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Nummer 161.
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 3. April 1SI2.
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2. Jahrgang.
Ser Greis aus dem Arm.
Franz Joses, der Achtzigjährige.
Der greise Träger der Habsburger Kaiserkrone, dessen zitternde Hand gleichzeitig das Szepter des Ungarn-Königs führt, hat in seines Lebens langer Dauer mehr Enttäuschung als Glück, mehr Heimsuchung als Freude erfahren, und cs weckt Wehmut, wenn man das Lebensbild dieses 80jährigen Kaisers mit seiner Fülle düstrer Schicksalschatten als Inhalt eines Monarchendaseins überblickt, dessen Kaiserpflicht schon den achtzehnjährigen Jüngling mit der Last des Herrscheramts bebürdete. Franz Josef von Oesterreich ist an Leid fast nichts erspart geblieben; all Das, was eines Menschen Seele in ihren Tiefen erschüttern kann, hat ihn mit ungeminderter Härte betroffen, und als Mensch und Kaiser ist ihm der Friede stillen Glücks fast niemals nah gekommen: Er war stets ein Kämpfer und Dulder; nicht im Kampf um Ruhmeshöhen, sondern im Ringen wider daS Fatum, dessen düstrer Schatten auf Habsburgs Heimstatt lastet. Und die letzten Tage haben offenbart, daß der Greis müde geworden ist und für seines Alters späten Abend endlich den Frieden ersehnt, der ihn so lang geflohen.
Ob's Friede wird? Wer weiß es: Die Politik der Doppelmonarchie, deren Herrschaftszügel Franz Josefs Greisenhand führt, ist wie ein Vulkan, der in mäßigen Intervallen immer wieder zu neuen Schrecken erwacht. Jetzt ist auf dem Leidensweg des österreichischungarischen Wehrgesetzes ein neuer Meilenstein aufgerichtet worden. Kaiser Franz Josef selbst hat ihn aufgestellt, und die Ungarn mögen daran erkennen, wie weit sie mit ihrem Widerstand gekommen sind. Unter dem Eindruck der Kunde, daß der greise Herrscher der habsburgischen Monarchie dicht vor dem Entschluß gestanden, der Krone zu entsagen, die er seit länger als dreiundsechzig Jahren getragen, stehen nicht nur die Völker Oesterreichs und Ungarns erschüttert, sondern ganz besonders muffen die Vorgänge in Schönbrunn (wo foeben erst der Deutsche Kaiser dem eng befreundeten Monarchen und Bundesgenossen einen Besuch abstaitete) in Deutschland die Volksseele erregen. Graf Khuen-Hedervary, der Ministerpräsident Ungarns, hat unter allen Zeichen der Bestürzung das Residenzschloß Franz Josefs verlassen, und sofort alle ungarischen Minister noch Wien berufen.
Die „verhängnisvolle Geste" des alten Kaisers, als er dem Vertreter der ungarifchenRegie- rung das Ultimatum stellte, hat ihre Wirkung nicht verfehlt: Die Ungarn fehen sich der Gefahr gegenüber, daß nach der Abdankung des milden Franz Josef ein Herrscher kommen werde, der mit eiserner Hand die verfas- sungsmäßigen Rechte der Krone jenseits der Leitha zu wahren entschlossen ist. Alle politisch geschulten Köpfe in Ungarn werden jetzt verstanden haben, daß Kaiser Franz Joses auf das kommende Regiment des Erzherzogs Franz Ferdinand hingedeutet hat. Als am ersten Januar des vorigen Jahres die Nachricht zur ungarischen Hauptstadt kam, daß der Thronfolger in Budapest erscheinen werde, um die Deiegation zu eröffnen, entstand in den leitenden ungarifchen Kreisen eine gewisse Niedergeschlagenheit, während in bnt breiten Schichten des Volks Freude und Befriedigung erwachten. Der Erzherzog gilt nicht als Freund der Ungarn. Man hat ihm das Wort in den Mund gelegt: „Ungarn müsse alle Jahrhunderte wieder einmal mit dem Schw ert zu- rückerobert werden." Und man weiß, daß der Thronfolger den Unabhäugigkeitsgedanken scharf bekämpft.
Franz Josef soll auch direkt heiausgcsagt haben, er sei lein Gegner der Ungarn, Wohl aber ein Feind Aller, die sich dem ein heil, licheu Geist der Monarchie enigegenslelllen, und deren Großmacht durch parttkularisttsche Gelüst« zu schwächen trachteten. Im Thronsaal erfolgte die Verlesung der Thronrede. Sie war sehr kurz und stellte fest, daß das Budget der Kriegsverwaltung eine Steigerung für das Heer, aber ganz besonders große Mittel für die Marine fordere. Franz Ferdinand wählte die ungarische Sprache, die er ganz ausgezeichnet beherrscht, imd hinterließ bei den Abgeordneten trotz seiner großen Liebenswürdigkeit den Eindruck, daß er den Schwierigkeiten seiner künftigen Ausgabe nicht nur gewachsen fei, sondern sie auch mit eiserner Energie durch, führen werde. Noch steht die Heeresvorlage auf dem gleichen Punkt wie vor Jahresfrist, aber die Ungarn sehen sich jetzt vor der Notwendigkeit, entweder ohne Feilschen um allerlei Zugeständnisse zu bewilligen, Was der Kaiser sordert, oder die Folgen zu tragen. Und di« „Folgen" weiß man in Ungarn nach ihrer Bedeutung zu würdigen.
Die Krone Habsburgs wird nicht an ihren Rechten rütteln lassen: Die Rolle Schwedens der Losreitzung Norwegens gegenüber will man in Men nicht spielen. Die Kossuthianer und Justhianer wollen (wie es heißt) im Ungarn-Parlament die Obstruktion sortsetzen, aber Gras Khuen ist entschlossen, mit der Auslösung des ungarifchen Reichstags zu antworten. Kenner der ungarifchen Volksseele sind überzeugt, daß es bald gelingen wird, die starre Opposition zu brechen. Das ungarische Land wünscht sehnlichst den Frieden mit seinem König und mit dem Haus Habsburg, die Unabhängigkeitspartei dagegen hat den Schein stets mehr geliebt als das Wesen. Die „Geste" des greisen Kaisers aber wird sich, hoffentlich stärker erweisen als die Eitelkeit der Magyaren. Eine Thronentsagung des achtzigjährigen Monarchen würde nicht nur für das Habsburger Doppelreich ein« Katastrophe bedeuten, sondern sie würde auch in E u r o p a als solche empfunden werden, denn man weiß, daß dem Regiment des in langer Schicksalzeit mild und duldsam gewordnen Franz Joses eine Regierung kräftigster, zur restlosen Durchsetzung des eignen Willens entschlossnen Männlichkeit folgen wird, deren Ziele in fernen Höhen blinken ...
-an. *
Franz Josef und die Ungarn.
(Telegraphische Meldungen.)
Budapest, 2. April.
In der gestrigen Sitzung des Parlaments stellte sich das neuernannte Kabinett Khuen-Hedervary vor. Es wurde von der Regierungspartei begeistert begrüßt. Der Ministerpräsident erklärte: Es war unsere Pflicht, die Gewifsensruhe des Königs herzustellen und unabsehbare Verwirrungen zu beseitigen, die Regierung will daher ihre Rechtsauffassung über die Resolution über die Einberufung der Reservisten nicht geltend machen. Wir haben neuerdings die Regierung übernommen, um uns da Wohlwollen des Monarchen zu sichern und die Arbeit sortzusetzen. die wir im Interesse der Ration übernommen hatten. Auf dieser Grund, lag« ersuche ich um das Vertrauen der Abgeordneten. (Lebhafter Beifall, stürmische Rufe rechts: Es lebe der König!) Kossuih erklärte im Namen seiner Partei, daß diese nun- mehr freie Hand erhalten habe und beantragte die Entsendung eines Ausschusses^ der eine Adresse an den König verfassen solle, uni diesen zu überzeugen, daß Ungarn keine Schmälerung der Mcrjestätsrechte beabsichttgt habe. Im Namen der Justhpartei erklärte Helle die endgilttge Lösung der Krise nur durch eine Wahlreform für möglich. Graf In. lins Andrassh billigte das Vorgehen des Grasen Khuen-Hedervary und sagte, es gebe keinen gewissenhaften Ungarn, der in einem solchen Augenblicke und einer solchen Lage anders handelte. Aus dem königlichen Handschreiben sei ersichtlich, daß sich Khuen einer Stimmung gegenüber befunden habe, die nicht zu berücksichtigen, geradezu ein Verbrechen gegen die Ration und ein Undank gegen die Krone gewesen wäre. Di« weiteren Erörterungen lverden dann auf Dienstag vertagt.
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Ans Wien meldet uns ein Privai-Te- l eg ramm: Es erregt hier Aufsehen, daß der Erzherzog Thronfolger gestern mit seiner Familie von Brioni abreiste, um sich nach Wien zu begeben. Man bringt diese Aende- runz in seinen Reisedisposittonen mit der ungarischen Krise in Zusammenhang. Ter Thronfolger wollte ursprünglich bis Mitt« April in Brioni weilen.
Der Königliche Dienst.
Der Kronprinz als Regimentskommandeur.
In der «konservativen) Monatsschrift „Ter Türmer" erörtert GünthervonVidrogge in einem interessanten Aufsatz unter dem Titel „Das zu oft verwaiste Regiment" das Verhältttis des Kronprinzen zu den Ausgaben des Königlichen Dienstes als Regimentskommandeur. Vidrogge «der feinen Artikel mit den Worten schließt: „Wie für jeden, der das ungefährdete Fortbestehen des Reiches wünschen muß, darf es auch für ihn an erster Stelle nur den Wahlspruch geben: Zurück zur f r i - derizionischen Pflichterfüllung. ) schreibt: Ich bin überzeugt, der deutsche Kronprinz hat bisher geglaubt, dem Reich« und Preußen pflichtgemäß gedient zu haben. Aber unter allen ernst denkenden Männern durste nicht Einer sein, der an der Art Gefallen fände, wie der erlauchte Herr den strengen Forderungen des Königlichen Dienstes gerecht wird. Wirklich strammen Dienst hatte er noch niemals tun können, als er im September des vorigen Jahres das Kommando der Ersten Leibhusaren m Langfuhr übernahm. Mancher preußische Offizier begann aber damals zu hoffen, daß er nun endlich dazu kommen werde, Und in der Tat: Keine Stellung im Heere ist fo reich an Arbeit und Verantwortung, keine von jo einschneidender Bedeutung für die Aus
bildung der Truppe, wie die des Regimentskommandeurs. Bis jetzt haben sich jedoch die au die Versetzung des Kronprinzen nach Lang- suhr geknüpsten Hoffnungen noch nicht erfüllt. Viel zu häufig war er auch von dort aus Urlaub. Ja, wann ist er feit lieber« nähme des Regiments in Langfuhr wirklich dienstlich tätig gewesen?
Unmittelbar nach seiner Ernennung begab sich der hohe Herr vier Wochen auf Reisen, vornehmlich, um zu jage n. Bald nach der Rückkehr in seine Garnison sahen wir ihn in Berlin, teils im Reichstag (wo er den Verhandlungen über die Marokkofrage beiwohnte), teils auf Flugplätzen. Anfangs Dezember weilte er etwa acht Tage tn Schlesien zur Abhaltung von Jagden auf seinen bärtigen Besitzungen und Ende Dezember und Anfang Januar wieder in Berlin. Ende Januar kam der Kronprinz aufs neue nach Berlin, um den verschiedenen Festlichkeiten bcizuwoh- nen, die aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers und der Taufe feines vierten Sohnes dort stattfanden, und um sich nach diesen Festlichkeiten sofort nach der Schweiz zn begeben. Wie in den früheren Jahren huldigte er hier mit seiner hohen Gemahlin aufs eifrigste dem Winterfport. Am fechsten März sahen die Ersten Leibhusaren ihren Kommandeur endlich wieder in ihrer Mitte. Eigentlich hat sich der Kronprinz bis heute in der Führung des Regiments mehr vertreten lassen, als daß er es selber führte. In Preußen werden doch die Regimentskommandeure nicht ernannt, nur damit statt ihrer ein anderer das Regiment kommandiert. Vollends trifft dies nicht beim deutschen Kronprinzen zu. der weit mehr als alle anderen Offiziere des Heeres verpflichtet ist, in das Wesen des Dienstes einzudringen, damit er später in der Beurteilung militärischer Dinge als Kriegsherr nicht ausschließlich auf seine erfahrungsmäßig nicht immer glücklich gewählten Ratgeber angewiesen ist, sondern auf eigenenFützen stehen kann. ..“ -a-
Me imtmMMerale Krise.
Eine Volkspartei auf nationaler Grundlage?
Die Krise in der nationaltiberalen Partei zieht immer weitere Kreise, und es scheint, daß die Aussichten, auf dem allgemeinen Parteitag am zwölften Mai eine Verständigung herbeizuführen, in den letzten Tagen sich noch vermindert haben. Der dem national- liberalen Führer Bassermayn nahestehende „Mannheimer Generalanzeiger" gibt jetzt für den nationalliberalen Vertretertag den Vorschlag einer Resolution wieder, die eine unbedingte Vertranenskundgebung für Basser mann bedeutet und die von ihm betonte Verbindung einer kraftvoll nationalen, entschieden liberalen und weitherzig sozialen Politik billigt und sodann folgendes ausspricht:
Der Vertretertag erwartet, daß alle diejenigen Einzelmitglieder, Organisationen und publizistischen Organe der Partei, die mit ihren politifchenAnschaunngen die genaueste und sinn- gcrnäßeste Vertretung dieser volksttirnlichen, daher entschieden liberal und großzügig sozial gerichteten, nattonalliberalen Politik nicht vereinbaren können, es als eine Pflicht der politifchen Reinlichkeit und Gewissenhaftigkeit betrachten, sich und ihre anders gerichteten Bestrebungen n i ch t m e h r in einer irreführenden, unberechtigten und die Geschlossenheit der Partei fortdauernd gefährdenden Weife, als nattonalliberal zu bezeichnen. Das unverrückbare Ziel nationalliberaler Politik ist die Wiedererschasfung einer großen Volkspartei auf nationaler und liberaler Grundlage. Der Vertretertag erkennt im Reichsverband der nationalliberalen Jugend nicht die Organisation einer besonderen politischen Richtung in der Partei, sondern die zweckmäßigste und durch Erfolg bewährte Organisationssorm, um die Jugend für die nationaMberale Partei zu gewinnen und ihre politische Ersetzung im Sinne unserer Parteiziele zu gewährleisten.
Die nattonalliberale Organisatton für den Wahlkreis Herford-Halle beschästtgte sich in der gestern in Detmold abgehaltenen Generalversammlung mit den Differenzen in der nationalliberalen Partei. Rach einem längeren Vortrag des Reichstagsabgeordneten Pastor Mever, der sich in seinem Vortrage zu der Politik Bassennanns bekannte, wurde beschlossen, an den Abgeordneten Bassermaun nachstehendes Telegramm abzusenden: Der nationalliberale Verein Herford-Halle hat in seiner Sen Generalversammlung einstimmig den uß gefaßt, dem bewährten und verehrten Führer der Partei fein unbedingtes Vertrauen ausznsprechen.
Dentsch'enMche Verständigung?
Der AuStaufch der Marine-Informationen.
Ein Privattelegramm meldet uns aus London: Im Unterhaus machte gestern nachmittag der Marineminister neue Andeutungen über Verhandlungen, die gepflogen wurden.
um zwischen Deutschland und England einen freundschaftlichen Austausch von I n • formatierten über die Marine zn beginnen. Von dem liberalen Unterhausmtt- glied Kling war die Frage au den Marine- minister gerichtet worden, ob ein solcher Austausch bereits zwischen England unb einer fremden Macht ftattgefunben habe und ob an einen Informationsaustausch mit einer andern Macht gedacht würde im Hinblick auf eine mögliche Einschränkung der Rüstungen. Churchill antwortete, daß Verhandlungen zwischen Deutschland und England schwebten, die gn- tenFortgang nähmen, doch wünsche er für de» Augenblick nichts weiter zu fugen.
Kampf dis zum ßude?
Der englische Riesenstreik dauert fort!
Die letzten aus London vorliegende« Meldungen über den B er garbeiter streik ließen erkennen, daß die Stimmung der Streikenden für die Wiederaufnahme der Arbeit sich sichtlich verallgemeinert, so daß man bereits Hoffnung auf ein nahes Ende des Streikes hegte. Die Abstimmung unter den Bergarbeitern zeigte auch gestern an, daß im ganzen eine Mehrheit für die Aufnahme der Arbeit vorhanden fei. In Südwales wurden bis gestern nachmittag 29 000 sä- das Ende des Stteiks gezählt gegen 13 000 für die Fortsetzung. Auch Nordwales sprach sich für eine Rückkehr zu den Zechen ans und in Schottland herrschte ebenfalls Neigung vor, die Arbeit wieder aufzunehmen. Umsomehr überrascht jetzt das neueste Resultat der Abstimmungen, das die Fortdauer des Streiks bedeutet. Wir erhalten darüber folgende Meldung:
London, 2. April. (Privat-Telegram m.)
Im Laufe des gestrigen Tages hatte die Abstimmung unter den Arbeitern noch eine Mehrheit zu gnnsten der Wiederaufnahme der Arbeit aufzuweisen. Gestern abend hat nun die Lage eine Verschiebung erfahren, die für das englische Wirtschaftsleben von weittragenden Folgen fein kann. Das Resultat der Stimmenabgabe ist nämlich folgendes? Für die Wiederaufnahme wurden 90 496 Stimmen abgegeben, während 94543 Stimmen für die Fortsetzung des Streikes entschieden.
Ein weiteres Privattelegramm aus London meldet uns: Die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit ist nicht zu erwarten, bevor das Gesamt-Abstimmungsergebnis unter den Bergarbeitern bekannt ist. Gleichwohl kehrten gestern in vielen Bezirken alle Arbeiter (man sagt zwanzigtausend) zur Arbeit zurück. An anderen Orten bereitet man die Wiederaufnahme der Arbeit vor. Wenn _ auch das Ende des Stteiks in Aussicht steht, fo schließen doch noch immer mehr Fabriken und andere industrielle Etablissements. So werden morgen infolge des Kohlenstreiks zwei große Zuckerraffinerien in Liverpool den Betrieb bis auf unbeftimmte Zeit einstellen. Smillie, der Führer der schottischen Bergarbeiter, kündigte gestern in einer Rede einen bald bevorstehenden neuen Kamps an, falls der jetzige Streik zugunsten der Arbeiter enden werde.
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2er Riesenstreik in Amerika.
(Privat-Telegramm.)
Wie aus New York berichtet wird, haben infolge des Ablaufs ihrer Lohnverttäge gestern abend 250000 Weichkohlen- und 170 000 Hartkohlengräber die Arbeit niedergelegt. Eine Einigung auf der Basis des Weichkohlen- tarifs in der heutigen Konferenz in Philadelphia gilt zwar als wahrfcheinlich, jedoch wird mit einem Ausfall von vierzig Millionen Tonnen gerechnet.
3m Schnee des Himalaya.
Die Expedition des Herzogs der Abruzzen.
(Von unferm Mitarbeiter.)
Zn ben nddfften Sagen erscheint in Oiir.it tat «erlag Zanichelli die Schilderung der im Jahre 1909 von Bent Herzog der Abruzzen unter1 nommenen Expedi tton indaSKarakorum- Gebirge, da» dem Westhimalaja parallel von Pamir nach Südostcn zieht. Pertaffer der Buche? ist der Doktor Fllipv o de Rilippt, der diese und andere EiuoeckungSsahrlen des reiselustigen Herzogs mitgemachi hat; der Prinz selbst hat nur eine kurze Vorrede zn dem Werke geschrieben. Der Urfprung der Expeditton war nicht alpinistifcher Natur; der Herzog ging vielmehr von einem physiologischen Problem aus: Es sollte festgestellt werden, welche Höhe der Mensch im Gebirge erreichen und aushalten könne. Nachdem man mehrere Gipfel erklommen hatte, wagte man sich an die Eroberung der höchsten Bergspitze, des Bttde Peak, dessen Besteigung mit großer Anschaulichkeit geschildert wird: Am achtzehnten Juli um fünf Uhr morgens (schreibt Dr. de Filippi) verließ die