Einzelbild herunterladen
 

^Oler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 104

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 951

Sonntag, 7. April 1912

Fernsprecher 951 und 952.

F. H.

reckt!

Wermuth) geopfert bat, und hm werden uns wohl auch mit dem Gedanken vertraut ma­chen muffen, daß die Reichspolitik der Zukunft nickt mehr von der Berliner Wilbelmstraße, sondern von München aus dirigiert werden wird, wo die Macht der Zentrnmsmbruna und

Herrn Peter Spahns Gefolgschaft als sichere Regierungstruppe für den Reichstag zu gewin­nen. Eine Kalkulation dieser Art ließe sich zur Not dem Regierungssystem des fünften Kauz, lers cinfügen, und das Bedenkliche wäre nur, daß auf diese Weise vor aller Welt demonstriert würde, wer eigentlich tot Reich der Deutschen regiert. Herr von Bethmann Hollweg hat all diese Möglichkeiten sicherlich erkannt, denn da er dem bayrischen Kollegen zuliebe seiner Osterfahrt Beginn um fast einer Woche Dauer verschoben, darf man wohl nicht annehmen, daß das Reisefieber ihn das Nächstliegende über, sehen ließ. Nun, da zu der Sorgen Menge sich noch dasbayrische Gespenst" gesellt, kann selbst der Osterglocken Heller Klang nicht das Unbehagen scheuchen, das die in allen Gliedern krankende Politik des Reichs im nationa- len Gewiffen weckt, und es bleibt nur der Wunsch übrig, daß, fern der Schwüle der Hei­mat, inmitten der Welt klassischer Kraft und Wucht der Kanzler erkennen möge, daß Epigo­nentum sich nimmermehr zu Heldengrötze

Di« (Saftetet Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal uns zwar abends. Der AbonnenientSpreiS beträgt monatlich 60 Pfg. bet freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werden jederzeit von der EeschSftSftelle ober den Boten entgegen genommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofftratze 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 bis 3 Uhr nachmittags, Sprechstunden der Auskunft-Stelle: Jeden Mittwoch und Sonnabend von « bis s Uhr abend». Berliner Vertretung: SW Friedrichftr. 16, Telephon: Amt Moritzpla, 676.

der Bayernregierung in einer starken Hand sich einen.

Vielleicht hofft Herr von Bethmann Hollweg, den bajuvarischen Leu durch kleine Zärtlichkei. ten versöhnlicher zu stimmen und auf dem nicht anm ungewöhnlichen Umweg übe: München

JnfertionSpreis«: Die fechSgefpaltene Zeile für einheimisch« Besch äste 15 Pfg., für aus­wärtige Inserate 25 Pf, Reklamezeile für einheimische Geschäft» 43 Bst, für auswärtige Geschäft« 63 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Taufend be. rechnet. Wegen ihrer dichten Berdre'.tung in der Residenz und der Umgebung sind die Taffeler Renetten Nachrichten ein vorzügliche» JnfertionSorgan. GefchäftSstelle: Kölnische Straß« 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

Sie Hochflut in Amerika.

Aeberschwemmungskatastrophe im Tal deS MiffifiPPi; Dörfer und Städte unter Wasser; neues Steigen der Finten; großer Schaden.

(Telegraphische Meldungen.)

Wie uns aus R e w y o r k berichtet wird, gestaltet sich die Lage die durch die Ueber. schwemmung des MiffifiPPi verur­sacht worden ist. von Stunde zu Stunde ernster. Mehrere Städte sind vom Waffer vollstan- big eingeschlvssen und von der Außen. Welt abgeschnitten. Das Wasser ist fortwährend im Steigen begriffen. Die Einwohner von New-Madrid haben die Stadt fluchtartig ver­lassen, in der das Wasser bereits sechs Meter hoch steht. Der durch das Austreten des MW- sippi angericbi.. - O baden ist noch nicht zu über, sehen, beläuft 'ftti) aber jedenfalls nach Mil­lionen. Wir erholten folgende Meldungen:

Newyork, 6. April.

(Privat-Telegramm.)

Neuntausend Familien sind durch die Ueber- schwemmungskatastrophe obdachlos geworden. Die Notlage nimmt immer mehr zu, da das Wasser noch fortwährend im Steigen begriffen ist. Man hegt ernste Befürchtungen für das Leben der Einwohner der von der Ueber. schwemmung betroffenen Ortschaften. Unzäh. liges Vieh, dessen Rettung nicht mehr bewerk- stelligt werden konnte, ist in den Fluten umge­kommen. Der Missisippi bedeckt jetzt eine Fläche von hundertzwanzig Quadratkilometern. Sämt. liche Eisenbahnstränge sind überschwemmt, so daß der Verkehr eingestellt werden mutzte. Die Rettunzsarbeiten werden «hierdurch außer, ordentlich erschwert, da auch die anderen Zu. gangswege in die Stadt eine einzige unge­heure Wasserfläche bilden. Nach einer Meldung aus M e m p h i s hat sich der bekannte Metereo. löge Mr. Amery dahin ausgesprochen, daß die Deiche nicht länger im Stande fein werden, dem ungeheuren Wasserdruck Widerstand zu lei­sten. Wenn die Schutzdämme nachgeben und die Fluten sich in die Stadt ergießen, so würde sich

eine entsetzliche Katastrophe ereigne«, die das Leben vieler Einwohner gefährden würde, wenn man nicht schleunigst an Rettung dächte. Er hat daher der Bevölkerung gera­ten, dieses Unglück nicht länger abzuwarten, sondern sich in Sicherheit zu bringen, da es jetzt noch Zeit sei. Aus Kairo im Staate Illinois wird berichtet, daß es den ungeheuren Anstrengungen fast der gesamten Bevölkerung gelungen ist, eine Ueberflutung der Stadt durch den Missisippi zu verhindern, doch ist sie vollständig isoliert, da sie von wei­ten Wasserflächen umgeben ist. Die Stadt Hickman in Kentucky steht vollständig unter Wasser. Im Norden der Stadt hat man übermenschliche Anstrengungen gemacht, um den Deich, der den Missisippi von der Stadt trennt, vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Wenn dieser Schutzdamm dem ungeheueren Druck des Wassers nachgibt, so wären sämt- liche Städte inTcnesee vollständig verloren. Auch in Memphis ist die Lage sehr ernst. Die Waffer sind fortwährend im Steigen begriffen und die Teiche können jeden Augenblick nachgeben.

Oster-Fahrt.

Ostern auf Korfu, Ostern dqheim.

Karfreitag-Stimmung geht durch die deut­sche Welt. Der Traum der Auferstehung ist uns fast fremd geworden; das Erwachen neuen - Lebens beschränkt sich auf Feld und Flur und das Frühling glück, dos zur Ostcrzeit gütige Engelhände in sehnende Menschenher- zen tragen, meidet unsre Erde. Es ist, als ob Bangen und Sorge die Seelen gefesselt hielten, 8 als ob der lichte Sonnenstrahl des Ostertags in den Wolkenbcrgen politischer Verdrossenheit versänke, und die Jubelhymnen neuen Werdens B_ überdröhnt würden von der Stimme dumpfen t« Grolls, die aus den Tiefen schreit. Zwar kündigt kein Sturmwölkchen am Horizont nahes Unge­witter; der Völkerfriede ist nicht bedroht von ; den Kabalen weltpolitischen Jntereflenhandels . und das Wirtschaftsleben strebt sichtlich zur Höhe: Trotzdem lastet die Stimmung des Unbehagens düster und schwer auf den Seelen, scheucht die Sorge um die Zukunft die Freude am bescheidnen Werkersolg des Tags, und guälen düstre Befürchtungen über Plan und Wegziel reichspolitischer Arbeit das nationale Gewissen.

Das alles ist nicht von ungefähr geworden, nicht emporgewachsen aus der Stimmung eines flüchtigen Erregung-Moments, sondern hat sich in natürlicher Entwicklung ergeben aus der ganzen Situation unsrer politischen Gegen­wart, die an Unsicherheit, Jdeenmangel und Inkonsequenz die unerfreuliche Vergangen­heit der letzten zwanzig Jahre weit übertrifft. Ein Jeder unter uns fühlt, daß dieser Zustand längst unerträglich ist, und wir Alle hegen den 8- Wunstb, daß des grausamen Spieles Ende nicht mehr lange auf sich warten lassen möge. Aber Wer regenschwere Apriltag, der uns die Ostern fc.' Iringen soll, küßt nicht im Frühlingglück die erwachende Erde; grau und finster ballen Wol­kenberge sich im Aether und wir gedenken mit E sehnender Wehmut andrer Ostertage, da wir über grünende Wiesen schritten und hell dem ir Lenz entgegenjauchzten. Das mürrische Spiel der Natur ist fast das getreue Spiegelbild der quälenden Dumpfheit, die auf dem politischen Empfinden der Nation lastet.

In der Stille der Karwoche hat der Kanzler sich zur Korfufahrt gerüstet, und während daheim die Osterg«locken frohe Botschaft durch die Lande jubeln, wird des leitenden Staatsman­nes Ohr aus dem Geplätscher des südlichen Meeres andre Botschaft zu erhorchen suchen. Herr von Bethmann Hollweg kommt zum Ächilleion als huldvoll geladner Ostergast, und wenn auf der weiten Terrasse des Märchen­schlosses am Meer des Frühlings laue Lüfte wie Heimatzrüße des Glücks um seine Schläfen streichen, wenn abends im Zauberglanz des eleftrisch funkelnden Lichtmeers des Alltags Plage vor trunknen Augen wie Bettlerlast ent, schwindet, dann mag er vielleicht vergessen, wie düster sich der' Heimat Bild von diesem Märchen-Eden abhebt, und wie schroff in eines Kanzlers Dasein sich Pflicht und Freude schei­den. Niemand wird dem Manne, der nun fast drei Jahre des Kanzleramtes Bürde trägt, das Osterglück tot Süden neiden; wir Alle hoffen, daß der Anblick der machtvoll webenden und kämpfenden Natur, das Atmen in der Luft fc klassischen Heldentums den Kanzler zu den Gipfeln der Begeisterung emportragen, und ihn |U Gigantenwerken erstarken lassen möge. Und wir haben nur den bescheidnen Wunsch gehegt, daß er auch uns ein helleres Ostern gönnen möchte.

Am Vorabend seiner Ostrrsahrt hat Herr von Bethmann Hollweg in der norddeutsch- allgemein üblichen Art feierlich Protest er­hoben gegen eine Antastung der kaiser­lichen Ho«heitsrechte durch den zum Mi­nisterpräsidenten in Bayern erholmen ehemali­gen Bonner Universitäts.Professor und Goer. res . Gesellschaft - Präsidenten Frriherrn von Hertling in der Frage des Jesuiten­gesetzes. Es war nicht nur das Recht, son­dern die Pflicht des Kanzlers, gegen diesen Uebergriff einer bundesstaatlichen Regierung Stellung zu nehmen, und man würde die Kund, machung der Norddeutschen Allgemeinen Zei­tung auch mit ungemindertem Wohlgefallen vernommen haben, wenn ihr nicht auf dem Fuße die Post aus München gefolgt wäre, nach der sich der ganze Handel fast ausnimmt wie ein abgekartetes Spiel, dessen Einsatz nicht schwer zu erkennen ist. Wir wissen, daß Herr von Bethmann Lollwez dem neuen Kölle, gen aus Bayerland in der Berliner Minister. Konferenz widerspruchslos das E rb schäft s- steuervroiekt (und mit ihm Lorrn Adolph

Sie Lage ist verzweifelt!

Ein Newyorker Telegramm von heut« früh berichtet uns: Ter Missisippi hat an vie­len Stellen die Dämme durchbrochen, fünf amerikanische Staaten find g e- fährdet. Wenn das Wasser noch zwan­zig Zentimeter steigt, werden eine Viertel- Million Menschen heimatlos sein.

'dit

dm jungen

Duftweckend

dürren laufe

Tons den

Stimme

Der

H: Lhrist ist erstanden

Zimts aus ur And wird an

$s ihr bedauert, junger

und Sonne wagten seht, kehrt wieder!

; den Mütmstaub m iaht es blitzen;

ueist dich hin wo. Veilchen stehen st mit zartem lkrokusfelatt, an der Lylla blauem Söckchen,

Von sel'gen lkinderlippm kund: Sen blinder Hatz einst schlug in Landen

Glockmmund, Weihter Stätte

ld neue ihoffnung nutzt es i dm Vergrämten und Ve r ob des Winters Angem

Wohl rerrt'r Der Lichen; Lockt es an

wingt voll Lust an Glöckners Statt feierfreudig Lrühlingsgiückchm!

wird es grün in jflur und i wogt ein warmes, weicher

Kracht ersteht jRatur! wettern muntre Lercheniieder die lemberauschte flur!