horden, über die Muley Hafid der E französischen Republik feierlich die Herrschaft E abgetreten, haben die Köpfe zu Tode gemärter* - ter Europäer auf Lanzenstäben ttn Triumph e durch die Straßen getragen, umjohlt vom wil- | den Freudengekreisch der Weiber. Weiße Män- r net und wehrlose Frauen befinden sich in Ge- | fahr, vom gleichen furchtbaren Schicksal ereilt t zu werden: französiche Truppen rücken in Eil- E Märschen gegen die aufrührerischen Stämme l vor, und den in Marokko weilenden Europä- i ent ist dringende Weisung zugegangen, sich in 5 die Räbe französischer Militärposten zurückzu- | ziehen, da Frankreich, die Herrscherin im Land, p ihr Leben und ihre Freiheit sonst nicht zu sichern vermöge: Marokko, vierzehn Tage g »ach der feierlichen Uebernahme des Protekto- E; tats durch die Republik l

In ihremWochen-Rückblick" schreibt offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung . Wehrdebatte im Reichstag: Die viertägige Besprechung der Wehrvorlagen im Reichstag hat von neuem den Beweis erbracht, daß mit der Sozialdemokratie eine Verständi­gung über Fragen unserer Wehrmacht un­möglich ist. In einem erhebenden Gegensatz dazu steht die grundsätzliche Bereitwilligkeit, mit der die bürgerlichen Parteien für die Wehrvorlage eintreten wollen. Dafür kön­nen die Verbündeten Regierungen und die ganze Nation dem Reichstag Dank wissen. Es ist zu hoffen, daß in einer Frage, die den Lebensnerv unseres nationalen Interesses be­rührt, auch die Frage derDeckung nicht zum Zankapfel wird. Der Streit darüber darf die Lösung einer Aufgabe weder vereiteln, noch aufschieben, von bereit Notwendigkeit die bei­den streitenden Teile überzeugt sind.

Sie Wehrvorlage gefährdet?

Neue Schwierigkeiten bei den Parteien'.

Wie wir schon mitgeteilt haben, hat die Ver­weisung der Deckungsvorlage zu den Wehrvorlagen an eine besondere Kommission in parlamentarischen Kreisen starke Gegensätze unter den Parteien hervorgerusen, die unter Umständen sogar das Schicksal der Vorlagen selbst beeinflussen können. Im Zentrum und bei den Konservativen wird nämlich die Ab. trenuung der Deckungsvorlage von der Gesamt­heit der Wehrvorlagen als ein Schachzug der Linken betrachtet, der den Zweck ver- folgt, den sogenanntenschwarz-blauen Block" bei der Bewilligung der Deckungsmittel in die Enge zu treiben. Wir erhalten darüber folgende Mitteilungen:

Berlin, 29. April.

(Von uttferm Korrespondenten.)

Wie aus parlamentarischen Kreisen überein, stimmend verlautet, ist durch die Verweisung der Deckungsvorlagen an eine besondere Kom­mission im Reichstag eine Situation geschaffen worden, deren Tragweite sich in diesem Augen­blick noch gar nicht übersehen läßt. Die Rechte und das Zentrum sind unter allen Um­ständen entschlossen, alle drei Vorlagen, also die beiden Heeresvorlagen und die Del. kungsvorlagen nur gemeinsam zu verab­schiedest. Für dieses Verlangen sind hauptsäch­lich die Erfahrungen maßgebend, die die ge­nannten Parteien bei den letzten Reichstags­wahlen gemacht haben. Eine Situation, wie sie durch die nachhaltige und (wie zugegeben wer. den muß) wirkungsvolle Art, mit der die Par­teien der Linken die Reichsfinanzre- form gegen Zentrum und Rechte bei den Wahlen ausgenützi haben, geschaffen wurde, soll nicht wiederholt werden. Zentrum und Konservative bestehen vielmehr darauf, daß die­jenigen Parteien, die die Ausgaben für die Wehrvorlagen bewilligen, auch für die nötige Deckung eintreten müssen, damit das Odium, das Volk mit neuen Steuern belastet zu haben, nicht wieder an den Parteien der Rech­ten hasten bleibt. Sollte die Majorität des Reichstags auf ihrem Standpunkt bezüglich der Deckungsvorlage bestehen, dann wäre das Schicksal der Wehrvorlagen nicht abzusehen, da die Rechte unter allen Umständen zu verhindern entschlossen ist, daß die Vorlagen mit wechselnden Mehr­heiten angenommen werden.

Sie feindlichen Brüder.

Tas Gaukelspiel um den Präsidentenstuhl.

(Privat-Telegram m.)

Newyork, 29. April.

Roosevelts Antwort auf Tafts Rede in Boston bedeutet die Ansage des Kampfes bis aufs Messer: Die Angriffe Tafts feien zum Teil die hinterlistigsten Handlungen. Tast fei nicht nur in Gedanken, Worten und Taten gegen ihre alte Freundschaft unaufrichtig gewesen, sondern er habe auch dem Codex der