Einzelbild herunterladen
 

Casseler Neue»- Nachrichten

JRTTTB. S. Jahrgang.

gende Meldung:

Berlin, 22. April.

Feuilleton

i

I

das fall.

t i t

< t <

t » r

(Privat-Telegram m.)

Gegenüber dem gestrigen Dementi des Lo­kal-Anzeigers hält das Berliner Tageblatt die Nachricht von dem Telegramm des Kai­sers an den ehemaligen Kolonialsekretär von Lindcquist aufrecht und fügt hinzu: Das Telegramm des Kaisers an Herrn von Linde- quist wurde am Ostersonntag von Korfu abgesandt und war am Montag früh im Besitz des in Meran weilenden ehemaligen Ko­lonialstaatssekretärs. Am gleichen Tage, am zweiten Osterseiertaq. beantwortete Herr von Lindcquist den kaiserlichen Ostergruß dyrch ein Danktelegramm.

GesellschastsabeNd im Hosthsater.

Tas Hostheater zum Salon verwandelt: Die Damenwelt in grande toilette, die Herren im feierlichen schwarzen Frack und das Osfizier- korps im Gesellschaftsanzug; dazu Milieu und Stimmung anregendster Geselligkeit, wohltuend gehoben durch kundiges Arrangement und vor. nehm-geschmackvolle äußere Aufmachung. In dieser Form gewann der vorgestrige Subskrip- tions-Gesellschaftsabend im Königlichen Hof­theater tatsächlich die Bedeutung eines gesell, schaftlichen Ereignisses, das die Saison in wir­kungsvoller Weise abschloß. Cassels Gesellschaft versammelte sich in den lichtfunkelnden Räumen des Hoftheaters zum letzten geselligen Rendez­vous, man genoß die Gaben fröhlicher Kunst mit dankbarem Verständnis, würdigte das Souper in den Wandelgängen nach Gebühr und widmete sich dann dem unvermeidlichen gesell­schaftlichen Opfer, dem Bach der sich diesmal im Programm einer gegen früher etwas erwei­terten Zeitdauer erfreute. Das Bild war im übrigen das gleiche wie bei früheren Veran­staltungen der Art, und auch der Kreis der Teilnehmer hatte sich kaum verändert: Man sah fast nur die bekannten Vertreter der Cas­seler Gesellschaft, die bei solchen Anlässen nie zu fehlen pflegen, und es ergab sich infolgedes- sen schon von selbst, daß auch der Abend an sich von dem sonst gewohnten Bild kaum abwich.

Daß statt derSckönen Galathee" noch in letzter Stunde das süße (aber kleine) .Geheim- nis Susannens" als Notbehelf Lerangezogen werden mußte, wurde wohl als eine kleine Enttäuschung empfunden: aber man tröstete (ich schließlich, zumal Fräulein von der Osten Susannens Niedlichkeiten wirklich allerliebst glaubhaft zu macken wußte. Der dann folgende Wiener Walzer" brackte, von Herrn Verend außerordentlich glücklich inszeniert, «ine ange- nehme Ueberraschung. Tas.Weaner Leben" kam ganz vortrefflich zum Ausdruck und die Tanze gelangen meisterlich. Die Damen G r o «und S1 i e w e und die Herren S t r i a l und W a r- beck gaben dem fröhlichen Bild lebensvolles Gepräge und das Ballett entzückte durch wirk.

$at KoM-Zelesramm.

Der Kaiser und Exzellenz von Lindequist.

Wir brachten dieser Tage die Meldung eines Berliner Blattes über ein vom Kaiser an den frühern Staatssekretär des Reickskolonial- amts, Herrn von Lindequist, von Korfu aus gerichtetes Telegramm, das in eigenarti­gem Gegensatz zu der schleckten Behandlung Lindequists durch die offiziöse Presse stand. Run brachte am Sonntag derBerliner Lokal-

ging.

Aber diese gleißende Wortdekoration deckt keinen wohlgebauten Jnhaltskörper, keinen Samum stürmender Ereignisse, sondern leeres Stroh aus der Scheune der Sagentradition, petrefakte Gestalten der Geschichtstabelle. So stürzte auch dieser Turmbau zu Babel unter der Tcilnahmslosigkeil der Zuhörer zusammen, und der Professor Erich Schmidt tat ganz recht, diesem Vortrage aus Bibel-Babel schon vor seinem zweiten Abschnitte zu entweichen. Tie Regie sperrte das Stück in «ine Dunkelkammer, gleich als gingen all« dies« Ereignisse zur Zeit einer alt-babylonifchen Sonnenfinsternis vor sich, oder als solle vor allem alt-babylonisches Nachtleben veranschaulicht werden. Und kein Licht leuchtete in dieser Finsternis! Auch wurde, innerhalb eines sehr schönen, von Svend Gade aesiellten Rabmens. die roman-

Das kurhessische Mufikfest in Fulda. ZuM ersten kurhessischen Musikfest in Fulda haben ficb bis jetzt vier gemischte Chöre zur Mitwirkung angemeldet. Es ist also jetzt schon auf einen Maffenchor von vierhun­dert Sängern und Sängerinnen zu rechuen. Von anderen Vereinen steht die Antwort noch aus. Eine stattliche Anzahl Chor-Dirigenten aus nah und fern wird der Aufführung bei­wohnen. Viele Vereine, auch aus dem Groß­herzogtum Hessen, di« sich an dem Massenchor nicht beteiligen, haben zum Besuche des Festes Mitglieder angemeldet.

t£= Architektenbund und Lpernhausfrage. Ter Bund Deutscher Architekten, der am Sonn­abend in Berlin tagte, hat mit Bezug auf die Berliner Opernbausneubau-Frage folgend« Resolution angenommen:Unter voller Wür­digung der Summe künstlerischer und techm- scher Arbeit, welche in den Entwürfen ihren Niederschlag gesunden hat, glaubt der Bund doch, daß es einer weiteren günstigen Entwick­lung der für das gesamte deutsche Kunstleben bedeutsamen Bauangelegenheit in hohem Maße förderlich sein würde, wenn der deutschen Ar- chiteftenschast Gelegenheit geboten wäre, auch noch andere Ideen vorzuschlagen. Er spricht deshalb den Wunsch aus, es möge seinen Mitgliedern gestattet sein, auf Grund eines geklärten Babprogramms und unter Uebetta;. jung der nötigen Unterlagen Ideen und Skiz« ren ^nzureicheu."

Art: liebet die innere und äußere Politik Frankreichs, über das Bündnis mit Rußland, über die geheime

Geschichte der Drehfns-Affäre, über die geheimen Zeitelungcn der verschiede­nen Thronprätendenten, über finanziell« Probleme, über Rüstungsfragen und anderes.

Wenn diese Memoiren (schreibt Frau stern- heil) auch erst nach zehn oder fünfzehn Jahren verösferttlicht werden sollten, würden viele hervorragende Männer gezwungen sein, von der Bildfläche zu verschwinden, um sich nicht der Verachtung des ganzen französischen Volkes auszusetzen. Die Me­moiren wurden zuerst in einem Geldschrank aufbewahrt; Madame Steinhei! nahm sie aber dann der größeren Sicherheit halber in ihre Wohnung, und alles läßt darauf schließen, daß sie sich noch in ihrem Besitz befinden. Man hat oft erzählt, daß Felix Faure sehr ehr­geizig war; er hätte, seiner eigenen Ueberzeu- gung nach, viel leisten können, wenn sein« Diacht nicht so sehr beschränkt gewesen wär«. Der Präsident ist in Frankreich nur eine Puppe," pflegt« er zu sagen, und kann aus eigener Jnittative nichts tun. Ich hätte in unserer Marine mancherlei bessern wollen, da ich gut weiß, daß das Schießpulver in den Magazinen unserer Kriegsschiffe mi­serabel ist, daß die Schiffspanzer nicht die vorgeschriebene Dicke haben, daß die Maschi­nen und die Kessel sehr schlecht sind; ich habe gewarnt, geschrieen, gefordert, aber «s ift alles schlimmer als je zuvor." In der Ueberzeugung, daß die französische Nation die Drehfus-Geschichte satt hätte, und daß Frank­reich aus dem besten Wege zum vollen Ruin wäre, dachte Faure sogar an einen Staats­streich: Er wollte mit Unterstützung der Ar­mee (er glaubte, daß viele Generale auf seiner Seite sein würden) die Präsidentschaft voll­ständig vom Parlament emanzipieren und eine Militärdiktatur einzuführen.

und bedrückt. Die Dreyfus-Affäre stand auf der Tagesordnung, ganz Frankreich war in zwei Lager geteilt, in der Kammer herrschte ein tolles Durcheinander, und vor den Toren stand die Anarchie. .Ich weiß das alles," sagte ich zum Präsidenten,aber wie kann ich Ihnen helfen? Ich bin doch kein Minister!" .Das ist richtig! Aber ich bin überzeugt, daß Sie die Wahrheit entdecken könnten. Sie haben eine außerordentliche Ueberredungsgabe. Wenn ich irgend einem Minister einen meiner Schützlinge für einen Posten emvfehle, sagt man mir regelmäßig, daß die Stelle schon einem Ihrer Freunde zugesagt sei. Ihre Kandidaten haben immer den Vorzug . . ." Von diesem Tage an (fährt Frau Steinheil fort) hatte Felix Faure absolutes Vertrauen zu mir. Wenn er sich nicht in die Kammer oder in den Senat begeben konnte, ging ich für ihn hin, und er sagte mir nach jedem Mini st errat, was geredet und was beschlossen worden war. Und nun erfährt man aus den Stcinheil- Memoiren, daß der Präsident Memoiren geschrieben hat, heimlich und auf Papier, das seine Freundin für ihn einkaufte, weil sein Papier von Spähern genau gezählt war. Die Memoiren enthielten Dokumente jeder

Politische Ehrontt.

Depeschen aus Frankfurt a. M. berich­ten uns: Der Rittergutsbesitzer Becker- Bartmannshagen, jetzt in Bensheim an der Bergstraße wohnhaft, hat seine dreimonat­liche Gefängnisstrafe wegen Beleidigung des Landrats von Maltzahn in der Strasan- talt Preungesheim bei Frankfurt a. M. angetreten.

Die Kaiserin traf gestern vormittag in Be­gleitung des Prinzen Joachim, des Grafen Mirbach mit der Hofdame Keller sowie des Leibarztes Dr. Zunker in Bad Hom­burg ein und begab sich ins königliche Schloß. Am Nachmittag ward «ine Fahrt nach der Saalburg unternommen, abends kehr­ten die Herrschaften nach Bad Nauheim zu­rück.

Wie uns ein Privattelegramm aus Ber­lin meldet, hat die Zentrumsfraktion des Reichstags beschlossen, «inen Antrag ein­zubringen, in dem die Regierung ersucht wird, die für den ersten Aprfl neunzehnhundertdrei- 3ebn geplante Erhöhung der Mannschasts- löhne bereits mit dem ersten ©Höbet dieses Jahres in Kraft zu setzen.

Der nationalliberal« Verein Nürnbergs beschloß, feinen Abgeordneten zum Vertretertag der Nationalliberalen Partei zu bestimmen, einem etwaigen Vertrauens­votum für Bafsermann zuzustimmen und daran mftzuwirken, daß.es zu einem Einvernehmen beider Richtungen komme.

decken der jungschwedischen Literatur entnahm, um mit seiner Aufführung dem Publikum ein paar Stunden der Langeweile zu bereiten. Die- er Turm des Schweigens sicht auf alt-babylo- Uischem Gebiet, und auch bei seinem Ausbau werden (ganz wie bei der Errichtung jener biblisch-babylonischentour dEiffel) die ver- chiedensten Sprachen gesprochen, nur nicht die- enige, die ein gesund geartetes und für dich, erisck-künsileriscke Reizungen empfängliches Auditorium an sanften Fruhlingsabenden. ren will. Des Dichters Land ist das Land der Liebe; freilich einer verrosteten, prähistorischen Liebe: Der Liebe zwischen Semitamis, der weltumgreifenden Assyrerfürstin und Stabro- bates, dem Jnderkönig, dessen Männerschönheit den Siegeszug der wilden Amazone aufzuhal­ten versucht. Aber das assyrische Zentrum (die Priesterschaft) schiebt sich dazwischen, der. hindert Stabrobates dauernd Penthesileens Achill zu sein, und Stabrobates stürzt in erha­bener Selbstlosigkeit von jenem Turm des Schweigens, um seiner Geliebten den Weg zu neuen, königlichen Taten fteizumachen. (Jetzt türmt er," sagte mein Nachbar, der Urberliner.) Wenn es mir nach dieser Stickprobe gegeben sein kann, die künstlerische Psyche Collijns zu enträtseln, so möchte ich ihn einen Koloristen des Wortes nennen, der errötend den mit Pur. purblüten bestreuten Spuren folgt, auf denen ihm etwa Oscar WildesSalome" voraus.

tisch-stilisierte Geste der Worte durch die ab. ichtlich eckig genommenen Gesten der Schau- pieler und durch die absichtlich deutlich accen- tuierte Geste der Betonung (jedes Wort ein Ausrufungszerchen) gar zu gründlich unter« trieben. Immerhin hatte Frau Durieux, di« die K. d. W. (die Königin des Westens) hielte, die exotische Gefchmeidigkeit, die gra. ziöse Elastik einer prachtvoll gescheckten Vipett ene brünstige, grausame Salome.Jntensität die ihre Marke ist. Den Zentrumsführer, einen alt-assyrischen Hertling, sprach Herr Har tau wuchtig und mit finsterem Nachdruck. Aber jenseits des Euphrat, zwischen Palästina und Frankfurt am Main, inmitten der fünf Frankfurter, wat «t mit doch lieber ...!

Walter Turszinsky.

Ein langes Kapitel der Memoiren ist der Demütigung von Faschoda" gewid­met. Madame Steinheil erzählt den ganzen Hergang, der mit einet so beschämenden Nie­derlage Frankreichs enden sollte, in aller Aus­führlichkeit, ohne etwas Neues zu bringen. Interessant ist nur die von Faure gegebene Charakteristik Delcassss: Wir haben kei­nen Talleyrand (sagte der Präsident) aber w,r Haben Delcass«, der schlau und dreist, mit einem unbezahlbaren Zynismus und mit einer unfehlbaren Sicherheit des Ur­teils begabt, mit einem Worte, der ein klu­ger und nickt leicht aus der Fassung zu brin­gender Mensch ist . - . Und weiter:Delraffe ist zu schweigsam und verschlossen, als daß er mir gefallen könnte. Sein« Kälte ist geradezu beleidigend. Et flößt mit eine herzliche Antipathie ein, die er sicher erwidert; aber ick habe absolutes Vet trauen zu ihm, obwohl dieser geheimnisvolle Mensch autokratische Neigungen hat. " Wenn er in der Kammer das Wort ergreift, hören die Abge­ordneten aller Parteien schweigend zu. Er hat ihnen die Ueberzeugung beigebracht, daß er nie irrt, und daß man ihn gewähren las­sen muß. So lenkt er die Geschick« der Nation, und er ist fast der Einzige, der genau weiß, wenn Frankreich von einem Kriege bedroht ist. Ich kann aber nicht leugnen, daß er der ge­borene Diplomat ist. Er könnte schlauer und herrischer nicht sein, wenn Talleyrand und Metternich seine politische Erhebung geleitet hätten . . . Von anderen Kapiteln des im­merhin interessanten Buckes, so vor allem von dem Tod- Fantes und seinen eigenartigen Be­gleitumständen, wirb vielleicht ein andermal

, zu reden sein. Dr. M. Sch.

(ich allerliebste Leistungen. Fräulein Cor- dialy erntete stürmischen Beifall, und man fand, daß derWiener Walzer" in dieser rei- jeuden Form eigentlich auch bei uns nicht so selten fein dürfte. Der Abend sand dann seine gemütlichst« Fortsetzung in den Wandelgängen, wo bald das bunteste und regste Leben herrschte. Die lauen Lüfte des Lenzabends fächelten um fröhliche Gruppen festlich-froher Menschen, das Lichtermeer bestrahlte ein glitzerndes, funkeln, des und farbenprächtiges Gesellschaftsbild und die Stunden huschten bei rauschender Musik und anregender Unterhaltung wie im Fluge bin. Später begann dann der Ball, der so rege Bc. teiligung fand, daß der dafür bestimmte Raum fast nicht ausreichte und tanzfrohe Paare sich sogar in den Nebenräumen munter nach den lockenden Weisen der Kapelle drehten. Den eigentlichen Abschluß sand der Abend indessen erst bei der berühmtenTasse Mocca", die an den kühlen Marmortischen der Cafss di« Tei- nehmer noch lange versammelt hielt. -n.

*

Gastspiel int Hostheater.

Berliner Premieren.

(V o n u n s e r m Mitarbeiter.) Berlin, 22. April.

DerTurmdes Schweigens" ist der Titel eines dreiaktigen Schauspiels (Gustav Colllijn heißt der Verfasser), das das .Rene Schanfvielbans" dem Sammel-

Sos Goldgmber-Irama.

TaS Gemetzel in den Lena-Goldminen.

Eine amtliche russische Meldung aus I r. kutsk berichtete am Sonnabend, daß bei den Kämpfen zwischen Arbeitern und Militär in den sibirischen Lena-Goldwüschereien 107 Per. sonen erschossen worden seien; 84 Verletzte star­ben später; außerdem wurden 210 Mann ver­wundet, von diesen 81 leicht. Daß diese amt- liche Mitteilung die Zahl der Opfer niedri­ger angegeben hat, als sie in Wirklichkeit ge­wesen, ist mittlerweile bestätigt worden:

Petersburg, 22, April.

(Privat-Telegram m.)

Wie der Duma-Abgeordnete von Irkutsk, Bjoloussow, telegraphisch erfährt, beträgt die Zahl der bei den schon gemeldeten Streik- unruhen im Gebiete der sibirischen Lena-Gold- minen Erschossenen zweihundertsieb. zig; verwundet sind zweihundertfünf­zig Goldwäscher. Unter den Toten befinden sich auch fünf Frauen. Wie jetzt bekannt wird, lag zu dem mörderischen Eingriff der Verwaltung und des Milttärs gar kein Grund vor. Ter Streik hätte auch friedlich beigelegt werden können. Es handelte sich be­sonders um die Erhöhung der Löhne. Diese Forderung war aber bei den enormen Preisen der Lebensmittel durchaus gerechfferttgt.

Die Ursache des Massenmords.

Wie weiter aus Petersburg berichtet wird, sind die Unruhen in den Goldwäschereien

Neues vom Tage.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

Von Stufe zu Stufe. Die Münchener Staatsanwaltschaft erläßt gegen den internatio­nalen Hochstapler Kapitän Collins, der früher Offizier eines englischen Hochländerregi­ments in Kairo war, einen Steckbrief wegen Darlehnsschwindeleieu. Collins wird auch von Wien aus verfolgt, wo er die gleichen Manöver mit Erfolg versucht haben soll. Man vermutet, daß er sich in einem Kurort an der Rivrera aufhält.

Wieder eine Familientragödie. In Mül- heim an der Ruhr versuchte ein vierzigjähri­ger Kaufmann namens H ü n s b e i n, ferne Frau zu töten, indem er ihr Gift in den Kaffee fchüttete. Nachdem die Frau einen Schluck ge­trunken hatte, wurde sie ohnmächtig; sie kam aber wieder zu sich. Als Hünsbein fah, daß fein Anschlag fehlgegangen war, vergiftete et sich selbst. Die Ursache zu der Tat soll tn kort- dauernden ehelichen Zwistigkeiten zu suchen- fein.

äs Wasser im Schacht! Infolge des weite­ren Vovbrechens des Wassers auf dem im Ab- täufen befindlichen Jacobischacht der Grube Hoffnungshütte" bei Bottrop in Westfalen sind die Schächte vollständig verschütte^ Dte

Anzeiger", der wegen seiner ausgesprochenen Offiziosität auchKleiner Reichsanzeiger" ge­nannt wird, in auffallendem Druck folgende Notiz: ' #

Don zuständiger Seite werden wir zu der Erklärung ermächttgt, daß die von einem hie- ftgen Blatte verbreitete Nachricht,der Kai­ser habe einige Tage vor der Ankunft des Reichskanzlers in Korfu an den früheren Staatssekretär des Kolonialamts von Linde­quist ein in herzlichen Worten gehaltenes Telegramm gesandt", toi« die daran geknüpften Schlußfolgerungen au8 der Lust gegrif- f e n sind.

Ans der auf diese Weise kurzerhanddemen- tierten" Nachricht waren bekanntlich nahe­liegende Schlußfolgerungen auf das Verhältnis des Kaisers zu Herrn von Bethmann Hollweg gezogen worden. Diezuständige Stelle" dürfte also dies Dementi nicht ungern ausgegeben ha­ben. Aber leider war dies angebliche Kaifer- telegramm nur eins von mehreren Symptomen ür die wesentlich veränderte Position des Kanzlers, und man darf einigermaßen er­staunt fein, nachdem nun diedementierte" Meldung in allen Einzelheiten aufrecht­erhalten wird. Wir erhalten darüber sol-

Jn der gestrigen Aufführung desRo- senkavalier" im Hoftheater" praienttert« sich abermals ein Gast: Frau Haas vom Hof­theater in Wiesbaden, die anstelle der «rkranv- ten Frau Sedlmaver die Partie der Annina sang. Tie Rolle bot der Künstlerin offenbar nicht geügende Bclätigungsmöglichkeit, sodaß die Entfaltung ihrer künstlerischen Qualitäten nicht bis zur vollen Höhe gedieh. Geiangnch stand indessen die Leistung des Gastes weit höher als darstellerisch, denn im Spiel wurde eine gewisse Beengung bemerkbar, die den Ge­samteindruck der Leistung etwas abschwachte. Fm übrign hinterließ das Bald der Gesamt­ausführung einen sehr günsttgen Eindruck und

- gut besetzte Haus spendete lebhaften $ er­

bte die Witwe Steinheil nicht Mitteilen will, zu einem Bruch zwischen den Eheleuten; zu­erst dachte man an Scheidung, dann aber schloß man einen merkwürdigen Pakt: Die bei­den Eheoatten wollten beieinander bleiben, aber jeder sollte frei über sich verfügen dürfen. Und Margarete Steinheil eröffnete ihrenSa­lon", in dem außer reichen Verehrern ihrer Reize Männer wir Bartholdi (der Schöp­fer der Freiheitsstatue in Newyork), Gounod, Ferdinand von Lesfeps, Mafsenet, Zola und andere Größen verkehrten. Em Typ für sich war der große Nacktmaler Hen­ner: Ein kleines, kahlköpfiges, häßliches Kerl­chen mit ewig schmutzigen Händen und Finger­nägeln und unsauberer, zerrissener Kleidung. Und dieser widerlich schmierige Mann sprach mit unverkennbarem elsässischen Akzent von der

Schönheit der Frauen

mit einer geradezu brutalen Offenheit. Als et einmal mit besonders schwarzen Fingernägeln zum Essen kam und Madame Steinheil um fragte, ob er sich nicht vorher die Hände waschen wollte, sagte er ruhig:Ich trage Trauer um Elsaß und Lothringen!" Auch Eduard der Siebente verkehtte im Salon Steinheil . . . als Prinz von Wales natürlich. Er soll, tote die schöne Witwe versichert, einmal folgenden Ausspruch getan haben:In Frankreich be­obachte, spreche und amüsiere ich mich; in Deutschland lasse ich die andern reden und beobachte; was ich aber in England tue, kann ich nicht sagen: Ich müßte sonst Staats­geheimnisse verraten!" Den Zenith ihres Ruh­mes erreichte die Steinheil als 1895 der erste Diener der Republik, der Präsident Fs - l i x F a u r e, seine Augen auf sie warf und sie zurungekrönten Königin" von Frankreich machte. Die vier Jahre, wäh­rend der sie als Egeria und Favoritin des Prä­sidenten wirkte, waren nach ihrer Ueberzeugung eine der glücklichsten Perioden der Gefchichte der Republik. Das Bild, das sie von Faure entwirft, i"i gerade nicht be­sonders schmeichelhaft: Ein mittelmäßiger, ewig zaudernder und schwankender Mensch, von wahnsinnigem Ehrgeiz beseelt, aber ohne jede Energie, leicht entmutigt, unfähig, sich einen richtigen Begriff von Dingen und Menschen zu machen, ein schlechter Kenner der Männer und tüchtig und eifrig nur als Schür­zenjäger. Eines Tages (erzählt sie) fand ich

Felix Faure niedergeschlagen

___________________Dienstag, 23. April 1912.

cnn Lenastrom dadurch veranlaßr worden, daß di« Verwaltung den Arbeitern, die sich im Aus­stand befinden, nur einige Nebenforde- rnngen, aber nicht die Haupts orderun- gen bewilligte und das Streikkomitee ver. haftete. Die großen Verlust« an Menschen, leben sind dem Umstand zuzuschreiben, daß eine Kompagnie Soldaten gegen einen dreitausend Mann starken Zug Streikender auf hundertzehn Schritt zu feuern begann. Der Vorgang ist ein erschreckendes Beispiel von der brutalen Will­kür und Gewalt, mit der in Rußland gegen jede soziale Regung angekämpft wird. Schon die Verhaftung des Streik.Komitees war ein willkürlicher, durch keinerlei Notwendigkeit be­gründeter Gewaltak!, und der Mord der Zwei- Hund ertfünfzig ist di« furchtbare Schuld, die der russische Staat in diesem Arbeiterkampf um armselig« Kopeken auf sich geladen hat!