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Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 114.

Fernsprecher 951 mtd 952.

Sonnabend, 20. April 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Zahrgang.

'S!

Die Geretteten der Titanic.

Die Ankunft der Karpathia den Aeberlebenden von der Titanic im Hafen von Newhork; ganz Newhork in Aufregung; Schilderungen der Geretteten über den Untergang der Titanic.

Die Nacht des Schreckens

Mitteilungen des Oberstewarts derTitanic".

tungsboote brachte, sie küßte und hörte, wie er

der sich in die Rettungsboote begeben würde, bevor die Frauen darin Platz genommen hät­ten. Als dieKarpathia" abends in den Ha­fen von Newhork einlief, herrschte tiefe Dunkelheit. Es regnete in Strömen, wo­durch das Einschleppen des Dampfers verzögert wurde. Um neun Uhr trafen an Deck eine

am Sonntag kurz vor Mitternacht ge. I wesen, als der Dampfer durch Eisschollen hin­durch fuhr. Plötzlich bohrte sich der Schiffsbug in einen riesigen Eisberg. Viele Schiffsplanken des Rumpfes zerbrachen und das Wasser drang sofort ein. In demselben Augen­blick begann das Schiff mit dem Bug zu sinken. Die meisten der Paffagiere benrerktcn nichts von der Kollision, da sie sich in ihren Kabinen befanden und schliefen. Man glaubte zu­nächst, daß dieTitanic" am Eisberg vorbei- kolmnen könnte. Leider aber blieb diese An- nähme trügerisch. Das Schiffspersonal schlug sofort Alarm und di« Paffagiere eilten schleu- nigst auf Deck, bekleidet mit Sachen, die ihnen am nächsten lagen. Sofort wurden die Ret- j tungsboote flott gemacht. A r m i n A r m stand an Bord derTitanic" neben einer Kajüte er­ster Klaffe ein bejahrter Ehemann, der seine Gefährtin daran erinnerte, doch sie in jahrlanger harter Arbeit ein großes Vermögen

Die Rettungsboote entfernten sich alsdann von der Unglücksstelle. Ich sah den Kapitän Smith, als dieTitanic" zu sinken begann, auf der Kommandobrücke stehen. Das Schiff begann ta diesem Augenblick rascher zu sinken. Der Kapttän blieb ganz ruhig und gab seine Befehle. As das Waffer die Kommandobrücke erreichte, stieg Kapitän Smith über das die

an Bord derKarpathia um zahlreichen «ach ihren Gatten riefen. Als »ten- verletzten Passagieren derTitanic" gel j«8 Meer sprang, war die betreffende Stell- Hilfe zu bringen. Es herrschte T o d e S - pes Meerwaffers vollständig mit Eis angefüllt.

derKarpathia^ geduldig entgegenzuharren. .

Zunächst wurde von der White Star Line ein gesammelt hätten. Es war Isidor Strauß, Bericht von 2,45 Uhr morgens veröffentlicht, der bekannte Millionär und seine betagte wonach dieKarpathia" voraussichtlich erst Gattin, die bald darauf den Tod fanden, weil

einen üngeheuergroßenEisberg.der infolge des starken Anpralls teilweise barst. Ge­waltige Eisblöcke wurden auf das Deck ge­schleudert, wodurch eine große Anzahl Personen getötet wurden. Der Bug der Titanic" ragte in die Luft. Die in den un­teren Schiffsräumen befindlichen Paffagiere lie­fen schreiend auf Deck. Kinder und Frauen

stand, als das Schiff gegen den Eisberg an- prallte. Sobald er die furchtbare Situation sah, zog er seinen Revolver und erschoß s i ch. Wir fuhren (erzählt der Quartiermeister» mit einer Geschwindigkeit von dreiundzwanzig Knoten in der Stunde, als wir in dichten Rebel kamen und dann zwei Schiffslängen vor uns der Eisberg austauchte. Der Eis­berg ragte nur so weit ans dem Waffer heraus, daß das Schiff darüber hinwegglitt, und mit­ten durchbarst. Man hatte nicht einmal

(Kabel-Meldung.)

Newhork, 19. April.

Der Todes tzhoral der Mauke.

Mustkklängc apaesichts des Todes.

(Kasel-Meldung.) ' Newhork, 19. April

Ein« der Keffelheizer derTitanic", I e «es, der die Reise von Southampton zum ersten mal mitgemacht hatte, sprach sich über den Untergang derTitanic" nahm auS, da« bei der Katastrophe vierRettungsboote fortgerissen wurden. Er versichert, daß durch die Explosion der Kessel, sowie durch die Eisblöcke, die auf daS Deck derTUanic" sie- len, eine große Anzahl Personen ge­tötet würbe. Der Dampfer sank alsbald ! tiefer ins Waffer und die Paffagiere liefen nach hinten, um sich auf die Rettungsboote zu I flüchten, doch sie erkannten bald, daß nur ein

dort infolge der Aufregung gestor­ben sind. Mister Stengel, der als erster Paffa-, gier ausgeschifft wurde und über dessen Aus­sagen schon berichtet wurde, vertritt die Ansicht, daß das Unglück das Resultat einer ge­radezu verbrecherischen Rücksichts­losigkeit sei. Das Schiff hätte eine Ge­schwindigkeit von zweiundzwanzig Knoten in der Stunde gehabt, als der Zusammenstoß mit dem Eisberg erfolgte. Das Borderschifl der Titanic" (so erzählt« Stenacl) bobrte sich in

boote wurden von derKarpathia" um 8 Uhr «erreichte. Dann intonierte sie ein bekanntes

30 Minuten morgens aufgefischt, irrten also amerikanisches Kirchenlied. Wir trieben

Zeit, die Schotten zu schließen. Colonel John Astor und der Adjutant des Präsidenten . Taft, Major Butt, standen zusammen auf der Kommandobrücke, als der Dampfer unter»

fürchteten. Auch ein Teil der Mannschaft war der Ansicht, daß der Zusammenstoß! keine bösen Folgen haben würde. Einige Stewards waren, als der Zusammenstoß erfolgte, damit beschäf­tigt. mehrere Paffagiere in der Radfahr- bahn in die Kunst des Radfahrens einzu- weihen. Andere Reisende gaben sich dem T e n n i S s p i e l hin. Viele der Paffagiere und Mannschaften standen an der Reeling und machten sich über Die lustig, die zu den Ret­tungsbooten Mrzten. Sie riefen ihnen zu, sic seien Landratten und hätten keine Ahnung, wie es auf der See zugehe. Erst als das Was­ser über das erste Teck lief, sahen die Paffo- ! giere der ersten Klaffe, daß die Sittiation eine verzweifelte wurde.

Glücklich o» Land!

Die Ankunft des Dampfers Karpathia. (Kabel-Meldung.)

Newhork, 19. April.

Gestern abend kurz vor zehn Uhr ist der DampferKarpathia" mit den Geretteten der Titanic" glücklich in den Hafen von New- york eingelaufen. Die Aufregung in Newhork war bei der Annäherung derKarpathia" auf das höchste gestiegen. Die widersprechendsten Nachrichten über das Eintreffen des Schiffes vergrößerten die Aufregung noch um ein Beträchtliche«. Obschon vorher bekannt ge­geben wurde, daß die umfaffendsten Absper­rungsmaßregeln am Hafen vorgenommen nor­den seien, und daß nur eine beschränkte Anzahl von Personen (darunter auch die Preßbericht­erstatter) Karten erhalten hätten, strömten doch viele Hunderttausende von Menschen zum Hafen, um dort stundenlang der Ankunft

Gattin, die nach den bisher vorliegenden Be­richten den Tod in den Wellen gefunden haben sollten. Beide erzählten, sie hätten nicht ge­wußt, ob sie gerettet seien oder

nicht. Als sie von einem Rettungsboot aus­genommen wurden, seien sie halb tot ge­wesen. Mehr als sechs Stunden waren die Boote auf dem offenen Meer umher- geirr.t, bis sie von derKarpathia" aufge- flmden und die Insassen erlöst wurden Tas Ehepaar erklärte, daß es diese Stunden im ganzen Leben nicht vergessen werde.

vor Anbruch des Tages keine Hilfe zu erwarten und man beeilte sich, die Ret­tungsboote zu Wassey zu lassen. Ich sah, wie Oberst Astor seine Frau nach einem Ret-

Kouwiandobrücke umgebende Geländer und stürztesich insWaffer» deffe« Fluten über ihm zufammenschlugen. Im nächsten Moment richtete sich dieTitanic" mit ihrem Hinterteil hoch auf und versank in den Tie­fen des Ozeans. Das Drama hatte sei» schauriges Ende gefunden.

abends um neun Uhr Sandy-Hook kassieren dieRettungsbootediebeidenalten und um elf Uhr den Hafen erreiche« werde. Leute zurücklietzen. Ruhig standen sie Später veröffentlichte bte Verwaltung eine an 53^ unb warteten auf den Tod: sic Meldung, nach der die Ankunft wahrscheinlich wußten, daß er unvermeidlich sein werde, und nicht vor Freitag morgen zu erwarten sein ^^en ihn nicht, ©in unter bett Gterette. sEe, weil inzwtswen ein schweres Wstter ute. Kindlicher Mr. Stengel erzählt über dcrgegangen sei und das schiff daher die Fahrt { furchtbare Schreckensnacht, er werde nie den habe verlangsamen müssen. Der Kapttau werde ' vergessen- fic

wahrscheinlich das Ende der Dunkelheit abwar- Anblick dieses Ehepaars (-traust) vergessen, sie ten, um das Schiff erst dann in den Hafen '-ten im Leben vereint Spesen und. hotten

Mrzten sick in die Rettungsboote. Die Matro­sen riffen die Frauen und Kinder, die sich an ihre Gatten, Eltern und Geschwister klammer­ten, mit Gewalt los. Hysterische Frauen, die die Katastrophe überlebt haben, wollen in i Newhork 19 April

über acht Stunden auf dem offenen ^wa zwei Stunden mit den Rettungsboote« Meere umher. Wie Mister Andrews wei-1QUf bem Wasser, als wir sahen, wie dirTi­ter berichtet, sind viele an Bord derTitanic" I w«jx" sich vornübcrneigte und unterging. Biele befindliche Frauen vor Schreck irrfin = ~taucn wollten sich von ihren Männern nicht nig geworden. Frau Astor, deren Ret- trennen und gingen zusammen mit hing bereits signalisiert worden ist, befindet I; h nen unter. Als das Schiff verschwunden wohlbehalten an Bord derKarpathia". Ihr roQr fc6toammrR auf der Oberfläche des Was- Gatte, Oberst Ast0r. ist bekanntlich ums Le- ungefähr lausend Menschen, ben gekommen Man glaubt, daß viele mit Rettungsgürteln versehen wa-

giere derT.tantc", bte das Unglück überleb- t Die meisten ertranken, viele kamen

ten und Aufnahme auf derKarpathm" fanden, |urch bie große Kälte um. Als es völlig Tag geworden war, sahen wir bereits zahl- reiche Leichen auf dem Ozean treiben.

große Anzahl Kranken-Schwestern, Aerzte, Pflegerinnen und Geist­liche ein. um den Ueberlebenden die erste Hilfe zu bringen.

Szenen an Bord der Tttaulc.

Die Mitteilungen des QuartiermeisterS.

iS a b e l - M e l d u n g.)

Das Drama auf dem Szeau.

Die Erzählungen der Geretteten.

(Kab el- Meldung.)

Newhork, 19. April.

Dke Schilderungen der Geretteten von derTitanic" über die Einzelheiten der Katastrophe klingen gradezu erschütternd. Eine Dame unter den Geretteten, Miß Bonnet auS Joungstown int Staate Ohio erzählte, dieTitanic" sei mit gewöhnlicher Schnelligkett gefahren, als der furchtbare Zu- mit dem C ebe erfolgte. Es tei

ging. Dr. Washington Dodge, der Rendant der Stadt Franzisko, schildert den Der Lbersteward derTttanic", Wheel- heroischen Tod von Astor und Butt

ST*' .** 7T "7 I<Fnbe nickt Getrennt sein ton, schilderte den Vorgang der Katastrophe wie folgt: Das letzte, das ich von diesen Bei-

htnemzubrtngcn. Diese Meldung rief große ^ _, Matrosen der Titanic" wollten einem Vertreter der Preffe gegenüber wie folgt: den fah. war, daß die beiden Helden im Au-

Aufregung hervor Ma« glaubte daß sie wollen. Die Ma rosen der.Ditanie w t am Sonntag abend 11.45 Uhr. Die genblick des Unterganges auf der Kommando,

nur veröffentlicht werde^um bte Menschenmas- die al t e Fr ° u v - n t hrem »a n n unb mtr eitt leichter Rebel brücke standen und sich mit den Armen

sen zu zerstreuen; das Mitte war aber ergeb- weg ne bm e n, =6erfte weigerte M bo§ hab. Tie Paffagiere umschlungen hatten. D°8 war der letzte

nislos denn die Hunderttausende hielten wei- ihren Gatte« zu verlaffen. Ms d«8 schiff »» I , unb hgr. Anblick, den ich von dem Rettungsboote, in dem

ter aus. Dann folgte ein weiteres Telegramm, sinken begann, stießen bte Rettungsboote ab » «rttaUte Rei- ich saß, zum Dampicr hatte. Währenb ber gan-

wonach dieKarpathia" daS Leuchtschiff 645 ,,«p man konnte sehen, wie das Ehepaar Arm ^en «°rteägen zu. halfen diese beiden Helden ben

in Arm sich seinem Schicksa er ga . ^feSanf, L M dXwin ftr J t b° SchiffsoffizLren bei dem Herunterlassen der umneun Uhr abends zu erwarten sei. war ein ergreife nd «/blick. ^^8 Krachen und ein Stoß vernehmbar Rettungsboote und sorgten für das Fortnehmen ^.^.^eld"ng rief große -Freudigkeit hervor. tet ^eriditet Stengel, daß viele Hundert gyey ber Anprall nicht sehr heftig ber Frauen und Kinder mit einer soldatt-

Endlich traf unter ungeheurem Jubel dieKar- lax^te in die See sprangen, als sie schen Disziplin. Beide standen während

in"demAuaenbNck^w°°dte Rettung mehr sahen und bemerften, wie keine ^ndt^ Blutung Panik beieinander Bei dem ersten

^K"rp°thia"sichbimnäherte toorro sämtliche Rettungsboote bereits von derTita. Reisende«, daßnicht« besonders vorgefallen Anprall der --Titanic" s ch w a n k t e btt

üug7aublickste7 äerüchtk im Umlauf nie" abgestoßen waren. Wie sie stnrb-n bas öie si» später ergab, wußten sie in bie- ttei be«

Man wollte wissen, baß ber Adjutant des Präsi- weiß man nickt. Stengel sel.ch sprang über fcm Augenblick selbstuicht, in welcher fürch- mQ voll mit Pas.

denten Tast angeblich mehrere P a s s a - Bord und wurde von einem Rettungsboot aus- (erlldten Situation sie sich befanden. Erst nach wr fünf Per-

giere erschossen habe, bie ihm im Ret- genommen. Er glaubt, baß nicht genug Berkaus einer weiteren halben Stmwe wurde girren besetzt E a ß - &ct tungsboote keinen Platz einräumen wollten. MatroseninbenBooten gewesen seien. matt sich der Größe ber Gefahr bewußt. . «erfonen waren so »er

Tie Sanitätsbeamten unb Aerzte begaben sich Er hörte, baß Frauen herzzerreißend Der Telegraph erhielt sofort Befehl, A l a r m > I glaubhaft ma-

" ' " ------------ sillnalczu geben und um Hilfe zu rufe«. Er "ir o^ntedaßsichdas Schiff vor dem

setzte seine Hilferuft zwei Stunden lang fort, befinde. Sie begaben sich ganz

Nach Auskunft des Marconitelegraphen betrug " . m?bcr9jn {Le Schlaflabinen, da sie eine bie Enning zwischen derTitanic" und ^mittelbare Gefahr für ihr Leben nicht be- bcm nächsten Schiffe siebzig Melle«. ES war 1

schweigen unter den Bassagieren. Als die *

Schiffsbrücke mit dem Pier verbunden wurde,!

versuchten mehrere Frauen, mit Leitern Verbrecherische RKSsiMssoMkettr an Bord zu klettern. Die Ausschiffung der 2ie 5$snenack der Katastrophe.

Paffagiere ging nur langsam vor sich. Be- tSabel-Melduna >

kannte Persönlichkeiten, die man zu (Sabel-Meldung.)

ben Opfern ber Katastrophe gerechnet hatte, . Rewyorc, ist.

wurden unter ungeheurem Jubel von ihren Mister Andrews, einer der (Stereheten.. ., - - ~ .

Freunden begrüßt, als sie dieKarpathia" ver- teilt mtt, daß sich der Zusammenstotz mtt ihr »»mef.A»f Wiedersehen t - - ließen, so der Besitzer der Chirurgischen Klinik dem Eisberg um 11 Uhr 3o Minuten ereig- York Major B«tbewahrte bei der Ka in Newvork Dr F r a u e n t h a l und seine «ete. Tie Rettungsboote wurden um 12 Uhr tastrophe volftge Ruhe unb beschäftigte sich ba-

*15 Minuten Heruntergelaffen. Ter Untergang mit, bie Passagiere zu beruhigen. D,e beiTitanic" vollzog sich um zwei Uhr nachts. Schiffskapelle spielte verschirde- Die vckn berTitanic" ausgesetzten Rettunas- ne Weisen, bis bas Wasser bas Deck