COlerNeM MriM
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und SSL.
Donnerstag, 29. Februar 1912
Nummer 72.
Fernsprecher 951 rmd SSL
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' Hessische Abendzeitung
sixzellenz Aemtz.
PoNttschet Idealismus, politischer Kampf! , Wir alle, bte wir in dem Wirklichen Geheimen Rat, Professor Dr. Czerny eine Zierde der Heidelberger UniverstiSt und einen der gefeiertsten Pioniere der Wissenschaft verehren, haben mit aufrichtigem Bedauern vernommen, daß es dem Heidelberger Chirur- gen nahegelegt worden fei, aus seiner Ehrenstellung als Generalarzt der preußischen Armee auszuscheiden. Professor Czerny hat diesen Entschluß selbst bekanntgegeben, ohne über die Gründ«, die ihn herbeigeführt, sich näher aus- zuterflen. Aus der Form indessen, in die die Kundgabe gekleidet war, konnte unschwer geschloffen werden, daß der Anlaß nicht derart war, als daß man ihn aus der natürlichen Entwicklung der Dinge hätte erklären können. Inzwischen ist nun bekannt geworden, was zu ahnen war: Exzellenz Czerny, der von einer Welt gefeierte Gelehrte, ist (so scherzhaft es auch klingen mag) einer drohenden politische« Maßregelung aus dem Weg gegangen, und es läßt sich nicht leugnen, daß die Vorgeschichte beS Falles zum mindesten seltsam ist.
Geheimrat Czerny bekennt sich (er hat nie eia Hehl daraus gemacht) politisch zum linken Flügel d«S Liberalismus und seine politische Auffassung, die in der Oeffentlichkeit allerdings wenig hervorgetreten ist, deckt sich ungefähr mit dem Programm des seligen Eugen Richter. Der Heidelberger Chirurg steht mit diesem Bekenntnis in der wissenschaftlichen Welt des deutschen Südens nicht allein, denn der Libc- ralisnms hat im Süden grade in der Gele hrtenwell manche starke Stütze. Allerdings wird in diesen Kreisen die liberale Fortschrittssache nicht etwa von der Worte einseitig-parteipolitischer Auffassung aus betrachtet. sondern man versteht darunter die Ersire- bung einer allgemeinen kulturellen Entwicklung und die geistige und sittliche Hebung der Nation, mit einem Wort: Den vergeistigten Liberalismus! Die Qualitäten der Männer/ die diesem Ideale huldigen, bürgen für die Lauterkeit ihrer Gesinnung, und Professor Czerny ist einer der Markantesten in diesem Kreise, der, erfüllt vom Idealismus politischer Volksarbeit, die derb-nüchterne Realistik des P art eien kampss nie in der Nähe gesehen. Ein Czerny würde (Das darf man nicht übersehen!) sicher niemals ein Parteigänger im landläufigen Begriff des Worts sein können, denn sein politischer Instinkt wurzelt nicht im Partei-Dogma, sondern im Empfinden des Erstrebenswerten.
Also: Politischer Idealist! Fdea- lismus ist aber auf den abgetretnen Wegen des politischen Alltags stets beschwerlicher Ballast, denn er hindert den geschäftigen Handel. Dem Heidelberger Gelehrten ist er zum Verhängnis geworden. Als die ersten Wogen des Wahlkampfs aufschäumten, veranstaltete «in Berliner liberales Blatt eine Umfrage bei den geistig Prominenten der Ration, wie sich nach ihrer Auffassung die Schlachtlinie des Kampfs entwickeln müsse. Auch Czerny wurde um die Aeußerung seiner Meinung gebeten. Und er entwickelte eine Theorie der Wahlkampsbewegung, die sicherlich aus der Ehrlichkeit seiner politischen Ueberzeugung geboren war: KampsgegenRechts; Kampf aller Fort- schr itt^Er streb enden von Bassermann bis Bebel gegen die hemmenden Mächte, die nach seiner Auffassung die nationalpolitische Entwicklung gefährden. Das klang wie ein Schlachtruf, und ist auch (wie sich später ergeben hat) als solcher gedeutet worben. Und zwar gedeutet im parteipolitische« Sinne, und unter Außerachtlassung der eigenartigen Stellung, di« der Heidelberger Chirurg alS politisch Empfindender der Parteipolitik gegenüber einnimmt. Auch Mit dieser Parole stand Exzellenz Czerny nicht allein im Reich der Wissenschaft; andre haben gleich ihm (und zum Teil in noch Weit schärfern Worten) es ausgesprochen, daß der Kampf am die Erstrebung fortschrittlicher Entwick- lungsmöglichkeiten das zurzeit wichtigste Ziel nationalpolitischer Arbeit sei, und daß der Verwirklichung dieses Ideals alle Kraft gewidmet werden müsse.
Dies Wegziel an sich mag freudiger Anerkennung oder leidenschaftlicher Befehdung unterliegen, j« nach Stimmung und Ueberzeu- gmrg: Der Kern des Programms war (und ist) indessen die Verwischung der Ideengrenze zwischen der Polttik bürgerlicher Fori- schrittsarbeit rmd bett Zielen der revolutionären Demokratie, deren Bünduis- fähigtcit für die Anhänger des liberalen Ge
dankens Czerny Iheorettsch und praktisch anerkannt hat. Er steht auch mit dieser Auffassung nicht allein im Kreise wissenschaftlich befnichteter Politik, aber sein politischer Idealismus hat ihn in der Beurteilung dieser Frage wichtige Momente übersehen lassen, die der Generalarzt der preußischen Armee nicht übersehen durste! Ein Jeder unter uns wünscht auftichttg, daß dem Volk in seiner Gesamtheit das Recht der freien Meinungsäußerung nicht um eines Haaresbreite verkümmert Werbe, aber der ideale Schwung dieses Prinzips darf nicht zur Gefahr für die staatliche Ordnung werden, sonst wandelt sich die Wohltat zur Plage und heischt Abhilfe.
Der Staat verlangt von seinen Beamten und bett ihn unmittelbar oder mittelbar, in Sold oder Ehrenamt Nahestehenden Achtung und Würdigung des Prinzips staatlicher Auto- rttät, und er kann eS im eignen Interesse nicht dulden, wenn die „Revolution gegen den Staat" von oben gewissermaßen als Evangelium verkündet wird. Wie im Geschäftsbetrieb des „Vorwärts"-Verlags kein Gegner der sozialdemokratischen Ide« geduldet wird, so karm auch der Staat es nicht billigen, wenn in den Kreisen der Träger seiner Autorttät sich Auffassungen einbürgern, die mit dem geltenden Gedanken staatticher Ordnung nicht in Ein- llang zu bringen sind. Di« Sozialdemokratie In ihrer heutigen Form ist nun offenkundig revolutionär; sie kämpft gegen den bürgerlichen Staat, und eine Arbeitsgemeinschaft mit ihr ist nicht denkbar.- Professor Czerny Hai zwar keine Arbeitsgemeinschaft, aber eine Kampfgemeinschaft mit ihr empfohlen, und wenn er diese Idee auch nur im idealisierten Sinne hat darstellen wollen, fo entspricht es doch durchaus der logischen Folgerung, daß er als Generalarzt der preußische« Armee nun auch de» Konsequenzen dieser Auffassung Rechnung getragen hat. Wir brauchen indessen in ihm nicht einen Märtyr« zu schauen, sondern einen aufrechten Mann, der seinem Idealismus ein Opfer brachte!
F. H.
Bilder Vorn Frauen Kongreß»
Eindrücke und Reflexionen.
(Von unserer Mitarbeiterin.)
Berlin, 27. Februar.
Hätte man es noch vor zwanzig Jahren für möglich gehalten, daß über tausend Menschen an einem Kongreß teilnehmen, der von Frauen veranstaltet worden ist? Hätte man es für denkbar gehalten, daß Staatssekretäre und Bürgermeister, daß sogar der Rektor der Universität bei der Eröffnung eines FrauenLongreffes zugegen sein könnten? Die Literatur ist immer der beste Anhaltepunkt für die Ansichten unserer Väter und Großväter, und wir haben nur nötig, Unterhaltungsbücher in die Hand zu nehmen, die vor zwei und drei Jahrzehnten eifrig gelesen wurden, um in der jetzt „Emanzipierten" das Exemplar einer Frau zu sehen, wie sie... nicht sein soll. Damals begannen bte Frauenrechtlerinnen ihre ersten tapsenden Schritte, aber sie fanden weder bei den Männern noch bei den Frauen des mittleren BürgerstandeS und der Gesellschaft Beifall und Unterstützung. Es waren immer nur ganz wenige hervorragende FrauenpersSnlichkeiten, die sich in die Reihe bet Kämpfenden stellten, und diese allerdings verzichteten meistens auf alle Aeußerlichkeiten, schon aus dem Grunde, um als Kampfgenosse und nicht als Weib zu gelten. Stellte man sich ein Frauenparlamenl vor, da-nn konnte man keinen anderen Begriff sich machen, als Frauen mit kurz geschorenen Haaren, mit schlecht sitzenden Kleidern, die sehr an männliche Tracht erinnerten, mtt ungepflegten Händen und großen Füßen. Das Frauen- Parlament, das gestern in der Reichs-Hauptstadt seine Verhandlungen begann, trat am Vorabend des Eröffnungstags zu einem Empfang zusammen, und da sanden sich Dertteterinnen des weiblichen Geschlechtes, an denen selbst der kritischste Mann nichts auszusetzen gehabt hätte.
Von der Mode war aller genommen, was schön ist, zum großen Teil aber war Das fort- gelassen, waS häßlich und unsinnig dünkt. Di« engen Röcke (die man noch immer trägt) waren weit genug, um einen Schritt zu gestatten; wie hätten die Rednerinnen sonst auch das Podium erreichen sollen? Modezeichner hätten hier ganz gewiß einige Nnregungen zu reizenden Modellneuheiten finden können, denn biete Frauen, so schön sie gekleidet waren, sie bewi«. fen doch, daß sie rndividuellern Ge- ichmack besitzen, daß sie sich ihrer Erscheinung, ihres Gesichtsschnitts, ihres Typs enttore. chimd zu kleiden verstehen. In einem Beniner Blatt erließ jüngst ein Schriftsteller eine Philippika gegen die modernen Kleider und mehrte, daß der Fortschritt WM noch sehr lange auf sich warten lassen werde, wenn die Damen sich so «rztehcn, daß sie weder mit dem Kopf noch mit den Füßen in eine elektrische Bahn hinein könnten. Sinntal hindere st» der groß« Hut,
andererseits mache es das enge Kleid unmöglich, den Wagen zu besteigen. Indessen, es sind zumteil gerade die Männer, bte sich darüber lustig machen, wenn die Frauen auf Mode und Eleganz verzichten und nur ihrer Idee leben. Nun, die geistig arbeitende, die moderne Frau, scheint die Lösung des Problems gefunden zu haben. Das Festmahl des Frauenkongresses zeigte uns Typen, die ein denkender, gebildeter Mann vielleicht als das Ideal der Weiblichkeit bezeichnen tonnte: Man sah Frauen mit kühnen, klugen Gesichtern, mit blitzenden Augen, die jedoch in ihrer Erscheinung die Anmut und Grazie nicht vermissen ließen. Und man sah so eigenartige und geschmackvolle Toiletten, daß b»8 Wort der Gegner der Frauenbewegung zuschanden wurde, das ba sagt: Nur diejenigen Frauen, die von der Nalur vernachlässigt werden, widmen sich mit Eifer uttd Hingabe den hohen Zielen der Frauenbewegung!^ Der Kongreß, der im Jahre neunzehnhundertzwölf in Berlin tagt, ist die beste Entgegnung auf diese Behauptung . . .
Ser soziale Mesenkamtzf in England.
Dreißigtausend Mann im Streik!
Die Bemühungen der englischen Regierung, in dem drohenden Riesenkampf zwischen den Grubenarbeitern und den Ze- chengefellschaften eine Verständigung herbeizuführen, werden fortgesetzt. Gestern nachmittag fand im Ministerium eine abermalige Besprechung statt, der sich fpäter eine Unterredung deS Exekutiv-Ausschusses der Gru- benarbetter mit dem Ministerpräsidenten in Anwesenheit der übrigen Minister folgte. Die Verständigung - Verhandlungen sollen heute fortgesetzt werden. Ueber die augenblickliche Lage wird uns berichtet:
London, 28. Februar.
(Privat-Telegram m.)
Wie auS der Grafsschaft Alferton gemeldet wird, haben dort gestern zwanzigtaufend Arbeiter in Derbyshire dttÄrbett nieder- gelegt. In Pinxton sind um dieselbe Zeit elftausend Arbeiter der dortigen Gruben diesem Beispiel« gefolgt. Aus bester Oüell« verlautet, daß Premierminister Asquith versucht, eine Konferenz zwischen Arbeitgebern und Arbeitern direkt herbeizuführen. Der Premierminister hat noch gestern abend ein« Abordnung der Bergwerksbesitzer empfangen und mtt ihnen nahezu eine Stunde konferiert. Asquith, der sich am Abend zum König begeben sollte, um über di« Ergebnisse des Ta- geS Bericht zu erstatten, hat diesen Besuch auch auf heute verschoben, da er dem König fein« bestimmten Nachrichten überbringen konnte.
Sie Gefahren des Riesenstreil».
Ein weiteres Londoner Privattelegramm meldet unS: In Sheffield hat die Direktion der weltbekannten Waffenfabrik Vickers ihren fünftausend Arbeitern mitge- teilt, daß sie im Falle eines Grubenarbeiter- auSstandes ihren Bettieb am neunten März einst eilen werde. In Swansea sind ähnliche Ankündigungen an das Arbeiterpersonal ergangen. In vielen Fabriken wird die Arbeitseinstellung drei Tag« nach Verkündigung des Ausstandes erfolgen. In Grimsby werden Im Falle eines Ausstandes 266 000 Fischer mit 1500 Fischerbooten beschäftigungslos werden. Zahlreiche Fischerboote, die sonst in dieser Jahreszeit zum Fang ausfahren konnten, haben Yarmouth nicht verlassen können. Es verlautet übrigenS, die Regierung werde bte Grubenbesitzer zwingen, nachzugeben. *
Lonvckn, 28. Februar. (Prlffattele- gramm.) Angesichts der Möglichkeit einer Einberufung der Territorialtruppen bei Beginn des Generalausstandes in England haben die militärischen Behörden bereits daS notwendige Pferbematerial requiriert. ES ist wahrfcheinlich, daß die regulären Truppen fofort nach dem Ausbruch des Ausstandes in den Ausstandsgebieten durch Territorialtmppen ersetzt werden. Fünftausend Mann sollen in Darlington und in der Rähe von Durham »erteilt werben.
Sie Rudolstadter und ihr ParlaMent.
Sozialdemokratische Obstmktton im Landtag?
Ein Privat-Telegramm meldet unß auS R ud o lstadt: Dte Leitung b«r so- zialdemokratischen Sandtagsfraktion verlangt eine positive Antwort von der Regierung über die von ihr eingebrachten Vorlagen (besonders bte Wahlen an Sonntagen und die Einführung deS Proportionalwahlsystems). Sie drängt also darauf, daß diese Vorlagen sofort zur Beratung und Beschlußfassung gestellt werden. Sollte jedoch bte Regierung auf ihrer Vorlage (Steuerreform, verbunden mit einer W<chlrcchtsrrform zugunsten JKr Höchs besteuerten) besteben, so werden die Sozialdemokraten, bte bekanntlich mit neun Sitzen bte Mehrheit im Landtag haben, den
Sitzungen fern bleiben, um de» Landtag arbeitsunfähig zu machen. Der Regierung würde fodanu nur eine 2anhta g8* äuflösung und die Ausschreibung bmt Neuwahlen übrig bleiben.
0ie Studenten von Rom.
Rom im Zeichen des TripolistaumelS.
(Privat-Telegramm.)
Rom, 28. Februar.
Die römischen Studenten hielten gestern! in der Universität eine große Protestversamm- lnng gegen den Abgeordneten Herzog Caetani di Sermoneta ab, der in der Kammer gegen die Annexion Tripolitaniens und der Cyrenaika gestimmt hatte. Dann zogen die Studenten vor das Haus des Herzogs, daS von der Polizei bewacht war, und brachten ihm eine fürchterliche Katzenmusik, mit Pfeifen, Brüllen und Pereat-Rufen dar. „Nieder mit dem Hanswurst, nieder mit dem Türkenprinzen!“ schrien die Studenten. Hierauf hielt ein Redakteur des chauvinistischen Blattes „Giornale d'Jtalia* eine Rede, in der er dis Haltung des Herzogs als n n w ü rd i g e i n e S Abgeordneten brandmartte und verlangte, er solle sein Mandat niederlegen. Mit Pfeifen und Pereat-Rufen zogen die Studenten schließlich ab. In Ankona hat gestern die Kriegsbegeisterung, die nach wie vor Jung wie Alt beherrscht, ein tragisches Opfer gefordert: Ein Anzahl kleiner Schulmädchen spielten „Türkeukrieg* und bearbeiteten sich gegenseitig mit Stöcken und anderen Gegenständen. Im Eifer des Gefechtes holte ein elfjähriges Mädchen den Revolver seines Vaters ait8 dessen Wohnung und schoß damit in dte gegnerische Partei hinein, wobei ein neunjährig^ Mädchen in den Kopf getroffen tot zu- sammenbrach.
Eis erzwungener FeleLe?
(Privat-Telegramm.)
Rach Meldungen aus Paris hasiett M< englische und französische Regierung dem vom russischen Minister des Aeutzern angeregten Gedanken zugestimmt, im Verein mit den anderen Mächten bei bet Türkei einen energischen Schritt zur Beendigung bet italienisch-türkischen Feindselig- keilen zu unternehmen. Die Triple-Entente sei bereit, nachdrücklich bei der türkischen Regierung dafür einzutreten, daß fie alle Truppen aus Tripolis zutückzietze und mtt Italien in Berhanblungen übet den Frieden einttete. Der Friedensverttag foll die Interesse« und die Würde bet Türkei wahren.
Aus den Parlamenten.
StaatSangehörigleitS- und Schutztruppengesetz.
(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)
Der Reichstag beschäftigte sich gestern mit der Aufarbeitung von -Resten*. Zuerst erledigte man das internationale Abkommen über die Bekämpfung des Mädchenhandels, nachdem noch der bekannte Rechtslehrer von Liszt auf eine Lücke in einem Paragraphen hingewiesen hatte. Dann ging es Wetter tir der ersten Beratung bet am Freitag begonnenen Vorlage über bte Reichs- itttb Staatszugehörigkeit. Herr von Siebert von bei Reichspartei hielt eine patriotische Rebe, währenb Herr Herzog von bte wirtschaftlichen Vereinigung sich gegen bte Einwanderung unangenehmer ausländischer Sle- meitte nach Deutschland wandte. Eine sehr bewegliche Klage über das vermeintliche Unrecht, das gegenüber Reichsangehörige« dänischer Abstammung in Nordschleswig geschieht^ brachte der dänische Protestler Hanssen vor^ der es so dattiellte, als wenn wir in der Nord» mark russisch« Zustände hätten. Der! Sozialdemokrat LandSbekg, «in Reulinw im Parlament, verlangt« «in ReichSverwak- tungsqericht als oberste Instanz für den Verlust der Staatszugehörigkeit. und nach ihm kant abermals ein „Homo novus", der Rationalliberale von Richthofen, der den Landwirtbundesdirektor Diederich Hahn auS feinem Wahlkreis verdrängt hat, ein Bruder deS verflossenen Abgeordneten und Sohn deS vetstor- benen Staatssekretärs von Richthofen. Da et Legationsrat war, plätscherte er ein bißchen im Gewässer der Außenpolitik und meinte nebenbei nicht mit Unrecht, daß bi« Gesandtschaften einzelner Bundesstaaten im Auslande nicht zu den wünfchenswettesten Erscheinungen unseres nationalen Lebens gehörten. Die Vorlage ging schließlich an die Kommission. Es folgte nunmehr das Schutztrup- pengefetz, etnflclettet durch den Kolonial- sekretär Sols, der hervorhob, daß das Gesetz nur di« bisher in Hebung befindlichen Bestimmungen zusammenfaffe. Ter daS Gewehr schulternde Genosse Roste, die militärische Autorität der Sozialdemokratte, veAangte eine erhebliche Veränderung der Vorlage durch die Kommission, und noch schärfere Kritik übt« .Herr Errberaer. her eint Beernträchnauna