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Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang«
Kummer 110.
Dienstag, 16. April 1912
Fernsprecher 951 und 952.
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Tätigkeit auf einen neuen Boden zu stellen!
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durch dann auch die Regierung vorwärts zu treiben. Man könne die Zeitungsmeldungen über die französischen militärischen Fliegerorganisationen im einzelnen ja nicht kontrollieren, aber es scheine doch, daß auf jener Seite eine Organisation vorhanden sei, an die die peinlich diskret gehaltene deutsche Militärorganisation nicht annähernd heranreiche. Mit dem Abwarten in dem Bestreben, erst Vollendetes zu erreichen, habe die Reichsregierung schon in der Frage des Unterseebootbaues schlechte Erfahrungen gemacht und so könne man auch mit dem Abwarten in Bezug auf die Flugtechnik nichts erreichen, sondern müsse durch den Luftflottenverein die Regierung zu ähnlich energischer Betätigung aufpeitschen, wie man sie in Frankreich sehe, wo man auf den Bahnhöfen Flugschriften in die Hand -gedrückt bekomme über di« Bedeutung der Fliegerprobleme. Notwendig werde es allerdings sein, die Aengstlichkeit, die sich in dem Programm des Luftfloltenvereins offenbare, auszuschalten.
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mäßigen Zuge um 11.42 Uhr, von Nauheim kommend, «uf dem Potsdamer Bahnhof ein, wo er von mehreren Herren des Auswärtigen Amts empfangen wurde. In Nauheim war der Reichskanzler gestern vormittag 10.40 Uhr mit seinem Adjutanten eingetroffen. Er wurde vom Oberhosmeister der Kaiserin, Freiherrn von Mirbach, empfangen und zum Frühstück bei der Kaiserin geladen. Gegen Mittag reiste der Reichskanzler nach Berlin ab. Bei seinem Besuch am letzten Sonnabend in München hat der Kanzler beim Ministerpräsidenten Frei- Herrn von H e r t l i n g lediglich seine Karte abgegeben. Eine Unterredung der beiden Staatsmänner hat nicht stattgefunden.
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Heimkehr von der Osterfahrt.
(Privat-Telegramm.) Berlin, 15. April.
Tor Reichskanzler von Bethmann
Man könne zugeben, daß die Tätigkeit des Vereins nicht parteipolitisch werden dürfe; wolle der Verein aber weiter existieren, so müsse er mit diesem Zurückhalten brechen und deutlich zum Ausdruck bringen, daß sein Hauptziel die national-politische Beeinflussung zugunsten der Luftschisfahrt sei und dann werde es leicht sein, weite Massen sofort wieder für den Verein zu intereflic- ren, da dann ein deutlich erkennbares und großes Ziel vor Augen stehe. Die dem Vortrag sich anschließende Debatte führte zu einer Besprechung des Verhältnisses des Luftflottenvereins zur deutschen Tagesprefse, und es wurde der sehr beachtenswerte Vorschlag gemacht, die Presse mehr als bisher für die Arbeiten des Vereins, namentlich in Bezug aus die neu zu steckenden Ziele für den Verein zu interessieren. Ein deutliches Zeichen, Wie gut die gesamte Stimmung in der Versammlung für diese „Wendung im Luftflottenverein" war, kann man daraus ersehen, daß folgender Antrag des Elberfelder Vertreters: „Zwecks Belebung der Tätigkeit und der Erfolge im deutschen Lust- slottenverein soll Vorsorge getroffen werden, daß in die Bestrebungen des Vereins die Agitation für das Ziel ausgenommen wird, die Militärverwaltung mit dem Mittel der Luftfahrzeuge jederzeit so auszurüsten und ausgerüstet zu erhalten, wie es dem Vorgehen der anderen Militärmächte entspricht", trotzdem er nicht den Vorschriften der Satzungen cnffprechend angemeldet war, einer besonders einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung vorgelegt werden soll. So wird denn demnächst der Luftflotenverein nochmals in Berlin zu'ammentreten, um feine
Die Friedens-Attlv« de» Mächte.
Ein Prsivattelegramm meldet uttS aus Rom: Die offiziöse „Tribuna" erklärt, daß der neueste Schritt der Mächte in Konstantinopel wahrscheinlich schon erfolgt sei. Es sei auch sicher, daß der Enffchlutz der Mächte, an dem Vorgehen Rußlands sich zu beteiligen, nur erfolgt sei, um zu erfahren, unter welchen Bedingungen die Türkei bereit sei. über eine Einstellung der Feindseligkeiten zu verhandeln. Nach einer anderen Meldung wird der Vermittlungsversuch der Mächte nicht vor Dienstag erfolgen.
Flugzeuge und zeigte, daß in Deutschland noch zahlreiche Widerstände zu überwinden seien, sowohl im Volk, wie auch bei den gesetzlichen Körperschaften, namentlich aber bei der R e- g i e r u n g selbst, ehe man daran denken könne, den ftanzösischcn Vorsprung einzuholen.
Di« Ueberzeugung seiner Ortsgruppe sei, daß es Aufgabe des Lustffotienvereins in allererster Linie sein müsse, die kleinern Angelegenheiten zurückzustellen gegenüber einer großzügigen Propaganda und einer umfassenden Aufklärung des deutschen Volks über die militärische Bedeutung der Lustschiffahrt. Die Maßnahmen des Lust- ffottenvereins und andrer Organisationen, die auf Schenkung an den Staat hinzielen, könnten in Bezug auf die Verwertung der neuen Waffe für die Landesverteidigung die vorliegenden Aufgaben nicht allein erfüllen, und es sei die Pflicht der Regierung, nicht auf Geschenke aus dem Volk heraus zu warten, son- Lern selbst die Initiative zu ergreifen. Wenn diese Initiative nicht ergriffen werde, so gebe es keine geeignetere Instanz in unserm Vater- land, als den Luftflottenverein, um auf dem Weg : über di« Aufklärung der breitesten Volks-
Advokat, Journalist, Politiker.
Henry Brisson war am einunddreitzigsten Juli 1835 in Bourges geboren. Wie die meisten bedeutenden Politiker Frankreichs, ging auch er aus der Advokaten-Laufbahn hervor. Er studierte in Paris und wurde dort 1859 Anwalt. Zugleich betätigte er sich als Journalist und schrieb für Temps und Avenir national. 1871 schickte ihn das Seine- Departement in die Nationalversammlung, in der er für die äußerste Linke die allgemeine Amnestie für alle politischen Verbrecher beantragte. Als Mitglied der Deputiertenkammer gehörte er seit 1876 zur republikaniscken Union, die ihn 1879 zum zweiten Vizepräsidenten und im November 1881 an Gambettas Stelle zum Kammerpräsidenten wählte. 1885 übernahm er das Ministerpräsidium und zugleich das Justiiressort. Ende des Jahres trat er aber bereits von seinem Posten zurück. um einem Kabinett Freycinet Platz zu macken. Rach Melines Rücktritt wurde er abermals Ministerpräsident eines radikalen Kabinetts. Nack einem Monat trat er indessen wegen der Dreyfus-Affäre abermals zurück. um dann später das Amt des Kammer- präsidenten zu übernehmen.
Kassel» neuer Kinderhort.
Fm neuen Heim an der Mombachstratzc. t Unser Kinderhort hat jetzt fein tige* nes Heim. Draußen an der Peripherie der Stadt, an der M o m b a ch st r a ß e, ist ein freundliches helles Haus von den Casseler Ar- chitetten Eubell und Rieck für ihn gebaut worden und am Sonnabend wurde es in einer schlickten stimmungsvollen Feier seiner neuen Bestimmung übergeben. Groß war di« Zahl derer, die an dieser Feier teilnahmen, vor allem waren viel« Mitglieder des Frauen- bildunzsveretns erschienen, dessen Pflegling der Hort ja ist. Im Erdgeschoß des Hauses, im großen Kinderzimmer, dessen lustig bunter Fries sicherlich großen Jubel bei den Kleinen Hervorrufen wird, fand die Feier statt. Da faßen die Gäste auf den niedrigen Kinderbänkchen und Hockerchen, auf denen hernach die kleine Gesellschaft sitzen wird und ihrer Pflegerin lauschen, wenn sie Geschichten erzählt. Und ein wenig konnte man sich in dieser Al. mosphäre selbst wieder als Kind fühlen, zum mindesten vermochte man es, sich sehr lebhaft in die Seele der Kinder hinein zu versetzen, die dort vielleicht die schönsten Stunden ihres Le- bens zubringen werden. Mit Gesang ward die Einweihungsfeirrlichkeit begonnen. Mehrere Damen, von denen uns Frau Rechtsanwalt Wenning aus verschiedenen Konzerten im besten Gedenken steht- hatten ihre Kunst in den Dienst de, guten Sache gestellt. Sie «rfteuten die Festversammlung mit.der Wiedergabe des Liedes „Wir treten zum Beten vor Gost den Herrn" und des 23. Psalms. Fräulein Auguste Für. st er, die überaus reg« Vorsteherin des Kinder- Hortes, nahm darauf das Wort zur Begrüßung der.Wtze. In bewealen brrMckLu^Wo rten
Kammerpräsident Brisson f.
Der Tod des ftanzösischen Kammerpräsidenten.
Frankreich hat abermals einen schweren Verlust erlitten: Gestern vormittag kurz nach neun Uhr ist der Kammerpräsident Henry Brisson nach kurzem Leiden im Alter von sechsundsiebzig Jahren gestorben. Brisson, der mehrmals französischer Ministerpräsident war, gehörte zu den hervorragendsten Staatsmännern der Republik, ein Politiker von lauterm Charakter, dessen Name mit der französischen Politik zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts für immer aufs engste verknüpft sein wird, lieber die letzten Stunden Brissons berichten uns folgende Meldungen:
Paris, 15. April.
(Privat-Telegramm.)
Brisson, der vor einiger Zett eine Darmverschlingung erlitten hatte, wurde am letzten Dienstag, schon schwer leidend, von seiner Besitzung in Montmorcy in seine Pariser Amtswohnung gebracht. Ter Kranke wollte von seiner Pflegetochter Frau Girard und ihrem Gatten über alle wichtigen politischen Vorgänge unterrichtet sein und diktierte noch gestern stüh seinem Privatsekretär das Programm für die Reihenfolge der dieser Kammertagung vorbehaltenen Gegenstände. Kurz nach acht Uhr trat dann plötzlich eine Verschlimmerung im Befinden des Kranken ein, die bald seinen Tod herbeiführte. Die Beisetzung Brissons wird (wie es heißt) auf nationale Kosten erfolgen, und obwohl die Kammer sich in den Ferien befindet, werden die Minister hierzu die Initiative ergreifen. Die Leiche des toten Kammerpräsidenten wird heute einbalsamiert werden. Präsident Falltsres sowie sämtliche Mitglieder haben sich in der ausgelcgten Kondolenz-Liste eingetragen. Der erste Diplomat, der seinen Namen in die Kondolenzliste eintrug, war der deutsche Botschafter von Schoen. Als Nachfolger Brissons werden in erster Reihe genannt Etienne, Dechanei und Del- cassö, von denen Etienne, jetzt Vizepräsident der Kammer, die besten Aussichten hat. Viele Mitglieder der radikalen Mehrheit werden für DelcassS stimmen, dem sie dann selbst die Bestimmung seines Nachfolgers im Marineministerium überlassen wollen.
Hiobrpoft au» Tripoli»!
Blutige Niederlagen der Italiener.
(Privat-Telegramm.) Konstantinopel, 15. April.
Hier eingegangene amtliche Depeschen auZ Der na melden: Gegenüber den jüngsten italienischen Siegesnachrichten ist festzustellen, daß die Lage sür die Italiener die denkbar ungünstigste ist. Die Italiener halten mit Mühe ihre befestigten Stellungen, di« höchstens vier Kilometer von der Küste lang eingeschoben sind und ihnen gerade noch das Verbleiben in den Ortschaften Benghast, Derna und Tobruk und damit in der Cyrenaika überhaupt ermöglichen. An diesen Orten sind die Italiener absolut fe st gelegt und je- der weitere Schritt vorwärts ist ihnen unmög- lich. Die letzten Gefechte waren für die Italiener in Wirklichkeit blutige Niederlagen, wofür die zu Hunderten erbeuteten Ausrüstungen und Bekleidungsgegenstände, sowie die großen Massen erbeuteter Infanterie- und Artillerie-Munition zeugen. Die Rückzüge waren fluchtartig und erfolgten unter Zurücklassung vieler Toten. Seit sieben Ge- echten haben die Italiener jeden Versuch einer Offensive aufgegeben und sich trotz der wiederholten Versuche des Feindes, sie zum Kampf zu veranlassen, nicht mehr aus ihren befestig- ten Stellungen hinausgewagt. Di« allgemein« militärische Lage hat sich seit Beginn des Krieges für die Italiener zweifellos verschlechtert. Meldungen aus Tripolis berichten, daß eine Gruppe von hundert Frauen bewaffnet im türkischen Lager eingetroffen ist, um in den tückischen Reihen als Amazonen gegen Italien mizukämpfen. Ihr Eintreffen ruft unter den türkischen Truppenbüberall große Begeisterung hervor..
Telegramm meldet uns dazu noch folgende Einzelheiten: Der angebliche Attentäter auf den Präsidenten Tast, der ein vollkommen Harm« o s e r Kranker ist, versuchte, in der Früh- tücksstunde in das Weiße Haus zu gelangen, wobei er angab, von der deutschen Botschaft resandt worden zu sein. Er wurde abgewiesen, «doch gelang es ihm bet einem zweiten Ver- üche, doch in das Haus hinein zu gelangen, worauf er festgenommen und unter einem Vorwande auf die Polizei gebracht wurde, von wo aus er einer Irrenanstalt zugeführt werden soll. Der ganze Vorfall ist vollkommen.bedeutungslos.
-rutsche krlmntnir?
Eine Wendung im Luftflotten-Verein.
W«richtunsers Korrespondenten.) Berlin, 15. Aprli.
Die gestrige Hauptversammlung des Deutschen Luftflotten-Vereins brachte eine unerwartete Ueberraschung. Der Luftflottenverein existiert bekanntlich seit fünf Jahren, jedoch hatte «r bisher sein« Tätigkeit nur auf Gebiete erstreckt, die es ausgeschlossen erscheinen ließen, daß breitere Volksmassen von seiner Existenz überhaupt erfuhren. Er hat in den fünf Jahren seines Bestehens zweifellos auch erhebliche Verdienste erworben, von denen das hauptsächlichste wohl in der Errichtung der Luftschifferschule zu erblicken ist. Aber er ist nicht Das geworden, was er nach Meinung aller derer eigentlich werden sollte, die in der Luftschiffahrt ein neues großes Kriegs inst rument erblicken. Schon do» Name „Luftflotten-Verein" forderte, als er zum ersten Mal in der Oeffenilichkeit auftauchte, zu einem Vergleich mit dem Flottenverein heraus, und ganz gleichgültig, ob man bet allen seinen Aktionen dem Flottenverein zustimmt oder nicht, wird man doch zugeben müsse«, daß der Flottenverein den Gedanken PIN der Notwendigkeit einer stacken, deutschen Kriegsflotte bis in die entlegensten Teile unseres Vaterlandes tief ins Volk hineingetragen hat. Von einer ähnlichen Propaganda des Luftflottenvereins hatte man bisher nichts gehört, trotzdem di« gewaltigen Anstrengungen der Franzosen namentlich auf dem Gebiete der Flugtechnik und die über alle Maßen zurückhaltende Stellung der deutschen Militärverwaltung zu dem Flugprogramm zu einer ausklä- renden Propagandatätigkeit des neugegründeten Lustslottenvereins schon vor vier Jahren förmlich herausforderten.
Der Luftflottenverein hat, trotzdem er (wie gesagt) manche Verdienste sich zu erringen verstand, denn auch eine bemeckenswerte Entwicklung nicht zu verzeichnen gehabt. Seine Mitgliederzahl stagnierte und es zeigten sich vielfach Konflikte zwischen ihm und anderen Luftschifferorganisationen Konflikte, die sich im wesentlichen dadurch erklären, daß der Luftflottenverein das eigentlich« Programm, di« Propagandatätigkeit im Volk für die Luftschiffahrt, in den Hintergrund treten ließ, gegenüber einzelnen Aufgaben, denen er ohnehin infolge seiner schwachen finanziellen Mittel nur in geringem Maße gewachsen war. Viele Mitglieder, die in dem neugegründeten i Verein seinerzeit ein Instrument sahen, Volk, Parlament und Regierung zu einer aufmerksamen Beobachtung des Problems und zu energischen Maßnahmen anzutreiben, sahen sich enttäuscht und verließen den Verein wieder, weil sie nichts von einer derartigen nationalpolitischen Betätigung des Vereins hörten. Mit dem gestrigen Tage scheint nunmehr eine grundsätzliche Wendung eingetreten zu sein. Gleich nach Erstattung des Jahresberichts durch Generalmajor von Echenbrecher ergriff der von der Ortsgruppe Elberfeld delegierte Hauptredakteur Bakmeister das Wort, um im Auftrage seiner Ortsgruppe eine Reihe von Gedanken zu entwickeln, di« sich auf die bisherige Tätigkeit des Lustslottenvereins und auf die Notwendigkeit einer Aenderung der gesamten Tätigkeit bezogen. Er verwies auf die gewalügen Erfolge Frankreichs in der militärischen Verwertung der
Intermezzo im Weißen Haus.
Ein Attentatsversuch auf Taft.
Wie aus Washington gemeldet wird, drang am Sonnabend abend ein Individuum mit einem Messer bewaffnet ins Weiße Haus ein und suchte den Präsidenten Taft zu erreichen. Das Individuum wurde festgenommen, und gab an, dentscherUnterian zu fein und Michel Winter zu heißen. Der angebliche Winter behauptet, der deutsche Botschafter Graf Bernstorff hätte ihm eine Ein- sührung zum Präsidenten verweigert. Er leistete heftigen Widerstand, wurde aber schließlich verhaftet und soll jetzt auf feinen Gei-
Parlaments Beginn.
Der Wiederzufammentritt der Parlamente.
Die parlamentarischen Osterferien sind zu End« und Reichstag und Landtag treten morgen wieder zur Forffetzung ihrer Beratungen zusammen. Der Tagungsabschnitt zwischen Ostern und den Sommerferien dürst« grade im Reichstag von besonderer Bedeutung sein, da außer wichtigen Teilen des Etats die neuen Wehrvorlagen und bi« nicht minder bedeutsame D e ck u n g s f r a g e auf der Tagesordnung stehen. Die Etatsberatung wird sich vermutlich noch mehrere Wochen hinziehen und man wird froh sein dürfen, wenn sich die Verabschiedung des Budgets bis zu Pfingsten ermöglichen läßt. Insbesondere dürfte es beim Etat des Reichskanzlers und des Aus. wärtigen Amts noch zu recht lebhaften Debatten über die auswärtige Politik kommen, da man auf diesem Gebiete recht viel auf dem Herzen hat. Noch eingehender wird man aber sich über die Deckungsfrage unterhalten, und hierin liegt bekanntlich der Angelpunkt des Ganzen. Die Meinungen gehen nach wie vor weit auseinander, und angesickts der Zu- lammensetzung des Reichstages dürste sich ein Ausgleich nickt so leicht finden lassen. Unter diesen Umständen ist schwerlich daran zu denken, daß der Reichstag zu Pfingsten sich ver. tagen kann, vielmehr wird man mit den Sitzungen bis tief in den Juni, hinein zu rechnen haben, denn es geht nicht an, diese wichtigen Vorlapen Übers Knie zu brechen: Ein derartiger Äersuck würde die schwersten Stürme heraufbeschwören, und an eine Periode innerpolitischer Ruhe ift- unter diesen Umständen noch laug« nicht zu denken. -n.