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COIerNemsteNchrichtm

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Sonntag, 1V. März 1912

Nummer 81

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

gemeldet:

London, 9. März.

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Hiobspost:

Konstantinopel, 9. März.

zum Abschluß gelangten, hat es nämlich in der Geschichte des deutschen Reichstags nicht gefehlt, indem das Präsidium, das bei Be­ginn der Session die Geschäfte leitete, nach Ablauf eines Monats andern Männern Platz machen mußte. Es verlautet denn auch die Annahme, daß eine nochmalige An­frage beim Kaiser nicht erforderlich sei. Dem Kaiser ist von der Wahl Kaempfs zum Präsidenten in einem Telegramm Mitteilung gemacht worden, das ihm bei seiner gestrigen Anwesenheit in Bremen im dortigen Rats­keller überreicht wurde.

bul die Konventionalflagge des Roten Halb­mondes hißte. Ein türkischer Admiral sprach die feste Ueberzeugung aus, daß die itali­enische Flotte in den Dardanellen erscheinen und versuchen werde, die türkische Flotte zu vernichten. Die Gouverneure und Truppenkommandanten der türkischen Mit- telmeerhäfcn haben Instruktionen erhalten, die ihnen vollständige Freiheit geben, alle ihnen geeignet erscheinenden BerteidigungS- matznahmenzn treffen, falls sich italienische Kriegsfahrzeugr zeigen sollten.

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Das Scho der Präsidentenwahl.

(Privat-Telegramm)

In der ganzen Berliner Presse macht sich ein Gefühl der Erlösung bemerkbar, daß die Frage des Reichstagspräsidiums nun end­lich ihre Erledigung gefunden hat, wenn auch das Präsidium, das aus her gestrigen Zufall­wahl hervorgegangen ist, je nach der Stellung der Blätter mit mehr oder weniger gemisch­ten Gefühlen begrüßt wird. Mau beur­teilt indessen die nun geklärte Lage doch im allgemeinen günstiger, als nach der ersten Präsidentenwahl. Wir verzeichnen folgende Preßstimmen:

JnferttonSpretfe: Die lechSgespaltene Zelle für eürheimtsche Geschäfte 15 Pfg., für aus­wärtige Inserate 25 Pf, Rellamezetle für etnhetmtsch« Geschäfte 43 Pf, für auswärtige Geschäft« 63 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Pausend be­regnet Wegen ihrer dichten Berbrettung in der Rsflden, und der Umgebung sind die Gaffel«: Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

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ste Soff der Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend«. Der LbonnementSpretS beträgt monatlich 50 Pfg. bei freier Zustellung inS Haus. Bestellungen werden jebersett von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegMgenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofflraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 bis 3 Uhr nachmittags, Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Sonnabend von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstr 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

Russische Kultm-Mdlle.

Skandalprozest um verschwundene Millionen (Von unserm Korrespondenten.)

Aus Petersburg schreibt man uns: Prozesse gegen spitzbübische, bestechliche Ar- meeintendantcn sind in Rußland keim Seltenheit, seitdem die Reichsduma den Fin­ger in die verschiedenen Wunden des großen Zarenreichs gelegt hat. Wenn der russische Beamte fett Jahrhunderten sprichwörtlich ein Erzschelm gewesen ist, so gebührt die Krone schamloser Bestechlichkeit, frecher Erpressung und verruchter Gaunerei den Armecintendan- ten, deren Praktiken und Tiebesgrifse gerade­zu phantasttsch sind. In der Intendantur ist stets auch das Allerunwahrscheinlichste Ereig­nis gewesen. Alan stahl und bettog, als ob es nie Gesetz und Recht gegeben hätte, und man vertuschte, bis der russisch-japanische Krieg Dinge an den Tag brachte, die ein Ein­greifen zur zwingenden Notwendigkeit mach­ten. Tie Revision des Senators Garin (der Senat ist die höchste Justizbehörde des Lan-

Die Christianiaer angesehene ZeitungMor- genbladet" schreibt in ihrer gestrigen Abend­ausgabe: Vorläufig liegen noch keine Einzel- hetteu über die Expedition Amundsens nach dem Südpol vor. Ader es ist kaum zu viel gesagt, schon jetzt zu behaupten, daß die Expedi­tion geglückt ist. Professor Fridtjof Nan­sen erklärte demTagbladet", er glaube, datz Amundsen eine freudige Nachricht habe.

Keine neue Audienz beim ftaifer!

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 9. März.

Ueber etwaige Schritte wegen einer Audienz beim Kaiser wird das neue Präsidium erst am Montag Beschluß fas- sen. Wie verlautet, will Präsident Kaempf sich zunächst darüber unterrichten, wie in gleichen Fällen die Bestimmung gehandhabt wurde, daß dem Kaiser von der Konstitu­ierung des Reichstags-Präsidiums Mitteilung zu machen ist. An Bällen, wie dem gestern

(Privat-Telegram m.)

Börsengerüchte, die hier große Bestürzung erregen, bisher aber »och nicht bestätigt find, »erzeichneu die Beschießung von Smyrna durch die italienische Flotte. Biel kommentiert wird die Tatsache, daß das tür-

Amundsm's Polfahn.

Die Heimkehr von der Südpol-Fahrt.

Die vorliegenden neuesten Depeschen über die Südpolfahrt des Norwegers Amund- s e n bringen die Bestätigung, daß Amnndsen den Südpol tatsächlich erreicht hat. In­zwischen ist aus Hobbartstown (wo Amnndsen sich zurzeit aushält) den führenden Zeitungen in Christiania ein Telegramm zugeaangen, in dem Amundsen seine Mitteilungen bestätigt. Wie der Londoner »Daily Cchronicle" mitteilt, hat Amundsen an das Blatt einen telegraphischen Bericht über seine Südpolfahrt gesandt, der viertausend Worte enthält und an Uebermittlungsgebühr zwölftausend Mark ko. stet. Amundsen erhält für seinen Bericht fünf, zigtausend Mark Honorar. Das allei­nige Veröffentlichunzsrecht für Amerika hat die NewYork Times" erworben. Weiter wird ANS

gels vom neuen Präsidium ferngehalten wer­den sollte und die Rechte nur wenig Neigung zeigte, dasIdyll der Linken" zu stören, so blieb nur ein Kandidat aus den Reihen der um Kaempf Gescharten. Herr Dove vereinigte denn auch die größte Mehrheit der drei gestrtzen Wahlgänge auf seine Person, und Das, trotz­dem seine enger» Parteifreunde (der Abrede ge­mäß) für den Kandidaten «der Sozialdemokratie und gegen ihren Fraktionsangehörizen t tonnten. Es ist sicher wohl das erstemal, daß ein Mitglied des Reichstags-Präsidiums gegen den Willen seiner Partei gewählt wor­den ist, und man rechnete deshalb auch nach be. endeter Wahl mit der Möglichkeit, daß Herr Dove auf das Amt verzichten werde. Er tat es aber nicht, sondern erklärte sichange­sichts der parteipolitischen Situation" zur An­nahme der Wahl bereit. Jedenfalls war bei diesem Entschluß die Befürchtung ausschlagze. bend, daß bei einer nochmaligen Wahl das Bild der Verworrenheit abermals in den grellsten Farben aufleuchten werde. Das wollte man vermeiden. Und man tat gut daran! Das Prä­sidium der Linken wird nun zu zeigen haben, daß in seiner Hand die Zügel der Parlaments­regierung straff und sicher ruhen . . .!

F. H.

Reue Kriegs-Gefahr?

Kriegsrüstungen in den Schwarzen Bergen.

Die Befürchtung eines znm Frühjahr aus- brechenden Balkankampfs erhält eine Be- stättgung durch die heute aus U c sküb vorlie- gendmr "Nachrichten. Wi« von dort gemeldet wird, treffen fortgesetzt türkische Truppenabtei- lnnaen an der montenegrinischen Grenze ein. Die Schulen dort sind in Kasernen umge- wandelt. Unter den Albanesen herrscht große Unzusriedeicheit: sie sind mtt zahlreichen mo. dernen Gewehren versehen. Die Chefs von zwanzig albanischen Stämmen befinden sich in Montenegro. Gleichzeitig kommt eine neue

Die Germania:

Müßte nicht jemand, der die Entwicklung der Präsidentenwahl nicht kennt, oder nicht ge­nau verfolgt hat, diese ganze Wahl für einen Karnevalsscherz halten? Wenn wir diese Frage mit Ja beantworten, fällt uns die brennende Scham auf die Seele. Das ist der Effekt der gestrigen Wahl!

Die Freisinnige Zeitung:

Die Wiederwahl Kaempfs entspricht der Verteilung der Machtberhältnise im Reichstage. Daß die Fortschrittliche Volkspar­tei den Präsidenten stellt, ist nur logisch, denn von den Mitgliedern der drei linken Par­teien ist Kaempf der Geeignetste, die Linke zu repräsentteren.

Die Vofsische Zeitung:

Das deutsche Bürgertum wird es nicht als ein Unglück betrachten, daß das Präsidium nicht der getreue Spiegel der Zusammen­setzung des Reichstages ist. So widersinnig eS ist, daß die stärkste Partei nicht den Präsidenten stellt, so erfüllt es doch mtt Genugtuung, daß die Gefahr eines schwarz-blauen Präsidiums beseitigt ist.

Der Vorwärts:

So ist es also der Rechten und der Re­gierung gelungen, der Sozialdemokratte ihren berechtigten Anspruch vorzuenthalten. Wir werden stärker werden, und was uns heute die Gegner noch versagen, wir werden es uns erringen aus eigner Kraft.

(Privat-Telegramm.)

Aus Hobbartstown in Tasmanien wird hier­her gemeldet, daß Kapitän Amundsen in Abrede stellt, irgend eine Depesche, in der von Scott die Rede wäre, geschickt zu haben. Amundsen ist der einzige, der bisher von der Expeditton in Hobbartstown an Land ging. Er erklärte, er sei zufrieden mit dem Er­gebnis seiner Expedition, aber er wolle nichts weiter sagen; niemand erhält die Erlaub­nis, an Bord derFranri zu gehen. Amundsen will in Hobbartstown nur wenige Tage blei, bett, darauf in Australien in einigen Versamm- lnnzen sprechen und dann über Kap Horn und Buenos Aires nach Europa zurückkehren.

Sie Begeisterung in Norwegen.

Aus Christiania liegen heute folgende Meldungen vor: Der König, die Regie, rung und die Geographische Gesell­schaft haben an Amundsen Glückwunschtele­gramme gesandt. Der König hat auf Ersuchen genehmigt, daß fein Name sowie der der Köni­gin bei der kartographischen Aufnahme der neu entdeckten Gegend benutzt wird. In der Börse wurde gestern unter großer Begeisterung ein Hoch aus Amnndsen aus-zebracht. Die Stadt ist mit Flaggen geschmückt. Bei Beginn der ge- fingen Sitzung des Siorthing hielt der Präsi­dent eine Ansprache: Wir können die heutige Arbett nicht beginnen, ohne uns zum Ausdruck dankbarer Freude in Bewunderung und Stolz zu vereinigen, die uns alle bei der Nachricht er­füllte, daß Roald Amundsen und feine Leute den Südpol erreicht und die norwegische Flagge aufgepflanzt haben. Wir sind stolz in dem Gedanken, daß diese Männer un­sere Landsleute sind und den Namen Norwe­gens mtt Glanz bedecken konnten.

Kaempf-Paasche-Iove!

Das neue Präsidium der Linken.

Der Reichstag wählte gestern (wie wir bereits in einem Teil der Freitag-Ausgabe mitteilen konnten) zum ersten Präsidenten den fortschritt- lichen Abgeordneten Dr. Kaempf mit 192 Stimmen. Ans den Zentrums­abgeordneten Spahn entfielen 187, auf den konservativen Grafen Schwe­rin-Löwitz 2 und auf den konser- vattven Abgeordneten von Heyde- brand 2 Stimmen. Znm ersten Vizepräsidenten wurde der national-' liberale Abgeordnete Paasche mit 197 Stimmen gewählt. Auf den so­zialdemokratischen Kandidaten Schei­de m a n n entfielen 155 Stimmen. Als zweiter Vizepräsident wurde der frei- sinnige Abgeordnete Dove mit 209 Stimmen gewählt. Der sozialdemo­kratische Kandidat Scheidemwnn erhielt dagegen 147 Stimmen. Bis gestern zur Mittagsstunde war die Frage der Präsidentenwahl im Reichs, tag ein großes Rätsel, an dessen Lösting in der letzten Woche mehr Hirnkrast verschweiget worden ist, als an manches weltpolitische Pro­blem. Um drei Uhr nachmittags wurde dann gestern das Rätsel zur allgemeinen Hebet, t; ras ch u n g, uiti> es ist sicher, daß niemand von dieser Ueberraschung mehr verblüfft wor­den ist, als ihr eigentlicher Träger, der greife Stad trat, Kaufmannschast.Aelteste und (neuer­lich) Doktor juris honoris causa Kaempf, der in den letzten Wochen im Parlament am Berliner Königsplatz als Herr der Glocke seines Amtes waltete. Bis gestern mittag zum Beginn der Reichstagssitzung war es noch vollkommen ungewiß, wie eine halbe Stunde später des Schicksals Würfel rollen würden: Die National- liberalen hatten grollend erklärt, daß ihnen ein Präsidium derreinen Linken" ebenso un­sympathisch fei wie eiwous Männern der Rechten rekrutiertes Präsidialkollegium, und auch die Sozialdemokraten schwankten noch zwischen Groll und Liebe.

| Wochen hindurch hatte man verhandelt: Em- sig, eindringlich und beschwörend um eine Et. leuchtung gerungen, und doch nur erreicht, daß die Spaltung der Parteien am Vorabend der Entscheidung größer schien als am Tag, da die Herren Kaempf und Dove zu Herrn Scheide- K mann aufs Podium der Hausregierung stiegen.

Der Fall beweist, daß die edle Kunst desKorn- promisselns" meist da versagt, wo persönliche L Wünsche und stilles Sehnen sich wie Grüben im Weg dem flotten Marsch zum Ziel entgegen­stemmen, und es ist sicher, daß der wochenlange Handel um die drei Stühle der Präsidenten- bühne tot Reichstag die zwischen den Parteien von Haus aus bestehenden Gegensätze eher ver­tieft als ausgeglichen hat. Charakteri- f stisch für die gestrige Schlußwahl des Drei- männer-Kollegiums ist der Ausfall des so. zialdemo kritischen Präsidial-Mitglreds. Es scheint, daß die peinliche Erfahrung mit der Schloßvisite die bürgerlichen Parteien in dem einen Gedanken wenigstens zusammen. geführt hat, dem Reichstag unter allen Umstän- den eine neue Audienzweigerung zu ersparen.

Und so versank Herrn Scheidemanns junges - Vizepräsidentenglück im Dunkel der Wahlurne.

Dieser Ausgang überrascht einigermaßen, denn die glatte Wiederwahl des Fortschrittlers Kaempf zum Inhaber des Adlerstuhls tot Prä­sidium war nur dadurch möglich geworden, daß die sozialdemokrattsche Fraktion sich noch in letzter Stunde entschloß, auf alle persönlichen Wünsche zu verzichten und für den Kandidaten des Freisinns aufzumarschieren. Fm an­dern Falle wäre es zu einer Stichwahl zwi­schen dem Zenttumsmann Spahn und dem Sozialdemokraten gekommen. Dann hätten die Nationalliberalen sich schon bei der Wahl des ersten Präsidenten entscheiden müssen. Daß sie dieser peinlichen Pflicht entgehen konnten, ver­danken sie nur den Sozialdemokraten, die ihnen die bekanntegoldne Brücke" bauten, und es war deshalb auch (wie gesagt) einigermaßen überraschend, daß bei der Wahl der Vizepräsi­denten die Nationalliberalen sich von der übri­gen Linken trennten und den Sozialdemokraten aus dem Präsidium hinauswählten. An Scheidemanns Stelle thront nun Herr Paasche rechts vom Fortschrittsmann Kaempf, und man erzählte sich gestern in den Wandelgängen des Parlaments, die Rationalliberalen hätten nur einem Gebot derausgleichenden Gerechtigkeit" entsprochen, indem sie Herrn Paasche wieder zum Präsidium emportrugen, dem er vor ein paar Wochen auf dringliches Verlangen des Frakiionsrais in schmerzlicher Resignation hatte entsagen müssen.

Nachdem Kaempf und Paasche siegreich der Urne entstiegen, war die Wahl Dove's so gut L tote Ücker, denn da ein Mann des roten Flü-

Die Kreuz-Zettnng:

Es ist ein Zufalls Präsidium, in dem die ihm eigentlich gebührende bluttote Rüance fehlt und ein Sinnbild auch der so­genannten Mehrheit der Linken, die nur durch Zufall die Wahl des Präsidiumsaus eigener Kraft" zustande brachte. Man muß nun ab- toarten, was dieses Präsidium zuwege bringen wird.

Die Deutsche Tages.Zeitung:

Die Fortschrittliche Volkspartei bat gestern ihre Hörigkeit zur Sozialdemokratie bekun­det und bestätigt. Das Präsidium darf nie­mals vergessen, daß es ein Präsidium der Minderheit ist. Demgemäß ist auch feine Bedeutung und der polttische Effett der gestri­gen Präsidentenwahl einzuschätzen: Die Min­derheit hat einen Zufailfieg errungen!

Kampf oder Friede?

Vor der Entscheidung im Ruhr-Revier.

Die Gefahr eines allgemeinen Berg­arbeiterstreiks im Ruhr-Revier hat sich zwar nicht vermindert, doch scheint es, daß bei der Leitung der Gewerkschaften überwiegend der Wunsch besteht, einen Ausbruch des Aus­standes unter allen Umständen zu verhin­dern. Die Reichstagsabgeordneten und Berg­arbeiterführer, die an der Konferenz im Reichs­amt des Innern teilgenommen haben, sind zum Schweigen über die Konferenz ver­pflichtet worden. Bisher sind in dem Bochumer und Gelsenkirchener Revier hundertzehn Mann Gendarmerie und mehrere hundert Polizei­beamte von auswärts zusammen gezogen wor­den. Gestern nachmittag sind noch aus Eilbeck siebzig Mann mit einem Offizier nach Watten­scheid beordert worden, um die dortige Polizei und Gendarmerie zu unterstützen. Die Ent­scheidung Über Kampf oder Frieden wttd am morgigen Sonntag fallen. Wir erhalten darüber folgende Meldungen:

Bochum, 9. März.

(Privat-Telegramm.)

In nicht weniger als siebzig Ver­sammlungen wird am Sonntag abend im Ruhr-Revier der Beschluß der Revierkonferenz bekannt gegeben werden. Bis dahin wird der Beschluß der Konferenz völlig geheim ge- halten. Der Eewerkverein Christlicher B e r g a r be i t e r hat für den morgigen Sonn­tag in das Ruhr-Revier zahlreiche Ver­sammlungen einberufen, in denen noch einmal das ablehnende Verhalten des Vereins gegenüber dem Streik dargelegt wer­den soll. Die Anwesenheit von Husaren in der Herner Gegend erklärt sich dadurch» datz diese die Pferde für die Verstärkungen der Gen­darmerie überführt haben und jetzt mit der Wartung der Pferde bettaut find. Wie der Be­schluß der morgigen Revier-Konferenz aussal- len wird, läßt sich nicht voraussehen, und alle darüber verbreiteten Meldungen beruhen auf Kombinationen. ES gewinnt indessen den An­schein, datz die Neigung zu einer friedlichen Verständigung in den letzten beiden Ta­gen auf b e i d e u Seiten stärker hervorgetre­ten ist.

Ser Kampf in England.

Wie uns ein Privattelegramm aus Loudon meldet, hat die Regierung neuer­dings im Kohlenarbeiterstreik beide Par­teien zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen. Die Vertreter der Arbeiter gaben ihre EinwMgung, eine Versammlung der Fö­derationen einzuberufen, um die Frage der gemeinsamen Konferenz zu beraten. Angesichts des Grubenarbetterausstandes haben die Gru- bendirekwren von Plumtee im Bezirk Rotts beschlossen, die Gruben endgilüg zu schließen. In Grimsby sind zahlreiche Fischerfamilien brotlos. Die Ge­meindebehörden haben eine Bittschrift erhal­ten, um den Bedrängten auf Amtswegen Hilfe zu bringen und besonders die Kinder mit dem Notwendigsten zu versehen. Die Brotpreise steigen bedenMch. In den ärmeren Bezirken Londons macht sich der Streik am schlimmsten fühlbar und die Not steigert sich mit jedem Tage.

des) förderte Mißbräuche ohne Zahl zu Tage, fische Svital zu Haydarpascha gegenüber Stam-ß und die Folge waren verschiedene skandalös«