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Nr. 63.

ZweiterZahrgang.

COlerMMMMtkR

1. Beilage.

Sonntag, 18, Februar 1912.

Die große Rede des Kanzlers.

Der Reichskanzler gegen den Liberalismus und die Sozialdemokratie; eine neue Mahnung zur Sammlung!

Das Parlament am Berliner Königsplatz hatte gestern seinen wirklich großen Tag: Eine Kanzlerrede von ausgesprochen po­litisch - programmatischer Bedeutung! Schon frühzeitig war gestern Herr von Bethmann Hollweg im Reichstag erschienen, was darauf pindeutete, daß er seinen vorgestrigen kurzen Darlegungen über die Beziehungen zu England eine Rede über innere Politik werde folgen las­sen, und man täuschte sich in dieser Hinsicht nicht. Zuerst kam ein Mitglied des Hauses, Herr von Payer, zum Wort, den auch der Gegner wegen seiner witzigen Redeweise, die aber nie der Vornehmheit entbehrt, gerne hört. Er polemisierte namentlich gegen die Rechte und begründete das Verhalten seiner Partei während der Präsidialkrisis, indem er betonte, daß man jetzt die Sozialdemokraten zu praktischer Mitarbeit zwingen könne. Nach ihm erhob sich Herr von Bethmann Hollweg, und aufmerksam lauschte das ganze Haus. Der Kanzler begann mit einer kleinen Philippika gegen die Konservativen, wegen deren Haltung in der Frage der Erbschaftssteuer, und betonte, daß er umnöglich diese Haltung habe vertei­digen können, nachdem die Reichsregierung ge­rade auf die Durchdringung der Erbschafts­steuer den größten Wert gelegt habe, und die Aussicht vorhanden war, daß man wieder auf sie zurückkomme« könne. Dann aber fetzte eine scharfe Polemik gegen die bürger­liche Linke ein wegen ihrer Haltung zur Sozialdemokratie, und der leitende Staats­mann gab dem Bedauern darüber Ausdruck, daß auf folche Weife die Grenze zwifcheu der bürgerlichen Linken und der Sozialdemokratie verwifcht werde und allgemeine Verwirrung im Bürgertum entstehe, mit dem Erfolg, daß die Sozialdemokraten die lachenden Erben feien. Die Rede des Kanzlers, die stellenweise von einer sichtlichen Erregung dnrchztttert war, weckte rechts im Hause lebhaf­ten Beifall, während auf der Linken die Unruhe und der Lärm mitunter fo stark wurden, daß des Kanzlers Worte in dem herrfchenden Tu­mult förmlich untergingen. Die »Sensation des Tages" reflektierte ihre Lichter und Schat­ten bis in die letzten Reoen, und als um sechs Uhr die Wetterberatung des Etats auf Mon­tag vertagt wurde, bildeten sich »och in den Wandelgängen lebhaft bewegte Gruppen von Abgeordneten, in deren Mitte das Ereignis des Freitags:Bethmann's Erstarkung" eifrig besprochen wurde... -ir-

Jer Kanzler im Reichstag.

Reichstagssitzuug vom sechzehnten Februar.

Am Tische des Bundesrats: Reichskanzler von Bethmann Hollweg und die Staatssekre­täre. Die Generaldebatte zum Etat wird fort- ee,e&e. von Payer (Bpt.): In Bezug aus die Gesundung der Finanzen ist die Thronrede un- berechttgt optimistisch. Das Ergebnis der Wahlen hat unwiderleglich erwiesen, daß die weit überragende Mehrheit des deutschen Vol­kes die Polittt der letzten Jahre verurteilt hat. Die agrarisch-konservative Mehrheit ist im Rückgang. Die privilegierte Stellung der Kon­servativen ist verloren gegangen, der Glaube an ihre Ueberlegenheit ist dahin, er wird nie seine Auferstehung feiern. (Sehr gut! links.) Auch wir bedauern das Anwachfen der so­zialdemokratischen Mandate, aber jetzt wird die Sozialdemokratte zur prakit­sch euArbeit gezwungen. Die Rede Franks war allgemein demokratisch. (Sehr richtig!) Welches sind die Usssachen der sozialdemokrati­schen Erfolge? Die allgemeine Verbitte­rung über den Mangel an Rücksichtnahme aufs Volk! Und das Schlimmste ist di« dau­ernde Steigerung der Lebensmittel-

Preise. Die Rechte hat die Sozialdemokratie mtt ihrer egoistischen Polittk gezüchtet. Redner verweist dann auf die Anttäge seiner Partei, die er im einzelnen begründet.

*

Sie Rede des Kanzlers.

Nach dem Abgeordneten von Payer nahm der Reichskanzler das Wort zu folgenden Ausführungen: Ich will mich darauf beschrän­ken, die Stellung der verbündeten Regierungen zu den Wahlen und ihren Ergebniffe« dar­zulegen. Die rückwärts gerichteten Vorwürfe gegen die Regierung halte ich für ungerecht. Ich habe die Notwendigkeit des Zustandekom­mens der damaligen Finanzreform be­tont. Gegen unrichtige Darstellungen über die Finanzreform ist auch Front gemacht worden. Eines habe ich nicht getan: Ich habe die Art und Weise nicht verteidigt, wie sich die Kon- servattven und das Zentrum damals gegen die Erbansallsteuer festgelegt haben. (Lebh. Beifall links.) Wie hätte ich das auch machen fallen, nachdem die Verbündeten Regierungen mit besonderem Nachdruck gerade diese Steuer gefordert hatten und angesichts der Möglichkeit, daß das Reich auf die Steuer zu­rückkommt? (Zustimmung links.) Der Ab­geordnete Speck hat gestern von einer Brüs­kierung der Parteien gesprochen, die diese Steuer abgelehnt haben. (Lachen links.) Das ist ein sehr starkes Wort, hinter dem sich Wünsche verbergen, die ich nicht anerkennen kann. Die Regierung bringt ihre Vorlagen nach sachlichen Gesichtspunkten ein. Der Erbschastssteuer ist eine Hochpolttische Bedeu­tung beigemessen worden, die sie garnicht hat. Was ist das Ergebnis gewesen, dort aus der Linken sitzen

die lachende« Erben.

(Hetterkett.) Es m u ß 1 e so kommen. Ich habe immer wieder die bürgerlichen Parteien ge­mahnt, sich nicht bis auf die Knochen z« zerfleifchen. Die Zeit wird kommen, wo der Sammelruf nicht bloß von der Regie- rmrgsbank ertönt, sondern auch aus der Mitte des Volkes. Ich habe mit meinem Sammelruf keinen Erfolg gehabt, aber es war meine Pflicht gegenüber der Monarchie und gegen­über dem Lande, darauf hinzuweifen, damit nicht Verwirrungen entstanden im Volke über die Grundanschauungen über Staat und Gesell­schaft. Die bürgerlichen Parteien haben selbst dazu beigetragen, die Scheidelinien zwischen Staat «nd Gesellschaft und zwischen der Sozial­demokratie zu verwischen. (Beifall.) Mr ha­ben merkwürdige Dinge erlebt. Als 1907 die Sozialdemokratte die Hälfte ihrer Sitze verlor, da jubelte der Liberalis­mus; heute, nachdem diese Partei hundertzehn Sitze errungen hat, jubelt derselbe Libe­ralismus auch! Wohl kann ich begreifen, daß der Liberalismus sich freut über die Verluste, die die Konservativen und das Zen­trum erlitten haben, aber nicht, daß er über den Sieg einer Partei jubelt, deren Niederlage er vor fünf Jahren laut begrüßt hat. Was hat sich denn inzwischen geändert? Etwa die So­zialdemokratie? Die Herren würden es mir sehr Übelnehmen, wenn ich sie für f ä h i g hal­ten würde, auch nur ein Tippelchen ihrer

Dogmen des Klaffenkampfes.

ihrer Todfeindfchaft gegen die bürgerliche Gefellschaft und den monarchischen Staat auf­

zugeben. Wie sich der Revisionismus entwik- keln wird, müffeu wir zunächst abwarten. Auch die Revisionisten arbeiten daran, den monar­chischen Sinn des Volkes zu untergraben und das Gefüge des Staates zu diskredieren Was durch einen folchen Terrorismus und durch Revolutionierung der Köpfe angerichtet wird, wisien Sie, foeben aus dem Wahlkampf zurückgekehrt, beffer als ich. Glau­ben Sie, daß auf dem so verwüsteten Boden die Früchte wachsen können, die der bürger­liche Liberalismus gedeihen zu sehen wünscht? Ich glaube es nicht. Was sich gewandelt hat, ist der Liberalismus. Er ist weiter nach links gegangen. Ich hoffe, daß die Geschäfte des Reichstages ruhig weiter gehen. Aber es gibt keinen unter den erfahrenen Par­lamentariern, der schon einer derattig unsi­cheren politischen Lage gegenüber ge­standen hat, wie die war, unter bereit Auspizien der Reichstag jetzt zusammengetreten ist. Von der einst von Bennigsen geführten liberalen Fraktton haben eineÄnzahl für Herrn Bebel gestimmt, dem Urheber des Wortes von der Todfeindschaft gegenüber der Gefellschaft. Sie haben sich nicht gescheut, ihre Stimme diesem Mann zu geben,

für das höchste Amt, das der deutsche Reichstag zu vergeben hat. (Unruhe). Und dann hat man zum Bize- präf identen einen sozialdemokratischen Abgeordneten gewählt, der Worte gegenüber unserem Kaiserhaus gebraucht hat ... die folgenden Worte des Reichskanzlers gehen in der tofenden Unruhe unter. ... Soll das die Antwort fein auf die ruhige, vertrauens­volle Sprache der Thronrede, fall damttdie Begriffsverwirrung der Mittäuferder Sozialdemokratie sanktioniert werden? Soll etwa die Regierungspolttik wegen des Wahl­ausfalles neuorientiert werden? Es hat vieler Uneinigkeit im Bürgertum bedurft, damtt foviel Sozialdemokraten gewählt werden konnten. In der gewalttgen Sttmmenzahl der Sozialdemokratie steckt viel Glaube an die Un­gefährlichkeit der Sozialdemokratte. Wen» sie einmal ihren großen Worte» gefährliche Taten folgen lassen will, dann wird das Brüsten mit der großen Sttrnmenzahl schon aufhören. Denn sie muß entweder auf einen Teil der Stimmen, oder auf die Ausführung ihres rigorosen Programms verzichten. Bei der letzten Wahl hat sie die antinationa- le» Tendenzen ihres Programms nicht in den Vordergrund gerückt, well sie weiß, daß das deutsche Voll

nicht antinational «nd international gesinnt ist. (Großer Lärm). Der Reichskanzler geht dann auf die Anträge auf Aenderung der Geschäftsordnung und Herbeiführung der Kanzlerverantwortlichkeit ein. Fürst Bismarck hat das Wahlrecht nur gege­ben unter der Voraussetzung, daß Regierung und Bundesrat bejn Reichstag gegenüber ihre Selbständigkeit behaften. Das freiefte aller Wahlrechte hat unmoralische Zu­stände herbeigeführt. In einem Wahllreise haben die bürgerlichen Parteien dazu beigetta- gen, daß der Sozialdemokrat gewähll wurde, in dem anderen habe» sie es als V e r r a t g e - gen das Vaterlayd bezeichnet, dem So­zialdemokraten eine bürgerliche Stimme zu ge­ben. Diese Uneinigkeit und Unorientiertheit

der bürgerlichen Parteien untereinander ist ei» Grund mehr gegen die Verwischung der Kompetenzen zwischen Kaiser und Reich und Bundesrat und Parlament. (Beifall rechts) In allen Vollsschichten, in alle» Parteien steckt tief die Sehnsucht danach, unser Staatsleben mit großen Aufgaben zu erfüllen, unsere Blicke abzulenken von den widerwärtigen Zänkereien der letzten Jahre, sie wieder nach vorwärts zu richten. Diese Aufgaben lie­gen aber nicht in der Richtung einer

weiteren Demokratisierung Deutschlands.

Deutschlands Lage ist nicht unangefochten genug, als daß wir auf eine strafte Orgaüisation ver­zichten könnten. Der Friede in Europa war immer gefährdet, wenn Deuftchland in Desorganisation verfiel. Wir brauchen Fe­stigkeit und Stetigkeit in unserer Poli- tik, ohne Extravaganzen »ach rechts und nach links. Den Sätzen der Thronrede über die Sozialpolitik ist eine weite Interpretation ge­geben worden und das mit Recht. Das gilt be­sonders bezüglich der Erhaltung des wirtschaft­lichen Mittelstandes. Das gilt ferner bezüglich der Wohnungsfrage, der inneren Kolonisation, der Frage des Koalitionsrechtes und der Ver- befferung unseres Steuerwesens durch Mono­pole. Wir werden aber diese großen Aufgaben nur lösen können, wenn das Bürgertum den alten Hader vergißt. Das Deut­sche Reich kann weder reattionär noch radllal regiert werden. (Bewegung.) Wer das ver­suchen wollte, der würde den b e st e n Teil des Volkes von der Mitarbeit ausschließen. Ein Staat, bet seine Tüchtigkeit durch Uneinigkeit lähmt, den wirb bie Weltgeschichte etbarmugs- los zu Boden treten. (Lebhafter Beifall rechts; Unruhe und Lärm links.)

*

Graf Posadowsky-Wehner, der das Wort erhält, nachdem die Abgeordne­ten Fürst Radziwill (Pole), Arend (Reichspartei) und Mumm (Wirftchaftliche Vereinigung) für ihre Parteien gesprochen, führt aus: Die gesamte Wahlliteratur sollte vernichtet werden, damit später die Per­sönlichkeiten und Verhältniffe des Vaterlandes nicht darnach beurteilt werden. Die Umschmei- chelung des Volles mit der Vorspiegelung von unerfüllbare» Wünschen bildet eine Gefahr für unser politisches Leben. Ueber die Rede des Schatzsekretärs könnte man das Motto setzen:Ich schnitt es gern in alle Rin­den ein, ich grub es gern in jeden Kieselstein, ich brauche Geld!" (Heiterkeit.) Gegen­über der Militärvorlage gibt es nur zwei Standpunkte, entweder man bringt der Mili­tärverwaltung Vertrauen entgegen und dann bewilligt man die Forderungen, oder aber man bringt ihr kein Vertraue» entgegen, dann lehnt man eben alle Forderungen ab! Man darf nicht aEe zwei Jahre mit neuen Steuer» kommen. Ohne indirekte Steuer» wird es auch in Zukunft nicht gehe». Aber es ist Pflicht der besitzenden Klassen, einen Teil der Belastung zu übernehmen. An demWachstum derSozialde« mokratte sind Regierung und bürgerlicheGesell. fchaft gleichmäßig fchuld, well sie nicht früher für gleichmäßig schuld, weil sie nicht früher f»r das Wohl der ärmeren Volksklassen geforgt ha­ben. Mtt Gewalt ist gegen die Sozialdemo­kratie nichts zu erreichen. Sie muß sich eben zur bürgerliche» Gesellschaft zurückentwickel».

Weiterberatung: Sonnabend.

Mine Rundschau.

Weibliche oder mimnliche Bedienung?

D«rÄoitfettionär" ließ kürzlich an eine Reihe be- tarntet Persönlichkeiten eine Rundfrage ergehen, in der die betreffenden Damen und Herren gebeten wurden, sich darüber zu äußern, ob sie sich lieber von weiblichem »der märmUchem Personal bedienen ließen. Auf diese Umfrage sind eine Reihe launiger Antworten etnge- laufen, von denen wir im folgenden einige Mitteilen.

5Hba Hempel,

königliche Kammersängerin (Königliches Opern­haus) meint: Mir ist bei meinen Einkäufen die Bedienung durch Herrenpersonal sympa­thischer; man setzt jedenfalls seinen Wille» und seine eigene Geschmacksrichtung bei Herrenbe­dienung eher durch, als wenn Damen dienstbar fein sollen. In manchen Branchen möchte ich allerdings Damenpersonal nicht missen.

$ma Denera,

königliche Hosopernsängerin (königliches Opern­haus) schreibt: Ich lasse mich unbedingt lieber von männlichem, wie von dem weiblichen Per­sonal bei meinen verschiedenen Einkäusen be­dienen, aus dem einfachen Grunde, weil ein Mann sich einer Dame gegenüber stets zuvor­kommender, ansmcrksamer und liebenswürdi­ger zeigen wird, wie die weibliche Durch- jchnittsvetkäilferin; eine Ausnahme würde auch hier nur die Regel bestättgen. Die Er­klärung ist wohl sehr leicht crgründbar! (Des Bestreben der Geschlechter, wie überall im Le­ben, sich dem anderen stets von der besten Sette zu zeigen!) Eine Frau wird aus diesem Grun­de einen Herrn auch besser bedienen wie eine Dame; der Zweck, scheint mir, helligt auch hier die Mittel!

Annie Dirke ns

(Neues Operetten-Theater) ist ähnlicher An­sicht: Es kommt daraus an, wo man kauft. In mancklem Geschäft lmbc icti lieber Herrenbe­dienung. da Tamenbedienung meist mit ihren eigenen Privatangllegenheiten zu tun hat, so­

daß ihnen für Höflichkeit und Freundlichkeit keine Zeit bleibt. Die Damen genieren sich auch gar nicht, während sie bediene», laut und vernehmbar chre Traftchereien vor den Kunden auszufechten. Ein Herr, der bedient, tut so etwas nie.

Richard Alexander

(Residenztheatet) äußert sich folgendermaßen: Ihre Frage ist verdammt kniftlich! Soll ich es mit dem schönen Geschlecht verderben, wenn ich sage, daß mich weibliche Bedienung beim Einkauf befangen macht, ich es also vorziehe, mich lieber von meinen Geschlechtsgenossen be­dienen zu lassen? Ich will Ihnen etwas sa­gen: Ich werde in Zukunft überhaupt nicht mehr selbst einkaufen, sondern dies meiner Fran überlassen, bie überdies das famose Ta­lent hat, alles billiger zu bekommen als Frau Lehmann, Frau Neumann, Frau Schmidt und ich. Ich spare also unbedingt dabei und bin dasGenierliche" los.

Gnido Thielscher

(Metropol-Theater) gibt feine Meinung in folgenden Versen kund:

Als ich ein Jüngling noch an Jahren, Gar zierlich, knusperig, unerfahren, Da liebt' Bedienung ich ...von zarter Hand". Ich schlürfte... 'war mir ein Vergnügen , . . Odeur de fernme in vollen Zügen.

Doch heute hat sich, ach!...das Blatt gewandt!

Vorbei der ganze Jonkelfonkel!

Die hübschen Mädel sagenOnkel"!

Ties Wort entfacht mirnen leisen Groll, Und darum flieh' ich die Gelände, Wo sich betätigen . . .zarte Hände", Weil die Erinnerung man nicht trüben soll.

Auf der Bühne gehängt.

Ein eigenartiges Vorkommnis hat sich, wie uns aus Petersburg berichtet wird, im Theater von Taschkent zugetragcn: Es

wurde ein russisches Stück ausgefühtt, in dem der Held zur Todesstrafe durch den Strang ver­urteilt wird. Die Vollziehung der Strafe er­folgt auf offener Szene. Der für die Theater- vofttellungen errichtete Galgen hat natürlich ge­nügende Sicherheitsvorrichtungm, um die Strangulierung nur fchcinbar zu vollziehen. Der Hauptdaftteller der Rolle, der gehängt wird, fpielte diese Stelle mit vollkommener Na- turtteue. Bei der letzten Vorstellung jedoch er­griff bie Zuschanermcnge eine sonderbare Un­ruhe, denn bie Natürlichkeit schien zu weit zu gehen. Taftächlich stellte es sich heraus, baß bie Schutzvorrichtung nicht in Wirksamkeit getreten war. Vor ben Augen ber Zuschauer war ber Helb des Stückes gehängt worben. Anfangs glaubte man nur an einen Unglücksfall. Die weitere Untersuchung bes Falles hat aber erge­ben, baß aller Wahrscheinlichkeit ein Mord vor­liegt. Ein Schauspieler, der mit ber Gattin des Gehängten Beziehungen unerhielt, soll sich kurz vor ber Aufführung des letzten Attes in eigenartiger Weise an dem Galgen zu schaffen gemacht haben. Erwiesen ist ferner, daß sich bet Schauspieler von bem Techniker mehrfach ben! Mechanismus des Galgens genau erklären ließ. Der Beschuldigte wurde verhaftet, da das Ge­richt annimmt, daß es sich um einen Mord han­delt, durch den die Beseitigung des lästigen Ehemannes beabsichtigt war.

Caruso ««& die Krawattenverkäufertn.

Was kostet bie Reise von Mailanb nach Berlin? Darauf kann Signor Caruso eine Antwort geben. Sie kostet für zwei Per­sonen rund sünstausend Franken. Wie ber be­rühmte Sänger zu dieser Kenntnis kam, das ist bald erzählt. Er hatte sich vor ein paar Jahren in eine kleine Mallander Ktavatten- verkäuserin verliebt, bie sich als bie Braut des Heldentenors betrachtete und diesem samt ihrem Vater nachreiste. Bei dem Prozeß, den jetzt bie junge Schöne gegen ben große» Don Juan angestrengt hat, unb ber ihr nicht weni­ger als 250 000 Lite Schmerzensgeld bringen soll, wird auch bie Rote der Berlinfahrt, bie Elisa mit ihrem Vater, einem ehrsamen Schuh­

machermeister unternahm, eine Rolle spielen. Die Rechnung, bie Fräulein Elisa dafür dem Verlobten überreichte, enthielt folgende Punk­te: Reftegarderobe 3350 Lire, drei Hüte 400 Lire, vier Paar Schuhe 150 Lire, Wäsche 200 Lire, Smoking für den Vater 150 Lire, Zylin­derhut 50 Lire, Fahrkarten erster Klasse 300 Lire, photographische Ausnahmen 200 Lire, deutscher Unterricht 200 Sire. Caruso wim­melte indessen die Gesellschaft ab, indem er berBraut" 10000 Lire in bar, ferner allerlei Juwelen und ein massiv goldenes Toiletten­service stiftete. Die Braut will aber, wie ge- fagt, 250000 Lire, sonst droht sie mit Vetös- fentlichung von Carusos Liebesbriefen. Da es sich aber nur um ein ganz platonisches Ver­hältnis handelte, hat der Sänger gar keinen Grund, so tief in ben Beutel zu greifen.

Was Fürsten wünschen..

Wie mancher möchte gern König ober gar Kaiser sein, um in Glanz unb Pracht sein Le­ben verbringen zu können. Gar so herrlich, wie man es sich vorstellt, wird allerbings bas Leben eines Fürsten sich nicht vollziehen; jeder, ber eine Krone trägt, empfindet sie als Last und beneidet bie Sterblichen, bic unter ihm stehen Napoleon ber Erste war einst­mals in Saint Cloud mit seiner Familie ver­sammelt. unb man kam barauf zu sprechen, was ber eine ober anbere fein möchte, wenn er eben nicht wäre, was et war. Die Anregung dar» gab die Pttnzessin Borg Hefe, bie aus- rief:Ach, wenn ich boch nur Gärtnerin wäre, wie glücklich würde ich sein!"Und ich," mein­te der König von Holland,möchte am liebsten Schutzmann in Amsterdam fein. Dan» könnte ich gemütlich auf der Straße schlendern unb beobachten, wie sich andere abmühen und abhetzen." Der König von Neapel wünsch­te Gondeltet in Venebig zu sein,bann wür­de ich alle Tage auf das Meer hinausfahren und Lieder der Liebe singen." Der König von Spanien wollte am liebsten Jäger sein