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Hessische Abendzeitung
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Nummer 66.
Fernsprecher 951 uufe 952.
Donnerstag, 22. Februar 1912.
Fernsprecher 951 und 952.
2. Jahrgang.
Mnder-KraMeiten.
Randglossen zur jüngsten Tages-Geschichte.
Es gibt auch in der Politik so etwas wie eine Aschermittwoch-Stimmung, und es ist sicher, daß diese Gemüts-Depression sich unfehlbar nach dem wildesten Ereignis-Wirbel einzustellen pflegt. Diese Aschermittwochs- Stimmung wird vermutlich auch den Kanzler bedrücken, wenn er die muntre Flut des Geschehens der letzten Woche prüfend am Auge vorüberziehen läßt. Daß der neugewählte Reichstag mit wilder Erbitterung um sein Präsidium rang, hätte einen klugen Pfleger des Staatsgeschäfts nicht erhitzen dürfen, denn auch von diesem grimmigen Hader galt der weise Erfahrungssatz, daß der lächelnde Dritte vom Streit der Leidenschaften stets den besten Gewinn heimträgt. Herr von Bethmann Hollweg konnte dem Kampfgetümmel mit philosophischer Gelassenheit zuschauen, und als gewiegter Geschäftsführer des Reichs (der aus den Handel mit den Parteien nun doch einmal nicht verzichten darf) die Erfahrung in praktische Nutzanwendung umwerten. Je kühler sein Kopf blieb, um so schätzbarer hätte der Gewinn sein können, den man schon deshalb nicht bescheiden hätte abzumesscn brauchen, weil der Kanzler als Erprobter der philosophisch-psychologischen Schule sich jedenfalls schon am Abend des fünfundzwanzigsten Januar (am letzten Stichwahltag) sagen mußte, daß es kein Sonntagvergnügen sein werde, dies Parlament der ungeahnten Möglichkeiten unter den Fittichen eines Präsidiums zu einen.
Herr von Bethmann indessen dankte für den Gewinn: Er ging hin ins Haus Wallots als ein grollender Prediger der Buße, und seine Worte züngelnte» wie drohende Flammenzeichen vom Deichwall der Rechten bis zum hintersten Winkel der Linken. Posadowsky's englisches Ideal vom „Kanzler auf dem Zaun" wurde deutsche Wirklichkeit, allerdings in einer anderen Gestalt, als sie dem Naumburger Domherrn vorgcschwcbt haben mochte. Achtundzwanzig Jahre früher, als der Reichstag noch im alt-bescheidnen Heim sich seines Daseins freute, und in der Regierungsbank in mäßigen Intervallen des eisernen Kanzlers Küraflierstiefel polterte, sprach an der Stelle, an der heut Herr Theobald von Deichmann Hollweg steht, der Fürst Otto von Bismarck, als aus dem Hohen Hause ein Seufzer schmerzlicher Bedrängnis über das Anschwellen der „roten Flut" zur nisdern Decke emporstieg: .... Ich bin über die Vergrößerung der Mandatsziffcr der äußersten Linken gar nicht so unglücklich. Je g r ö ß e r das par- ämentarische Heer der Sozialdemokratie wird, aesto mehr wird ihr die Ehrenpflicht obliegen, baldigst mit positiven Plänen hervorzutretc», und zu sagen, wie in ihren Köpfen die Zukunft der Welt und die Verfassung sich gestalten. Bisher sind Sie (zur äußersten Linken gewandt) damit im Rückstand geblieben. Sie sind jetzt fünfundzwanzig; das zweite Dutzend haben Sie also. Ich will Ihnen noch das dritte geben. Wenn Sic aber Sechsunddreißig sind, erwarte ich, daß Sie den vollen Plan zu einer Verfassung, wie sie fein soll, entwerfen werden. Sonst glaube ich, Sie können nichts Herr von Bethmann Holl- weg hat (achtundzlvanzig Jahre später) andre Worte gefunden. Und man hat nun die Wahl, zu entscheiden, wer der größere, weisere und erfahrenere Staatsmann ist: Der erste oder ber fünfte Kanzler!
Die vom Reichstag erkorne Präsidentschaft hat auch in zeremonieller' Hinsicht keine Gnade vor des Kanzlers Auge gesunden. Herr Bebel hat am Montag im Reichstag mit um- ständlicher Feierlichkeit dagegen protestiert, daß in der Presse das Märletn auftauchen konnte, er habe auch' nur an die Möglichkeit der Erfüllung höfischer Repräfentationspflichten durch den Fraktionsgenoffen und Präsidialerwählten Scheidemann gedacht. Es bleibt «kso beim Alten: Die Herren auf der äußersten Linken flüchten aus dem Saal, wenn der Mann auf dem Präsidentenstr-hl sich anschickt, ein Kaiserhoch vorzubereiten, oder um stille Teilnahme beim Heimgang irgend einer Hochgebornen zu bitten. Man wirds zu ertragen wiffen, und es wäre nur fatal, wenn irgend ein arger Zufall es einmal fügen würde, daß Herrn Scheide- rnann die Aufgabe zufiele, eine „Todsünde" Wider die Parteicheiligkeit zu begehen. Alle par- teimoralischcn Perücken würden sich in hellem Entsetzen sträuben! Im übrigen triumphiert indessen auch hier die ausgleichende Gerechtigkeit: Herr Scheidemann mag nicht zu Hofe gehen, und der Kaiser mag (auf des Kanzlers Rat), kein Präsidium empfangen, dessen einer
Teil eigensinnig auf einem Prinzip verharrt, das anderwärts längst als verblichner Ladenhüter ausrangiert wurde. In diesem Falle triumphiert allerdings nicht der „Zopf der Wrl- helmstraße", sondern das Zopfprinzip der Sozialdemokratie, die hier in sichtlich erheiternder Form demonstriert, daß sie sich trotz ihrer hundertzehn ParlamentSstüchle vom bockbeinigen Jsolierschemelchen nicht trennen mag.
Das Echo der Freitagrede des Kanzlers im Reichstag trug gestern eine Stimme aus England zu uns herüber, die hoffentlich Herrn von Bethmanns Ohr nicht verfehlen wird. Die Londoner „Daily News" (eines der wenigen englischen Blätter, deren Spalten eine aufrichtige Sympathie für Deutschland und die Deutschen durchweht) nannten die Bethmann- Predigt im Reichshaus „eine seltsame Kapu- zinade, die viereinhalb Millionen Wähler aus dem Gehege guten Willens hinaustreibe". Wenn der Kanzler glaube, daß er dadurch die Entwicklung der Dinge Niederhalten könne, daß er sich auf das Sicherheitsventil fetze und einige Fragmente von sozialen Reformen herausbringe, so fei er in Deutschland jeden, falls der einzige Mann, der dieser frommen Hoffnung heut noch lebe, denn das deutsche Volk fühle sich« viel zu sehr erwachsen, um sich noch immer als Herde behandeln zu lassen. In dem Land, das dem Vorabend des deutschen Parlaments - Aschermittwochs dies harte Urteil sand, hat der Parlamentarismus seine älteste Heimstatt, und es kann also nicht Wundern, daß man dort die Kinderkrankheiten, die unser politisches Leben in Fieberschauern erzittern lassen, als Ausflüsse p o - litischer Unkultur wertet, die zur allgemeinen Kulturhöhe deutscher Art in einem sträflichen Gegensatz stehen. Vielleicht aber sind diese Kinderkrankheiten auch nützlich und notwendig, etwa wie die Masern, die ja auch nicht lieblich sind, und die trotzdem als ein notwendiges Uebel ertragen werden müssen. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, gewinnt sogar des Kanzlers düstre Kapuziiiade ein freundlicheres Gepräge, und man denkt am Aschermittwoch froh des Frühlings, der nun nicht mehr ferne . . .! F. H.
HrmdertMUg 3-ttiaM.MrrSge.
Die „Antrags-Hochflut" im Reichstag.
Site UN« au« dem Reichstag mitgetettt wird, ist gestern die letzte Serie der gnidetimmtrlge imReichStage eingebracht worden, die Zahl der bisher eingebrachten Initiativanträge beläuft stch auf hundertfünfzig. Von den neuen Lnitiattranträgen feien noch folgende erwähnt: Dke Zentrums-Fraktion
beantragt zum Schutze des Wahlgeheimnisses einen Gesetzentwurf, der im Wahlgesetz für den deutschen Reichstag die vorsätzliche Verletzung des Wahlgeheimnisses durch Mitglieder des Wablvorstandes mit Krimi nalst ras en bedroht. Weiter bean- tragt das Zentrum zur Linderung der Leutenot in der Landwirtschaft Maßnahmen zu treffen, die dahin gehen, die Ansiedlung von Militäranwärtern auf dem Lande durch Ausgestaltung der Zivilversorgung zu erleichtern.
Dir Fortschrittlich« Volkspartei
hat einen Antrag aus Annahme eines Gesetzes betreffend die Aenderung der Strafprozeßordnung eingebracht, der sich in der Hauptsache mit der Einrichtung von Ju- genfeg reichten und dem Verfahren gegen Jugendliche beschäftigt. Zwei weitere freisin- nige Anträge verlangen die Vorlegung eines allgemeinen deutschen Auslieserungs- g e s e tz e s und die Gewährung des Koalitionsrechts für die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter und das Gesinde.
Die Fraktion der Polen
hat allein nicht weniger als einundzwanzig Jnittativanträge eingebracht, die sich meist aus sozialpolitischem Gebiete bewegen und zum Teil mit den sozialdemokratischen Forderungen übereinstimmen. Ihre "weiteren Anträge wollen Wahlbeeinslussungen unter Strafe stell?», das Recht der Ausländer gesetzlich regeln, die Altersrente schon bei Vollendung des sechzigsten Jahres gewähren, den Sprachenparagravhen aufheben und den Ausschank von Branntwein an Sonntagen unter- sagen.
Die Wirtschaftliche Vereinigung
hat in Form von Anträgen zwei vollständiz ausgearbeitete Gesetzentwürfe eines Arbeitskammergesetzes und eines Kauf- m a n n s ka m m e r g e s e tz e s eingebracht, die nut einer eingehenden Begründung versehen firtfc. Schließlich haben auch die elsaß-lothringischen Abgeordneten einen Antrag eingebracht, in dem sie Abänderungen des Verfassungsgesetzes für Ersatz-Lothringen beantragen, ferner Abänderungen von Bestimmungen über die Entschädigung der Bundesstaaten für die Kosten der Erchebung
und Verwaltung der Zölle im elsaß-lothringischen Sinne.
Am Vorabend des MMonenßreiks.
Der Grubenarbeiterstreik in England.
Es scheint nun endgültig alle Hoffnung geschwunden zu sein, den für den ersten März in Aussicht genommenen englischen M illtone nst re ik zu verhüten. Die Verständigungskonferenz zwischen den englischen Grubenbesitzern und den Vertretern der Grubenarbeiter, die gestern in London tagte, verlief fruchtlos. Die Besitzer legten den Arbeitervertretern ihre Bedingungen vor, unter denen sie bereit seien, einen Mindestlohn im Prinzip anzunehmen. Die Arbeiterdelegierten schlugen jedoch diese Bedingungen glatt aus, worauf die Verhandlungen als resultatlos abgebrochen wurden. Es wird uns darüber berichtet:
Loudon, 21. Februar.
(Privat-Telegramm.)
Die gestrigen Konferenzen zwischen den englischen Bergwerksbesitzern und den Vertretern der Bergarbeiter, denen auch die Regie- rungsvertreter beiwohnten, mußten um sechs Uhr abgebrochen werden, da eine Verständigung nicht zu erzielen war. Der Generalstreik der Bergarbeiter muß also als Tatsache angesehen werden. Die Regierung hat alles aufgeboten, um sowohl die Vertreter der Arbeitgeber als auch der Arbeiter zum Nachlassen zu bewegen, alle ihre Bemühungen sind jedoch erfolglos geblieben. Gestern nacy- mittag fand ein Kabinettsrat über die Kohlenkrise statt. Das Resultat ist noch nicht offiziell bekannt gegeben, doch behaupten die Abendblätter, die Regierung habe int Falle des Fehl- schlagens der Konferenz zwischen Besitzern und Arbeitervertretereine Intervention beschlossen. Die Gewerkschaften der Bergleute suchen Papiere, in denen ihre Streikfonds investiert sind, zu lombardieren, werden aber ab- gewiesen. Premierminister Asquith übersandte den Vertretern der Grubenbesitzer und den Grubenarbeiterverbänden eine briefliche Aufforderung zu einerVerftändigungskonferetrz.
Sie LeffmWchkeit für die Arbeiter!
(Privat-Telegram m.)
Wie uns weiter aus London berichtet wird, drückt sich die öffentliche Meinung in entschiedenem Sinne zugunsten der Grubenarbeiter in dem drohenden Konflikt mit den Arbeitgebern aus. Auch die B e h ö r - den scheinen die Forderungen der Arbeiter für gereckte zu halten. Die Behörden der großen Städte, die Handelskammern und die sonstigen Handelsverbände haben an die Regierung das Ersuchen gerichtet, energisch auf die Beile, gu ng des Konfliktes hinzuwirken. Die „Westminster Gazette" gibt den Grubendirektoren den dringenden Rat, nid’t in ihrer gefährlichen Haltung zu verharren. Jnzwifchen machen stch bereits jetzt schon die Vorzeichen des Ausstandes unangenehm bemerkbar. In den Gruben von Süd-Wales sind die Vorkehrungen für den Streik getroffen worden. Auf vielen Zechen werden die Grubeneingänge von Mauern umgeben, um den Zugang unmöglich zu machen, da die Ausständigen versuchen werde», die Schachteinrichtungen zu demolieren.
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Massenversammlungen im Ruhr-Revier!
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Bochum: Hier hat gestern eine neue Konferenz von Bertretern der an der Lohneingabe beteiligten Bergarbeiter-Verbände statt gefuttben, in der zu der Antwort des Zechenverbandes Stellung genommen und über die weiter einzufchlagendeu Schritte Beschluß gefaßt wurde. Ueber das Ergebnis der Beratungen wird noch Stillschweigen be. wahrt. Am nächsten Sonntag finden im Ruhr- Revier eine Reihe von Masfenversamm- lungen in der Bergardeiter-Lohnfrage statt.
6m Tag in Agram.
Stndentendemonstration im National-Theater. (Privät-Lelegramm.)
Agram, 21. Februar.
3nt hiesigen Nationaltheater kam es gestern nachmittag zu einer großen Demo» st ra. tton seitens der kroatischen Studenten. Bei der gestrigen Rachmittags-Vorstel- lung^waren fast sämtliche Sitze und Sogen von feen Studenten besetzt. mrt> diese verlangten stürmisch, daß feie Vorstellung zum Zeichen der Trauer anläßlich des bei den Sonntag-Demov- strationen verletzten Studenten Sahinagir abgesagt werde. Als die übrigen Theaterbesucher den Grund feer Kundgebung erfuhren, schlossen sie sich feen Studenten an, indem mehr als die Hälfte vvn ihnen freiwillig fers Theater verließen. Der Führer feer Studenten begab sich darauf zum Thrarerintendante». mit feem er längere Zeit konferierte. Das Resuftat
feer Unterredung war, daß der Intendant sich enffchloß, feie Vorstellung abzusagen. Der Intendant ersuchte aber die Studenten, wenigstens die Abendvorstellung zuzulass^n. Die Stu- deuten lehnten dies jedoch ab. Sie zogen dann demonstrierend und unter Absingunz von Liedern durch feie Straßen, wobei es zu mehreren blutigen Zusammenstößen mit feer Polizei kam. Ein Student wurde verhaftet, und verschiedene der Demonstranten wurden durch Säbelhiebe verletzt. Nicht nur in der Studentenschaft, sondern auch in feer Be- vöflerung ist die Erbitterung gegen feie Polizei wegen der blutigen Vorgänge am Sonntag sehr groß.
Notizen vom Tag;.
Die Erneuerung des Dreibunds. (Privat-Telegramm.)
Wien, 21. Februar.
Der Depeschenwechsel zwischen dem neuen Minister des Aeußern, Grafen Berchthold, und dem italienischen Außen-Minister, San Giuliano, wird hier allgemein als Bestätigung dafür aufgefaßt, daß die Erneuerung des Dreibund-Vertrages in allernächster Zeit zur T a t f a ch e werden wird. EL wird auch jetzt bekannt, daß zwifchen Graf Aehrenthal und feem Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand bald nach dem Rücktritt des Generalstabs-Chefs, Freiherrn von Konrad, eine bedeutsame politische Aussprache über die Notwendigkeit der Erneuerung des Bundes mit Italien stattaesunden hat. Die ge- .änderte Anschauung des Erzherzogs über die internationale Lage und des österreichisch-ungarischen Staatsintereffes haben feie wegen Erneuerung des Dreibundes eingelefteren Verhandlungen mit Italien wesentlich erleichtert. Wie verlautet, kommt der neue Bündnisvertrag auf einer weferttlich geänderten und dem Interesse feer drei beteiligten Mächte besser entsprechenden Grundlage zustande.
Smmer noch: Stewart!
(Telegraphische Meldung.) -
London, 21. Februar.
Im Unterhaus fragte gestern der Unionist Hunt, ob die Regierung mit Rücksicht auf die Beschaffenheit feer Zeugenaussage in dem letzten Spionageprozeß des britischen Untertanen Stewart vor dem Reichsgericht in Leipzig in freundlicher, nicht formeller Weise sondieren wolle, um eine neue Verhandlung ober eine Revision des Verfahrens von ber deutschen Regierung zu erlangen. Sir Edward Grey ertoiberte: Es würde für die britische Regierung ganz zwecklos sein, den Versuch zu machen, in dieser Sache amtliche Schritte zu tun. Der Liberale King richtete an feen Ministerpräsidenten Asquith die Anfrage, ob die Aufmerksamkeit auf den Unterschied der Behandlung gelenkt worden sei, die den Spionen Deutschlands und Englands zuteil würde, ob er wisse, daß die Spionage in Deutschland eine leichtere Behandlung unter weniger entehrenden Bedingungen nach sich, ziehe als in England, und ob er nicht auf dem Wege der Ge- setzgebnng eine ähnliche Behandlung in England einführen wolle. Asquith erwiderte in ablehnendem Sinne.
Mailand, 21. Februar. (Privat- telegramm.) Prinz Hatzfeld, der deutsche Bevollmächtigte in Kairo, ist plötzlich nach Berlin abgereist. Man nimmt an, daß er bei den deutsch-englischen Besprechungen mitwirken soll, da er ein sehr guter Kenner der politischen Lage Aegyptens ist. ES scheint demnach, daß auch feie ägyp- t i s ch e F r a g e bei den Besprechungen erörtert werden soll. .
ssiire neue PrSMal Krise?
Die gestrige Sitzung des Reichstags.
(Von uuserm parlamentarischen Mitarbeiter.)'
Der gestrige letzte Tag feer ersten Etatsle- fung im Reichstag brachte noch ein wenig unerquickliches Nachspiel. Schon in ber vorgestrigen Sitzung waren zwischen den Abgeordneten P a a s ch e und Bebel über die Tragweite der von der Sozialdemokratie zur Präsidentenwahl abgegebenen Erklärungen Meinungsverschiedenheiten entstanden. Die Darstellung Dr. Paasches, wonach Bebel er- klärt haben sollte, daß der sozialfeemokrattsche Vizepräsident im Falle der Behinderung des Präsidenten auch zu Hose gehen und ein Kaiserhoch ausbringen würde, war von diesem bestritten worden. Gestern nun erstand Paasche in der Person des Abgeordneten Dr. Schiffer, (ber die Verhandlungen mit feen Sozialdemokraten zum Teil geführt batte) ein: Eideshelfer. Abgeordneter Schiffer legte den Tatbestand noch einmal ausführlich bar, und bezog sich habet auch auf eine fcherzhafte Aeu- ßerung Bebels, worin biefer erklärt habe, es könne natürlich Vorkommen, daß der sozia'lde- mokrattfche Vizepräsident im entscheidenben Augenblick „an Darmverschlingung erkranke". Der Abgeordnete Bebel- 4Ua\