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Nr. 106. S. Myrgang. > -- zahlreiche Dächer beschädigt, Bäume entwurzelt und viele Telephondrähte zerrissen. Das Was­ser der E l b e stieg so, daß unzählige Keller un­ter Wafler gesetzt wurden. In Blankenese stieg das Wasser über die Ufer und überschwemmte zahlreiche Gärten. Man hat selten in Blan­kenese und den übrigen Elbdörseru einen gleich hohe« Wasserstand zu verzeichnen gehabt.

Westerland, 10. April.

Der seit der Donnerstag-Nacht herrschende lmd gegenwärtig noch andauernde orkanartige Weststurm hat die Wiesen der Insel über­flutet und die Landungsbrücke bet Muuk- marsch unter Wasser gesetzt. Die Fundamente der bei Westerland begonnenen großen Strand- rnauer sind durch schwere Brandung zer­stört. Zwei Dampfrarnmen und eine Loko- moblle find im Sande begraben. Auf Sylt hat der Sturm überall großen Schaden anqe- richtet. Gestern abend trat starker Schneefall ein. -3-

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LchiffsrmMe hn Sturm.

- (Privat-Telegramm.)

Depeschen aus Hamburg zufolge find währnü» der Stürme der letzten Tage auf der Ost- und Nordsee zahlreiche Schiffe ge­sunken. Rach einer Meldung aus Ant­werpen hat dort der Sturm verschiedene SchiffSunfälle verursacht. Mehrere Privat­fachten find beschädigt worden. Das eine die­ser Fahrzeuge kippte um und drei Insassen fiele« tnS Wasser. Eine Person ertrank, die beiden anderen konnten sich auf eine Sand­bank retten. I« Tenerifa traf am Diens­tag der österreichische PassagierdampferSo- phi« Hohenberg" mit starker Schlagseite nach Bakbord aus Buenos Aires ein. Bei der Koh- leneinschiffung legte er sich plötzlich wieder zur Seite. Unter de« dreihundertfünfzig Passa­giere« brach eine Panik aus. Die Leute mußte« schleunigst an Land gesetzt werden; es «lang aber, ave zu rette«.

Die Kaiseriu in Nauheim.

Ankunft und Empfang der Kaiserin.

(Privat-Telegramm.)

Nauheim, 10. April.

Der kaiserUche Sonderzug traf heute früh um 8 Uhr 24 Mimten auf dem hiesigen Bahnhof ehr Die Kaiserin wurde auf dem Bahnhof von dem Hofmarfchall Freiherrn von Lyncker, dem Bürgermeister Dr. Kayser, dem Kurdirek­tor von Frankenberg und dem Kreisarzt Schliephacke aus Friedberg empfangen. Die Kaiserin fuhr im Automobil nach dem Sana­torium Gröbel, wo sie Wohnung nahm.

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, Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Wiesbaden: Der Besuch des Kai­sers wird sich nach endgültiger Feststellung auf zehn Tage erstrecken. Mit dem Kaiser wird die Prinzessin Viktoria Luise hier eintrcf- fen, während die Kaiserin nur zwei bis drei Tage von Bad Nauheim aus nach Wiesbaden kommen wird.

Das Fest der Blauen Blume.

Rußland im Zeichen der Blumentage.

, Aus Petersburg schreibt man uns: Die Blume »tage werden in Rußland modern. Das Fest der Roggenähre und der Tag der Blauen Blume liegen bereits hinter uns; in Aussicht steht der Veilchenlag und der Tag der Weißen Blume . . .Blumen, zuviel Blumen," könnte man mit dem Offen- bachschen Kalchas rufen. Wenn der zum Besten der Hungerleidenden veranstaltete Tag der

Casseler Neueste Nachrichten

Donnerstag, 11. April 1912.

Roggenähre eine gegen die Regierung gerich­tete demokratische Demonstration gewesen war, so marschierte am Blaublumentage die .Eine Fleur" der Petersburger Gesellschaft auf. Der Tag wurde zum Besten des Blauen Kreuzes veranstaltet, einer großen Wohltätig- keits-Gesellschaft, an deren Spitze die Gattin des GrvUfirsten Konstantin, Elisabeth MawrKijewna, geb. Prinzessin von Sachsen- Altenburg, steht. Die Patronessen des Tages hatten es sich nicht nehmen lassen, trotz des lieb­lichen Märzenwetters, das Regen und Sckmee über die Stadt ausschüttele, in reich mit blauen Blumen geschmückten Autos ein wenig Reklame zu fahren, während die jüngeren und jungen Damen sich tapfer ins Gewühl der Straßen stürzten, das sie sonst nur aus der Vogelschau ihrer Equipagen zu beobachten pflegen . . . wenn es ihnen überhaupt beobachtenswert er­scheint. Die kostbaren Pelzmäntel und die extra­vaganten Pariser Hüte kontrastierten nicht we­nig mit dem koketten Körbchen und der weiß­lackierten Sammelbüchse, »ie im besten Falle so viel enthalten konnte, als eine dieser Damen sür eine Robe anzulegen pflegt.

Solche Erwägungen scheinen aber die reizen­den Köpfchen nicht zu beschweren. Man stampfte mutig durch den Schmutz der Straßen und ver­streute das bezauberndste Lächeln der Welt um einen Zehner. Wer mochte und konnte soviel Aufopferung und Anmut widerstehen? Man spendete nicht mir Zehner, sondern sogar Ru­bel und Goldstücke in Ansehung des Um­standes, daß so viele Lackstiefelchen verderben, fo viele Pleureusen zerstört und so viele Ka­tarrhe erworben wurden zum Besten der Ar­men. Die Anwesenheit so vieler vornehmer, schöner, eleganter und pikanter Damen brachte in das Straßenbild einen mondänen Zug, der noch dadurch verstärkt wurde, daß jeder Samm­lerin einige Gentlemen als Schutzgarde folgten. Lack und Monocles wurden dem Unwetter preisgegeben, und von den Krempen der völlig reflexloien Zhlinderhüte rieselten kleine Wasser­fälle. Die Sammlung dauerte bis in die späte Nacht hinein; selbst der nächtliche Newski-Pro- spekt schreckte die Damen nicht zurück. Das will was sagen! Aber die Kavaliere bewahrten ihre entzückenden Schutzbefohlenen vor jeder Fähr­nis. Die Kavaliere kennen sich auf dem nächt­lichen Newski aus. Sie sind über die Fährnisse trotz Lack und Monocles Wohl informiert. Der Tag hat fünfundsechzigtausend Ru­bel eingebracht. Die verdorbenen Lackstiefel, Pleureusen und Dessous werden mehr gekostet haben . . . doch was hat das zu sagen: Wohl­tun trägt Zinsen! 0. G.

Ne Politik der Lager.

Das Schicksal der Wehrvorlage«.

Aus Berlin wird uns berichtet: Wie aus Vundesratskreisen verlautet, ist es nicht beab­sichtigt, die Wehrvorlagen mit den Dek- kungsgesetzen durch ein Mantelgesetz zu verbin­den. Die Regierung hofft, daß sowohl Wehr­vorlage wie Deckungsgesetz im Reichstage die erforderliche Mehrheit finden werden, ein Montelgesctz würde der Verabschiedung der Wehrvorlagen nur Schwierigkeiten bereiten. Zu der Befürchtung, daß die Beratung der Wehrvorlagen sich bis zum Her st hinaus- ziehcn könnte, wird aus parlamentarischen 5? reisen mitgeteilt: Es sind die bürgerlichen Parteien entschlossen, die Beratungen mit allen Kräften zu fördern, zumal sich über die Forderungen keine das Schicksal der Vorlagen gefährdenden Differenzen ergeben dürften.

Das Nachofterprogramm des Landtags.

Unser parlamentarischer Mitar­beiter schreibt uns: Im Landtag ist be­absichtigt, nach Erledigung des Eisenbahnetats und der ersten Lesung des Eisenbahnanleihege­setzes zunächst in der Beratung des Kultusetats (höhere Lehranstalten) sortzufahren und zum Schluß der zweiten Etatslesung den Etat des

Ministeriums des Innern zu besprechen. Die Etatslesnügen dürften im Abgeordneten- hause erst tot ersten Drittel des Mai beendet werden könne«. Bis Pfingsten werden später nur noch kleineVorlagen und Anträge beraten werden. Die Steuergesetz: werden auf den Herbst vertagt werden, nachdem das gel­tende Provisorimn auf drei Jahre verlängert sein wird.

Der Jesuiten-Erlaß im Reichstag.

Wie uns ein Privattelegramm mel­det, wird die «ationalliberale Frak­tion des Reichstages über den Jesu­it« «erlaß der bayerischen Regierung beim Wiederzusammentritt des Reichstags eine In­terpellation einbringen, um der Reichs­regierung Gelegenheit zu geben, zu dem baye­rischen Erlaß Stellung zu nehmen Voraus­sichtlich wird sich auch der Bundesrat in seiner nächsten Sitzung mit dieser Materie be­fassen. Wie in Bundesratskreisen verlautet, soll der Reichskanzler auf dem Stand­punkte stehen, daß der bayerische Erlaß das dem Kaiser allein zustehende Recht der Aus­führung von Reichsgesetzen antastet. Man nimmt an, daß der Kanzler in Korfu vom Kaiser Anweisungen erhalten haben dürste, um diese peinliche Angelegenheit möglichst schnell aus der Welt zu schaffen.

Politische Monif.

Wie ein Telegramm aus Berlin berich­tet, wird nach der Annahme des Schiedsspru­ches des Jenaer Einigungsamtes im Streik der Herrenmaßschneider Deutschlands in Berlin die Arbeit mit dem heutigen Tage wie­der ausgenommen.

Nach einer Meldung aus Bremen ist der Lehrer S o n n e m a n n, der sich an den frü­heren Schulkämpfen hervorragend beteiligt hat, vom Amt suspendiert und ein Diszipli­narverfahren gegen ihn eingeleitet worden. Gegenstand der Klage bilden zwei Reden, die Sonnemann im vorigen Jahre in Versamm­lungen der freien Jugendorganisation gehal­ten hat.

Depeschen aus Rom zufolge ist Admiral Faravelli, der Oberbefehlshaber der Flotte, auf sein Gesuch seines Postens entho­ben worden. Admiral Viole, Kommandant des zweiten Geschwaders, wurde zum Oberbe­fehlshaber der Flotte und Admiral D' A st a Stella zum Kommandanten des zweiten Ge­schwaders ernannt.

Nach Meldungen aus Konstantinopel soll dort das Gerücht gehen, daß eine Revi­sion des Berliner Vertrages bevor­stehe, zu der Rußland die Initiative ergreifen werde. Die Revision soll angeblich auf einem Kongreß in Petersburg stattfindcn. (In Ber­liner politischen Kreisen ist davon, wie uns ein Telegramm meldet, nichts bekannt.)

Seues vom Loge.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.) ur August Bebels Tochter geisteskrank! Aus Zürich wird uns gemeldet: Die Tochter August Bebels, die Gattin des jüngst ver­storbenen Arztes Simon und selbst Aerztin, ist infolge des Todes ihres Mannes geistes­krank geworden, sodaß sie in ein Sanatorium gebracht werden mutzte. Die Aerzte hoffen je­doch, daß es sich nur um eine vorübergehende Störung der Geistestätigkeit handelt und daß Frau Simon wiederhergestellt werden kann.

«x Wieder eine Auto-Katastrophe! Ein furchtbares Autounglück ereignete sich gestern in Köln. Ein mit vier Personen besetztes Auto wollte einem aus einer Nebenstratze kommenden Radfahrer ausweichen und fuhr dabei gegen einen Gaskandelaber. Die Insassen wurden aus dem Gefährt herausgeschleudert und schwer verletzt ins Hospital geschafft. Das Auto wurde

vollständig zertrümmert. Wie weiter gemeldet wird, haben zwei der verunglückten Auto- insaffen so schwere Verletzungen davongetragen, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.

Lr Großfcuer -ruf einem Auswanderer- Bahnhof. Der Auswandererbahnhof R u h - leben vor Berlin ist gestern abend zum größ­ten Teil einem Großseuer zum Opfer gefallen. In einer Kantine brach aus bisher unbekannter Ursache ein Feuer aus, das sehr rasch um sich griff und die beiden Hauptbaracken in kurzer Zeit fast vollständig zerstörte. Zum Glück be. fanden sich in der Hauptbaracke nur etwa vier- zig Auswanderer, die in Sicherheit gebracht werden konnten.

Lr Das neueste Eisenbahn-Unglück. Bei Eberbach am Neckar in Baden in der Nähe der Station Mudau ist gestern ein Personen­zug entgleist. Die Maschine des Zuges stürzte um und fiel über den Damm. Der Pack- und der erste Personenwagen sind gleichfalls umge- stürzi. Der Heizer E g o l f ist tot, der Loko­motivführer Bender wurde schwer verbrüht. Vier Fahrgäste erlitten zum Teil erhebliche Verletzungen. Die Entgleisung wird auf Schie­nenbruch zurückqeführt.

Dämon Alkohol. In Ermstedt im Kreise Erfurt streckte ein Gendarmerie-Wacht­meister einen Knecht, der ihn im Rausch mit einem Messer angriff, mit einem Schuß in die Brust nieder. Der Knecht ist lebensgefährlich verletzt. Der Wachtmeister stellte sich selbst dem Gericht: er hatte in einer Gastwirtschaft einer Streit schlichten wollen und war hierbei vor dem Knecht angegriffen worden.

Lr Ein Opfer seines Berufs. Unter tragi­schen Umständen starb in B u d a p e st der Do­zent für Kehlkopfleiden, Dr. Baumberger. Der Verstorbene hatte vor einigen Tagen an einem Leinen Mädchen eine Kehlkopfoperation vorgenommen, wobei ihm das Kind in den Finger biß. Da es sich bei der Operation um eine infektiöse Wucherung handelte, enfftand durch die Wunde eine schwere Mutvergiftung. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe und Amputa­tion des Fingers war Dr. Baumberger nicht mehr zu retten.

Rr Die Millionen des Sonderlings. Der in Wien im Alter von siebenundachtzig Jah­ren vefftorbene Josef S p i tz b e r g e r hat fein gesamtes Vermögen im Betrage von zwei­einhalb Millionen Kronen der isra­elitischen Kultusgemeinde zur Errichtung eines Kinderspffals vermacht. Spitzberger hat in den ärmsten Verhältnissen gelebt und ging so schlecht geNeidet, daß ihm auf der Straße wie­derholt Almosen von den Passanten gegeben wurden.

rrr Wiederaufnahme der Arbeit in englische« Kohlenbergwerken. Die Differenzen mit den Maschinisten sind in den Durhamer Berg­werken beigelegt, so daß die Arbeit unverzüg­lich wieder ausgenommen werden kann. In der Collins-Green-Kohlengrube fand gestern bei der Wiederaufnahme der Arbeit ein Schacht­einsturz statt. Sechs Arbeiter wurden dabei erschlagen. Ihre Leichen konnten noch nicht ge­borgen werden.

Sos Neueste oas Assel.

Derweiße" Frühling.

Grüngolden leuchtete schon das junge Laust im schimmernden, gleißenden Licht der Früh­lingssonne, an allen Wegrainen grünte und blühte es, jubelnd stiegen die Lerchen auf aus der jungen Saat und zwitscherten droben im klaren Himmelsblau ihr Liedchen, und alles atmete mit frohem Herzen den Hauch des wie­derkehrenden Frühlings. Frohgemut zogen wir hinaus über die Berge, tief hinein in den erwachenden Wald, und konnten nicht aufhören, uns zu freuen an dem Grünen und Blühen rings um uns her. Wer dachte noch an den

Theaters in Berlin energisch betreibt. Die lebhafte Neigung des Kaisers für das franzö­sische Theater, insbesondere für die klassischen Werke, hat die Anregung zu diesem Plan ge­geben. Sobald die VorbereiMngen erledigt sind, gedenkt man, Berliner und Pariser Kunst- treife durch einen Aufruf für das Projekt zu interessieren.

TasDeutsche Theater" in Leipzig. Das Leipziger Schauspielhaus, über dessen Zu­kunft bisher noch in wetten Kreisen Unklarheit herrschte, wird, wie jetzt endgiltig beschlossen ist, unter dem NamenDeutsches Thea­ter" als Aktiengesellschaft fortgefühtt werden. Um das Interesse am Theater in weiteste Kreise zu tragen, sollen die Aktionäre ein Recht auf Freiplätz« erhalten. Die künstlerische Lei­tung des Theaters ist dem bisherigen Opern­sänger am Leipziger Stadttbeater. Albert Kunz«, übertragen worden. Als stellvertre­tender Direktor ist Herr Rudolf Christians in Berlin in Aussicht genommen.

Ein Dichter unter Spionage-Verdacht? Ein Privattelegramm meldet uns aus Prag: Wie tschechische Blätter melden, wird der jungtschechische Dichter Josef Mach feit einigen Wochen vermißt. Vor drei Wochen weilte er in Südtirol. Seither fehlen jede Nachrichten von ihm Man glaubt, daß et ent­weder verunglückt oder von den italieni- chen Grenzbehörden unter dem Verdacht der Spionage verhaftet worden ist. Alle Nach­forschungen nach dem Vermißten sind bisher er­folglos geblieben.

t£b Lina Cavalieris Ehe. Tie schöne Lina E a v a li er i, di« sich kürzlich von ihrem ersten Gemahl, dem amerikanischen Millionär Cban- l e r, scheiden ließ, geht jetzt (wie aus Paris berichtet wird) eine neue Ehe mit Herrn M u- ratore, dem Tenor der Großen Oper, ein. Ihre erste Ehe war eine Geldheirat gewesen und ging auseinander, weil es in Geldsachen zu hapern begann. Muratore aber ist ein schö­ner Mann, der alle Herzen bricht, und ihn hei­ratet Lina aus Liebe. Das toteressante Ehe­paar geht zunächst nach Amerika, um dort in einer fruchtbaren Tournee die Mitgiftzusam­men,«fingen".

Fernphotographie über fünfzehnhun­dert Kilometer. Ein neuer wichtiger Erfolg ist to der Nacht zum Dienstag von der Ber­liner Fernphotographiestation erzielt worden, unb-ztoar iS «S »um ersten Male gelungen. ein

Bild von der Reichshaupfftadt über Waris nach Monte Carlo (also über eine Entfernung von mehr als fünfzehnhundert Kilometer) te­legraphisch zu übermitteln. Hiermit ist der An­fang für einen regelmäßigen bildtelegraphischen Verkehr zwischen dm genannten beiden Plätzen gemacht. Bei dem ersten Versuch wurde das Bild des Fürsten von Monaco von der Ber­liner Station gegeben, und nach knapp fünf­zehn Minuten war es in ganz vorzüg­licher Weise von der Empfangsstation in Moni« Carlo ausgenommen.

iL Welche Stadt hat die meisten Theater? Unter allen Hauptstädten Europas besitzt Stockholm im Verhältnis zur Einwohner­zahl die weitaus meisten Theater. Es gibt dort nicht weniger als dreizehn Musentempel bei 350 000 Einwohnern. Zum Vergleich sei erwähnt, daß Christiania nur zwei The­ater bei 175 000 Einwohnern hat, während es in Kopenhagen, dessen Bevölkerung 425000 Seelen zählt, acht Musmtempel gibt. Wien mit feinen 2 200 000 Einwohnern hat nur zehn Theater. Groß-Berlin mit dreieinhalb Millionen Einwohnern hat ein­unddreißig Theater: Paris, dessen Bevölke­rung sich mit der Berlins heute ziemlich ge­nau deckt, hat dreißig Theater.

Melancholien eines Fechriger«.

Oskar Blumenthal, der Verfasser deS Weißen Rötzl", hat vor einigen Tagen feinen sechzigsten Geburtstag gefeiert. Er hat zu die­sem Tage im Berliner Verlag von Georg Stille ein BüchleinWellenbrecher" erscheinen lassen, dem wir die folgenden Epigramme und Aphorismen entnehmen:

Legt in eine Schale alle weisen Freuden des Alters, in die andre den ersten Schmerz junger Torheit . . . und fragt bann alle Philosophen der Erde, wonach sie greifen werden?

Wenn uns nur das Eine nicht fo marmor- fchwer auf der Brust läge: Daß in keinem Menschenleben die zweite Hälfte groß genug, um die Irrtümer der ersten wieder aut zu machen!

Geht mir mit der Erinnerung . . .! Sie ist eine Schmeichlerin, die uns den Laus unseres Lebens unter einem falschen Sehwinkel zeigt.

Und das E n d e vom Siebe? Ich habe nickt die geringste Ehrfurcht vor dem Alter... anr allerwenigsten vor meinem eigenen.

Feuilleton.

Zer Deutsche Sberlehrertag.

(Telegraphischer Bericht.) Dresden, 10. April.

Der Verein akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands, dem gegenwär­tig siebenunddreißig Vereine mit rund zwan- zigtgusend Mitgliedern angehören, trat gestern nachmittag im Festsaale des Evangelischen Vereinshauses in Dresden unter dem Vor­sitze des Rettors Professor Dr. Matthias zu ,seiner fünften ordentlichen Perbandstagung liufammen. Sämtliche Vereinsorganisatioucn Haben Delegierte zu der wichtigen Tagung ent­sendet, die sich unter anderem mit der Grün­dung eines Reichsschulmuseums, sowie mit wichtigen wissenschaftlichen Fragen und 'Fragen der Standesinteressen wie der freieren Gestaltung des Unterrichts, der Bedeutung der Mädchenschulreform für die akademisch gebil­deten Lehrer Deutschlands, der höheren Schule und der nationale Gedanke beschäftigen wird. Professor Dr. Matthias berichtete über die Unterrichtsabteilung der Brüsseler Weltaus­stellung". Er hob rühmend hervor, daß die Abteilung der deuffchen höheren Schulen im Wettbewerb mit den gleichen Anstalten des Auslandes und den Lehrerbildungsanstalten der Heimat ein höchst erfreuliches Bild geboten habe. Die Ausstellung habe gezeigt, wie in den gesamten deutschen Schulen der 'Gegenwart gearbeitet werde und welche Ver­dienste um eine zeitgemäße Ausgestaltung des 'Unterrichts der deutsche Oberlehrerstand habe.

Der Redner bezeichnete es als eine vorneh- -me Pflicht des Lehrerstandes, daß diese sür ^Schulmänner und Schulfreunde wichtige Sammlung erhalten werde, als Grundstock zu .einem Reichsschulmuseum, das ein Ge- ffamtbild des deutschen Unterrichtswesens ge­ben und vielleicht in Verbindung mit einer pädagogischen Akademie zugleich einer wahr­haft schulwissenschaftlichen Fortbildung des deuffchen LehrerstandeS dienen soll. Eine Shinbgebung im Sinne der Ausführungen des Redners fand einstimmige Annahme. Oberleh­rer Dr. Rofttmüller-Tresbe« begründete so- Aann ben VorstanLsbeschluß. eitlen ständigen-

Presseausschuß einzurichten, mit dem Hinweis auf die öffentlichen Angriffe, die namentlich in der jüngsten Zett von verschiede- nen Seiten in besonders scharfer Weise gegen die heutige höhere Schule gerichtet worden sind. Dieser Ausschuß soll Angriffe möglichst schnell und kräftig abwehren und in gemeinsa­mer Beratung Kundgebungen des Vercinsver- bandes vorbereiten. Der Vortragende wurde von der Vertreterversammlung beauftragt, in Verbindung mit Standesgenossen, die sich frei- willig zur Mitarbeit gemeldet haben, den Be­schluß des Vorstandes auszuführen. -er-

tti TerKongreß für Familiensorschung" in Gießen. Unter dem Vorsitz von Professor Dr. Robert Sommer-Gießen, dem Direktor der dortigen psychiatrischen Klinik, findet in diesen Tagen in Gießen der erste Kongreß für Familienforschung, Vererbungs- und Regenerationslehre statt. Dem Kongreß geht ein zweitägiger Kurs für Genealogie, Psychia­trie und Vererbungslehre voraus unter Be­rücksick *aung verwandter Erscheinungen ans der Botanik, Zoologie und Anatomie, wobei die Fragen der Regeneration und Rassenhygi- cne besonders berücksichtigt werden.

Deutschlands ältestes Gymnasium. Das älteste deutsche Gymnasium, die berühmte Thornasschule in Leipzig, wird im Sep­tember dieses Jahres die Feier ihres sieben- HundertjäHrigen Bestehens begehen. Es sind große Festlichkeiten sowie eine Fest­schrift geplant. Aus den Schülern dieser Schule ist von altersher der Thomanerchor gebildet worden, der jeden Sonnabend in der Thomas- kirche die berühmten Motetten singt.

Ein neues Drama von Strindberg. August Strindberg ist gegenwärtig mit der Nie­derschrift eines Dramas beschäftigt, dessen Motiv er bet französischen Revolution entnom­men hat. Nobespierre wird die Haupffignr des Stückes bilden. Das Werk soll noch in diesem Sommer vollendet werden und im kommenden Herbst seine Uraufführung erleben.

urtj Ein französisches Theater in Berlin. In Pariser Theaterkreisen fft davon die Rede, daß ein hervorragender ftanzösischer Publizist tot Verein mit mehreren Pariser Schauspielern, die bei verschiedenen Anlässen vor Kaiser Wilhelm gespielt haben, das Gründungs- pimekt eines ständi-Le« -5.ranzöfische«