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Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und WL

Sonnabend, 17. Februar 1912

Nummer 62

Fernsprecher 951 und 952.

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Gras Aehrenthal im Sterbe«?

Der Zustand des Ministers hoffnungslos!

Ein Privat-Telegramm meldet uus aus Wien: Das Befinden des Grafen Aehrenthal hat sich im Laufe des gestrigen Nachmittags abermals verschlimmert. Es fan­den mehrere Blutergüsie statt, die Atmung wurde künstlich durch SaueritotkLufuhr aufrecht

die die Ruhe Europas stören. Aber es gibt einen zweiten Standpunkt, von dem aus die Schaffung der vierten Waffe in Frankreich be­grüßt werden kann: Wenn Tausende von Appa- raten gebaut werden, große Mittel für diesen Zweck vorhanden sind, so richtet sich das Den­ken der Techniker der Größe und M a ch 1 der Aviatik zu, neue Einfälle schießen auf, der va­terländische Zweck beflügelt das Genie. Wäh­rend man den riesigen Schwarm der beflügel­ten Lufttorpedos für den Krieg entstehen läßt, gewinnt vielleicht die Kultur und der Frieden das betriebssichere Automobil der Lüfte. Am Ende gar wird nicht (wie die Prediger der Re­vanche auf den Pariser Boulevards es erseh­nen) Deutschland besiegt, sondern Raum und Zeit, und nicht das kriegerische Frank­reich gewinnt die Gloire, sondern das den­kende, arbeitende, erfinderische! Das sind Er­wartungen. Die Tatsachen lassen uns eine rie­sige Luftflotte in einem Reiche sehen und Staa­ten, die ihm nacheifern. Wo bleiben wir mit dem Schutz für alle Fälle? Mit dieser Frage wollen wir aber nicht neue Stenern auf die Le­bensmittel, neueMilitärvorlagen rufen. Wir ha­ben Reichtümer genug, einen Jockeiklub, große Vereine der Reichen und Wohlhabenden mit ausreichenden privaten Mitteln. Es wäre sehr wünschenswert, von einer Aktion auch dieser Kreise für Aviatik und Nationalstolz in Deutschland reden zu können! Den An­fang haben in diesen Tagen zwei Wiesbadener Großindustrielle gemacht, die dem Kaiser für den Ausbau des Militärflugwesens hundert­tausend Mark zur Verfügung stellten. Der W e g ist gewiesen, und es sollte für Deutschland und di« Deutschen nicht nur eine Ehrenpflicht, son­dern auch ein nationales Pflichtgebot sein, sich von der Republik im Westen nicht an vaterländischer Opferfreudigkeit überflügeln zu

Dernburg Wer das khina-Problem Die deutschen Interessen in China", (Privat-Telegramm-, Stuttgart, 16. Februar.

erhalten. Die organischen Krankheitserscheinun­gen schreiten fort. Der Patient war während des gestrigen Nachmittags wiederholt und län­gere Zeit bewußtlos. Nur während eines Augenblicks bei klarem Bewußtsein, sprach Graf Aehrenthal leise die Worte: .Im Glück nicht jubeln, im Sturm nicht ver- zagen." Das ist der Wappenspruch, den Graf Aehrenthal vor zwei Jahren anläßlich seiner Erhebung in den Grafenstand angenommen hatte. Ueber den Zustand des Grafen Aehren­thal hegt die Umgebung des Grafen die größte Besorgnis, Der Krästevcrsall hält an.

Ass der ParlsMstr-Mavve.

Die Hochflut der Anträge tat Reichstag.

(Privat - Telegramm «.).

Achtzehn Anträge an einem Tage.

Im Reichstag sind gestern nicht weniger att achtz ehn nationalliberale Initiativ­anträge einaegangen. Sie beziehen sich unter anderm auf die Sonntagsruhe im Handelsge» werbe, die Unfallfürsorge bei freiwilligen Ret- tungsarbeiten, Regelung des Beamtenrechts, Verantwortlichkeit des Reichs, kanzlers, Schaffung einer Reichsverwal- tungsrechts, Errichtung eines Reichseinigungs- amts und Regelung der Äonkurrenzklausel. Ein Antrag will den Termin für die Stichwahlen einheitlich geregelt wissen.

deS Volkes der Erpressung der Beamten ent­rückt fein wird, dann wird eS auch möglich sein, ür die bessere deutsche Qualitätsware in China Absatz zu finden, weil das chinesische Volk dann nicht mehr genötigt fein wird, sich auf das Billige zu beschränken.

China und die Mächte.

(Privat-Telegramm.)

AuS Loudon wird uus berichtet: Wie derTimes" aus Tokio gemeldet wird, glaubt mau dort bestimmt, daß die japanische Regie­rung der amerikanischen Note betreffend China zustimmcn wird. Die amerikanische Note verlangt die Busrechterhaltung des Prin­zips der Nichtintervention der Mächte, sowie die Aufrechterhaltung der Integrität Chinas seitens der Mächte. Es soll auf diese Weise der jungen Republik ermöglicht werden, aus eigener Kraft die Ent­wickelung zum modernen Staat zum Abschluß zu bringen.

Namen und ihrem Einfluß einen Aufruf unter­zeichnet, in dem alle Gemeinden Frankreichs aufgefordert werden, zur Errichtung eines gro­ßen Lustgeschwaders beizusteuern, das überall­hin .die gute Boflchaft oder den Tod" bringen könne. »Geben wir unserm Vaterland eine unzählige Schar von Flugzeugen, die unauf­hörlich und rastlos unsre Grenzen überwachen werden."

Nationales Feuer ist schön. Es durch­flammt und erleuchtet den sonst so trüben und kalten Tanz des Lebens, der sich hypnotisiert um den Götzen Mammon dreht und den grade die Schlechtesten am besten aushalten. Aber es ist sehr bedauerlich, wenn dieses Feuer eine große Idee verzehrt. Langsam stieg wieder aus den Wirren der jüngsten Politik die Hoff­nung auf einen langem Frieden empor, ward man sich stärker dessen bewußt, daß Haag zwischen London und Paris liegt. Run wird es in Frankreich wieder turbulent; man sam- melt Geld, nicht um die Luft, sondern um Deutschland zu erobern, das seiner­seits auch in der Stille dreißig Offiziere nach Johannisthal geschickt hat, um sie zu Piloten zu machen. Aber was sind diese zweieinhalb Dutzend gegen die Tausende von Appara­ten, die an den Grenzen Frankreichs die Luft versinstern werden? In dieser riesigen Anzahl liegt eine große Gefahr. Wer eine kräf­tige Waffe hat, kommt leicht in die Versuchung, sie auch zu gebrauchen. Man darf zwar anneh­men, daß das Marktgeschrei, das jenseits der Vogesen bei jeder großen Sammlung sich er­hebt, bald wieder verhallt und daß von einem Krieg bei den Ernsthaften keine Rede ist. Aber immerhin: Viertausend oder gar noch mehr Flugzeuge mit Wurfbomben neben dem Pilo- tensttz können leicht in Aktion treten, wenn ein­mal prahlerische Gascogner in Paris das po­litische Kommando bekommen.

Es ist eine neue Rüstung, die Frankreich vornimml, und Rüstungen sind Drohungen,

Und wir...?

Für das Vaterland, meine Herren!"

Unsere westlichen Rachbaren sind abermals i Pfadfinder zum Weg neuer Entwicklung gewe- ' sen und die französische Vaterlandslie- . b e hat in einer geistreichen, wie für die Bühne eines Theaters geschaffnen Szene ihren reizen­den Ausdruck gefunden: Generale und Stabs­offiziere haben bei den Bürgern für die För­derung der Aviatik gesammelt! Das Käppi war ihr Sammelteller. Eine ungewöhn­liche Gebärde für Soldaten, die im kühlem Norden gewiß ihre Nörgler gesunden hätte. Aber bei den Franzosen heiligt Ruhm und

1 Ehre des Vaterlands auch dieses Mittel und - macht aus der bittenden Bewegung eine heroi­sche. .Für Frankreich, meine Herren, für Frankreich!" Militärschüler reichten die Käppis im Saal herum und die Anwesenden warfen begeistert den Ueberfluß ihrer Börsen hinein. Weit: über zweitausend Francs wurden auf diese Weise in einem einzigen Saal ge­sammelt, und wenn sich dabei auch nicht offen­barte, daß die Beiträge aus vollen Geldfächern gekommen waren, so sind doch diese Summe und noch viele andere Anzeichen ein Beweis, daß für die Aviatik der Armee aus vollem Her­zen gegeben wird. Paris und Frankreich wer­den jetzt mächtig bewegt von einer Idee, die an die geliebten Begriffe .Glorie" undRevanche" mit einem für patriotische Ohren angenehmen Ton anklingt. So tote England gegen je zwei fremde Mächte seine Doppelflotte kehrt, so tote Deutschland vom eisernen Schritt einer Armee erdröhnt, so will Frankreich an der Spitze aller bewaffneten Mächte mit seiner Luftschiff­fahrt stehen.

Wir haben kürzlich darüber berichtet, daß der französischen Kammer ein Kredit von $ to ei« undzwanzig Millionen für Flugmaschinen zur Bewilligung vorgelegt werden soll, und vielleicht noch einer von drei Millionen für ei­gens gebaute Flugzeuge des Seekriegs. Dem nationalen Eifer dauert aber offenbar der na­tionale Weg zu lange:. Er lauft mit großem Lärm voraus und stürzt sich auf das Werk, das begleitet wird von jenen klirrenden Worten, die Clemenceau kürzlich tm Senat gebrauchte. Das Volk der Franzosen tut freiwillig mit und will große Summen für die Militäraviatik durch Sammlungen auftreiben. Und so veranstaltete denn die nationale Liga für Lüftschiffahrt jene Sammlung bei Feierklang, in der Generale mit dem Käppi sammelten, und unter ungeheurem Jubel mitgeteilt wurde, daß man schon aus industriellen Kreisen hundert­tausend Francs erhalten habe, Hangar- für Apparate, Kasernen für die Flieger. Weiter wird der Pariser Gemeinderat in seiner näch­sten Sitzung fünfzigtausend Francs bereitstel­len und viele seiner Mitglieder haben mit ihren

Das große Rätsel des Tages.

Die deutsch-englische VerständigungS-Frage.

Die gestrige Rede des Reichskanzlers von Bethmann Hollwcg über den Zweck und daS Ergebnis der Haldane-Fahrt nach Berlin (wir berichten darüber ausführlich in dem Parlaments-Artikel in der ersten Beilage) hat im allgemeinen durch ihre Kürze überrascht, und wohl auch enttäuscht. Es läßt sich indessen nicht verkennen, daß es unter den obwaltenden Umständen geboten war, nicht eingehender über Dinge zu sprechen, die erst in der Ent­wicklung begriffen sind. Im Ausland hat die Rede allerdings eine starke Enttäu­

schung hervorgerufen:

Paris, 16. Februar.

(Privat-Telegramm.)

Die Rede des deutschen Reichskanz­lers in der gestrigen Reichstagssitzung, die gestern erst in später Rachmfttagsstunde hier bekannt und bereits in gedrängter Form von einigen Abendblättern gebracht wurde, wurde in den Wandelgängen der Kammer und des Senates viel besprochen. Da man er­wartet hatte, daß der Reichskanzler eine aus­führlichere Schilderung über den Zweck der Reise Lord Haldanes nach Berlin geben würde, so ist man über die Dürftigkeit der Rede se h r e n t t ä u s ch t. Ein der Regiernng nahestehender Abgeordneter will wissen, daß die Verhandlungen zur Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und England noch fort­gesetzt werden. Diese Mitteilung rief hier einiges Beftemden hervor, da man in gewis­sen Kreisen immer noch annimmt, daß eine deutsch-englische Entente zum Schaden Frank­reichs undenkbar sei.

Die Garantie für de« Friede«.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 16. Februar.

In feiner Besprechung über die englische Thronrede und die deutsch-englischen Verhandlungen schreibt der ministerielle .Temps": .Schon der Wille, daß Deutsch­land und England in bessere Beziehungen zu einander treten wollen, muß für uns eine Ga­rantie für ben Frieden fein. Rach dm Sieben des Premierministers Asquith und des Earl of Crewe scheint es aber noch weit davon entfernt zu fein, bis diese als eine vollkommene Tatsache betrachtet werden können. Die Haupt schwierigkeiten, die sich einer Entente zwischen Deutschland und England entgegenstellen, schei­nen ht der Behandlung der Rüstungs- f r a g e zu suchen zu sein. Jedenfalls ober wer­den wir mit Freuden eine deutsch-engli­sche Verständigung begrüßen; denn cS ist abso­lut nicht angenehm, einen Bundesgenosscn zu haben, der mit einem anderen Staate in ständi­ger Spannung lebt

Die Pariser .Agence Havas" wußte dieser Tage zu berichten, daß im kommenden Früh­jahr eine Zusammenkunft der Kaiser von Rußland, Oesterreich und Deutsch­land stattfinden werde, der große politische Bedeutung beizumessen sei. Wie uns hierzu aus Petersburg depeschiert wird, bezeichnet man in dortigen offiziellen Kreisen die Nach­richt für vollständig unbegründet. Der Zar werde zwar im März nach der Krim reifen, doch stehe diese Reise mit der Politik in gar keinem Zusammenhang und an eine Drei- kaiser-Zusammenkunft denke niemand.

Der Freisinn und die Altersrente.

Die Fortschrittliche Volk spartet de« Reichstags hat den Antrag gestellt, die Al­tersrente in der Reichsversicherungsord. nung nicht erst vom siebzigsten, sondern schon vom fünfundfechzigsten Lebens- j ah r ab zu zahlen. Der Antrag wird bannt begründet, daß sich die Finanzlage inzwischen gebeffert hat und daß die Mehrausgaben von neun Millionen Mark, die diese Maßregel ver­ursachen würde, jetzr sehr wohl vom Reiche ge-. tragen werden könne. Die Regierung hatte eine solche Herabsetzung erst in vier Jahren i« Aussicht gestellt.

Wassermann bleibt Partei-Chef!

Wie uns aus dem Reichstag mftgeteM wird, hat am gestrigen Tage eine n a t i o n a l- liberale Fraktionssitzung stattge­sunden, bei der der Abgeordnete Basser- mann durch einstimmigen Zuruf und unter Darbringung lebhafter Huldigungen erneut zum Vorsitzenden der Fraktion ge­wählt wurde. Bringt man diese Kundgebung mit den Kundgaben innerhalb der Partei in Zusammenhang, so scheint eS, daß man geftern abermals eine Schwenkung nach links im Sinne Wassermanns vollführt hat, wa« die Spannung in der Partei noch betfebärren dürste. ____________

MM BajimvM.

Deutschland und Siams neuer König.

$te HandelSbe-iehmigen Deutschland» zu leM mächtt« aufblühenden Königreich ®tam nehmen von Jahr zu Jahr an Bedeutung zu. Vor Kurzem hat der neue junge Herrscher Statn» feierlich die Krone ioines Vater» Shulalongkorn übernommen und tot fernen Oste» rote auch in England blickt man erwartungsvoll auf die RegieruugStütigkeU de» jungen König», Auch für Miseren Handel to Siam wird viel von dem neuen Regime abhöngen, tmd von dem BerhLItoi», da» unsere Ver­tretung sich zu der neuen Regierung schafft. Wir geben nachstehend eine kurze Lharakteristik de« neugekronten König», au» der Feder eine« deutschen Forschung»- reisenden, der in wissenschaftlicher Mtsstvn lange in Siam weilte und die Verhältnisse aus eigner Anschauung

Jnserttonivreis«: Di« sechSgespalten- geil« für einheimische W* 15 W, ou» roürtige Inserate 25 Pf. Reklamezetle für einheimische Geschäft« w Pf. für auswärtig« Seschäft« »o Pf. Beilagen für die »esamtaustage werden mit 5 Mark pro Tausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restdeu» und r^r Umgebung sst» die «asteler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» Jnferrionrorgan. «Seschäsrsftell«: «olmsch« Strade 5. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt rv 876.

Die HsukeH-Stistsug Mr btt VviaM.

Wie wir fchon gestern mitteilten, haben die Herren Otto und Karl Henkell, die Besitzer der großen Sektkellereien in Biebrich a. Rh., alle Äejenigen, die infolge der gewaltigen Be­wegung jenseits der Vogesen zugunsten der Aviaiik befürchteten, Deutschland werde in das Hintertreffen geraten, durch die Stiftung der namhaften Summe von hunderttausend Mark, die für das deutsche Militärflugwesen dem Kaiser zur Verfügung gestellt wurde, üb-r. rascht. Herr Karl Henkell teilte einem Pressevertreter mit, daß sich die Stifter schon lange mit dem Gedanken getragen hätten für die Vergrößerung der deutschen Luftflotte eine größere Summe zur Verfü­gung zu stellen. Maßgebend war die Ueberzeu- gung, daß die deutschen Großindustriellen ver- , flichtet seien, der jetzt mächttg aufstreben­den Luftfahrt aus nationalen Gründen mit pekuniärer Unterstützung beizuspringen. Ferner führte Herr Henkell noch einen rein per­sönlichen Grund an. Die beiden Stifter, die schon in weiteren Kreisen als Sportsmen be­kannt sind, haben ihr Interesse auch dem Flug­sport zugewendet.

Des Kaisers Dank.

Der Kaiser hat, nachdem er von der Spende der Herren Henkell in Kenntnis ge­setzt worden ist, folgendes Telegramm an die Stifter gesandt: Ich genehmige gern, daß Sie zur Anschaffung weitere Flugzeuge für das deutsche Heer eine Summe von hunderttausend Mark zur Verfügung stellen und spreche Ihnen gleichzeitig für diese patriotische Tat meinen wärmsten Dank aus. Wilhelm.

Auf Einladung des hiesigen Handelsgeo­graphischen Vereins hielt hier der frühere Staatssekretär des Reichs-Kolonialamis, Ex­zellenz Dernburg, einen interessanten Vor­trag über das aktuelle Thema:Die deutschen Interessen an der Umgestaltung Chinas". Dem Vortrag wohnten über zweitausend Zuhörer bei. Nach Dernburg liegen die deutschen In­teressen in China auf allgemein kulturel­lem und merkantilem Gebiet. Es sind Handelsintereffen, die wir in China zu vertre­ten haben. Von den politischen Dingen lassen wir am besten die Hände weg. Deutsch­land hat ein großes Interesse daran, daß China mehr in den Bannkreis der deutschen Kultur gezogen wird. England habe bisher in China den Deutschen gegenüber einen Vor­sprung, der kaum einzuholen sein werde. In China werde bis jetzt ein Hauptbedarfsartckel, nämlich Baumwolltoaren, von England be­zogen, weil England hierin billiger arbeiten und liefern könne als Deutschland. Aehnltch sei es mit Amerika hinsichtlich der Maschinen. Dernburg schloß seinen Vortrag mit folgendem Satz: Wenn in China die Reformen allgemein durchgesührt fein werden und wenn die Masse

keimen lernte.

König Maha Vnjiravudh, der seinen Kronprinzenrvamen aiI8 Herrscher beibehalt, übernahm am Krönungstage mit der Nachfolge im Lande seines Vaters Chulalongkorn eine er­kleckliche Anzahl von Prädikaten: »Herr de- Weißen Elefanten, Bruder des Mondes, Halb, bruber der Sonne, Oberrichter über Ebbe und Flut und Besitzer der vierundzwanzig gol- denen Sonnenschirme". Der neue Köniz, der am ersten Januar 1881 geboren, genoß ferne erste Erziehung in Bangkok unter der Aufsicht ausgezeichneter europäischer Lehrer; bann tarn er zur Vollendung seiner Studien nach Eu­ropa. Die meiste Zett verbrachte der damals noch nicht zum Thronfolger bestimmte Prinz in England, wo er auf den Universitäten Ox­ford und Cambridge Literatur, Kunstge. schichte Geschichte und Nationalökonomie stu- dierte. Rach Abschluß der wissenschaMck^n Lehrperiode, in der er auch eine gefwtchtittche Abhandlung über Polen publizierte, trat er in die englische Armee ein. Hier ge­wann er sich bald durch fein anfangs streng zu­rückhaltendes, bann aber offen vertrauendes Wesen viele Freunde, die noch heute gern von jener Zeit sprechen. Nach Rückkehr über Ame­rika und Japan, widmete er sich den Interessen für Kunst und Wissenschaften, wobei er speziell ein großes Gewicht auf siamesische Literatur legte. Sein offizieller Beruf war sreflich der

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