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Casseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 96.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 28. März 1912.

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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Di» »«ITeler Neuest« Nachrichten erscheinen ivachenwch f«tWal wid »war abends. Der AbonnenienlSpretS beträgt monatlich 60 Pfg. bet freter Zustellung ins HauS. Bestellungen ,b ^>°r»eit °5"b»r SeschäftSstell« oder den Boten entgegengenomme». Druckerei. Verlag und Redaktion: Schl-chthofstra-, 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 bi, 3 Ubr «chmtNa^ Lprechstmüt« der Auskunft. Stelle: Jeden Mttwoch und Sonnabend von Uhr abends. Berliner Vertretung: SW Friedrichftr. 16, Telephon: Amt Morttzplatz 676.

tarier, als Dichter und als Mensch der echt- deutsche Mann, in deflen Empsinden sich wahre Vaterlandsliebe mit dem Ideal freiheit­licher Entwicklung zum glücklichen Bunde ein­ten. Sein Name wird immer eine Zierde Les deutschen Parlamentarismus bleiben!

Des Kanzlers Osterfahrt nach Korfu.

Wie uns ein Privat - Telegramm aus Berlin berichtet, wird von verschiede­nen Seiten bestätigt, daß der Kaiser in der Tat den Reichskanzler eingeladen hat, ihn auf K o r f u zu besuchen, und daß Herr von Bethmann sich nunmehr entschlossen hat, der Einladung Folge zu leisten. Er wird die Osterfeiertage auf Korfu verbringen und wahrscheinlich gleich nach Scklutz des Reichstags, also Anfang April, die Reise an­treten.

JnsorttonSproise: Dt» s»chSg«sp-Üm, Zell» für etnhstmtsch« Asfchäft, 15 w. fttr mtf. märtta« Inserat« 26 Pf, ReHamejell« für einheimisch« »«schäft« 40 Pf, für auswärtig« »«schäft« 60 Pf. Beilagen für di« Gesamtauflage wsrden mit 5 Mark pro taufen» b«. r«chn«t. Wegen ihrer dichten Berbrsttung in der Restden, und der Umgebung sind die Lasteler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnserttonSorgan. Geschäftsstelle- SSluifche Straß« 5. Berliner Bertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676

Es ist eine durchaus unwahre Behauptung und eine willkürliche Unterstellung, wenn behauptet wird, daß es auf eineHerausdrängun g" der Jungliberalen abgesehen sei. Eine weitere Aufrechterhaltung der bisherigen Orga­nisation würde unzweifelhaft die Gefahr heraufbeschwören, daß (wie wir schon andeute­ten) noch andere Organisationen mit be- stlmmten Tendenzen innerhalb der Partei ein Recht auf Sonderorganisation und Betätigung beanspruchen würden, so daß man mit der voll­ständigen Desorganisation der Par­tei rechnen müßte. Würde der Delegiertentag im Sinne des angenommenen Antrages be­schließen, so würden damit die Jugendvereine in keiner Weise vernichtet oder ihre Mitglieder aus der Partei herausgedrängt.

»«.-3"^dlugsburg 1830 geboren, wuchs er in Mitteldeutschland auf, ließ sich als Rechts- ä«walt und Notar zuerst in Eölleda, dann in Nordhausen nieder und siedelte erst als Sedta zigjabriger 1891 nach Berlin über, wo er auf der Ehrenleiter der Anwälte die oberste Stufe den..Geheimen Justizrat", erreichte. Am p o l l t k scheu L e b e n beteiligte er sich seit der Gründung des Nationalvereins. Gleichzeitig wurde er in weiten Kreisen durch seine Gedichte in der Gartenlaube bekannt. Dem deutschen Reichstag gehörte er seit 1874, dem preußischen Abgeordnetenhaus seit 1879 an, als Mitglied zuerst der Deutschen Fortschrittspartei, dann der deutschen Freisinnigen Partei, der Freisinnigeu Vokkspartei und zuletzt der Fortsckrittlic'. r VoAspartei. In der Tagespreise ist er bis letzt politisch und feuilletouistisch tätig gew^ci- uud immer, war er. als 2uriL als Parlamen

Der Magdeburgische Ruf zurDuldung und Disziplin" und die parteiamtliche Erklärung reinster Unschuld reimen sich nicht sonderlich glücklich zusammen, und es ist schließlich wohl in Wirklichkeit so, wie ein alter Kämpe der Par­tei es dieser Tage ine der Zuschrift an ein Braunschweiger Blatt darstellte:Es handelt sich nicht um eine Unterordnung, sondern um Gin» ordnung der jungliberalen Bewegung in die nationalliberale Gesamtbewegung, denn keine Partei duldet und erträgt es, daß sich ihre Flügel" oder ihre normale Mitte gesondert innerhalb der Gesamtheit organisieren und ihre eigene Politik treiben." Diese Auftastung hat durchaus ihre Berechtigung; aber sie birgt auf der andern Seite auch eine große Gefahr: EineEinordnung" der nationalliberalen Ju­gend mit ihrem vorwärtsdrängenden junglibe­ralen Idealismus in den engen Rahmen alt- nationaftiberaler Parteidogmen kommt (man mag das Problem von einer Seite betrachten, wie man will) einer Vergewaltigung der natürlichen Entwicklung gleich, und eine solche Maßregel, gegen die Natur ge­richtet, würde sich an der Partei selbst rächen müsten. Es läßt sich nicht verkennen, daß in der jungliberalen Bewegung sich eine gewaltige Summe politischer Energie und Initiative kon­zentriert, und wenn diese Kräfte an der Ent­faltung gehemmt oder in Bahnen gelentt wer­den, in denen sie sich nicht wirksam zu erweisen vermögen, dann tritt im günstigsten Fall eine Stagnation ein, die auf die Dauer der Partei gefährlich werden mutz. Im andern Falle aber würde die Knebelung des jungliberalen Ide­alismus, selbst wenn sie gelänge, eine Verdros­senheit und Unzufriedenheit in die auf diese Weise in dasJoch des Friedens" gezwungene Partei hineintragen, die eines Tages den­noch zur gewaltsamen Entladung ftihren müßte und dann vielleicht alle Bande spren­gen würde. Man sieht: Ein Kompromiß kann hier unter Umständen noch weit gefährlicher werden, als der Kampf! F. H.

Venedig Brioni-Kors«.

Die Kaiserfahrt zum Süden.

Von Venedig aus hat gestern in der Mor­genfrühe der Kaiser an Bord der Nacht Hohenzollern" die Weiterfahrt nach Brioni angetreten. Um zwölf Uhr mittags traf der Kaiser in Brioni ein. Die Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem österreichischen Thronfolger war vom prächtigsten Wetter begünstigt. Als dieHohenzollern" in den Ka­nal Fasano einbog, feuerte die in Parade auf­gestellte österreichische Schlachtflotte den Kaiser­salut. Der Kaiser und der Thronfolger be­grüßten sich herzlich. Wetter wird uns be­richtet:

Brioni, 27. März. (Privat-Telegramm.)

Die gestrige Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand war vom herrlichsten Wetter begünstigt. Brioni war reich beflaggt. Nach Beendigung der Rundfahrt am Nachmit­tag erfolgte die Ab r e i s e. Erzherzog Franz Ferdinand geleitete den Kaiser bis auf den Molo, wo sich auch die übrigen Personen ein­fanden, die beim Empfang anwesend gewesen waren. Der Abschied war sehr herzlich. Als Kaiser WUHelm die Insel verließ, wurde vom Fort Tegethoff Salut gegeben, dem sich auch die vor Brioni ankernden Schiffe des Ge­schwaders anschlosten, als sich dieHohenzol­lern" in Bewegung setzte. Die Ankunft derHo­henzollern" auf Korfu wird für heute nach­mittag fünf Uhr erwartet. Die Landung des Kaisers wird jedoch erst am Donnerstag statt­finden. Die Ankunft der griechischenKö. nigspaareS wird in den nächsten Tagen er­folgen.~

Der Kaiser als FrieveusverrnMer?

(Privat-Telegramm.)

baß zwischen dem Schatzkanzler Lloyd ©er orge und dem Premierminister A s q u i t I ernst« Meinungsunterschiede bestehen Llohi George wirft Asquith eine zu große Partei­lichkeit zugunsten der Arbeitgeber vor. An- dererseits bereitet die Verhaftung des Arbeiter­führers Tom Mann große Befürchtungen. Di« Lage hat sich verschlechtert, weil unter den Ha- feuarbeitern eine große Erregung über diese Verhaftung herrscht. Man glaubt, daß di« ministerielle Krisis zur Tatsache wird, wenn nicht heute ein Ausgleich stattsiu- bet.

Der Bergarbeiter-Streik kn Böhmen.

(Privat-Telegramm.)

Brüx, 27. März.

Im Bergrevier Brüx ruhte gestern am ersten Tage des allgemeinen Revierstreiks au! fünfzig von vierundsechzig Gruben der Bettiel gänzlich. Auf den übrigen Schächten wir! in sehr beschränktem Maße gefördert. Die Ar. beitswilligen werden von den Streikenden mit Schmährufen empfangen und von Genbar. men auf dem Heimweg begleitet. Ernste Ruhe, störungen sind bisher nicht vorgekommen. Mit Rücksicht auf den Kohlenarbeiterstreik wurde in Leitmeritz, Theresienstadt und Komotau M i l i- t ä r konsigniert, da bei der unter den Streiken­den herrschenden Erregung Ausschreitungen be­fürchtet werden.

Rom, 27. März.

AuS Anlaß der Monarchenbegegnung in Venedig, richtet derMessaggero" und das Giornale d'Jtalia" gemeinsam an Deutsch­land die Aufforderung, seinen ganzen Einfluß auszuüben, um den Frieden herbeizuführen. In Deputiertenkreisen wird hartnäckig die Les­art auftecht erhalten, in der Mouarchenaus- sprache zu Venedig sei die Möglichkeit einer Auflösung der Türkei ins Auge ge­faßt worden. Deuffchland habe strikte Neutralität zugesichert gegenüber Italiens und Rußlands Aktionen, die bet der Unnach- gicbigkeit der Türkei unvermeidlich feien. In Venedig seien die Richtlinien der künfti­gen Mittelmeerpolitik unter Einbe­ziehung der russischen Wünsche ffizziert wor­den. In hiesigen amtlichen Kreisen ver­sichert man demgegenüber, daß der Deuffche Kaiser dem König von Italien ein neues Vermittlungsangebot gemacht habe, um den italienisch-türkischen Krieg zu Ende zu bringen.

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Arr Albert Traegers Nähre.

Der Tod eines parlamentarischen Veteranen.

.Wie wir schon gestern abend in unserer De- pefchenausgabe mttteilten, ist der Geheime Ju. r(hTat Albert Traeger, das langjährige Mitglied des Reichstags und des Preußischen Abgeordnetenhauses am Dienstag nachmittag itm zwei Uhr im Sanatorium Grünewald an Herzschwäche gestorben. Mit ibm hat der Deutsche Reichstag seinen letzten Alterspräsi­denten, der Linksliberalismus seinen populär­sten Vertreter verloren. Au Albert Traegers Bahre klagt die deutsche Anwaltschaft um einen Berufsgenossen, klaat die deutsche Frauenwelt um einen ritterlichen .Frauenlob". Im Trauergefolge geht der Poet neben dem Vor­tragskünstler. der Schriftsteller neben dem Künstler. Aber schier endlos und unübersehbar ist die Reihe der Trauernden, denen eine zün­dende Rede, ein vortreffliches Gedicht, ein gu­tes Witzwort des Verstorbenen Freude und Erquickung gewesen ist. Tenn dieser Parlamen- tarier und unermüdliche Volks- und Freiheits­anwalt, hat während eines inbaltreichen, acht­zigjährigen Lebens in unzähligen Herzen den Freibeitsfunken entzündet, die Liebe zum Gu- ten. Wahren und Schönen gekräftigt, das Ideal jugendsrischen Alters verkörpert.

Kabinettskrise in England? Schwere Differenzen im Ministerium.

Ein Privat-Telegramm meldet uns ans London: Die Beratung über die Mindestlohnbill wurde bis in die frühen Morgen­stunden des heutigen Tages fort­gesetzt. Schließlich wurde die dritte Lesung vom Unterhaus mit 213 ge­gen 48 Stimmen angenommen. Mit der Annahme der Mindestlohnbill hat die englische Regierung zwar einen Sieg er- tun gen, aber im Kabinett selbst haben sich, im Zusammenhang mit dem Bergarbcrterstreik, Meinungsverschiedenheiten her- ausgebildet, die zu ernsten Befürchtungen An­laß geben. Ein Privat-Telegramm aus Lon­don berichtet uns darüber: Die Gerüchte, die in den letzten Tagen bezüglich der ministeriel-

Ans dm Parlamenten.

Der Postetat im Reichstag.

(Von unferm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Im Reichstag erledigte man gestern zunächst die Brüsseler Zuckerkonvention, nicht ohne daß es bei der dritten Lesung zu einem kleinen Ansturm kam, freilich ohne Erfolg. Ein Antrag Kleye auf nochmalige Kommis, sionsberatung wurde abgelehnt und die Vor­lage endgültig angenommen. Nach­dem man noch einige Wahlprüfungen vorge­nommen, wurde der P o st e t a t weiter bera­ten. Der Zentrumsabgeordnete Duffnex brachte eine Reihe von Wünsche für Besserstel­lung von Beamten vor, die Staatssekretär Kraetke in längeren Ausführungen beant­wortete. Dann wandte sich der konservative Ab­geordnete Pauli gegendie Beamten, die es fertig brächten, ihre Wünsche durch sozialdemo­kratische Abgeordnete im Reichstage vertreten zu lassen". Der nationalliberale Abgeordnete Beck, der die Postbeamtenfrage zu feinem Spezialfach gemacht hat, entwckielte ein förm­liches Programm zur Reform der Postverwal- tung, das im ganzen Hause Aufmerksamkeit und Beachtung fand. Unterbrochen wurde die Erörterung durch einen überaus herzlichen Nachruf des Präsidenten STaempf auf die Kun­de von dem Ableben Albert Trägers, Nachdem noch mehrere Redner für und gegen die Osttnarken-Zulagen gesprochen hatten ver­tagte sich das Haus auf Mittwoch.^

Die gestrige Reichstags-Sitzung.

Am Tisch des Bundesrats: Die Staatssekre­täre Kühn und Kraetke. Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung der Verlängerung bei Zuckerkonvention.

Abg. Dr. Aretwt (Rp.) verlangt für die Zuckerindustrie von der Regierung eine bün­dige Erflärung, daß während der fünfjährigen Vertragsdauer an Rußland keine weitere Zugeständnisse gemacht werden. Hai England wirllich freie Hand bekommen? Ich bin gegen die Vorlage.

Schatzsekretär Kühn: England hat bis zum ersten September dieses Jahres das Recht der Kündigung. Es hat schon jetzt die Erklärung abgegeben, daß es, auch wenn es der Konven- tion nicht mehr angehören sollte, an seiner bisherigen Zuckerpolitik nichts ättbern wird. In Bezug auf das Matz der russischen Einfuhr nach England ändert der Austritt Englands aus der Konvention nicht das geringste. Den Nachrichten über russische Umgehung werden wir nachgehen und dafür sorgen, daß sie in Zukunft verhindert werde.

Die Kommissionsverweisung wird nach weiterer Debatte gegen die Rechte und die Stimme des Abgeordneten Kleye abgelechnt. Die Konvention wird in dritter Lesung ange­nommen. Die vier bisher von der LÄhlPrü- üngskomission bei der Prüfung nicht bean- tandeten Wahlen der Abgeordneten I ck l e i (Natl.)"<Göttingen, Schulenburg (Natl> Hamm-Soest, D u n a j sk i (Pole)-Dirschau und Dr. Erdmann (Soz.)-Dortmund wer­den für gültig erklärt.

Es folgt der Postetat.

Die Besprechung wird beim Gehalttftel deS Staatssekretärs fortgesetzt. Dazu liegen Reso- lutionen der Abgeordneten Beck- Heidelberg (Natt.) und Hu brich (Vp.) vor.

Abg. Duffner (Ztr.) fordert eine dem Sin­ken des Geldwerts entsprechende Erhöhung der Bezüge der Altpensionäre. Besondere Be- rückstcktiauna verdienen die Unterbeam«

GötterdSmmernng?

Die Krise im nationalliberalen Lager.

l. 1 Von den Ahnenden voraus-gesehen, von Kundigen als natürliche Konsequenz na. tionalliberaler Entwicklung prophezeit, von der eifenschweren Rechten der Partei provoziert und von der Linken als Kampfbeginn um liberale Ideale begrüßt: So präsentiert sich die Krise in der nationalliberalen Par. t ei, aus der sich, alles Andere überragend, ein Moment als besonderes Charakteristikum her­aushebt: Der Gegensatz zwischen dem fort- schriftlich gesinnten und dem der Entwicklung der Partei zur liberalen Kampftruppe wider­strebenden Element! Es handelt sich hierbei indessen nicht um Gegensätze, die in den letzten Monden aus der Praxis der Parteiarbeit em­porgewachsen, sondern um Differenzen, die in her Entwicklung der in der Partei wirksamen K r äf t e begründet sind, und deren Anfänge zu- rückreichen bis zu den Tagen, da die Partei des nationalen Liberalismus durch die Kraft der Jugend und der Jungen eine Auffrischung versuchte. Niemand bestreitet, daß sie dieser Verjüngung dringend bedurfte; niemand kann auch leugnen, daß die Blutauffrischung bele­bend und stärkend gewirkt hat. Aber sie hat auch Gefahren heraufbeschworen, indem sie in­nerhalb der Partei zwischen denAlten" und denJungen" Gegensätze schuf, die die Stoß, kraft der Partei schwächten und in der weitern Folge sogar den Zusammenhalt der Organisa. tion infrage stelltan müßten. Wir haben ge. Item darüber berichtet, wie scharf sich die Ge. gensätze inzwischen zugespitzt haben: Die Kri se fft nicht mehr zu verdecken, und es wird nur noch möglich fein, die aus ihr sich ergeben­en Wirkungen so zu mildem, daß der Bestand »er Partei nicht dirett gefährdet wird. In welcher Weise dies geschehen kann, deuten die nachfolgenden Preßäußerungen an, die beide ^ dem nationaNiberalen Lager stammen, und deren jede in ihrer Art charakteristisch ist.

Duldung und Disziplin

/ordert die als Parteiblatt angesehene Magde- burglsche Zeitung, indem fie schreibt: Die Reichstagsfraktion hat sich in ihrer überwie­genden Mehrheit auf die Seite der Jugend gestellt, und so wird schließlich durch die Macht der Verhältnisse diese Organisationsfrage auf eine Kraftprobe zwischen dem rechten und dem linken Flügel hinauslaufen. Es lag eine große Anzahl von Kompromißanträgen vor, die diese Kraftprobe unmöglich gemacht hätten; sie sind unter den Tisch gefallen. Viel­leicht ist es auch nicht einmal so sehr zu be. dauern, daß das Verkleistern und die Wirtschaft mit inhaltslosen Vertrau­ensvoten, die auf den letzten Parteitagen modern geworden waren, einmal aufgehört. Rur das eine sollte heute schon gesagt werden, daß, wie die Dinge auch laufen,

der Beschluß des Parteitages für beide Teile maßgebend und entscheidend sein muß. Soweit wir die Stimmung der

, Mehrheit kennen, lehnt sie jeden Gedanken an eine Rechtsorientierung runbtoeg ab Sie will ihren Beschluß nicht als ein Abrücken |u den Konservativen oder zu der Regierung hin gedeutet wissen, sondern lediglich als eine orgamsatori'che Maßnahme, die im Interesse der Schlagkraft der Partei notwendig war. Deshalb täte auch die Jugend unrecht daran, wenn sie in dem Falle ihres Unterlie­gens sich von der Partei trennen wollte Hegt sie solche Absichten, dann setzt sie sich von vornherein ins Unrecht, denn sie würde damit beweisen, daß sie den jungliberalen Gedanken selbständig gegen den nationalliberalenGedanken stellen will. Und darum sollten beide Teile bei dem Kampfe, der jetzt anhebt, im Auge be. Halteti, daß sie Mitglieder derselben Partei sind, und daß sie schließlich auch weiterhin zusammenbleiben müssen.

Kein Kamps gegen die Fugend?

Die parteiamtlicheNationalliberale Korrespondenz" bringt folgende Kund­machung: Es ist grundfalsch, die Abstim­mungen und Beschlüsse der gestrigen Sitzung zu einer Niederlage Bassermanns stem­peln zu wollen. Wenn Bassermann nicht ein­stimmig gewählt worden ist, so trifft das eben­falls auf den zweiten Vorsitzenden Dr. Fried - berg zu. Schon aus diesem Umstande ergibt sich, daß die tendenziöse Behauptung von einer Niederlage" Baffermanns vollständig aus der Luft gegriffen ist. Daß sich in der Diskussion auch tadelnde Stimmen über das Verhalten der Reicks mgssraktion bei der ersten Unärtbententoaljl erhoben haben, ist nach den in boller Oeftentlichkeit darüber gepflogenen Ver­handlungen im Lande gewiß nicht zu verwun- bern. Es wurde aber dock schließlich aner- karmt, daß die Reichstagssrattion selbst den

gemachten Fehler nicht vertuschen

und daß chre Haltung bei der neuen Wahl des Präsidiums als durchaus korrekt im : sinne der Wgnripofttik betrachtet werden mutz. :