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Casseler Neueste Nachrichten

911

11

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 99.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 31. März 1912

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

des

1821

ent« aber

lr sich- münd.« Stope'

garn. eJöüte ftr.6,2.

üffe des sozialen Lebens völlig ignoriert. Das Loti klingt herb, ist aber berechtigt, und man

ft en Schaden im staatsbürgerlichen Leben unsrer Zeit, und um eine Schwäche, die mit Energie bekämpft werden muß. Der Staat selbst steht diesen Erscheinungen zwar abweh­rend. aber doch imgrunde hilflos gegenüber, denn seine vorbeugenden Maßnahmen sind im allgemeinen recht beschränkt. Sicher ist indessen, daß am Amtstisch die immer schärfer erkennbar

Utzuöchte wünschen, daß es mit ungeminderter Schärfe aufs Voltsgewissen einwirken könnte, denn es handelt sich wirklich um einen ern-

3nierttonSpretfe: Di« sech-gespalten- Zeil- für einheimisch« Geschäft, 15 Ma., für auS. warttge Inserate 25 $f Reklamezeile für einheimische Aeschhste t» Pf, für au-warlta- Geschäft« 63 Pf. Beilagen für die Gesamtanslaze werden mit 5 Mark pro Tausend be. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung In der Residenz und der Umgebung sind die »asfeler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» Jns-rtian-organ. (Seschäft-stelle- Kölnische ?traüe 5. Berliner Bertretnng: SW, Friedrichstraße 16. Telephon: Amt Maritzplatz S7S

Dlirteilungen aus Mexiko bestätigen einen endgülti---~: « - ----1

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Werdende Ueberfüllung der amt­lichen Berufe ebenso unangenehm empfun­den wird, wie im Volksleben überhaupt, dem durch denDrang zur Krippe" wertvolle und

hier icteu

I

In Saloniki, Smyrna, Langasa und Eski- schener ist der Belagerungszustand proklamiert worden. Ingenieure der Hambur­ger Carbonit-Gesellschaft legten in der Hasen- einfahri von Saloniki Kontaktminen. Die Schiffe werden von Lotsen in das offene Meer geführt. Ein belgischer Dampfer ohne Lotse wurde trotz der Landesflagge, die er führte, be­schossen. Wie aus unterrichteten politischen Kreisen verlautet, wird die Antwort der Pforte auf die Vermittlungsaktion der Großmächte noch Ullversöhnlicher ausfatten, als man erwartet hatte. Die türkische Regierung werde sich nicht darauf beschränken, die Oberhoheits- rechte über Tripolitanien zu verlangen, sondern darauf bestehen, daß vor Beginn jeder Ver­handlung die italienischen Truppen aus Lybien zurückzuziehen sind. Aus Rom verlautet dazu, daß die italienische Regie­rung die Flottendemonstrationen bis nach der Antwort durch die Mächte verschieben werde. Man zweifelt indessen nicht daran, daß die Friedensbemühungen der Großmächte gänzlich resultatlos bleiben werden.

Mit dem Fräulein P r o v o st ließ sich der Kaiser in ein Gespräch über die deutsch- französijschen Beziehungen ein und er soll dabei seine Friedenslaebe betont haben. Alfred Capus berichtet darüber sehr an. schaulich, vielleicht sogar etwas sehr blumig, im PariserFigaro". Danach hat der Kaiser der kleinen Bühnen-Französin versichert, daß ex an nichts, als an den Frieden denke". Her» Capus erzählt darüber:

Aber warum wollen Sie uns denn mit Krieg überziehen?" fragte Mademoiselle Prevost den Kaiser mit "köstlicher Naivität (nach einer bewundernden Bemerkung des Kai. sers über die französische Kultur). Tie liebens.

Sie Nnwrken-Mage.

Ist eine Verständigung in Sicht?

Wie wir gestern schon telegraphisch berichte­ten sind Bestrebungen im Gange, die am Don­nerstag vom Reichstag gestrichene Ostmar- ' e n z u l a g e den Beamten zu erhalten. Es cheint auch, daß die Bemühungen nach dieser Richtung hin Erfolg haben werden, da be­reits jetzt in parlamentarischen Kreisen mit der schließlichen Büvilligung der Zulage sicher gerechnet wird. Im übrigen ist eine Milde­rung der vorgestern beschloflenen Ablehnung vorgesehen. Wir erhalten darüber folgande Meldung:

Berlin, 3b. Marz.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Die Ablehnung der Ostmarkenzulage für die Reichspostbeamten durch den Reichstag wird vorläufig noch keine Folgen zeiti­gen. Wie ich an zuständiger Stelle erfahre, wird die Ostmarkenzulage am ersten April für das zweite Quarta! dieses Jahres an die Post­

gen zu bewilligen, damit die jetzt gezahlten Zu­lagen keine Spitze gegen das Polentum

: lohn, bt die t Ta- iwecks !gend, nögen - man e Ge- Reue-

Paris, 30. März.

In dem krampfhaften Bemühen, die Automobilverbrecher hinter Schloß und Riegel zu bringen, verhaftet die Pariser Polizei einen Unschuldigen nach dem andern. Gestern kam ein Polizeiauto in Rouen an, von woher man signalisiert hatte, daß die Räuber­bande sich dort aufhalte. Bald nach ihrer An­kunft wurden die Schutzleute von einer Volksmenge umgeben. Polizei und Militär wurde benachrichtigt, die Räuber­bande sei eingetroffen. Man verhaftete die Polizisten, die selbst auf der Suche nach den Räubern waren. Nachts um zwölf Uhr wurden sogar drei spazierengehende Rich­ter als die mutmaßlichen Räuber verhaftet und mehrere Stunden in Polizeigewahrfam behalten. Rur in Dünkirchen scheint man einen wirklichen Fang gemacht zu haben. Dort wur­de der berüchtigte und in vielen Ländern be­kannte Anarchist Brunetti verhaftet, der aus Frankreich ausgewiesen war.

Rebellenfieg in Mexiko.

(P riv at - T ek e g r a mm.)

Newyork, 30. März.

Mll Htn röu chen, mft» bu§2 teste-

halten. Definitive Abmachungen Voerben erst nach Ostern getroffen toerby.

HausaSunÄ und Liebesgabe.

staatsamtliche Versorgung wirtschaftlich ver­kümmern, bis endlich der Tag der ersehnten Berufung herausdämmert. Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft erfordern nicht minder tüchtige Köpfe wie der Amtsbetrieb; Fähigkeit und Leistungsvermögen werden auch hier nach ihrem Wert gelohnt und die grö­ßere Möglichkeit des geschäftlichen und beruf­lichen Erwerbs bietet dem Nichtbeamten die Aussicht auf die Erstrebung wirtschaftlicher Selbständigkeit, wodurch der Vorteil der Le- bensversorzung im Staatsbetrieb zum minde­sten ausgewogen wird. Es ist leider auch ein Zug der Zeit", daß grade das Bürgertum danach strebt, die nachwachsende Generation tunlichst dem Staatsamt oder dem fogenannten gelehrten Beruf" zuzuführen, offenbar aus dem Drang heraus, den Nachkommenden die Härten des selbst mühsam geschrittenen Wegs zu ersparen. Es handelt sich hier indessen um ein schlecht gewähltes Mittel, denn die empfind­lichen Nachteile stehen in keinem Verhältnis zum erkennbaren Nutzen, und es ist deshalb durchaus berechtigt, wenn der Staat sowohl wie die Oeffentlichkeit die Forderung erheben: Weg von der Krippe" und zurück zum nützlichen Wettbewerb im freien Spiel der Kräfte!" Damit nützen wir dem Staat, seinem Beamtentum und dem Volk, das zur Nutzbarmachung seiner Intelligenzen und Kräfte derKrippe" nicht bedarf! F. II.

Der Dank der Römer.

Ein Privattele^ramm meldet uns aus Rom: D.xr(Sortiere d'Jialia" ergeht sich heute in heftigen Angriffen gegen Deutschland und wirft ihm vor, Kriegs­konterbande an italienfeindliche Mächte verkauft zu haben. Tas Blatt erklärt, daß die deutsche Presse anstatt die französische, englische und ägyptische Behörde zu kritisieren, besser daran tun würde, ihr Augenmerk auf die deutschen und österreichischen Firmen zu richten, die Waffen für die Muselmanen anferti­gen und die genau wüßten, für wen diese Waf­fen bestimmt seien.

Der Gefangene der Villa Allatini.

Depeschen aus gutinformierter Quelle in Saloniki berichten, daß sich der ehemalige Sultan Abdnl Hamid nicht mehr in der Villa Allatini befindet. Die türkischen Behör­den sollen der Ansicht fein, daß die Sicher­heit in dieser Stadt infolge eines möglichen Flottenangrifss der ftalienischen Flotte gefährdet ist. Aus diesem Grunde habe man dem Exsultan einen neuen Wohnsitz angewiesen. Wo sich Abdul Hamid zurzeit befindet, darüber schweigen sich die türkischen Behörden aus. Die Abreise Hamids soll in der Nacht vom Mon­tag zum Dienstag stattgefunden haben. Einzel­heiten darüber sind nicht bekannt.

Notizen vom Tage.

Die Wahlkrawalle an der Saar.

(Privat-Telegramm)

Saarbrücken, 30. März.

Vor der hiesigen Strafkammer wurden -ze- stern abend nach zweitägiger Verhandlung die Wahlunruhen in Völklingen abge­urteilt. Angeklagt waren dreizehn Hütten­arbeiter, Tagelöhner und Bergleute, die am Abend des Stichwahltages am zwanzigsten Januar nach Bekanntgabe des WaHlbefmtats grobe Ausschreitungen begangen hatten, sie hatten eine Gruppe liberaler Wähler mit Steinen und Bierseideln beworfen und mehrere Personen dadurch schwer verletzt, dar­unter eilten Polizisten, der sich noch heute in Behandlung befindet. Das Urteil lautete ge­gen zwei Angeklagte auf je fünfzehn Monate, gegen einen auf vierzehn, gegen zwei auf acht, gegen zwei andere auf sieben, gegen zwei wei­tere auf sechs und gegen die übrigen beiden Angeklagten auf zwer Monate Gefängnis.

Nachwehen des schlestscheu Streiks.

(Privat-Telegramm.)

Zabrze, 30. März.

Die fiskalischeKönigin Luisen-Grube" hat­te hundertachtunddreißig Bergleuten, die am Streit beteiligt waren, die Wiederein- stellung verweigert. Gestern fand im Zechenhause der Grube eine Versammlung der Arbeitsausschüsse statt, in der die Wieder- e i n ft e I I u n g dieser Arbeiter verlangt wur­de. Die Vertreter der Gruben, die an der Ver­sammlung teilnahmen, erklärten sich schließlich bereit, einen Teil der Arbeiter einzustellen, bestanden aber darauf, daß den Arbeitern, die unter Kontraktbruch die Arbeit verlassen ha­ben, drei Schickten einbehalten werden. Fünf­undzwanzig Vertrauensleute, die an dem Streik beteiligt waren, wurden nicht wieder eingestellt. Meldungen aus Tetschen zufolge dauert der Grubenarbeiterstreik im böhmi­schen Bergarbeiter noch unvermindert an.

Paris wird nervös!

(Privat-Telegramm.)

beamten gez ahlt werden, da die laufenden Ausgaben, zu denen auch die Ostmarkenzulage gehört, durch das R o t e t a ts g es e tz vom Reichstag bewilligt sind. Es erscheint mithin fraglich, ob die Ostmarkenzulage überhaupt für das laufende Rechnungsjahr den Beamten entzogen werden kann, da die einmal gezahlte Zulage innerhalb des Rechnungsjahres unwi­derruflich gewährt werden muß. Man hegt übrigens die Hoffnung, daß der Reichstag in der dritten Lesung seinen Entschluß r ü ck g ä n- g i g machen wird. Es wird versucht werden, bis'zur dritten Lesung eine V erstand i- g u n g zwischen dem Reichspostamt und dem Zentrum herbeizufiihren. Bereits vorgestern sind diesbezügliche Vermittelungsvorschläge im Reichstag eingebracht worden, von denen der eine dahin ging, allen R e ichs p o stb eam- ten in gemischtsprachigen Distrikten, also auch in Elsaß-Löthriugen und in Schleswig Zula-

lügen Sieg der merikani- R e be l l e n. N^ch dem Abzug der Hauptmacht konzentrierten sich die Regierungs­truppen bei Toreon. Die Rebellen" schlossen den General Trvcv-Aubert mit fünfzehnhun­dert Mp.nn Bundessoldaten ein. der in Un°

finden J | sonst. V f

Zeichen der M.

l Die Ueberfüllung der amtlichen Berufe, imql fr .. Während der Hitzigen Etatdebatten

n I der letzten Tage ist in bett Parlamenten wie-

wirtschaftlich nutzbare Kräfte entzogen werden, M die in sozialer Hinsicht das Beamtentum als solches belasten und auch dem nationalen Wirt- lckastskörper einen schweren Ballast aufzwin- zen, dessen Druck sich von Jahr zu Jahr emp­findlicher merkbar macht. \

EL Im gesamten Amtsleben herrscht Ueberfülle an Angebot, und das Heer bet harrenden Anwärter wächst ins Ungeheure. Die Menge des Angebots verschlechtert naturgemäß diewirtschaftliche Situation des Be- E«tums, weil infolge des Anschwellens der LmMrterflut und der gewissermaßen zur mo­ralischen Staatspflicht getoorbnen Neuschaffung Stellen die Einkommen ber etatsmäßigen mtenschaft nicht in bem Maße verbessert d«n können, wie es mit Rücksicht auf die rteuernng ber allgemeinen Lebenshaltung schensweti uttb geboten erscheint. Es ist auerlicherweise) so weit gekommen, baß einem gewissen Recht von einemamtlichen letatiat" gesprochen werden kann, dessen einsbedingungen und Etistenzmöglichkeiten denkbar primitivsten sind, und dessen Le­benshaltung verdüstert wird durch die Sorge mns bescheidenste Brot des Tages. Und trotzdem wird derDrang zur Krippe" wimer ungestümer, strömen Jahr um Jahr Tausende von Kräften, die in Handel und In­dustrie, Gewerbe und Landwirtschaft Nützliches r ft leisten und wirtschaftliche Werte zu erzeugen ^Anöchten, zmn Heer der Anwärter auf staat­lichen Dienst und staatliche Versorgung, und Mehren damit die Saft, die die Staatsorgani- ^Won brückt, unb den Stamm ihrer Beamten- Wft in ber Erstrebung besserer Daseinsbedin- r ftngen behinberi.

Die Ursachen bes Uebels liegen klar zu «ge: Die Verschärfung des Kampfs ums Da- pftt, der von allen im Erwerbsleben Stehen­den die äußerste Anspannung d-r Kräfte ver­langt, erhöht naturgemäß ben Wert ber g e - - kicherten Lebensposition ganz ungemein, tei&ft bann, wenn bie bauernbe Sicherung ber Rialen Position mit bem Verzicht auf die Möglichkeit relativ höherer Einkünfte und wei- kr umgrenzter Berdienstmvzlichkeiten im freien Wettbewerb in sich schließt. Sodann bietet bie amtliche Anstellung neben ber sozialen Existenz- icherung die Altersversorgung durch Pensions- gewahrung und die Fürsorge für bie Hinter- l siebenen: Alles Dinge, die im sozialen Leben : bedeutsame Werte repräsentieren unb die die i größten Verdienstmöglichkeiten im freien Wett- bewerb des privaten Lebens zum mindesten i /Ulwiegen. Diese Werte werden indessen be« M^üchtlich herabgeminbert, wenn ihr W Erwerb von ber llebertoinbung größerer Schwierigkeiten (ber staatlichen Schntzmatz-

^geln gegen bie Hochflut des Anwärter-An- I Drangs) unb der Durchängstigung einer schon weit übers Normale ausgedehnten Wartezeit

- ^hängig gemacht wird. Ter Staat hat gar | RR Interesse an der Steigerung des Au- I brmrgs zur Krippe staatlicher Versorgung; im Gegenteil: Er mutz Vorkehrungen treffen, die-

%pn Andrang auf das normale unb wirt- 'chaftlich erträgliche Maß zurückzuführen.

Ter starke Anbrang zu den staatlichen Aem- tern unb Berufen ist an sich nur zu begreiflich bl einem Laub, bas seinem Beamtentum ein ^rrächtlich Teil großer Vergangenheit ver- r bankt; da er aber nach bem Zeugnis ber Nächst, t "heiligten zu bedenklichen Konsequenzen führt, £ btuß CT mit den gebotenen Mitteln b ek ä m p f t t gerben. Er entzieht dem VolkSkörper Kräfte, lce zweckdienlicher nutzbar gemacht werden MMwUen, als daß sie im jahrlangen Harren auf

kenntnis der Niederlage der Regierungs- truppen nach Jimenez marschierte. Trotz gu­ter Bewaffnung ist es wahrscheinlich, daß diese Abteilung aufgerieben werden wird. Die Rebellen entnahmen der Bank in Cbihuahua zweihundertfünfundsiebzigtaufend Dollars als angebliche Anleihe und besetzten in Düd- mexiko die panamerikanische Eisenbahn. Dieser Sieg öffnet der Armee Orzeos bie Straße nach der Stadt Mexiko! Der amerikanische Ge­sandte Wilson telegraphierte an Taft, daß die fremde Bevölkerung sich in ihren Gesandtschaf­ten versammele. Die Sicherheit ber Fremden scheint bisher nicht gefährdet zu fein.

Bor neuen Kämpfen?

Das türkisch-italienische Kriegs-Spiel.

Es scheint, daß die Friedensaktion ber Mächte im tripolitanischen Abenteuer er­folglos bleiben wirb, benn bie türkische Regie­rung zeigt sich burchans unversöhnlich unb trifft alle Vorbereitungen- um bem geplanten Bombardement der türkischen Hafenstädte durch bie Italiener verzweifelten Widerstand ent« gegenzusetzen. Die Stimmung in bet Türkei war seit Ausbruch bes Krieges noch nie so kampfbegeistert als grabe jetzt, unb man ist in» folgebesien geneigt, in ben Friedensbemühun­gen ber Mächte eine Unfreunblichkeit gegenüber ber Türkei zu sehen. Die neuesten Depeschen melden:

Konstantinopel, 30. März.

(Privat-Telegramm.)

Von ber Casseler Ortsgruppe Hansabunbes wird uns mitgeteilt: Im Hansabund fand gestern eine Konferenz von volkswirtschaftlichen Sachverständigen statt, die über die wirtschaftlichen Wirkungen der ge­planten Aufhebung der Liebesgaben beriet. Nach längerer Erörterung kam die Kon­ferenz zu dem Ergebnis, daß bie Aufhebung der sogenannten Liebesgabe linier dem Ge­sichtspunkt ber Gleichberechtigung ber Erwerbs­stande zu begrüßen ist. Nach Lage ber Ver­hältnisse wirb es jeboch als eilte bringende Not­wendigkeit angesehen, Maßnahmen zu treffen, die eine neueBelastung des Konsums un­ter allen Umftänben verhindern. Die Ein­zelheiten des Gesetzentwurfes werden für eine endgültige Stellungnahme abzuwarten sein. Die Konserenz beschloß, die Fragen durch be­sondere Sachverständige weiter prüfen zu lassen.

herholt das harte Wort über denDrang zur oßer £ Krippe" gefallen: Die Ueberfüllung der )last W amtlichen unb staatlichen Berufe, unb man hat V diese Erscheinung nicht mit Unrecht als Symp­tom einer krankhaften Zeitströmung gedeutet, BBSli ° 3ie die wirtschaftlichen und ethischen Erforder-

Nachklänge zum Kaisertug.

Wilhelm ber Zweite unb die Franzosen.

Es liegt in der Natur ber Franzosen, eitel und sanguinisch zu fein. Kein Wunder affo, daß der Besuch des Deutschen Kaisers bei Monsieur Jules Cambon in den Räu­men der Berliner französischen Botschaft (völ. kerrechtlich alsoauf französischem Boden") ihrem nationalen Selbstgefühl außerordentlich _ geschmeichelt hat. Die Interviews ber glück- ' liehen Festteilnehmer in ben französischen Zei­tungen wollen kein Ende nehmen. Zum Glück scheint der Kaiser aber in den Aeußerungen über politische Angelegenheiten sehr vorsichtig ge. wesen zu sein, sodaß uns diesmal die sonst in französischen Interpretationen fast unvermeid­lichen Mißdeutungen erspart bleiben. Einer immerhin nicht üblen Anspielung auf die Ber­liner Kriseustimmung am Tag des Botschastssestes, begegnet man im Pariser Re- tzierungsblatt, demTemps". Es ist da zu Mfen:

... Wilhelm ber Zweite hat der Aus­führung vonLe Caprice" beigewohnt, ja noch mehr, Muffels 1868 von der Parffer Krftik viel angefelndetes^ Werk hat ihm den höchsten Genuß verschafft. Der Kaiser gab zu, ben Text vorher im Laufe des Nachmittags gelesen zu haben. Viele Wendungen iit Muffels Stück stnd sehr drollig, und der Kaiser ließ es sich nicht nehmen, lebhaft zu applaudieren. Da war zum Beispiel eine Stelle in der achten Szene, wo Madame de Lery (darzestellt von Mlle. Pro- voft), bie Freubin Madame de Chavignys, ben Ehemann fragt: .. besitzen wir über. Haupt heute abend ein Ministeri- u m?" Chavignh:Das weiß id> wirklich nicht." Madame be Lery:Besagte Ministerien sind kuriose Herbergen. Man betritt sie und verläßt sie wieder, ohne zu wissen, warum; sie sind eine richtige Prozession von Marionetten!" Dem Kaiser verschaffte die ungewollte Anspie- lung auf die Tagesereignisse ein großes Amüsement und ber Vergleich ber Ministe­rien mitHerbergen" ließ ihn laut aitflachen."

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