Casseler Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 98
Fernsprecher 951 und 952.
Sonnabend, 30. Marz 1912
2. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
■a
I das Automobil das hilfreichste Requisit war)
Die Svser von khrmttlly. (Privat-Telegram m.)
MSeg und verschwinden endlich, die mo- e Romanti? im Automobil hinter sich losend, hinter einem Bretterzaun. Drei Menschenopfer hat dies Abenteurerstück gefordert, und in zwei frühern Verbrechen (bei denen auch
sne SeJfeler Seuefteu Nachricht«, erschein«! wöchentlich sechsmal und zwar abend«. Der AboanementSpret« betrügt monatlich 50 Pfg. bet kreier Zustellung ins HauS. Bsstellunaen werd«! jederzeit von der SsschLftSstsll« oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag an» Redaktion: chchlachthokstrase 26/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 61« 3 Uhr nachmittag«, Sprechstunden der Auskunft. Stelle! Jeden Mittwoch und Sonnabend von 5 bi« ü Uhr abend«. Berliner Vertretung- SW„ Friedlichste. I«, Telephon: Amt Mortyplatz 676.
H
Amerifa vor dem Mefenstreik!
Dreihundertfünfzigtausend Arbeiter im Streik. (P r i v a t - T e l e g r u m m)
der Arbeiter haben zu keinem Resultat geführt. Der Vorsitzende des Verbandes der syndizierten Grubenarbeiter teilt mit, daß am Montag 350000 Bergleute die Arbeit einstellen werden. Sämtliche Antrazitkohlengruben werden geschloffen sein und nur wenige Bergwerk? können ihre Betriebe aufrecht erhalten. Auch das Syndikat der Eisenbahnulechaniker kündigt an, daß demnächst der Ausstand für dies« Arbeiter-Kategorie proklamiert werden wird. Man rechnet damit, daß in der Mitte der nächsten Woche mindestens fünshunderttauscnd Arbeiter streiken werden und es besteht die Gefahr, daß sich der Streik innerhalb weniger Tage noch weiter ausdehnen und auch andere Industrien in Mitleidenschaft ziehet« wird.
Paris, 29. März.
Fn Chantilly fand gestern die Beerdigung der Opfer des Automobilüberfalles statt. Die Bevölkerung nahm vollzählig daran teil. Mehrere Trauerreden wurden -gehalten. Sämtliche Läden waren an diesem Tage geschloffen. Der Chef der Pariser Sicherheitspolizei hat die Ueberzeugung gewonnen, daß die Autoapachen von Chantilly sich noch in Paris verborgen halten. Ihr ganzes Bestreben richtet sich darauf, unerkannt Paris zu verlassen und ins Ausland zu fliehen. Eine Rundfrage, die gestern an die Pariser Wasfenhändler erging, beweist, daß in den letzten Tagen der Verkauf von Waffen um das Vierfache gestiegen ist, was darauf hindeutet, daß sich der Bevölkerung eine lebhafte Unruhe über das Apachenunwesen bemächtigt hat. Die Nachforschungen der Genfer Polizei haben inzwischen ergeben, daß die drei Pariser Automobilbanditen sich kürzlich auch in Genf aufzehalten haben, wo der Banditenchef Frau und Kind zurückgelaffen hat. Es kann heute keinem Zweifel mehr unterliegen, daß alle die vergangenen Ueberfälle der letzten Zeit von derselben Bpochenbande auSgeführt worden finb, die offenbar über eine regelrechte Organisation verfügt.
Newyork, 29. März.
Der Grubenarbciterausstand ist nunmehr für nächsten Montag definitiv be- schlossen worden. Die Unterhandlungen zwischen den Arbeitacbern und de« Delegierten
Jnserttonspreise: Die fechSgespallene Zeile sür einSeimische D-schäjte 15 Vfa. für an», württge Inserate 25 Pf, Retlamezeile für einheimische Seschüfte 43 Pf, für ouäroättlge Geschäfte 60 Pf. Beilagen für bte Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend de. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Dasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moriyplatz «76.
Berliner Sensationen.
Ter Generalkonsul von Costarica geflüchtet!
Berlin hat wieder seine gesellschaftliche Sensation: Der Generalkonsul von Costarica in Berlin, Hugo W. A. Müller, der in der Seydelstraße eine große Passementerie- und Konfektionsfabrik betrieb, ist nach Hinterlassung einer sehr bedeutenden Schuldenlast g e- flüchtet. Es ist inzwischen ein Steckbrief hinter ihm erlassen worden. Die Geschäftsräume wurden von der Staatsanwaltfchast geschlossen und versiegelt. Ueber das Vermögen Müllers soll heute Konkurs eröffnet werden. -Ueber die sensationelle Affäre werden folgende Einzelheiten bekannt: In der ,Han- delsstätte am Spittelmarkt" in der Seydelstraße betrieb der jetzt achtundvierzig Jahre alte Kaufmann Müller eine bedeutende Passemen- terie- und Konfcktionsneuheitenfabrik, einmal unter seiner Firma Hugo Müller und weiter unter der von Vogl u. Co. Die Geschäftsräume nahmen den ganzen ersten Stock des langgestreckten Handelshauses ein und kosteten fünfzehntausend Mark jährliche Miete. Müller war vor etlichen Jabreu Generalkonsul von Costarica geworden und trat stets sehr vornehm auf: im verflossenen Jahr ließ er sich in Scblach- tensee eine prachtvolle Villa errich'en. die er verschwenderisch ausstattete. Er hatte auch mehrere prunkvolle Privatautomobile, hielt eine zahlreiche Dienerschaft, gab große Diners, war auf dem Turf, in den verschwiegenen Spielsälen und überall, wo man sich nicht langweilt, eine oft und gern gesehene Person, da er stets sehr freigebig war. Müller spielte die Rolle des Grandseigneurs und wußte sich mit dem strahlenden Nimbus eines vielfachen Millionärs zu umgeben. In seinen großen Bekanntenkreisen
galt er als Millionär.
Hingegen war es in Geschäftskreisen schon seit mehr als Jahresfrist durchgesickert, daß die Dermögensverhältniffe Müllers nicht günstig waren. So mußten mehrere Firmen, die damals mit ihm arbeiteten, erst den Klage- Weg beschreiten, um zu ihrem Geld zu kommen, und dabei handelte es sich um kleinere Summen, um tausend Mark und weniger. Wie Müller es trotzdem möglich gemacht hat, sich noch über ein Jahr über Wasser zu halten, ist allen ein Rä!sel. Dabei hatte er ein großes Personal, das nichts von dem drohenden Zusammenbruch ahnte. Um so mehr waren die Angestellten gestern erstaunt, als ihnen die Türen zu den Geschäftsräumen nicht geöffnet wurden. Bald erfuhren sie denn auch, daß ihr Chef geflüchtet und die Raume von der Staatsanwaltschaft .unter Siege! gelegt seien. Mittags erschien der Konkursverwalter, der sämtliche Bücher zur Prüfung mitnahm. Zurzeit ist noch nicht zu sagen, wie hoch sich die Passiven belaufen. Man schätzt in eingeweih- ten Kreisen, daß die Unterbilanz etwa eine Million Mark betragen dürfte. Auch mehrere Großbanken sollen, dem Vernehmen nach, geschädigt sein. Müller fuhr Anfang Februar nach der Schweiz, von wo er vorgestern nack Berlin zurückkehrte. Gestern weilte er auf einige Minuten in seinem Ge- schäft, wahrscheinlich, um kompromittierende Papiere beiseite zu schaffen. Wie er seiner Dienerschaft erzählte, wollte er wieder die Schwei, auftnchen. Gestern abend reiste er auch ab. wohin er sich aber begeben Hot, darüber sind die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen.
Wild-West an der Seine-
M Moderne Räuberromantik in Paris.
■_ Paris, das einst die .Lichtstadt der Welt" hieß, ist auch im zwanzigsten Jahrhundert noch ein Märchen: Eine Vergangenheit voller Rätsel, «ine Gegenwart krassester Gegensätze, und eine Zukunft, zusammengewoben aus Phantasmen. Mit der vierten Geschwindigkeit rast an der Seine der Tag vorüber, und ebenso rapid wechselt jeder Tag seine Heroen. Bald wird Blsriot bejubelt, und bald der Musiker Saint-Saöns, und je nach dem Sujet wird die nationale Leier auf Dur oder auf Moll gestimmt. Jetzt ist der Held von Paris kein Einzelner, sondern eine ganze Gruppe. Die Herren Apachen haben die Aktualität für sich, und sie halten sie (da 'sie energischer sind als die Dichter. Gelehrten und sogar die Aviatiker) auch für einige Zeit fest. Sie scheinen perfekt zu wissen, wie man dies macht. Sie lassen den alten Ruhm nicht verblassen, und wenn sie ihn «in bißchen abflauen sehen, frischen sie ihn gleich auf. Auf zwei ihrer bemerkenswerten Streiche ist jetzt ein dritter gefolgt, der entsetzlich, blutig, aber voll des höchsten Interesses ist: Auf einer Waldstraße, nahe bei Paris, und vor der reizenden Provinzstadt Chantilly, haben ihrer sechs ein Luxusautomobil sich angeeignet. Es fuhr in der Frühsonne glänzend dahin, als einige wohlgezielte Schüsse den Lenker vom Sitz rissen. Rasch beseitigten sie den zweiten Chauffeur, daß er mit weiten Sprüngen davonlief, und nun erkletterten sie das Fahrzeug, dessen Motor noch knattert (so rasch ist der Ueberfall geschehen) und rasen zu einer Bank- fatale nach Chantilly.
- -Was im Wege steht, wird niedergestreckt, bis faflfzigtaufend Francs erbeutet sind. Und mif ' luden Karabinergeschossen bahnen sie sich
Feuer im MMeMlaft.
Brandstifter im Ministerium des Aeußern?
Depeschen ans Konstantinopel melden: Das Palais des Mini- sterS des A e u st e r n wurde gestern abend ein Raub der Flammen Die Familie des Ministers, sowie ein Teil des wertvollen Mobiliars konnten in die benachbarte de-ck-'che gerettet werden. Der Schaden ist sehr beoeutend.
Ein Privattelegramm aus Kon - st a n t i n o p e l berichtet uns über die Brand- Katastrophe noch folgende Einzelheiten: Das Feuer kam in dem der Deutschen Botschaft benachbarten nördlichen Flüael als ein K a m i »-
Der Mörder und sein Opfer.
(Privat-Telegram m.)
Osterode, 29. März.
Die Bluttat in der Kaserne des achtzehnten Infanterie-Regimentes wurde erst ziemlich spät bekannt, verbreitete sich aber dann wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt und erregte begreiflicherweise das größte Aufsehen, da sich eine derartige Tat in dieser Gegend noch nie ereignet hat. Man wurde unwillkürlich an die Ermordung des Rittmeisters von K r o l i a k erinnert und infoIc-Micn
Adel (unter dem vierzehnten Ludwig), wonach die Bourgeoisie in der Zeit ihrer Alleinherr, schäft begehrte, das wünscht jetzt (auf seine Weise) auch dieser Satz, der gemeine Niederschlag der Nation, der aber nichtsdestoweniger auch die Eigenschaften der Nasion an sich hat. Ein andrer Grund für die üppige Verbrecherzucht ist auch die schrankenlose Be- wunderung, die heut in Paris dem physischen Rekord, der Kraft zuteil wird. Bernsteins violente Dramen und die Nachahmungen herrschen in den Theatern, Boxkämpfe mit tätlichem Ausgang locken die feinste» (oder doch reichste») Kreise schamlos herbei, und zuletzt nimmt das Bemühen, das sportlich zu großen, menschlichen Zielen strebt: Die Aviatik, alle Leidenschaften in Anspruch. Der junge Gymnasiast, der seiner Kraft bewußt ist und nicht in Bürostuben verkümmern will, hat nur ein Ideal: Er will Pilot werden und im „Fluge" sich die Millionen- preise der Blöriot und Genossen auch gewin- »e». Und wenn man dem ewige» Gewitzel der französischen Vaudevilles glauben darf, hat eine Dame, die sich „respektiert", jetzt nur einen Aviatiker zum Freund. Das Apachentum ver- hält sich freilich zu diesen teils unmateriellen und teils der Menschheit dienenden Sportbe- strebungen wie irgend ein elendes Surrogat zu einer natürlichen, gesunden Speise.
Dann kommt freilich noch die Amerikanisierung der westlichen große» Städte dazu, die jäh aufschnellenden Konjunkturen der Arbeitsfülle und die baK> Arbeitslosigkeit verschuldet, bald Menschen aus der Provinz und der Fremde in die Hauptstadt zieht und sie rasch auf das Pflaster wirft. Streiks, Aussperrungen, Arbeitslosigkeit vermehren die Armee der Verbrecher, bte den, Luxus vor sich sehen und aus einer gewisse» Wohlhabenheit in die tiefste Armut stürze». Aus sozialen, gesellschaftlichen. auch aus politischen Ursachen gedeiht daS Apachentum. Es ist ein Unkraut, das gefährlich ist, aber nicht auf jedem Boden wachse» kann. Denn derselbe Humus nährt auch die Blüte», die die kultivierte Menschheit bewundert Darum wäre es verfehlt, aus einer Erscheinung die ganze Flora des heutigen Frankreichs wieder einmal verurteilen zu wollen. Das Kultur-Raffinement, das in keinem Winkel der Welt so üppige Blüten treibt, als in der Märchenstadt an der Seine (in deren Erinnerungen alle Leidenschaften des Guten und Böse» aus vier Jahrhunderten schlummern), es läßt auch daS Unkraut wie unter der Glut der Tropensonne emporschießen, und was unferm nordisch-kühlem Empfindest vielleicht unfaßbar, grausig und verbrecherisch erscheint, weckt in der Vorstellung des Franzosen noch den Reiz des Interessanten und Pikanten. Denn die Metropole an der Seine ist (auch heut »och) das wirklichkeitgewordne Märchen!
-an.
3as Drama von Ssirrodr. Hauptmann Reetsch von einem Musketier er- schossen; Selbstmord des Mörders nach der Tat.
(Telegraphische Meldungen.)
Wie wir schon gestern abend in unserem Depeschen - Aushang berichtet haben, hat sich am Donnerstag vormittag in Osterode in Ostpreußen ein Vorfall ereignet, der stark an die heute noch in Dunkel gehüllte Krofigkaffäre i» Gumbinnen erinnert. Der Hauptmann Reetsch vom Infanterieregiment Nr. achtzehn von dem Musketier Ehnerslebe» erschossen. Darauf gab fich der Täter durch eineu Schutz selbst den Tod. Ueber die sensasionelle Affäre liegen uns aus Osterode folgende telegraphische Meldungen vor: Gestern vormittag kurz nach elf Uhr wurde Hauptmann Reetsch. der Kompagniechef der elften Kompagnie des Infanterie-Regiments von Grolman (erstes Po- sensches Nr. 18) auf dem Kasernenhof von dem der gleichen Kompagnie angehörenden Musketier Ehnersleben, der im ersten Dienst- jahre stand, erschossen. Der Musketier befand sich auf dem Gang seines Kompagnic- reviers und schoß vom Gangfenster aus mit seinem Dienstgewehr auf seinen Hauptmann. Dieser wurde in die linke Brustseite getroffen und stürzte foforttot zu Boden. In der Begleitung des Offiziers hatte» sich einige andere Offiziere befunden. Bevor sich diese im ersten Schreck klar wurden, was eigentlich geschehen war, krachte auch schon ein zweiter Schuß in dem Kompagniegang. Der Musketier hatte sich selbst durch einen Schuß in den Kopf getötet. Ehe noch einige im Kompagnierevier anwesende Unteroffiziere und Soldaten herbeieilcn konnten, war die Tat geschehen. Beide Leichen wurden in die Leichenhalle des Garnisonlazaretts gebracht. Die Ursache des Vorfalles soll nach einigen Meldungen darin zu suche» fein, daß Hauptmann Reetsch gegen seine Untergebenen angeblich sehr streng war: von anderer Seite wird indessen versichert, daß der erschossene Hauptmann sich bei seiner Kompagnie großer Beliebtheit erfreute und daß die Tat wahrfchein- sich in einem Zustand von Geistesstörung des Mörders und Selbstmörders begangen worden ist.
Polizei stellt die Täter zwar nicht, aber in Er- inangelung dessen stellt sie Statistiken zusam- men: Im ganzen seien dreitausend Schüsse abgefeuert worden. Mehr also, als in jeder Schlacht bisher in Tripolis! Die zwecklose Geschäftigkeit der Polizei, die natürlich die friedlichsten Staatsbürger verhaftet und die kühne» Verbrecher in Ruhe läßt, die fixe Disziplin der Bande und ihr präzises Benutzen des Augenblicks, die Abruzzenpoesie, die mit einem Male im Herzen der „Lichtstadt" aufblüht: Das alles entfesselt in Paris alle Geister des populären Empfindens. Man fürchtet diese neuen Fra Diavolos, aber man . . . bewundert sie auch. Im Guignolspiel interessiert die stan- Zösffchen Kinder und Erwachsenen am meisten der Wurstel, der den Polizeikommissar verhaut. Man wird, wenn irgend ein Zufall die Banditen doch den Sicherheiisbrigaden in die Hände liefern sollte, die Herrschaften köpfen, aber ihr . Ruhm bleibt nun sicher.
In den Jahresrevuen, die ein zuverlässiges Maß für die Popularität liefern, werden sie weit sympathischer behandelt fein, als manche Politiker der Regierungsmajorität. Und auch d i e s ist ein Symptom der sonderbaren Erscheinung, die nicht allein vom Standpunkt des Pariser Chronisten aus. gewertet werden darf. In einer Gesellschaft, die in allen Schichten die größte Verfeinerung der Sitte» erreicht hat, in einem sozialen Gebilde, das alle Schärfen des brutalen Lebens abzuschleifen sucht, tritt ein Rückschlag erloschner Instinkte zutage. Zunächst die Apachen selbst, die heut fcho» mit eine „Institution" von Paris sind. Ran sieht auf der Straße ein verdächtig blik- kendes Individuum, das in seinem Gebaren und in seiner Kleidung genau alle Zeichen seines Berufes an sich hat,: und man konstatiert: fe$a5 ist ein Apacbe! und 'geht weiter. Vor mehr als zehn Jahre» (nach dem Schluß der Weltausstellung) war die Korporatton aufge- taucht, und schon im Namen gab sie zu erkennen, daß sie ein eignes Privileg für sich in Anspruch nahm. Raub und Totschlag, nicht in | banaler Alltagsweife aus geführt, sondern in besondrer, interessanter. Sie sind, die Apa- chen, ein Bruchteil des Pariser Volks und haben in sich die Veranlagung, bei allem auch durch die Geste zu wirke». Tie Apache» arbeiten nicht um ideellen Lohn, aber sie wollen »wirken".
Auch das ist ein Zeichen der Zeit, da? in der Kultivierung des Volksempsindens und iehur em tarn Triebe liegt. Wonach früher der
brand aus, der zunächst das Obergeschoß entzündete, so daß das wertvolle Mobiliar der beiden unteren Stockwerke in die Deutsche Botschaft gerettet werden konnte. Der Brand wurde zuerst von der Deutschen Botschaft aus und von Privaten bemerkt. Der deutsche Botschafter kam perfönlich in den Konak und veranlaßte auch dieRettungderKin- der des Ministers, die in die Deutsche Botschaft geführt wurden. Der Botfchaster gab auch die ersten Befehle für die Bekämpfung des Feuers. Der Minister des Aeußeren, Aff im Bey, der sich auf der hohen Pforte befand, wurde um halb sechs Uhr abends telephonisch von der Katastrophe verständigt. Alle Bemühungen der Feuerwehr waren auf die Lokalisierung des Brandes, vor allem auf den
Schutz der deutschen Botschaft gerichtet. Militär sperrte alsbald das ganze vornehme Viertel ab. Auf dem Dache der Botschaft sah man Leute damit beschäftigt, die niederprasselnden Feuerbrände auszulöschen. In der Stadt herrschte lebhafte Bewegung. Alle Minister und Präfekturbeamten und die Adjutanten des Sultans und des Thronfolgers begaben sich sofort auf die Brandstätte. Bei der Bekämpfung des Brandes habe» sich die hier stationierten deutschen Matrosen tatkräftig beteiligt. Um zehn Uhr abends war dcks Feuer im Verlöschen. Die Deutsche Botschaft ist unbeschädigt. Menschen wurden nicht verletzt. Die Menerfchast Assim Beys wurde in Untersuchungshaft genommen, da der Verdacht derBrandstiftung besteht. Der Minister und seine Frau wurde» in die deutsche Botschaft aufgenommen.