Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Sonntag, 3. März 1912
Nummer 75
Fernsprecher 951 und 952.
F. H.
.sozialen" Jahrhunderts!
rufenen zahlreichen Versammlungen die Referenten das Nötige über den blicklichen Stand der Lohnbewegung Was weiter geschehen soll, darüber
werden augen- sagen.
werden
Der Bergarbeiter-Dreibund (bet den älteren Bergarbeiterverband, den Hirsch- Dunckerschcn Gewertverein und die polnische Berufsvereinigung umfaßt) erläßt folgenden Aufruf an die deutschen Bergarbeiter: Ueber achthunderttausend Bergarbeiter streiken in England. Mit bewunderungswürdiger Einmütigkeit sind sie für die Erringung eines auskömmlichen Minimallohnes in den Ausstand getreten. Die englischen Bergleute verlangen von den Bergarbeitern Deut^lands keinen Sympathiestreik, dagegen erwarten sie von den Bergleuten Deutschlands, daß sie wenigstens während der Dauer des englischen Generalstreiks das Ueberschichtsahren ernst eilen. In den für den morgigen Sonntag für das Ruhrgebiet von den drei verbündeten Bergarbeiterorganisationen einbe-
rer deutsche Bergarbetter-Nrewimd. (Telegramm unsers Korrespondenten.)
Bochum, 2. März.
DU Cafieter Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und «war abends. Der NbonnemenlSpretS betrügt monallich 60 Pfg. bei frei« Zustellung ins Hau». Bestellungen werden jederzeit von d« DeschüstSstell« oder den Boten entgegengenommen. Druckerei. V«lag und Nedaltio»! SchlachthoMrab« rs/«i Sprechstunden d« Redaktion von 1-8 Uhr nach, mittags, snristilche Sprechstunden Mr unsere Abonnenten Mittwoch» und Sonnabend» von •—8 Uhr abend». Berliner Vertretung! SW. Friedrichstraße 16. Lelephon: Amt IV 67«.
Fenster der große Läden, Bureaus und Restaurants ein. Die Highmarket Regentstreet und Bondstreet sehen aus, als ob eine feindliche Armee dort gehaust habe. Die Frauen fuhren in Autos, sprangen heraus und eilten dann davon. Eine Frau schoß mit einem Revolver eine Scheibe des Kolonialamts ein. Eine andere Gruppe warf dem Premierminister mehrere Scheiben des Palastes ein. lieber sechzig Frauen wurden verhaftet, darunter Miß P a n k h u r st, die bekannte Leiterin der Stimmrechtsbewegung. Die Demonstration ist gegen die Weigerung des Kabinetts gerichtet, eine Frauenstimmrechtsbill einzubringen. Die Demonstrationen dauerten bis gegen Mitternacht, und es bedurfte eines großen Aufgebots von Konstablern, um die wütende Menge der Frauen zurückzudrängen. Bei dem Zusammenstoß kcr Polizei mit den Suffragetten sind einige der Frauenrechtlerinnen nicht unerheblich verletzt worden. Da die Suffragetten neue Demonstrationen für den Sonntag abend planen, trifft die Polizej umfassende Vorkehrungen.
Jas Parlament der Frauen. Die Verhandlungen des Frauen-Kongresses, (Bericht unsers Korrespondenten.)
Berlin, 2. März.
flnferttonipretfe: Dl» techSgefpaUene Sette für einheimische Geschäfte 15 Pfg., für auswärtige Inserate 25 Pf. Reklamezelle für einheimische Geschäfte 40 Pf. für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Taufen» be- rechne«. Wegen ihrer dichten «erbreitung in der Residenz und d« Umgebung stnd die gefielet Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnsertionSorga». Geschäftsstelle! Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676-
Industrie interessiert ist, wird durch den Riesenstreik auf englischer Erde in Mitleidenschaft gezogen, und England ist in Gefahr, auf dem Weltmarkt eine verhängnisvolle Niederlage zu erleiden.
Diese Erkenntnis bewegt heut im Insel- reich die ganze Nation: Vom König bis zum letzten Arbeiter, und die englische Regierung ist bei den weltbewegendsten Ereignissen der Weltpolitik neuern Datums nicht so emsig und besorgt gewesen, als in diesem Augenblick, wo dem eignen Land und der wirtschaftlichen Zukunft des Britenvolks ernste Gefahr droht. Der König nimmt an dem Fortgang der Verständigungs-Verhandlungen ebenso warmen Anteil wie der Klerus, der Gebete um Erleuchtung der Parteien zum Himmel sendet: So tief wurzelt die Erkenntnis, daß in diesem Kampf Interessen auf dem Spiel stehen, die weit über den engen Rahmen der eigentlichen Arbeiterbewegung hinausreichen. Die seltsamste Erscheinung in diesem modern-sozialen Gigantenkampf ist indessen nicht die beängstigend gewaltige Macht der Parteien, nicht die staunenerregende Strategie der Führer hüben und drüben, sondern (es klingt seltsam!) die Regierung, mit Herrn Asquith an der Spitze, als Apostel des Friedens und der Versöhnung.
Angesichts der Größe der Gefahr, angesichts des gewaltigen Einsatzes in dieser verhängnisvollen sozialen Kraftprobe, und angesichts der Pflicht, die das Interesse des Landes und die Wohlfahrt der Nation ihr auferlegen, hat die britische Negierung alle kleinlichen Rücksichten entschlossen beiseitegestellt und ist als ernster und tatkräftiger Vermittler zwischen die Parteien getreten. Der Premierminister der Krone Englands, der mächtigste Mann im Jnselreich, dessen tatsächlicher politischer Einfluß selbst den des Königs überragt, hat mit Grubenarbeiter-Deputationen und Unternehmer- Delegierten als Anwalt des Nationalinteresses stundenlang, bei Tage und in der Nacht, verhandelt, und damit bewiesen, daß die Regierung eines von der Industrie beherrschten Landes auch auf dem Gebiet der Arbeiterbewegung Aufgaben zu erfüllen hat, die sich weit hinausheben über den Durchschnitt billiger Leistung. Es bleibt abzuwarten, wie das Eingreifen der Regierung in den Kampf sich in den End-Wirkungen darstellen wird, aber schon die Tatsache des Eingreifens an sich ist bedeutsam, und eine Art sozial versöhnenden Moments in diesem Gigantenkampf des
so rasch als möglich die von den Bergarbeitern gewählten Vertrauensleute gemeinsam mit den Zechenvorständen beschließen, sobald die Antwort der Zethenbefltzer auf unsere Forderungen eingcgangen oder der für die Beantwortung derselben festgesetzte Termin (der fünfte März) verstrichen ist. Der Beschluß wird sofort allen Kameraden bekannt »egeben. Dieser Beschluß ist dann bindend für jeden Bergmann, der auf Aufbesserung seiner Lage bedacht ist.
Etat um hundert bis hundertzwanzig Millionen höher zu veranschlagen und daraus die Deckungsmittel zu beschaffen. In einem Artikel der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung wird eingehend dargelegt, daß die Einnahmen im vorliegenden Etat richtig geschätzt seien und daß die auf hundertzwanzig Millionen höher sich belaufende Schätzung des genannten Blattes auf Trugschlüs - s c n beruhe. Jedenfalls beweist die ganze Auseinandersetzung, daß das Reichsschatzamt nach wie vor den Standpunkt vertritt, daß die Kosten der neuen Wehrvorlagen in der Hauptsache durch neue Steuern a n s ge - brächt werden müssen. Welcher Art dieie Stenern sein sollen, wird zwar noch nicht dargelegt, es scheint indessen, daß Herr Wermuth fest entschlossen ist, aus der Erbschaft- ft c u e i zu bestehen, oder ... zu gehen.
Sie Schlacht bei Margheb-
Zwei schwere Niederlagen der Italiener.
Das launische Kriegsglück hat sich im Kamps um Tripolis wieder einmal den Turke« zugewandt: In einem vierundzwanzigstündigen Kampfe haben die Türken bei Margheb in der Nähe von Homs die Italiener geschla- aen und sie in die Flucht getrieben. Der Kampf scheint außerordentlich blutig gewesen zu sein, denn die unterlegenen Italiener haben, wie Depeschen aus türkischer Quellen melden, chwere Verluste zu beklagen. Ueber die Schlacht liegen folgende Meldungen vor:
Konstantinopel, 2. März.
(Privat-Telegramm.)
Ueber die Schlacht von Margheb ist hier ein amtliches Telegramm eingegangen, wonach drei italienische Kolonnen in Stärke von vierzehntausend Mann bei Margheb in der Näh« von Homs die Türken angegriffen hätten. Der Kampf bauerte vierundzwanzig Stunden. Der rechte Flügel der Türken mußte seine Stellung verlassen, während der linke die Italiener schräg von hinten faßte und die türkischen Reserven ihnen den Rückzug abschnitten. Die Italiener flohen, indem sie etwa tausend Tote und ebensoviel Verwundete auf dem Schlachtfeld zurückließen. Die Türken hatten eine große Anzahl Gefangener. Die Verluste der Türken betrugen achtzig Tote. Die Italiener sind, wie die Türken zugeben, auf dem linken Flügel bei Margheb Sieger geblieben, während sie auf dem anderen Flügel eine schwere Niederlage er- l i t t e n, die sie aber verheimlichen. Am dreizehnte« Februar hat bei Gelbaneh in der Nähe von Benghasi ein Kamps zwischen Türken und Italienern stattgefunden, in dem die Italiener ebenfalls geschlagen wurden und zweihundert Tote zurückließen. Die Türken hatten zwölf Tote und etwa dreißig Verwundete.
Wenn Frauen Kuchfen...!
Weide Exzesse der englischen Suffragetten.
Ein Privattelegramm meldet uns aus London: Die Suffragetten begingen gestern abend wieder wüste Ausschreitungen, die Alles übertreffen, was sich die fanatisierten Anhängerinnen des Frauenstimmrechts bisher geleistet haben. Eine große Anzahl Frauen durchstteifte die vornehmsten Straßen des Westens und toail mit St eine n und E is e nL.ü ck e n die
ModernerSimnten-KaWs.
g Die Streik-Katastrophe in England.
Aus London wird uns depeschiert: Der Kohlenarbeiterstreik Ist nunmehr allgemein und es herrscht überall eine sehr pessimistische Stimmung, da jetzt Niemand mehr die Beilegung des Streiks i» absehbarer Zeit erwarten kann. Tausende von Arbeitern anderer Industrien find infolge Kohlenmangels brotlos. Ja einer Woche dürfte die Zahl der Arbeitslosen mindestens anderthalb Millionen betragen. Die Transport- und Eisenbahn- arbeiter haben Versammlungen abgehalten, in denen sie sich bereit erklärte«, Kohlen zu boykottieren, falls die Grubenarbeiter sie darum ersuchen sollte«.
England ist in der sozialen Welt, was Amerika in der wirtschaftlichen: Das Reich der unbegrenzten Möglichkeiten! Ein einziger Kampf um das Prinzip einer Lohnfrage, . von dem weder bei der einen noch bei der andern Partei grundlegende Daseinsbedingungen abhängig sind, wirft die Riesenarmee von weit über einer Million Streitern auf den Plan, zwingt den gewaltigen Industrie- und HariLelsverkehr des Jnselreichs in seinen eher, nen Bann, und erschüttert außer dem wirt- . schaftlichen auch das politische Leben der Ration in seinen Grundfesten. Einen sozialen Kamps in diesen Riesenmaßen hat die Welt noch nicht gesehen, denn das erbittertste Ringen innerhalb der modernen Arbeiterbewegung fand bisher seinen Grenzwall bt den wirtschaftlichen Möglichkeiten, über die hinaus Kampf Wahn und Selbstopferung gewesen wäre. In England ist nun die Sturmflut eines nicht von der Leidenschaft heraufbeschwornen, sondern von kühler Erwägung arrangierten sozialen Gi- Efiantenkampfs mit voller Wucht hereingebrochen s Und Millionen von Händen haben den Milliar. den des Kapitals den Krieg erklärt. England ist die Heimat der modernen Arbeiterbewegung, und daraus erklärt es sich auch, daß in seinem Wirtschaftsbereich die Stoßkraft der sozialen .- Organisation sich zur furchtbarsten Wucht verdichtet hat.
In keinem andern Land der Erde wäre dies Massenaufgebot entschloffner Kampflegionen möglich, kein anderes Wirtschaftsgebilde aber zeigt auch die Riosenmaße englischer Entwick. >- lung. denen gegenüber das Bild kontinentaler Verhältnisse völlig verblaßt. Nicht weniger als ■ eine Million Kohlenarbeiter sind in - Verbänden organisiert, die ihrerseits wieder in Föderationen sich zusammengeschlossen haben, i- und diese sozialen Kampfgemeinschaften ver- - fügen über fünfzig Millionen Mark ' flüssiger Kriegsgelder. Das ist sicherlich nicht Viel für den langem Streik einer solchen Riesenschar, zu der ja auch Frauen und Kinder hin- s- zugerechnet werden müssen. Aber der Kriegs, l sonds reicht hin, nm die Industrie Englands bisinsMarkzu treffen, und tatsächlich hat denn auch schon die Gefahr des drohenden , Streiks eine Nervosität erzeugt, wie kein ande- 8 res Ereignis politischer oder elementarer Art r aus jüngstvergangner Zeit. Es ist klar, daß : eine ganze Reihe andrer Industrien von der t Zufuhr englischer Kohle abhängig ist, und nun, da diese Zufuhr durch den Streik so gut wie 5 abgeschnitten scheint, werden unter dem Mangel an Kohle sowohl die Metall- und Texttl-Jndu- strie. als auch die Eisenbahnen, die Gasanstal, ten und Elektrizitätswerke bis zu den kleinsten Betrieben und den privaten Verbrauchern emp- findlich zu leiden haben.
Die Million streikender Grubenarbeiter wird cflso, wenn der Kampf nur zwei kurze Wochen dauert, durch Millionen andrer Arbeiter vermehrt werden, denen infolge der Stilllegung der Werke gekündigt werden mutz. Die Industrie Englands, die grabe in den letzten Jahren einen so gewaltigen Aufschwung genommen hatte, kann nämlich unmöglich von den verhängnisvollen Wirkungen des Riesenstreiks unberührt bleiben, und es ist also nicht zu viel gesagt, wenn von dem Millionenkamps der englischen Grubenarbeiter als von einer national.britischen Katastrophe gesprochen wird, deren Wirkungen sich in ihrer ganzen Furchtbarkeit tu diesem Augenblick nur ahnen lassen. Aber nicht nur England erzittert unter den Schritten des Millionenheers der .Streikenden; nicht nur die Industrie und der Handel Britanniens sind durch den Kampf der Arbeit wider das Kapital gefährdet: Die ganz« Welt, die wirtschaftlich mit England verbunden, von der Lieferung britischer Kohle abhängig und an der.Arbeit angelsächsischer
Sie FriedensaMon der Mächte.
(Privat-Telegramm.)
Meldungen aus Paris bestätigen, daß tatsächlich Deutschland und Oesterreich vor allen anderen Mächten ihre Zustimmung zu dem russischen Vermittlungsvorschlag im Tripoliskrieg gegeben haben. Es soll sich nicht dämm handeln, in Rom eine bestimmte Aktion durchzuführen, sondern über die Friedensbedingungen sich zu informieren. Wenn Italien antworten werde, könnte vielleicht ein Schritt in Konstantinopel versucht werden. Wie verlautet, soll man sowohl in Rom, wie auch in Konstantinopel heute den Friedensbemühungen der Grotzmächte sympathischer gegenüberstehen als früher, da man die Notwendigkeit einer baldigen Beendigung des Krieges anerkennt.
Las WehrmMionen-Problem.
Reue Lasten nur bei neuen Steuern?
Das Rätselraten über die Deckung der Kosten der neuen Wehrvorlagen geht munter weiter. Herr Wermuth, der Staatssekretär des Reichsschatzamts, verteidigt sich energisch Salle von dieser Seite vorgebrachten Dek- vorschläge und wehrt sich jetzt auch gegen den in dem rheinischen Zentrumsorgan ausge . tauchten Vorschlag, die Einnahmen im neuen
Der Deutsche Frauenkongretz setzte gestern seine Verhandlungen über das Thema .Berufsfragen- fort. Zunächst sprach Frl. Margarethe Treuge über -Die Frau und die akademischen Berufe": Sie suchte nachzuweisen, daß die Frau aus inteöeftueuem Drange die Möglichkeit der E rte ich ung ho- Herstellungen sich zu verschaffen suchte, da nur solche Stellungen der PersonlnPeit die höchstmöglichste Betätigung gewähren. Die Eigenart der Frau ließ sie zunächst diejenigen akademischen Berufe ergreifen, in denen sie ihrer Doppelnatur »Erkennen und Verwerten- gerecht werden könne. Das sind die Berufs der Aerzlin, der Fabrikinspektorin und der akademischen Lehrerin. Die Korreferentin, Frau Ammann, führte aus: Das Bedürfnis nach akademisch gebildeten Frauen ist in den veränderten Verhältnissen auf allen den Gebieten des öffentlichen Lebens bemünbet die beute
Immer noch: PrSsidentensuche!
Die Aussichten auf Verständigung geschwunden.
Noch fünf Tage trennen uns von der end- gülttgen Präsidentenwahl im Reichstag. und je näher der Tag der Entscheidung rückt, umso verworrener gestaltet sich die Lage. Die emsigen Bemühungen, zwischen den bürgerlichen Parteien eine Einigung herveizusüh- ren, dürfen als gescheitert betrachtet werden, nachdem sich ergeben hat, daß zwischen den Wünschen der Rechten (einschließlich des Zen- trnms) und dem Verlangen der NattonaWbera- len unüberbrückbar scheinende Gegensätze bestehen. Zwar werden die Besprechungen zwischen den Fraktionen noch fortgesetzt, doch hegt man kaum noch Hoffnung auf einen befriedigenden Erfolg der Verhandlungen. Wir verzeichnen folgende Meldung:
Berlin, 2. März.
(Privat-Telegramm)
Ueber die bevorstehende Präsidentenwahl schreibt die nationalliberale Nattonalzeitung offensichtlich parteioffiziös: Zwischen den ver. schiedenen Frakttonen im Reichstag finden gegenwärtig Besprechungen statt, um die Möglichkeit eines gemeinsamen Zusammengehens der bürgerlichen Parteien ins Auge zu fassen. Als Vertreter der Nattonalliberalen ist der Abgeordnete Bassermann beauf- tragt, die Verhandlungen zu führen, die jedoch noch nicht zu bestimmten Vorschlägen gediehen sind. In erster Linie kommt als nationalliberaler Präsidentschaftskandidat wieder der Abgeordnete Paasch« in Betracht, den man allerdings nicht zum dritten Male in die peinliche Lage bringen dürfte, nach der Wahl auf den Posten verzichten zu müssen. Die Aussichten auf eine Verständigung sind bis zur Stunde außerordentlich gering, da man in der nationalliberalen Fraktion weder einem ausgesprochenen Präsidium der Rechten, »och einem der Linken geneigt ist.
Aus der Reichstags-Mappe.
(Telegramme unsers Korrespondenten.)
Zur zweiten Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern beantragt die Fortschrittliche Volkspartei des Reichstags, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, Gesetzentwürfe zur Sichernng und zum weitern Ausbau des Koalitionsrechts sowie zur Regelung der Arbeitsverhältnisse der in öffentlichen und privaten Krankenhäusern, Heilstätten und Genesungsheimen sowie in der privaten Krankenpflege beschäfiigten Personen, ferner zur Regelung des Submissionswesens vorzulegen. *
Die konservativ e Fraktton des Reichstages hat zum Etat des Reichsamtes des Innern eine Resolution eingebracht: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, noch vor der in Aussicht gestellten allgemeinen Revision des Reichsstrafgesetzbuchs dem Reichstag einen Gesetzentwurf über Abänderung der Reich s- gewerbeordnung beziehungsweise des Reichsstrafgesetzbuchs vorzulegen, durch den ein Wirksamer Schutz der Arbeitswilligen gegen Hinderung an der Arbeit, gegen Bedrohungen und Gewalttätigkeiten herbeigefuhrt und gesichert wird.