gnffelct Neueste Nachrichten
Sonntag, 11. Februar 1L1L
Direk
Vr. w. — 7. Jay«:g«rg.
Rüstungs Einschränkungen in Sicht?
Ein Privai-Telegramm meldet uns ^us Berlin: Wie aus Bundesratskreifen zuverlässig verlautet, hängt die Verzöge run-z der endgültigen Fertigstellung der angekündigten Wehrvorlage mit den Verhandlungen zusammen, die zwischen England und Deutschland schweben und eine Einschränkung der Rüstungsausgäben zum Ziele hat. Daß diese Verhandlungen zu einer völligen Zurückziehung der angekündigten MMärvorlage sühren können, gilt indessen als ausgeschlossen. Man erörtert deshalb auch in Bundesratskreisen eingehend die Dek- kungAfrage, obwohl sie bisher «denso wenig wie die Wehrvorlage selbst Len Bundesrat be. schästigt hat. Die Tatsache, daß man selbst in Bundesratskreifen mit deutsch englischrn Rüstungsverständigungen rechnet, beweist überzeugender als alles andere die hohe politische Bedeutung der Reise Lord Haldaue's nach Berlin.
Aus Metz wird uns berichtet: Generalleutnant Franke, Kommandeur der vierund- dreißigssten Division, wurde in Genehmigung
An der eigenen Fran zum Mörder ae worden. Tas Schwurgericht in Ratibor in Schlesien verurteilte den vicmndzwauzigjLbri- gcn Maurer August W i n k l e r aus A u t i s ^a u, der seine Frau und seine Kinder seit Zähren barbarisch mißhandelte und der Frau auch schon ein Schemelbein in den Leib gestoßen HE, so daß sie verblutete, zur gesetzlich-» Hocyststrafe von fünfzehn Jahren Zuchthaus Die bedauernswerten Kinder wurden in' ein Waisenhaus gebracht.
nr Die Spione von der Wasserkante. Der Schutzmann Heinrich Suhr, der zur Wilhelmshavener Schutzmannschaft gehört, ist seit zwei Tagen verschwunden. Man vermutet, daß er der Helfershelfer des nach England entkommenen Schutzmannes G l a u ß ist. Wahrscheinlich hat auch Suhr sich nach England gewandt Man glaubt, daß er Helfershelfer hatte, die ihm die flucht erleichterten.
Lr Ein Hungerstreik im Seminar. Die Alumnen des griechisch-orientalischen Seminars in Lemberg in Galizien veranstalteten einen Hungerstreik, mit dem sie die Vorgesetzte bischöfliche Behörde zwingen wollen, alle die Mitglieder aus dem Seminar auszuweiscn, die ruffenfreundliche Gesinnung haben. Es ist >edoch kaum anzunehmen, daß die bischöfliche . Behörde dem Drängen der Senlinaristen nachgeben wird. Einige Russen haben freiwillig das Seminar verlassen.
^Defraudanten im französischen Heer. Der Zahlmeister des 57. französischen Ariillerie- Regrments. das in Toulon in Garnison i liegt, ist seit einigen Tagen flüchtig. Eine so- : fort vorgenommene Kassenrev-sion ergab ein J Defizit von zwanzigtausend Franks. Bei einer 1 in der Wohnung des Zahlmeisters Vorgenom- i menen Haussuchung wurden mehrere Bhoto- gravbien vorgefunden, auf denen er in fideler - Gesellschaft dargestellt ist. Man nimmt allge- 4 ÜIeInJ?n.' der Zahlmeister mit einer Dame - das Weite gesucht hat. Wohin er sich gewandt l hat, konnte allerdings bislang noch nicht fest- l gestellt werden.
ter Günther vom Naumburger Stadi- t h e a t e r, der sick durch künstlerisch bochste- bende Freilichtaufführungen auf der Rudels- bürg und verschiedene interessante ilrauffüb- rnnqen einen Namen gemacht Hai, verössenilicht in der Naumburger Bresse einen .Notschrei",
'SX ~.cr Streik im belgischen Koblen Nevier. Aus dem belgischen Aufstandsgebiet laufen weiterhin ernste Nachrichten ein. Die Ausständigen plündern jetzt alle mit Btze, Milch, Brot und sonstigen Lebensmitteln Wiladenen Wagen, die ihnen in die Hände fahew Sie griffen auch einen Wagen der Staate hn an worauf eine Anzahl Flaschen transportiert wurden. Die Flaschen wurden auf der Straße zerschlagen. Auf einer Zeche überfielen die Ausständigen Arbeitswillige und bombardierten sie mit Steinen. Zwei weitere Schwa, dronen Jäger sind nach dem Streikgebiet abgegangen.
Da« Neueste Kunst-sttzangelium.
Aus Paris wird uns geschrieben: Die schon bei ihrem ersten Auftreten mit großem Halloh begrüßte ultramoderne italienische Mal- fchule der .Fu tu rist e n" hat jetzt in Paris ihr erstes Gastspiel angetreten, zum Dank aller derer, die sich den Sinn für Humor und Komik glücklich bewahrten. Tas Interessanteste und Vergnüglichste an dieser Ausstellung modernster italienischer Malerei ist das prachtvolle Vor wort zu dem Katalog. „Wir stehen an der Spitze der zeitgenössischen europäischen Malerei," so heißt es bescheiden in dem Manifest, .wir sind die Gleimzeitigkeit vom Bewußtsein des Zustandes in Kunstwerken: denn das ist das berauschende Ziel unferer Kunst und das,
Kleines FeMetkm.
Notschrei eines Theaterdirektors.
nerstraße eine aus fünf Zimmern bestehende Wohnung für dreitausend Mark gemietet und die Spediteure sind bereits beschäftigt, ibre Mö- bel in ihrer neuen Wohnung auszustellen, lieber ben völlig ungewissen Gerichtsstand für Frau Toselll verlauten aus Anlaß des Eut- "!?^^gu!lgsgerüchtes aus Wien von einer in alle Phasen der Angelegenheit eingeweihten Person folgende Mitteilungen: Rach einer auch in Wiener Blatter übergegangeneu Meldung ,oll voni lachsischen Hof beim Wiener Hof- mar,challamt um die Verhängung der Kuratel über die Gräfin Montignoso augcsucht worden fein. Es kann mit Bestimmtheit behauptet werden, daß die Meldung in keiner Welse den Tatsachen entspricht. Vor allem mußte, um einen solchen Antrag einbringei! zu können, die Staatsbürgerschaft der Gräfin Montignoso festgestellt fein. Man weiß aber heute, gar nicht, ob die Gräfin italienische oder sachstiche Staatsbürgerin ist. Auch wäre erst zu bestimmen, welches Gericht für ein solches Ansuchen kompetent fei.
Weiter fragt es sich, wer einen solchen Antrag auf Verhängung der Kuratel einbrinqen konnte. Ihr früherer Gatte, König Friedrich August von Sachsen ist hierzu gewiß nicht kompetent, denn die Ehe wurde geschieden. Wohl aber Ware zu einem solchen Schritte der Chef des Hauses Toskana, gegenwärtig also Erzherzog Josef Ferdinand, berechtigt in zweiter Linie Wohl auch die Mutter Großherzogin Alice von Toskana, aber weder von der einen, noch von der anderen Seite liegt bis jetzt ein derartiger Antrag vor. In der Sache selbst aber entstände in diesem Falle die -zrage, welche Art von Kuratel denn angestrebt werden sollte. Eine Verschwendungskuratel wohl kaum, denn dazu liegt kein Anlaß vor Die Graft» Montignoso verschwendet nichts' Es blrebe also nur eine Wahnsinnskura- t c l übrig. Wie aber kann man darum an- suchen, ohne vorerst den Geisteszustand der be- treftenden Person untersuchen zu lassen, Sach- verstandige zu hören usw. Je weiter man in die Sache emdringt, desto klarer wird es, daß es sich bei der Dresdener Meldung um eine ganz aus der Lust gegriffene Rach- -1 Handelt, deren Ursprung nicht nachzuwei- >en ist, die aber gewiß in das Reich der Erfin- dungen gehort. Die Frau hat in ihrem Leben biel Schicksal herausgefordert, und auch viel Schicksal erlitten, aber dieses düstere Ende darf man ihr doch nicht wünschen.
Neues vom Tage.
(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.!
rrr Wieder eine Schüler-Tragödie. Der bter5el)niäfjrige Obertertianer Leder aus Kiel schoß sich aus verletztem Ehrgeiz im Real- Ghmnasium eine Kugel in die Brust. Er ist der Sohn eines königNchen Polizeikommissars. Wegen nicht genügenden Fleißes war er wiederholt getadelt worden. Gestern erhielt er eme Stunde Arrest. In der Zeichenstunde ver- schenkte Leder an verschiedene befreundete SRuler einige feiner Sachen und kurz darauf schoß er sich im Flur der Schule eine Kugel in die Brust. Es scheint, daß die Lunge schwer verletzt ist. Man hofft jedoch, den Jungen durch eine Operation am Leben zu erhalten.
jz Ein Bankkrach in Südhannover. Der Osteroder Bankverein Richter. Uhl und Co. in Osterode am Harz, hat feine Zahlungen
Da?. Gesellschaftskapital beträgt ioOOOO Mark, die Reserven beziffern sich auf 250000 Mark In den letzten fünfzehn Jahren sind regelmäßig sieben Prozent Dividende verteilt worden. Der Bankverein ist in der Form einer offenen Handelsgesellschaft betrieben worden. Die Schwierigkeiten sollen durch waghalsige Spekulationen und leichtfertiges Kreditgeben entstanden sein.
sie WlM des Tages.
Freiherr von Hertling: Der neue Man»!
-,,.?^idrivat-Te leg ramm meldet uns Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß Graf, Aehrenthals Krästezustand ”1 ^"^b'Zrifferr ist. Von den Aerz- ten wird die, Befürchtung ausgesprochen, er werde den Marz nrch t m e h r e r l eb e n.
Zweitausend streikende Dockarbeiter veranstalteten gestern in London einen Umzug ourch die Straßeu der Stadt. Sie errichteten an verschiedenen Punkten Barrikaden ,£u£ ^nem heftigen Kampf zwilchen Arbeitswilligen und Ausständigen, wobei viele Personen verletzt wurden Nur mlt großer Mühe gelang es der Polizei, die Ruhe wieder herzustellen. "• a
7'ues Abschiedsgesuches zur Disposition Lcinm Nachfolger ist Generalleut- e-U nl ^shcr Kommandeur der dreizehnten Jnsantenebngade, ernannt worden.
Lr£nLP$e Budgetentwurf für das neue ^afyr weist einen Fehlbetrag von 2 9 ^awnen gegen 2.7 Millionen und 2,9 Millionen ut ben beiden Vorjahren auf. Die innere Lage des Staatshaushalts hat sich jedoch so ""günstig verschoben, daß eine erhMiche s-eurrerhohung für unvermeidlich erklärt
n e u e G e s e tz, das in ihr waltet.' Dies neue Gesetz wird dann des näheren erklärt. Es lautet: „Ein Gemälde muß die Synthese sein von dem, dessen wir uns erinnern, und von dem, was wir sehen. Wenn wir auf dem Sofa sitzen, dringt räumlich unser Körper auf das Sofa ein, und das Sofa auf uns. Der Autobus jagt durch die Häuser und die Häuser ihrerseits dringen auf den Autobus ein. Daraus folgt, daß nach der Darstellung der rechten Schulter oder des rechten Ohres des Menschen auf dem Bilde es völlig müßig und unnütz ist, auch das linke Ohr oder die unke Schulter zu malen. Gleichnisweise: Wir malen keine Töne, sondern nur die vibrierende Intervalle zwischen ihnen.' . . . Dieses amüsante Programm, das nebenbei ein merkwürdiges Bild von den musikalischen Kenntnissen der Futuristen bietet, gipfelt dann in der Erklärung, daß die schöne, stolze und einzige Mission dieser Aukunftsmale- rei darin besteht, „ben Zustand des Geistes zu malen'. Was diesem Katalog folgt, die fünfunddreißig „Gemälde", sind nicht halb so amüsant, ja sie sind im Grunde gar nicht amüsant. Da steht man z. B. Signor Severini, einen „Tanz in einem Montmartre-Nachtlokal' malen: Mit großem Eifer sind hier lose Beine, Gesichtsteile und Möbelfragmente auf der Leinwand mit rohen, grellen Farben aufgetragen. Signo Carra schildert uns mit dem Pinsel das „Begräbnis eines Anarchisten' und häuft zu diesem Zwecke nur Vierecke, Linien und Kreise von rätselhafter Deutung auf die Bildkläche. Mit der gleichen wunderlichen Geometrie gestaltet Signor Boccioni den ..Zustand des Geistes' beim .Abschied', bei denen „die da scheiden' und bei denen, „die zurückbleiben.' . . . Die Leistungen dieser modernsten italienischen Maler stellen selbst die Leistungen der Pariser „Cubisten" in ben Schatten und erregen ungeteiltes Entzücken. -hd-
die vor bem Lokal versammelte Menschenmena^ auseinandertreiben. Er wurde aber von csttt" gen pingen Burschen angegriffen, ^er
6«b schnell hintereinander drei Schüsse ‘ab von denen zwei einen der Beteiligten'jchw-r verletzten. Der Verwundete wurde in d-Ü- ludische Krankenhaus gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt.
Der Roman einer Msterttochter.
Charlotte Amelie, Prinzessin von Schwarzbnrg.
(Von unserm Korrespondenten.)
Aus B ern wird uns geschrieben: Im Alter von mehr als fünstmdneimzig Jahren starb in einer ber letzten Rächte auf ihrem prächtigen Landsitz im Glockeutal, an der Straße zwischen Thun und Steffisburg, Frau Baronin Charlotte Amelie von Jnd, geborene Prinzessin von Schwarzburg-Son- dershausen. Die Baronin wurde geboren am sechsten September achtzehnhundertsechzehn 5u Arnstadt als Tochter des Prinzen Johann Karl Günther von Schwarzburg-Sondershau- sen, der achtzehnhundertvierundvierziy als hannoverscher Generalleutnant starb, und ber Prinzessin Giimtherine von Schwarzburg-Souders- Hausen (die Eltern der jetzt berftorbenen Greisin stammen aus ein und demselben Fürstenhause und waren Vetter und Base). Vor mehr als fünfzig Jahren kam die Baronin mit ihrer Mutter und Schwester auf einer Schweizer- k eise nach Thun, woselbst man sich längere Zeit aufhielt. Hier gewann der schweizerische Oftrzier H a n s H e i n r i ch I u d, der ein vor- irekflicher Reiter war, Herz und Hand der Prinzessin. Jnd, ber ans Egg im Kanton Zü- nch stammte, war damals Artillerieinsttukteur ^N^°?"^chen Armee. Fürst Günther von Schwarzburg-Sondershausen verlieh ihm zu Nnsang des Jahres achtzehnhunbertsechsund- stlnfzig den Abel und erhob ihn in den Frei- herrnstand. Am fechsundzwanzigsten Februar
Es ist also Wirklichkeit geworden, was vor- auszuiehen war: Der Führer der bayerischen Zentrumspartei übernimmt das Amt 5es ersten Staatsbeamten Bayerns. ~CT d.rinzregent von Bayern bat gestern das -Semifftonsgesuch des Staatsministers Grafen von Podewils angenommen und ihn unter Verleihung des Hausritterordens- vom heiligen Hubertus und unter Belassung des Titels und Ranges eines Königlichen Staatsministers in ben erbetenen Ruhestand versetzt. Gleich zeittg hat ber Prinzregent ben Reichs rat Dr. tf.rÜHrrn von Hertling zum Staais- minister des Königlichen Hauses und des Aeu. Heren ernannt und ihn beauftragt, Vorschläge über die Neubildung des Gesamtmi. ni st e r i u m s zu unterbreiten. Freiherr von Hertling steht im achtundsechzigsten Lebens- lahre.
Die jüngsten „M. d. R“. Die jüngsten Mitglieder des neuen Reichstags sind nach dem letzt ausgegebenen Perfonalverzeichnis der so- zialbemokrattsche Abgeordnete W e n b e l, ber siebenundzwanzig Jahre alt ist, der im gleichen Alter stehende Zentrumsabgeordnete R o ß - m a n n, der ein Jahr ältere sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Weyll, der Zentrumsabgeordnete Bolz, der dreißig Jahre alt ist, und der zwei Jahre ältere nationaMberale Abgeordnete Reinath. Der frühere jüngste Abgeord- nete Erzberger steht bereits im siebenund- dreißigsten Lebensjahre.
ä Erst zwei Jahre Zuchthaus, dann . . . frei gesprochen; Ein Privat.Telegramm berichtet uns aus Detmold: In dem aufsehenerregenden Meineidprozeß gegen ben sozialistischen Organisator, Holzbildhauer Mau. rer, verneinten gestern die Geschtvoreuen die Schuldfrage, worauf der Angeklagte frei gesprochen wurde. In ben letzten Sommertagen hatte das Schwurgericht Detmold den Angeklagten zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Reichsgericht hatte dieses Urteil aber wegen eines Formfehlers aufgehoben.
Lr Berlin bei Rächt. Gestern nacht gegen zwölf Uhr kam es in einem Cafs in der Linien- straße in Berlin zu Zwistigkeiten zwischen einigen Gästen. Der Streit hatte bald viele Neu- gierige herbeigelockt. Ein Schutzmann wollte
' uhundertsechsunbfünszig feierte ber ' schweizer lerne Hochzeit mit ber deutschen ■ ?Äs"toatter Die Ehe, die, wenn auch kin- derlos, doch überaus glücklich war, dauerte nur wenige Jahre.
Jud starb schon im Januar achtzehnhundert- oiirundsechzig an einem Lungenleiden, nachdem er bis zum Hauptmann im Generalstab avan- C'ert war. Man kann sich denken, daß die Hei- rat der deutschen Prinzessin mit bem sckweizeri- schni Onizier das größte Aufsehen er- Dichtung und Wahrheit wanden ihren bunten Kranz um diese Neigungsheirat und wurde manches berichtet, was den Tatsachen Ä'iS'ni nach bem
-^ode ihres Gemahls lebte bie^Baronin von ^ub im sommer in Steffisburg und im Win- ter in Cannes; später verließ sie ihren Landsitz im Glockental nur noch für kleine Ausflüge Sie war eine geistig hochstehende, edelgesinnte aZ?11 tiefer Religiosität. So lange es ihre Gesundheit ihr erlaubte, besuchte sie regel« waßig die Predigt in ber Dorstirche von Stef- fisburg^ Hochverehrt ivär die Greisin wegen ihrer Wohltätigkeit, die sie im Verborgenen übte. Trotz eines schweren Augenleidens und ihrer Schwerhörigkeit war die Baronin von Jub auch in ihrem hohen Alter noch von großer Rüstigkeit unb lebhaften Geistes; sie in- tereffierte sich namentlich für politische Ange legenhe it e n. In ihren letzten Le- benszahreu lebte sie zusammen mit ihrer Nichte, der Witwe bes in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verstorbenen Obersten von Egidy, des bekannten Vorkämp- fers ftir die echische Kultur. An die Familie von Egidy fällt auch als Erbe das erwähnte Prachtvolle Landgut ber Verstorbenen, -sd-
daß seine Lage infolge der Konkurrenz von Tanz- unb Vereinsvergnügungen verzweifelt sei. Wenn bas Interesse bes Publikums für bas Theater nicht bald größer werde, ivürden die Theatermitglieder durch den Zusammenbruch des Theaters mitten im Winter dem größten Elend preisgegeben werden.
Millionenstiftung an ber Heidelberger Universität. Der badische Unterruhtsminister Dr. Böhm teilte in der Zweiten Kammer gelegentlich einer bei Besprechung des Hoch- schulbudgets ans Abgeorbnetenkreisen gegebene Anregung zur zeitweiligen Unterstützung ber Hochschulen ans privaten Mitteln mit, daß der Universität Heidelberg neuerdings eine solche Zuwendung in Höhe von einer Million Mark zu naturwissenschaftlichen Zwecken testamentarisch vermacht worden sei.
-Qs Zurückgezogenes Theaterstück. Ein Vorfall, der wohl im Theaterleben kaum dagewesen sein dürfte, ereignete sich am Dienstag in Paris am „ThsLtte des Mathnrins'. Aus bisher noch nicht bekannten Gründen hatten sich plötzlich die Verfasser eines „Ein Staatsstreich' betitelten Stückes, dessen Premiere für Dienstag anstand, veranlaßt gesehen, die Di- rettion um Nichtaufführung ihres Stückes zu ersuchen. Das Theater war abends bis fast auf den letzten Platz gefüllt, und bas Publikum barrte mit großer Ungeduld des Anfanges, als zur größten Verwunderung aller plötzlich der Regisseur vor den Vorhang trat unb bie Tatsache bekannte, baß bie Aufführung des Stückes unterbleiben müsse, da bie Verfasser es zurückgezogen hätten. Unter Murren verließ das enttäuschte Publikum bas Theater. Die Polizei hatte alle Mühe, die Zuschauer zu zer- irtuen.
Halm Leiter des Münchener Künstler- TheaterS. Das Münchener Künstler-Theater hat an Stelle Max Reinhardts den Direkwr des Neuen Schauspielhauses in Berlin, Alfred Halm, zum Spielleiter ft'ir diesen Sommer gewonnen.
iS: Verleihung eines französischen Literaturpreises. Aus Paris wird berichtet: Der Li- teraturvreis in Höhe von sechshunderttausend Francks, der von dem Blatte „Ercelsior' ausgesetzt war, wurde dem Schriftsteller V i g 1 n a u d zuerkannt.
Todes erhalten. Die Zusammenzählung ergab 1888. „Und wann wird das Deutsche Reich untergehen?' lautete des Prinzen dritte Frage. Wie sie es schon zweimal getan hatte, schrieb die Wahrsagerin die erhaltene Summenzahl shier also 1888) nieder und dann darunter dieselbe Zahl in vertikaler Reihe; es ergab sich folgendes Zahlenbild:
1888+14-8+8+8
„Zählen Sie diese Zahlen zusammen, unb Sie erhalten das Datum des Niederganges des Deutschen Reiches.' Der Prinz fand bie Zahl 1913. „Das ist (versichert der .Matin') bie seltsame „Legende', die seit ber Mitte des vorigen Jahrhunderts im deutschen Kaiserhaus beziehungsweise im preußischen Königshaus verbreitet ist. Zweimal hat sich bie Prophezeiung als richtig erwiesen: Im Jahre 1871 wurde König Wilhelm zum Deutschen Kaiser gekrönt, unb im Jahre 1888 ist er gestorben. Schweren Herzens sehen daher gewisse Mitglieder des Kaiserhauses den dritten „Verfalltag' immer näher rücken; die Kriegswolken, bie sich jüngst um Deutschland zusammenballten und ber große Wahlsieg ber Sozialdemokraten gelten ihnen als unheilverkünbenbe Vorzeichen . . .' Es a also auf jeden Fall zu Ende mit Deuisch-
; und die Franzosen hätten sich, da bas Deutsche Reich neunzehnhunbertdreizebn boch von ber Landkarte verschwinden muß, nicht erst in die Unkosten des Marokkovertrages zu stürzen und uns nicht erst das schöne Kongoland zu verehren brauchen ... -a-
Wer noch ein Fahr...?
Emc Sohenzollernlegenbe bes Pariser „Matin". (Von unserm Korrefponbenten.)
^Spätestens im Jahre neunzehnhundertdreiiehn wird luttert. Ihr Germanm!) das Deutsche Reich zu enftiere« aufgehört haben. Der Pariser „Matin" ist es, der das hocherfreut feinen Lesern mitteilt, indein er stch auf eine düstere Hoheuzolleru.Legend- be. ruft. Man kennt, (so schreibt das Pariser Boulevardblatt) im deutschen Kaiserhaus eine merkwürdiges egende die „gewisse Prinzen mtt abergläubischer Jurcht erfülli". Neber diese „Legende" erzählt der vortreffliche „Matin" nun Folgendes:
Als im Jahre achtzehnhunbertneunuubvier- jlg ber Prinz-Regent, ber später als Kaiser Wilhelm ber Erste der Gründer des Deutschen Reiches werden sollte, während des badischen Aufstandes bie gegen die Revolutionäre entsandten Truppen befehligte, hötte er eines Tages von einer berühmten Wahrsagerin, deren Prophezeiungen immer eingetroffen fein sollten. Er war neugierig, sie kennen zu fernen und sich von ihr weissagen zu lassen. Die Sibylle arbeitete in ber Weise, baß sie einen Bleistift über eine Anzahl kreisartig angeorbneter Zahlen hinsahren ließ, unb ihre Antworten be» stanben ans Zahlen, bei betten ber Bleistift Halt machte. „In welchem Jahre', fragte ber Prinz, „wirb bas Dentfche Reich ge = grunbet werben?' Die Prophetin schrieb die Jahreszahl 1849 nieder, dann nacheinander unter die neun die Zahlen, bei denen der Bleistift stehengeblieben war. Zu nicht geringer Ueberraschmig des Prinzen waren das, vertikal angeordnet, dieselben Ziffern, die die Zabl 1849 bildeten, so daß die Zahlenreihe so aus- sah:
1849+1+8+4+9
__„Zählen Sie diese Zahlen zusammen, unb Ste erhalten bas Datum Ihrer Krönung," sagte die Wahrsagerin. Die Zufammenzählung ergab 1871. „In welchem Jahre werde ich sterben ?' lautete die zweite Frage des Priit 3en. Die Prophetin schrieb 1871 und machte es dann ebenso wie beim ersten Mal; sie bildete in der oben geschilderten Weise nachstehende Additionsreihe:
1871+1+8+7+1
„Zählen Sie diese Zahlen zusammen," Krach fte, „und Sie werden bas Datum Ihres
Jas Neueste aus AM
Die „Schlangen".
Und dann bie kleinen Mädchen. . . Caffel ist nicht umsonst Pensio nsstadt. Ohne die vielen kleinen Fräuleins, bie die bunte unb lustige Note in das Grau des nüchternen Großstadtlebens bringen, bürste die Fuldaresi- denz trotz aller seinen Reize nicht halb so srennblich sein. Möchte wiffen, was aus dem Sttaßenbild werden sollte, wenn sie nicht mehr ausschwärmen würden, bie allerliebsten Figürchen mit den frischen Gesichtchen unb den farbigen Haarschleifen, und im Gewühl der wich.' tigsten Straßen unb Plätze allenthalben auftauchten wie muntere Gedanken. Oder in geschlossenem Zuge, zwei zu zwei, wie eine lange, schillernde Schlange sich durch die Sttaßen wänden. Schwatzend, kichernd, lachend, mtt