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Nr. 113.
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Das Titanic-Drama
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sehr beachtenswerte Erfindungen gemacht, so eine Zweirad-Bremse, die in Amerika allgemein Verwendung findet. Der von
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1. Beilage.
Freitag, 19. April 1912.
Börsenmanöver nnd Menfchendrama.
(Privat-Telegramm.)
Rewyork, 18. April.
Die Agentur der Cunard- Linie erklärt, daß die White Star Line a ch t S t u n d e n vor der Bekanntgabe des Unglücks schon gewußt habe, daß ein enormer Menschenverlust zu beklagen sei. Die White Star Line bestreitet dies allerdings entschieden, ebenso das Gerücht, daß ein Vertreter der Morgan-Bank um Zurückhaltung aller Einzelheiten ersucht habe. An der Nordküste von Amerika herrscht schwerer Südweststurm, sodaß sich dir Ankunft der „Karpathia" mit den Geretteten an Bord verzögern dürfte. Es verlautet immer bestimmter, daß die Nachricht von dem Unglück derWhiteStar Line viele Stunden vorher bekannt gewesen sei. Das Gerücht, daß eine Großbank die Whist« Star Line ersucht habe, das Bekanntwerden aller Einzelheiten zu verhindern, verdichtet sich. Die Zollbehörde beabsichtigt, bei der Ankunft der „Kar- pathia" die Journalisten von den Geretteten fern zu halten. Die Maßnahmen der White Star Line erregen in der Oesfentlichkeit den stärksten Unwillen. Seitens der englischen und amerikanischen Presse ist für die Hinterbliebe, neu der umgekommenen Mannschaft der „Titanic" eine Sammlung eingeleitet worden, die bereits eine namhafte Summe ergeben hat.
durch die Lust entdecken „wollte" und Bedri- nes, Frankreichs großer Nattonalheld, Re- kordflieger und durchgefallener polittscher Kara didat. Dies« drei bilden ein würdiges Kleeblatt, denn eS dürst« schwer werden, in de, ganzen Wett noch einmal drei Männer zusam» menzustnden, die so ausgezeichnet zueinander paffen. Cook, der der Welt noch immer den, schon so oft anqebotenen, aber nie gelieferte« Beweis von dem Gelingen seiner Rordpolent- deckungsreise schuldig ist, will jetzt endlich Ernst machen und seine vergrabenen oder sonstwie versteckten Beweispapiere holen. Dazu braucht er natürlich gewichtige Zeugen, und da erschienen ihm als die am besten Geeigneten der große Wellmann, dem es mehrfach gelungen ist, durch das Geräusch seiner Reklametrompete, die er meisterlich beherrscht, alle Welt in Span« nung über seine drei Unternehmungen zu er« hatten: Die beiden „verunglückten" Luftschiff- sahtten zum Nordpol und die „Ueberflieyung" des Atlantischen Ozeans: und als zweiter der große Vedrines. ein Mann, der alles kann, zweifellos einer der besten, wenn nicht der beste Flieger der Welt, ein Mensch aber, dem, infolge seiner Unbildung, der Ruhm deratt in den Kopf gestiegen ist, daß er sich für den Mittelpunkt der Welt betrachtet. Er stiegt nicht nur, sondern er hält große Volksreden, kandidiett sürS Parlament, will mtt Ebarcot zum Südpol und nun mtt Cook und Wellmann zum Nordpol. Er macht einfach alles. Er nimmt es nicht nur mtt der Wahrhett in eigenen Dingen nicht genau, indem er über angebliche Glanzleistungen die Zeitangaben fälscht und vorgibt zweihundertfünfzig Kilometer in der Stunde geflogen zu sein, es ist auch seine besondere Spezialität, auf Deutschland zv schimpfen, obgleich seine politische und allge« meine Bildung gleich Null ist.. DaS ist det würdige Dritte im Bunde. Cook will also, ura ter Kronzeugenschaft von Wellmann und Ve- dttnes, „seine Papiere holen" und die Geletzenbett benutzen, mit Hilfe der „modernsten Errungenschaften", nämlich Wcllmanns Luflschifi und Vedrines Aeroplanen, den Nordpol zum dritten Mal und nun endgilttg und einwandfrei zu entdecken. Es wäre eigentlich ein Wunder, wenn es den drei Verbündeten von so seltenem Range nicht aelinaen soll!«, und man darf wohl erwatten, daß eines Tages daS gemeinsame Reklamegeschrei der drei größten ... M a u l h e l d e n der Welt alle Wett durchdrin« aen wird.
Allmählich werden immer mehr Einzelheiten über die furchtbar« Katastrophe bekannt, die das größte Schifl der Welt vernichtet hat. Wie Depeschen auS Newhork berichten, war der Zusammenstoß der „Tttanic" mit dem Eisberg stark, daß alles Bewegliche der gesamten Einrichtung zusammenbrach. Durch die Wucht des Anpralls wurden die Verdecke direkt quetscht, die Seiten deS Schiffes und die wasserdichten Abteilungen ä u f g r r i s s e n, die oberen Decke sowie einig« Rettungsboote infolge des Anpralles in Splitter zerschlagen, die über die niedriger liegenden Verdecke herabfte- len. DaS ganze Vorderteil des Schiffes wurde zu einer unerkennbaren Stahlmasse zerquetscht. Beim Aufsitzen des Schiffes aus die unterhalb der Wasserfläche befindttche Eisfläche wurden fast sämtliche Bodenplatten des Mittschiffs zerriffen, sodaß der Wasser- z u st r o m sofort e i n s e tz t e. Er war viel zu stark, als daß die Pumpversuche seiner hatten Herr werden können. Es wurde versucht, den Passagieren die schwereGesahr zu verheimlichen. Trotzdem kam es schon bei dem raschen Abschiede der Frauen und Töchter von den männlichen Angehörigen zu den e r sch ü t- ternsten Szenen. Durch die Gewalt be.o einströmenden Waffers aeriet das Schiff rns Schwanken nnd legte sich stark aus die Seite, sodaß die Passagiere ssch der Gefahr bewußt wurden und auch nach den steineren RettunaSbooten stürzten. Dabei sollen einige Boote gekentert fein. Eine Stunde nach dem Zusammenstoß überstutete das Wasser den Maschinenraum. Ebenso geriet der drahtlose Apparat in Unordnung. Durch daS Verlagen der Dynamos verlöschten mit einem Schlage sämtliche Lichter, sodaß, ehe Fackeln und Laternen aushalfen, tiefste Finsternis herrschte-
Am noch Trßmmer...!
(Privat-Telegramm.)
Newhork, 18. April. Nach einem drahtlosen Telegramm an den Gr- neralvorsteher der Bssociatton der Bereinigten Newyorker Bresse find die Reifenden der „Olymuic" wie b e t ä u b t durch den Unfall der „Titanic". Trotz Aufwendung der größten Eile war cs der „Olvmpic" unmöglich, rechtzei. tig.der „Titanic" Hilfe zu bringen. Ter Dampfer „California" der Boston Line ttaf nach der Katastrophe an der Unsallstelle ein. Er fand aber nurnochTrümmer und verweilte bis Tieustag an der Unglücksstelle, um dann seine Reise fortzusetzen. An Bord der gesunkenen „Titanic" befanden sich dreißig franzö. fische Köche, die sämtlich umgekommen sind. Der Oberkoch war derselbe, der die Fahrt auf der „Olympic" mitmachte, als diese seiner, zeit mit dem Kreuzer „Hawke" zusammenstieß. In Southampton ist die Trauer allgemein. Ueber tausend Familien haben ihre Angehöri- gen oder Verwandten bei der Katastrophe verloren. Ueber den finanziellen Verlust der White Star Line verlautet, daß dieser über 770 000 Pfund Sterling beträgt. Außerdem find Schadenersatzklagen zu berücksichtigen,
seinem Urahn gegründeten Astor-Bibliothek, einer der größten des Landes, wendete Astor ährlich erhebliche Summen zu. Im spanischamerikanischen Kriege 1898 bildete er etn Freiwilligenkorps, an dessen Spitze er sich wiederholt durch Persönliche Tapferkeit hervortat. Er führte seither den Titel „Oberst wie jeder, der in Amerika in Kriegszeiten eine Kombattantentruppe stellt. Schon vor zwei Jahren war Astor auf einer Ozeanrerse, dre et auf seiner Nacht unternahm, verschollen und als tot beklagt worden. Er erreichte indessen nach wochenlanger, stürmischer Fahrt den Hafen. Während er, Tausende von Meilen von seiner Heimat entfernt, auf dem Meere bin- und hergettieben wurde, fanden in Rew- vork die letzten Verhandlungen in dem Ehescheidung s P r o z e ß statt, den seine Frau, eine geborene Ava Lowie Willing aus Philadelphia, gegen ihn angestrengt hatte. Astor hatte jene Ozeanfabrt angetreten, um in diesem Prozeß nicht vor Gericht erscheinen zu muffen. Er wurde in seiner Abwesenheit verurteilt, seiner Frau eine Abfindung von vierzig Millionen Mark zu zahlen. Der Prozeß erregte in Newhork die größte Sensation, wett man die siebzehn Jahre zuvor geschlossene Ehe des Paares allgemein für eine sehr harmonische gehalten batte. Vor etwa einem Iah, schloß Astor «ine zweite Ehe und begab sich mit seiner jungen Gattin gleich nach der Hochzeit nach Aegypten. Er gedachte über London nach Newhork zu reisen; er hat die Heimat nicht erreicht. Seine einundzwanzigjährige Frau ist
Cook, Wellmann und Vedrines rüsten.
- Man schreibt uns: Aus Newhork kommt (über Paris) die Nachricht von dem Plan einer großattigen Nordpolexpedition, die alle bisher geplanten und unternommenen Nordpolkahrten gewiß in den Schatten stellen wird. Denn zu ihr haben sich keine Geringeren zusammengetan als Frederic A. Took. der bekanntlich schon einmal den Norvol „entdeckt hat, Wellmann, der ihn schon zweimal
Land ihren Blicken entschwun1>«n war. Rur wenige Lebensmittel hatten sie sich mttaenom- men, diese waren aber bald aufgezehrt, und ein entsetzlicher Hunger und Durst begann die Jäger zu quälen. Am Morgen deS vierten Tages waren sie so erschöpft, daß sie nur noch Laute von sich geben konnten, da entdeckten sie ein Walroß, das sich mchrere hundert Meter von ihnen entfernt zum Schlasan niederlegte. ES gelang den Jägern, sich unbemerkt hinzu- schleichen, daS gewaltige Tier zu töten und an einem Blut« ihren furchtbaren Durst, sowie ihren Hunger an dem Fleische zu stillen.
Am fünften Tage sahen sie Land, es war die Insel, von der aus ihr Schifl die Reise angetreten hatte. Schon faßten sie neuen Mut, da erhob sich ein Wind, der sie wetterttieb, und als sie wieder Land sahen, war es die Küste von Sibirien, die sie erblickten. Sie waren schon bis auf eine Meile herangetrieben, aber da kam wieder Wind, der sich nun nach Osten trieb. Tas Walroß, das sie mitgeschleppt hatten, war nahezu verzehrt, und vor ihren Augen stand der schrecklichste, qualvollste Hungertod, und sie wußten selbst nickt, wie lange sie noch umhergetrieben wurden. Tenn sie befanden sich bereits in einer Art Delirium, hervorgerufen durch den Mangel an Nahrung, durch die Luft auf dem Eise und durch den Hunger. Immer Keiner wurde ihre Scholle, die ihnen als Schiff diente, und als sie endlich von einem günsttgen Winde in die Nähe von Land getrieben wurden, befanden sie sich in der N»he deS KuSkoquimfluffes. Tort sand sie ein Halbindianer, zög sie heraus und nahm sie gastfteundlich auf. Als sie sich wieder erholt hatten, rechneten sie anS. daß sie drei Wochen auf der Eisscholle umbergetrieben waren und auf diesem sonderbaren und gefährlichen Schiffe zehntausend Meilen zurückgeligt hatten.
Swdt, der Markt und die Gaffen sind verödet. Der Mond steigt am besttrnten Himmel auf; ernst und vetträumt schwebt er in der einsamen
Hinter der Stadt läuft mtt stillen, raschen Schritten etn junges Mädchen dem herrschaftlichen Schlöffe zu. Das Sommerlüftchen 'Vielt neckisch mit ihrem schönen Haar; ihre Singen leuchten mtt süßem Glanz durch die Rächt.
Selma! Ich hab' sie erkannt.
Klopft mein Herz? •
Ach, nein ...es schweigt. Ganz strll tst mein Herz. Mein Herz ist müd, wie die nefe Nacht; müd', wie ein alter Mann nach dem Lebenskämpfe. , ,, _
Gerade so ist mein Herz. Ich hab sie erkannt! Die hohen, rauschenden Schloßbaume werden Zeugen heiliger Lebensgeheimnutt fein: sie werden ihre Kronen schütteln und auch der sehnende Mond wird fröhlich werden ...
Selma wird an einen Baum gelehnt neben und neben ihr ein wunderbarer Jüngling mtt dunklem Haar und nachtsckwarzen Augen. Er wird ihre feine Hand in seiner halten und mtt ihrem Haar spielen ...
Nur der Mond sieht ihnen zu. .
Ich hab' sie erkannt! ... Dre göttltche Swnde.soll nicht zerstört werden.
Denn still und selig ist die Nacht, voll Hon Weibe, und fotoe Augenblicke sind selten und kostbar im traurigen Menschenleben ....
Aus dem Nsberg-
Drei Wochen auf treibendem Eise.
Anläßlich der Katastrophe des Schiffes „Titanic", das bekanntlich mit einem Eisberge zufammenstieß, dürft« (wie uns geschrieben wird) ein anderes Unglück interessieren, das sich vor nicht allzu langer Zett tutnig Mehrere Passagiere eines großen Dampfers ließen sich ausschiflen, um sich im B«rings- meer auf Robbenjagd zu begeben. Sie batten das Schiff verlassen und waren etwa rebn Meilen auf dem Treibeise zu Fuß vorwärts gedrungen, als der Wind plötzlich umschlug und das Eis mürbe machte, so daß es in großen Stücken auseinanderplatzte. Die Jager waren sich ihrer schrecklichen Lage eTft bewußt, als sie schon auf das BeringSmeer hinauSttte- ben. und «S dauerte nicht lange, da war der fahrende Eisberg so wett getrieben worden, daß ttt Schift iowob! al« auch daS
$ie Geretteten der Titanic.
(Privat-Telegramm.)
. Rewyork, 18. April.
Der Kreuzer „Cheterms" gibt bekannt, daß es ihm gelungen ist, die drahtlose Verbindung mit der „Kartpathia" zu erlangen. Dies« teilt mit, daß von der „Titanic" 343 Passa. giere erster und zweiter Klasser gerettet sind. Man nimmt daher an, daß sämtliche männliche Passagiere aus diesen bei. den Klaffen um gekommen sind und die Zahl der übrigen Geretteten sich aus Zwischen- deckreisenden und Schiffsmannschaften zusam. mensetzt. Die „Karpathia" mit den Ueberlebenden an Bord nähert sich langsam Rewyork, wo sie Donnerstag abend oder Freitag früh et- wartet wird. DaS Handelsamt verweigert vorläufig genau Auskunft über die Ausrüstung der „Titanic" mit der seltsamen Begründung, daß all« solche Angaben „vertraulich" seien. Tas Verhalten der Verwaltung der White Star Line, die die ihr vorliegenden Meldungen über die gefährliche Sage des Schiffes stundenlang der Oeffentlichkeit vorenthalten hat, wird allgemein auf da» schärfste verurteilt. Bor den hiesigen Büro« der Gesell- schast sammelten sich gestern große Menschen- maffen an, die eine drohende Haltung einnahmen.
Die Familie Mar.
Johann Jakob Astor und feine Urenkel.
Im Jahre 1777 verließ, mtt sehr gering«, Geldmitteln ausgerüstet, ein vierzehn j ä 6- tiger Knabe seinen badischen HetmatSort - Walldorf bei Heidelberg, um bei feinem Bruder, einem Instrumentenbauer in London, Unterkunft und Fortkommen zu suchen. In | dem jungen. Johann Jakob Astor regt» . sich von früh auf ein reger, ins Wette strebender Geist, ein Drang in alle Fernen, die Lust zu großem Gewinn und zu weltumspannenden Unternehmungen. In der Enge der Reinen Jn- strumentenfabrik seines Bruders wurde es ihm unerträglich. Er erlernte den Bau der Geigen und der Celli, aber nur wie einer, dem es an Gelegenheit der Betätigung seines Tatendranges fehlt und der, bis ihm diegünstige Stunde schlagen würde, sich mit irgend etwas Nützlichem beschäftigt, nur um nicht müßig zu gehen. Zwanzig Fahre alt rückte er seinem Bruder aus und fuhr als überzähliger Passagier, sich die Ueberfahrt durch Arbeit abver- dienend, nach Rewyork. In der halbwUden Hudsonstadt blühte damals der Pelzhandel mtt den Indianern der nördlichen, an Canada grenzenden Gebiete. Einige überaus kühne, er- k folgreiche Spekulationen mit Pelzwaren legten den Grund zu seinem Reichtum. Mit scharfem Blick aus der geographischen Lage Rewyorks die riesigen Entwicklungsmoglichkeiten der r Stadt vorahnend, kaufte er, soviel er nur tonnte, Grundbesitz zu Spottpreisen auf. Die Quadratrut« Boden in der Gegend, die heute down town" (die untere Stadt) heißt, bezahlte « mit zwei bis fünf Dollars; heute kostet sie etwa fünfzigtausend Dollars.
einige Jahve vor feinem Tode haft« er nicht nur den Newyork-Canadischen Pelzhandel, sondern auch die Tee- und Seiden, einfuhr aus China nach Amerika wo« o p o- I i s i e r t. Wären seine grandiosen Plane nicht - durch die kriegerischen Verwicklungen Amerikas mtt England gescheiteri, so wär« der erst« amerikanische Astor als Dollarmilliardär gestorben. t Immerhin hinterließ er an fünfhundert Millionen Mark, in den damaligen Zeiten ein Vermögen, von dem man sich keine zu- reichende Vorstellung machen konnte. Sein Erwerbssinn und geschäftlicher Scharfblick ist, Wenn auch etwas verdünnt, auf seine Sohne und Enkel übergegangen. Der Urenkel, der in der Rächt zum Montag bet von einem Eisko- loß zerdrückte Riefenleib der „T tt a n i c" mit in die Tiefe gezogen hat, war, wie man in Amerika sagt, ein würdiger Sohn vom alten 1 Holz. Er verbrachte, ungleich den anderen Erben von Riesenvermögen, -sein Leben nicht in geschäfttgtuendem Müßiggang; er eignete sich - eine achtbare Bildung an, ging auf Reisen, um zu lernen, und widmete sieb dann der großzu- eigen Verwaltung seines stetig anwachsenden Reichtums. Mit seinem Vetter Walldorf (eine Seitenlinie der „Dynastie Astor" hatte sich den Namen des badischen Heimatsortes beigelegt) gründete er in Newvork eine Reihe jener m o - bernen Ri«senhotelS, die seither für di« modernsten Hotel-Prachtbauten aller Großstädte vorbildlich geworden sind: Das Wall- dorf-Astoria, das St. Regis, das Knickerbocker und andere. Er ließ auf seinem Grundbesitz ganze Sttaßenzüge von Häusern mit billigen Wohnungen errichten. Er beschäftigte sich angelegentlich mit technischen Dingen und hat auf diesem Gebiete einige
Mein Städtchen.
Ein Stimmungsbild, von S. Dembitzcr.
Kennt ihr mein Städtchen? Jahre sind in die Ewigkeit hinübergegangen und meine Ju- genb hab« ich an unbestimmten Orten verbracht. In jenen Tagen, die man die schönsten ' des Lebens nennt, bin ich in fremden Gassen, bet fremden Menschen, auf harten kalten Steinen suchend berumgeirrt. Auch damals, wenn der Frost meine Glieder durchdrang, als das Schicksal ntich von Ort zu Ott warf: toerat in kalten Winternächten der Sturm wütete, der Himmel schwarz und die leeren Gassen wie von Schreck erfüllt waren; wenn die Furcht mich zwang, unter einem Baume mein Nachtt läget aufzuschlagen ... auch damals habe ich mein Städtchen nicht vergessen ...
Menschen, sagt, wo ist mein Heim?
Reihenweise ziehen sich hohe Baume, Felber, Wälder, Berge und Täler hin; nach langen und krummen Wegen kommen bobe, furchtbare Gebirge; sie schwinden und es folgt ein langer, an beiden Seiten bepflanzter Weg. Es sind bas große, doch gebeugte Bäume... Träumer, Lebensträumer ... . __.
Mit ihren dürren, ausgestteckt-n Zwergen weisen sie: Dort ist der Weg! Dott liegt das
Viereckig ist der Markt. Müd' und verlassen stehen kleine, einstöckige Häuschen herum. Lie sehen in den Sommerhimmel, welcher immer dunkler und trüber wird, und erwatten dre still« Nacht, die bald kommen muß.
Die Einwohner des Städtchens, sttll« und zufttedene Menschen, sitzen auf den Turichwel- len, schauen zum Himmel und schweigen.
In den engen Gäßchen spielen kleine Kruder. Wie sie den Laternenanzünder mtt bet langen Stang«, sehen, der sich müd' und faul dabinschlevpt, denn seine alten Fuße folgen thm kaum, laufen sie demselben nach. Und wahrend er eine Laterne anzündet, tönt bewundernd ein „Bravo!" „ ’
Der Markt wird immer dunkler. Der matte Schein der Stadtlamven atmet Traurigkeit und stumme Banguis. Die Gäßchen werden leerer und bald ist aller Leben verschwunden. Die alten Leute erbeben sich von den Schwellen, und indem sie in die Häuserchen treten, entschlüpft ihrer Brust ein zufriedenes Ah! ... DaS milde «ommetlüftchen trägt eS weiter.
~ Ut$ Md v«l-»«t ist die Welt, »te
«eine weiteren Geretteten des nntergegangenen Schiffes; Einzelheiten der Katastrophe im Ozean; Börten. Manöver und Maffendrarna.
die von de« Familien der Opfer «hoben
Sie Frau der Zukunft.
Sarin Michaelis' „Ideal".
Matt schreibt uns au3 Rewyork: IN reckt interessanter Weise, bi« in Amerika me< Aussehen erregt, hat sich Karin Mich ae- l i s, die Verfasserin des „Gefahrltchen Al- tetS", über die Frau der Zukunft geäu. Bert. Karin Michaelis ist der Ansicht, daß bte Frau der Zukunft sich zur Ehe von Grund aus anders stellen wird, als die der Gegenwart und der Vergangenheit. Die zukünftige Frau nach dem Bilde der dänischen Schriftstellerin, wird nicht mehr auf einen Eheautrag warten, sondern sich ihren eigenen Manu auS. suchen und, wenn sie den rechten gefunden hat, sich ihm antragen. Karin Michaelis meint, die Entwicklung werde die Frau lehren, daß hierin nichts Unbescheidenes liege, und sie will die überlieferte Form nur auf Prüderie zu« rücksiihren. Aber eben in dieser Prüderie sietzi sie die Ursache vieler körperlicher und geistiger Leiben her gegenwärtigen Frau. Ihre ver, meintliche Bescheibeuhett erscheint ihr alS bat» barisch unb verursache verhängnisvolle Reaktionen. Uebrigens fällte Karin Michaelis bei dieser Gelegenheit über di« geistige Reife der amerikanischen Frau ein Urteil, das bei ben Amerikanern allerdings Anstoß erregen mutz, da es ihnen als Dogma gilt, daß die Amerika, nerin die Krone aller Schöpfung . sei. Karin Michaelis behaupttt nämlich, daß die Mädchen der bemittelten und gebilbeten Klassen in Amerika im -heiratsfähigen Alter an Entwicklung noch geradezu K in d « r feien, wofür ihre Erziehung verantwortlich zu machen fei. In dieser Behauptung liegt unseres Bedankens viel Uebertretbung, und waS daS von Karin Michaelis gezeichnete Bild der zukünfti, gen Frau anlangt, so trifft es wohl nur ans den Schlag von Frauen zu, den die Dänin in ihrem Roman geschildert hat, der vom Typ der Durchschuittsfrau und namentlich vom Ideal der deutschen Frauenseele denn doch erheblich abweicht. Unb zwar: Glücklicherweise!