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Casieler NM Nachrichten

Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 71, Fernsprecher 951 und 952. Mittwoch, 28. Februar 1912. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.

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fitiftHeit

r Herr Wermuth am Ende seiner Tage?

Es war so tröstlich und wohltuend, als der Herr Reichsschatz-Sekretär Wermuth ein paar Wochen vor der Reichstagswahl uns mit der srohen Kundgabe beglückte, die Finanzen des Reichs durchrauschten nunmehr die Blüte­zeit und man werde in nicht zu fernen Tagen sich der goldnen Früchte erfreuen dürfen. Nach der dürren Stengel-Zeit im Reichsschatzamt wirkte dieser süße Wermuth-Tropftn wir Bal­sam auf schmerzenden Wunden, und man sah mit Hellem Vertrauen dem Tag entgegen, da Herr Wermuth vorm neugekürten Reichstag seine Schätze und Bilanzen ausbrerten werde. Indessen: Es wär' zu schön gewesen, und es scheint, daß das Schicksal uns nicht mal den Genuß der Wermuthfreude ohne Bitternis der. gönnt. Die Rechnung des Herrn Schatzsekre- tärS hatte nämlich in Voraussicht der kommen­den neuen Heer- und Flottenforderungen die Millionen der Erbschaftssteuer bereits als sichres Soll in Reserve gestellt, und die Deckung der erforderlich werdenden Mehraus- gaben grade aus diesen Mitteln vorgesehen. Herr Wermuth ist ein kluger und weiser Haus­halter, und man mutz ihm die Anerkennung zollen, daß seine Millionen-Theorie Sinn und Inhalt hatte.

Leider hatte sie aber auch ein Loch, und durch dieses Loch verschwinden nun die schönsten Hoffnungen und die wunderbarsten Berechnun­gen erbarmungslos im Hades der Unzuläng­lichkeiten. Dieses Loch ist die »gottgewollte Abhängigkeit" des Herrn von Bethmann Holl- wez von der Parteien Hatz und Gunst, und es scheint, daß der Schatzsekretär des Reichs auf diese Eigenart unsres politischen Geschäfts (und -gleichzeitige Schwäche seines Chefs) nicht genügend Rücksicht genommen hat: Er würde sonst die Millionen der Erbschaftssteuer nicht so ohne weiteres als Reserve-Deckung in seine Bilanz eingefügt haben! Wir wissen heute so ziemlich zuverlässig, daß der Herr Kanzler auch diesmal sich nicht .vinkulieren" möchte: Er hat von der Erbschaftssteuer zwar noch jüngst wie von einer natürlichen Selbstverständlichkeit kommender Tage gesprochen, aber zwischen Abend und Morgen pflegt sich auch in der Vor­stellung eines leitenden Staatsmanns zuweilen Einiges zu wandeln, und so darf es denn heut als sicher gelten, daß der Kanzler .vorerst" auf die Erbschaftssteuer verzichten will! Nicht aus eignem Trieb; o nein, sondern der Not gehorchend, und dem Machtgebot der Rech­ten, aus deren Lager bereits schrill und drohend der Kriozsruf zur Wirhelmstvaße klang.

Schön; Herr von Bethmann hat abermals kapituliert. Man braucht sich darüber nicht zu erregen oder gar zu entsetzen, denn es ist nicht das erstemal, daß es geschah und wird (wenn der fünfte Kanzler uns noch eine Zeitlang er­halten bleibt) vermutlich auch nicht der letzte Schmerz sein, den Herr von Bethmann den Zeitgenossen bereitet. Das Ueble an der Ge­schichte ist nur: Woher soll nun, da feine süßest: Hoffnung am Fels der Wilhelmftraße zerschellt, Herr Wermuth die blinkenden Millionen nehmen, aus denen die Kosten der vermehrten Land- und See-Rüstung zu bestreiten sind? Es ist bereits vor Wochen vor allem Volk die feier, siche Parole ausgegeben worden: .Sparsame Wirtschaft ohne neue Steuern!" Und der Reichs-Säckelmeister hat mit besonderm Nachdruck hinzuzefügt: .Keine Ausgabe ohne Deckung!" Tas allez klingt außer­ordentlich gut, und lieft sich vortrefflich; Prin- ftpien ohne WirRkchkeitsbereich sind indessen nicht viel mehr wert als ein Portemonnaie ohne Silberlinge, und so stehen wir nun heute vor der recht peinlichen und beunruhigenden Frage: Woher nehmen und ... nicht stehlen?

Wohlmeinende Freunds und liebe Nachbarn haben dem Kanzler bereits empfohlen, dem von der Sorgenlast der Millionensuche hartbe. drängten Reichsschatzsekretär eine .goldn« Brücke zum Rückzug" zu bauen; mit andern Worten: Herrn Wermuth von dem eigensinni­gen Beharren auf feinem Grundsatz: .Keine Ausgabe ohne Deckung" zu bekehren und ihn für die Erkenntnis der Not der Zeit empfäng­licher zu stimmen. Herr Wermuth ist ein wack­rer Mann, dessen rechtschaffner Arbeit wir es zu danken haben, daß die heillos« Finanzwirtschaft des Reichs (in deren Labyrint noch zu Sten­gels Zeiten der dickste Ariadne-Faden glatt versagte) einer geordneten und allmählich auch finanziell gesundenden Haushaltpraxis ge­wichen ist. Aber Herr Wermuth hat auch ein Programm, an dem er mit zäher Beharr­lichkeit festhält. Und der Fundamentalsatz die­ses Programms ist eben das Prinzip, vor jeder neuen Ausgabe die Deckung sicher zu stellen. "

Daß der Schatzsekretär sich von diesem sichern Weg Hinwegdränzen lassen wird, unr dem Kanzler aus das Saumpfädchen zweifelhafter Opportunitätspolittk" zu folgen, ist kaum wahr­scheinlich; wahrscheinlicher ist vielmehr, daß Herr Wermuth, wenn seine gewissenhafte Reichshaushaltsarbeit durch die (nach rechts gravitierende) Kompromitzpolitik des Kauz- lers ihrer natürlichen Voraussetzungen beraubt wird, als aufrechter Mann von dannen geht und die Sorge um die Deckung der Heer- und Marine-Millionen andern, grfälligern und in ihren Grundsätzen weniger schroffen Leuten überläßt. Daß im Reichsschatzamt eine Krise besteht, ist schon seit Wochen kein Geheimnis, denn nachdem Herr Wermuth durch seine For­derung der Erbschaftssteuer sich den unversöhn­lichen Groll der um Heydcbrand und Spahn Gescharten zuzezogen, ist er ein Kämpfender, und man weiß zur Genüge, was es heißt, sich des Speers der Rechten zu erwehren. Bern­hard Bülow hats nicht mal vermocht, und er war sicherlich ein gewandterer Fechter als der mit dem ungefügen Doppelhänder gerüstete Wermuth. Nun auch der Kanzler ihn Preis- gegeben, ist er den Feinden der Erbschaftssteuer schutzlos ausgeliefert und der Name Wer­muth wird sich 'bald in Wehmut wandeln.

F. H.

*

Roch krnmsr feine TeSrmg!

(Telegramm unsers Korrespondenten.)'

Berlin, 27. Februar.

Heber die Deckungsmittel für die neuen Militärvorlagen verlautet in par. lamentarischen Kreisen, daß die Reichsregie­rung weder eine Erbschaft s st euervor lage noch Vorlagen über Dividenden- und Kouponsteuer oder eine Erhöhung der Wertzuwachs st eue.r dem Reichstage vorlegen «erbe. Die Siegierung soll zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß alle diese Steuern eine Mehrheit im gegenwärtigen Reichstage nicht finden werden, liebet die Art der Deckungsmittel verlautet bisher nichts Positives. Man nimmt übrigens auch an, daß die Vorlagen dem Reichstage kaum noch vor den Osterferien zugchen werden, da sich der BundeSrat frühestens Mitte März mit den Vorlagen beschäftigen wird. Offenbar hofft der Kanzler, daß nach den Osterferien, wenn sich die Parteien-Konstevation im Reichstag geklärt haben wird, Verhandlungen mit den Parteien eher möglich sein werden als heute.

Der Kaffer m Wien und Nom.

Kaiserbesuch bei den Dreibund-Monarchen.

Wie uns im Anschluß an unsre gestrigert MitteiTungen über die Kaiserfahrt nach Wien aus Berlin berichtet wird, verlautet in dortigen, dem Hof nahestehenden Kreisen mit Bestimmtheit, daß Kaiser Wilhelm auf seiner diesmaligen Reise nach Aquileja (in Görz) dem KaiferFranzJosefin Men einen Besuch abstattet. Der Tag seiner An­kunft, sowie das Programm seines Aufenthalts sind noch nicht endgültig festgesetzt, doch rechnet man damit, daß der Besuch in der zweiten Hälfte des März stattfinden wird. Ter Befuch wird sich diesmal (wie wir schon mitteilten) auf einen Tag beschränken. Da zur selben Zeit der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Familie in Brioni weilen dürfte, fo wird «in anderer Erzherzog den Kaiser bei der Ankunft Kaiser Wilhelms Vertreten. Kaiser Wilhelm wird während fei- nes kurzen Aufenthalts in Schönbrunn Absteigequartier nehmen und abends die Reife über Pola nach Aquileja fortsetzen. Urfttrüng- lich hieß «s, daß Kaiser Wilhelm erst nach seiner Rückkehr von Aquileja den österreichi­schen Kaiser besuchen werde, doch wurde dieses Projett aus dem Grunde aufgegeben, weil Kai­ser Franz Josef die Absicht hat, um diese Zeit längeren Aufenthalt in Gödöllö zu nehmen. Unbestimmt ist auch, ob die Kaiserin ihren Ge­mahl nach Schönbrunn bereiten wird.

Sott Wien nach Venedig!

In Verbindung mit dem Besuch des Kaisers, in Wien ist auch eine Zusammenkunft mit dem König von Italien geplant: Wenn näm­lich die Anordnungen nicht noch geändert wer­den, so verläßt der Kaiser am neunzehnten März Berlin, trifft am zwanzigsten in Wien ein und verweilt als Gast Kaiser Franz Josefs in der öfterreichischen Hauptstadt. Am Abend des gleichen Tages refft der Kaiser nach dem österreichischen Kriegshafen Pola, wo er mit dem Erzherzog-Thronfolger Iranz Ferdi­nand zusammentrifft. In Pola geht der Kai­ser an Bord der .Hobenzollern" und trifft am zweiundzwanzigsten März in Venedig ein. Hier findet eine Zusammenkunft mit dem K ö - nig Viktor Emanuel von Italien statt, der eigens von Rom nach der Lagunenstadt kommt. Am fetoen Ta-z geht die »Hohenzol- lern" nach Korfu in See, wo die kafferliche Familie etwa vier Wochen verweilen dürfte.

Die Kaiserin wird die Reise nach dem Süden etwas später eintreten. Im Zusammenhang damit wird aus Wien gemeldet, daß Ver­handlungen zwischen Wien und Petersburg wegen eines Besuchs des Thronfol­gers Erzherzog Franz Ferdinand in Peters­burg im Gange sind.

Der Kampf hat begonnen!

Die ersten Zweitausend im Riesen-Streik.

Noch bevor offiziell der Ausstand erklärt worden ist, hat ein Teil der englischen Bergarbeiterschaft mit dem Streik b e- gönnen und die Arbeit niedergelegt. Sie begaben sich gestern früh bereits nicht mehr in ihre Arbeitsstätten. Besonders feindselig ist die Stimmung unter den Grubenarbeitern in Derbyshire, die lebhaft für den Ausstand eintreten und ihn zum Teil bereits ausgcführt haben. Indessen fahren die Grubenbesitzer fort, die Lage in langen Konferenzen zu bera­ten und und Mittel und Wege zu erwägen, wie her ttitischen Situation abzuhelfen sei. Ein Teil der Zechendirektoren soll zu Konzes­sion e n geneigt fein, lieber die augenblick­liche Lage wird uns berichtet:

London, 27. Februar.

(Pripa 1 - Telegramm.)

Ein Teil der englischen Bergarbeiter hat die Erklärung des Generalstreikes nicht abwarttn können. In der Grafschaft Alforton und Der­byshire sind gestern zweitausend Arbeiter in den Streik getreten. Sie haben zahlreiche Ver­sammlungen abgehalten, in denen die Lage eingehend besprochen wurde. Die Arbeiter sind voller Zuversicht, daß ihre Forderungen bald bewilligt werden. Die Arbeiter von Not­tingham haben beschlossen, heute ebenfalls in den Ausstand zu treten. Nachmittags fft Pre­mierminister Asquith nach London zurück- gekehrt und hat mit mehreren Mitgiedern des Unterhauses eine Unterredung abgehalten. Um fünf Uhr hielten die Besitzer der Berg­werke eine Versammlung ab, in der auch As­quith erschien, um das Ergebnis der Unterre­dung mit den Mitgliedern des Unterhauses mitzuteilen. Wie verlautet, sind alle Eini­gungsverhandlungen als gescheitert zu betrachten; trotzdem die Grubenbesitzer von England und Schottland prinzipiell zu einem M i n i m a l l o h n für die Bergarbeiter ihre Zustimmung erklärt haben.

Fermwirkimgerr der Strettgesahr.

(Privat-Telegram m.)

Aachen, 27. Febmar.

Mehrere Versammlungen der christlich- sozialen Bergarbeiter im Wurmrevier ha­ben zu der augenblicklichen Lage im deuffchen Bergbau eine Resolution angenommen, in der cs heißt: Einen Sympathiestreik zugun­sten der englischen Bergarbeiter lehnt die christ­liche Arbeiterschaft des Aachener Kohlenreviers ab, weil sie nur dann in einen Streik ein- treten will und kann, wenn der Streik im In­teresse der deutschen Bergarbeiter notwendig ist und Erfolg verspricht.

Kattowitz, 27. Febmar.

Der hiesige Berg- und Hüttenmännische Verein hat im Einverständnis mit einer An­zahl Grubenverwaltungen beschlossen, die von den Bergarbeitern gefordette fünfzehn- prozentige Lohnerhöhung abzulehnen, weil die Selbstkosten der Grubenverwaltungen so bedeutend gestiegen seien, daß eine Aufbes­serung der Arbeiterlöhne zurzeit ohne ernstliche Gefährdung der wittfchastlichen Interessen der Zechen untunlich erscheine. Für die nächsten Tage sind mehrere Bergarbetterversammlungen einberusen.

Paris, 27. Febmar.

Auch Frankreich ist von einem Kohlen- streik bedroht, jedoch wird dieser Ausstand nur viemndzwanzig Stunden dauern. Bei dem letzten Kongreß der Kohlenarbetter ist der Be­schluß gefaßt worden, am elften März eine Kundgebung wegen der Frage der Alters­versorgung in Form eines vierundzwan- zigftündigen Ausstandes zu veranstalten. Dieser Beschluß sollte geheim gehalten werden, ist je­doch gestern durch die Kohlengräber von St. Etienne in öffentlicher Sitzung bekannt gegeben worden.

Beirut nach der Kanonade.

Frankreich erhebt Vorstellungen in Rom!

Wie aus Konstantinopel berichtet wird, protesttert die türkische Regie­rung in einer Note an die Mächte unter Bezugnahme auf die Haager Konvention gegen das Bombardement von Beirut. Ein kaiserlicher Erlaß über die teilweffe Aus­weisung der Italiener ist gestem er­schienen. Die Pforte teilte den Ausweisuugs- befchluß offiziell mit. Nach einer offiziösen Mitteilung hat der ttirkische Botschafter in Paris namens feiner Regierung den franzö­sischen Ministern die Protestnote der Türkei überreicht und dabei erklärt, daß die den tür- kikchen Schiffen gewährte Lrilt .von jüeaniM

Minuten teilte billige Frist im Sinne bet Haager Konvention sei. Auf die Protestnote hin hat, wie verlautet, Frankreich erklärt, es habe seinen Boffchafter beauftragt, in Rom ernste Vor st eil ungen zu erheben. Ein französisches Kriegsschiff ist gestem in. Beirut angekommen. Hebet die Lage in ^Beirut wird uns gemeldet:

DreihKNdert Lote!

(Privat-Telegramm.)

Beirut, 27. Februar.

Die Regierung schützt Leben und Besitz der Europäer mit äußerster Energie. Ein einflußreicher Eingeborener, der hoch zu Pferde die Menge zu Frcmden-Massakcrs aufrcizte, wurde rücksichtslos von der Gendar­merie heruntergeknallt. Große Truppen­massen sind hier zusammengezogcn. Fünf Meter vom Lazarett entfernt fand man gestern ein riesiges, nicht explodiertes Geschoß und ins den Magazinen der deutschen Palästina- B a n k eine unkrepierte Granate. Es steht fest, daß die Italiener auch über die Stadt hin­weg scharfe Schüsse abgegeben haben. Selbst an den Abhängen des kleinen Libanon wurden Granatsplitter gesunden. Die Zahl der Toten wird nun auf dreihundert angegeben, darunter zweiundfüufzig von der Besatzung der türkischen Schisse.

Aufregung in EalonM.

(Privat-Telegram m.)'

Saloniki, 27. Februar.

Infolge des Bombardements von Beirut durch die italienischen Kriegsschiffe herrscht hier große Aufregung. Der Kriegsminister forderte sofort Berichte ein, ob im großen Kap Kara Burul alle angeordncten Verteidig guugsmaßregeln getroffen seien. Auch forderte er alle Offiziere aus, sich an ihre Plätze zu begeben. Der Kommandant des Forts be­richtete, daß alle Vorkehrungen getroffen seien. Die Behörden empfingen Instruktionen betref- send die unmittelbar bevorstehende Auswei­sung aller italienischen Staats­angehörigen aus der Türkei. Die Hast der türkischen Verteidigungsmatzuahmen deutet darauf hin, daß man in hiesigen politischen und militärischen Kreisen mit einem nahe be­vorstehenden abermaligen Handstreich der Italiener rechnet.

6ine Bluttat in Mel

Zwei Personen tot, eine schwer verletzt!

In den Abendstunden des gestri­gen Tages hat sich int Hause KSnigs- tor 36 eine furchtbare Eifer­suchtstragödie abgespielt, über die dieCasseler Neuesten Nach­richten" noch gestern abend in einem Extrablatt eingehend be­richteten. Der Bäcker Habicht erschoß seine zukünftige Schwieger­mutter, verletzte seine Braut lebensgefährlich und stürzte sich da«» aus dem Fenster des Hauses auf den Hof hinab. Er erlag nach kurzer Zeit seinen Verletzungen- Eine furchtbare Familientragödie, der bereits zwei Menschenleben zum Opfer ge­fallen sind, spielte sich gestern Nachmittag um fünf Uhr am Königstor im Hause Nr. 36, ge­genüber dem Polizeipräsidium ab. Im vierten Stockwerk des Seitenflügels des erwähnten Hauses wohnte eine in zweiter Ehe verheiratet gewesene Witwe, die Aufwärterin He n r i e tt e Schultheis und deren Tochter aus erster Ehe, die ledige Aufwärterin Elise Schrei­ber. Am Vormittag trugen beide, Mutter und Tochter, Brötchen, während sie für die übrige Tageszeit Aufwartungen übernommen hatten. Die Elise Schreiber hatte vor längeren Jahren mit dem Schlosser Paul Zweinich, mit dem sie auch zwei Kinder hatte, wovon nur noch ein Knabe am Leben ist, ein Verhältnis. Zweinich war vor etlichen Jahren von hier fort nach Rußland und später nach Zürich gegangen und ließ während feiner Abwesen­heit nichts von sich hören. Am Sonnabend nachmittag traf er plötzlich unerwartet in Cas­sel ein, teilte seiner Braut mit, daß er in Zü­rich ein Anwesen erworben hätte und bat sie, sich mtt ihm zu verheiraten. Beide wurden sich jedoch nicht einig, und Zweinich fuhr, nach­dem er noch Geld zurückgelaffen hatte, wieder ab mit dem Bemerken, daß er Ansprüche auf das Kind erheben würde. Während der Ab­wesenheit des Zweinich hatte sich die Elise Schreiber, da sie annahm, Zweinich werde sich doch nicht mehr um sie bekümmern, mit dem BäckerOttoHabicht, der früher auch hier in Cassel in der Waisenhausstraße ge­wohnt hat, verlobt. Habicht muß nun von dem Beluch in Kenntnis gesetzt worden sein und