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Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer IW.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 2. April 1812. Fernsprecher 951 lind 952. 2. Jahrgang»

Fran; Miller.

Deutschlands erster Kommunalpolitiker."

Dr. Franz A dick es, der Oberbürgermei- ster der Stadt Frankfurt a. M., hat dem Ma­gistrat sein Abschiedsgesuch eingereicht. Herr Adickes spricht darin, wie es feit altersher üblich ist, von den Rücksichten auf seine schwan­kende Gesundheit, die ihm die Fortführung des seit einundzwanzig Jahren (mit wech­selndem Erfolg, aber unbestrittnem Effekt) verwalteten Amts unmöglich machten. Der zum Rücktritt entschlossne Oberbürgermeister hat das siebente Jahrzehnt des Lebens nah vollendet, und man kann also die zur Begrün­dung der Amtsmüdigkett angeführten Gesund­heitsrücksichten menschlich verstehen. Würde sie auch rückhaltlos würdigen müssen, wenn der in beinahe vierzigjähriger Kommu­naldienstzeit ergraute Oberbürgermeister ledig­lich deshalb von der Spitze der Frankfur- ter Stadtverwaltung zurücktreten möchte, um irgendwo in einem idyllischen Erdenwinke! des Daseins Feierabend in beschaulicher Ruhe zu verträumen. Die Stadt am Main zahlt ihrem Oberbürgermeister ein ansehnliches Minister­gehalt. dessen gesetzlicher Pensionsbetrag einen Müden (auch wenn er in des Amts Hast und Plage nicht 'Zeit und Muße zum Schätze­sammeln gefunden hätte) über die Niederun­gen der Sorge wett hinaushebt.

Der Oberbürgermeister der Stadt Frank­furt am Main denkt indessen nicht an Ruhe. Er war in jungen und alten Tagen stets mehr Organisator und Reformator als Beamter im engern Sinn des Worts, mehr Scköpfer als Pfleger, und als Kommunalpolitiker mehr Umstürzler als Erhalter, und es würde seiner ganzen Veranlagung widersprechen, den Abend des Lebens untätig zu verbringen. Man hört denn auch, daß Herr Adickes sich zwar den Anforderungen der Oberbürgermeister- Tätigkeit gesundheitlich nicht mehr gewachsen füblt, daß er sich aber wohl noch als stark und rüstig genUtz erachtet, im Aufsichtsrat der Dresdner Bank den Posten eines stellver­tretenden Vorsitzenden zu bekleiden. In Fi­nanzkreisen war es längst kein Geheimnis mehr, daß mit demersten Kommunalpolttiker Deutschlands" (als der Herr Adickes einmal an hoher Stelle gerühmt worden ist) Verhand­lungen zwecks Eintritts in die Verwaltung der Dresdner Bank schwebten. In den letzten Wochen waren diese Verhandlungen so weit gediehen, daß man eigentlich bereits von einem Abschluß sprechen konnte, der in demselben Augenblick wirksam wurde, in dem Herr Adickes sein Rücktritts gesuck einreicbte. Das ist nun geschehen, und der GroßbankbeMeb en-- führt der Kommunalverwaltung den pro­duktivsten ihrer führenden Köpfe.

Das neue Jahr scheint in der Kommuna-l- politrk überhaupt ein Jahr der Krisen und Veränderungen werden zu sollen: Frankfurt, Breslau und Cassel stehen vor Oberbürger- meisterneuwahlen; in Berlin, Chattottenbu g und Königsberg ist der Einttttt eines Wech­sels im ersten Amt der Stadtverwaltung nur noch eine Frage der Zett, und in einem halben Dutzend anderer Städte wird vor den kommu­nalen Kulissen die hinter ihnen sich entrrik kelnde Krise allmählich ebenfalls merkbar, so­daß man also mtt einigem Reckt von einem Jahr der Oberbürgermeisterwechsel" sprechen darf. Was sveziell Frankfurt anbelangt, so beweist schon der bevorstehende Eintritt Adickes' in den AufsicktsDat einer Großbank, daß nickt die offiziell vorgeschütztenGesund­heitsrücksichten" der eigentliche Grund des Rücktrittes stnd. Wer die Entwicklung der Frankfurter Kommunalpolttik in den letzten zehn Jahren verfolgt hat, kann über den Ver­zicht Adickes' allerdings nicht erstaunt sein, denn er bedeutet nur die Bestättgung einer Be­fürchtung, die aus der Gestaltung der Verhälk- nisse von selbst, und als durchaus natürliche Folgerung emporgewachsen ist.

Als vor nun einundzwanzig Jahren der damals von der Wasserkante als Nachfolger Johannes Miquels zur Leitung der Frank­furter Stadtverwaltung nach der Main-Me­tropole berufene Kommunalpolttiker Adickes in sein Amt eingeführt wurde, befand sich Frank­furt im Endftadium einer zwar bescheidenen, innerlich aber sorglich gegliederten und geord­neten Entwicklung, deren wirtschafttiches Fun­dament Miguels Meisterhand klug geschichtet hatte. Frankfutt, von der Romanttk demokra­tischer Ideale wie vom Abeichglanz scheidender Sonne noch zart umflossen, war damals die Stadt gutbürgerlicher, wirtschaftlich geseftigter, und in der Entwicklung fast zu ängstlich tasten­der Kommunalpolitik, die ihren Ehrgeiz nicht in fernen Höhenzielen reformatorischen Fort- jchritts, sonder» Nt der Stetigkeit und Behag­

lichkeit kommunalen Haushalts sah. Die erst« Regung des neuen Magistratschefs bedeutete beretts eine Abkehr von diesem (vielleicht et­was hausbacken-kleinbürgerlichen, aber jeden­falls nicht unvorteilhaften) Prinzip: Di« Stadt am Main wurde unter Adickes mit einem Schlage zum Prüfstein kommunalpolitischer Reform; Stadtbau-Jdral«, Bodenpolitik und Steuer-System wurden von Grund aus umge- waudelt, und der vorsichtigen Haushaltskunst Miquels folgte unvermittelt die Sturm- und Drangperivde AdickeS'scher Erttwicklungs-Tat- kraft.

Frankfurt verdankt ihr viel; das Frankfurt von heute verdankt ihr fast alles, und der Name Adickes ist mit der Entwicklung der Mainstadt im Beginn des zwanzigsten Jahr- hundetts für ewige Zeiten untrennbar als der des Schöpfers und Führers verbunden. Die Erfahrung hat indessen gelehrt, daß überhaste­ter Fortschritt und ohne Rücksicht auf Möglich­ketten und Schwierigkeiten vorwättsdrängende Entwicklung sich auf kommunalem Gebiet fast noch verhängnisvoller rächen, alS in wirt- schastlichen Dingen: Die Adickes'sche Bodenpo­litik Frankfurts (die viele andere deutsche Städte zu ähnlichem kommunalpolittschm Höhenspott" verkettet hat), ist von der Pra­xis zwar nicht als irrig erkannt worden, aber es hat sich erwiesen, daß ihr wirtschaftliches Risiko eine Verallgemeinerung zur Unmöglich- lichkeit macht; die Steuerlast ist rapide gestie­gen und die festgegründete Finanzpolitik der Aera Miquel hat längst einem weit weniger sickern Wittschaftsystem Weichen müssen. Sie würde sicher auch in ihren letzten spärlichen Schatten entschwunden sein, wenn es der fas­zinierenden Persönlichkeit Franz Adickes' nicht gelungen wäre, den bürgerlichen Gemeinsinn der Frankfurter Finanz-Aristokratie als witt- schaftlichen Befruchter seiner hochstrebenden Pläne zu Wecken, Die Frankfurter Kommunal­politik, einst das Produtt fttedlich-einttächtiger Zusammenarbeit zwischen Bürgerschaft und Magistrat, ist heut von Parteileidenschaften durchwühlt, und ihre spärliche Fruchtbarkeit muß erst durch die Kunst des Kompromisselns geweckt werden: In einundzwanzig Jahren ein« Wandlung, deren Schatten selbst auf dem glanzvollen Bild der ungemein tatkräftigen, erstaunlich schöpfettschen und in ihren Zielen bewundernswert großzügigen Oberbürgermei- sterwirksamkcit Franz Adickes' Enttäu­schungsreflexe sichtbar werden lassen!

F. H.

Sie rmtionaMberale Fugend.

Ein Protest gegen den Zentralvorstand. (Bericht unsers Korrespondenten.)

Frankfurt a. M., 1. AprU.

Der Gesamworstand des Reichsverbandes der Vereine der nationalliberalen Jugend trat gestern in F r a n k f u r t c. M. zu einer Sitzung zusammen, in der hauptsächlich Stellung zu dem Beschluß des Zentralvorstan­des der nattonolliberalen Pattet vom vterund- zwanzigsten März genommen werden sollte, der dahinaeht, dem nächsten Vettreteriage der na- tionallibcralen Partei den Entwurf einer Statutenänderung vorzulegen, nach dem nur solche speziellen Vereine der Partei­organisation angeschlossen werden können, die ihrersei's den Landesverbänden angescklossen sind und nickt einen besonderen organisierten Gewmtverband mtt eigener Spitze bilden. Die gestern in Frankfutt a. M. unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Dr. Kauffmann -Stutt­gart versammelten Mitglieder des Votttandes des Reichsverbandes der nationalliberalen Jugend gaben allgemein dem Gefühl der bitteren Kränkung darüber Ausdruck, daß das eifriae Bemühen der Jugendoraani- sattonen für die Pattei so wenig anerkannt wurde und daß der auf Vernichtung der Jugendorganisattonen gerichtete Antrag einge- bracht wurde, ohne jede Fühlungnahme mtt deren derzeittger Vertretung, ja selbst ohne den Mitgliedern des Zenttalvorstandes vorder Ge­legenheit zur Aussprache mit ihren Pattei­freunden im Lande zu geben. Trotzdem herrschte gestern unter den in Frankfutt Versammelten nach eingehender Prüfung aller im Zentral­vorstande voraebrachten Gründe die Zuver­sicht, daß die am zwölften Mai zusammen­tretenden Vertrtter der Gesamtpattei sich nicht von einfettigen Interessen, sondern nur von der Rücksicht auf das Gesamtwohl der Pattei letten lassen werden. Die Antragsteller hätten das Wesen und die heute bestehende enge organisatorische Einfügung des junglibe­ralen Reicksverbandes in die Gesamtpattei ent­weder nicht gekannt oder nicht kennen wollen.

Der Aufmarsch der Jugend.

Nach eingehenden Beratungen wurde ge­stern beschlossen, noch vor dem allgemeinen Telegiertentag der Gesamtpattei einen Ver­tretertag des Reichsverbandes der nationaltjberaleu Lugend einzuberusen; Ott

und Zeit, sowie die Vorbereitungen im einzel­nen wurde dem geschäftsführenden Ausschuß überlassen. Die Parteileitung soll er­sucht werden, dem Reichsverband das Kor­referat über die beantragte Statutenände­rung einzuräumen, damit nicht, wie in der letz­ten Zentralvorstandssitzung, die Vettreter des Rcichsverbands durch Beschränkung der Rede­zeit an der Entwicklung ihrer Gründe gehin­dert würden.

Wiener Intimitäten.

Ein neuer Konflikt int Haus Habsburg?

Aus Wien kommt eine seltsame Meldung: Die phantastische Meldung ausländischer Blät­ter über angebliche Differenzen zwischen dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdi­nand und seinem Neffen, dem Erzherzog Karl FranzJoseph,die angeblich durch Rang­st r e i t i g k e i t e n der beiden Gemahlinnen veranlaßt worden fein sollen, werden von authentischer Seite als freie Erfindung bezeichnet, ebenso die Meldung, daß der König von Sachsen in dieser Angelegenheit nach Wien gefahren und mit dem Kaiser eine Besprechung gehabt hätte. Bei der in Frage kommenden An­gelegenheit scheint es sich indessen trotz des offiziösen Dementis um etwas mehr als eine freie Erfindung" zu handeln. Cs werden dar­über folgende Einzelheiten bekannt:

Wien, 1. April.

(Privat-Telegram in.)

In hiesigen Hof- und Gesellschaftskreifen er­regt ein Familien st reit großes Aufsehen, der abermals im Hause Habsburg ausgebrocken ist und in dessen Mittelpunkt die nächsten Ver­wandten des greisen Kaisers stehen. Es han­delt sich um einen ernsten Konflikt zwischen dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seinem Neffen, dem künftigen Thronfolger, Erzherzog Karl Franz Jo­sef. Die Gemahlin des Thronfolgers, die Her­zogin Sophie von Hohenberg, soll tief ver - stimmt fein, weil sie zu der im engsten Fa­milienkreise gefeierten Hochzeit des Erzherzogs Kar! Franz Josef und der Prinzessin Zita keine Einladung erhalten hatte. Sie soll es ferner als unerträglich empfinden, daß die junge Erzherzogin jetzt die Stelle derersten Dame bei Hofe" einnimmt, während sie selbst hinter der jüngsten Erzherzogin tangiert, und sie soll geradezu empört fein bei dem Gedanken, daß dies Verhältnis auch fottdauern könnte, wenn einst ihr Gemahl die österreichische Kaiserkrone tragen sollte. Die Versttmmnng der Herzogi« von Hohenberg hat sich auch auf ihren Gemahl übertragen, der sogar die Absicht gehabt haben soll, durch eine Entsendung des Prager Kardinals Skri- b e n s k y zum Papst die Erklärung der Eben­bürtigkeit feiner Ehe und der Thronfolge­berechtigung seiner Kinder zu erwitteu. Kaiser Franz Josef hat aber ein Veto eingelegt, und die Mission Skribenflys unterblieb. Aus Zorn darüber soll der Thronfolger feinen Nef­fen schlecht behandeln; so soll er ihn gezwungen haben, mit seiner Schwadron den Ritt von Brandeis nach Czernowitz mitzumachen. Dar­auf hat sich die Mutter des Erzherzogs Karl Franz Josef, die Erzherzogin Maria Josefa, an ihren Bruder, den König Friedrich August von Sachsen, gewandt und ihn um seine Vermittlung beim Kaiser Franz Josef gebeten. König Friedttch August von Sachsen hat darauf in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag »origer Woche die Reise nach Wien an­getreten und ist sosott nach Schönbrunn zum Kaiser gefahren. Sein Besuch soll nicht er­folglos geblieben fein.

*

Auch Dresden dementiert!

Das sächsische Ministerium des Aeußern gibt in der Angelegenheit Folgendes bekannt: Die von hiesigen Blättern wiedergegebene Privat­meldung aus Berlin, daß die Reise des Königs nach Wien mtt Thronfolgefragen zusammengehangen habe, entbehrt ebenso der Begründung, wie die bereits dementierte Be­hauptung. daß der König zu einer Besprechung über eine angeblich beabsichtigte Entmündiaung der früheren Kronprinzessin von Sach­sen nach Wien gefahren sei. (Beide Dementts, das Wiener sowohl wie das Dresdener, stehen in einem seltsamen Gegensatz zu den Gerüchten, die in Wiener Hof- und Gesellschaftskreisen als offene Geheimnisse kolportiert werden. Etwas Wahres wird an den Erzählungen wohl jedenfalls schon sein.)

Revolution und Staatsstreich?

Nordamerika entsendet Schlachtschiffe!

Den neuesten Depeschen aus N e w Y o r k zu­folge ist die Lage in Mexiko außerordentlich bedrohlich. Die Anhänger des revolutionären Generals Zapata überfielen gestern südlich von der Haupistadt Mexiko einen Eifenbahn­zug und töteten etto« füaiiiaSunbeüolha-

ten. Passagiere wurden nicht verletzt. Die ver­worrene Lage in der Republik scheint nun den Vereinigten Staaten willkommenen Anlaß zu bieten, in Mexiko zu intervenieren und die darüber aus Newyork vorliegenden Meldungen lassen erkennen, daß die militärische Intervention der Union diesmal sehr nachdrück­lich betrieben werden soll. Wir verzeichnen fol­gende Nachrichten:

Amerikas Kriegsschiffe unter Lamps!

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

Newyork, 1. April.

In der Stadt Mexiko erregt die Unterdriik- kung der ZeitungHeraldo". die Amerikanern gehört, Entrüstung. Der amerikanische Botschaf­ter Wilson hat gegen diese Maßregel pro­testiert. Zwei Schlachtschiffe und ein Kreuzer aus Neworleaus wurden beordert, um einzuschreiten, falls eine Landung von Truppen in Veracruz notwendig werden sollte. Alle Küstenschisfahrtslinien wurden nunmehr verständigt, sich für den Transport voi, Truppen bereit zu halten. Es bestätigt sich auch, daß die Washingtoner Regierung an ihren Gesandten in Mexiko viele Waffen unp Munition sandte, um die in Mexiko leben­den Amerikaner gegen Uebergriffe der aufgereg­ten Volksmenge zu schützen.

*

Da über die Vorgänge in Mexiko lediglich Nachrichten aus amerikanischer Quelle vorliegen, läßt sich nicht feststellen, ob eine In­tervention der Vereinigten Staaten sich tatsäck- lich als eine Notwendigkeit erweist. Sonderlich Überzeugend klingen die Newyorter Alarm-Nachrichten nicht, man gewinnt vielmehr den Eindruck, daß man in Washington in der neuesten Revoluttonsbewegung (die in Mexiko übrigens etwas durchaus Alltägliches ist) den längst gewünschten Anlaß sucht, Mexiko unter die Herrschaft der Union zu zwingen.

Franz Soles, der ASdr.

Abschiedsgevanken des greifen Kaisers.

Di« Entwirrung der ungarischen Kris« hat offenbar auf das Empfindung sieben des gvei. fen Kaisers Franz Josef von Oesterreich außerordentlich tief eingewirkt. Di« Krise ist zwar am Sonnabend mittag durch die Audienz des ungarischen Minifterpräsidenten Grasen Khuen-Hedervary zum vorläufigen Ab- schluß gebracht worden, aber es wird authen­tisch mitgeteilt, die Lösung der Krise sei nut dadurch herbeigeführt worden, daß der Kaifer dem Grasen Khuen erklärte, er fei entfchlo s. fen abzu danken, wenn die Krise nicht in der von ihm als notwendig erachteten Weise gelöst werden könne. Ueber die resignierten Bemerkungen des Kaisers gelegentlich der Audienz wird berichtet:

Wie», 1. April.

In der Sonnabend-Audienz erklärte der Kaiser dem Grafen Khuen-Hedervary, daß er immer konstitutionell gesinnt ge­wesen sei.Ungarn (sagte der Kaiser) hat nie einen besseren Freund als mich besessen. Will man meine Herrscher­rechte plötzlich autatzen und beschränken, bringt man mir Mißtrauen entgegen? Wenn die Resolutionsfrage nicht gelöst wird, so bleibt mir nichts anderes übrig, als ..." Der Kaiser vollendete den Satz nicht und machte eine Handbe - wegung, die auf de» Ernst seiner Entschließung Schlüffe ziehen ließ. Graf Khuen erklärte, daß die Nation die Herttcherrechte d«S Kaisers nicht beschrän- ken wolle, aber der Kaiser fuhr fort:DaS ist nicht der Moment für Sentimenta­litäten; das ist einmal so. Damit muß die Ration rechnen. Wenn sie das nicht will, so muß die Resolutionssrage aus derWelt geschasst werden, und zwar mutz das gleich geschehen."

Wie ernst es dem greisen Kaffer mit diesen Mitteilungen gewesen ist, geht auch aus dem Handschreiben hervor, das er nach der Audienz an den Grafen Khuen-Hedervary rich­tete, und in dem es unter anderem heißt: Während der ganzen der segensreichen Wieder. Herstellung des konstitutionellen Lebens folgen­den Zett meiner Regierung habe ick sorgfältig über die Aufrechterhaltung des Gesetzes und die verfassungsmäßige Ordnung ge. wacht. So wie es mein entschiedener Wille ist, di« verfassungsmäßigen Rechte der Ratto n un- versebrt zu erhalten, muß ich mit gleicher Entschlossenheit meine konstitutionellen Herrscherrechte unverletzt bewahren, und ich vermag meinen Herrscherpflichten nur dann nachzukommen, wenn ich diesen meinen zweifachen Beruf gleichmäßig er­füllen tarnt.

ras Echo der Kaiserworte.

(Privat-Telegram m)

Budapest, 1. April.

Das Handschreiben des Kaisers an den ungarischen Ministerpräsidenten, in dem er otten ausivrickt. daü «r iefau Lrrrichervrlickteli

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