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Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 24. April 1912
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daß er zweifellos in ihr vereint sein werde, dere Frauen anfangs chästigt gewesen.
wurde daraufhin fcstgehalten und vor dem Senatsausschuß vernommen. Nach seinen Aussagen sei am Abend ein großes Diner gewesen, wobei viel Wein getrunken wurde. Rach dem Diner sei von den Stewards den Matrosen Champagner gereicht worden. Er habe gerade Dienst auf dem Oberdeck gehabt, als ein Passagier auf ihn zutrat und ihn darauf aufmerksam machte, daß ein Eisbergdirektvorder „Titanic" liege. Klein behauptet, auch der Kapitän und die Offiziere hätten an dem Diner teilgenommen und viel getrunken. Der Mann im Ausguck war e i n g e s ch l a f en und er (Klein) habe die erste Meldung von der drohenden Gefahr erstattet. Frau Astor erzählt weiter, einige von den aufgefischtcn Matrosen seien vollkommen betrunken gewesen und bald darauf gestorben. Das ist eine indirekte Bestätigung der Aussage des Matrosen Klein.
Das Spiel mit Menschenleben.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.) Rewyork, 23. April.
Schreckliche Szenen, die sich bei der Rettung der Paffagierc an Bord der „Titanic" abgespielt haben, werden von Ueberlrbenden der Katastrophe geschildert: Als die Frauen in aller Eile in den Rettungsbooten untergebracht wurden, entstand ein so furchtbares Gedränge, daß mehrere Säuglinge, von den Ar men der Mütter geriffen, förntlich zertreten wurden. Bielen von ihnen war der Brustkorb eingedrückt; andere sind an Bord der „Karpathia" ihren Verletzungen erlegen. Wie weiter über die „Titanic"-Katastrophe berichtet wird, hatten die Wachtposten an Bord der „Titanic" den ersten Offizier, der die Stelle des Kapitäns einnahm, während dieser
Stimmen zur Kanzler Rede.
Dex Kanzler hat eine günstige Presse.
(Privat-Telegram m.)
Berlin, 23. April.
Die gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers bei der Einbringung der Wesir- Vorlage im Reichstag haben im allgemeinen eine g ü n st i a c Presse gesunden. Aus
Sie sei ebenso wie an- mit Rudern bc- Das Wasser habe kniegestanden. Rach ihrer
Minister des Aeußern erhielt, sollte Cambon in Kisstngen nur Deutschlands Absichten und Pläne für die Zukunft zu erforschen üchen; er sollte sich auch bereit zeigen, zu , l a u d e r n, sollte aber keinerlei Initiative ergreifen; im übrigen sollte er die abgebrochenen Unterhandlungen über wirtschaftliche Fragen wieder aufzunehmen suchen. Bei seiner Ankunft in Kissingen erkannte Herr Jules Cambon an der festen, entschiedenen Haltung des Herrn von Kiderlen sofort, daß es ihm nicht leicht werden würde, „Deutschlands Pläne ür die Zukunft zu erforschen". Er sprach daher
Affinger Rendezvous.
Das enthüllte „Geheimnis von Agadir^.
Andre Tardieu veröffentlicht in diefen Tagen unter dem Titel „Da« Geheim«» von Agadier" ein Buch, das auf Grund einer großen Anzahl unbekannter Dokumente die „Kulisfenges ch ich te" der deutfch-franzöfsischen Krisis von 1911 erzählt. Der „Temps", dessen politische Artikel zum großen Teil von Tardieu geschrieben oder doch inspiriert werden, gibt schon jetzt aus dem Buche das besonders interessante Kapitel „Kissingen" wieder: Eine angeblich ganz genaue Schilderung der Zusammenkunft, die im Juni vorigen Jahres zwischen Herrn von Kiderlen- Wächter und Herrn Jules Cambon in Kissingen stattfand. Herr Tardieu erzählt in seinem Buche: „... Gehen Sie doch nach Kissingen; Sie werden dort Kiderlen treffen!" Diese Worte, die Herr von BethmannHollweg am elften Juni des Vorjahres zu Herrn Jules Cambon, dem Botschafter Frankreichs in Ber. Im, sprach, mußten der französischen Regierung in ihrer Ungewißheit als ein beachtenswerter Wink erscheinen. Durfte sie in der Lage, in der sie sich -befand, eine Möglichkeit zur Aussprach«, ein Mittel, „zu erfahren, was Deutschland im Leibe hatte- (wie Minister Cruppi sagte) außer acht lassen? Unter solchen Umständen erhielt Herr Jules Cambon die Erlaubnis, sich nach Kissingen zu begeben. Er war von einer gewissen Furcht beherrscht, als er hinging. Herr von Kiderlen hatte ihm eines Tages von Mogador gesprochen. Und der Kronprinz hatte am zwölften Juni bei den Rennen im Grune-
tirf im Rettungsboot „ .
Aufnahme auf die „Karpathia" haben sie alle Mahlzeiten mit den Geretteten im Zwischendeck eingenommen. Einer der geretteten Matrosen, namens Klein, hatte dem österreichi- chen Vizekonsul in Cleveland erzählt, ein großer Teil der Mannschaft sei betrunken gewesen, als der Zusammenstoß mit dem Eisberge erfolgte. Der Matrose
$et Kanzler im Reichstag.
Die Kanzlerrede über die Wchrvorlagen. (Von unserm parlamentarischen Mitarbefter.)
Während man im Abgeordnetenhause sich ge. stern des Langen und Breiten über di« wichtige Frage des Extemporale-Erlasses unterhielt, standen im Reichstag Vorlagen zur Beratung, die für uns von weittragendster Bedeu. tung sind. Dem entsprach auch die Physiogno- mie des Hauses, das recht gut besetzt war, wenn auch nicht in dem Maße, wie man es wohl Hätte erwarten können. Stark besetzt war dagegen die Diplomatenloge, und am Bundes- ratstische sah man ein buntes Gewimmel, da die roten Kragen der Offiziere des Kriegsmint. steriums und die blauen Röcke der Herren von der Marine ein etwas lebhafteres Farbenspiel in da« som't so monotone Bild brachten. Am E-k-t- per Reichskanzler im lanaen Geb-
Wald zu ihm gesagt: „Sie werden uns unfern Anteil an Marokko bringen/ Die gesamte Presse schrieb: „Der Ver. trag von Algeciras existiert nicht mehr. Man muß eine ander« Lösung ftnden, Deutschland muß «in Stück vom Scherisischen Reich er. halten." Eine nach solchen Leitmotiven geführte Unterhaltung wäre ganz einfach die Verleugnung ünd Verwerfung von zehn Jähren französischer Politik gewesen. Was war denn vom ersten Tage an Frankreichs Hauptziel? Zu verhindern, daß Deutsch, land in Marokko Fuß faßte! Und sollten alle diese Bemühungen umsonst gewesen sein? Sollte man angesichts eines positiven Vertan, gens durch Widerstand eilten Bruch mit allen («inen Folgen riskieren?
Anderseits war Nachgeben unmöglich aus den bereits dargelegten französischen und aus Gründen internationaler Natur: Wenn Frankreich sich hätte bereit finden lassen, Deutschland im Scherisischen Reich einen Anteil zu geben, so wär« Das das Ende der „entente cordiale* gewesen. Wir mußten also vor allem dafür sorgen, daß die deutsch-ftanzösische Aussprache nicht diesen Wog «inschlüge. Aus denselben Gründen war übrigens Frankreichs Botschafter (Die, die ihm im vorigen Jahre näher treten dursten, könnten es bezeugen) dem Gedankeil einer deutsch-französifchen Verständigung nicht abgeneigt, vorausgesetzt, daß bei dieser Verständigung die Teilung Marokkos überhaupt nicht in Frage käme. Auch nach seiner Ueberzeugung muhte Marokko das große Ziel der französischen Politik (ein. Auf diese Ansicht läßt seine ganze Korrespondenz schließen: „Die Lösung der marokkanischen Frage (schreibt er) hat für uns einen vitalen Charakter, da unsere Stellung in Europa da. von abhängt." Und weiter: „Welche Verantwortung würde auf uns lasten, wenn wir die Marokkoftage wieder aufrollen ließen, und das zu unserm Schaden!" Kürz: Man darf wohl behaupten, daß seit dem Frühling des vorigen Jahres unser Botschafter in Berlin der Ansicht war, daß im nationalen Interesse das letzte Hindernis, das uns von Marokko trennte, das deutsche Hindernis, fallen müsse. Wie sollte man es aber aus dem Wege räumen? Herr Jules Cambon fand auch Deutschland gegenüber keine andern Mittel als die, die schon vorher Italien, England und Spanien gegen, über zur Anwendung gekommen waren: „Wir werden zahlen müssen," sagte er häufig!
Tardieu legt dann des Weiteren dar, da die Frage durch die französische Expedition nach Fez noch mehr verwirrt worden sei, da kein Mensch (auch General Moinier nicht) wußte, wie die notwendig gewordne militärische Intervention enden und was für Folgen sie haben würde. Schon darum habe man in Marokko reinen Tisch haben wollen. Die Sachlage, wie sie im Monat Juli war, lasse sich also folgendermaßen zusammenfassen: Geneigtheit zu Unterhandlungen mit Deutschland und zu einer endgültigen Lösung der marokkanischen Frage, unter der Bedingung jedoch, daß Von einer Festsetzung Deutschlands in Marokko nicht di e Rede sei. Nach den Weisungen, die er vom französischen
Frau Astor, die Gattin des ertrunkenen Millionärs, itt jetzt so weit wieder hergestellt, daß sie gestern zum ersten Male eine Schilderung ihrer Rettung geben konnte. Sie erzählte: Der Abschied von ihrem Manne erfolgte in großer Ruhe. Er versicherte, daß keinerlei Gefahr bestehe und wenigen Stunden mit
den Kommentaren der Berliner Morgenblätter geht mit aller Deutlichkeit hervor, daß für die Wehrvorlage eine große Mehrheit bei den bürgerlichen Parteien aller Richtungen vorhanden ist. Auch in Bezug auf die Deckungsfrage werden recht milde Töne angeschlagen. Mit besonderer Genugtuung heben hie Blätter aller Parteirichtungen den Passus der Bethmann'schen Rede hervor, der eststellt, daß unsere auswärtigen Beziehungen völlig befriedigende ind und nicht die Veranlassung zur Einbringung der Wehrvorlage waren.
Zar Blutbad von Fez.
Hundertachtzehn Tote, hundertvier Verletzte!
Der Aufstand in Fez, der in Wirklichkeit eine mürrische Volkserhebung gegen das ranzösische Protektorat ist, hat weit mehr Opfer gefordert, als nach den ersten Meldungen anzunehmen war. Ein aus Fez gestern abend in Paris eingegangenes Telegramm gibt die Zahl der bei dem Ausstand umgekom- mencn französischen Offiziere, Soldaten und Staatsangehörigen auf Hundertachtzehn, die der Verwundeten auf hundert vier an. Die Pariser Presse tritt nachdrücklich dafür ein, daß weitere Truppen nach Marokko entsandt werden, da die gegenwärtig dort befindlichen Streitkräfte durchaus un- zulänglick seien, um in dem ungeheuren Gebiet überall den Aufstand zu unterdrücke^ Weitere Meldungen besagen:
Paris, 23. Februar.
(Privat-Telegramm.)
Ausführliche Berichte, die heute aus Fez eingettoffen sind, lassen erkennen, daß der Kampf außerordentlich blutig war, und daß die Hauptstadt Marokkos sich tagelang in den Händen bet blutdürstigen Aufrührer befand. Die Zahl der O p s e r, die der Ausstand gefordert, dürfte wohl niemals genau bekannt werden, da die offiziellen Berichte nur die europäischen Toten aufzählen und von dem hingemetzelten Volke nichts wissen. Marokko dürfte noch für sehr lange Zeit ein sehr zwei- felhafter Boden fiir Frankreichs „Kulturmission" fein. Der „Matin" meldet, daß auch sein Korrespondent namens Brigau, der sich seit einigen Tagen in Fez befand, mit seiner Frau von den Rebellen ermordet worden ist Der zweite Berichterstatter befand sich mit seiner Frau und zwei eingeladenen Personen gerade beim Mittagsmahl, als die Meuterer in das Haus eindrangen. Alle vier Personen wurden nach hartem Widerstände ermordet. Der militärische Dolmetscher in Fez, Renaud und der Bevollmächtigte des Hauses Braunschweig, Bengio, wurden ebenfalls ermordet. Man fand ihre Leichen spater ersetzlich verstümmelt. *
Wer tragt die Schuld?
Weitere Meldungen aus F e z berichten, daß die französischen Behörden bereits eine Anzahl Maßregelungen vorgenommen haben. Verschiedene Beamte sind ihres Amtes enthoben worden. Mehrere benachbarte -ramme, die 6 erbet geeilt waren, um sich an der Plünderung der Stadt zu beteiligen, konnten zuruckgeschlagen werden. In Paris wird die schuld an dem verhängnisvollen Maflakre der R e gierung beigemessen, die es unterlasftn^ habe, rechtzeitig für die ausreichende Sicherung der sranzöstschen Machtposttton zu sorgen. Man habe unfähige Beamte mit wichtigen Aemtern betraut und der Oefftntlichkeit die Große der Gefahr und die Zahl ber Opfer so lange als möglich verschwiegen. Tie Vorgänge tn Fez sollen deshalb in aller Kürze in ber K a m m e r zur Sprache kommen.
dinierte, um 11.15 Minuten benachrichtigt, daß ein großer Eisberg in Sicht fei. Der Offizier habe jedoch der Meldung keine große Bedeutung beigemeffen. Die Posten waren über die Gleichgiltigkeit Kes' Offiziers sehr erregt und äußerten dies auch ihren Kameraden gegenüber. Trotzdem wurden keinerlei Maßnahmen getroffen, um einer Katastrophe vorzubcuqen. ... Alle von der Kommission vernommenen Heizer berichten, daß kortwäbrend SBefef1 kamen,
Von Kissingen bis Korfu.
Zu den oben mitgeteilten (gekürzten, aber richtigen Darstellungen der Riffinger Zusammenkunft gibt Herr Tardieu in seinem Buche einen langen Kommentar, in dem er Frankreichs Verhalten zu erklären und zu entschuldigen sucht, vor allem aber dartun möchte, daß Jules Cambon in Kissingen Deutschland Kompensationen oder Gebietsabtretungen nicht angeboten habe, weder am Kongo noch anderswo; er habe in jenem Augenblick nur verhindern wollen, daß Deutschland Kompensationen in Marokko (von wo es um jeden Preis ausgeschaltet werden sollte) verlangte, daher seine Worte: „Man kann ja anderswo suchen!" Man muß gestehen: Die Situation des letzten Sommers, die beinahe zu einem Krie g zwischen Frankreich und Deutschland geführt hätte, nimmt sich in ber Schilderung des „Kissinger Rendezvous" aus der Feder des Monsieur Tardieu gar nicht so finster-drobend aus, wie man hätte annehmen sollen, und das einzig Bedeutsame an dem Diplomaten-Geplänkel ist jedenfalls die Instruktion des Herrn Cambon, unter allen Umständen dafür zu sorgen, daß „Deutschland ans Marokko ausgeschaltet werde". Das ist ja nun auch gelungen, und Herr Cambon bat seinem Partner Kiderlen aus Paris wirklich „etwas mitgebracht": Die Kon- go-Sümpfchen. derentwegen Herr von Lindequist auf Dernburgs Erbe verzichtete. Die ganze Geschichte mutet etwas kabarettmäßig an, und es wäre tassächlich nicht zum Wundern, wenn man an höchster Stelle über den „Wert" unsres Kongo-Erwerbs unterdessen Zu einer zutreffendem Auffassung sich bekehrt und Herrn von Sinbequift von Korfu aus wirk- l i ch mit einem Telegramm erfreut hätte, -an.
zunächst nur von ben wirtschaftlichen Fragen, inbem er sein Bebauern darüber ausdrückte, daß die Aussprache über diese Fragen zum Stillstand gekommen wäre. Herr von Kiderlen antwortete mit Vorwürfen. Er sprach von allem: Von ben marokkanischen Eisenbahnen, von ber Expebition nach Fez und von dem Al- geciras-Vertrag.
Cambon wies darauf hin, daß in dem Vertrag von 1909 ausdrücklich erwähnt sei, daß Deutschland in Marokko keinepolitischen Interessen habe. Worauf Kiderlen erklärte, daß das Einvernehmen von 1909 nicht die Expedition nach Fez vorausgesehen habe. Herr Pichon (ber französische Minister des Aeußern) hat den Gang ber Unterhaltung, nach ben in ber Marokko-Kommission vorgelesenen Dokumenten, folgendermaßen zusammengefaßt: Die Unterhaltung beginnt. Herr Cambon erinnert an die Vereinbarung von 1909; das ist ein erstes Wort zur Rechtfertigung unserer Politik. Herr von Kiderlen gibt zu, daß diese Vereinbarung Deutschlands politische „Uninteressiettheit" und die wirtschaftliche Gleichheit statuiert; er behauptet jedoch, daß wir unsere Rechte durch die Besetzung von Fez überschreiten, und daß wir, selbst wenn wir die Stadt verließen, dort eine andere Situation lassen würden, als die war, die wir vorgefunden hätten. Herr Cambon sucht sich mit >em Vertteter der deutschen Regierung zu verständigen. Herr von Kiderlen fragt: „Was wollen Sie eigentlich? Wenn man sich mit Marokko allein beschäftigt, wird man nicht zum Ziele kommen. Wenn man das, was man früher getan hat, zu übertünchen versucht, wird man gar nichts erreichen." Cambon erklärte bann hierauf: „In Marokko brauchen wir da erst nicht zu suchen; hier wäre jede Konzession unvereinbar mit ber Empfindlichkeit der öffentlichen Meinung in Frankreich. Man kann aber anderswo suchen." Und nun sagte Herr von Kiderlen: „Gehen Sie nach Paris und bringen Sie uns etwas mit ...!"
Dr. M. Sch.
Atamk-MhMnngen.
Das Bankett vor dem Untergang.
Heber die furchtbare Katastrophe des „Tita nic"-Unt e r g an g s werden durch die Zeugenvernehmung vor der Unter, uchungs- Kommission in Rewyork immer neue senfano- nelle Einzelheiten bekannt, die deutlich erkennen lassen, daß auf der Leitung des Schiffes, ber Verwaltung ber White Star Line, und ber Mannschaft ber „Titanic" schwere Schuld lastet. Es scheint kein Zweifel mehr darüber bestehen zu können, daß ein großer Teil der Mannschaft am Abend vor der Katastrophe völlig betrunken gewesen ist. Wir erhalten über die fortgesetzte Zeugenvernehmung rotgenbe Meldungen:
Rewyork, 23. April.
(Privat-Telegramm.)
mehr Dampf zu geben, um eine Re- kordfahrt zu machen. Der vierte Offizier Boxhall war im Mastkorb am Sonntag abend von 8 bis 12 Uhr mit zwei Matrosen im Dienst. Er konnte sie nicht sehen, sondern hörte nur ihre Stimmen, wenn sie seine Fragen beantworteten. Der erste Offizier Mulldock hatte das Kommando. Er hatte keine besonderen Vor- ichtsmatzregeln getroffen und wußte nicht, ob ein Posten am Bug des Schiffes Wache hielt. Major Arthur Peuchen hat aus Ka- nobr einen Brief an die Untersuchungs-Kommission in Washington gerichtet, daß er eine sensationelle Mitteilung zu machen habe und heute in Washington eintreffen werde, um vor der Untersuchungskommiffion feine Aussagen zu machen.