COlerNeM Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
2. Jahrgangs
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 13. März 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 83
(Privat-Telegramm.)
in Luxemburg zu machen.
Zusammenstöße mit der Polizei.
(Privat-Telegramm.)
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greifen werde, auf die Hälfte herabzufetzen. Stettin war bereits gestern abend in Halbdunkel gehüllt. Die Einschränkung der Beleuchtung soll bis zur Beendigung der gegenwärtigen Streikkrise fortgesetzt werden.
Zabrze, 12. März.
Die Lage im oberschlestschen Kohlengebiet scheint sich zuzuspitzen. Noch ist bei den Bereinigten fünf Arheiterverbänden keine Antwort aus ihre am sechsten März an die Gru- bcudirektionen gerichteten Forderungen auf eine fünfzehnprozentige Lohnerhöhung ab ersten April eingelaufen. Die Stimmung ist aber 'eit dem Bekanntwerden des Streiks im Ruhrgebiet bei den Bergleuten fehr streik luftig geworden und ein Ausstand erscheint fast unvermeidlich.
Infolge des Thronwechsels im Großher- zogtum Luxemburg hatte jungst ein gewisser Teil der belgischen Presse eine Deutschenhetze inszeniert, weil man hier des Glaubens ist, daß die jugendliche Großherzogin einen deutschen Prinzen heiraten werde. Man glaubt, es sei ein Prinz aus dem Hause Hoheuzollern, von der Linie Sigmaringen. Wie belgische Blätter jetzt melden, hatte
Ter Kaiserhof im Jahre der Heimsuchung. Von Sophie von Woehrmanu-Bellegarde.
Sophl-vonWo-hrmann-Bellegard-, eine geborene Prinzessin Urnftow. verössenillcht in der Zeitschrift „Nord und Süd" intereffante Mitteilungen über den deutschen Kaiserbof im SchicksalSjahr 1888. Tie Verfasserin, die den Ereignissen jener Zeit, in der kurz nacheinander zwei deutsche Steifer Ins Trab senken, au« eigener Ansfchauung kennt, hat die Vorgänge in tagebuchförmiger Art ausgezeichnet, und man fühlt diese Notizen ein Hauch der schweren Zelt durchwehen, die vom Palast bis zur Hütte als das „Jahr der Heimsuchung" betrauert wurde. Tie Verfasserin erzählt:
„. . . Heute, an einem Sonntag (siebzehnter April 1888) erzählte uns Graf Kutusow, wie er Kaiser Wilhelm dem Ersten kurz vor dessen Tode eine Abordnung des Kalvgaregi- mcnts vorstellte. Der alte Kaiser war in russs-
Es fuhren auch Leute vom Alten Verband an und es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Arbeit allgemein bald wieder ausgenommen wird, bevor die den Kontraktbruch der Ausständigen bedingende Frist abgelaufen ist. Auf der Zeche »Adolf von Hanfemann* in Meschede ist es gestern mittag beim Schichtwechsel ebenfalls zu so schweren Ausschreitungen zwischen den Arbeitswilligen und den Ausständ-l-hen gekommen, daß die Polizei von der Waffe Gebrauch machen mußte. Verschiedene Personen wurden erheblich verletzt. Der Vorfall hatte zur I Folge, daß bei der Mittagsschicht k e i n M a n n e i n g e s a h r e n ist. Die Erregung unter den Streikenden nimmt in bedenklichster Weise zu.
für den Streik keine sehr erheblichen sind. Die I ozialdemokratischen Gewerkschaften setzen ihre ganze Hoffnung auf die christlichen Gewerk- chaften und lassen kein Mittel unversucht, auch diese zum Streik zu bewegen. In der heutigen Herrenhaussitzung wird die Streikbewegung Gegenstand einer längeren Debatte fein und es wird an die Regierung der Appell gerichtet werden, diese Streikbewegung als Prüfstein zu benutzen, ob die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Arbeitswilligen ausreichend sind. Jnzwi- chen hat der Zechenverband beschlossen, den hm angehörenden Verbandszechen zu empfehlen, die Arbeiterausschüsse baldigst einzuberufen. Vermutlich erfolgt die Einberufung der Arbeiterausfchüsse bereits zum nächsten Mittwoch. Am gleichen Tage soll eine Hauptversammlung des Zechcnverbandes statt-1 finden.
Der Streik dehnt sich ans!
(Privat-Telegramm.)
Dortmund, 12. März.
So weit es sich nach den bisher vorliegenden Nachrichten übersehen läßt, durfte im ganzen etwa die Hälfte der Belegschaften im Ruhrrevier sich am Streik beteiligen. Die Feststellung der einzelnen Ziffern begegnet insofern großen Schwierigkeiten, weil viele Zechen jede Auskunft glatt ablehnen, und andererseits eine amtliche Stelle, die einen Ueberblick über die gesamte Lage verösfentli-
3nfertton«preife: Dl« ftchSgefpalien- Zeile für einheimische S-lchöfi- 15 W, für au«. wärtlge gnferat« 25 Pf„ Reklame,-il- für einheimische «-Ichäste «0 Pf, für Quiroartige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend berechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restden, und der Umgebung ftnb die Easseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnserlionSorgan. ^^^tsüelle: Kölnische Strafte 5. Berliner Vertretung: SW., striedrichstratze 16, Telephon: Amt Morchplatz t><6.
Luxemburger Märchen?
Hinter den Kulissen der Weltgeschichte.
Auch in der Weltgeschichte gilt Ben Akibas Wort: Alles schon dagewesen! Den Beweis dafür erbringt jetzt Luxemburg: Aus Luxemburg möchte man einen Zankapfel machen, und wie anno 1870 kontrolliert die auswärtige Presse alle Hohenzollern-Prinzen auf die Möglichkeit hin, auf fremde Throne zu gelangen. Und ganz wie damals richtet man seinen fürchterlichen Argwohn besonders aus die fürstliche Linie Hohenzollern-Sigmanngen, die schon einmal sich nicht gescheut hat, dem westlichen Europa durch eine spantttbe Konigs- kandidatur und durch Okkupation des rumänischen Thrones so herben Schmerz zu bereiten. Nur insofern scheint die Sage heute anders, als damals Napoleon der Dritte hinter den Quertreibereien stand, während in unseren Tagen Belgien sich aufregt und entrüstet. Wir verzeichnen folgende Meldung:
Brüssel, 12. März.
5er Riesenstreik im Westen.
Nettere Ausdehnung des Bergarbetterstreiks.
Ans Esse« cu Ruhr wird «ns depeschiert: Seit gestern nachmittag hat der Bergarbeiterausstand eine bedeutende Ausdehnung erfahren. Auf alle« Zechen ist die Zahl der Strei- kenden verhältnismäßig beträchtlich gestiegen. Dies gilt namentlich für die Zechen des Gelsenkirchener und Dortmunder Bezirks. Die Gesamtzahl der Streikende» auf de« Hi- berniafchächten ist seit gestern «ach- mittag auf volle 75 -Prozent der gesamten Belegschaft gestiegen, hat sich also gegen gestern früh fast verdoppelt. Im gesamte« Ruhrbezirk sind nach de« Ermittlungen des bergbauliche« Vereins von der 109,884 Man« betragenden Mittagsschicht 46,971 Mann eingefahre«, so daß also 57,25 Prozent im Streik stehe«. Weitere Depeschen aus dem Ruhrgebiet melden uns: Wie es scheint, lassen sich die Mitglieder des Christlichen Gewerkvereins nicht mit in den Streik hineinreißen. Wie sich die Sache in der Folgezeit gestalten wird, darüber läßt sich allerdings Sicheres noch nicht sagen. Man tut gut daran, zunächst di« Entwicklung der Dinge abzuwarten, die nicht mit dem Maßstab der früheren Bergavbeiter- ausstände gemessen werden können. Der jetzige Streik tritt unter ganz anderen Verhältnissen
Die preußische Regierung wird bei der heutigen Beratung des Antrages Puttkamer über den Schutz der Arbeitswilligen im Herrenhaus eine Erklärung über die Vorgeschichte des Kohlenarbeiterstreiks im Ruhrrevier geben und auf die Verhandlungen, die seitens der preußischen und der Reichsregierung mit den Führern der Bergarbeiter e,n- geleitet worden waren, eingehen, um zu zeigen, daß di« Regierung kein Mittel unversucht gelassen hat, den Streik zu verhindern. Nachdem der Streik, der regierungsseitig im allgemeinen als ein Sympathie streik der deutschen Bergarbeiter für ihre englischen Kameraden angesehen wird, ausgebrochen ist, wird die Regierung bestrebt sein, mit allen Machtmitteln Ausschreitungen entgegenzutreten und die Arbeitswilligen (die auf 120 bis 140 000 Mann geschützt werden) zu schützen. Für den Fall, daß der Streit längere Zeit andauern sollte, dürfte Gendarmerie und Militär in erhöhter Stärke nach dem Streikrevier entsandt werden. Trotzdem die Streikleitung vor Ausschreitungen gewarnt haft weiden solche doch befürchtet, falls der Streik länger als eine Woche dauern wird. Bai den gestrigen Versammlungen im Ruhr- revüer hat man allgemein den Eindruck gehabt, baii die Stimmung schon jetzt eine ziemlich niedergedrückte ist, weil die Geldmittel
Im Zusammenhang damit wird uns ans Luxemburg gemeldet: Di« Mitteilungen deutschfeindlicher belgischer Blätter über eine geplante Heirat der jungen Großherzogin tmi einem deutschen Prinzen haben hier unliebsames Aussehen erregt, und aus d.r Stimmung politischer Streife deutlich zu ev sehen, daß man. wenn ein solcher Heiratsplan tatsächlich bestehen sollte, ihn mit allen Mitteln zu vereiteln versuchen wurde. rie antideutsche Stimmung in Luxemburg ist heute deutlicher als je bemerkbar, und darauf ist es wohl auch zurückzusuhren, da« die belgischen Meldungen über die Heitats- pläne der Großherzogin regierungSjeitig so energisch dementiert wurden.
eine Proklamation hervorragender Luxemburger Bürger zu Gunsten einer Angliederung an Belgien bevorstand, verhindert. Man weiß hier nicht, ob das auf Veranlassung einer Großmacht oder aus eigener Initiative geschah. Man sprengt jetzt diese Meldung ans, um Stimmung für eine ähnliche Situation
chen könnte, nicht existiert. Der Zechenverband, der in dieser Frage zuständig fein sollte, ist selbst nur unvollständig informiert. Rach den | heute früh vorliegenden Meldungen streiken im Bergrevier Dortmund 86 Prozent, in Essen I 87 Prozent, in Dortmund II 84 Prozent, in Dortmund III 65 Proz., in Witten 63 Prozent, in Hattingen 60 Prozent, in Süd- Bochum 48 Prozent, in Nord-Bochum 36 Pro ?cnt, in Duisburg 76 Prozent, in Oberhausen 25 Prozent, in Wattenscheid 44 Prozent, in Ost- Essen 33 Prozent, in Werden 37 Prozent, in Wanne 59 Prozent, in Gelsenkirchen 50 Prozent, in Hamm 73 Prozent, in West-Essen 51 Prozent. in Süd-Essen 39 Prozent und in, -------- . -■ ■ .
Lstrecklinghausen 63 Prozent der Belegschaften. Belgien bereits im Jahre 1867 luxemburgftä-e Um die Zeit des Schichtwechsels fügten sich Annexionsgelufte. König Leopold von gestern mittag die Zugangswege zu den Kai- Belgien soll damals feinen Vertrauten, Emtt serstuhlzechen mit einer fast unüber- Banning (denselben, der ihn der der Ernn s e Hb ar en Menschenmenge. Den düng der Kongokolome so ausgezeichnete> ~iem Hauptbestandteil dieser Menge bildeten Fran- ste geleistet hat) damit beauftragt haben. ,ich en und Kinder der Streitenben, die die I nach Luxemburg zu begeben, nm dort ^ttm- Siraßen besetzt hielten und die Arbeitswilli- mung für eine Angliederung an gen sozusagen Spießruten laufen ließen. Man das belgische Reich zu machen. Dan-
puckte vor den Arbeitswilligen aus unb «ing habe dies auch ausgesuhrt, und zwar im
Parte nicht mit Schimpfwörtern Zu ernstlichen Einverständnis mit dem bekannten Politiker Ruhestörungen kam es indessen nicht. Das Rogier. Der Mimsterpraftdent Jreres ^rban
Ausgebot der Polizei ist ziemlich stark. Von habe aber die ganze Aktion, inst Ms gerade
900 Mann der Belegschaft Kaiserstuhl I suh-> ----------------- Lurembur-
ren bet der Mittagsschicht nur 22 an, aus Kaiserftuhl II sind von 930 Bergleuten nur 34 angefahren, auf Zeche „Sremonia* von 430 nur 45, auf „Dorstfeld" von 512 nur 177 und auf „Dorstfeld 2" von 385 im ganzen 39 Mann. Der Gewerkverein christlicher Arbeiter teilt mit, daß auf dem Hibernia-Schacht alle Arbeiter, bis auf ungefähr zwanzig, angefahren sind. Die Arbeitswilligen sind bisher in keiner Weise belästigt worden.
ins Leben, als der des Jahres 1905. Diesmal hatte man Zeit, sich auf die kommenden Dinge vorzubereiten. So haben vor allem die G a s- und Elektrizitätswerke die Gelegenheit wahrgenommen sich große Vorräte zuzulegen und die Hausfrauen brauchen sich keine Sorge zu machen, daß ihnen etwa in Bälde Koch- und Leuchtgas entzogen werden. Ebenso haben die städtischen Elektrizitätswerke ganz erhebliche Vorräte aufgestapelt, sodaß auch hier auf eine Reihe von Wochen hinaus eine Störung in der Zuführung von elektrischer Energie für Kraft- und Leuchtzwecke nicht zu befürchten ist. Wie sich die Lage für die großen Eisen- un d Hüttenwerke gestalten wird, darüber läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. An Koks wird es den Werken auf längere Zeit hinaus nicht mangeln, da auf den Zechen noch weitere große Bestände (die allerdings zum Teil schon einige Jahre lagern und wohl an Güte verloren ha. ben) vorhanden sind. Es wird sich nun darum handeln, ob sich die zum Betriebe der Hochöfen erforderlichen Kohlen beschaffen lassen. Daß gestern stühsich nur 34,38 Proz. der Belegschaften am Streik beteiligten, ist darauf zurückzuführen, daß zahlreiche Bergleute in die Grube einfuhren, um ihre Geräte herauszuholen. Man verweigerte diesen Bergleuten jedoch die sofortige Ausfahrt, sodaß sie die achtstündige Schicht aushalten mußten. Unter den Bergleuten des Dortmunder Bezirks herrscht infolgedessen große Erbitterung. Man rechnet bestimmt damit, daß der Streik in den nächsten Tagen weiter an Umsang zunehmen werde.
Sie Regierung rmd der Streik.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Berlin, 12. März.
Recklinghausen, 12. März.
Trotzdem sowohl von der Stteikleitting, als I auch seitens der Behörden die Streikenden vor Ausschreitungen dringend gewarnt worden sind, ist es doch gestern in Bruckhausen zu« blutigen Kämpfen zwischen den Streikenden und der Polizei gekommen. In Bruckhausen hatte sich gestern abend eine große Anzahl Streikender angesammelt, um die heimkehrenden Arbeitswilligen zu belästigen, Infolgedessen kam es zu schweren Zusammen- stößen zwischen den Streikenden und Polizei-1 beamten. Die Beamten wurden mit Stein- würfen empfangen. Run gingen diese mit blanker Wasfe vor und zerstreuten die Menge. Mehrere Polizisten wurden durch Sieinwürse verletzt. Von den Streikenden erlitten viele durch Säbelhiebe Verletzungen. Auch wurden auf die Polizeibeamten fünfzehn Revolverschüsse abgegeben, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Eine große Anzahl Verhaftungen wurde vorgenommen. Auch in Recklinghausen kam es gestern zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und viei- hundett Streikenden. Sieben Personen wurden durch Säbelhiebe schwer verletzt, vier leicht. Einem Arbeitswilligen wurde ein Auge ausgeworfen. Bei der Mittagsschicht im Bergrevier Werden ist die 3abl der Ausständigen gegen die Frühschicht zurückgegangen.
3ns große Rössel.
Meinungsverschiedenheiten zwischen Nord und Süd.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 12. März.
Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, soll es zwischen dem Reichsschatzsekretär Wermuth und den Finanzministern einiger süddeutscher Bundesstaaten lebhafte Meinungsverschiedenheiten über die Art der Deckung der neuen Wehr- Vorlage gegeben haben. Der Reichsschatzsekretär trägt sich nach tote vor mit der Absicht, eine Besitzsteuer dem Reichstag vorzn- schlagen. Dieser Vorschlag hat in Baden und Bayern zu Bedenken Anlaß gegeben. Wie verlautet, soll aber eine Einigung der einzelnen Ansichten nahe bevorstehen. Konsum- und Verkehrsteuern werden als Deckung für die Wehrvorlage nicht in Betracht kommen. Man spftcht auch davon, daß eine Erb an fallsteuer im Prinzip vorgeschlagen werden soll, ihre Einführung aber den an ihr prozentual zu beteiligenden einzelnen Bundesstaaten überlassen werden soll. Dadurch würden die föderalistischen Bedenken des Zentrums zu einem guten Teil beschwichtigt werden.
Ler Kanzler und die Parteien.
(Privat-Telegramm.) Berlin, 12. Marz. Wie von zuverlässiger Seite verlautet, be- abstchttgt der Reichskanzler, den Führern der bürgerlichen Pafteien noch in dreier Woche von dem wichtigsten Inhalt der neuen Wehrvorlage Kenntnis zu geben, umtfire Meinung über die Deckungssrage entgegengu nehmen. Die Besprechungen sollen bertra «l b cher Natur sein. Der Reichskanzler wünscht, daß überhaupt von der Wehrvorlage und ihren prinzipiellen Einzelheiten nichts bekannt wird, bevor die Vorlage den Bundesrat passiert hat, und er hat an sämtliche beteiligten Stellen das Ersuchen gerichtet, über die Entwürfe strengstes Stillschweigen zu bewahren Sogar die Vertrauensmänner der großen nationalen Vereine, die sonst stets von dem Gang der Ergebnisse unterrichtet waren, sind diesesmal auf besondere Anordnung des Kanzlers hin vollständig ausgeschlossen worden. Die Verhandlungen über die Dek- kungsfrage werden im Laufe dieser Woche wahrscheinlich zum Abschluß gebracht werden. Die aufgeschobene Zusammenkunft der Ft- nanzminister der Einzelstaaten wird rn den nächsten Tagen in Berlin stattfinden.
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Rene Besttzsteuer« in Sicht?
(Privat-Telegramm.)
Ein Teil der durch die Wehrvorlage entstehenden Kosten soll, wie aus zuverlüfftger Onelle verlautet, aus bereits bestehenden Steuereinnahmen des Reichs gedeckt werden, zu denen aber weder die tn der letzten Zett in den Zeitungen erwähnte Monopol- noch Konsum-'oder Umsatzsteuern gehören. Also mutz man annehmen, daß nur Steuern auf den Besitz in Frage kommen.
Am ernster, schwerer Seit.
3m Zeichen der Streiks.
Streikwirkungen und Streikregungen überall! (Privat-Telegramme.)
Aachen, 12. März.
Gestern fanden in Höngen-Wohlscheid und Würselen eine Anzahl von Versammlungen des Bundes der Bergarbeiter Deutschlands statt, in denen gleichmäßige Beichlusse gefaßt wurden. Die Arbeiter verlangen eine dreißigprozentige Lohnerhöhung, — eg- sall der Ueberschichten, Erhöhung der Krankengelder, weitere Rechte der Arbeiterausschupe und dreimalige Lohnauszahlung im Monat.
Stettin, 12. März.
Der Magistrat beschloß gestern, die öffentliche Gasbeleuchtung mit Rücksicht auf den englischen Bergarbeiter«!«» und mnit Rücksicht darauf, daß der Koh l e n a rb e i t e r ft r c t f auch noch auf Oberschlesien über-