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CMerNeuch Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 103. Fernsprecher 9S1 und 952. Freitag, 5» April 1912. Fernsprecher 951 mW 952. 2. Jahrgang.

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Der Tas der Einkehr.

Teutsch-politischc Karfreitag-Gedanken.

Aus Berlin wird «ms de­peschiert: Der Reichskanzler von Dethmann- Hollweg hat gestern abend 10,30 Ahr in Begleitung feines Adjutanten, Oberleutnants Freiherrn von Sell seine Oster- reise nach Korfu angetreten. Der Kanzler des Reichs, deffen Herr­schaftszeit sich nun bald zum drittenmale jährt, gehört zu den glücklichen Leuten, denen alle Dinge zum Besten dienen. Der Hereinbruch der roten Flut hat feine fröhliche Zuversicht auf die Allheilkrast feiner Regierungsmethode nickt mindern, »Freitag der Zwölfte" seine staats- männisch« Sicherheit nicht erschüttern können. Und obwohl zwei erprobte Minister seinem glückhaften Schiff entflohen: DieHomogeni­tät" des Bethmann-Kabinetts blieb, ein Fels im Meer, unberührt vom Wellenschlag des Zorns. Ein Weilchen nur schien's, als dunkle sein flimmernder Stern über den Tristen von Hohenfinow; das Krffengestüster war zu ein- dringlich, um aus freier Erfindung geboren zu sein, und es ist wohl nicht ganz unzutreffend, wenn In der Wilhelmstraßen-Sphäre die Ein­geweihten flüstern, der fünfte Kanzler sei in des Winters letzten Lagen vom Arm des Schick­sals gestreift worden, und harre nur noch des WinkS, der ihn hinabrufe zum Tal. Wie Dem nun auch sei: Herr von Bethmann Holl­weg ist ein Philosoph, deffen grübelnder Geist weit über den Niederungen der Sorge zu fernen Höhen strebt, und «S wird ihm also, wenn eines Tags Herr Valentlni über seines Hauses Schwelle tritt, des Schicksals Rus nicht über, raschen. In der Stille der Karwoche hat der Kanzler sich zur Fahrt gen Korfu gerüstet. Vielleicht erhofft er, am blauen Meer im. den auch seines Kanzlertums Ostern, sei- ner Sehnsucht neue Auferstehung zu erspähen, und von der Fahrt im Ostermond heimzukehren wie Einer, der seiner Seele Seligkeit nach lan­ger Zweifelsnacht errang.

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Wir alle, die wir den muntern Tanz der Er­eignisse mit dem Interesse wohltuend angereg­ter Zuschauer verfolgen, fühlen weder Zorn noch Groll gegen einen Mann int Herzen, der die klaffendsten Abgründe politischer Inkonse­quenz in feierlicher Umständlichkeit mit einem Blättchen offiziösen Papiers überdeckt, und den Volksgenossen dann, gütig lächelnd, erklärt, nie habe das Unheil am Weg gelauert. Wir finden nur, daß diese Methode, Abgründe zu über, brücken, nicht recht weis« ist, weil die Macht der Verhältnisse schließlich doch stärker ist, als das Stückchen Holzpapier, das Ta-g um Taz in die Berliner Wilhelmstraße für die Kundmachungen offiziöser Schriftgelehrten präpariert wird. Die Dementier-Maschine hat in den ersten beiden Frühlingwochen mit beängstigendem Kraftauf­wand gearbeitet: Es ist uns versichert worden, die aus dem Munde eines bundesstaatlichen Ministers stammenden Mitteilungen über die feierliche Totschweigung der Erb- s ch a f t s st e u e r in der Berliner Minister-Kon­ferenz seien dem Reich der Fabel entronnen (und aus Braunschweig kam auf das Berliner Dementi prompt die Antwort:Do, wie berich­tet, ist's geschehen. Kein Mensch sprach int Berliner Ministerkonseil von Erbschaftssteuer!") und man hat mit unhöflichen Worten über den Ozean gerufen, des Obersten GothaelS Erzäh­lungen über die Aeußerungen des Kaisers zur Panamakanal.Befestigung beruhten auf freier Erfindung. Amerika lacht; ein in drei Weltteilen als Autorität geschätzter Inge, nieur, der des Deutschen Kaisers Gastfreund, schäft genoffen, wird von der ungelenken Zunge deutsch-osfiziöser ZionSwächter als Lügner ge- brandmarckt und des Kaisers Majestät in die Arena des Gazettenkampfs gezerrt. Ist deutsche Weltgeschichte" s o billig und s o schlecht geworden? *

Wenn die Zeit der Ostern heraufdämmert, wenn der Hauch verjüngten Auferstehens die schlafende Erde küßt und des Frühlings blonde Engel das Glück in sehnende Menscheicherzen tragen, zittern wir in der Furcht vor dem großen Sterben", Las wie eine Epide­mie seine Opfer heischt und Jahr um Jahr feinen düstern Weg mit Leichen deckt: In den letzten acht Tagen betrauerten verzweifelnde ELeern vierzehn Opfer der Zensur! Bierzehnjährize griffen zum Revolver, weil ihre Hoffnung auf Versetzung sich nicht erfüllte; zwölfjährig« Knaben suchten in der Schlinge des Todes Rettung vor einem Brandmal, das ihnen schrecklicher schien als die Opferung jun­gen Lebens. Und in jedem Jahr schwillt die rzahl der Opfer höher an. hält der Tod reichere

Ernte, und wir stehen erschüttert und verzwei­felnd vor einem düstern Rätsel der Jugendseele, dessen Entschleierung wohl nicht auf pädagogi- schem, sondern auf psychologischem und sozialen Gebiet zu suchen ist. Als die Tragödien der Jugend" zur regelmäßig wie. verkehrenden Welle des Verhängnisses wurden, hat die Schule harte Angriffe über sich ergehen lassen müssen, und man war geneigt, das S Y - ft ent unsrer Jugendbildung für die erschrecken­de Zunahme der Schülertragödien verautwort- litb zu machen. Die Humanität rief nachEnt­lastung" der Jugend, nach der Beifreiung der in der körperlichen Entwicklung begriffnen Ge neration vomJock des Zwangs" und der Ju-zendbildung in Freiheit und Ratnr". Alle diese Forderungen mögen ihre innere Berech­tigung haben: Mit den Katastrophen jugend­licher Verzweiflung haben sie indessen nichts zu tun, denn die Schule ist für diese Krankheits­erscheinungen der Jugendpshche nicht verant­wortlich zu machen, und wenn reformiert und gebessert werden soll, muß damit auf einem andern Gebiet begonnen werden.

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Wir sprechen vonSchüler-Tragödien" und vonOpfern der Zensur". Und tun unrecht dar­an: Denn wir müßten von den Tragödien der Verblendung und den Opfern falscher Eltern-Eitelkeit sprechen. Die Vierzehn, die aus Sckam oder Verzweif­lung ihr junges Leben endeten, vielleicht in der Furcht, den Eltern eine Enttäuschung bereiten zu müssen: Sie wecken unser tiefstes Mitleid, denn es spricht eine Art Heroismus aus diesen Verzweiflungstaten, der lieber das eigne Sein opfern, als ein Dasein ertragen mag, das ihm bemakelt dünkt.Weil er nicht ver. setzt w o rd en w a r": Die sechs Worte sind das Trau er geleit der armen Opfer; sie lassen uns ahnen, welche furchtbaren Kämpfe Seele und Htm der Unglücklichen gemartert ha­ben, als sie am Kreuzweg zwischen Tod und Leben standen. Mau kann es ihnen nachempfin­den, wie ihre Herzen sich zusammengekrampft haben in der niederschmetternden Erkenntnis, normalen Aufgaben nicht gewacksen zu sein und stolze Hoffnungen in düstre Enttäuschung verwandelt zu haben. Vielleicht wären die armen Jungen, die in den letzten Tagen grünenden Frühlings aus dem Leben flohen, als Hand- Werker, Gewerbetreibende und Bür- ger in bescheidnem Wirkungskreis nützliche unh schaffensfrohe Mitglieder der menschlichen Ge. sellschaft geworden, wenn Ehrgeiz oder Eitel­keit der Eltern sie nichtzu Höherm" be. stimmt hätte! Die bedauerliche Sucht unsrer Zeit, imBfldungsdünkel" alle sozialen Ge­setze umzuwerten, fordert täglich neue Opfer, und die furchtbarste Sühne dieser Sünde sind dieTragödien der Jugend", die Schüler- Selbstmorde, die wir wie eine Krankheit s- ersckeinung unsrer Zeit betrauern: Opfer der Schwäche, verschuldet durch schnöde Eitelkeit und verhängnisvollen Ehrgeiz! F. H.

Dauert der MesensLrerk fort?

Die Streikmehrheit gegen den Frieden.

(Privat-Telegram m.)

London, 4. April.

Die Unzufriedenheit unter den Bergleuten scheint dock eine größere zu sein, als man anfänglich angenommen hatte. Biele Distrikte haben gegen eine Wiederaufnahme der Arbeit gestimmt. Obgleich vollständige Re­sultate dock nickt vorliegen. beweisen die bis­herigen Ergebniffe der Abstimmungen, daß sick die Hälfte der Bergleute für eine Fortsetzung des Kampfes entschieden bat. bis Minimallöhne für die einzelnen Di­strikte festgesetzt sind. Es hat auck heute den Anschein, als ob der Koblenkrieg kein so frieb. lickes Ende nehmen wird, wie man erwartet batte. Viel wird von der heute zu fassenden Entscheidung des Ausschusses der Bergar­beiterföderation abhängen. Man hofft luversicktlick, daß die Führer trotz des widrigen Resultats den Streik für beendet erklären wer. den. Ob die Bergleute aber ihren Führern gehorchen werden, wird bezweifelt. Pre­mierminister Asquith ist allerdings der lieber« zeuguno. daß das Geiamtresultat der Abstim­mung ibn die Mackt geben werde, die Arbeiter zur Arbeit zurückzuführen.

Reue blutige Streik-Krawalle!

Ein weiteres Privat-Tekegramm aus London meldet uns: In Schottland und Wales fanden gestern wieder große Streik­krawalle statt. Bei der Gleueraing-Grube zu Bise kam e6 zu Ruhestörungen. Ein Haufe von zweitausend Männer und Fronen rottete sich zusammen, um eine Anzahl Arbeitswillige zur Einstellung der Arbeit zu zwingen. Fünf- zig Polizisten eilten herbei und versuchten, den Mob zu zerstreuen, wobei es zu ernsten Kämpfen kam. Auch *u Sowhill bei Pontv-

pool fanden Ausschreitungen seitens der Streikenden statt. Die Häuser von Arbeitern, die des Streikbruchs beschuldigt werden, wur­den angegriffen und etwa dreißig Woh­nungen demoliert. Eine Anzahl Per­sonen trug schwere Verletzungen davon.

Immer neue Mtsel.

Kanzler, Bayern und Jefuitengeseß.

Gestern abend brachte die Norddeutsche Allge­meine Zeitung eine offiziöse Kund­machung bezüglich der in Bayern geplanten neuen Handhabung des Iesuiten - Ge­setz e s. Es hieß darin:Rach Mitteilungen der Presse erließ die bayerische Regierung neuerlich Bestimmungen über die Handhabung des Paragraphen eins des Jesuitengesetzes. In einem Teil der Presse wird daran die Behaup­tung geknüpft, daß diese Bestimmungen mit dem Sinn des Reichsgesetzes und der dazu er­gangenen Beschlüsse des Bundesrates in Wi­derspruch ständen. Ob das der Fall ist oder nicht, wird Gegenstand der Prüfung für d i e - jenigeStelle sein müssen, welche verfas­sungsmäßig zur Ueberwachung der Aus­führung der Reichsgesetze berufen ist." Das ist einigermaßen deutlich; umso seltsamer klingt, was soeben aus München über die Vorgeschichte des neuen Jesuitengesetz-Erlaffes berichtet wird. Wir erhalten darüber folgende Mitteilungen:

München, 4. April.

(Privat-Telegram m.)

Von hervorragender politischer Seite wird mitgeteilt, daß der geheime Erlaß zugunsten des Jesuitengesetzes vorher dem Reichs- kan zler bezw. dem Bundesrat Vorge­legen habe, und in Respektierung des Grund- satzes, daß die Ueberwachung der Ausführung bei ReichSgeseyes nicht dem Bundesrat, son­dern dem Kaiser zustehe, sei es zweiseflos, daß der Reichskanzler dem Kaiser über die Absicht der bayerischen Regierung, die Lücken des Jesuitengesetzes auszuMcn. Vortrag ge­halten hat. Im Uebrigen fei konstatiert, daß vordenReichstagswahlen dem Ober« Präsidenten vom preußischen Ressort-Minister mündlich empfohlen worden ist, gegenüber der Tätigkeit der Jesuiten

eine versöhnliche Handhabung des Gesetzes auch für die Zukunft zu be« obachten und eine Dersckärfung der heutigen Praxis nach Tunlichkeit überall zu v e r m e i - den. Diese Mitteilung an den preußischen Oberpräsidenten ist aus Anordnung des Reichskanzlers, also mit Genehmi­gung deS Kaisers, fünf Wochen vor den Reichstagswahlen geschaffen und später schrift­lich herauSgegeben worden. Dieser Vorgang hat dazu beigetragen, daß der neue bayrische Jesuitenerlaß jetzt nack den Wahlen in den größten katholischen Staaten des Deuffchen Reiches erlassen worden ist. Man kann sogar sagen, daß die Mitteilung des Reichskanzlers erst den Anstoß zu dem bayrischen Erlaß ge­geben hat.

Berlin und München.

Tie Mitteilungen aus München über die Vorgeschichte des bavriscken Erlasses (fingen, kritisck betrachtet, reckt rätselhaft; zum minde­sten scheint diebayrische Interpretation" des Kanzlererlasses an die preußischen Oberpräsi­denten zu eigentümlichen Folgerungen gelangt tu sein. Das religiöse Moment scheidet hierbei gänzlich aus, denn man kann nicht im Unklaren darüber sein, daß das Jesuitengesetz längst als Härte empfunden wird. Aber es handelt sick hier um ein noch in Rechtskraft be­findliches Reichsgesetz, und der Wille dieses Gesetzes muß respektiert werden. Rach Artikel siebzehn der ReichSverfassung stebi dem Kaiser die Ueberwachung der Ausfüh­rung der Reichsgesetze zu, und der Reichskanzler ist gegen den Versuch der neuen bayrischen Re­gierung, des Kaisers verfassungsmäßige Reckte zu schmälern, durch feine (oben mitgeteilte) Er­klärung in der Norddeutschen Allgemeinen Zei­tung eingeschritten. Worauf München er« klärt, der K anzler erst habe Bayern zu sei­nem Vorgehen ermuntert. Wer wird nun die Lösung dieses Rätsels finden. . .? -an.

Frankreichs UnslMs-Marine.

Ein neuer Marineflandal in Sicht?

(Privat-Telegram m.)

Paris, 4. April.

Im Marineamt demenfiert man entschieden das Gerücht, wonach die Panzerschiffe Vol­taire, Danton, Condorey und Di­derot in den Hafen von Toulon eingelaufen seien, um ihre Vorräte an Pulver auszuladen, da neue Schwierigkeiten mit dieser Art Sprengstoff befürchtet werben. Taffache sei, daß diese Schiffe auf der Reede von Toulon wegen des Sturmes Mannöver nickt haben ausiübren können. Es wird, iedoch in Marine­

kreisen versichert, daß tatsächlich neue Mäu­gel an diesem Pulver, das das Datum von 1908 trägt, festgestellt worden sind. Die Presse verlangt sehr energisch Aufklärung des Vor falls.

Notizen vom Zage.

Das Kronprinzenpalais am Jungfernsee.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 4. April.

Nachdem sich herausgestellt hat, daß das Marmorpalais in Potsdam für die kron- prinzliche Hofhaltung nicht genügt, und auch Um- und Anbauten den Zweck nicht mehr erfüllen würden, hat man sich an maß- gebenben Stellen entschlossen, einen Neubau am Jungfernsee im Neuen Garten bei Potsbam zu errichten. Die Lage ist vom Ärott« Prinzen selbst gewünscht worden. Es wurden sechs Baupläne von Professor Schulze- Naumburg, dem bekannten Begründer der Saalecker Werkstätten, angefertigt, von denen nunmehr einer, der im Stil des altengli« scheuLandhauses gehalten ist, die Geneh­migung des Kaisers erhalten hat. Das neue Palais soll bis zum Frühjahr übernächsten Jahres bezugsfertig sein.

Winzer-Attentate im Rhringan.

(Privat-Telegram m.)

Rüdesheim, 4. April.

Die Winzerbewegung im Rbeiugau macht sich in Zerstörungsakten Luft. Nackdem bereits in den letzten Märztagen in einem Weinberg der Rüdesheimer Gemarkung zwei­hundertfünfzig Stöcke mutwillig zerstört und ab­gebrochen waren, sind in der Nacht zum Mitt­woch in derselben Gemarkung sechzig Reben abgebrochen und in der nächsten Nackt im Be­zirk Eibinaen stebenhundertfünfzig Weinstöcke glatt abgeichnitten und teilweise mit der Wur­zel abgerissen worden. Die Weinbergbesttzer im Rheingau sind nun, um dem Zerstörungswerke Einhalt zu tun, bei der Regierung in Wies­baden vorstellig geworden, die Gendarmen in Rüdesheim und Eibingen sofort zu verstär­ken oder durch Militärpatrouillen ihr Eigentum schützen zu lassen.

$06 Bombenschiff der Anarchisten.

(Privat-Telegram m.)

Konstantinopel, 4. April.

- Die türkische Hafenpolizei hat gestern eine Barke mit zwei großen Paketen Dynamit und neun Bomben beschlagnahmt, die mit einem griechischen Schiff aus Varna im Hafen von Konstantinopel eingetroffen war. Die beiden Insassen der Barke, ein B u l g a r c .der russischer Untertan ist, und ein armenischer Anarchist, der bulgarischer Untertan ist, wurden verhaftet. Sie hatten die Sprengstoffk aus ein anderes Schiff transportieren wollen, mit dem sie dann wahrscheinlich nach Stambul gebracht werden sollten. Die Untersuchung soll ergeben haben, daß die Sprengstoffe von dem mazedonisch-bulgarischen Ko­mitee abgeschickt worden waren. Die Polizei fabnbet nach Mitschuldigen der beiden Ver­hafteten.

Sie Machen von Paris. Einer der Pariser Bankräuber verhaftet! (Von unfernt Korrespondenten.)

Aus Pari« wird uns berichtet: Einer der Rädelsführer der Automobil- Verbrecher von Chantilly, der Anar - chistCarrouy, wurde gestern abend in dem Ort Lezsre im Seine-Departe- ment verhaftet. Carrouy war im Begriff, abzureifen. Er wurde, ehe er - sich zur Wehr setzen konnte, festgenom­men. Man sand bei ihm zwei gela­dene Revolver und ein Gift- släschchen. Im Bureau der Sicher« heitspolizei wurde Carrouy als wie­derholt vorbestrafter Verbre­cher erkannt. Er erklärte, den Aufent­halt seiner Spießgesellen Garnier und Bonnet nicht zu kennen. Bei einem zweiten Verhör in später Nachtstunde gestand Carrouy ein, mit Bonnet und Garnier zusammen die j ü n g ften Raubmorde verübt zu haben. Der Apacke, der Schrecken des modernen Paris, lebt auf der Straße, er stirbt auch meist auf der Straße; er wird sogar manchmal auf der Straße geboren. Von seinen Eltern weiß er in der Regel nichts, da seine Eltern auch nichts von ihm wissen. In Paris herrscht zwar, wie in ganz Frankreich, seit etwa dreißig Jahren allgemeiner Schulzwang. Da der Apachenknabe aber als Kind der Wildnis ein Feind der Gesetze ist, besucht er die Schule grundsätzlich nicht. Er lernt daher auch die französische Sprache nur wenig kennen. Sein Idiom ist das Argot. Da niemand sich di« Mühe gegeben hat, ihm einen Namen beizu­legen, schafft er sich selbst einen Namen durch setne Heldentaten. DerTiger von Belleville", Bibi von Mont Parnaffe", derSchrecken von Sebasto" und ähnliche romantische Titel finden