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Nummer 90.

Donnerstag, 21. März 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Die Zett der Krisen.

Sie verschobene Kaiserfahrt; Bethmana und Tirpitz; Kavzlerlrise in Sicht?

Gespenster und Kabale«.

Ein Gewaltstreich gegen die Türken?

Wie uns ans Berlin depeschiert wird, bestätigt es sich, daß die Kaiserfahet zum Süden auf Anordnung des Kaisers auf unbe» stimmte Zeit verschoben worden ist. Vor Ende der Woche wird die Reise jedenfalls nicht angetreten.

Der Kaiser, der gestern abend, begleitet von den Herren von Bethmann Hollweg und Ki- derlen-Waechter, den Botschafter Jules Cam- bon mit seinem Besuch beehrte, Hai die sür nach, sten Freitag geplante Fahrt zum Mittel­meer plötzlich verschoben, und das Hof. marschallamt erhielt Anweisung, all« Vorberei­tungen einzustellen. Es- ist wohl kein Zufall, daß diese einschneidend« Veränderung in den Reise-Difpositionen zeitlich unmittelbar mit Ereignissen in der internationalen Politik zu. sammenfällt, die im alten Europa Aufsehen und Unbehagen geweckt und in der Diplomatie wie ein Blitzschlag aus heiterm Himmel gewirkt haben. Noch ist des Donners Grollen dem Ohr nicht vernehmbar, aber man fühlt doch instink­tiv, daß die Atmosphäre der europäischen Groß, machtpolitik mit Komplikationsmö g. lichkeiten förmlich geschwängert ist.

Am letzten Montag kündeten in Petersburg, London und Paris die Börsen übereinstimmend Sturm. In Petersburg schwirrten beunruhi­gende Gerüchte über eine gefährliche Wendung in der Orientpolitik von Ohr zu Ohr, di« aus russischen politischen Kreisen eine förmliche Bestätigung erfuhren und infolgedessen auf London und Paris sofort eine stark deprimie­rende Fernwirkung ausübten. Petersburger Depeschen berichteten ganz offen über einen schweren Konflikt, der zwischen Den sch land und Rußland über die grundlegende Frage der Orientpotitik, dir Er­haltung des Status quo auf dem Balkan, aus. gebrochen sei. Die Petersburger Regierung habe den an der Orientpolitik interessierten Großmächten nichts mehr und nichts weniger als die Aufteilung der Türket emp­fohlen, sei indessen mit diesem Ansinnen seitens Deutschlands schroff zurückgewiesen worden, sodaß Komplikationen unvermeidlich seien.

Bei der Eigenart unsres politischen Ge­schäftsbetriebs ist eine Nachprüfung der Alarm. Nachricht leider nicht möglich gewesen; charak. teristisch ist indessen, daß gestern auch aus Paris gemeldet wurde, man verfolge in dortigen Re. gierungskreisen die russisch« Polittt gegenüber der Türkei mit steigender Besorgnis und man sei am Quay d'Orsay überzeugt, daß Europa sich niemals in einem derartigen Zustand di­plomatischer Anarchie bestunden habe, wie er jetzt die Gemüter beunruhige. Die Be­stürzung. die die erste Hiobspost aus Peters­burg hervorgerufen, ist zwar mittlerweile einer Mhigen Beurteilung der Situation gewichen, aber man verhehlt sich auch jetzt nicht, daß die europäische Politik in diesen Tagen Momente äußerster Hochspannung durchlebt, aus denen sich möglicherweise Konsequenzen von weit, travgendster Bedeutung entwickelt werden.

Die zarische Politik gegenüber der Türkei ist niemals zweifelfrei gewesen, und niemand kann darüber im Unklaren sein, daß die vom Pe­tersburger Kabinett arrangierte Friedensaktion der Großmächte im tripolitanischen Opeketten- krteg letzten Endes nur ein Schachzug Rußlands war, um die Türkei unter den starken Druck des Großmächte-Einflusses zu zwin. gen und sie in dieser Situation gleichzeitig auch den Wünschen Rußlands gefügiger zu ma­chen. Daß das Petersburger Kabinett die ita­lienische Kriegspolitik nach Kräften unterstützt hat, ist ebenfalls eine nicht hinwegzudisputie- kende Tatsache, die möglicherweis« noch den Früchten der Rocconigi-Entrevue zu- gezählt werden darf, die bekamrtlich erst spät und allmählich zur Reife gelangt sind. Seit der rücksichtslosen Abhalfterung des Botschafters Tscharykoff (der bei Nkkolai dem Zweiten in Ungnade fiel, weil er die Korporalsckiasts- befehle des Petersburger Auswärtigen Amts nicht brutal genug ausgeführt) spielt Herr Ssa- sanow Balkanpolitik ohne Maske und die gi­gantische Größe seines Problems (die Austei­lung der Türkei) wird nur noch übertroffen von der Rücksichtslosigkeit des Strebens, das nied­liche Planchen zu verwirklichen.

Aus Konstantinopel kam gestern di« beun­ruhigende K.nde von starken russischen Truppenkonzentrationen an der kau­kasischen Grenze, die osfentsichtlich zu dem Zweck erfolgten, die Pforte einzuschüchtern und auf di« Türk«, in der Dardanellerrstage einen Druck auszuüben. Di« durch den Krieg im Norden Afrikas hart bedrängte, im eignen Land von

Di« Zeit der politischen Gespenster dämmert wieder herauf. In der Berliner WA- helmstraße flüsterte man schon vor ein paar Wochen vom bevorstehenden Ende des Staats­sekretärs im Auswärtigen Amt, und in sonst gut unterrichteten Kreisen sprach man (wie wir vorgestern in unserm Artikel »Wie Wer­muth ging", ausführten) ganz offen von Herrn Alfred von Kiderlen-Waechter als vom näch­sten Opfer des .Homogenitätsprinzips". In­zwischen scheint die innerpolitische Situation sich noch wesentlich schärfer zugespitzt zu haben; Wermuths Ausschiffung. Winston Churchills polternde Flottenrede und Tirpitz' weitreichen­de Agttation für eine durchgreifende Verstär­kung unsrer Flottenrüstung haben in ihrer Ge­samtwirkung eine Situation geschaffen, die zum mindesten unbehaglich ist, und die offenbar auch an höchster Stelle nicht unbe­merkt geblieben ist. Daß zwischen dem Kanz­ler und dem Staatssekretär des Reichsmarine­amts ein gespanntes Verhältnis besteht, ist längst offenes Geheimnis, und es liegt nun einigermaßen in der Wahrscheinlichkeitsrich­tung natürlicher Folgerungen, daß der Besuch des Kaisers bei Herrn von Tirpitz etwas mehr gewesen ist, als lediglich eine Ge­burtstagsvisite. Offiziös ist uns zwar erzählt worden, der Besuch des Kaisers beim siebzig- jährigen Großadmiral habe mit der Politik nicht das mindeste zu tun, und der Gang des Monarchen vom Reicksmarineamt zum Kanz- lerplais in der Wilhelmstraße sei lediglich er folgt, um die Zeit tunlichst auszunutzen. Das Hingt recht hilflos, und es scheint, daß man in den offiziösen Schreibstuben auf der Such« nach Harmlosigkeiten" das Wichtigste übersehen hat.

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Kanzler und Großadmiral.

Ueber die bestehenden Gegensätze zwischen dem Reichskanzler und dem Staatssekre- tär des Reichsmarineamts, Großadmiral von Tirpitz, verlauten von unterrichteter Seite folgende Einzelheiten: Di« Rede des «nglffchen Marineministers Churchill hat in Berlin einen keineswegs versöhnlichen Ein­druck gemacht. Drohungen und Schmeicheleien haben in den letzten Monaten dauernd gewech­selt und ebenso wie Haldanes Besuch ist auch diese Unterhausrede des Ersten Lords der bri­tischen Admiralität ausschließlich darauf gerich­tet, unser kommendes Flottengesetz unter allen Umständen zu Fall zu bringen. In England glaubt man die Verabschiedung des sparsamen Herrn Wermuth als Rückzug der deutschen Marinepolitik deuten zu können. Das eine steht heute fest, daß sowokck die berühmte Glasgower Rede Churchills als auch seine letzten Ausführungen nicht anderes als Bauernfängerei sind. Wir stehen zurzeit un­mittelbar vor der Entscheidung über eine Frage, die das ganze fünftige Geschick Deutschlands aufs engste berührt, und es steht fest, daß der Kaiser lediglich aus dem Grunde seine Mit­telmeerfahrt verschoben hatte, um erst die Kar­dinalfrage in der

Vermehrung unsrer Streitkräfte

zu Wasser und zu Lande endgültiz gelöst zu sehen. Ein weiterer Duffchub und ein immer erneutes Vertagen kann nur die Unruhe im Deutschen Reich verschärfen und eine Vermeh­rung der Spannung nach außen hin bringen. Die Lag« ist augenblicklich noch völlig ungeklärt, da Wermuths Weggang eine gmq n e u e K o n st« Hat ion geschaffen hat. Es mutz gesagt werden, daß schon seit längerer Zeit die Mei­nungsverschiedenheiten zwischen dem Staatssekretär des Reichsmarineamts und dem Kanzler so ausgesprochene sind, daß von einer bedeutenden Spannung berichtet wer­den kann. Herr von Bethmann hat sich dauernd auf den Standpunkt des Abwieglers ge. stellt, während der Großadmiral die Durchfüh­rung eines bestimmten Programms für u n er­laß l i ch hält und als aufrechter Mann sich nicht Schritt für Schritt zurückdränzen kaffen will. Die brüske Art und Weise, wie Wermuth der Abschied erteilt wurde, hat überall peinlich berührt und ein« tiefe Mißstimmung ge. gen den Kanzler hervor^rufen, und es scheint zweifellos, daß auch der Kaiser sich diesem Eindruck nicht hat verschließen können,

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Besteht eine Kanzler-Krise?

In parlamentarischen Kreisen wurde gestern die innerpolittsche Lage sehr pessimi­stisch beurteilt. Allgemein herrschte die Ueber- zeugung vor, daß «ine ministerielle Krise bevorstehe, und daß die Veränderun- aen in den höchsten Reichsämteru mit dem

Rücktritt Wermuths nicht abgeschlossen seien. Ernsthaft wurde versichert, daß die Stel­lung des Reichskanzlers erschüt­tert sei und daß auch der Staatssekre­tär des Auswärtigen Amtes nicht mehr lange auf seinem Posten bleiben werde. Wie aus Hofkreisen verlautet, ist der Auf­schub der Kaiserreise schon seit vori­gem Sonntag beschlossen« Sache gewesen. Die Gründe für diese Verzögerung seien einzig und allein in der innerpolitischen Lage zu suchen. Eine weitere Bestätigung kommt aus dem Munde eines höheren Reichs- Leamten, der erklärte, daß

die Lage außerordentlich schwierig sei. Nicht nur in parlamentarischen, sondern auch in diplomatischen Kreisen spricht man da­von. daß der Staatssekretär des Reichsmarine­amtes als Nachfolger Bethmann H o l l w eg s in Betracht komme, während einflußreiche Stellen in der Umgebung des Kaisers den Botschafter Grafen Bern­storfs in Washington für den Posten emp­fehlen, den Kiderlen-Waechter noch inne hat. Daß Freiherr von Stumm, der Di­rektor der politischen Abteilung, Staatssekretär des Aeußeren wird, kann als ausgeschlossen gelten. Man spricht erneut davon, daß er den Gesaudtfchaftsposten im Haag übernehmen werde, um London näher zu sein, hält es aber sür vorteilhafter, ihn dann direkt für den Gra­fen Wolff - Metternich nach London zu schicken, dessen Ablösung schon seit längerer Zeit fest geplant ist. Wie es scheint, steht ein völliges ministerielles Revirement bevor.

Das übliche Dementi.

Daß die überall umschwirrenden Verstim- mungs- und Krisengerüchte offiziös prompt dementiert werden würden, war voraus­zusehen. Wie uns ein Privat-Tele­gram m aus Berlin meldet tut denn auch heule früh derLokalanzeiger" kund und zu wissen: Zu den verschiedensten unbegründeten Krisengerüchten, zu denen die Verschie­bung der Kaiserreife den Anlatz gab, gesellte sich gestern abend auch die Behauptung, datz der Staatssekretär des Auswärtigen, von Ki- derlen-Wächter, seinen Posten räumen werde. 3« Paris behandelte man seinen Abgang so­gar schon als feststehende Taffache. Nach Erkundigung an zuständiger Stelle entbehren diese Gerüchte jeder Begründung. (Es bleibt abzuwarten, inwieweit dieses Wil- iielmstratzen-Dementi den tatsächlichen Verhältnissen Rechnung getragen hat).

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DasFriedensmah!" bei Cambort.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 20. März.

Der Kaiser nahm, wie angekündigt, ge­stern an dem Diner bei dem französischen Bot­schafter, Jules Cambon, tefl. Um halb acht Uhr traf der Kaiser im Automobil auf der Botschaft ein, wo er von Herrn Cambon und Gemahlin empfangen wurde. Der Kaiser un­terhielt sich in liebenswürdigster Weise mit bett Damen und geladenen Herren. Rach der Ta­fel begaben sich die Herrschaften in den Salon, wo französische Kunst zum Vorttag kam. Der Kaiser verließ die Botschaft erst nach zwölf Uhr. Gespräche politischer Art sind offiziell nicht geführt worden; der Abend trug ausschließlich den Stempel heiterer Geselligkeit. Nachdem der letzte Gast geschie­den, hatte der

Botschafter Jules Cambon

ein Gespräch mit Journalisten. Er war ent­zückt von dem Erfolg des Abends. Der Kaiser batte mit allen Anwesenden über alle mög­lichen Dinge gesprochen, daß er mit ihm (dem Botschafters auch über Politik gesprochen, sei nicht zu leugnen. Was gesagt wurde, könne allerdings nicht wiederholt werden. Ueber (einen Eindruck befragt, erklärte Cam­bon, datz er überzeugt davon sei, datz der Abend den beiden Völkern zum Vorteil ge­reicht habe, und er schloß mit den Worten:Ich hoffe, datz das von den beiden Ländern rich­tig ausgelegt wird." In hiesigen politi- schen Kreisen ist man ebenfalls überzeugt, datz dem Besuch politische Bedeutung beb zumeffen ist, trotzdem offiziös bestritten wird, datz gelegentlich des BesnchS politische Gespräche geführt worden sind.

Unruhen beidrohte Türkei ist heute Rußland gegenüber so gut wie wehrlos, und ein russi­scher Gewaltstreich könnte für sie zum Verhäng­nis werden. Beruhigend wirft indessen einiger, maßen der Gedanke, daß auch Rußland augen­blicklich nicht imstande ist, sich in Abenteuer ein- zulassen, deren Endwirkungen nicht abzusehen sind. Immerhin ist die Bedeutung des russischen Einflusses noch stark genug, um auf die Gestal­tung der europäischen Ballanpolitik entschei- dend einzuwirken. In diesem Sinne hat offen­bar auch Herr Ssasanow kalkuliert, als er den Großmächten die Austeilung der Türkei als des Rätsels einfachste Lösung empfahl.

In Berlin hat man energisch abgewinkt, uni man muß anerkennen, daß diese Haltung bei deutschen Politik unfern Interessen Rechnung trägt. Wir haben (nachdem am Goldneu Horn das Wort von der deutschen Freundschaft schon einigermaßen in Mißkredit geraten war) allen Anlaß, durch eine Politik ehrlicher Freund­schaft uns denjenigen Einfluß im Reich Os­mans zu erhalten, den Marschall von Bieber­stein in langer planmäßiger Arbeit uns (ttotz der Seitensprünge der Berliner Wilhelmstraße) erftritten, und nichts kann uns bewegen, den Russen die Kastanien aus dem Feuer holen zu helfen. Wenn es zutrifft, daß in Petersburg der entschiedene Protest der deutschen Regie­rung gegen die russischen Aufteilungspläns fin- [fern Groll geweckt hat, so fft das zwar sehr be» bäuerlich, kann und darf uns aber nicht veranlassen, vom Wege einer Friedenspolitik abzuweichen, die von völkischer Gerechtigkeit und von unfern eignen Interessen klar borge- zeichnet ist, und die es schließlich auch rechtfertt. gen darf, wenn des Kaisers Frühjahrsfahrt zum Süden um ein paar Wochen verschoben werden muß. F. H.

Am VoraZeüd der Motteu-AMon?

(Privat-Telegram m.)

Wien, 20. März.

Die Nene Freie Preffe verzeichnet aufgrund zuverlässigster Informationen ans Rom eine sensationelle Meldung. Nach diesen Informa­tionen soll es feststehen, datz sich ein starkes italienisches Geschwader, bestehend aus mehreren Schlachtschiffen, Kreuzern und fleineren Einheiten, bereits im Archipel befin­det, und in einem derartigen Zustand der Ge- fechtsbereiffchaft sein, datz es innerhalb sechs bis zehn Stunden sofort zur Aktion gegen die Häfen von Smyrna, Saloniki und ge­gen die D a r d a n el l e n vorgehen kann. Man rechnet in politischen Kreisen bestimmt mit ei­ner bevorstehenden Flottenaktion Italiens, die augenscheinlich im geheimen Einverständ­nis mit Rußland erfolgen werde.

Friede an der Ruhr!

Ende und Mißerfolg des Ruhrstreiks.

Wi« dieCasseler Neuesten Nachrichten" b» reits gestern abend durch Extrablätter mitteil­ten. hat die am Dienstag in Bochum versam­melt« Revierkonferenz mit breihundertneun. undvierziggegen zw eihundertfünszehn Stim­men den Abbruch be5 Bergarbeiter- str «iks beschlossen. Die Belegschaften wur­den aufgefordert, heute früh die Arbeit wieder aufzunehmen. Di« Beratung der Revierkonfe­renz dauerte fast sechs Stunden. Die Konferenz erflärt in einer Resolution, daß nur dierigo. rofen Maßregeln gegen bi« staatsbürger­lichen Rechte und die systematische Irreführung und Verhetzung der öffentlichen Meinung durch di« arbeiterfeindlich« Presse es vermocht hätten^ die Kämpfenden um ihren Erfolg zu bringen lieber die Aufnahme des Beschlusses der Ra Vierkonferenz wirb uns berichtet:

Bochum, 20. März^ (Privat-Telegram m.)

Im Streikgebiet fanden gestern abend nach dem Bttanntwerden des Beschlusses bet Revier­konferenz statt besuchte Versammlungen statt, die indessen durchaus ruhig verlie­fen. In biesen Versammlungen würben die in der Refolutton niebergelegten Gründe für den Streikausbruch ausführlich erörtert und be­schlossen, beute früh wieder anzufahren. In bet imSchäferhof" in Bochum stattgehabten Ver­sammlung erklärte der Referent, dieselbe Konferenz, die den (streit beschlossen, habe sich, um $u verhüten, daß die gerechte Sache der Arbeiter noch schwereren Schaden erleide, für verpflichtet erachtet, den Bergleuten anheim­zugeben, den Streik wieder aufzuheben, Der Eindruck dieser Erftärunz war so stark, daß selbst die wenigen Widersprüche verstummten. Wohl machte sich im Laufe der weiteren Aus­führung des Referenten der Unmut noch manch mal Luft, sodaß der Redner zuweilen innehal- ten mußte, dann aber war der Schlag überwun­den. und als.. die Verfammlung gelchjlossW