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CMer Neueste Nchrilhtm

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 18. Februar 1912

Nummer 63

Fernsprecher 951 und 952.

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Weile aus dem Hinterhalt.

Menschen-Tragödien und Menschen-Verbrcchen.

Am Donnerstag sand man aus dem Pöhlberg bei Annaberg t S dieLeiche des Schuldirektor? Richard Lißner aus Sehma bei Chemnitz, der fich wegen ungerechtfertigter Angriffe aus seine amtliche Tätigkeit erschosten hatte. Bei der Leiche fand man einen Brief, in dem es hieß:Durch andauernde, gegen mich begangne Manipulationen bin ich in beständige, heftige Gemütsbewegung und unablässtge Sorge versetzt worden. Mit meiner Kraft zu Ende, gebrochen an Körper und Geist, zu Tode gehetzt, scheide ich nun freiwillig aus dieser Welt, um die langersehnte Ruhe zu gewinnen'.

Der Unglückliche, der -lese Zeilen schrieb, endete das ihm unerträglich gewordne Leben durch eine Revolverkugel, nachdem er ein­undsechzig Jahre dieses E r d e n d a s e i n s mit ihrer Last an Kummer und Sorge überdauert hatte. Aus dem Abschiedsbries des Greises spricht die Verzweiflung einer bis zum Wahn gefolterten Seele und die verzehrende Angst eines um sein Schicksal Bangenden, der in dem furchtbaren Kampf zwischen Lebenswillen und Todessehnsucht schließlich unterlag und mit zit­ternder Hand die Waffe an die welke Schläfe setzte. Der Schuldirektor Dr. Lißner, der mit »tesem Bekenntnis eines qualvollen Seelen-Mär- tyriums aus dem Leben schied, ist sicher nicht das einzige Opfer der Intrige: Tausende winden sich gleich ihm in den Fesseln des Ver­hängnisses und die düstre Chronik der Selbst­morde, die Statistik derFreiwilligen des To­des-, birgt Geheimnisse von erschütternder Tragik, die mit der letzten Verzweiflungstat der von der Niedrigkeit in den Tod Gehetzten den furchtbaren Abschluß fanden. Was sind die Tragödien der Liebe, die Jahr um Jahr ihre Opfer heischen, gegen die Dramen der In- Ir i g e, die in den Banden der Seelenfolter ihre Opfer langsam dem Wahn der Verzweif­lung ausliesern, und deren Fäden aus dem sichern Hinterhalt heraus gesponnen werden!

Der Greis, der in der winterlichen Waldes­stele des Pöhlbergs die Todcswaffe gegen sein Leben erhob, hat mondelang in der Furcht vor der Katastrophe gezttter., hat eine Seelen­folter durchlebt, wie sie furchtbarer auch den zum Tod VerurteUten in der Nacht vorm Ende nicht martern kann, und ist dann schließlich dem Schicksal unterlegen, als das Alter seine Kräfte zermürbt und seine Duldungsfiärke ge­brochen hatte. Das düstre Gegenstück de: sächsischen Tragödie spielte wenige Tage vor­her in der Hauptstadt des Reichs, wo aus Gram über eine ungerechtfertigte Verdächti­gung ein ehrbar im Dienst ergrauter Postbe­amter freiwillig in den Tod ging. Auch er fiel als Opfer der Intrige am Abweg des Lebens, und wenn sein tragisches Schicksal auch nicht ganz unverschuldet gewesen sein mag, so hat doch der Abschluß des Dramas die Gemüter der menschlich Empfindenden in ihren tiefften Tiefen erschüttert, und man beklagt auch in diesem Unglücklichen ein Opfer der In­trige, das aus dem Leben floh, um der Marter der Seelenqual und der Unbarmherzigkeit schlimmer Feinde zu entgehen. Das Schicksal der beiden Männer zwingt zu der Frage, ob die Umstände, die sie in den Tod getrieben ha­ben, nicht die Handhabe bieten, gegen die Ur­heber dieser beiden Menschentragödien straf­rechtlich einzuschreiten und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.

Der Mörder, der sein Opfer auf der Land­straße erschlägt, handelt noch menschlicher, als der Verbrecher, der die Pfeile des Verhängnis­ses aus dem Hinterhalt abschießt, und sein Opfer nach jahrelanger Seelensolter der Ver­zweiflung überantwortet. Und ein Gesetz, das das Leben und die menschliche Sicherheit schützen will, müßte seine idealste Aufgabe darin erblicken, die seiner Hut anvcrtraute bürgerliche Gesellschaft vor dem Meuchelmord der Intrige zu bewahren. Denn der Intrige und der Boshett verbrecherischer Gesinnung fallen zehnmal mehr Existenzen zum Opfer, als durch Mörderhand aus der Gemeinschaft der Lebenden getilgt werden. Wir haben in unserer Rechtsprechung den Fall erlebt, daß ein Redakteur vom Gericht als der i n d i r e k 1 e Urheber einer Körperverletzung in Strafe ge­nommen wurde, weil infolge der Erregung über einen in dem Blatte des VerurteUten er­schienenen Sprechsaalarttkel ein Dritter, der fich durch die Veröffentlichung getroffen fühlte, einen Schlaganfall erlitt, der ihn mondelang ans Krankenlager fesselte. Tas Gericht hat in diesem Falle geltend gemacht, daß der Redak­teur als der intellektuelle Urheber der Katastrophe zweifellos strafbar, und demge­mäß zu verurteUen sei. Das Erkenntnis hat seinerzeit großes Aufsehen erregt, aber man darf nicht übersehen, daß es durchaus dem natürlichen Gcrichttgkcit-Empsinden entsprach, indem cs den Tatbestand der Körperverletzung

nicht von der toten Buchstabenreihe des maßgebenden Paragraphen abgrenzen ließ, andern die Ursachen und Wirkungen des Falles in Betracht zog. Mit wie viel mehr Recht würde die Harfe des Gesetzes gegen das im Verborgnen arbeitende Jntriganten- und Denunziantentum anzuwenden ein, das seine Opfer kalten Blutes zu Tode reinigen und sich vor der Gerechtigkeit dennoch ich er wähnen darf!

Der sächsische Jurist und frühere Reichstag- Abgeordnete Wagner hat zur Reform des Strasprozetzverfahrens bekanntlich einen An­trag eingebracht, dereinen weitergehenden Schutz der Persönlichkeit gegen böswillige Ver­leumdungen und Beleidigungen" verlangt, und der alslex Wagner" in der Presse leidenschaft­lich bekämpft worden ist, weil man darin eine Knebelung der freien Meinungs-Aeußerung er­blickte. Es handelt sich indessen nur um eine ungeschickte Wahl der Mi t t e l, denn der Schutz der Person an sich gegen die Niedrigkeit ge­meiner und böswilliger Verleumdung kann gar nicht weitgehend genug'gestaltet werden. Wer wider bessres Wissen verdächtigt und ver­leumdet, begeht ein Verbrechen, das in seinen Wirkungen viel verhängnisvoller sein kann, als ein Einbruch oder ein Raub, die das gel­tende Gesetz mit Zuchthaus- und schweren Ge- sängnisstrafen bedroht. Die beiden Menschen­tragödien, von denen im Eingang des Artikels die Rede ist, offenbaren überzeugend, w i e un­heilvoll die Folgen der Verleumdung und der Intrige sich gerade dort äußern, wo Seele und Gewissen am empfindlichsten find. Und es ist deshalb eine Forderung natürlichster und selbstverständlichster Gerechtigkeit, daß der Staat als Schirmer und Hüter des' Rechts Gesetze schafft, die nicht nur den öffentli­chen Verleumder der gerechten Strafe über­liefern, sondern die mit noch schwererer Sühne den aus dem Hinterhalt operierenden In­triganten und Denunzianten bedrohen, wenn er mit den Giftpfeilen des Hasses und der Ver­leumdung sein Opfer zur Strecke gebracht hat.

E. H.

Kaiser, Kanzler und Reichstag.

Das Echo der gestrigen Kanzler.Rede.

(Privat-Tclegramm.)

Die gestrige Kanzler-Rede im Reichs­tag (über die unsere Leser einen ausführlichen Bericht in der ersten Beilage finden) wird uns aus Berlin depeschiert: Es wird in unterrichte­ten politischen Kreisen alS feststehend betrachtet, daß die gestrige Rede des Reichskanzlers das Ergebnis der in den letzten Tagen zwischen dem Kaiser und dem Kanzler gepflogenen Besprechungen anzusehen und demgemäß als eine förmliche Regierungs-Erklärung zu der Wandlung der parlamentarischen Situation anzusehen ist. Es ist bekannt, daß die Politik des Kanzlers die volle Billigung des Kaisers hat; ebenso, daß Herr von Beth- mann Hollweg entschlossen ist, mit dem neuen Reichstag einen ernsten Arbeitsversuch zu ma- chen. Gelingt dieser Versuch nicht, dann find die Verbündeten Regierungen entschlos­sen, aus der dann unhaltbar gewordnen po- litisch-paÄamentarischen Situation die gebotnen Konsequenzen (Reichstagsauflösung!) zu zie­hen. In der Presse findet die gestrige Kanz­ler.Rede eine sehr geteilte Aufnahme. Wir verzeichnen folgende Presse-Stimmen:

Die Dentsche Tageszeitung:

Vielleicht hätte der Herr Reichskanzler bes­ser getan, wenn er die Eingangssätze seiner Astede auf einen etwas andern Ton ze- stimmt und etwas anders zugespitzt hätte. Seine psychologische und rethorische Absicht verstehen wir Wohl, er wollte damit, daß er nicht nur der Linken, sondern auch der Rechten (wenn man in seinem Sinne so sagen darf) ins Gewissen redete, deutlich be­kunden, daß er über den Parteien siche. Diese bei ihm besonders verständliche Absicht würde aber auch erreicht worden sein, wenn er seine nach rechts gerichteten Worte etwas a n - ders abgetönt hätte.

Die Post:

Das freikonservativ-alldeutsche Blatt spricht sich sehr befriedigt über die Rede aus und meint: Herr von Bethmamr Hollweg hat gestern im Reichstage eine Rede schalten, die zu dem Besten gchört, das der Kanzler ie- mals an dieser Stelle gesprochen hat. Man darf danach ruhig sagen: Würde der Kanzler eine ebenft) tatfreudige Entschluß­kraft zeigen, wie er sich ftteng bemüht, eine ehttiche und aufrichtige Politik zu treiben, so könnte man mit seiner Amtsführung sehr wohl zufrieden fein.

Die Vossische Zeitung:

Der Reichskanzler unzufrieden; wie sollte es auch a..in? Er ist mit den

Parteien unzufrieden, mit der Rechten, mit dem Zentrum, mit den Liberalen, mit den Sozialdemokraten. Und am Ende beruht diese Stimmung durchweg auf Gegenseitig­keit, denn wer ist etwa mit der Regierung und ihrem Leiter zufrieden? Am schärfsten haben ihrem Unwillen die Konservativen Aus­druck gegeben. Er ging mit ihnen aber nur gründlich ins Gericht. Um so eifriger gab er volle Salven gegen die bürgerliche Linke ab, die sich aber nicht getroffen, geschweige denn zerschmettert fühlt.

Die ZMfe des Bayern-TchiffeSe

Eine politische Rede des Prinzen Ludwig.

(Telegraphischer Bericht.)

In Kiel sand heute mittag um zwölf Uhr in Gegenwart des Kaisers der Stapellauf des neuen LinienschiffesErsatz Odin auf der Krupv'schen Germania-Werft Natt. Um zwölf Uhr erschien der Kaiser mit seinen Ga­sten, dem Prinzen Ludwig und der Prinzessin Therese von Bayern, sowie in Begleitung des Prinzen Heinrich mit großem Gefolge und be­gaben sich nach der Tauskanzel, wo eine Ehren­wacht Aufstellung genommen hatte. Prinz Lud­wig von Bayern und Prinzessin Therese bestie­gen alsdann die Tanskanzel, während der Kai­ser und die übrigen Fürstlichketten mit Gefolge in dem daneben errichteten Pavillon Platz nah­men. Darauf ergriff

Vr-rrz Ludwig im Nahem das Wort zur Taufrede, in der der bayrische Thronfolger unter anderm ausführte: Was dem heutigen Feste seine besondere Weihe verleiht, ist, daß es Euere Majestät durch Ihre persönliche Gegenwart verherrlichen und daß Euere Majestät bestimmt haben, daß das Schiff einen Namen führe, der jedem Bayern, ja, je­dem Deutschen teuer ist: Den NamenPrinz- Regent Luitpold". Euere Majestät er­weisen dadurch meinem Vater eine seltene Ehre, mir aber (das darf ich wohl hinzufiigen) eine große Freude. Mein Vater gedenkt dieser Stunde mir seinen Segenswünschen für das Schiff, für die ganze Kaiserliche Marine und ganz besonders für deren Obersten Kriegs­herrn, Euere Majestät. Er nimmt innigsten Antett an dem Erstarken der Kaiser­lichen Marine und dem Aufblühen der deutschen Interessen über See, welch letztere zu schützen und zu fördern auch eine Aufgabe der ersteren ist. Der Prinz- Regent von Bayern, der, ungebeugt durch sein hohes Alter, Rückschau hält auf die

vier Jahrzehnte des neuen Reichs«, ist einer der Wenigen unter uns, die in der Reife des Mannesalters den großen Er­eignissen nahegestanden, die diesen neuen Abschnitt in der Geschichte des deutschen Volkes eingeleitet haben. Sein Herz, das in Wärme für alles schlägt, was die Größe und die Wohlfahrt des Reiches betrifft, ist voll Glauben und Hoffen für des Rei­ches Zukunft, die das Zusammen­wirken derin Treue verbündeten deutschen Für st en und Staaten verbürgt. Du stolzes Schiff wirst dich, wohin immer von deinem kaiserlichen Herrn zum Schutze deuffcher Ehre und zum Schirme deutscher Interessen befohlen, sei es im Frie­den, den uns Gott recht lange erhalten möge, sei es im Kriege, den wir nicht fürch­ten, Deines hohen Paten, dessen Namen du trägst, stets würdig erweisen. Deine Besatzung wird immer eingedenk sein des Wahlspruchs des Prinz-Regenten, der auch der deS ersten bayerischen Ordens, des Hubertusordens, ist und den jeder bayerische Soldat als Helm­schmuck trägt, des Wahlspruches: In Treue fest! *

Linienschiff Prinz-Regent Luitpold.

Nach der Taufrede des Prinzen Ludwig vollzog Prinzessin Therese voe Bayern die Taufe und zerschellte am Bug des Schiffes eine Flasche Sekt, worauf unter Hurrarufen auf den Kaiser der Stapellauf vonstatten ging, während die Musik die Nationalhymne spielte und die Ehrenwacht präsentierte. Nach­dem der Kaiser noch eine Reihe von Persön­lichkeiten ins Gespräch gezogen hatte, war der festliche Akt beendet, an den sich noch im Ver- waltungsgchäude der Werft ein Imbiß an- schloß.

Fnv'mes aus der Kaiserpfalz.

Die künftige Residenz des Kronprinzen.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Berlin, 17. Februar.

Wie aus Hofkreisen verlautet, beruhen die Meldungen, daß der K r o n p r i n$ nach Been­digung der großen Herbstmanöver'von Danzig nach Königsberg übersiedeln und dort im Königlichen Schlosse Wohnung nehmen werde

auf leeren Vermutungen. Sobald der Kronprinz die Fühmng des Danziger Lewhu­sarenregiments abgibt, kehrt er mit seiner Fa­milie und seinem Hofstaat nach Po t s d a m zurück. Da der ursprüngliche Plan, dem Kron­prinzen das Schloß Babelsberg zur künf­tigen Residenz anzuweisen, aus bautechnischen Gründen aufgegeben werden mutzte, ist es wahrscheinlich, daß für den kronprinzlichen Haushalt in der Nähe des Potsdamer Mar­morpalais ein neues Schloß in kleine­rem Rahmen errichtet werden wird. Daß der Thronerbe zeitweilig mit der Führung des Königsberger Grenadier-Regiments Kron­prinz betraut werden wird, um sich auch mit den Aufgaben eines Infanterieregiments ver­traut zu machen, ist vielleicht nicht ausgeschlos- se, aber dies käme nur für k ü r z e r e Z e i t in Betracht. Die Gerüchte über Berstimmuu- g en zw isch e n d em kaiserlichen Va- tcr und dem kronprinzlichen Sohne (die zurzeit wieder aufznlebvn scheinen) sind völlig unbegründet. Das Intermezzo von der Reichstagsttibüne ist längst vergessen, und die Kaiserin weiß durch ihr liebevolles Wesen alle Unstimmigkeiten aus der häuslichen Kaiserpfalz zu verscheuchen.

Am der ReiÄstammirdpe.

Der Konvent der Senioren.

(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Der S e n i o r e n. K o n v e n t des Reichs- tages entschied gestern die Frage, ob zur Frak. tionsbildung und zur Vertretung im Se­niorenkonvent auch künftighin mindestens fünf­zehn Mitglieder erforderlich fein sollen, im be. iahenden Sinne. Die Reichspartei, die Wirt, schaftliche Vereinigung und andere kleine Gruppen scheiden also aus demSenioren-Kon- vent aus. Weiter wurde eine Einigung dar­über erzielt, daß unmittelbar nach der Beend:, gung der ersten Lesung des Etats die sämt­lichen Anträge auf Äenderung der Ge­schäftsordnung einer verstärkten Kom­mission von einundzwanzig Mitgliedern über­wiesen werden sollen, ohne daß man vorher eine größere Debatte Wer diese Anträge dürch- fühtt. In Aussicht genommen wurde, die Tage vom 24. bis 26. Februar und vom 9. bis 11. März sitzung sfrei und die Oster­ferien am 29. oder spätestens am 30. März beginnen zu lassen.

Vertrauensvotum für Baffermann.

Der Zentralvorstand der nationallibe. ralenParteiwirdam vieruUdz wanzigsten März in Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentreten. Die Fraktion des Reichstags hat (wie wir schon kurz berichteten) am gestrigen Freitag einstimmig durch Zuruf den Abgeordneten Bassermann zum Vor­sitzenden der Fraktion gewählt und beschlossen, diese Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, ohne ihrem Führer den herzlichen Dank und gerade in Hinsicht auf die Ereignisse der jüng­sten Zeit die Versicherung ihres u n e r s ch ü t. terlichen Vertrauens auszusprechen. Eine Vertrauenskundgebung für Bassermann hat auch der Reichsverband der Vereine der nationalliberalen Jugend beschlos- sen. Di« Tagung des Zenttalvorstandes der nationalliberalen Partei im März wird nun ergeben müssen, ob di« Krise der letzten Wo­chen ohne bedenkliche Einwirkungen auf die parteipolitische Einmütigkeit der Partei geblieben ist.

Sie Sehnsucht der Mecklenburger.

Die mecklenburgische Verfassung?, frage wird der Reichstag wieder in die Hand nehmen. Die nationalliberale Fraktion und die Fortschrittliche Volkspartei haben einen ge­meinsamen Antrag eingebracht auf Annahme eines Gesetzes über die Vollsverttetung in den Bundesstaaten. Danach soll Artikel drei der Verfassung folgenden Zusatz erhalten:In jedem Bundesstaat muß eine aus Wahlen der Bevölkerung hervorgegangene Vertre­tung bestehen, deren Zustimmung zu jedem Landesgesetz und zur Feststellung des Haus­haltsetats erforderlich ist." Die Initiative zu diesem Anttag ist von den liberalen mecklen­burgischen Abgeordneten ausgegangen. Es ist sicher, daß der Anttag ein« Mehrheit finden und daß auch die Regierung ihm Rech­nung tragen wird, da im Bundesrat die meck­lenburgische Derfassungsfrag« ebenfalls Gegenstand von Erörterungen ist.

Karneval am Rhein.

Ein Stimmungsbild aus der Faschingsstadt. (Von unserm Korrespondenten.)

Köln, 16. Februar.

Tsching . . . Dumm . . . Tsching . . . Bumm'chröhnt es von der Sttaße herauf. Die Kinder, die oben in der Schlafstube Mas­kentoilette machen, werden unruhig. Siebst'e Mutter," schmollt der kleine Willi,mt kommt schon ein Zug," und et klemmt sich hastig einen prachtvollen Zehnpfennigschnurr­bart unter die Nase, der seirchr.aMtärischcn Würde (er ist natürlich blauer i?ffi *hrn ent­scheidenden Akzent gibt. Nun tn Kleine