Einzelbild herunterladen
 

C Mr NeM Nachrichten

Casseler Abendzeitung

Dt« eofftier Sltaefi« Nachricht«« erfdjttnen wocheaüich !«ch»mal lmd zwar abend». Dir abominnenUpttt» betrügt vrsaatllch 80 Vfg. bet freier Zaftellimg in» HanL Bestellungen werd« jederzeit van der Seschüftrstelle »der d« Bot« «tgegmgenomm«. Druckers äerlag und Redaktion: Bchlachthofstratz« 28/00. Dprechstimd« der StedaMon um von 1 6t* 3 Uhr aachuttttog», Sprechstunden der LuSkunft- Steller ged« Mittwoch und Sonnabend von 6 bl» 8 Uhr abend». Berliner Vertretung: SW, Ariedrtchstr. 18, Del«hon: Amt Moritzplatz 676.

Hessische Abendzeitung

Jnsertionsprets« Di» sech»gest>alt«« Zeil» für «inhRnrtsch, »eschüst« 15 vfz., für an», württge Inserat« 25 Pf^ ReNamezeil« fttt einheimische SeschLft« *0 Pt, für an»württg« SeschLft, 80 Bf. vetlag« für dt, Sesamtaustag« werd« mit 8 Mark pro tauf tob be. rechnet. Wegen ihrer dicht« Verbreitung in der Rtftdenz und der Umgebung find die Tasteier Neuesten Nachricht« et» vorztigitche» Jnsertiontorga«. »«schüftsstell«: «Slntsche Straß« 5. Berliner Vertretung: BW, Friedrichstrast« 16, telephom Amt Moritzplatz »76.

Nummer 121

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 28. April 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

KaffeKrKommunalprobleme.

Aufgaben des neuen Oberbürgermeisters.

,.. . Eine dauernde Fühlung deS De­zernenten mit der Bürgerschaft ist nicht nur di« Pflicht und Schuldigkeit des Kommunalbeamten, sondern ist gleichzeitig eineS seiner schönsten Vorrechte, das ihn vor einer großen Anzahl andrer Arten von Verwaltungsbeamten auszeichnet, und ihn be- defLhtgt, dauernd über di« Bedürsnisse der Bürgerschaft unterrichtet zu sein und mit dem PUlSschlag deS Volks stündig im Kon­takt zu bleiben!' Diese klugen, reifen und er- ?enntni5tvahren Wort« sprach am neunzehnten Oktober 1909 im Düsseldorfer RathauS-Saal der damals eben in sein Beigeordneten-Amt neu eingeführte Kommunalpolitiker Dr. Ernst Scholz, der bis dahin Stadtkämmerer in Wiesbaden gewesen war und den nun, nach knapp zweieinhalbjähriger Beigeordneten-- tigkett in der Verwaltung der Niederrhein- Metropole, die Residenzstadt Cassel zum Nachfolger des scheidenden Oberbürgermeisters berufen hat- Dr. Scholz übernimmt in jun­gen Jahren «in verantwortungsvolles, ar- beilreiches, aber auch dankbares und verdienst­liches Amt, und wenn die vor zweieinhalb Jähren in Düsseldorf gesprochenen Worte auch die Richtschnur seiner Casseler Wirksam­keit andeuten, dann wird der neugewählte Bürgermeister in der Residenzstadt an der Fulda ein wette- Feld zu nützlicher Arbeit finden.

Es ist gestern schon an andrer Stelle davon die Rede gewesen: Die Neuwahl des Ober- bürgermeisterS war für Cassel ein Schick sal- tag, von dessen glücklicher Fügung die kom- munalpolitische Zukunft der Stadt in wesentlichen Puntten abhängig sein Wird. Unsre kommunale Politik, deren Ziele von der natürlichen Entwicklung des städtischen Ge­meinwesens längst überholt worden sind, und deren Tempo weft hinter dem großstädtisch sich weilenden RadiuS naturnotwendiger Be­dürfnisse zurückgeblieben ist, bedarf schöpfe­rischer, verjüngender und beleben, der ffraft; bedarf vor allen Dingen der be­stimmten Zuweisung größerer Ziele und der verständnisvollen Anpassung an die Not- wendigkeften einer auf Fortschritt und Ent­wicklung berechneten DerwaltungSmethod«. Cassel mutz aus der drückenden Enge mittel- städtischer Verhältnisse (die seine Entwicklung bisher auf allen Gebieten fühlbar gehemmt herausgearbeitet und kommunalpolitisch für Aufgaben gekräftigt werden, di« seiner Zukunft neu« Bahnen und seiner Bedeutung als Großstadt neue Werte sichern. Aus seiner Tätigkeit in Frankfurt, Wiesbaden und Düs­seldorf wird dem neugewählten Magistrats­chef starke- kommunal - organisatori. sches Talent nachgerühmt, und grade diese Befähigung ist für Cassel viel­leicht am wichtigsten: Denn unsre Kommunal­verwaltung (oder besser: Unsre Kommu­nalpolitik und Kommunal.Wirt­schaft) bedürfen dringend der ordnenden und fördernden Hand des Organisators!

Als Beigeordneter der Stadt Düsseldorf und als Stadtkämmerer Wiesbadens hat Herr Dr Scholz mit anerkanntem Erfolg die kom­munal« Finanzwirtschast geleitet, und man er­hofft auch in Cassel grade auf diesem Ge­biete eine energische und erfolgreiche Wirksam­keit des neuen Ersten Bürgermeisters. Unser kommunales Finanzwesen ermangelt der wirt­schaftlichen Sicherheit, die finanzielle Lei­stungsfähigkeit der Kommune ist infolgedessen beschränkt, und es macht sich überall eine pein­liche Beengung merkbar, die ihrerseits wie­der als Hemmung des kommunal-wirtschaft- lichen Fortschritts wirkt, und die Verwaltung an der Nutzbarmachung der Kräfte und der Erschließung günstiger Entwicklungsmöglich ketten hindert. ES wird also eine der ersten und wichtigsten Aufgaben des neuen Oberbür­germeisters sein, das Finanzwesen und das kommunale Wirtschafts - System der Stadt einer durchgreifenden Nach­prüfung zu unterziehen, denn die Fehler und Unterlassungssünden unsrer Kommunal­politik wurzeln fast ausnahmslos in wirt­schaftlichen Erkenmnis- und verwaltungstech­nischen System-Mängeln, die ursächlich zurück- zuführen sind auf den ängstlich-zagenden Arg­wohn mittelstädtischer Auffassung gegenüber den stark und drängend sich geltend machenden, immer schärfer hervortretenden Bedürfnissen der groß städtischen Entwicklung Cassels.

Eine der Lebensfragen dieser Entwicklung ist die Jndustriealisierung der jungen Großstadt. Die Romantik der »stillen Resi­denz* bat sicherlich ihre Vorzüge und Reize, und man soll auch den Leuten nicht grellen.

die Cassels Glanzzeit als »längst entschwun­den" betrauern: Das zwanzigste Jahrhundert hat indessen für die Romantik nicht mehr Raum; rauschendes Leben, rastlose Arbeit und sausender Veickehr sind seine Errungenschaften, und «8 hat Cassel nicht zum Vorteil gereicht, daß es bisher von der großen Heerstraße des industriellen Millionenverkehrs scheu und ängstlich sich fern gehalten. Die dem engen Kleid der Mittelstadt längst entwachsne Fulda- Residenz braucht Industrie, braucht Ver­kehr und blankes Gold, das aus diesen Quellen fließt, um seine kommunal« Entwick­lung als junge Großstadt wirtschaftlich zu sichern. Draußen auf dem F o r st, der Jahr­zehnte hindurch unnütz brach gelegen, ist Raum für Cassels zukünfttges Industrievier­tel, und das Interesse der Kommune heischt dringend die baldige Erschließung dieses Ge­ländes, daS eine ansehnliche Industrie­stadt beherbergen, für Zehntausende die Stätte lohnender Arbeit und für Cassel selbst der wertvollste Teil wirtschaftlicher Zu­kunft werden kann. Auch hier ist gesün­digt worden; gesündigt aus Berständnisloflg- kett und Mangel an hohen kommunalen Zie­len, und die Großstadt Cassel muß büßen, waS kleinstädtische Engherzigkeit ver- schuldet. Herr Dr. Scholz kann auch auf die- fern Gebiet der Wegführer zu bessrer Zu­kunft werden!

Im nächsten Jahr rüstet sich Chassala zur Feier tausendjährigen Daseins, und eS ziemt sich, deS Moments deS Werdens, über dem nun zehn Jahrhunderte Schicksal verrauscht, würdig zu gedenken. Wir rüsten auch (seit vielen Monden) zur Tausendjahrfeier, haben im Hohey Rat der zur Königsstraße De­legierten und im friedlichen Bürger-KreiS daS Problem erörtern hören, Pessimisten und Opti­misten vernommen, und noch weiß niemand, wie Chassala sich am Tag tausendjähriger Ehr­würdigkeit angemessen präsentieren soll. Feft- Arrangemenis sind mitunter schwieriger zu projektieren als der jugendstil-zierlichste Fluchtlinicnplarr. und man muß auf diese Mühsal gebührend Rücksicht nehmen. Den- noch weckt «S einiges Befremden, daß der stattliche Aufwand an Geist und Scharfsinn, der mittlerweile der »Einleitung beginnender Vorarbeit* geopfert worden, bisher sogar am Grundgedanken deS Projekts spurlos vor- übergegangen zu sein scheint. Eine Tausend- jahrfeier läßt sich nun aber leider nicht um ein paar Jahre verschieben, und eS wird also erforderlich sein, daß der neue Verwaltungs- chef auch in dieser Frage entschlossen dir Initiative ergreift, damit wir noch vor dem Morgen deS Jahrtausendtags erfahren, tot« wir zu jubilieren haben! F. H.

Linienschiff König Mert.

Der heutige Stapellauf deS Ersatz Aegir. (Telegraphischer Bericht.)

Danzig, 27. April.

Auf der hiesigen Schichau-Werft fand heute mittag um zwölf Uhr der Sta p ellauf des neuen Linienschiffes Ersatz Aegir statt. Der König von Sachsen, der vormittags die historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt be- sichtigt batte, suhr mit seiner Schwester, der Prinzessin Mathilde, im Automobil vor der Werft vor, am Eingänge empfangen von Groß­admiral von T i r p i tz, kommandierenden Ge­neral von Mackensen und der Direktion der Werst. Man begab sich dann zur Taufkanzel, wo eine Ehrenkompagnie aufgestellt war. Kö­nig Friedrich August betrat die Tribüne und hielt die Taufrede, in der er der 'gewaltigen Entwicklung der deutschen Flotte gedacht« und die friedliche Mitarbeit der Deut, leben im Wettbewerb der Völker betonte. Wir heben aus der

Rede des König-

folgende Stellen hervor: Vor nunmehr sechs Jahren war es mir vergönnt, einem Dampfer der Handelsmarine bei seinem Gtapellauf ein Geleitwort mitzugeben und dabei der Bedeu- hing des überseeischen Verkehrs für unser ganzes deutsches Vaterland und für mein Sachsenland insbesondere zu gedenken. Mit noch tieferer Bewegung trete ich heute an diese Stelle, wo ein Schiff vom Stapel laufen soll, das bestimmt ist, di« Macht und daß A «f«- hen des Reichs zur See zu bekunden und an seinem Teile dazu beizutragen, die fried- liche Mitarbeit der Deutschen im Wettbewerbder Völker sicher zu stellen. In die achtunggebietende Reihe der Linien, schiffeKaiser",Kaiserin",Friedrich der ©toftt" undPrinzregent Luitpold" soll dieses stolze Schiff sich einfügen. Bor unS liegt es, ein Erzeugnis deuffchen GewerbefleißeS, kunst­voll gestaltet nach gewissenhafter Vorbereitung, durch unsere Mariuebestörye gebildet, durch bis

ins Kleinste treue Arbeit, in seiner Gesamtheit aber ein kraftvolles Ergebnis jener unermüd­lichen Fürsorge für des ReicheSWohlund Wehr, für die wir ntte unserem Kaiser danken.

ßutoDäer in Gefahr!

Verschlimmerung der Lage in Marokko.

Französische Depeschen aus Fez versichern zwar, daß in Fez und in Marokko dieRuhe wieder hergestellt* und die »Sicherheit der Europäer gewährleistet* sei, doch scheint diesen Beschwichtigungen kein besonderes Gewicht bei­zumessen zu sein, denn die neuesten, über Lon­don vorliegenden Berichte aus Marokko lassen erkennen, daß sich die Lage in beunruhigender Weise verschlimmert hat und daß sämt­liche Europäer sich in ernster Gefahr befinden. Das läßt darauf schließen, daß der Ausstand nicht nur nicht unterdrückt ist, sondern sich immer weiter ausbrettet. Wir verzeichnen folgende Meldungen:

London, 27. April.

(Privat-Telegramm.)

Hier eingegangene Depeschen aus Tanger vom gestrigen Tage berichten, daß die Lage der Europäer in Marokko sich äußer st bedroh­lich gestaltet hat. Der Vertreter eines Ham­burger Syndikats ist dem Stamme der Kasi- mas in die Hände gefallen, die für seine Frei­lassung ein Lösegeld von viertausend Dol­lars fordern. Auch viele andre Fremde, über deren Schicksal man keine Nachricht hat, sind in die Hände der Marokkaner gefallen. Sämtlichen Europäern in Marokko ist die Wei- sung zugegangen, zu den französischen Mili- tärposten zurückzukehren, da sonst die Fran- zosen für ihre Sicherheit nicht bürgen können. In Tarudant, im Hinterland von Agadir, ist die Lage der Europäer, unter denen sich auch zwanzig Deutsche befinden, beson­ders gefährdet. Mehrere Fremde sind in St et- ten gelegt und mißhandelt toorde«, weil sie eine bestimmte GebirgSgrenze über- schritten hatten. Man ist in Unruhe wegen deS Schicksals mehrerer Damen, die sich bei verschiedenen kleinen Expedittonen befinden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die äugen- blickliche Lage außerordentlich ktttisch und die Sicherheit der Europäer auf- ernsteste gefähr- bet ist.

Auf bett Trümmern bett Fez.

(Privat-Telegramm.)

Pari», 27. April.

Webet die Zerstörung des Judenvier- telS in Fez berichtet der Korrespondent deS »Mattu*: Beim Durchstreifen der verwüsteten Straßen deS FudenviettelS habe ich «ine grauenhaft« Mission gehabt, die mich an das erinnert, waS ich beim Bombardement von Casablanca hatte sehen müssen. Während mehrerer Stunden bin ich durch ein« verlassene, schweigende Stadt geschritten, di« von Grund auf zerstört ist und vollständig in Trümmern liegt. Die große monumentale Straße, die durch daS ganze viertel geht, ist nur noch ein Haufen rauchender Trümmer, auS dem verkohlte Balken und zahllose Menschenglieder aufragen. Das ganze Viertel, daß ungefähr zwölstausend Einwohner hatte, ist ausgeplündert worden. Alles ist verwüstet, und man wird nie wissen, wieviel Bürger von Fez sich daran beteiligt haben. Siebzig Leichen von Israeliten sind gefunden worden, mehr als die doppelte Zahl liegt noch unter den vier Meter hohen Trümmerhaufen, und das ganze Stadtviertel, ehemals eine Stätte regsten Lebens, macht den furchtbar-düstern Eindruck einer einzigen To­tenstadt.

Schließlich meldet uns noch ein Tele­gramm unseres Korrespondenten aus Berlin: An hiesiger amtlicher Stelle liegt bisher keinerlei offizielle Nachricht über die Gefährdung deutscher Reichsangeböttger in Marokko vor, doch scheint es sich zu bestättgen, daß auch Deutsche bei den Unruhen in Maroflo in Mitteidenschaft gezogen worden sind. Es sind bereits Schtttte efageleitet worden, um die zum Schutz der Deutschen in Marokko er­forderlichen Maßnahmen zu treffen. Unter den zurzeit in Marokko sich aufhaltenden be­kannten Deutschen befinden sich acht Damen.

Saloniki norm Bombardement?

Die Italiener vor neuen Abenteuern (Privai-Telegramm.)

SaloniN, 27. April.

In den Gewässern von Chalkidikc sind ge- stern fünf italienische Kriegsschiffe ge- scheu worden. Man befürchtet daher ein Bombardement von Saloniki. Das Vicer wird die ganze Rächt hindurch durch Scheinwerfer beleuchtet. Aus Rom wird, baut

berichtet: Admiral Vial« ist in Tarent ein» getroffen um, hat sofort das Kommando über die Kriegsflotte übernommen Er wird bi« Operationen an Bord des FlaggschiffesVik­tor Emanuel" leiten Die Italiener werden in den nächsten Tagen bie für bett ersten Mai angetünbigien Operationen im Aegäischen Meer ausführen.

GM der Kriesrminifter?

Depeschen zwischen Berlin nnd Korf«.

(Von unserm Korrespondenten) Berlin, 27. April.

An der durch den Abgeordneten Spahn verlesenen fraktionsoffiziösen Auslassung des Zentrums gegen den Krieg sMinister von Heeringen wird auch (wie mir von maßgebender Zentrumsseite bestätigt wird) die Beratung der Heeresvorlage in der Kom­mission wenig ändern, wenn dort auch vor­aussichtlich Herr von Heeringen die Wirkung seiner Erklärungen im Reichstag abzuschwächeu bemüht sein wird. Der Gegensatz zwischen der prinzipiellen Ansicht der Zentrumsparlei und der des Kriegsministers sei so eklatant und unüberbrückbar, daß daS Zentrum sich mit einer bloßen Abschwächung der Aus­führungen des Herrn von Heeringen nicht einverstanden erklären könne. Die Zu­sammenarbeit des Zentrums mit dem Kriegs- Minister sei daher bei der Beratung der HeereS- Vorlage nach dem Vorgefallenen kaum denk­bar, WaS für die Verabschiedung der Vorlage natürlich von großer Wichtigkeit sei, denn ohne Zentrum sei die Vorlage einfach nicht durch­zubringen. Man rechnet daher in ZentrumS- kreisen ziemlich sicher damit, daß Herr von He«- ringen auS dieser Parteiaussaflung die Kon­sequenzen ziehen wird, da eS vom Zen­trum nicht verlangt werden könne, daß eS Prinzipien und Auffassung d«S Gesetze» dem KttegSminister zuliebe und zugunsten der Hee­resvorlage zeitweilig beiseite schieben werde. Hiernach zu urteilen, wirb also dem Kriegs- Minister nicht» anderes übrig bleiben, als zu resignieren. Wie verlautet, hat beim auch in den gestrigen und vorgestrigen Abendstunben ein reger Depeschenverkehr »wi­schen Berlin «nb Korf« stattgestmden, dessen Resuftat natürlich «och auSsteht.

Bon andrer Seite wirb uns »u der Ange­legenheit telegraphisch auS Berlin be­richtet: Der Zusammenstoß beS Kriegsministers mit dem Zentrum kommt den maßgebenden Stellen zu sehr ungelegener Zeit und berührt äußerst peinlich. Ma« macht nämlich gar kein Hehl daraus, daß eS z« einer Kraftprobe i m R e i ch S t a g kommen dürste, die unter Um­ständen sogar mit einem Fallen der Hee­resvorlage enden könnt«. Mit Rücksichi hierauf soll durch Verhandlungen mit der Füh­rung der Zentrumspartei versucht werden, eine Verständigung herbeizuführen, die die Gefahr etwaiger parlamentarischer Kompli­kationen auSschaltet.

Stürme im Landtag.

Freiherr von Zedlitz gegen Liebknecht und EtrSbel; Entrüstungsstürmc recht» «nd links; das Wahlbündnis der Linken.

(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiters

Nachdem es bereits vorgestern im Abgeord­netenhaus zu scharfen Zusammen stöben mit der Sozialdemokratie ' gekommen war stand auch gestern wieder das Barometer auf Sturm. Am Frettag war eS aber die Rechte, die aggresiev vorging, und zwar ging der frei­konservative Führer Freiherr von Zedlitz mit jugendlichem Feuer und einer Schärfe ge­gen Herrn Liebknecht und feinen Gesinnungs­genossen Ströbel vor, wie man sie an ihm sel­ten erlebt hat. Es kam dabei zu stürmi­schem Lärmen, als er auch dar Wahl,- bündnis der Freisinnigen mit der Sozialdemokratie mit Worten in die Erörterung zog, denen er nachher, als er sah. was er angerichtet hatte, eine abschwächende Interpretation geben mußte, liebet die Be­merkungen des Herrn von Zedlitz gegen dis Linke gab cs eine GeschästsordnungSdebatte da der Präsident von Erssa die scharfen Aus­drücke des Herrn von Zedlitz nicht gerügt hatte, was Herr Von Erssa damit rechtfertigte, daß der Redner nicht Mitglieder dieses HauieS ae- mefat habe. Dann ging eS in der Debatte weiter, in der durch all« Reden der schärfste Gegensatz gegenüber dem Verhalten der Sozialdemokraten zum Ausdruck kam. Der Konservative Graf von derGroebeu schlug vor. die Redefrist zu beschränken und dem Präsidenten weitere Machtmittel in die Hand zu geben. Der Rattonalliberale Friedberg kam nochmals auf bie Wahlreform zu sprechen und verlangte ein geheimes und direktes Wahlsystem, abgestuft ngch Bildung und Bo-