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Wseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 162.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 4. April 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Hessen an die Front!

Die deutschen Städtespenden für Flugzeuge.

Als wir in der vorigen Woche mit unserm Aufruf zur Sammlung für ein Militär- slugzeugKurhessen" vor die Bürger- schaft der Residenzstadt Cassel und das hessische Volk traten, sagten wir:Das deutsche Gewissen ist erwacht!" Und es scheint wirklich, daß die Erkenntnis nationaler Pflicht das ganze derrtsche Volk, Reich und Arm, Hoch und Niedrig, Alt und Jung, erfaßt hat. Im Osten und Westen des Reichs, nordwärts und südlich des Mains wetteifert vaterländischer Opfermut und deutsche Volksbegeisterung im Dienst der nationalen Idee, und man darf es getrost ein Erwachen deutschen Gewissens nennen, daß in allen Gauen des Vaterlands der Gedanke, die deutsche Wehrkraft in der Lust wit der Kraft des Volksvermögens zu beleben, tatkräftige Unterstützung und vorur- teilfteie Würdigung gefunden hat. Daß die deutschen Städte in dem Bestreben, vater­ländische Arbeit zu leisten, der Nation mit leuchtendem Beispiel vorangegangen, gereicht ihnen zur Ehre; sie sind es gewesen, die der Bewegung erst Form und Gestatt gegeben und ihre praktische Durchführung ermöglicht haben.

Es war die Pflicht der deutschen Presse, auch ihre Kraft in den Dienst der nationalen Sache zu stellen, und neben den Städten ist es ja grade die Presse gewe­sen, die den Gedanken einer deutschen Volks- sammlung für die Wehrkraft des Reichs in der Luft popularisiert und fruchtbar gemacht hat. Hunderttausende von Mark sind durch die Sammlungen deutscher Zeitungen bereits auf­gebracht; Hunderttausend« werden noch auf dem Altar des Vaterlands geopfert werden: Ein glänzendes Ehrenzeugnis deutschen Opfer­muts. das in unsrer Zett der Patteienkämpfe Und des Egoismus, der pottttschen Leiden- fchasten und der Reichsverdrossenheit doppett hoch zu wetten ist. Als die Sammlungen begannen, begegnete ihnen an der nächsten Wegecke bereits der Pessimismus der Schwarz­seher, die in derVerpflanzung gallischer Be­geisterung" ins Vaterland der Dichter und Denker Gefahr wtttetten und mit fpöttischem Lächeln die Mühe im Dienst des Vaterlandes höhnten.

Der gesunde Geist der Natton, der gute Kern im deutschen Vottsempfinden hat die Spötter beschämt: In einer einzigen Stadt im Reich, in Leipzig, haben die Sammlungen der Presse bisher schon den Bettag von wett über sünfundfünfzigtausend Mark ergeben. Und noch ist der Born nationalen Opfermuts nicht versiegt: Leipzig, das durch seine Bürgerschaft bereits mehr als die Kosten der Erbauung zweier MUttärluftschissc auf­gebracht hat, sammelt und spendet weiter und teiib am Ostettag voraussichtlich als erjfe Stadt im Deutschen Reich die Mittel für drei deutsche Milttärluftschifle bereit haben. Und das war möglich in einem Land, das noch vor nicht langer Zeit dasrote Königreich" hieß; wurde zuwegegebracht von einer Bevöl­kerung, die zum wettaus größten Teil d.em bet^eidnen Mittelstand und der arbeitenden Klasse angehött. Jst's zuviel gesagt, wenn man angesichts dieses Opfermuts von einem Erwachen des deutschen Gewissens spttcht?

Unter den in Leipzig gesammelten Geldern befinden sich Spenden von Dienstmädchen, Settanern, Uhrmacherlehrlingen, voneinem Bauernjungen", von Tanzkränzchen, Pikkolos und Tagelöhnern. Sechs Geschwister einer Familie, die noch die Schule besuchen, haben je eine Mark gestiftet! Sind alle diese Regungen frohen Opfermuts nicht ein herzerfreuendes Zeichen deutschen Nationalempfindens; spricht aus ihnen nicht deuüich und auftichtig der entschlossene Wille, der Sache des Vaterlands zu dienen und den Reichsgedanken zu fördern? Der Prüfstein wahrer Vaterlandsliebe ist immer der nationale Opfermut. Sei's in Hellen oder dunklen Tagen, in Kriegsgefahr oder unter der Hui des Friedens: Die Opfer­freudigkeit eines Volks wird immer der treue Spiegel des Empfindens, der untrüg­liche Gradmesser wirklich vaterländischer Stim­mung sein. Und wir dürfen in dem stattlichen Ergebnis der lediglich durch die Kraft der Volksgemeinschaft verwirttichten Rational­sammlung für Deutschlands Kriegsluftflotte den erfteuenden Beweis erblicken, daß die hundett Jahre, die seit der großen Zeit der deutschen Volkserhebung verflossen, die Kraft des Nationalempfindens nicht gemindert haben.

In der Geschäftsstelle der Casseler Neuesten Nachttchten erschienen gestern zwei Knaben, die für die Sammlung zur Erbauung eines MilitärflugzeugsKurHessen" den Inhalt ihrer Sparbüchse, sroansia Kupserpfen-

nige, opferten. Die beiden Kleinen gaben ihren ganzen Besitz, um, werdende Glieder eines großen Volks, auch ihrerseits nach dem Vermö­gen jugendlicher Kraft für die Sache des Va­terlands zu wirken. Die zwanzig Kupfer­pfennige der beiden Knaben erscheinen mir wertvoller, als die Tausendmarknote des Ileber- flusses: Sie wurden gespendet fürs Vaterland aus dem unbewußt im Herzen schlummernden Drang, der Nation, dem Reich und dem Volk ein Opfer zu bringen; miizustteiien für eine große vaterländische Idee, bereit werbende Kraft selbst die Herzen der Jugend entflammt! Als Deutschlands Volk in nationaler Begeiste­rung zusammenttat, um den Schicksalschlag des Echterdinger Zeppelin-Dramas zu mildern, pochte das Menschlichkeitsgewifsen an die Herzen. Heut handelt es sich um Grö­ßeres, Wichtigeres: Das deutsche Gewis­sen mahnt Deutschlands Volk! Und wir hoffen, daß Casfels Bürgerschaft und Hessens Volk diese Mahnung würdi­gen werden. Das MilitärflugzeugKurheffen" soll das Werk hessischen Bürgersinnö, der Preis hessischen Opfermuts fein! F.H.

ZeutschlMds Heeresverstarkrmg.

Die Wehrvorlagen und die Kostendeckung.

Wie offiziös bekanntgegeben wird, ist der Bundesrat zu einem Einverständnis auch über die D e ck u n g 8 v o r l a g e für die neuen Wehrforderungen gelangt. Der hiernach aufzustellende Gesetzentwurf zur Abänderung der Konttngentsbestim- mungen des Branntweinsteuergesetzes wird binnen kurzem seine formale Ausgestaltung erhalten. Es ist mit Sicherheit zu erwar­ten, daß er dem Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt nach Ostern gleichzei­tig mit den Wehrvorlagen zugehen wird. Heber die mit der Heeresverstärkung gleich- zeittg geplante Erhöhung der Mann- schaftStöbne verlauten von unterrichteter j Sette folgende Einzelheiten: Die in die Wehr­vorlage aufgenommene Erhöhung des täglichen Mannschaftslohnes von zweiundzwan­zig auf dreißig Pfennige bedeutet für den Armeehaushaltsplan allerdings eine sehr erheb­liche Belastung. Die Erwägung aber, die die Heeresverwaltung zu diesem Schtttte veran­laßte, war so schwerwiegender Natur, daß eine weitere Zurückstellung des schon lange gehegten Planes durchaus untunlich ettchieu. Seit drei Jahrzehnten ist der Sold der Mannschaft der­selbe geblieben, wenn auch den Verpflegungs­geldern mit dem allmählichen Steigen der Le­bensmittelpreise eine stufenweise Erhöhung zu­teil wurde. Die in bar zu zahlende Löhnung hat sich in der langen Zett nicht verändett, so daß bei der allgemeinen Vetteuerung eine Ver­besserung der Lage unserer Soldaten nicht länger zurückgestellt werden konnte. Man hat an dieser geplanten Verbesserung der Lage Kritik geübt und unter anderm den Vorschlag gemacht, die für den Zweck ausgeworfenen Mil­lionen bei dem Ernst der allgemeinen politischen Lage doch lieber der Heeres- vermehrung selbst zukommen zu lassen. Diese Ansicht mag vom rein prakttschen Standpunkte aus ihre Berechtigung haben,

sozial ist ste nicht annehmbar.' Schon regt sich derVorwärts" und möchte für die Sozialdemokratie das Verdienst in Anspruch nehmen, die Erhöhung des Mannschaftssoldes durch ihr fortgesetztes Drängen sozusagen er­zwungen zu haben. Dieser Verdrehung der Tatsachen kann nicht entschieden genug gegen­übergetreten werden. Schon seit Jahren trägt sich die Regierunaernstlich mit dem Plane der Auffrischung der Mannschaftslöhne, jedoch hatte die verfahrene pekuniäre Lage bisher stets einen Querstrich gemacht, und da zur Durchfüh­rung der beabsichttgten Heeresvermehrung doch zu neuen Steuern gegriffen werden muß, ist der Zeitpunkt gekommen, auch die Frage der Mannscbastsköbne, die so lange ntben mußte, aufzurollen, und der Satz von achtPfennig proTag Mehrzahlung erscheint den heu­tigen Verhältnissen durchaus zu entsprechen. Mit einer geringeren Erhöhung würde man kaum irgend eine nennenswerte Verbesserung erzielen, und die Notwendigkeit, schon in aller­nächster Zeit abermals mit neuenVerbesserungs- vorschlägen hervorzutreten, müßte die unaus­bleibliche Folge sein. Die Regierung legt den allergrößten Wett darauf, daß gerade die - s e r Teil ihres Programmes im Reichstage zur Annahme gelangt. Es dürfte sich auch wohl kaum eine Patteigruppierung finden, die dem Plane ungünstig gegenüber stände.

Sie netten Garnisonen.

Wie uns ein Privattelegramm aus Berlin berichtet, stehen zwar die Garnisonen für Vie Neusormationen des Heeres end- giltig noch nicht fest, jedoch wird Straß­burg im Elsaß voraussichtlich der Ort der neuen Armee-Inspektion werden. Das Gene­ralkommando des zwanzigsten Korps kommt sicher nach Allenstein. Die stebenunddrei- ßigste Division bleibt in Allenstein. Die ein- undvierziaste Division soll als Sitz Deutsch­

E Y l a u erhalten. Das «inundzwanzigste Korps, das durch seine Bildung Verschiebungen inner­halb des bestehenden Grenzkorps Hervorrufen wird, kommt mit seinem Stabe und einem Di- vistonsstabe (wie wir bereits mitteilenskonnten) wahrscheinlich nach Saarbrücken,.'wo be­reits alle darauf bezüglichen SSorbcrrihtngcn getroffen werden.

Die Mematlomle Streikwelle.

Friedensschluß im Schneidergewerbe.

Es ist nun doch nach langwierigen Verhand­lungen gelungen, die Differenzen im deutschen Schneidergewerbe beizulegen. Aller­dings ist es nicht mehr möglich gewesen, die Wiederaufnahme der Arbeit noch vor den Osterfeiertagen herbeizuführen, da die Arbeit erst nach den Feiertagen wieder ausgenommen werden soll. Der durch den Sttett eittstaudene Schaden ist also immerhin sehr erheblich. Heber die letzten Verhandlungen, die zur Einigung führten, wird uns berichtet:

Jena, 3. April.

(Privat-Telegramm.)

Die neuen Einigungsverhandlun­gen im Schneidergewerbe wurden gestern in den späten Abendstunden fottgesetzt. Nach teil­weise recht lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der beiden Parteien kam es zur Annahme eines Vermittlungs­vorschlages, nach dem die Wiederauf­nahme der Arbeit spätestens am Diens­tag nach Ostern erfolgen soll. Im Hebrigen wird über den Verlauf der Verhandlungen Stillschweigen bewahrt. Ferner wird uns aus Halle a. S. berichtet: Dreihundert hiesige Schneider beschlossen unter Verwer­fung des Frankfurter Einigungsbeschlusses, den Streik fortzuführen, bis die Tarife neu geregelt sein werden.

Der böhmische Streik beendet!

(Privat-Telegramm.)

Prag, 3. April.

Wie aus T e p l i tz berichtet wird, brachte in der gestrigen Versammlung der sozialdemokra­tischen Bergarbeiterunion in Teplitz der Regie­rungsvertreter die neuerlichen Zugeständnisse der Bergwerksbesitzer, die sich in einer achtpro- zentigen Lohnerhöhung bewegen, zur Kenntnis. Die Arbeiterdelegierten erklärten daraufhin, den Bergarbeitern den Abbruch des Streiks anraten zu wollen. Mit der Wieder­aufnahme der Arbeit wird wahrscheinlich auf allen Gruben des Streikgebiets noch vor Ostern begonnen werden. Rur auf einigen Gru­ben verhalten sich die Arbeiter noch ablehnend, da die Verwaltungen nicht alle Arbeiter wie­der einstellen wollen.

Der Riesenkampf in England.

(Privat-Telegramm.)

London, 3. April.

Die letzten Meldungen aus den Kohlenge­bieten lauten beunruhigend. Fast in al­le» Bezirken siegte bei der Abstimmung die kriegslustige Partei. Zur Linderung der durch den Bergarbeiterstreik entstandenen Not sandte die englische Königsfamilie ansehnliche Geldbeträge. Es scheint, daß vor­erst ein Ende des Streiks noch nicht zu erwarten ist, trotzdem ein großer Teil der Streikenden, getrieben von der Not, die Arbeit bereits wie­der ausgenommen hat. Es verlautet, daß an den Festtagen neue große Versammlungen der Streikenden stattfinden werden, in denen end­gültige Beschlüsse gefaßt werde» solle».

*

Die letzte» Ziffern über die Wstimmmtg der englischen Bergleute lauten: 156 247 gegen und 141540 für die Wiederaufnahme der Ar­beit. Nach den Zeitungen ist es zweifelhaft, ob eine einfache oder Zweidrittelmehr­heit erforderlich ist, um über die Beendigung des Stteikes zu beschließen. Der Generalsekre­tär des Bergarbeiterverbandes, Aston, er« klärte eine Zweidrittelmehrheit für notwendig, was allerdings gleichbedeutend fein würde mit der Fortdauer des Streiks.

Srei neue Reichsgesetze.

Hausarbetts-, Gewerbe- und Gewichtsordnung.

Am ersten April sind für das Deutsche Reich drei neue Gesetze in Kraft getreten: Das Hausarbeitsgesetz, eine Novelle zur Gewerbeordnung und die neue Maß- und Gewichtsordnung. Die drei neuen Gesetze greifen tief ins gewerbliche Leben ein. Durch das Hausarbeitsgesetz sollen mannigfache llebelstände in der Heimindustrie abgestellt werden. Das Gesetz schafft neue Mit­tel, um den Heimarbeitern gesundheitlich ein­wandfreie Arbeitsstätten zu schaffen, auch sind die Namen der Heimarbeiter öffentlich der Po- lizeibebörde bekanntzugeben, wodurch kranke und minderjäbrige Heimarbeiter besser kontrol­liert werden können. Schließlich sind auch die

Bestimmungen über Hygiene und Sicher, beit der Werkstätten wesentlich verschärft wor­den. Die Novelle zur Gewerbeordnung beseitigt die Lohnzahlungsbücher für minder­jährige Arbeiter, fuhrt dagegen aber Lohnzet. tel und Lohntüte» für alle Arbeiter ein. Durch diese Bestimmungen sollen die häufigen Strei­tigkeiten Wegen Lohndifferenzen verhindert werden. Die Novelle gibt den Kommune» weiter das Recht, die Fottbfldnngsschulp flickt auf alle gewerblichen weiblichen A r- beiter unter achtzehn Jahren auszudehnen. Die neue Maß- und Gewichtsordnunz führt die zwangsweise periodische Nacheichuna aller Meßgeräte ein in Fristen von zwei Jah­ren. Die kommunalen Eichämter werden ver. staatlicht und zur Bequemlichkeit der Eichpflich­tigen werden E icht a g e für die einzelnen Ge­meinden eingerichtet.

Set Wtil-Wettetftm.

Wetterstürme, Schnee und Eis überall!

Der plötzliche Wettersturz, der uns gestern nach den warmen Frühlingstagen der letzten Woche wieder regelrechten Winter brachte, hat ganz Mitteleuropa betroffen. Stellenweise sind gestern starke Schneefälle nie­dergegangen und in Riederösterreich herrschte sogar schwerer Schneesturm, der bis in die Nacht hinein andauerte. Besonders stark sind die gebirgigen Gegenden von dem Wettersturz betroffen worden. Wir verzeichnen folgende und vorliegende telegraphische Meldungen:

Franffurt a. M., 3. April.

Im Taunus hat der Witterungsumschlag Kälte und Schnee gebracht. Auch aus dem Rheintal wird ein scharfer Witterungsum- schlag gemeldet. Die Temperatur sank gestern von elf Grad Celsius auf drei Grad. Teilweise liegt auf den Bergen Schnee. Heute früh war zwar die Temperatur etwas milder, doch hat in der Nacht der Frost erheblichen Schaden angerichtet.

Karlsruhe, 3. April.

Am gestrigen Tage und in der vergangenen Nacht ist im Schwarzwald Schnee gefal. len; die Täler sind bis tief herab verschneit. Man befürchtet schweren Schaden für die in voller Mitte stehenden Obstkulturen. In der letzten Nacht ist zudem starker Frost aufze- treten, sodaß der Schnee in den Bergen fest- Itegt. Eine Wiederholung des Frostes würde die Obstkulturen vernichten.

Berlin, 3. April.

Wie aus Herschberg gemeldet wird, ist feit gestern früh int Gebirge und Tal viel Schnee gefallen. In ganz Thüringen herrschte seit gestern morgen heftiger Schneefall und Kälte. Auf dem Jnselberg fiel das Ther­mometer auf vier Grad, in Oberhof sogar auf drei Grad unter Nnll. Im Oberharz er. reichte die Schneehöhe gestern abend vielfach zwanzig Zentimeter Höhe. Heute früh ist die Temperatur milder.

Wien, 3. April

Seit der borbergangenen Nacht ist hier ei» starker Wettersturz eingetreten. Den gan­ze» Vormittag über hat es gestern bei einer Temperatur von vier Grad über Null geschneit. Vom Semmering und dem Raxgebiete wird eine Temperatur von vier Grad unter Null gemeldet. Auch dott wütete gestern ein heftiger Schneesturm. Der Schneesturm reicht bis auf achthundert Meter ins Tal hinab. In Süd­böhmen herrscht ebenfalls starkes Schneetreiben.

*

Ueberschwemvmngen in Amerika!

(Privat-Telegramm.)

Newhork, 3. April

Der Miffisippi und alle Nebenflüsse ff ei. gen unablässig. Es wird der höchste jemals erreichte Wasserftand erwartet. Die Teiche wanken. Man macht heroische Ansttengungen, um Deichbrüche zu verhindern. Biele Städte stehen unter Wasser. Ern riesiger Schaden droht. Der Präsident empfahl dem Kongreß, eine halbe Million Dollar zu be­willigen, nm die Deiche zu ffärten. Heber, schwernmungen werden von überall her gerne!, bet. Es heißt auch, daß zahlreiche Men. schenleben und viel Vieh der Heberschwem- mnngskatastrophe zum Opfer gefallen find. Ter Stand der Flut ist der höchste feit zwanzig Jahren. Man berechnet den Schaden schon jetzt auf zehn Millionen Dollars.

Achtzehnhundettzwöls.

Erinnerungen aus großer Zeit, von

Arthur von Kolkau.

Rach einem bangen, hoffnungsarmen Win­ter dämmerte der Lenz des Jahres achtzehn- hundettzwölf langsam herauf. Was er Wohl bringen wird? Diese Frage beschäftigte die Gemüter aufs eifrigste. Jst's dock fo mensch­lich-verständlich. zu einer Zeit, da die Natur ig