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Casseler Nemste Nachrilgtm

Hesstsche Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Nummer 79

Freitag, 8. März 1912

8etnf»tedkt 961 «red 952.

Fernsprecher 951 Bttb 952.

abermals zur Kraftprobe Rechten und der Linken gestatten.

-Fluch bet Tonsutta-Poltt»!" **

Wie tut« aus Sonstantinopel bersch­te* wird, verliefen vorgestern hundert, geftetw achtzig Italiener mit ihren Familie« endet lauten VerwÜnschnttzgen gegen die ita­lienisch« Politik Beirut. Die Ausweisung«, werde« kouscgueut, aber ohne Härte durch ge- führt. Die Erregung unter den auSgewiese- nen Italienern ist fo groß, daß sie die SeiegSpolitik der rSmische« Regierung, die sie um Hab und Gut gebracht hat, offen verfluche«.

Schließlich wird «ns »och ou8 Rewhork berichtet: Die Lage in den amerikanischen Lohlendistrikten gibt zu ernste« Besorg­nisse« Anlaß, da die Srubenbesktzer die For- benrngc« der Arbeiter zurückgrwiesen habe«. Man betrachtet daher bot AuSfiavd, in bot buttbe«*<4*iiat««!b«b Xsbeitex

hineingezogen werden würden, als unvermeid- lich. Falls nicht in letzter Stund« «och eine Einigung zustande kommt, dürfte in den näch­sten Lagen der Streik proklamiert werden. Weitere hunderttausend Ar- beiter benachbarter Kohlenreviere würden fich i« diesem Falle dem AuSstand anschließe«.

lionenregen für den Steinacker btt Reichs, finanzüvirtschast erhofft. Dom volkswirtschaft­lichen Standpunkt aus mag sich gegen daS Mo- nopol-PrtaziP ebensoviel Ernstliche- eiraven­den lassen, wie nach der sozialen Seite hin: Finanztechnisch indessen lassen sich feine Vorzüge nicht bestreiten. Er wird unS nun zwar von den Männer« offiziöser Wahrhaftig, keit erzählt, daS groß« Steuerreform-Geheim- nis des Kanzlers habe mit der Deckung der Wehrvorlage-Kosten nicht das mindest« zu tun, ober das geschieht offenbar mir, um unS die Freude am Werden eines großen Werkes nicht durch kleinliche Alltag-Sorgen zu verkümmern. In Wirklichkeit wäre jedenfalls nichts na­türlicher und selbstverständlicher, als wenn Herr von Bethmann die Finanzmänner der Bundesstaaten für den Sonnabend nach Berlin entboten hätte, um mit ihnen di« Einzelheiten seines Reform-Projekt- zu beraten. Was diesewirkliche" Reform uns dann brin­gen wird, werden wtt ja bald setzen! F. H.

SMe taff ei er 81«uftm Nachricht« «schein«, «öcheMUch sechs», al und *soi abeabt Der Xbem*at*nt«p«tl betagt »umaUtch 60 «fg, M tretet Zustellung in* Hau*. Bestellungen werden lebetiett von der «eschLst«stelle »der den »etea eutgegengeuommen. Druckerei, «erlag im> Webatttea: «chlachttzofstrabe 38/30. Sprechstunde» der Rebatttoa nur van 1 bi* 3 Uhr nachmittag*, Sprechstunden der ttulhmft-Stelle: geben SNttwech und Setmabenb een «bi* 8 Uhr abend*. Berliner Vertretung! SW, Friedlichste 18, Delephmr ttat Marttzplatz «76.

Die morgige Präsidentenwahl wird sich also wahrscheinlich abermals zur Kraftprobe zwischen der Rechten und der Linken gestatten. Ergibt sich dabei wieder «ine Mehrheit auf der Linken, so würde Herr Kämpf gewählt werden; denn man nimmt bisher an, daß für ihn wieder ein Teil der RationaMberalen und

Rach handert Tage«.

Intermezzo im Pariser ChauffeurfireS.

telegraphisch« Meldung.)

Pari«, 7. März.

Gestern abend freien auf dem Boulevard St. Martin ausständige Edaufseure einen von einem Rdrnizipalaarbisten beschützten Ar-

gnferttoa*»tetfe: Die fch*getpaUe»e steile fte einheimische »eschstfte U Wg., für au*, roirttge Inserate 36 ®f, Reklamezeile für einheimische Geschäfte <6 W» für att*m4rttge «eschäfte «0 Pf. Beilagen für die »esamtaustage werden nttt S Mar! pro Dauseud b» rechnet. Gegen ihrer dichten Verbreitung ta der «testden, und der Umgebung stad die Dasseler Neuesten Nachrichten ein »er,ügliche* gnferttenlorgan. »eschäftSstelle: «Slntsche Straße st. Berliner Vertretung: SW, striedrtchstraße Ist. Telephon: e«l Marttzplatz «7«.

Tunesische Abenteuer

Ein italienisch-arabischer Zwischenfall.

Die FriedcnSaktton der Mächte i«k Tripolis-Krieg scheint gescheitert zu sein: Wie uns aus Wi»n depeschiert wird, haben Oesterreich-Ungarn und Deutschland auf die Sondierung des englischen Kabinett-, daS eine gemeinsame Aktion der Mächte in Rom unternehmen wollt«, um Italien zur Derzichtleistung auf jede maritime Aktton an der europäffchen und astatischen Küste der Tür- kei zu bewegen, in ablehnendem Sinn« geantwortet. Inzwischen häuft sich «««et KonfliktS-Stoff:

Paris, 7. März.

(Ptivat-Telegramm)

Sin bedenklicher Zwffchenfall hat sich gesten» in TnniS ereignet, der bei der gereizten Stimmung, die dort herrscht, recht böseFol- gen haben könnte. Einig« arabische Kinder, die auf einer Mauer mtt Kieseln spielten, lie- ßen auS Versehen einen Stein auf eine« vorübergehenden Wagen fallen, auf dem Italiener saßen. Die Italiener zielte« sofort mtt Revolvern auf die Kinder und ver­letzten eines davon so schwer, daß eS in- Krankenhaus gebracht werden mußte, wo es auf den Tod darniederliegt. I« der arabischen Bevölkerung herrscht Über diesen Vorgang außerordentlich« Erregung. Um­fangreiche Maßnahmen sind gettoffrn worden, umUnruhenin den arabischen und italienk- schen Vierteln zu unterdrücke«.

die gesamten Sozialdemokraten stimmen wer- den. Daß ein Sozialdemokrat als Vizeprä­sident gewählt würde, also Herr Scheidemann zum ersten, gilt für ausgeschlossen, weil er die nattonalliberalen Stimmen nicht mehr oder doch nicht in genügender Anzahl erhalten wird. Jedenfalls birgt die morgige Wahl die Mög- lichkeit großer Ueberraschungen in

BBB f Finauzmlnistek Rendezvous.

Einewirkliche" Steuerreform des Kanzlers?

Es war unterdessen wirklich eintger- - . Maßen beunruhigend geworden: Wir ver. nahmen, daß die «tu« HeereS- und Flöt- «envorlage seit Wochen fix und serttz in der Schreibtischlade des Herrn Kanzlers lagere, und hörte» mit steigendem Unbehagen, daß di« Frag« der Kostendeckung immer noch ein ungelöstes Rätsel sei. Indessen, hieß es, werde man auch darüber »ta den nächsten Tagen sich schlüssig machen". Di« in mäßigen Inter- ballen dünn und verzagt in die Oeffentlichkett niederri«s«Inden offiziösen Kundgaben, Be­richtigungen und Schwichtigungen hatten be­reits «ine gewiss« Nervosität erzeugt, und man atmet* deshalb erleichtert auf, als uns nun gestern endlich, eröffnet wurde, di« beiden Wehrvorlage« seien dem BundeSrat zuge- gangen, und «S besteh« der Plan, sie in den nächsten Tage« der öffentliche« Kritik preiszu- geben. Also ein Schritt vorwärts! Ueber da» Geheimnis der Kostendeckung allerdings ist nach wir vor de» Rätsels dichtester Schleier gebreitet.

Ei« leiser Hoffnungstrahl blinkt schwach nur durchs Dunkel der Ungewißheit: Am näch­ste« Sonnabend werden sich in Berlin bk F i ­nanzminister der Einzelstaaten ver. sammeln, um mtt dem Kanzler und dem Schatz­sekretär des Reichs ernstliche« Rat- zu pflegen, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß dies Rendezvous in allererster Linie der Lösung des durch hi« neuen Wehrvorlagen dringlich gewordnen Kostendeckung». Problems gift. Daß Herr von Bechmann di« bundesstaatlichen Finanzmänner nach Set. litt beordert hat, um einträchti glich mit ihnen »ach dem Stein der Woffen zu forsche«, beweist fsiff» erste, daß weder Herr Wermuth noch der Karyler gesonnen ist, die erste Jahresrate bet g durch bk Heeres- und Flottenvorlage «nt-

I stehenden Mehrausgaben (man schätzt sie in

El Unterrichteten Kreisen auf rund hundert- g- fünfzehn Millionen Mark für jedes \ der beiden ersten Jahre) au» den Ueberschüssen bei Etats zu decken, daß vtalmehr die Absicht besteht, für bk Deckung der Hunderffünfzehn. Mtllionen-AuSgab« «rst Mittel zu beschaf­fen, und zwar offenfichffich ans Quellen, bk bisher nicht erschlossen sind.

ES gibt immer «och fromme Optimist«, die Ar ihres Herzens Einsalt-Reinkultur die zarte Hoffnung nähren, Herr von Bethmann Holl- fe- weg werde tat Moment bet Rot (wenn ihm die hmchertfünszetar Millionen auf den Nägeln brenne«) »um Heldentum erwachen, und von L der linken Reichsta-z.Mehrheit die . (gern be­willigte) Erlaubnis zum Ernstteichen der Erd­anfallsteuer erbitten, die ja auch in Herrn Wermuths Sehnen am tiefften wurzele. Daß der Kanzler indessen grade att diese nah am Weg harrende Möglichkeit nicht denkt, geht aus allen SttmmungS-Kunbgaben der Wil- helmsttaße so deuffnh hervor, daß man sich bar. um schon längst nicht mehr zu sorgen braucht. ES scheint sogar, daß auch Herrn Wermuths L helles Ohr der »bessern Erkenntnis" erschlossen worden ist, denn das Feldgeschrei vom Reichs- fcbatzamt: »Reue Ausgaben nur bei neuen Steuern!" ffk merklich melodramatisch ge­worden, und die Betonung liegt längst nicht mehr (wie früher) auf dem letzte« Wort!

Jmgrund« genommen sind wir affo heut g«. kau so weit, wie entern Januarmond, al- die ersten Leimchen neuer Hoffnung sproßten. Und tat «in süßer Trost ist in des jungen Märzen Tagen unS geworden: Herr von Bethmann Hollweg plant eine Wirkliche" Steuer- Reform tat Reiche! Daß man bei der Kund, gäbe dieses Momnnental-Projekts auf daS Wörtchen »wirklich" so große Bedeutung legt, könnte im wohlgefällige« Sinn« dahin gedeutet werden, daß Herr von B«th- «ann fich mit dem Gedanken trägt, bk Unzu­länglichkeiten der letzte« Ftaattztefonn (de- een schärfste Kritik ja schon da» Wörtchen »wirklich" ta der Ankündigung der neuen Finanzoperation enthält) durch eine tatsäch­lich großzügige Steuerreform auf brei­tester Basi» zu beseitigen und dem Reich Neue Einnahmequelle« zu erschließen. Rach welcher Richtung hin sich die millionen-bewe- genben Projette des Kanzlers erstrecke«, ist zur- zeit noch Geheimnis bes WilhelmstraßewALer- heffizstent er bettmrtet indessen, daß Herrn Delbrücks Monopol-Pläne Gnade vor Herrn von DethmonnS Auge gefunden haben.

Herr Doktor Delbrück schwärmt für Petro- leimt-, Kali-, Spiritus- und Zündholz-Mono. pole, und er teilt diese Vorliebe tat wesent. kichert mtt Herrn Wermuth, der ebenfalls von der Monopolisietung gewisser Konsum-Pro. dukttonsrwetae einen tzützltar-zauLernden LL>

beitSwilligen an und bewarfen ihn mit Stei­nen und Eisenstücken. Als Schutzleute dem Be­drohten zu Hilfe eilten, feuerte ein Streikender einen Revolver schuß auf sie ab. Dir Volksmenge, die sich angesammelt hatte, fiel mit großer Erbitterung über den Angreifer her und richtete ihn übel zu. Dann wurde er ver­haftet. Der Ausstand der Chauffeure dauert bereits hundert Tage. Während dieser Zeit haben die Ausständigen «in« Unter, stützung von einet Million Francs erhalt««. Der Verdienstausfall der Dtteikenden wird auf sechs Millionen veranschlagt.

Wer wird President?

Roch immer keine bürgerliche Einigung!

Ueber die morgen tat Reichstag stattfindende endgilttge Wahl de» Präsidiums finden sich allerlei Mitteilungen und Betrachtungen in verschiedenen Patteiblätter«, ble indessen tat Grunde alle darauf hinauslaufen, daß man über den AuSgang ... nicht» wisse. DaS stimmt auch, weil bis jetzt eine Vereinbarung zwischen Startete« btt Linken und bet Rechten nicht zustande gekommen ist, und well na­mentlich bisher weder daS Zentrum noch die Konservativen auf die ihnen nabegelegte Lösung, zmn Präsidenten einen Rational- liberalen zu wählen, worauf dann die Vtzepräfidenten dem Zentrum und bet Rechten entnommen werden würden, eingegangen sind. Ueber die augenblickliche Sachlage wird un» berichtet:

Berlin, 7. Mär».

Telegramm unsres Korrespondenten.)

Es scheint, daß Über der Präsidenten­wahl im Reichstag «in Unstern waltet, denn ttotz aller Bemühungen etttflutztelcher Partei- männer ist es bis heut« mittag nicht ge­lungen, «in« Einigung zwischen den Fraktio­nen herbeizuführen. Rach dem augenblicklich«» Stande der Angelegenheit erscheint eine f»ld)e Einigung auch nicht möglich, da die Ra- tionalliberalen ihre Absicht, nur täten Kan­didaten für den Ptäsiderttenposten ans ihren Rechen zu nominieren, nicht aufgegeben habe«. Die Fortschrittliche Volkspartei wird diese na- ttonallibetale Forderung unterstützen, die sozi- aldemoktattsch« Fraktton wird jedoch für einen «ationaMbetalen Präsidenten nicht stimmen, da die Nattonalliberalen erllätt ha­ben, daß sie ihre Stimmen zugunsten der So- zialdemokratte bei der Wahl von Vizepräsi­denten nicht abgebe« würden. Die sozialdemo­kratische Fraktion wird sowohl bei der Prä- sidentenwahl als bei der Wahl des ersten Vizepräsidenten für ihre Kandidaten stimmen und die fortschrittliche Vollspartei wird bei der Wahl de» ersten Vizepräsidenten für den sozialdemokratischen Kan­didaten stimmen, da sie der Meinung ist, daß die sozialdemokratische Fraktton das Recht habe, bett ersten Vizepräsidenten zu stellen. Das Zentrum und die gesamte Recht« werden bei der Präsidentenwahl für den Kan­didaten des Zentrums stimmen ttttb bei der Wahl des ersten Vizepräsidenten für den Kandidaten her Konservativen. Soweit fich die Sachlage übersehen läßt, wird bei dieser Zersplitterung der Linken da» zukünftige Prä- sidium wahrscheinlich auS drei Mitglie­dern deS Zentrum» und der Rech­ten fich znsamm««setzen.

Var Geheimnis der Polr.

Ein unbekanntes Land am Nordpol? (von unferm Korrespondenten.)

In fehtem Buche ,Dt« Reise zum Pol- be­richtet Pearp, wie er auf der Rückkehr mm feinem Vorstoß zum Pol im Frühjahr 1906 am ' zwanzigsten Juni von her nördlichen Spitze de* ttret Heiberg-Lonb*, begünstigt von Harem _ Wetter, ta der Ferne schneebedeckte Stpsel eine* neuen unbekannten Laude* über der Bitwüste sich habe erheben sehen, die er ver- schwömmen bereit* einige läge zuvor mtt seinen Ssktmo* von der Rordküste de* Srant-Land* und der Spitze de* Lap Colgate, zweitausend Fuß über dem Meere «spiegel, bemerkt batte- Peary stellte die Lage diese* gehetmntOvolleu Lande* ta 830 Srad nördlicher Breite und 1000 westlicher Länge fest und nannte e* zur tkrtnne. timg an seinen verstorbenen Freund George Sroker vom Peary tzlrettc Club Procker-Land Die alte Frage eines polaren Konti­nents oder Archipels war damit von neuem aufgetaucht, und da auch wissenschaftliche Ar­gumente scheinbar für die Existenz einer solchen bedeutenden Landmasse sprachen, beschlossen zwei junge Forscher, die Peary auf seiner letz­ten erfolgreichen Reis« beglettet und durch ihre Bücher sich «inen bekannten Samen gemacht hatte«, George Borup und Donald Mac Millan, dteS letzte große Polräffel zu lö­sen. Mtt der Unterstützung deS Amerllanischen Raturhistorische« Museums, bet Amerikanische« Geographischen Gesellschaft, bet Nale-Universt- tät und anderer Institute wollen sie (wie unS aus New York geschrieben wird) um den zwanzigsten Juli dieses Jahre» zur Erfor­schung des von Peary gesichteten Landes von Sydney mit einem Dampfer aufbrechen, auf dem Weg nordwärts durch Baffins Bay, an der von warmem Aequatorialwafler bespülten niedrigen Bergküste Grönlands vorbei, wo in schneefreiem Sommer eine reiche nieder« Flora bleibt und Moschusochse und Remitier ta stark- ken Serben leben, sich mit Walfisch, und Wal- roßfleisch, sowie Hunden zur Schlittenexpe» ditto« versehe«, unter 79 Grad nördluher Breite an der Südküste der Bache-Halbinsel Winterquartter beziehe«, da» Schiff heimsen­den und von Mitte September ab in regel- mäßigen Schlittentouren durch ElleSmere, Kö­nig Oskar-Land und Ransen-Sund

während bet Mondscheinpertaben der Wintermonate Proviant, Zelt« und «ppa- rat« nach Cav Thoma" Hubbard üperführen.

Sie Streikgefahr im Westen.

Verschärfung der Lag« tat Ruhr-Revier.

Die Lage im Ruhr-Revier spitzt sich in bedenllicher Weis«, zu, und ti bestätigt sich, daß di« ta unserm gestrigen Leitartikel ausge­sprochene« Befürchtungen dem Emst der Situa- tio« durchaus entsprechen. Gestem fand in B o. chum eine Dorständekonferenz des Bevgatbei- terdreibundes zweck» Stellungnahme zu bett Antwottschreiben bet Zechen statt. Es wurde festgestellt, daß die Meldung der Rhetaisch-West« fälische« Zeitung, die meisten Zechenverwaltan. gen hätten sich berett erflärt, eine Lohn­erhöhung zu gewähren, unrichtig sei. Die Zeche« hätten lediglich erllärt, Wün­sche ttnb Beschwerden her Arbetterausschüfle zur Kenntnis nehme« zu wollen. Ureter diesen Umständm sah die Konferenz davon ab, die Ausschüsse mit dem wetteren Vorgehen in der Lohnfrage zu betrauere. Daß die Lage zu ernst- lichere Besorgnissm Anlaß gibt, geht an» fol- gender Meldung hervor:

Essen, 7. Mär».

(Telegramm unserS Aortesponbente«.)

Bon Kennern bet GewerkschastSverhätt- taffe im Ruhrbergbau wirb bi« Lage im Ruhrgebiet sehr kritisch beurteilt. Mau hält efl für ausgemacht, daß Vie all- gemeine Delegiertenkonferenz am Sonntag den Streik proklamieren werde. Wenn bk Regierung reicht etagreist ureb es ihr nicht gelingt, eine verstänbi- e««8 herbeizuführen, fy find bieAuSsich. ten, baß da» Ruhrgebiet van einem Streik verschont bleibt, sehr gering, da ta «rbetterkreisen bic Stimmung allgemein für den «treü ist.

ES scheint auch, daß die Aechenverwal. tu«ge«, bereit» mtt der Ltahrscheitaichkeit be» Streikausbruch» rechnen: Wie un» ein

'?a!"^el«gra mm au» Bochum mel- bet, schränk«« die Zechen im Ruhrgebiet bi« Abgaben von Hausbrandkohleit ans da« Aeußerste rin. Dw Anforderungen des Koh- lensytatckats sind so stark, daß di« meisten Ze­che« ihnen nicht voll nachkomme« könne«. Die Lag« wird heute ernster betrachtet. Auch die Bergarbeiter rechnen mehr und mehr mtt dem Ausbimch be» Streiks. Gestern wurden auf bet Zeche »Konstantin bet Große" fünfzehn, hundert Mark Abschlagslöhn« mehr gezahlt al- ta normalen Zetten, wa» man als Anzei­chen dafür ansieht, daß die Bergleute für kom. ntenbe Wochen der Arbeitsruhe votbanen wollen. Die endgültige Enffcheidung übet Kampf ober Frieden wird die am Sonntag zu­sammentretende allgemeine Delegiertenver- sammlnreg bringen.

ter Millionenstrelk in England.

Der Riesenstreik in England macht feine Wirkungen im gesamten englischen Wirt­schaftsleben mtt jedem Tage empfind­licher bemerkbar. Wie uns ein Privat­telegramm ans London berichtet, sind fast alle Cleveläredischen Hochöfen und Eisen- werke sowie die Durham'schen KokSwerke be- tett» geschlossen. Die «ordenglischen Wersten arbeite« zumeist mit elektrischer Kraft und die Kraststattonen haben sich mit großen Kohlen­lagern vorgesehen. Im englischen Unterhaus stellte gestern der Premierminister energisch die Meldung deS liberalen »Daily Cöroniele" in Abrede, daß er heute die Mindestlohn­bill einbringen werde. Dieses Dementt be- iwift zunächst nur, daß die Meldung unbe- guem früh kam. Eine neue Drohung kommt von bett Untertagarbeitern. Diese sind aufgesordett worden, einen Beschluß ihrer Verbände zu bestättgen, «ach dem sie nur bei EtarSumung deS Mindestlohnes bit Arbeit wieder aufnehmen. Dies bedeutet eine Ver­schärfung deS Streiks. Infolge bet Haftung bet Ausständigen sind zwei Kohlen- betgwette im Swansea-Dffttift außer Stande, das Wasser auSzupumpen. Wenn der Sitett noch länger andauert, so wird daS AuSpumpere zwei Monate in Anspruch nehmen. Am Fluß TeeS arbeiten mtt noch neun von vierundstebzig Hochöfen.