Einzelbild herunterladen
 

Donnerstag, 28. März 1912.

Casseler Neueste Nachrichten

Letzte Telegramme.

Mach Schloß der Redaktion eingegaagea.)

Sin Abend in Lpnrto.

(Privat-Telegram m.)

Oporto (Portugal), 27. M8rz.

Tie fortschrittlichen Republikaner hat« ten für gestern abend eine Versammlung einbe- rufen, um gegen einen Artikel, der von einem Journal in Oporto veröffentlicht worden und von einem anderen Journal abgedruckt worden war, und in dem die Vernichtung Por­tugals durch eine andere Großmacht be­sprochen wurde, Stellung zu nehmen. Di« Menge drang in die Lokale des Journals ein und zerbrach sämtliche Fensterscheiben. Auch dar Möblement fiel der Zerstörungswut der Menge zum Opfer. Dann begab sich die Menge nach dem Gebäude des andern Journals, das der gemäßigten republikanischen Richtung angehört. Tort griff jedoch die Polizei ein. Trotzdem schlugen die Manifestanten sämtliche Fenster­scheiben ein. Dann zogen die Kundgeber vor die Wohnung des Direktors des Blattes, feuer­ten Revolvers chüsse ab und warfen Bomben gegen das Haus. Es wurde jedoch niemand verletzt.

Zwei Opfer der Liebe.

Neu-Ruppin, 27. März. (Priv ak- telegram m.) Gestern ist in einem Dorfe Bechlin die zwanzigjährige Tochter eines Land­wirts von ihrem Liebhaber, einem Landwirts fohn, erschossen worden, weil das Mädchen das Verhältnis mit ihm gelöst hatte. Der Mör­der hat sich nach der Tat ertränkt.

Vom eigenen Neffen ermordet!

Halle (Saale), 27. März. (Privat-Te- l e g r a m m.) In dem Dorfe Stedten bei Halle wurde die sechzigjährige Witwe Schuh­mann in einer Blutlache tot aufgefunden. Sie war durch zahlreiche Messerstiche in Brust und Kopf in bestialischer Weise er­mordet worden. Ihr zweijähriges Enkel­kind fand mon in einem Kommodenkasten ster­bend auf. Dem kleinen Wesen war die Kehle halb durchgeschnitten; auch sonst war das Kind durch Messerstiche schrecklich zugerich- t c t. Die polizeilichen Nachforschungen haben ergeben, daß als Mörder ein Neffe der W i t we in Frage kommt, der ste tags zuvor besucht hatte. Der Mörder ist flüchtig.

Russische Soldaten als Mörder.

Petersburg, 27. März. (Privat. Telegramm.) Der Rittmeister Mali­sche w s k i, Kommandeur einer Grenzwache- Abteilung in der Nähe von Petersburg, wurde von zwei Soldaten seiner Abteilung ermor­det. Nachdem die Täter Geld und Wertsache» geraubt hatten, entflohen sie.

Die Millionenschätze der „Oreana".

London, 27. März. (Privat-Tele. g r a m m.) An der Küste von Eastborne habe« Taucher gestern mit der Bergung der Gold- l a d u n g der gesunkenen „O c e a n a" (die einen Wert von fünfzehn Millionen Mark hat) begonnen. Die Taucher drangen in die Kabine des Kapitäns ein und fanden dort den Schlüssel zu dem Stahlschrank, in dem daS GoÜ> lag. Bisher haben sie eine mit Gold- rnünzen gefüllte Käste und zwei Sllberbarreu gehoben. Man hofft, den ganzen Schätzt» Sicherheit bringen zu können.

Das Drama von BluefieldS. *

Bluefields (Westvirginia), 27. März. (Privat-Telegramm.) Es bestätigt sich, daß von den eingeschloffenen Bergleuten z w e i- u n d a ch t z i g bei der gestrigen Explosion g e. tötet worden sind. Die genaue Zahl der Der. letzten steht noch nicht fest, doch dürfte die Zahl groß sein. Die Leichen der Gelöteten warev schrecklich verstümmelt.

Afrikanische Tragödien.

Oran, 27. März. (Privat-Tele« gramm.) Aus Colomb-Bechar wird gemd« det, daß eine Karawane, 150 Meter von Ev- lomb-Bechar entfernt, von einem heftigen Wir­belsturm, begleitet von Regen und Rebel, sowie ungeheurer Kälte, überrascht wurde. Fünfzehn Mitglieder der Karawane find mnge- kommcn.

Neue Kämpfe in Mexiko.

Ncwhork, 27. März. (Privattele« gram in.) Die Situation in Mexiko gestaltet sich immer bedrohlicher. Bei dem ersten Zu- sammentreffen mit den Streitkräften des Gene­rals Orozco in der Nähe von Toreon wurde« die Regierungstruppen geschlagen. Sie ver­loren vierhundert Tote. Die Jnsur- menten machten zahlreiche Gefangene.

wurden hierauf zu Rechnungsprüfern gewählt, die dem Kassenführer Entlastung erteilten. Hierauf erfolgte die Wahl für die ausscheiden­den Vorstandsmitglieder. Schriftführer Dö­ring wurde wiedergewählt. Anstelle der aus­scheidenden Beisitzer Stadtrat Weiß und Loko­motivführer Grotzkurth wurden gewählt Kapitän zur See z. D. Fischer und Eisen­bahngüterbodenvorsteher Eifel. Hierauf er­folgte die Beratung über Abänderungen der Statuten, die aber lediglich redaktioneller Natur waren, die jetzt vor dem Druck erst noch vom Provinzialverband genehmigt werden müssen.

-T- Ein Opfer der Fulda? Gestern abend HÄb elf Uhr entfernte sich ein in der Oskar- straße wohnendes fünfzehnjähriges junges Mädchen aus seiner Wohnung und kehrte bis heute nicht zurück. Ein Mädchen will nun ge­sehen haben, daß die Verschwundene in der Nähe der Hafenbrücke in die Fulda ge­sprungen sein soll und auch ein Bleicher will Hilferufe vom Wasser her gehört haben. Näheres ließ sich bis zum Redaktionsschluß noch nicht feststellen.

4- Stiftungs-Fest im Bürgerverein Der Bürgerverein Kirchditmold beging dieser Tage seinen siebenten Stiftungstag durch eine Familienfeier. Einleitend hieß der Vor­sitzende, Landesobersekretär Kropf, die An­wesenden herzlich willkommen und ging dann näher auf die Bedeutung der Bürgervercine ein. Er wünschte, daß der Verein weiter blühen möge zu Nutz und Frommen des Stadt­teils Kirchditmold. Es folgten musikalische Darbietungen, Violin-, Gesangs- und humo­ristische Vorträge in bunter Folge. Ein Ball hielt die Festteilnehmer noch lange bei-1 jammen.

4- Die Casseler Gewerbehalle. Im klei­nen Saale des Palais-Restaurants sand gestern abend eine gutbesuchte Versammlung des Han­dels- und Gewerbevereins statt, die Herr Stadtrat Ruetz eröffnete. Den wicktig- sten Puntt der Tagesordnung bildete die Vor­lage des Voranschlags der Gewerbe­halle für das Rechnungsjahr 1912/13 und die Bewilligung eines Zuschusses von zweitau­send Mark. Nach dem Voranschlag setzen sich die Einnahmen zusammen aus dem Zuschüsse des Staates mit viertausend Mark, der Stadt Cassel mit tausend Mark, des Bezirksverban­des mit achthundert Mark, der Handwerkskam­mer mit zweihundert Mark und des Handels­und Gewerbevereins mit zweitausend Mark. An Ausgaben sind vorgesehen: Verwaltungs­kosten 2500 Mark, Bibliothek und Zeitschriften 1000 Mark, Sammlungen 1000 Mark, Inventar 200 Mark. Porto, Fracht und dergl. 600 Mark; insgemein 2700 Mark, sodaß der Voranschlag abschließt mit 8000 Mark. Gegen den Voran­schlag und die Bewilligung des Zuschusses von 2000 Mark des Handels- und Gewerbevereins erhob sich kein Widerspruch, so daß er genehmigt werden konnte. Hierauf fand die Wahl von fünf Ausschußmitgliedrrn durch Zettelabgabe statt. Zum Schluß hielt Landesrat Beck einen Vortrag über die Reichsversicherungsordnung, der großen Beifall fand.

4- Cassels Friedrichs-Gymnasium. Wie wir

dem soeben erschienenen Jahresbericht des Kgl. Friedrichs-Gvmnasiums in Cassel für das Schuljahr 1911/12 entnehmen, findet die Auf­nahmeprüfung für Sexta an diesem Freitag, vormittags zehn Uhr, statt, für die anderen Klaffen am fünfzehnten April, vormittags acht Uhr. Die Aufnahme in die Sexta geschieht vor­schriftsmäßig in der Regel nicht vor dem vollen­deten neunten Lebensjahre. Als elementare Vorkenntnisse müssen dabei nachgewiesen wer­den: Geläufigkeit im Lesen deutscher und latei­nischer Druckschrift, leserliche und reinliche Hand- schrist, Fertigkeit, Diktiertes ohne grobe Fehler nachzuschreiben, Sicherheit in den vier Grund­rechnungsarten mit ganzen Zahlen und Be­kanntschaft mit den wichtigsten Geschichten des Alten und des Neuen Testaments. Das neue Schuljahr beginnt am Montag den fünfzehnten April. Sämtliche Schüler erscheinen an diesem Tage nachmittags halb vier Uhr im Gym­nasium, um nach Mer Andacht den Stunden­plan und sonstige Weisungen von ihren Klassen­leitern entgegenzunehmen. Der Unterricht be­ginnt am Dienstag den sechzehnten April, vor­mittags acht Uhr. Versuchsweise werden die Lehrstunden, mit Ausnahme der für die Turn­spiele bestimmten und weniger anderer, auf die Zeit von acht bis halb zwei Uhr gelegt werden.

Fünfundzwanzig Jahre Gesangverein. Dieser Tage hatte sich der hiesige Männerge­sangverein .Sängerkreis Askalonia" zu einer Familienfeier seines fünfundzwanzigjährigen Stiftungsfestes in seinem Vereinssaal „Ahna- schänke* versammelt. In seiner Begrüßungs­ansprache schilderte der Vorsitzende die bisheri­ge Tättgkeit des Vereins. Dann wechselten Gesänge und Vorträge ernsten und heiteren Inhalts und unterhielten die Festteilnebmer bis zur frühesten Stunde. Am vierten, fünf­ten und sechsten Mai findet die Hauptfeier statt, an der eine große Anzahl hiesiger und auswärtiger Vereine teilnehmen.

-4- Kleine Tageschronik. An dem Frie- drichsplatz wurde heute vormittag von einem Automobil ein werwoller deutscher Schäfer­hund überfahren und schwer verletzt. Das Tier mußte auf der ©tctte getötet werden. — In der Wolshagerstraße gerieten gestern nachmit­tag zwei kleine Kinder, die den Fahrdamm überschreiten wollten, unter einen Bäckerwa­gen, kamen aber mit geringen Verletzungen davon. — Im Verein für hessische Volkskunde, der heute abend 8 Uhr im .Evangelischen Vereinshaus seine Monatsver- ärnmlung abhält, werden Professor Salz­man n über den Lautstagrd des Hersfelder Mundart, A. Vokalismns, Oberlehrer Gre­be über heidnifche Reste im hessischen Volksle­ben, und Kantor Horwitz über einen Gang über den hiesigen israelittschen Friedhof Vor­träge hatten. Gäste sind willkommen. — Im Bund für persönliche Religion hält den letzten der diesjährigen Vorträge der Verteidiger Jathos vorm Spruchkollegium, Professor D. Baumgarten-Kiel über .Autori­tät und Pietät" Donnerstag, den 28. d. Mts. im Hanufch-Saal.

4- Das Wetter am Donnerstag. Der amt­liche Wetterbericht sagt für den morgigen Don­nerstag für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Zeitweise wolkig, doch warm und

beim Ausscheiden aus einem Dienst das mit । dem Zeugnis der letzten Herrschaft versehene Dienstbuch der Ortspolizeibehörde zur Beglau­bigung ufw. vorzulegen und dann der neuen Herrschaft zur Aufbewahrung zu übergeben. ; Keine Dienstherrschaft darf einen Dienstboten ohne Dienstbuch in den Dienst nehmen, und jede Dienstherrschaft hat in dem von ihr auf- : zubewahrenden Dienstbuche bei Lösung des ; Dienstvertrages die Spalten 5 und 6 wahrheits­getreu auszufüllen; die wissentlich unrichtige , Ausfüllung ist ftrafbar. Außerdem wird daran ' aufmerksam gemacht, daß Dienstboten, unab­hängig von der Erwirkung der vorgeschriebe­nen Dienstbücher und ihrer polizeilichen Abstem- . pelung von ihren Herrschaften oder, soweit ste bei diesen nicht wohnen, von ihren Logisgebern, im Geschäftszimmer des Polizeireviers mit dem ' vorgefchriebenen Meldeformular schriftlich an­zumelden sind.

4- Wer zieht um? Beim bevorstehenden Vierteljahrswechsel werden Mieter und Ver­mieter auf die Bestimmungen über das Polizei, liche Meldewesen hingewiesen. Der Text die­ser Polizeiverordnung ist int Adreßbuch für Cassel ab gedruckt.

4- Die Militärbrücke über die Fulda. Heute vormittag wurde die Milktärbrücke neben der Eisenbahnbrücke über die Fulda dem öf­fentlichen Verkehr freigegeben. Die Brücke be­findet sich bekanntlich zwischen dem Auepark und der Neuen Mühle und dient dem Verkehr zwischen der Neuen Mühle und dem Truppen­übungsplatz bei Waldau. Sie ist vollkommen aus Holz hergestellt und an einem der starken Pfosten wurde sogar ein kleines Mühlenrädchen angebracht. Die Benutzungsgebühr beträgt für Fußgänger und Radfahrer drei Pfennig«, für einspännige Fuhrwerke fünf und für zweifpän- nige Fuhrwerke zehn Pfennige. Für Automo­bile ist die Brücke verboten.

4- Unter alten Schulkameraden. Anfangs dieses Monats wurde eine Versammlung ein- berufen, um einen Verein ehemaliger Schüler der Real- und Oberrealschule in der Hedwig, straße zu gründen. Nicht umsonst erging der Rus und viele ehemalige Schüler fanden sich ein. Herr Reul ging näher auf die Ziele und den Zweck des Vereins ein. Dann teilte Pro­kurist Bünting mit, daß ein Verein ehemaliger Realschüler bereits vor dreiundzwanzig Jah­ren gegründet sei, und dieser Verein in zwei Jahren sein silbernes Stiftungsfest feiern wollte. Herr Bünting schilderte in einer kurzen Rede die Gründung des Vereins und gab einen kurzen Bericht über die erfolgreiche Tätigkeit des Vereins während der dreiundzwanzig Jahre. Gegen Mitteruacht schloß der Einbe- rufer die Versammlung, indem er die Anwe­senden aussorderte, dem bestehenden Verein bei­zutreten, der am ersten April im „Palais-Re- ftauiant" zusammenkommt, und von der Grün­dung eines neuen Vereins abzusehen.

-4- Unterstützung hilfsbedürftiger Kriegsve­teranen. Vor uns liegt der Jahresbericht der »Germanien" (e. V.), Sitz Leipzig, ein Verein zur Unterstützung bedürftiger Kriegsveteranen von 1848 bis 1870/71 für die Zeit vom ersten Januar 1911 bis ;um 31. Januar 1912. Der Bericht führt das Motto: „Ein dankhares Volk ehrt seine Helden". Der Verein wurde durch ein Stammtischgespräch gegründet und nun wirkt diese Gründung durch Verteilung von bisher über sechstausend Mark an alte, vermö­genslose Leute, di« seinerzeit das Deutsche Reich erkämpft haben und nun im Elend le­ben. Seit 1905 sind jährlich Weihnachts-Be­scherungen veranstaltet worden, wobei die Ver­eins-Mitglieder Geld und Lebensrnittel ver­teilten. nachdem sie vorher di« Bedürftigsten unter den Würdigsten zufammengesucht hatten. Zwischendurch ist außerdem noch bedürftigen Veteranen mit Rat und Tat geholfen worden. Die Mitgliederzahl hat im vergangenen Jahre bedeutend zugenommen und es besteht die feste Zuversicht, daß im kommenden Geschäftsjahr wieder viele Veteranen unterstützt werden können.

4- Bestandene Prüfungen Unter dem Vorsitz des Landeshauptmanns fand bei der Landes- Versicherungsanstalt Hessen-Nassau, hier, in den letzten Tagen die diesjährige Landessekretär- nnd Sekretär-Prüfung statt. Es bestanden die Prüfung zum Landessekretär: Sekretäre Stein, Ellermann, Volke, Weber und Hüpeden, und zum Sekretär: Militäranwärter Siebert. Die Prüfung zum technischen ütffiftenten bei der Stadt Cassel bestanden die Herren Bachmann, Kapeller, Marzi, Schwer.

4- Im Deutschen Flottenverein. Unter nur geringer Beteiligung hielt gestern abend der Deutsche Flottenverein, Ottsgruppe Cassel, die ordentliche Hauptversammlung ab, die von Generalleutnant z. D. Crelinger, der an­stelle des ausgeschiedenen Kontreadmirals Ro­senthal als erster Vorsttzender gewählt ist, ge­leitet wurde. Schriftführer Döring er­stattete den Gefchästsbericht und konnte die Fest­stellung machen, daß auch im abgelaufenen'Ge- fchäftsjahr ein wesentlicher Auffchwung des Vereins stattgefunden habe. Die Mitgliederzahl stieg auf 775. Kommerzienrat Plaut erstat­tete hierauf den Rechnungsbericht, der eine Ein­nahme von 2527,90 Mark und eine Ausgabe von 2281,10 Mark aufweist, so daß ein Ueber- fchuß von 246.80 Mark gebucht werden konnte.

Hansabundes ist der, daß die Brannkweinlie- besgabe ausfallen wird, aber es müsse jetzt energisch agitiert werden dahin: Ohne Deckung keine Wehrvorlag«. Auf eine Anftage hin erklärt« der Referent ein Gerücht für unzu­treffend, wonach der aus dem Direktorium aus- geschiedene Oberbürgermeister a. D. Knobloch eine Abfindungssumme von achtzig tausend Mark erhalten habe.

4- Ein Unfall am Webstuhl. In einer hie. siaen Jutespinnerei geriet der am Webstuhl be- schästigte Arbeiter K. mit dem Ann in die Metz- maschine und brach sich dabei den rechten Un­terarm. Der Verletzte wurde, nachdem ihm die erste Hilfe zukam, im Automobil nach dem Landkrankenhaufe gebracht.

4- Zum Dienstbotenwechsel am ersten April. Bei dem bevorstehenden Dienstbotenwechsel werden zur Vermeidung von Bestrafungen fol­gende Vorschriften in Erinnerung gebracht: Je­der Dienstbote muß beim Eintritt in. den ersten Dienst mit einem von der Ortspolizeibehörde angefertigten Dienstbuche versehen sein, er hat

Rr. 96. — 2. Jahrgang.___________________

ten Herkules. Aber hier und da tauchen in dem Wolkenmeer über den Häusern kleine blaue Inseln auf. Di« werden immer größer, und mit einmal huscht gar ein Sonnenstrahl durch feine Widersacher. Es scheint, als eilten die Menschen rascher ihres Weges, ihre Augen blitzen, und fröhliche Worte perlen von den Lippen. Es ist eine jubelfrohe Stimmung, die über aller Welt schwebt ... Frühling! Und vor mir her tollt« die Jugend. Uebermü- tige Jungens, die der Regen lang« genug in das Haus bannte. Nun gibt es fein Hatten mehr, mit lautem Lärm füllen sie die belebten Straßen. Sie lachen und rufen und erzählen von allem möglichen, und plötzlich klingt ein Wort, wie Glockentöne hallend: Ostern! Blitzschnell kreisen die Gedanken. Es ist Wirklichkeit. Kaum etwas mehr als eine Wo- kbenspanne noch, und die Feiertage künden uns die altgewohnte Pause in dem Tageshasten

an. Vor einem Schaufenster bleibt die Ju­gend stehen. Ihre Augen hängen an den gro­ßen bunten Tüten mit den farbenreichen Bil­dern und der goldenen Spitze. Sie erzählen vom nahen Schulbeginn. Da war auch einmal ein Junge, einer wie die andern, der mit dem Ranzel auf dem Rücken und der Frühstücksdose zu jenem großen Hause hallen­der Gänge und heller Klassen trippelte. Sorg­sam leitete ihn die Mutterliebe. Aber im Arm hielt er fest die riesengroße Tüte mit ihrem süßen Inhalt. Das war einmal. Viele, viele Jahr« sind seitdem vergangen. Noch andere Schätze lachen hinter den hohen Spiegelschei­ben: Osterhasen und Ostereier von Schokolade. Zucker und Marzipan. Dort leuch­tet eine, weiße Marguerite aus dem Zuckerei, hier blickt ein Husarenkopf hervor, und aus einem anderen Ei wieder flutet der reichste Schatz rotgoldener Geldstücke. Die Jungen suchen mit heißen Wangen in all den Herrlich­keiten aus: Das schentt mir Mama, das her Vater! Und das andere alles der Oster- base! Ob ihr felsenfester Glaube siegen wird. . .? Selbst die Papierläden mit An­sichtskarten und Ostergrüien plaudern vom Fest und auch der Möbelwagen, der über bas Sttaßenpflaster rumpelt. Um die Oster- zeit herum ist großer Umzug. . . Und dann die Vielen, die nichts vom Feste ahnen, die Alltagssorgen gänzlich umstricken. Erst wenn die Osterglocken mit goldener Stimme zu sin­gen anheben, lauscht ihr Ohr verwundert auf, und fast zweifelnd fragen sie: Jst's denn schon Ostern? Die Jugend zerstob in den Früh­lingstag hinein. In den Anlagen aber sah ich einen Heinen allerliebsten Frühlingsboten, das Gänseblümchen. Es war das erste in diesem ' ~ Lenz. Am sprudelnden Quell da draußen

grüßte ein verstecktes blaues Veilchen, .«y.

Wieder daheim! Wir berichteten gestern über die Flucht eines Defraudanten unter vinterlassung einer Schuldenlast von annähernd zwanzigtaufend Mark. Wie wir heute erfah­ren, ist dem Vater des Geflohenen, der schon mehrere Tage von Cassel abwesend war, gelun- 8e“> nach Erhalt einer Karte des Flüchtigen aus Basel dessen Aufenthaltsort zu ermitteln urrh ibn gestern abend nach Cafsel zu- I“ “3 ubringen. Die Unterschlagungen nnb bereits von dem Vater in voller Höhe ae= ®ecft worden, sodaß der Geschäftsinhaber nicht ? mehr geschädigt ist.

4- Ein unredlicher Schwiegersohn. Gestern abend wurde einem Handwerker in der Ma­tz a z i n st r a tz e von seinem Schwiegersohn, als niemand in der Wohnung war, aus einem verschlossenen Behälter der Betrag von fünfzig W Mark gestohlen. Als der Bestohlene am Abend hon der Arbeit kam, bemertte er gleich den Dieb­stahl, konnte aber erst über die Täterschaft nicht ms Klare kommen. Er begab sich nun auf die Suche nach seinem Schwiegersohn; aber alles ’ ’ nach diesem war vergebens. In dem Behälter lagen außerdem noch fünfzig Mark in unö Ein Sparkassenbuch über zweihundert Mark, die aber unberührt waren.

s Ein mißglückter Selbstmordversuch. In einem Hause der Frankfurterstraße versuchte u.. 'M heute früh ein Bewohner durch Leuchtgas zu vergiften, indem er den Gashahn aufdrehte und das Gas in die Wohnung ausströmen ließ. Der Bedauernswerte wurde gegen Mit­tag durch Hausbewohner in bewußtlosem Zu- Istande aufgefunden und von der Sanitätskv- - nonne zum Roten Kreuz gebracht. Man nimmt 'an, daß die Tat in einem Anfalle geistiger Umnachtung begangen wurde. Der Selbst viordkaudidat wird wohl am Leben erhalten kerben können.

4- Die Osterferien der Fortbildungsschulen. Tie Ferien an den hiesigen Fortbildungsschulen beginnen am Sonnabend den dreißigsten März. Tas neue Schuljahr nimmt dann am Montag ben fünfzehnten April feinen Anfang.

4- Eine Besichtigung der Heufchel-Werke. ^ie Mitglieder des Eisenbahnhandwerker-Ko- lonnenführer-Vereins Cassel besichtigten Mon- *®S die Anlagen der Firma Henschel u. Sohn. ^-ber-Jngenieur Rudolf begrüßte die Be- sucher und teilte den Verein in drei Gruppen, »i« sodann von den Ingenieuren Jsmer, Wi- wel und Hausmann durch das ganze Werk ge­führt wurden, und zwar am Vormittag in Cas- Kl und am Nachmittag in Rothenditmold. Un- “r rudern hielt Ingenieur Tannen einen Vortrag über die Selbstgewinnung des Eifens mr die Kolbenschieber der Heißdampf-Lokomo- »ven.

4- Der Hanfabund in Cassel. Di« Orts- &e Cassel des Hansabundes hielt >ge- abend im großen Saal des ,Palais-Re- v?urani5‘' eine Mitgliederversammlung ab, in der nach Erledigung einiger interner Angele, tzenheiten Dr. Zowe-Berlin einen Vortrag »ber die .Erfolge des Hansabundes bei den «?ten Reichstagswahlen* hielt. Bei diesen «Zahlen, s» legte der Redner dar, fei der Han- : lebunb 'feinen Prinzipien, keine politische Par­ker zu fein, vollkommen treu geblieben und : hebe aus diesem Anlaß ebensogut Liberale wie : Zentrumsabgeordnete und auch Freikonserva- kwe unterstützt. Den besten Beweis dafür wie ««Trieben der Hanfabund mit dem Ausfall der Wahlen sein könne, ist das Präsidium des i Reichstages. Alle drei Präsidenten sind Mit- : Mieder des Hansabundes und Präsident - " 0 E kn p s befindet sich sogar im Direktorium.

Reichstag selbst sind sechsundsechzig Hansa- .«ttttbmrtalteh£t_./ßm weiterer.. Erfolg, peZ

Waflereinbruch in die Untergrundbahn,

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. März.

Heute morgen, kurz nach vier Nhr, durchs brach die Spree den Fangdamm, der zwischen Wallstraße und Stralauerstraße im Strombett errichtet war, um daS Waffer von der Baustelle der Untergrundbahn abzuhalten. I« wenigen Minuten war der Bauschacht auf del einen Seite bis tief in die Klosterstraße hinein, auf der anderen Seite bis zum Abschluß des neuen Stückes des Spreetunnels über, schwemmt. Durch die Wucht der Wasser­menge wurde das bereits fertiggestellte Tunnel- stück, das sich an den Tunnel am Spittelmarkt anschließt, unterwaschen, sodaß es einstürzte. Etwa achtzig Arbeiter waren zurzeit der Ueberschwemmung in dem Bauschacht tätig. Sie konnten indessen sämtlich gerettet werden. Nach oberflächlicher Schätzung beträgt der Schaden mehrere Millionen Mark. Dazu kommt, daß heute gar nicht zu übersehen ist, wann der überschwemmte Bauschacht wie­der leer gepumpt werden kannn und wann end­lich das eingestürzte Tunnelstück neu erbaut werden wird. Sicher ist, daß durch diese Kota, strophe die Weiterführung der Untergrundbahn stchaufJahrehinaus verzögert.