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C Mer Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 119,

Freitag, 26. April 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

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Menschlichkeit-Gebot!

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hin. wo er gerade rechtzeitig kam. um zwanzig Männer und eine Frau aus einem sinkenden, zusammenlegbaren Boote zu retten. Er gab zu, daß am Sonntag nachmittag im Kartenzimmer

ein Zettel, auf dem Eis gemeldet Länge und Breite angegeben war. schlagen worden sei.

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Verständigungs-Versuche!

Berlin, 25. April. (Telegramm un- sers Korrespondenten.) Wie ich er­fahre, haben noch gestern abend auf dem Ban­kett beim Reichskanzler Verständigungsversuche stattgefunden, um den peinlichen gestrigen Zwischenfall im Reichstag beizulegen. Es ist auch anzunehmen, daß seitens des Reichs­kanzlers dringend aus eine Verständigung hingewirkt werden wird, da ein Wechsel im Kriegsministerium grade in diesem Augen­blick , wo die Wehrvorlagen vor der Ent­scheidung stehen, unliebsames Aufsehen erregen müßte. Es ist unter diesen Umständen anzu­nehmen, daß Herr von Hecringen feine gestrigen Erklärungen im Reichstag in einer der nächsten Reichstags-Sitzungen in versöhnlichem Sinne interpretieren wird.

Mn neues Militär Luftschiff!.

Halb Freiballon, halb Flugzeug.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 25. April.

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entfernt war, berufen worden, und wurden andre gradezn ab ko mmandiert! Die An­klagen verdichten sich so, daß der amerikanische Senat eine Untersuchungskommiflion einsetzt. Direktor Jsmah will entfliehen (auf einem Dampfer der Cunard Line natürlich) und muß mit List zurückgeholt werden. Die Schiffsmann­schaft soll auch heim; sie alle wissen ja nichts Genaueres, denn ... die Toten sind stumm.

In Washington sitzen nun die Männer des Gerichts versammelt, um über Schuld und Sühne zu entscheiden. Vorläufig überragt ihre Energie alle raffinierten Hemmungen der Dol­larmacht, und Bruce Jsmah ist festgehalten auf der Bank der Sünde. Die moralische Ge­nugtuung, die damit der zivilisierten Welt zu­teil wird, darf aber nicht hiermit enden: Das Beispiel darf nicht nur an Mister Jsmah sta­tuiert, es müssen auch die Lehren der großen Katastrophe praktisch verwertet werden. Zunächst: Die großen seefahrenden Nationen haben Gesetze, die durchaus veraltet sind. Die Geschwindigkeitsgrenze müßte darin verzeichnet sein, und was für die Straße schon längst als notwendig erkannt ist, ist für die hohe See nicht zu kleinlich: Eine Reglementation der Schnelligkeit! Dann hätten die Staaten noch Vorsorge zu treffen, daß ihre Gesetze auch von den Millionen mächtigen Gesellschaften b e> achtet werden. Staatliche Schiffskommissäre oder Ueberprüfung der Schiffsbücher: Es gibt viele Mittel, die Rekordgelüste zu hemmen! Die Autokratie auf See, der Amerikanis­mus der Rekord-Effekte und die Dividen­de-Jagd de rTrusts: Sie einen.sich in der Erzeugung des Verbrechens, und der Kampf gegen sie ist deshalb Kultur- und

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Jns-ttwnSpreif«: $U techSg-spaUm« SeUl für einheimisch, Geschäft« 15 Pfg., für «tu», "irrig, Inserat« 25 Pf, Reklame,eil« für einheimisch« Geschäft« 1» Pf, für -n-wärNg, Geschäft« 60 Pf. Beilagen für bi« Sesamtauflag, werden mit 5 Mark pro Tausend be­rechnet. Wegen ihr» dichten Verbreitung in der Restdenz und der Umgebung find die «affeler Neuesten Nachttchten ein vor,üglicheS Jnsertionrorgau. Geschäfts,telle: Kölnische Straß, 5. Berliner Vertretung: SW, ssttedrichftrab. Ich Telephon: Amt Motttzplatz 676.

Disziplinmangel an Bord!

(Privat-Telegram m.)

Newyork, 25. April.

Bor der Unter suchungskommis- s i o n in Washington bezeugte der fünfte Offi­zier derTitanic", L o w e, er habe Jsmah, der höchst aufgeregt gewesen und beim Herab- lasscn der Rettungsboote Anordnungen gegeben habe, ersucht, sich nicht einzumischen, und zwar in sehr kräftiger Seemannssprache. Auch aus Lowes Zeugnis ergibt sich, daß es a n D i s - ziplin mangelte. Senator Smith er­klärte, es seien Versuche gemacht worden, ihn und seine Kollegen zur Einstellung der Untersuchung zu veranlassen. Lowe er­zählte weiter, sein Rettungsboot sei so schwer belastet gewesen, daß weitere Aufnahmen ihm diehöchsteGesahr gebracht hätten. Er habe deshalb, als es Herabgelaffen wurde und einige Italiener Miene machten, ins Boot zu sprin­gen, den Revolver gezogen und dreimal über die Köpfe hinweggeschossen. Lowe erzählte in dramatischer Weise, wie er die In­sassen seines Rettungsbootes auf vier andere verteilt hatte, um zur Unglücksstätte zurücksah- ren zu können. Er wartete aber über eine Stunde, da er sonst mitten in die im Waffer entsetzlich um ihr Leben Kämpfen­den gekommen und sicherlich in die Tiefe ge­zogen worden wäre und keinen hätte retten kön­nen. Erst nachdem das grausige Wehe- und

Neue Manie EntlMungen.

Am Schauplatz der Katastrophe. (Privat Telegramm) Newyork, 25. April.

Der LloyddampferBremen" sichtete am Samstag zweihundert Leichen vierzig Kilometer nördlich vom Schauplatz der Kata­strophe. ferner ein gekentertes Boot, Dampfer­stühle und Planken. Auch ein Eisberg, ähnlich dem, gegen den dieTitanic" gefahren war, so­wie 'sonstige Eisberge, insgesamt fünfzehn, wurden gesichtet. Mehrere Passagiere e r - krankten durch den Anblick der Leichen. Eine Frauenleiche hielt noch ein Kind krampf­haft umschlungen, ebenso wurden eine Männerleiche mit einem Kind, sowie ein Mann und eine Frau in enger Umarmung gesehen. Der Kapitän erklärte, er könnte keine Leichen bergen, da er sie nicht auf derBremen" unter­bringen könnte. Der italienische DampferAn­cona" sichtete einen Eisberg von einer Länge von dreihundert und einer Höhe von fünfzig Fuß südlich von der Unglücksstätte. Außer dem DampferEalifornian" war auch der Fracht­dampferLena" in der Nähe derTitanic" ge­wesen. DieLena" ist nicht mit einem Funken- telegrayhen auSgestattet. Der Kapitän der Ealifornian" erftärt, daß sein Dampfer weni­ger als zwanzig Meilen von derTitanic" ent­fernt gewesen sei, als diese sank. Hätte er von dem Unfall gewußt, so hätten alle Passa­giere gerettet werden können.

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Kriegsminister auf diesen Fall einging und da­bei erftätte, ein Offizier, der einen derartigen Standpunkt vertrete, könne nickt in der Armee verbleiben, erhob sich im Zen­trum ein minutenlanger Entrü­st ungssturm, in dem die übrigen Worte- des Ministers verloren gingen. Als sich die Wogen der Erregung etwas gelegt batten, folg-

Di« Lasttier Neuesten Nachttchttn erfit einen wöchentlich sich »mal und paar abend«. Der Abonnementiprei« beträgt nwnallich 50 Pfg, bet frei» Zustellung in» Hau«. Bestellungen werden |«bettelt von der «eschästrstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redattioni Gchlachthofftrast« 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 bi» 3 Uhr nachmittag», Sprechstunden der Lu«lunst. Stelle: Jede« Mittwoch und Sonnabend von 8 bi» 8 Uhr abend». Berliner Vertretung: SW, Fttedttchftr. 16, Telephon: Amt Motttzplatz 676.

Wie weiter verlautet, soll der scheidend» Oberbürgermeister Adickes der die Oberbürger. meister-Neuwahl vorbereitenden Kommission persönlich dringend empfohlen haben, sich um eine ZusageWermuths zu bemühen: Die ganze Angelegenheit erhält durch den bekann­ten Frankfurter Wahlmodus, der dem Emen nungsrecht des Königs einen weiten Spielraum läßt, auch eine politische Nuance, es ist aber anzunehmen, daß der Kandidatur Wermuth hierdurch keinerlei Schwierigkeiten erwachsen würden.

nickendorf eingehende Beratungen von erfahre­nen Luftschiff-Ingenieuren und Offizieren ge­pflogen und neue Pläne und Zeichnungen für ein in der Konstruktion vollständig neu. artiges Militäluftschiff angefertigt worden. Das Schiff wird in seiner äußeren Form eine Kombination von Freiballon und Flugzeug darstellen. Ein Modell ist bereits dem Kriegsministerium zur Begutach­tung eingereicht worden. Wenn das Kriegs­ministerium diesen neuen Luffschifftyp für mili. tärische Zwecke als geeignet findet, wird mit dem Bandes Schiffes in Kürze begonnen werden.

Wermuth: krsatz Adicker?

Vom Staatssekretär zum Oberbürgermeister.

Der Magistratswahlvorschlagsausschuß der Stadt Frankfurt am Main hat vorläufig beschlossen, beim früheren Reichssckatzse- kretär Wermuth anzufragen, ob er ge­neigt sein würde, die Stelle eines Frankfurter Oberbürgermeisters anzunehmen. Wie verlautet, soll sich Wermuth bei einer bereits er. folgten Sondierung zur Annahme des Postens geneigt gezeigt haben. Es scheint also, daß Herr Wermuth tatsächlich alsErsatz Adickes-" ernstlich in Frage kommt. Wir erhalten darüber noch folgende Mitteilungen:

Franffurt a. M., 25. April.

(Privat-Telegram m.)

Die schon unmittelbar nach dem Rücktritts- gesuch des Oberbürgermeisters ganz unverbind­lich erörterter Frage, ob die Besetzung des Ober- bürgermeisterpostens durch Herrn Wermuth den in den Ruhestand getretenen früheren Reichsschatzsekretär, diskutabel sei, ist nunmeh, in ein weiter vorgeschrittenes Stadium getre­ten. Es haben bereits in Kreisen der Mitglie­der des Magistratswahlvorschlagsausschusses Vorbesprechungen stattgesunden, wobei sich große Ge n e i g t h e i t gezeigt hat, einer Kandidatur Wermuth näher zu treten. Es ist auch schon Fühlung mit Exzellenz Wermuth genommen worden, und auch aus dieser Seite ist der Plan nicht von der Hand gewiesen worden. Von Wermuths Seite sind bereits Jnformattonen über die Frankfutter Verhältnisse eingezogen worden, sodaß mit einer Besetzung des Frankfurter Oberbürgermeisteramts durch Exzellenz Wer­muth gerechnet werden kann. Irgendwie Ver­bindliches ist allerdings bis jetzt noch nicht er. folgt. Alle diese Verhandlungen und Be­sprechungen tragen den Charakter von Pour­parlers, wie das in ähnlichen Fällen immer der Fall zu sein pflegt.

Simm im Reichstag.

Wehrdebatte vor leeren Bänke«; Erzber« ger und der Kriegsminister; Entrüst- ungssturm im Zentrum; Krise in Sicht?

(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Im Reichstag sah es gestern wirflich nicht so aus, als ob es um eine der wichtigsten Vorlagen ginge, die wir seit Jahren gehabt ha­ben. Vor fast leeren Bänken polemisierte der Genosse Gradnauer gegen die Haltung der bürgerlichen Parteien in der Wehrvorlage, womit er Herrn Erzberger vom Zentrum Stoff zu einer längeren Erwiderung lieferte, in der er mit der Partei des Vorredners Abrechnung hielt. Dann wandte stck Herr Erzberger der Vorlage zu, wobei er aber sich zu weiten Ab­schweifungen hinreißen ließ, die vielleicht in den Militäretat gehört hätten, nickt aber zur Militärvorlage. Seine Rede gab im übrigen indirekt Veranlassung, zu einem Zwischen­fall mit dem Kriegsminister. Herr Erzberger hatte den bekannten Fall eines katho­lischen Reserveoffiziers in Ulm erwähnt, der ein Duell mit Rücksicht auf seine religiös» Ueberzeugung abgelehnt hatte und darauf verabsckiedet worden war. Als der

Sie Kette de» Verbrechens.

Der Epilog des Titanic-Dramas.

Der furchtbare Schrei panischen Schreckens, | der aus der Nacht des Ozean-Dramas die ganze Welt durchgellte, ist nun verhallt und dort, wo vor wenig Tagen das schwarze Ver­hängnis einer lebenvernichtenden Schicksal­stunde grauenvoll wütete, spiegeln sich heut die g tanzenden Wellen des Atlantic im funkelnden Sonnenglanz. Die erste Erschütterung, die die Seelen von Millionen mitfühlender Menschen im tiefften Innern erzittern ließ, ist durchkämpst, | und das trauerumflorte Auge des Mitleids wird geschärft von der Pflicht, die furchtbare Wucht des Massendramas zu erfassen in der Erkenntnis der Ursachen und. Wirkungen, die hier das Verhängnis woben. Man kann jetzt die Verkettung der Vorgänge übersehen, kann Zeugenaussagen abschätzen und dem Zufall im Unglück seinen Platz anweisen. Und was sich nach allem vor der Lo-zik und dem Gefühl er­weist, ist die Erkenntnis: Hier liegt eine Kette von Verbrechen vor, nicht mehr und nicht minder, und diese VeHrechen haben, | als der Rekordsteamer mit dem Eisberg zusam­menprallte, den unseligen Dampfer in die Mee­restiefe gedrückt; ein Spielball in der Faust der t Elementargewalt.

Ein Drama, durchschauert vom Ahnen furchtbarer M en s ch en s ch nl d, denn lauter noch als der pflichtbewußte und der resignierte t" Heroismus der vom Tode Bedrängten dringt die Schurkerei Derer zur Kulturwelt, die mehr als zweitausend Menschen für ihre Ge­schäftsreklame mißbrauchten und angesichts bet L Katastrophe ihren Spekulantensinn nicht verab­schiedeten. Der Vertreter dieser traurigen Hel- den ist der Direttor der schuldigen White Star Lina, Mister Bruce Jsmah. Er selbst das Urbild des Engländers, der sich vom amerikani­schen Koustu hat belehren lassen. Die Energie des Briten, die irgendwo sich eine Grenze setzt, genügt ihm nicht: Er strebt über die Grenze hinaus, mißachtet Ort, Zeit und Gefahr, und war wahrscheinlich nickt wenig stolz auf diese Methode. DieTitanic" mutzte, um die Luxusreifenden seiner Reederei zuzulocken, die schnellste Ueberfahtt nach Amerika haben, er I mußte deshalb einen Kurs einschlagen, den vorsichtige Kapitäne gerade wegen der Eisberge im April mehr südlich nehmen, er mußte mit einundzwanzig, dreiundzwanzig Knoten hin- | rasen, gerade weil andere Schiffe im Augenblick solcher Gefahr ihre Geschwindigkeit mindern: Der Amerikanismus verlangte Opfer!

Bruce Jsmah, der kleine hagere Mann mit den Allüren des Potentaten und der Physiog­nomie eines römischen Tribunen: Er hatte kein Diplom als Kapitän für lange Fahrt, aber er kommandierte trotz alledem, gab Orders und duldete keinen Widerspruch, wenn Erfahrung und Pflichtbewußtsein Andrer seine Rekord- pläne stören wollten. Das alles -galt natürlich nicht etwa einer Idee, nicht einem Beweise, der den Sieg über eine Naturkrast augenfällig dar- s tun sollte, sondern den Dividenden der I Schiffahrtslinie. Der Strom der Ueberfahren- den wendet sich dorthin, wo er den Nervenkitzel befriedigt findet: Die White Star Line spart kein Material, auch kein Menschenmaterial, um diesem verhängnisvollenZug der Zeit" diesem Dämon des zwanzigsten Jahrhunderts. Ge­nüge zu tun. Die See hat dieTitanic" verschlungen, und unter den Geretteten erkennt man zuerst Mister Bruce Jsmah, den ener­gischen Enqländer. Warum ist gerade c r geret­tet, er, der am lautesten dieunbesiegbare Kraft seines Dampfers" rühmte? Er, der so eine Art von Admiral an Bord war, und über dem Kapitän stand? Sechzehnhundert Men­schen wurden vom Strudel mitgerissen: Mister Jsmah wurde verschont: das Schicksal sparte ihn für die Sühne schwerer Schuld auf!

Es ist sonderbar. Wer wird je die Orgien erfahren, die Jsmay'sEnergie" feiern mußte, bis er in ein Boot gelangt war? Er ist an Bord des HilfsdampferzKarpathia". Dieser Dampfer, der hergerufen wurde, gehört einer Reederei, die mit der White Star Line gut be- freundet scheine. Sie erkennt die Macht des Mister Jsmah an, räumt ihm einen Salon ein. während Frauen auf dem Gange schlafen muf­fe«, und Mister Jsmah dirigiert wieder. Die Welt lauscht begierig, wer gerettet wurde, will Einzelheiten hören. Der Funkentelegrahh der Karpathia" ist wenig gesprächig. Aber mit der Geschäftszentrale verkehrt Jsmah fleißig, und sie kann ihre Rückversicherungen verwerten, als wenn alles gerettet wäre. Dann erst erfährt man, daß sehr wenig gerettet wurde. Und end­lich langt dieKarpathia" in Newyork ein, und nun brechen die Zeugenaussagen und damit die Anklagen los. Warum ist nur bet Skeamer

Krise in Sicht?

Herr von Hceringen und die Parteien.

Wir geben in dem Bericht über die gestrigen Verhandlungen des Reichstags eine Darstel­lung über den scharfen Zusammenstoß zwischen dem Kriegsmini st er von Hecringen und den Parteien des Reichstags, der (wie es scheint) nicht ohne Folgen bleiben wird. An sich kann dieser Zusammenstoß nicht sonderlich wundern, denn Herr von Hceringen pflegt im persönlichen Verkehr eine gewisse Schroff­heit zu offenbaren, die am schärfsten dann hervortritt, wenn er meint, Ansichten vertreten zu müssen, die er für richtig hält. Der gestrige Zusammenstoß scheint nun aber sehr ernste Folge.Möglichkeiten in sick tu bergen. Wir erhalten darüber folgende Mitteilungen:

Berlin, 25. April.

(Privat-Telegram m.)

Der gestrige Zusammenstoß zwischen dem Kriegsminister von Hceringen und dem Zen­trumsabgeordneten scheint eine Minister- frife heraufbesckworen zu haben, und zwar betrifft sie diesmal den K r ie g s m in ist er von Hecringen, der, wenn er stürzt, nicht über die Wehrvorlagen fällt, sondern (wie das so häufig der Fall zu fein pflegt) über eine Be-, gleiterscheinung. Die gestrigen Erklärungen des Kriegsministers auf die Rede des Zentrumsab­geordneten Erzbcrger bezüglich des Duell- z'wangs der Offiziere entfesselten im Reichstag einen Sturm, wie man ihn selten erlebt hat. Von allen Seiten flogen erregte Zwi­schenrufe zur Tribüne hinauf:Uner. hört! Unglaublich! Das sagt der Kriegsminister, der die Gesetze achten soll!" und ähnliches hört man aus dem wüsten Lärm. Ab­geordneter Gröber, der bekannte Zentrums- führer, bewegt wild die Arme, spttngt von sei­nem Sitz auf und ruft, kreideweiß int Gesicht, dem Kriegsminister verschiedenes zu, was im Lärm allerdings auf der Tribüne nicht zu verstehen ist. Auch die Sozialde- mokraten, die Liberalen und selbst die Nationalliberalen lassen Herrn von Hceringen allerlei wenig Schmeichelhaftes hö­ren. Selbst die Konservativen sind an- scheinend unangenehm berührt, wenn sie auch in der Seele dem Minister recht zu geben schei­nen. Der Lärm dauert fünf Minuten, und dann erst kann der Abgeordnete Paasche, der als nächster zum Wort kommt, seine Rede be­ginnen. In feinen Einlettungsworten zittert noch die Erregung über die Szene nach, di« sich soeben abgespielt hat. ES wird in parlamenta­rischen Kreisen nicht bezweifelt, daß der Zu. sammcnstoß deS Kriegsministers mit dem Hanse, vor allem mit dem Zentrum, Folgen nach sich ziehen wird, und man hörte schon gestern abend vielfach die bestimmte Ueberzeugung aussprechen, daß Herr von Her­tingen vermutlich die Wehrvorlagen nicht weiter vertreten werde, und man er­wartet daher schon in der nächsten Zeit wich­tige Entscheidungen im Hause selbst.

Der Bau eines neuartigen Militärluft­schiffes, das von den Systemen Parseval und Groß vollkommen abweicht, ist von der Militär.Verwaltung 'geplant. Unter Berücksichtigung der bisher bei den verschiede.----------s ... . .. . . ...

neu Luftschiffsyftcmcn gesammelten Erfahiun. te auf der Rednertribüne Herr Paasch e, ehe- Jäsn sind ist itei Militärluttickiffwerft in Seidmalüm Rittmeister der Lanchvchr-Aavalleri«.