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Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 78.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 7. März 1912.

Fernsprecher RI und 952.

2. Jahrgang.

Stürme am England?

Tie Bergarbeiter-Bewegung im Ruhr-Revier.

Es war vorauszusehen: Die gewaltige Er­schütterung des Wirtschaftslebens einer halben Welt durch den Kampf der Millionen in England konnte nicht ohne beunruhigende Einwirkungen auf die soziale Struktur des Kontinents bleiben. In Frankreich, in Bel­gien, in Oberschlesien und im Ruhr-Revier gärt es unter den Bergarbeitern; die Lohnfor­derungen werden mit allerschärfster Energie vorgebracht und die Gefahr von Komplikati­onen lauert in nächster Nähe. Aus dem deut­schen Westen kommt zwar die Kunde, daß die neue Bergarbeiterbewegung mit dem Riesen­streik im englische» Grubengebiet weder Zweck noch Ziel gemein habe, aber dies« Versiche­rung ist nebensächlich angesichts der Tatsache, daß ein zeitlich mit der großen Wirtschafts­krise in England zusammenfallender deut­scher Grubenarbeiter - Streik naturgemäß doppelt verhängnisvolle Wirkungen haben müßte. Wenn also auch eine Verbindung zwischen dem Kampf jenseits und der sich entwickelnden Gefahr diesseits des Ka­nals nicht ersichtlich ist: Im wirtschaftli­chen Effekt würde der Zusammenhang umso deutlicher erkennbar werden!

Als in England die ersten Flammenzeichen des sozialen Gigantenkampfs auflohten, wurde von der deutschen Presse bet einer Anzahl unsrer angesehensten Arbeiterführer eine Um­frage über die Befürchtung veranstaltet, daß der englische Bergarbeiterstreik möglicherweise auch auf das deutsche Wirtschaftsleben übergreifen und die schlummernde Gärung miss neue aufschäumen lassen könne. Wir vernahmen dann die (fast übereinstimknendc) tröstliche Versicherung, daß uns irgend eine Ge­fahr von England her nickst drohe, da die straffe Organisation der deutschen Berg­arbeiter ein genügend starker Damm gegen ein etwaiges Ausbrausen der sozialen Leidenschaf­ten fei. Ein paar Tage nach dem Bekannt­werden dieser beruhigenden Versicherungen ist dann die Streikgefahr im Ruhrrevier Tat­sache geworden: Auf den Zechen Kaiserstuhl und Scharnhorst begann der partielle Streik, und wenn auch 618 zur Stunde die Gefahr einer Verallgemeinerung der Streikbewegung noch nicht erkennbar ist, so muß doch mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die Arbeits-Einstellungen auf den beiden Zechen nicht die einzigen bleiben, die aus der gegenwärtigen Krise erwachsen.

Daß Gefahr besteht, und daß zum minde­sten mit der Möglichkeit einer wetteren Aus­dehnung der Streikbewegung gerechnet wird, beweisen alle Maßnahmen, der Organisationen sowohl als der Zechenverwaltungen und der um die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ord­nung besorgten Behörden. Wir möchten die Bedeutung der Vorgänge im Ruhr-Revier durchaus nicht überschätzen: Aher wenn nicht alles täuscht, scheint es sich bei den neuesten Streikausbrüchen um eine Explosion der so­zialen Leidenschaften zu handeln, die nach irgend einer Richtung hin wirksam wer­den mußte. Der Streik hat begonnen, trotz­dem die Führer der Bergarbeiter drin­gend von der Herbeiführung des Konflikts abgeraten haben, trotzdem die besonne­ner« Elemente unter den Knappen vor Ue- bereilung warnten, und trotz der Möglichkeiten einer Verständigung, die durch die bis­herigen Verhandlungen bei weitem noch nicht erschöpft waren! Diese Tatsache offenbart unsres Erachtens eine weit größre Gefahr, als sie in einem geschlossnen Vorgehen der Organisationen sich darstellen würde, denn wenn die Massen der Hand der Führung nicht mehr gehorchen, dann birgt der soziale Kampf für die Arbeiterschaft sowohl wie für das Wirtschaftsleben und die öffentliche Ord­nung die Gefahr einer Katastropbe.

Herr Sachse, ein Vertreter der Arbeiter- Anteressen im Reichstag, hat am Montag im Hause Wallots «rflärt, wer von der Arbeiter­bewegung im Ruhrrevier als von einem wer­denden Sympathie-Streik der deut­schen Bergarbeiter zugunsten der englischen Kollegen spreche,rede Blech"; an einen Sym­pathie-Streik denke niemand! Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß die Führung der Ruhrbergleute und der oberschlesischen Grubenmänner tatsächlich nicht im Entfernte­sten daran denkt (oder gedacht hat), die Hun­derttausende deutscher Knappen lediglich aus Gründen des Solidarität-Empfindens gegen­über den in England Ringenden in einen Kampf zu hetzen, dessen Ausgang nicht voraus­zusehen wäre; es scheint indessen, daß die Ent­scheidung darüber, ob im Ruhr-Revier Kampf oder gtieb<febttoirb, nicht mehr

allein bei den Führern liegt, sondern daß der Impuls des Augenblicks in der Arbeiterschaft momentan stärker ist als die sonst unweigerlich geübte Achtung vor der Disziplin.

Man kann Das psychologisch überzeugend demonstrieren, und es soll damtt gar nicht ge­sagt feilt, daß die Aufwallung der Leiden­schaften in diesem Augenblick der Krisen-Hoch- spannnng dem Einzelnen etwa als ein Makel anzurechnen wäre. Aber es gibt Dinge, die noch erstrebenswerter und noch weit dring­licher sind, als die Ideale des rein-persönlichen Empfindens des Einzelnen, und dazu gehört vor allem die Verantwortlichkeit-Er­kenntnis gegenüber der Gesamtheit: Die Verantwortung gegenüber der Arbei­terschaft als wirtschaftlicher Klasse, die Ver­antwortung gegenüber Weib und Kind und die Verantwortung gegenüber der Volks­gesamtheit! Niemand wird den hart um ihr Brot ringenden Bergknappen im Westen und Südosten des Reichs das Recht streitig machen wollen, unter Anspannung aller Kräfte eine Verbesserung ihrer Lebens- und Daseins­bedingungen zu erstreben, und man wird vom Arbeitgeber sowohl wie vom Arbeitnehmer verlangen dürfen, daß sie mit sittlichem Ernst diese, im sozialen Jahrhundert unvermeid­lichen Regungen fruchtbar zu gestalten versu­chen. Vor den Stürmen aber, die aus fremdem Land zu uns herüberbrausen, sollten wir uns schützen. Denn sie bergen Ge­fahr! H.

Kemps oder Friede?

(Privat-Telegramm.)' Dortmund, 6. März.

Im Laufe des gestrigen Tages stnd beim Alten Bergarbeiterverbande drei von den Ze­chen eine größere Anzahl Antwortschrei­ben aus die Eingaben des Bergarbeiterdrei­bundes einqegangcn. ES wird jedoch ange­nommen, daß der größere Teil der Zechen nicht antworten wird. Dir Verbände werden heute zu dem Antwortschreiben Stel­lung nehmen. Die Leitung des fünfzigtausend Mitglieder zählenden Rheinisch-Westfälischen Verbandes evangelischer Arbeiter­vereine warnt die Mitglieder dringend vor einer Beteiligung an ungenügend begrün­deten. daher aussichtslosen Streiks, durch die die Sache der Arbeiter nur geschädigt werden könne. Die deutschen Arbeiter hätten keine Veranlassung, zugunsten der deutschfeindlichen englischen Industrie oder der Agitationsbe- dürfnisse der sozialdemokratischen Partei in einen Streik einzutreten. Auf den Zechen Kaiserstuhl" I und II undScharnhorst" ist heute ftüh die Belegschaft fast vollzählig wieder eingefahren. *

Saarbrücken, 6. März. (Privat-Tele- gramm.) Mehrere im Saar-Revier von der christlichen Gewerkschaftsleitung einberu- fcne Versammlungen nahmen gestern eine Re­solution an, worin die Bergleute der preußi­schen Staats grub en das Abgeordneten­haus bei der Beratung des Bergetats um ent­sprechende Lohnsteigerung bitten, da die Durchschnittslöhne tm Saargebiet wesentlich niedriger als im Ruhrgebiet seien, wäh­rend die Leistungen der Saarknappen hinter denen der Ruhrbergleute nicht zurückständen.

Der MMonenstrett in England.

Wiederbeginn der Verständigungsversuche! (Privat-Telegram m.)

London, 6. März.

Gestern wurden die Verständigungs-Ver­handlungen im Kohlenarbeiterstreik wieder ausgenommen. Der Premier- und die übrigen Minister hatten «ine Konferenz mit dem Komitee. Nach dem Fiasko in. der vori­gen Woche ist die Zuversicht auf «in baldi­ges Resultat dieser Verhandlungen sehr gesunken. Der Riesenfkreik nimmt seinen unaufhaltsamen Fortgang. Man berechnet, daß Ende dieser Woche außer den Streikenden noch ein« weitere Million Arbeiter brot­los sein werden. Die Abfahrt der transatlan­tischen DampferPhiladelphia" undNewyork" aus Southampton mußte gestern wegen des Kohlenstreiks aufgeschoben werden. Der be- schräntte Eisenbahndienst mit London tritt he«, te in Kraft.

8st der Friede !u Sicht?

(Privat-Telegramm.)

London, 6. März.

DasSüd-Wales-Echo" veröffentlicht auf­grund zuverlässiger Jnformattonen einen Ar­tikel, in dem es heißt, daß nach den heutigen Verhandlungen zwischen den Bergarbeiterfüh- rern und der Regierung der Premierminister Afquttb am nwraiant Donnerstag in der

Lage sein werde, eine Erklärung abzugeben, die das Ende des Streiks bedeute und den Frieden für dauernd sicher» werde.

Um dm Stein der Weisen.

Einewirfliche Steuerreform" deö Kanzlers?

Wie uns aus dem Reichstag gemeldet wird, werden die neuen Wehrvorlagen dem Bundesrat am Ende dieser Woche zu­gehen. Ueber die Deckungsvorlagen aus Anlaß der Heeresverstärkung sind endgül­tige Beschlüsse noch nicht gefaßt worden, dies dürste aber wobt in den nächsten Tagen der Fall fei». Inzwischen wird bekannt, daß Herr von Bethmann Hollweg eine tatsäch­liche, wirkliche und aussichtsreiche Steuer-Reform plant. Wir erhalten darüber folgende Nachricht:

Berlin, 6. März.

(Privat-Telegramm.)

In unterrichtete» politischen Kreise«, de­ren nahe Fühlung mit der Wilhelmstraße be­kannt ist, glaubt man zu wisse», daß Herr von Bethmann Hollweg sich mit dem Plane einer wirklichen Steuerreform im Reiche, das heißt mit der Ersetzung einer unwirtschaft­lichen und einer ungerechten Steuer durch a n - de re Steuerformen trügt und daß dazu auch der eine oder andere der Monopolpläne des Staatssekretärs Delbrück gehört. Diese Pläne sollen aber nicht heute oder morgen, nicht in dieser Session und nicht zum Zwecke der Deckung der Kosten der bevorstehen­den Heer- und Marinevorlage verwirfltcht wer­den, sondern gänzlich unabhängig von dem gegenwärtigen Dcckungsbedürfnis. Im Zusam­menhang hiermtt verlautet übrigens, daß sich die Kosten der neuen Wehrvorlage bedeu­tend höher stellen werden, als anfänglich angenommen wurde. Ma« rechnet bekanntlich mit Mehrsorderungen von achtzig bis neunzig Millionen Mark, doch dürfte daS tatsächliche Bedürfnis diesen Satz nicht unerheblich übersteigen.

*

Die Frage der Deckung der Wehrvorlage- Kosten wird (und das ist im Augenblick doch wohl daS wichtigste!) von den ©teuer« Reform-Plänen des Kanzlers nicht berührt, und die Deckungsfrage bleibt nach wie vor daSgroße Rätsel". Von der Erbanfall- steuer scheint man in der WUHelmstraße gänzlich abgekommen j» sein, und auch Herr Wermuth hat seinen Kampstnut sichtlich ge­mäßigt. Bleibt also als wahrscheinliche Lö­sung: Deckung der ersten Jahresrate der neuen Wehrkosten aus den Ueberschüsfen des letzte« Etats!

Aus der Parlaments-Mappe.

Von Dr. Junck bis Dr. Frank!

(Privat-Telegramm.)

Rach einer uns aus Berlin zugehenden Meldung wollen die Parteien der Linken nun. mehr in der Frage der Reform der G e. schäftsordnung im Reichstag einen energischen Vorstoß unternehmen. Die Partei­gruppe der gesamten Linken beabsichtigt näm­lich, in der Frag« der Erweiterung des Parla­mentsrechtes durch die Einführung der soge­nannten kleinen Anfragen (wie sie im englischen Parlament üblich find) -gemein­sam vorzuaehen. Es ist ein Antrag der Na- tionafliberaien, Fortschrittlichen und Sozial­demokraten (Dr. Junck, Dr. Müller, Payer und Dr. Frank) in Vorbereitung, der für dies« Frag« eine gemeinsame Grundlage bilden soll. Mit diesem Antrag wird sich di« verstärfte Ge. schästsordnungskomnnffion des Reichstages vermuflich schon von Mtttwoch oder Donners­tag an aus mehrere Tage beschäftigen.

Sie Reichslander regen sich!

(Privat-Telegramm.)

Straßburg, 6. März.

In der Zweite» Kammer des elsaß-lothrin­gischen Landtags kam es gestern zu einer einmütigen scharfen Kritik der Stellung der Bundesstaaten gegenüber dem Reich. Den Anlaß dazu gab eine Resolution, di« eine anderweitige Regelung der Entschädigung der Bundesstaaten für die Erhebung und Verwal. tung der Zölle und Reichssteuern fordert. Auch die Regierung erklärte den heutigen Zu­stand auf die Dauer für unhaltbar. Sie teilte mit, daß Elsaß-Lochringen mit den übri­gen süddeutschen Staaten im Bundesrat den Antrag auf Aenderung der Verteilungs. grundsätze sür di« Erhebung der Branntwein­steuer eingebracht habe, ebenso werd« sie wegen anderer Steuern und Zölle im Bun­desrat vorstellig werden und sie begrüße es, daß sie durch den elsaß-lothringische« Landtag in dieser Sache unterstützt werde.

Hiobspost vom Fernen Osten.

Die Situation im Reich der Mitte.

Depeschen aus Peking zufolge sind in Paotingf» die britische» unb amerikanischen Tabakvorräte im Wert« von mehreren Hundert­

tausend Mark und alle japanischen Gebäude von den Meuterern geplündert worden. Auf besonderes telegraphisches Ansuchen schützen die Japaner alle Fremde» in Schanhaikwan. Mehrere Gruppe» Meuterer die nach Peftng zurückkehrten, um zu plünderns wurden f e st g e n o mm e n und hi» gertch- te t. Zweitausend Meuterer aus Kiuking ha­ben im Nangtseial geplündert.

Sie Spione von Fmnssntt.

Ein Caffelaner unter den Verräter»!

Wie »ns aus Frankfurt a. M. berichtet wird- haben die Ermitte­lungen der Kriminalpolizei in der (gestern von uns bereits mitge­teilten) Landesverratsaffäre derartig belastendes Material er­geben- daß die Verhaftung wei­terer, in die Affäre verwickelter Personen unmittelbar bevorsteht. Gegen die bisher verhafteten drei Beteiligten- unter denen sich der aus Cassel stammende Kellner Schellberg befindet- ist seitens der Königlichen Staatsanwaltschaft inzwischen die Voruntersuchung Wege« vollendete» und versuchten Landesverrats bezw. wegen Beihilfe hierzu eröffnet worden. Die Ermittlungen in der sensationelle« Affäre sind übrigens von der Frankfurter Kri­minalpolizei schon seit längerer Zeit in aller Stille geführt worden unb die verdächtigen Personen wurden ständig sorgfältig überwacht. In de» letzten Tagen ergaben nnn die Ermitte. hingen ein derart belastendes Material, daß an - der Schuld der Verdächtigen nicht mehr gezwei. fett werden konnte und infolgedessen die Ver­haftung vorgenommen wurde. Di« bisher verhafteten, als H auptbeteiligt« an der Lande sverratsaf far« in Frage kommenden Per. fönen stnd:

1. Der in Frankfurt a. M. zuständige Techniker" Josef Hieronymus, ein Mau» im Alter von etwa dreißig Jahren, der wegen verschiedener Delikte und insbe­sondere wegen Eigentumsvergehen vorbe­straft und in der AlbuSgafle in Frankfurt am Mai» bis zum vierzehnten Februar wohn­haft gewesen ist.

2. Der ans Essen gebürtigeIngenieur" Karl Hannerland, etwa sechunddreitzig Jahre alt, wegen Heiratsschwindels vorbe. straft, aufhältlich gewesen bei dem nachstehend genannte» Schellberg.

3. Der aus Cassel stammende Kellner oder Oberkellner Heinrich Schellberg, neunundzwanzig Jahre alt, früher in der Mosel-, zuletzt in der Niddastraße wohnhaft, znrzeit eine Gefängnisstrafe in der Strafan­stalt z» Preungesheim verbüßeiw.

4. Die E h e f r a u de» Josef Hieronymus, Anna, geborene Koch, gebürtig aus Hanau a. M., drriundzwanzig Jahre alt, Druckerei- einlegerin von Beruf. Sie ist dringend ver­dächtig, den drei Vorgenannten direkt und in. dirett Beihilfe geleistet zu haben.

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Josef Hieronymus hat nach Verbüßung einer einjährigen Gesang-' nisstrafe sich von Karlsruhe aus verheiratet, bat hierauf kurze Zeit in Fabriken zu Gries, heim a. M., Höchst a. M. und Heddernheim ge­arbeitet (feine Fran war in jener Zeit tagsüber als Einlegerin in einer Buchdruckerei, abends als Programmverkäuserin in einem Restaurant tätig), ist aber bald der Arbett überdrüssig ge- worden. Die Leute bewohnten in der Albus- gass« «ine Zwei-Zimmerwohnung, sür di« sie eine Monatsmiete von dreißig Mark zn zahle» hatte». Anfänglich lebten sie sparsam unb ein­geschränkt, später aber höchst luxuriös. Sie schliefen bis in den Mittag hinein, aßen und tranken mir die allerfeinste» Sachen und Neideten sich nach der neueste» Mode. Hiero. nymus, ein mittelgroßer, unscheinbar aussehen­der Mann mit «irrzefallenen Backenknochen und glatt rasiertem Gesicht, war sehrjäh zornig und mißhandelte, nach der Bekundung von Augenzeugen, seine Ehefrau ost auf grob, lichste Art und Weise. Er trug stets einen ge­ladenen Revolver bei sich mtb bedrohte mit der Waffe auch einmal eine Hausgenossin, weil er annahm, diese habe hinter feinem Rük- ken ungünstig Über ihn geurteilt. Auf einen Mitbewohner ging er aus gleichem Anlaß «in. mal mit gezücktem Dolchmesser los. Hieronymus war öfters tagelang fort. Er sandte von der Luxemburger Reise aus einen»; jungen Hausgenosse« ein« Ansichtskarte.

Heinrich Schellberg,

der aus Cassel stammt, hat früher hier he Cassel ein Restaurant betrieben, das aber nicht ging und infolgedessen von Schellberg aufgegeben wurde. Schellbera wird allgemein^ als großer Liebhaber des Pferdesports'