COler Neueste Nachrichten
Caffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 91
Freitag, 22. März 1912
Fernsprecher 951 und 952.
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Wird uns berichtet:
London, 21. März.
Weinen aus und mußte aus dem Saal hin- ansgrtragen werden.
Di« Taffcler Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechtmal und zwar abend«. Der AbonnementSpreiS betrögt monatlich 60 Pfg. bet freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Setlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von I bis 3 Uhr nachmittag». Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Sonnabend von « bi» 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedlichste. 18, Telephon: Amt Morigplatz 676.
JnfertionSpreife: Die fechSgefpaltene Zeile für einheimische Seschöst« 15 Pfg., für aus. wärtige Inserate 25 Pf., Reklamezeile für einheimische Geschäfte 41 Pf, für auswärtige Geschäfte 61 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend berechnet. Wege» ihrer dichten Verbreitung 1» der Residenz und der Umgebung sind die Lasseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnfertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.
Sin Kampf ohne Sude?
Neue Schwierigkeiten im Bcrgarbciterkampf.
Während heute im Ruhrr evi er die Ar. beit auf den Gruden fast allgemein wieder ausgenommen worden ist, hat sich in England die Lage derart zugespitzt, daß die Möglichkeit einer Beendigung des Streiks weit hin- ausgeschöben zu sein scheint. Die von der Regierung eingebrachte Mindestlohnbill ist nicht die Maßnahme, die erforderlich war. Das ist fast überall die Ansicht des Tages. Die Bill ist weiter nichts als rin zeitweiliger Notbehelf, von dem «ine durchgreifende Wirkung nicht zu erhoffen ist. Ueber die augenblickliche Lage
Ns Magdebyrger ZWerdraKm.
Vier Jahre Gefängnis für den Attentäter! (P r i v a t - T e l e g r a m m.)
sogar notwendig, und rs beruht darauf zum- teil der Erfolg -parlamentarischer Arbeit, der ja nicht nur aus Kompromissen, sondern in erster Linie aus Kämpfen erwächst, die erst die Basis der Kompromißmöglichkeiten frei« legen. Wir kennen dieses notwendige Uebel, und wir würden uns sicher nicht darüber -grämen, wenn die Nqturkraft der Temperamente zuweilen die Papierbarriere der Hausordnung durchbräche und die Präsidentenglocke schrill zur Ordnung rufen müßte.
Was wir in diesen Tagen erlebten, war indessen mehr als ein allzu-hitzizer Vorstoß der Temperamente: Es war das Aufkochen der politischen Leidenschaften, das Erglühen des Parteiengrolls und daS Erwachen jener finstern Instinkte, die zur Wahlkampf- zeit wie flackemde Irrlichter über die Walstatt huschten, und dort, wo sie wirksam wurden, Unheil schufen. Es kann das Volk und die Wähler nicht gleichgültig lassen, wenn die löb. lichen Sitten 'des seligen polnischen Reichstags auch in unsre Parlamente Eingang finden, denn das politische Empfinden der Deutschen ist noch gesund genug, die Würde des Paelamenta- rismus in seinen Pflichten und Auf-ga. b e n, und nicht in seiner äußern Aufmachung und in seiner Gebarung zu erkennen. Es kann indessen nicht ausbleiben, daß die Flucht vor der Aesthetik, die in unserm parlamentarischen Betrieb sozusagen epidemisch merkbar wird, ihre Wirkungen auf die Stimmung der Oeffcnt. lichkeit äußern wird, und man braucht sich dann nicht zu wundern, wenn das E ch o der Uner- baulichkeitcn in nicht lieblichern Tönen zu den Tempün der Redekunst zurückklingt, als cs in den Tagen parlamentarischer Selbstentwei- hung inS Land hinaus geschrien wurde?
F. H.
italienischen Eeweüre» und P a -
Zer heilige Krieg?
Fünfzigtausend Araber im Anmarsch!
Die Kriegslage in Tripolis scheint vor einer entscheidenden Wendung zu stehen, di« jedenfalls auch die Ursache der Vorbereitungen zu einer neuen Flottenaktion Italiens gegen die Türkei ist. Die Araberstämme im Innern Nordafrikas haben ein« große Hcrrcs- mackt aufgebracht und proklamieren den heiligen Krieg gegen di« Eroberer. Es scheint also, daß der Krieg in Tripolis sich mehr und mehr zu einem Kampf um den Islam entwickelt. Die neuesten Depeschen melden darüber:
Tripolis, 21. März.
' kPr > oar - Telegramm.l
Gerüchten zufolge, die in Eingeborenenkreisen umgehen, sind zurzeit fünfzigtausend Araber zwischen Azia und Gharvako konzentriert. Diese Mannschaften werden, nachdem sie einexerziert sind, nach und nach auf die Vorposten geschickt, wo augenblicklich acht- bis zehntausend Araber stehen. Groß« Vorrat« an
(P r i v a t - T e l e g r a m m.)
Seit gestern hat di« Kohlenkrisis eine aber- malige Wendung erfahren, und zwei wich- ttge Ereignisse haben sich in den Vordergrund der Dinge gedrängt. Der Grubenarbei, terv-erband hat offiziell mitgeteilt, daß er den Gesetzentwurf der Regierung über den Mindestlohn in seiner jetzigen Form nicht an. nehmen könne. Der Verband beauftragte die Mitglieder seines technischen Komitees, sich mit den Mitgliedern des Unterhauses zu verständi. gen, um Zusatzanträge zu den Regie- runzsvorschlägen einzubringen. Das andere wichtige Moment ist, daß die unionistische Par. tei nach Prüfung des Wortlauts des Regie- rungsgesetzentwurfs zu der Neberzeugung gekommen ist, daß die Bill keinerlei Ga- ranti» für di« Grubenbesitzer enthält. Don Seiten d'eser Partei wird in der Kammer der Vorschlag gemacht werden, den Gesetzentwurf bei der zweiten Lesung auf sechs Monate zu vertagen, was einer Ableh- nung des Regbrrnngsvorschlages gleichkommt. Die Regierung wird sich mithin gezwungen sehen, die Zusatzanträge, die von den Vertretern der Arbeiterpartei namens des Verbandes der Grubenarbeiter eingebracht werden, anzu. nehmen, und man verhehlt sich nicht, daß da- »urch die Krise in Permanenz erklärt wird. Die Stimmung unter den Streikenden gibt erneut zu Befürchtungen Anlaß.
*
Depeschen aus NewYork melden: In einer gestern in Cleveland stattgehabten Konferenz der Weitzkohlengrubenbesttzer und der Bergleute erklärte der Präsident der Bergarbei- tergewerkschast, der AuSstand in dem Weitz- kohlenrevier, der sich auf fünfhundert- tausend Bergleute erstrecke, werde am ersten April beginnen, falls die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligt würden.
Bergarbeiterstreir in Böhmen!
(Privat-Telegramm.)
Wie uns aus Prag gemeldet wird, ist die Lohnbewegung unter den Grubenarbeitern in Böhmen im Zunehmen begriffen. Im nordwestböhmischen Kohlenrevier wird bereits in siebenundzwanzig Schächten gestreikt. Gestern kam es in Brüx zu Gewalttätigkeiten zwischen Streikenden und Arbeitswilligen. Die Polizei mußte einschreiten. Eine Anzahl Verhaftungen wurde vorgenommen. In Matherer, wo schon Gendarmerie einschreiten mußte, wurde ein Streikender durch einen Bajonettstich schwer verletzt. Eine gestern in P i l s e n versammelte Konferenz der Arbeiterdelegietten ds westböhmischen Kohlenreviers hat beschlossen, eine Aufstellung von Lohnforderungen den Bettiebsverwal- tungen gemeinschaftlich zu überreichen und eine Antwort in acht Tagen zu erwatten.
t r o n e n sind in den Händen Nechats Beys, an den sämtliche erbeuteten Gegenständ« aus- gehändigt werden. Die italienische Proklamation wurde von den Eingeborenen als ein Zeichen ihrer Schwäche und KriegSmü. d i g k e i t aufgefaßt. Sie facht die Muselma- neu nur noch mehr an. In Avagalata sind alle waffenfähigen Männer ausgehoben worden, die sich mit großer Begeisterung dem heiligen Krieg anschlossou.
Bor der Flottenattivn?
- (P r i v a t - T e l e g ramm.)
Rom, 21. März.
Ministerpräsident Giolitti. hatte gestern eine längere Besprechung mit dem Minister des Aeußeren, des Krieges und der Marine, sowie mit dem Generalstabschef, die vier Stunden dauerte. Obgleich über diese Beratung strengstes Stillschweigen beobachtet tverden wird, glaubt man als sicher annehmen zu können, daß die Regierung gestern cnd- gülttg den Angriffsplan gegen die Türkei festgelegt hat. Dieser besteht in der Beschießung von Smyrna und Saloniki und in der Besetzung zweier Inseln des Archipels. In römischen, gut unterrichteten Kreisen glaubt man weiter, daß gleichzettig mit dem Angriff der Türkei eine russische Truppenbewegung an der türkischen Grenze erfolgen wird. Der „Lottere della Sera“ berichtet, daß die im Roten Meer befindlichen italienischen Kriegsschiffe den Ha. fen von Lohia Lombardiert haben.
*
Ein Telegramm aus Udschda mcl- det, daß an der algerisch-marokkanischen Grenze zwischen französischen Soldaten und cinge« borenen Truppen ein neues Gefecht stattge- fundcn hab«. Nähere Einzelheiten über den Ausgang des Kampfes liegen noch nicht vor; doch sollen auf Seiten der Franzosen zehn Mann gefallen sein.
Magdeburg, 21. März.
In der gestrigen Sitzung des Jugendgerichts Leim hiesigen Amtsgericht stand das M a gde. burgerSchülerdramazur Verhandlung. Angeklagt war der am sechsten Mai 1895 geborene frühere Obertertianer Walter Koch vom hiesigen Realgymnasium wegen Mordan. s ch l a g s auf seinen Ordinarius, den Oberleh. rer I sm e r. Walter Koch war bis zum Jahre 1911 neun Jahre lang Schüler LeS Realgymnasiums, zuletzt in Obertertia. Sein letzter Klassenlehrer Oberlehrer Jsmer war mit seinen Leistungen unzufrieden und ttug ihm am achtundzwanzigsten September vorigen Jahres «inen Tadel ein, den Koch jedoch auf chemischem Wege aus dem Klaflenvuche ent- fernte. Das Herbstzeugnis fiel darnach nicht günstig aus. Koch, der befürchtete, Ostern abermals In Obertertia sitzen zu bleiben, beschaffte sich gleich am ersten Ferientage eine Anzahl Browningpatronen und
de« Revolver seines Vaters.
Am zweiten Oktober suchte er mit der Waffe den Anstaltsdirettor S ch ir m e r auf, konnte ihn aber nicht sprechen. Am dritten Ottober wiederholte er den Besuch beim Direktor vergeblich und fuhr nun mit dem Rad zur Wohnung des Oberlehrers, lud fcort den Revolver mit fünf Patronen und klingelte. Der Oberlehrer sah gleich nach den ersten Worttn, daß Koch den -geladenen Revolver in der erhobenen Hand hatte. Es kam zu einem Ringkamps zwischen dem Schüler und seinem Lehrer. Koch schoß viermal, zwei Kugeln trafen und zwar die eine den Oberlehrer schwer in den Rücken. Dabei rief Koch: -Es hilft nichts,, Herr Oberlehrer, Sie müssen dran!“ Als die Wittin und ein Offiziersbursche ins Zimmer drangen, schoß sich Koch eine Kugel in den Mund und brachte sich einen Aderschnitt am Handgelenk bei. Ter Oberlehrer ist heute noch schonungsbedürftig, da die Kugel nicht entfernt werden konnte. Der Angeklagte selbst wurde völlig wiederhergestellt. Er bestreitet, die Absicht gehabt zu haben,
de« Oberlehrer zu töten.
Der Sachverständige Medizinalrat Tr. Käfer, stein charatterisiett den Ämgeklagten als gei. sti'g minderwertig und in gewissem Sinne schwachsinnig. Er sei nicht geistes- krank, aber moralisch minderwerttg. Der Staatsanwalt beantragt wegen Mordanschlags sechs Jahre Gefängnis. Der Verteidi. zer plädierte, höchstens auf Tokschlagsversuch zu erkennen. Vielleicht sei überhaupt nur anzunehmen, daß der Angeklagte habe schießen, aber nicht töten wollen. Der Jugendgerichtshof erkannte wegen versuchten Totschlags aui v i e r Jahre Gefängnis, auf die vier Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden. Tie Begründung des Urteils nimmt an, daü dem Angeklagten im Augenblick der Tat selbst die Ueberlegung gefehlt habe, doch sei er jedenfalls nicht unzurechnungsfähig im Sinne des Ge fettes gewesen. Ter Angeklagte brach bei der Verkünduna des UrteilsvmchS in lautes
Sie Sensationen der Lager. Der Kaiserbesuch bei Cambon; die Mittel» meerfahrt des Kaisers; die angebliche Kris« in den Ministerien.
(Privat-Telegram m.)
Berlin, 21. März.
Bei den Berichten über das Diner in der französischen Botschaft wird in der hiesigen Presse auch ein längeres politisches Gespräch des Kaisers mit dem französischen Botschafter Cambon hervorgehoben. Es ist selbstverständlich, daß sich der Kaffer mit seinem Gastgeber längere Zeit unterhalten hat und daß hierbei Wohl auch politische Fragen gestreift wurden. Es kann indessen aufgrund zuverlässigster Informationen festgestellt wer- den, daß in der Unterhaltung die deutsch, französischen Beziehungen unmittel. bar nicht berühtt worden sind. Ueber die Art, wie der Besuch des Koffers zustande kam, wird folgendes bekannt: Dor einigen Wochen stattete der französische Botschafter bei Hofe einen offiziellen Besuch ab. Der Botschafter fragte in einem Gespräch mit der Prinzes - fin Viktoria Luis«, ob sie sich nicht einmal die Botschaft ansehen möchte. Darauf meinte die Prinzessin, sie würde es herzlich gern tun, aber sie reise ja nach der Schweiz. In diesem Moment kam der Kaiser hinzu und meinte lächelnd: „Na, wie wär's denn mit m i i als Stellvertreter?"
Aesthetik im Parlament.
Parlamentarische Bilder und Glossen.
Wie uns ein Telegramm u«seres parlamentarischen Mitarbeiters meldet, wird der Kaiser heute mittag das neue Präsidium des Reichstags in Audienz empfangen. Wie verlautet, geschieht dies auf Wunsch des Reichskanzlers, trotzdem ein Empfang des später gewählten Präsidiums bisher durch de» Kaiser nicht üblich gewesen ist. Ein alter Parlamentarier, der im Geruch stand, ein „Draufgänger" zu fein, erzählte einmal les wat in den Herbsttagen der konserva- tiv-liberalen Perlhuhn- und Kaninchen-Paarung) im alten Siechenbräu, als die Rede auf die parlamentarische Aesthetik kam: »Liebe Freunde; Aesthetik mag gut und nützlich fein; ich schätze sie selbst dann noch, wenn sie im Plakat von der Reklamewand niedergrinst. Aber in der Politik .. . lieber nicht! Sie würde sich da ausnehmen, wie das Riechfläschchen Im sommerlichen Käseladen. Ein jedes Vöglein singt, wie ihm der Schnabel wuchs, und was darüber hinausgeht, ist vom Uebel, ist Unkultur und Unnatur!“ Der Mann, der diese trefflichen Worte sprach, sah auf eine reiche Erfahrung zurück, hatte sich ein Jahrzehnt und ein halbes als emsiger Streiter für völkische Interessen in den Parlamentsstuben am Dömchoff. platz, am Königsplatz und in der Prinz Al- krechtstraße abgemüht, und er würde wohl auch heut noch im Schweiß des Angesichts wirken, i Jenn der letzte Wahlkampfssturm die alte, knorrige Eiche nicht jäh entwurzelt hätte. Viel- : leicht war sogar sein Groll gegen die . politische Aesthetik“ schuld daran, daß er auf be; Walstatt blieb.
In den letzten Tagen haben uns die Patta- mente des Reichs und Preußens manchexlei Anlaß zu Betrachtungen darüber gegeben, ob für den parlamentarischen Betrieb die Pflege der Aesthetik doch nicht zweckmäßigerweise obligatorisch einzuführen wäre. In Preußens Landstube wiederholten sich die niedlichen Episoden aus den wildesten Wahlreform- t Kampftagen von neunzehnhundertzehn in noch | weit „effektvollerer“ Aufmachung; Herr Liebknecht, der vor zwei Jahren das Kraftwort von der „Trödelbude“ erfand, hat inzwischen den Schatz der unparlamentarischen Glossen bereichert, und das schöne Wort von der „K i n d e r. . stub e“ geprägt, und es hätte nut noch eines kleinen äußern Anstoßes bedurft, um das sonst so löbliche Tun des Hohen Hauses zum wilden Krawall ausarten zu lassen. Ganz wie neun» zchrchundertzehn stürmten auch diesmal die Männer der Rechten in Heller Entrüstung zur Tttbüne, und Wilhelm Liebknechts Sohn hätte aus erregung-heisern Kehlen den wilden Ruf: .Raus mit dem Kerl!“ Musik vielleicht für Lhren, die den Wert des Parlamentarismus «ach dem Lärmgehalt seiner Das einsäuße- putgen schätzen; für deutsches Empfinden schrille Disharmonie!
Der alte, vortreffliche Herr von E rffa, der Präsident des Hohen Hauses und Jordan von Kröchers Glocken- und Herrschaftserbe, meinte an dem Tag. da diese Dinge in der sonst so ftiedlich-stillen preußischen Landstube sich ereigneten (gewissermaßen begütigend): Im Reichs- tag arbetteten die bürgerlichen Parteien mit hundertzehn Männern der roten Inter, nationale zusammen, ohne daß Pultdeckel zertrümmert oder Revolverschüsse abgefeuert toür« hkn; man dürfe also erwarten, daß es im Ab- Seordnetenhaus, wo nur sechs Kämpen der äußersten Linken herbergten, ebenfalls ohne peinliche Zwischenfälle erträglich sein werde. Indessen: Mit des Geschickes Mächten ist auch in den Parlamenten kein eto’ger Bund zu flech. ikn, denn ehe nach diesem freundlichen Mahnen tue Ruhe der Hahn zum zweitenmal krähte, hatte auch der R e i ch s t a g fein „Intermezzo“. In der Abendsitzung vom letzten Dienstag kam es zu SrimmigenZusammenstößen zwischen Rechts und Links, und um ein Haar wäre (wie zuweilen n» SSeaner Parlamentl oder im böhmischen Landtag) die Gemeinde der M. d. R. mit auf» gekrempelten Hemdärmeln zum grauenweckenden Männerkampf angetreten.
Mau fragt sich: Muß das fein? Gibt eS «tn* andere Form der Leidenschaft.EnÜa- oung, die dem Ansehen deS Parlaments und oer Wurde und dem Ernst feiner Arbeit w e. tttßer gefährlich wird? In der parlamen- rarifcken Jnstitutton konzentrieren sich nicht nur die polittschen Kräfte der Nation, fonbern va vt)i werden auch alle polittschen Leiden. : ck-a f t e n in ungehemmter Wucht wirksam. Die der Kampfarena erhitzt naturgemäß die Gemuttr. und d:e Nähe der Gegner stachelt den xattLöinuu. Tas alles ist in actoifJer läuuickt
„Ein historischer Moment"
Wie uns auS Paris berichtet wird, »er. öffentlicht der Matta eine Unterredung, die fein Berliner Vertreter mit dem Fürsten von Löwenstein über den Kaiserabend bei Cambon hatte. Fürst von Löwenstein sagte: ES ist wohl ganz selbstverständlich, daß dieses Diner einen historischen Moment bedeu- tet; denn eS bedeutet unbedingt eine Annä. herungder beiden Völker. Zwei große Völker wie Deuttchland und Frankreich können sich nicht ignorieren, ohne sich gegenseitig schwer zu schädigen. Ueber diesen Punkt dürften wir aber, Gott sei Dank, mit dem Kaiser Abend hinweggekommen sein.
Die Kaisersahrt zum S8dm.
(Privat-Telegramm.)
Wien, 21. März.
Der endgiltige Bescheid über die Ankunft Kaiser Wilhelms in Wien traf im Ober. Hofmeisteramt gestern nachmittag gleichzeitig mit der^ Mitteilung ein, daß dieUrfacheder Verzögerung der Entscheidung einzig und allein in der Schwierigkeit lag, mit dem italienischen Hos über den Tag der Begegnung in V enedig ins Reine zu kommen. Die Be- arüßuna des Kaisers erfolat am NordbaLnbok