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CaMer Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 76. Fernsprecher 951 «nd 952. Dienstag, 5. März 1912» Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.

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FrShlingsftürme im Mn!

Unruhen, Raube «nd Plünderungen in der jungen chinesischen Republik.

Kein Werden ohne Wehen: China ist in allzuhastiger Entwicklung aus einer Despo- sie zur Republik geworden, hat im Eiser ter nationalen Reformation die natürlichen Mvffchenstusen übersprungen, und damit eine Wandlung zum Abschluß gebracht, die in der Geschichte der Völker und Reiche fast kein Bei­spiel hat. Es zeigt sich indessen auch in die­sem Falle, Laß ein Fortschritt, der der trei­benden Kräfte natürlicher Entwicklung erman­gelt, und in seinen intensivsten Kraftäußerun­gen vom Impuls des Moments bestimmt wird, Gefahren in sich birgt, deren Wirkungen den Erfolg der künstlich gesteigerten Entwicklung ernstlich gefährden. Die Riesenropublik im Fernen Osten hat Mar die formale Umwand­lung der StaatSform ohne sonderliche Schwie. rigkeiten bewirkt; sie hat, unterstützt von der Bezersterung der großen Volksmehrheit, das Ende des Kaisertums erzwungen, und die Großmächte der Erde von der Notwendigkeit dieser Wandlung zu überzeugen vermocht. Sie hat es indessen nicht erreichen können, mit dem Abschluß der Staaisform-Aenderung auch die Ordnung im Riesenbereich des eignen Landes wieder herzustellen, und dieses Unvermögen der neue« Machthaber im einstigen Reich der Mandschu bedeutet eine Schwäche» deren Gefahr umso ernster zu würdigen ist, als die Möglichkeit eines Bürgerkriegs im Reich der Mitte immer noch in nächster Nähe lauert. In den wichtigsten Städten der größten Repu- blik der Erde haben sich in den letzten Tagen Ereignisse abgespielt, die nicht schlimmer sein könnten, wenn in China der Kampf um die Freiheit des Volls noch mit ungeminderter Leidenschastlichleit tobte. Für Deutschland ha­ben die neuen Stürme in China eine umso grö­ßere Bedeutung, als bei den Kämpfen in Tienff sin gestern ein deutscher Reichsange- höriger von AuMndischen erschossen worden ist. Die verworrene Situation in der jüngsten Republik zwingt die Großmächte zu euergischeu Maßnahmen, und es wird am letz­ten Ende wohl nichts anders übrig bleiben^ als bie bewaffnete Intervention der Mächte, die man so lange ängstlich zu ver­meiden gesucht, nun doch zur Wirklichkeit wer­den zu lassen.

Sie nenea Stürme in China scheinen viel ernster zu sein, als nach den ersten Meldungen angenommen werden konnte. Es herrscht in einigen Hauptstädten völlige Anar­chie. Wir verzeichnen folgende Meldungen:

Peking, 4. März.

(Privat-Tel eg ramm.)

Der Ausbruch der Miltärrevolte in Peking ist besonders durch die Abreise Yuanschikais nach dem Süden veranlaßt worden. Man kann die Haltung, die die po­litische Partei von Nanking beobachtet, nur dem Wunsche hervorragender revolutionärer Kreise des Südens zuschreiben, um den An­schein verschwinden zu machen, daß die Repu­blik in ernster Weise be d r o h t ist. Zahlreiche Häuser der Bornehmen und Reichen, besonders die mehrerer Prinzen, stnd im Laufe des gestrigen Abends von den Meuterern ge­plündert worden. Prinz Tsching liegt schwer erkrankt im französischen Hospital dar­nieder. Im Laufe des gestrigen Tages wur­den wieder mehr als hundert Hinrich­tungen vorgenommen. Unter den Hinge­richtete« befanden sich auch eine große An­zahl Frauen und Beamte, die jedoch nicht in ihrer Uniform dem Tode übergeben wurden, weil mau befürchtet, daß dies die aufrührerischen Soldaten nur »och mehr rei­zen könnte. Die Leichname der Hingerichteten liegen auf den Straßen. Bei der letzten Feuersbrunst in Peking sind, wie jetzt feststeht, über zwanzig Personen «mgekom- m eu. Die Gegenwart und Bereitschaft der Truppen der Gesandtschaften übt auf die Be­völkerung eine beruhigende Wirkung aus.

Tientfin in Flammen!

(Privat-Telegramm)

Tientfin, 4. März.

Während des gestrigen Tages find überall Unruhen ausgebrochen. Die Behör­den stehen de« Meuterern machtlos gegen­über. Die Unruhen habe« nur den Wunsch nach Plünderungen zmn Grunde. Die Behör­den der Stadt ließen eine Brücke sprenge», die den aufrührerischen Teil der Stadt mit dem ruhig gebliebene« verbindet. Auf diese Weise sollen die Meuterer am Vordringen verhindert werden. Tic Stadt P a o t i n g f u ist vollständig in den Händen der Meu­

terer. Der Teil der Stadt, der in der Nähe der auswärttgen Misfion liegt, steht in Flam­men. Die telegraphischen Verbindungen find zerstört. Um einen Ueberfall der Meuterer auf Peftng zu vermeiden, hat man durch einen französischen Ingenieur zwei Brücken an der Eisenbahnsftecke Paotingfu-Peking in die Luft sprengen lasse«. Der Brand der Eingebore­nenstadt begann am Sonnabend abend, und konnte gestern mittag aus seinen Herd be­schränkt werden. Die vornehmsten Stadtteile stnd niedergebrannt und ausgeplündert worden. Der Schaden wird auf hundert Millionen Mark geschätzt. Es sollen un­gefähr hundert Menschen umgekom­men sein. Die Unruhen wurde« von Revo­lutionären hervorgerufen, die mit Polizeisol­daten und Leuten der Leibwache des Bize- königs aus Peking gekomuren waren. Die fremden Niederlassungen werden von fünftau­send ausländischen Soldaten bewacht.

6in deutscher Arzt erschossen!

(Privat-Telegramm.)

London, 4. März.

DaS Reutersche Büro meldet aus Tient­sin: Aufrührerische Soldaten plünderten und brandschatzten am Sonnabend abend unterstützt vom Pöbel, Läden und Banken in allen Hauptstraßen, unterhielten ein ständiges Feuer und versetzten die ganze innere Stadt in Schrecken. Nur wenige Polizisten erwiesen sich als zuverlässig, sie waren jedoch machtlos, die Unruhen zu unterdrücken. Die Münze wurde geplündert. Der deutsche Kon­sul hat eine Wache zum Schutz der im Innern der Stadt belegencn deutschen Wohn­häuser entsandt, die vornehmlich von Ingeni­euren der Tientsin Pukou-Eisenbah« bewohnt Werden. Der deutsche Arzt Schreyer ivurde bei dem Versuch, deutschen Freunden zu helfen, beim Betreten des Stadtilmer« von Aufständischen erschossen. Inzwischen ist auch aus Tientsin direkt eine Meldung ein- gelaufe«. die das Londoner Telegramm befiä- ttgt: Der erschossene deutsche Arzt, Dr. Schrey­er, wurde von den Aufständischen erschossen, als er sich in eine der Sttaßen vorwaqtc, die von den Aufrührern besetzt gehalten wnrden. Nach einer Meldung aus Peking pattouillieren achthundert Mann ausländischer Trup­pen in der Umgebung der fremden Niederlas­sungen. Die Plündereien dauer« fort. Ge­stern nahmen die Aufständischen Tungtschu bei Peking in Besitz und plünderte« die Häu­ser der Vornehme«.

Sie Haltung der Großmächte

Daß die Situation in China sich fast noch bedrohlicher gestaltet hat, als sie es vor einigen Monaten, auf dem Höhepunkt der Kämpfe zwischen den Kaiserlichen und den Revolutionären war, bezweiftlt heute in den Stuben der Diplomaten kein Mensch. Trotz­dem gilt auch heute noch die alte, bange Frage: Soll an das Pulverfaß China von europäischer Hand gerührt werden, oder soll auch fernerhin der Tapferkeit besseres Teil, die kluge Vorsicht, walten? Eine gemeinsame Ak­tion der Mächte zur Wiederherstellung und Si­cherung der Ruhe in der jungen Republik wäre sicher das beste Mittel, China von den Rach­wehen der Krise des vergangenen Jahres zu erlösen: auf der andern Seite freilich birgt eine solche Aktion auch ernste Gefahren in sich, und eS ist deshalb begreiflich, daß sich nach den unliebsamen Erfahrungen mit der internatto­nalen Kriegsexpedition gegen die Boxer (wenig erfreulichen Angedenkens) die in Cbina interessierten Mächte nur ungern zu einem Schritt herbeilassen, der unter Uusständen aller­lei peinliche Konsequenzen haben kann. Die Notwendigkett irgend eines Eingreifens wird den Mächten allerdings kaum erspart bleiben, denn die Sturmzeichen aus dem Fer­nen Osten..offenbaren besser als die klangvoll­sten Reden der neuen Machthaber, wie es um die Zukunft des chinesischen Riesenreichs in Wirklichkeit bestellt ist. China durchlebt zurzeit die Unruhe-Periode der Früh- ltngsstürme, und wenn diese Sturmzett den eben zum Leben erwachte« Keim einer ge­sunden Entwicklung vernichtet, ist das Dasein Chinas als selbständiger Staat ernst­lich in Frage gestellt und ... dieGelbe Gefahr" pocht ans Tor Europens! F. H.

Zwei neue Armeekorps!

Die deuttche West- und Os -acht.

Die neue Heeresvorlage wird die Forderung je emes neuen Armeekorps an der West- und Ostgrenze enthalten. Dekannttich verfügen das erste Armeekorps (Ostpreußen) und das vierzehnte (Baden, Südelsaß) bereits im Frieden über je drei Divisionen. Demge­mäß sollen aus diesen beiden überzähligen Di­

visionen neue Korps gebildet werden, deren Stäbe ihren Standort in Alle »st ein und Kalmar im Elsaß erhalten. Das neue Korps in Allenstein wird wahrscheinlich als zwanzig­stes, das in Kolmar als emundzwanzigstes be­zeichnet werden. Mit Einschluß des (preußi­schen) Gardekorps und der drei bayerischen wird das deutsche Heer in Zukunft also fünf, undzwanzig Armeekorps zählen. Die neuen Wehrvorlagen werden dem Reichstag nocb in der ersten Hälft« des März zu- gehen.

Das Abenteuer eines Konsuls.

Ein deutscher Konsul unter Spionageverdacht.

Die grassierende internationale SP io na. gefurcht hat für den deutschen Konsul in Triest ein tragikomisches Abenteuer zur Folge gehabt: Auf einer Bergtour, die er am vergangenen Sonntag in Gesellschaft einiger Freunde untemahm, wurde er als der Spio­nage verdächtig angehalten und verhaftet. Erst nach langen Bemühungen gelang es dem Kon­sul, seine Freilassung zu erwirken. Ueber den aufsehenerregenden Vorfall werden folgende Einzelheiten bekannt:

Triest, 4. März.

(Privat-Telegramm.)

Der deutsche diplomattsche Vertreter in Triest, Legattonsrat Dr. Winkel, Lloydin- inspektor Ludwig Schiestl, Konsul Friedrich Meißner in Triest und Oberingenieur Müller der Staatsbahne« wurden am ver­gangenen Sonntag auf einer harmlosen Berg­tour beim Uebevsch-reiten der italienischen Grenze von Carabiniers angehalten, ob­wohl alle vier Herren mit regelrecht ausgestell­ten Pässe« versehen waren, unter Spio. nageverdacht verhaftet und in Poli. zeigewahrsam der alten Langobardenstadt Ci- vidale mehrere Stunden festgehalten. Die Pässe wurden als Falsifikate bezeichnet und nur dadurch, daß Inspektor Schtestl schließlich eine Freikarte der dortigen Eisenbahn der Societa Beneta vorwies, gelang es ihm endlich, vom Polizeichef die Freiheit für sich und seine Freunde zu erwirken. Trotzdem wurden die Herren vor ihrer Abfahrt von Cividale im Eisenbahnkupee von einem ihnen nachgeschickten Carabiniere zum Vorweis der gelösten Fahr, karten gezwungen und ihnen bedeutet, daß sie sofort nach Oesterreich zurückkehren müßten, tob drigensalls sie weitere Unannehmlich­keit« n zu gewärtigen hätten.

Sine Komödie der Irrungen?

Aus Berlin wird uns zu der seltsamen Affäre noch telegraphisch berichtet: Nach Er­kundigungen an zuständiger Stelle scheint die Affäre des Konsuls Dr. Winkel in sensatio­neller Weise aufgebauscht worden zu sein. Konsul Dr. Winkel wurde von einem italieni­schen Pottzisten angehalten und nach seinem Passe beftagt. Er glaubte, sich über das Be­nehmen des Polizisten beschweren zu müs­sen und begab sich deshalb nach der nahe ge­legenen Polizeiwache. Von einer vorgenom­menen Verhaftung kann daher keine Rede sein. Der auf der Wache anwesende Carbinieri- wachtmeister war nicht imstande, den von Dr. Winkel vorgejssgten deutschen Paß zu entziffern und deshalb haben die Ver­handlungen, die auf der Wache stattfanden, etwas längere Zeit in Anspruch genommen, als dies sonst unter andern Umständen der Fall gewesen wäre. Das Berliner Auswär­tige Amt, das die Angelegenheit genau ge­prüft hat, hat keine Veranlassung ge­habt, irgend welche Vorstellungen in Rom zu erheben.

England baut Torpedoboote!

Wir in Englandab gerüstet" wird.

Die Sehnsucht nach einer »Verständigung mit Deutschland* hält England nicht davon ab, seine Seerüstung ständig zu verbessern. Die neueste Errungenschaft auf diesem Gebiet soll im Bau von zwanzig neuen Torpedo­booten bestehen, durch die die bttttfche Flotte dann auf beinahe hundert kriegsfertige Tor­pedoboote gebracht werden würde. Wir erhal­te« folgende MÄdung:

London, 4. März.

(Prtvat-Telegramm.)

Die britische Admiralität hat beschlossen, zwanzig neue Torpedoboote aus Stapel zu legen, die in dem Finanzpro-zramm des kom­menden Etaftahres, das am 1. April beginnt, einbegriffen sein werden. Ter erste Lord der Admiralttät hat beretts feste Dffpositton ge­troffen, damit her Bau der Schiffe sofortin Angriff genommen werden kann, sobald das Parlament die erforderlichen Kredite be­willigt haben wird. Diese Beschlußfassung der Regierung erregt in maritimen Kressen große Genugtuung, da die britssche Admiralttät nur vier Torpedoboote modernsten Typs be­sitzt, während in ter deutschen Kriegsflotte elf Torpedoboote neuester Konstruktion vorhanden

sind und ein zwölftes in den nächsten Tagen fertig gestellt sein wird.

Sechsundneunztg Torpedoboote!

Mit diesen zwanzig neuen Torpedobooten hat die britische Admiralttät seit dem Jahre 1900 insgesamt sechsundneunzig Torpe­doboote erbaut, die zumteil allerdings älter« Typs sind und als moderne Kriegsfahrzeuge nicht geilten können. Nach der Fertigstellung der zwanzig neuen Torpedoboote wird die eng­lische Flotte die größte Zahl modernster Torpedosahrzeuge besitzen. Der Ausbau her Torpedoboot-Flottille soll im nächstjährigen Etat weitestgehend berücksichtigt werden.

Notizen vom Tage.

DieKaiserjagd" im Elsaß. (Privat-Telegramm) Straßburg, 4. März.

Die Budget-Kommission des Elsaß-Loth­ringischen Landtages hat den Beschluß gefaßt, die großen Staatswald ungen bei Oberhaslach, die sogenannteK a i s e r j a g d", zu verpachten. Rach den jetzt bekannt ge­gebenen Ausführungen des Regierungsvertre­ters sei die Reservierung der Staatswaldun­gen in Oberhaslach als Jagd-Revier des Kai- sexs als eine Aufmerksamkeit aufgefaßt worden, die das Land dem Kaiser erweisen wolle und als solche auch vom Kaiser gutge­heißen wurde. Auf den Vortrag des Statb Halters auf die in der Budget-Kommission hierüber geäußerte Kritik hat der Kaiser aber bestimmt, daß er für die Folge die Reservie- ruttfl des Elsaß-Lothringischen Jagd-Reviers nicht mehr wünsche. Dieser Entschluß des Kaisers hat in Elsaß-Lothringen peinlich berührt, da man annimmt, daß der Verzicht des Kaisers auf die Jagd mit der im reichs­ländischen Landtag geübten Kritik an dem G nahenfonds* des Kaisers in ursäck lichen Zusammenhang zu bringen ist.

Lnxembnrger Märchen.

(Privat-Telegramm)

Brüssel, 4. März.

Noch hat hie Beisetzung des Großherzogs von Luxemburg nicht stattgefunden, und schon veröffenttichen einige belgische Blätter Hetzartikel gegen Deutschland. Sie sprechen nämlich die Befürchtung aus, daß die zukünftige Herrscherin von Luxemburg, die Prinzessin Marie Adelheid, einen deutschen Prinzen zum Gemahl erwählen könne und daß dann jedenfalls eine An­nektion Luxemburgs durch Deutsch­land stattfinden werte. Diese Kombination ist natürlich vollkommen absurd, zeigt aber wieder einmal, wie die stanzösische Presse be­müht ist, jede passende und unpassende Ge­legenheit zu benutzen, um Stimmung ge­gen Deutschland zu machen. Am Sonn­abend leistete die Großherzogin- Witwe ten Eid als Regentin für hie min­derjährige Großherzogin. Der König her Bel­gier ist gestern im Laufe des Nachmittags, Prinz August Wilhelm als Vertreter des Deusschen Kaisers heute früh in Luxemburg zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkei­ten eingetroffen.

Der Streik der Millionen.

England im Zeichen teS Riesen-Strefts.

Ueber die ungeheueren wirtschaft­lichen Schäden, die der Kohlen- arbeiterstreik bereits gezeittgt hat, liegen heute aus London fol­gende Nachrichten vor: Sobald die Londoner Kohlenflotte in Shilds ein- gettoffen sein wird, wird sie lahm gelegt sein. Die Schiffe werden vor Anker gehen, die Mannschaften ent­lassen werden. Die Docks der Tyne find teilweise verlassen und die Zahl der Arbeitslosen wird auf Hun­derttausende von Mann ver­anschlagt. Siebzehn Schiffe, die vor Anker gegangen find, werden ohne Ladung abdampfen. In Glasgow liegen dreißig Schiffe lahm. Man sieht ganze Flotten von Schif­fen, die infolge des Ausstandes ihre Fahrt nicht sorffetze« können. Am gestrigen Sonntag abend waren in ganz England anderthalb Millionen Arbeiter beschäftigungslos. Ein MMon Gru­benarbeiter feiert freiwillig und eine halbe Million Arbeiter anderer Industriezweige hat durch diesen Streik ihren Verdienst verloren, «echszehn Bahnhöfe in London werden beute und morgen geschlossen bleiben. Der Bahn­verkehr im ganzen Lande wird auf ein Mini­mum eingeschränkt. Viele Schiffe haben keine Kohlen mehr und die Handelssckiffahrt an her Ostküste wird bereits deute eingestellt werden.