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Caffeler Stecefte Rachrichte»

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Frieden gegen

jeden

mag.

.Wenn Sie schon nicht für den sind, so müßten Sie doch wenigstens den Krieg sein, wandte ich ein.

»Im Allgemeinen find wir gegen

Sei Frau Ar. Sunfatsen.

Di« Gattin des Revolutions-Chefs.

Man schreibt uns aus Loudon: Als sich der bekannte Führer der chinesischen Revolu­tion, Dr. Sunjatsen, von London nach Nanking begab, um hier als erster Präsident

.Mr gehen aber weiter, erklärte mir mit unerbittlicher Logik die Pacifistin.wir ver­urteilen ieden Krieg, nur nicht diesen Krieg gegen Tnpolis. Um diesen Krieg nicht zu toS urteilen, gehen wir von der Voraussetzung aus, daß es sich hier um einen Verteidigungs­krieg handelt. Denn nur Verteidigungskriege können wir Pacrsisten heute noch billigt. Wrr Italiener verteidigen uns nur «egen die Zurücksetzung, mit der man uns bisher in Europa behandelt hat. Und wir verteidigen uns speziell gegen die schlechte Behandlung, die unsere Landsleute in Nordafrika erdulden mußten, denn die Türken sind Barbaren.

.Gewiß, beeilte ich mich eingeschüchtert bei­zustimmen, .ist es aber verwunderlich, wenn ein Hund, dem man seinen Knochen entreißen will, beißen will? Soll man ihn dann noch dazu aufs Maul schlagen?

.Aber natürlich, man muß ihn einfach kul­tivieren. Bereits Christus sagt, wenn Dich jemand auf die rechte Backe schlägt, so reiche ihm auch die linke hin. Und das sollen auch die Nordafrikaner lernen.

Mir ging ein Lickst auf: .Sie wollen die Mohammedaner christianisieren. Die Türken sollen sich gute Manieren aneignen! Wann aber werden auf diese altruistische Weise die Christen selbst dazu kommen?

.Dafür kämpfen wir Pacifisten eben. Wie schon gesagt, wir kämpfen um den ewigen Frieden der Zukunft. WaS heute noch unmöglich ist, wird sich in der Zukunft glän­zend erfüllen.

»Und was verstehen Sie unter Zukunft? fragte ich in schüchterner Wißbegierde.

Bevor mir der hübsche Friedensengel ae- langweilt den Rücke» wandte, sah er mich mit­leidsvoll an, wie man einen unverbefferlichen Idioten eben betrachtet, und sagte: .Ja, wis­sen Sie denn nicht einmal, was die Zukunft ist? Das ist doch wirklich einfach genug: Zu­kunft ist alles, was .. . niemand erlebt!

Cnrt Bauer.

Rach einer uns aus Berlin zugehenden Meldung steht es nun fest, daß Herzog Adolf Friedrich .ü Mecklenbürg als Gouverneur «ach Togo gehen wird. Zum Gou- verneur für Deutsch-Ostasrika dürfte voraus- fnhtllch der Vortragende Rat im Reichskolo- malamt, Haber, ernannt werden.

. Die sozialdemokratische Frak- tron des Reichstags beantragt, die verbün- de^n Regierungen zu ersuchen, eine Revision des Beamten - Besoldungsgesetzes in dem Sinne vorzubereiten, daß eine ange­messene Erhöhung der durchaus unzulänglichen Bezüge der Unterbeamten eintritt.

Auch Bayern wird nun eine Präsiden­ten krise im Landtag haben, da das Zen­trum den Präsidenten und den Vizepräsiden­ten stellen will. Verschiedene Interpellationen stehen bereits zur Dehatte, von denen die eine eine Aenderung des Wahlgesetzes verlangt.

niemals habe ich auch nur einen Augenblick den Glauben an den Nutzen unseres Opfers, an dem Erfolg unserer Sache verloren. Ihre Philosophen meinen, daß Konstitutionen in längerer Entwicklung dem Volke gegeben wer­den müsse. Wir wollen nun zeigen, daß wir über Nacht Geltung erlangen können, und daß die Chinesen nicht die träge, leblose Masse dar­stellen, für die so manche sie halten. Und nach­denklich fügte sie hinzu: .Aber seltsam ist es doch, mit wieviel Zähigkeit die Menschen sich ihrem eigenen Glück widersetzen. Und sie sprach damit Worte aus, die die Erfahrungen eines Lebens in sich schlossen. . . -bd-

Wauderfahrten.

Sm .Mederhesstschen Touristenv-rcin" hielt gestern abend vor einer stattlichen Zuhörerschaft Enmnasiallehrer Muhr einen hochintereffanten Licht, bildervorttog überWanderfahrten durch Niederhessen und Waldech".

In ethnologischer Hinsicht kommen für das Wandergebiet von Cassel aus die Völker der Franken und Sachsen in Betracht, deren ver­schiedener Charakter in ihren Ansiedelungsar­ten zum Ausdruck kommt. Das sächsische Bauernhaus mit seinem mächtigen Gie­bel und breiten Tor ist der Straße zugekehrt und alle Räume für Menschen und Vieh sind unter einem Dach, das hoch und spitz gebaut ist, um auch die Erntevorräte aufzunchmen. Anders ist der fränkische Hof gebaut. In vier­eckiger Form stehen hier die Gebäude um den

Sie Politik des Tages. Achtzig Wahrproteste im Reichstag! Aus dem Reichstag wird uns berichtet: Die Mteilungen des Reichstages traten ge­stern zusammen, um die eingegangenen W a h l- pröteste auf ihre Zulässigkeit zu prüfen und dleienigen Mandate, gegen die Wahlproteste finb, für gültig zu erklären. Zwei Abteilungen konnten wegen ungenügen­der, Beteiligung nicht in Tätigkeit treten Im übrige» wurden achtzig Mandate der Wahlprufungskommission überwiesen, gegen die zulässige Proteste vorliegen. Die Wahlprü- fungskommiffion hat entsprechend der Verein­barung des Seniorenkonvents die Absicht, ein starkes Tempo in ihre Arbeiten zu legen und die von ihr behandelten Wahlprüfungen sollen

Beseitigung ergriffen hatten. Damals seien die Verbündeten Regierungen zu der Auffas- fung gekommen, daß eine zeitweilig« Aufhe­bung der Zölle auf Futtermittel grundsätz­lich bedenklich und nicht geeignet sein würde, die anerkannten Schwierigkeiten zu be­heben. Die Entwicklung der Dinge in den letzten Monaten sei aufmerksam verfolgt und immer wieder ist die Frage geprüft worden, ob

neue Wege eröffnet werde«

lich lächelnde Dame herein, noch jugendlich, liebreizend, mtt einem glücklichen Lächeln in ihren schwarze» Augen: Frau Sunjat- sen! Eine entzückende Erscheinung, von ei­nem lieblichen Charme umflossen, der man eine siebzehnjährige Tochter nicht ansehen würde. Der Oliventon des Teints, die großen, strahlen­den Augen, und das reiche, das Gesicht anmu­tig umrahmende schwarze Haar heben sich fein ab von dem Weiß des Gewandes. Und sie be­ginnt zu erzählen von ihrem Leben und von ihrer Liebe zu ihrem Manne und dem gro­ßen Opfer, das sie still und selbstverständlich dem Wohle ihres Vaterlandes gebracht. Sie hat ihren Mann nicht auf seinen Wanderungen begleitet. .Ich habe zwei Töchter, deren Erzie­hung ich mich widmen mußte, erklärte sie, .sie haben eine europäische Bildung empfangen Jahrelang hat mich bi<- Sache der Revo­lution von meinem Manne getrennt. Mein Eheleben war erfüllt mit ewigem Schrek- ken und stete» Beunruhigen. Von der Gefahr, der sein Leben ausgesetzt war, fiel

Krieg, vertraute mir die Dame an. .Im Be­sonderen jedoch sind wir, fügte sie feierlich hinzu, »wir Pacifisten für diesen Krieg. Und damtt fiihlte ich einen zweiten Rippen­stoß meinen Körper erschüttern.

.Was nützen mir alle Pacifisten, dachte ich, .heute, im Jahre 1912. Und ich fühlte mich dabei so recht als Türke. Der Friedensengel war über meine stillen Schlußfolgerungen un­gehalten. Er ließ sich herbei, mir mit einer eingehenden Erklärung unter die Arme zu greifen.

.Wir Pacifisten sind natürlich für den Frieden. Alle unsere werwollen Gedanken gehören der Zukunft, der Gegenwatt nur un­sere Faust. Denn die Gegenwatt ist ««nein.

.Abgesehen von den Pattfisten, ergänzte ich höflich .Schon Luther sagt, der Krieg sei gemein, aber als Mittel, der Zukunft den Ftteden zu gewähren, erlaubt. Das sagte Luther schon, bevor «s Pacifisten flab.*

müssten, um die durch die schlechte Ernte ent­standenen Schäden zu beseitigen. Er (der Staatssekretär) könne aber feststellen, dass seit dem vorigen Herbst eigentlich ni ch t s gesche­hen sei, was die Situation wesentlich ver­schoben habe. Die damaligen Darlegungen der Regierung hatten sich also als richtig er- wiesen. Der Staatssekrttär gibt dann eine Preisübersicht und stellt fest, daß im allgemei­nen die Preise sich wenig geändert haben. Ha­fer und Weizen sind hoch im Preise. Daß ein erheblicher Mangel an Kartoffeln besteht, be­streitet niemand. Von einer F l e i s ch n o i kann indessen zurzeit nicht die Rede sein. Eine Suspension des Maiszolles würde nur den Erfolg haben, daß das Geld in den Hän­den des Handels sitzen bleibt. Auch eine Her­absetzung des Gerstenzolles ist nicht notwen­dig, da der Zoll nur ein geringer ist. Eine Suspension würde auch i)ier preis stei­gernd wirken. Anders steht es mit dem Kar­toffelzoll, der ein Saisonzoll ist. Deshalb ha­ben wir vorgeschlagen, daß allein aus Bil­ligkeitsgründen für diejenigen Sen­dungen ausländischer Kartoffeln, die nach dem fünfzehnten Februar und bis zum dreißigsten April eingehen,

der Zoll erlassen wird.

Ein entsprechender Beschluß des BundeSrats wird morgen gefaßt werden. Abg. Herold (Ztt.): Auch wir beklagen die Teuerung, aber Parlament und Gesetzgebung sind daran nicht schuld. Die Aufhebung der Futtermittelzölle hätte keinen Zweck, denn den Nutzen hätten le­diglich das Ausland und der Handel Abg Arnstadt (Kons.): Die Futtermittelzölle kom­men nicht nur dem Großgrundbesitz zugute, sondern auch dem kleinen Bauern. An den hohen Kattofelpreisen ist allein die Dürre des letzten Sommers schuld. Abg. Wamhosf (Natl.): Nach den Ausführungen des Staats­sekretärs geben wir unsere Absicht, für die Herabsetzung des Mais- und Gerstenzolles einzutreten, auf. Mit der Suspendierung des Kartoffelzolles sind wir einverstanden Abg Stubbeiworf (Rpt.) stimmt den Ausführungen des Staatssekretärs in Bezug auf die Futter­mittelzölle bei. Abg. Dr. Will (Ztr., Els.) spricht sich ebenfalls für die Aufhebung des Kartofser- zolles aus.

Hierauf vertagt das Haus die W e i t e r b e- ratung der Jnterpellattonen auf Don n e r s t ag. Schluß: Fünf Uhr.

Kleines FenAeLsn.

Die Auffindung der Bibliothek Wilhelm von Humboldts. Auf Günthersdorf bei Neu- salz ist jetzt im Besitze des Herrn von der Lan- ken-Warenitz die Bibliothek Wilhelm von Hum­boldts aufgefunden worden. Humboldt hatte sie ursprünglich auf seinen Sohn Hermann ver­erbt. Der Fund förderte ein bisher verloren geglaubtes Werk Humboldts zutage, die bis zur Widmung ganz druckfettige Schilderung der baskischen Reise, die Humboldt im Jahre 1801 unternommen hat. Dank dem Ent­gegenkommen des Herrn von der Lanken-Wake- nitz wird die Handschrift in dem für Supple­mente bestimmten dreizehnten Bande der von der Berliner Akademie der Wissenschaften her­ausgegebenen .Gesammelten Schriften Wil­helm von Humboldts erscheinen.

-L Das deutsche Industrie-Museum in Ber­lin. Wie uns aus Berlin berichtet wird, trat gestern zum ersten Mal das Jndusttte-Museum vor die Oeffenilichkeit. Es soll die Aufgabe dieses Museums sein, das Verständnis für die Arbeit der Industrie über fachmännische Kreise hinaus zu fördern und in Berlin eine stündige Uebersicht über die Erzeugnisse der deutsche» Industrie zu bieten.

Caruso als Walzerkomuonist. Der große Tenor hat sich wieder einmal als Komponist betätigt. Im dritten Aft der Burleske .Die Million von Berr und Guillewand, die auch in Berlinetnen starken Erfolg hatte, singt der »^enor em Lied. Bisher war diese Rolle le- digltch als Karikatur aufgefaßt worden. Caruso nimmt sie ernsthaft und hat einen Walzer komponiert, den der Tenor zu singen bat ^er unterbiet der Carusoschen Schöpfung war in Rewvork ein Berliner. Paul S 6 $,.

Neuer Dom Tose.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichteu.l rrr Für fünfunddreitzigtausend Mark Ju­welen unterschlagen. Ein Hamburger Händler unterschlug Juwelen im Wette von fünfunddreißigtausend Mark und flüchtete dann. Die Hamburger Polizei nimmt an, daß er nach Amerika ausgewandert ist. Die Be­hörden haben alle Vorkehrungen getroffen, um ihn beim Eintreffen des Dampfers in New- York zu verhaften. Der Händler hatte die Ju­welen von einem Großgeschäst, mit dem er schon lange Jahre arbeitete, zum Verkauf über­nommen: man hatte deswegen in seine Ehr­lichkeit großes Vettrauen gesetzt.

ttx Feuer im Gasthaus. In dem Vorarl- bergischen Ort Rankweiler ist der Gasthof .Zur Traube mit den Wirtschaftsgebäuden während einer Festlichkeit niedergebrannt. Nach Mitternacht stürzte der von der ganzen Jugend des Ortes und der Umgegend angefüllte Tanz­aal ein. Zahlreiche Personen wurden dabei verletzt. Wie verlautet, sollen die Knechte eines Nachbardorfes den Gasthof aus Rache dafür, dass ihnen von den Rankweiler Burschen die Teilnahme an der Festlichkeit untersagt war, angezündet haben.

ax Die alte Geschichte . . . Im Park von Schönbrunn bei Wien wurde gestern ein Liebespaar tot aufgefunden. Es handelt sich um den sechsundzwanzigjährigen Dr. chem Paul Scheibe und seine Begleiterin Fräu­lein Emilie R ö m p l e r aus Wien. Beide hat­ten sich zuerst mit Zyankali vergiftet, dann er- choß Scheibe zuerst seine Geliebte und hierauf ich selbst. In einem hinterlassenen Brief wird eine unheilbare Krankheit Scheibes als das Motiv zur Tat angegeben.

iS Opfer der Flammen. Durch Selbstent­zündung entstand gestern abend in der

Penang, an der Westküste -er malayifchen Halb­insel. Man zerbrach sich damals den Kopf, warum wohl Sunjatsen den Umweg gemacht habe und was ihn nach dem idyllischen Eiland zog. Der englische Journalist William Maxwell hat nun das Rätsel gelöst: Seit mehr als einem Jahre lebt Sunjatsens Gattin mit ihren beiden Töchtern in Pe­nang unter dem Schutz der englischen Flagge. Maxwell hat Frau Sunjatsen einen Besuch ab- gestatttt und gibt von der Begegnung mit der Frau des Revolutionshelden eine anmutige Schilderung. Während die Augen der ganzen Welt auf ihren Gatten gerichtet waren, lebte die Dam« mit ihren Töchtern in tiefster Verborgenheit. In Penang war ihre Existenz niemand bekannt, mit Ausnahme von ein paar Revolutionsagenten. Was für eine Frau mochte sie sein, die Lebensgefährttn die­ses Mannes, der die Welt durchwandett hatte, um Sympathien für seine Sache zu gewinnen, auf dessen Kopf ein Preis gesetzt war, und der sich lange Zttt in London in tiefster Verbor­genheit gehalten hatte? Die Rikscha des Eng­länders hielt vor einem anmutigen Hause; ein nettes Mädel läßt ihn in einen gemütli­chen Raum eintreten, in dem um einen Teetisch Stühle stehen.

In einem weißen Gewand tritt eine freund-

Die teure Seit

Der Reichstag über Notstand und Teuerung.

Am Bundesratstische: Staatssekretär Dr. Delbrück und einige Kommissare. Auf der Ta­gesordnung stehen die beiden gleichlautenden Interpellationen der Volkspattei und der So­zialdemokratie über die Teuerung. Abg. Dr. Weudorff (Vp.) begründet die Interpella­tion der Volkspartei. Wir wollen praktische Politik, greifbare Erfolge erzielen, deshalb ha­ben wir uns auf das Erreichbare be- schränkt. In der vorigen Woche hat der Schatzsekretär in Sachen des Kartoffelzolles er­klärt, daß .Erwägungen schweben. Hoffent­lich sind diese Erwägungen inzwischen so weit gediehen, daß unsere Interpellation mit I a beantwortet wird. Der Redner gibt dann eine Darstellung der Gestaltung der Kartoffel­preise. Die Aufhebung des Kartoffelzolles biö zum ersten Mai ist eine absolute Not­wendigkeit. Auch die Landwirtschaft ist in erheblichem Maße Käufer von Kartoffeln. Die hohen Preise bedeuten also eine Verteue­rung ihrer Produktionskosten. Auch der andere Teil unserer Interpellation zeigt, daß wir nur das Erreichbare fordern, nämlich eine zeitwei­lige Suspendierung des Mais- und Futter- gerstenzolles.

Die zeitweilige Suspendierung der Futtermittelzölle wird die Viehhaltung heben. Der Redner verlangt schließlich zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche die Einführung von Laienausschüssen. Abg. Bock- Gotha (Soz.) begründet die Interpellation der Sozialdemokraten. Es gibt weife Strecken im Deutschen Reiche, wo die Leute von nichts an­derem als Kartoffeln leben. Dort ist eine Kattoffelteuerung ein Unheil; man ist in die­sen Gegenden schon beim niedrigsten Nah­rungsmittelsatz angekommen. Aber was küm­mert die Agrarier die Rot der kleinen Leute? Trotz der Not führen die Agrarier noch Kar­toffeln aus! Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück weist darauf hin, daß das Thema der Teuerung fchon im Herbst eingehend im Reichs­tag erörtert worden fei und daß schon damals die Verbündeten Regierungen alle durchführ­baren und zweckdienlichen Maßnahmen zur

Apostel der Friedens.

Ein Interview mit einerPazifistin".

/ (Von unferm Korrespondenten.)

Rom, im Februar.

Auch in Italien gibt es Pacifisten. Jawohl! Es klingt paradox, aber es ist so. Gestern hatte ich das seltene Vergnügen, einen solchen kennen zu lernen. Wir kommen auf den Tripolis - Feldzug zu sprechen.

.Ich bin Pacifist, sagte er.

.Wie ich mich freue, Ihre Bekanntschaft zu machen. Ich wollte ihn umarmen, er aber gab mir einen Rippenstoß; denn es war ...eine Dam«, die dem römischen Friedenskomitee angehört.

.Verzeihen Sie, stammelte ich verwirrt, .ich dachte, wir wären im Paradiese.

.Noch nicht sagte die Pacifistin und 6er« tröstete mich auf fpäter. .Erst müssen wir die Türken totschießen.

.Ich denke. Sie sind für den Frieden?'

.Gewiß, gewiß . . . sobald wir die Türken erledigt haben. Alsdann wird es wirllich die höchste Zeit sein für den ewigen Ftteden, da­mit uns keine Macht mehr an der wichtigen Kulturarbeit im eigenen Lande zu stören ver­

dau» möglichst sofort vom Plenum er­ledigt werden.

Seine Verfaffungs-Aenderung!

Wie »ns aus Berlin gemeldet wird, hat der Antrag der liberalen mecklenburgischen Abgeordneten auf Äenderung der Verfassung dahingeherK», daß jeder Bundesstaat einen Landtag besitzen muß, der aus allgemei­nen Wahlen hervorgegangen ist, keineAus - sicht auf Annahme durch den Bundesrat. Die ablehnende Haltung des Bundesrates gründet sich darauf, daß das Deutsche Reich, dessen Chaiatter als Bundesstaat durch die Verfassung festgelegt ist, kein Recht und keine Macht besitzt, i» die inneren Angele­genheiten der Bundesstaaten einzugreifen. Was insbesondere Mecklenburg betrifft, so ist auf ähnliche Initiativanträge hin schon mehr­fach eine gleichlautende ablehnende Erklärung seitens der Reichsregierung abgegeben worden.

, Nr. 67. 2. Jahrgang. >

von dem in dem mecklenburgischen Wahlkreis neu gewählten Abgeordneten Dr. Weu- d o r f f, der als pommerischer Rittergutsbe- sitzer in besonderem Maße zur Behandlung dieser Frage kompetent war. Der liberale Großgrundbesitzer zeigte sich in feiner Jung­fernrede als ein äußerst geschickter Redner und, obwohl er sich im allgemeine» an fein Thema hielt, ließ er es doch nicht an scharfen Seiten­hieben gegen das Agrariettum fehlen. Die so­zialdemokratische Jnterpeklation begründete Genosse Bock- Gocha, der jetzt nach unfrei- williger Pause dem Hause -wieder angehört. In seiner Antwott legte der Staatssekretär Delbrück dar, daß seit der Debatte im Herbst vorigen Jahres sich wenig geändert habe und daß die Regierung auf ihrem damals geäu­ßerten Standpunkte verharr em müsse. Zu weitern Maßnahmen könne sie sich nicht ent­schließen, als lediglich zur zeitweiligen Suspension des Kartoffelzolles, eine Mittei­lung, die vom Hause mit Beifall aufgenommen wurde. Die Suspension von Lebensmittelzöl­len wies der Staatssekretär mit der Begrün­dung zurück, daß davon nur die Spekula - t i o n Nutzen haben würde, nicht aber die in Frage kommenden Kreise. Die sich anschlie­ßende Debatte, die im großen und ganzen (tote überhaupt die gestrige Verhandlumg) ziemlich ruhig und sachlich geführt wurde, brachte we­nig neue Momente. In der Hauptsache stimm­ten die Redner der angekündigten Regierungs­maßnahme zu. Die Erötterung wird am Don­nerstag fortgesetzt werden. -as-

___________________Freitag, 23. Februar 1912. Uerdknger Baumwollspinnerei, Aktiengs- sellschast in Uerdingen a. Rh. ein verheerender Brand. Die ganze Fabrikanlage stand im Au­genblick in Flammen. Die Ausgänge waren verqualmt, sodaß die Arbeiter und Arbeiterin­nen nur mit großer Mühe sich retten konnten. Man befürchtet, daß drei Personen in den Flammen umgekommen sind. Zwei Personen wurden schwer verletzt. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Alle Fabrikgebäude brann­ten vollständig nieder. Der angerichteie Scha­den ist sehr groß, jedoch durch Versicherung gedeckt.

»r Ein General als Spion? Ein Mai­länder Blatt will wissen, die italienische Re­gierung habe erfahren, daß ein türkischer Ge­neral (!) von Brindisi nach Mailand reiste. Sie ließ darauf mehrere Karabinier in den Zug steigen und bei der Ankunft in Bologna den tückischen General, der unter­wegs Aufzeichnungen gemacht hatte, verhaft ten. Der Name des Verhafteten (es soll sich um einen ganz bekannten Offizier handeln) wird von den italienischen Behörden geheim gehalten.

tx: Ein Zusammenstoß auf der Newyocker Hochbahn. In der Stunde des stärksten Mit­tagsverkehrs ereignete sich gestern auf der Hoch­bahn in Newyork ein fchwerer Unfall. In­folge falscher Weichenstellung stießen zwei Hoch­bahnzüge zusammen. Beide Züge gerieten in Brand, und es enstand eine furchtbare Panik. Vierzig Personen wurden beim Verlassen der Wagen mehr oder minder schwer verletzt, einige von ihnen sind im Krankenhause ihren Ver­letzungen erlegen. Die schuldigen Beamten wurden verhaftet.

Der Winter im Osten und Westen. In der Nacht zum Mittwoch wies das Thermo­meter in Petersburg dreißig Grad Celsius unter Null auf. Tagsüber durchstreifen berit­tene Polizeipatrouillen die entlegenen Stadt­teile. Eine Anzahl Personen wurde mit er- rorenen Gliedmaßen aufgesunden. Vier Per- onen sind der Kälte zum Opfer gefallen. Die Polizei errichtet Wärmesiuben für Obdachlose. In allen Straßen brennen Feuer. . . . Auch aus Nordamerika kommen ähnlich lautende Nachrichten. Der Südwesten der Vereinigten Staaten wird von Wirbelstürmen heimgefucht. Gleichzeitig fällt viel Schnee und es herrscht eine grimmige Kälte.

t» Wieder eine Eisenbahn Katastrophe. In dem Hoosac-Tunnel in Massackusets in den Vereinigten Staaten von Amerika, dem längsten amerflanischen Tunnel, ist es zu einem Zusammenstoß zwischen einem Personenzug und einem Güterzug gekommen. Heftiges Feuer und schwere Explosionen machen es un­möglich, bl8_ zur Ungluckssielle vorzudringen, und die Behörden glauben, daß das vor Sonn­abend oder Sonntag nicht gelingen wird. Bis dahin ist der Verkehr unterbrochen. So weit bis jetzt bekannt ist, sind vier Personen getötet und siebzehn Güterwagen zerstött worden.

die vorläufige Regierung der neuen Republik _____ , __________ _

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