COlerNeueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Hesstsche Abendzeitung
Nummer 56
Sonnabend, 10. Februar 1912.
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
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Kaifer und Kanzler bewegten!
F. H.
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Primregent und Thronfolger.
Ernste Differenzen im Hause WittelSbach?
Die bayerische Parlaments- und Kabinettskrise zieht immer weitere Kreise. Es kann schon heute als sicher gelten, daß die Tagung des neugewählten Landtags mit einem folgenschweren Skandal über die geheime
plünderten. Die Regierung sieht sich genötigt, weitere Verstärkungen des Militärs heranzuziehen. Wenn das Referentum, das heute veranstaltet wird, und an dem nur Bergarbeiter, die das einundzwauzigste Lebensjahr erreicht haben, teilnehmen dürfen, nicht die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit bestimmen
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Wie uns schließlich noch ein P r i v a t - Telegramm aus Lissabon meldet, haben auch in Portugal Regengüfle und Stürme un- absehbaren Schaden angerichtet. Die Zahl der auf dem Tejo untergegangenen leichten Fahrzeuge beträgt mehr als achtzig. In den Provinzen sind viele Häuser eingestürzt. Verluste an Menschenleben sind in vielen Ortschaften zu beklagen. Große Landstrecken befinden sich in Rot und leiden teils an Le- bensmittelmangel. Nach dem oberen Flutzteil des Tejo sind zwei Dampfer mit Lebensmittel abgegangen, um die größte Rot unter der Bevölkerung zu lindern.
sollte, dann dürfte es in der nächsten Woche bei der Fortsetzung des Streiks zu ernsten Unruhen kommen, da die N
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Wahl-Unterstützun- des Zentrums durch die Regierung beginnen wird, und es läßt sich noch gar nicht absehen, welche Wirkungen diese Affäre letzten Endes haben wird. Inzwischen scheint die Krise auch in die allerengsten Hof- kreise eingedrungen zu sein, wie sich aus fol- gender Meldung ergibt:
München, 9. Februar.
(Privat-Telegramm.)
Eingeweihte hiesige Kreise sind fest davon überzeugt, daß in den letzten Tagen zwischen dem Prinzregenten und dem Throne folger scharfe Auseinandersetzungen stattgefunden haben, die die Kabinettskrise betrafen, und die jedenfalls auch zu den sensationellen Gerüchten über den nahe bevorstehenden Wechsel in der Regentschaft Anlaß gegeben haben. In politischen Kreisen und selbst an den amtlichen Münchener Stellen rechnete man für gestern bestimmt mit der Bekanntgabe der Ministerliste wie auch mit dem gleichzeitigen Verzicht des Regenten auf die Regentschaft und damit naturgemäß mit dem Anheimfallen der Regentschaft an den Prinzen Ludwig. Das offiziöse gestrige Dementi sprach denn auch nur davon, daß ein derartiger Regentschaftswechsel „in den letzten T a g en und Wochen" nie in Frage gekommen sei, enthielt sich aber der Feststellung, daß auch der Regentschaftswechsel nicht zu erwarten sei. Es handelt sich also wohl nur um eine Verzögerung des Termins. Im Augenblick ist die Frage eine Frage normaler Natur, denn tatsächlich hat Prinz Ludwig die Regierung bereits angetreten, indem er (was bei dem außergewöhnlich hohen Alter des Prinzregente« erklärlich genug ist) in die Herbeiführung und die Lösungsversuche der Ministrrkrifis handelnd eingegriffen hat.
Jnsertton-prels,: Dl« f«ch«gespaltme gelte für einheimische Geschäfte 15 Pfg., für au«. wattige Inserate 25 Pf, Reklame,eile für einheimisch« Geschäft« 40 Pf, für auswärtige Geschäft« 60 Pf. Beilagen für di« Gesamtaustag« werben mit 5 Mark pro Taufens berechnet. Wegen Ihrer dichten Berbrettung in der Restbenz und der Umgebung sind di« Gasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« Jnsertton«organ. Geschäftsstelle: Sälnische Strabe 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676-
lichkeit wichtiger politischer Ge- schäfte" nach Berlin geführt hat. Das klingt wahrscheinlicher als das „Chronrcle"-Märchen, das vom heimischen offiziösen Draht (Charakteristikum!) ohne Kommentar durchs Lands getragen wurde.
Was bezweckt nun das Massenaufgebot reisender Minister und Diplomaten? Man hört, Lord Haldane sei nach Berlin gekommen, um einen „Austausch authentischer Informationen" Wer die bevorstehenden militärischen und maritimen Reurü st ungen Deutschlands und Englands herbeizusühren, gleichzeitig aber auch in allen übrigen, noch schwebenden Fragen mit den maßgebenden Berliner Stellen Fühlung zu nehmen. Diese Annahme dürfte der Wirklichkeit ziemlich nahe kommen: England fleht ein, daß das Wettrüsten zur See auf die Dauer für keines der beiden Länder erträglich bleiben kann, und sucht also den Faden der Verständigung da wieder auszunehmen, wo er vor ein paar Jahren von deutscher Hand zerschnitten ward. Vielleicht dämmert auch in England allmählich die Er. kemftnis herauf,daß für dieJnteressenAlbions «in freundschaftliches Zusammengehen mit der stärkstenLandmacht derErde und der erstarken, den Seekraft Deutschlands vorteilhafter ist, als ein Rebeneinandergehen mit geballter Faust. Daß auch koloniale Handels- g e s ch ä f t e mit den Ministervisiten in Verbindung stehen, ist zwar (Solf in London!) nicht unmöglich, aber doch kaum so wahrschein, lich wie die andre Annahme, daß wichtige Macht- und Wehrfragen die Schritte der reisenden Staatsmänner beflügelt haben. In den letzten Januar- und ersten Februartagen hielt regelmäßig um die Mittagsstunde am Portal des Reichskanzlerpalais in der Berliner Wilhelmstratze das Automobil des Kaisers: „Kaiser und Kanzler redigieren die Thronrede" flüsterten die Kulissenmänner. Run, die dreißig Sätze der Thronrede haben dies«. Mühe sicher nicht verursacht; vielleicht erfährt man bald, wenn die Tage der Reifen und Rätsel vorüber, welche Gedanken damals
Rätsel- und Reisr-zeit.
Die „Reise-Saison" in der hohen Politik.
Roch Wt der Hornungmond, in glitzernd Eis gepanzert, seine harrte Herrschaft, und zum Reisen ist jetzt wirklich nicht das rechte Wetter. Das hat indessen nicht verhindern können, daß wir uns in der internationalen Politik bereits heut einer „Reise-Saison" erfreuen, deren Lebhaftigkeit von keinem Erinuemngs- beispiel der bekannten „ältesten Leute" erreicht wird. Daß diese eigenartige Erscheinung mit dem politischen Geschäft in direktem Zusammenhang gebracht werden darf, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, denn zum Vergnügen, oder in (kaum dringlichen) Privat, angelegenheiten pflegen selbst die emsigsten Diplomaten und Staatsmänner aus der eisigsten Höhe des Winters nicht über den Kanal zu dampfen. Mit dem Staatssekretär im Reichskolonialamt begann's: Herr Dottor Solf ging unter Eskorte von zwei (als besonders tüchtig geschätzten) Geheimräten auf die Englandfahrt, und man vernahm, ein wenig verwundert, Exzellenz beabsichtige im winterlichen Albion sich für sechs oder acht Tage mit besondrer Hingabe dem Studium des Diamantenhandels zu widmen. Die Zweifler wiegten das Haupt: Zur Ergründung der Geheimnisse dieser funkelnden „Steine der Weisen' hätte es einer Ministerfahtt nach England und der Assistenz zweier Geheimräte nicht bedurft; man hätte es durch den Vortrag eines heimischen Fachmanns billiger, erschöpfender und bequemer haben können. Aber Herr Solf kam heim, und emsige Federn raschelten, der Herr Staatssekretär habe aus England eine funkelnagelneue Entwicklungs-Theorie für den deutschen Diamantenhandcl mitgebracht.
Man tröstete sich: Immerhin etwas! Und in den Schauern des heftig einsetzenden Parla- mentssrebers ward das Ereignis bald vergessen. Um dieselbe Zeit fast, wie sein Kolonial, kollege, ging aber auch Herr von Kiderlen.- Waechter aus Reisen, und selbst die Ver- ftautesten der Wilhelmstraße vermochten nicht zu ergründen, nach welchen Gestaden sich der Herr Staatssekretär diesmal gewandt. Einmal hieß es, er erhole sich in den schneeigen Bergen des Schwarzwalds von der Schwüle der Berliner Lust; dann wieder vernahm man, er weile in der Hauptstadt des Schwabenlands, wo er mtt dem württembergischen Ministerpräsidenten (Freund und Bundesbruder) ttaulichen Rats pflege. Weiches dringliche Sehnen Herrn von Kiderlen aber w i r k l i ch von Berlin im Winterwetter fortgetrieben (in einer Zett, da das innerpolitische Geschäft aller Hände bedurfte), ist bis heut noch unentschleiertts Geheimnis. Ebenso rätselhaft ist auch der wochenlange Ber. threr Aufenthalt des ersten Rats der Londoner Deutschen Botschaft, des Herrn von Kühl- m a n m Offiziös ist erzählt worden, der Herr sei „zur Erholung" über den Kanal gekommen. Wenn aber jemand sich erholen will, pflegt er doch wohl kaum tagaus, tagein im Auswätti- gen Amt in Berlin rastlos zu arbeiten, wie Herr von Kühlmann es tut (der übrigens so vorttefflich aussieht, daß feine, an den Schreib- ttsch der Wilhelmstraße gebannten Kollegen ihn ordentlich betreiben). Der Herr Botschaftsrat scheint also vorerst noch keine Zeit zur Er. holung zu haben. Warum: Selbst die Hellseher zucken die Achseln!
Ebenso rätselhaft ist, was Sir Edward Goschen, den Botschafter Englands in Ber- lin, am letzten Sonntag veranlaßte, auf dringlichen Anruf plötzlich nach London abzu. reifen. Es gehört nicht die lustige Gabe des Grassprießen-Hörens dazu, in diesem außer, ordentlich regen Reisebettieb eine Art Zusammenhang zu wittern; eine Annahme, die auch dadurch bestärkt wird, daß in dieser Woche ersten Tagen der greise Lord Beresford (beim Deutschen Kaiser sehr geschätzter Gast, und außerdem Vater des Gedankens einer großen englischen Landarmee) in Berlin auftauchte; „ganz zufällig" natürlich, auf der Heimreise von einer kleinen Tournee über den Kontinent, die der nun bald Siebzigjährige indessen kaum des Vergnügens halber unternommen haben dürste. Und am Donnerstag in der Morgenfrühe ist dann auch der englische kriegsminfster, Lord Haldane, in Berlin angekommen, avisiert vom Londoner „Datth Chronicle", der sich verpflichtet fühlt«, eilfertig kundzutun, daß „die Reife des Ministers einen rein '-ribaten Charakier trage". Es ist zum mindesten einigermaßen überraschend, daß englffche Botschafter, Lords und Minister, in diesen Wintertagen von belanglosen Reben- fächlichketten so unbarmherzig aus der Behag- lichkeit der Amtsstube aufgescheucht, und auf beschwerliche Reisen getrieben werden. Die Le Edoner „Times" sind denn auch ehrlich ge- «ug. zu sagen, daß Herrn Haldane „die Dring.
Mnterflut und Hungersnot.
Ueberschwemmungen in Spanien und Portugal.
Die Ueberfchwemmungs - Kata- st r o p h e, die in den ersten Februartaam über die Pyrennäen-Halbinsel hereingebrochen ist, hat in Spanien sowohl wie in Portugal große Verheerungen angerichtet. Depeschen aus dem SWen Spaniens schildern die Lage als geradezu trostlos. Von Tag zu Tag nehme dieSituation ein bedenklicheres Aussehen an, und die bittere Rot stehe vor jeder Tür. Besonders in den Provinzen Saulucar und Cadix ist das Elend groß. Eine große Anzahl von Fischern, deren Beute infolge der starken Winde eine sehr geringe ist, überfiel gestern zwei Bäckerwagen und fetzte sich in den Besitz der Brote, um ihren H u n g e r zu stillen. Weitere Meldungen besagen:
Madrid, 9. Februar.
(Privat-Telegram m.)
Der Schaden, der bis jetzt durch die Ueberschwemmungen der letzten Tage verursacht worden ist, wird auf viele Millionen veranschlagt. Aus allen Teilen des Landes laufen fortgesetzt Meldungen über Verheerungen ein, die durch die Ueberschwemmungen angerichtet worden sind. Die Lage ist sehr ernst. Der Madrider Kabinettsrat hat Maßnahmen zur L i tu derung ber Rot unter der Bevölkerung in den heimgesuchten Gebieten getroffen. Verschiedene Hilfszügc mit Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Materialien zum Bau von Baracken sind abgefatebt wovden. Sehr viele Häuser, die durch dir Fluten unterspült worden sind, sind ein gestürzt oder unbewohnbar geworden. Die Zahl der Verunglückten ist sehr beträchtlich, doch schien darüber noch genaue Aufstellungen. Das Unwetter hält noch an, wenn es auch an Heftigkeit nachgelassen hat. Besonders arg mitgenommen wurden die Städte Saragossa, Badajoz, Cordoba, Sevilla und Cadix. In San Lucar, Provinz Almeria, plünderte die durch die Ueberschwemmung in große Rot geratene Fischerbevölkerung verschiedene Läden.
Fm Kamps gegen die Flut.
(Telegraphische Meldung.)
MadrW, 9. Februar.
Die Ueberschwemmungen nchmen im ganzen Lande einen immer größeren Umfang an. Der Manzanares ist über die Ufer getreten und hat die tiefer gelegenen Stadtteile überschwemmt. In Valladolid sind in den Fluten des Sequille mehrere Menschen ertrunken. In Sevilla wird die Lage immer ernster. Die Bevölkerung arbeitet angestrengt, Dämme gegen das vordringende Wasser zu errichten. Fünfzigtausend Arbeiter feiern. Das Elend ist furchtbar. Die Flüsse der ganzen Provinz zerstören Felder und Dörfer und die (Strömung reißt alles fort, was ihr in den Weg tritt @in Boot, das in dem Dorf Wgaba Lebensrnittel verteilte, ist gesunken, wobei drei Personen ums Leben kamen. Die Eisenbahnverbindungen sind unterbrochen. Das Schicksal zweier Züge auf der Strecke nach Cadix ist unbekannt. Der Regen hält noch an. Ein Teil der Gendarmeriekaserne in Sevilla ist ei «gestürzt Die Familien konnten sich nur unter großen Anstrengungen retten.
Im Reichstag, Rätsel.
Die Prästdentensorge im Reichstag.
(Von unferm parlamentarischen Mitarbeiter.)
Berlin, 9. Februar.
Das Reichstags haus am Königsplatz, dessen goldige Kuppel int bleichen Licht des Februar gespenstisch blinkt (fast wie die Träne nn Auge der Unschuld) ist zurzeit für Berlin ' bie größte „Attraktion"; begehrter als alle Sehenswürdigkeiten im lustigen Trubel der Spree-Metropole. Gestern hatte sich in Erwartung der Präsidentenwahl schon in den Vormittagsstunden vor dem Haufe Wallots eine riesige Menschenmenge eingefunden, und um die Erlangung von Tribünenkarten wurde fast mit der gleichen Leidenschaft gekämpft, wie um einen Platz im Opernhaus zu einem Caruso-Gastspiel. Schon lange vor drei Uhr begannen sich denn auch die Tribünen dich, ter und dichter zu füllen. Rur: Der Sitzungssaal blieb noch leer! Die Fraktionen hielten noch sämtlich Sitzungen ab. in denen man sich über die Präfldentenfrage ergebnislos d« Köpfe zerbrach. Diese Beschästgung hatte offenbar ansteckend gewirkt. Ueberall, wo auf den Journalistentribünen und in den Gängen Zwei oder Drei beisammenstanden, drehte sich die Unterhaltung nur um die eine Frage: Wer wird Präsident? Die verschieden, sten Vermutungen wurden aufgestellt, doch neigte sich die überwiegende Mehrheit der Mei- nung zu. daß die R a ti o n a I lib eralen den Präsidenten stellen würden.
Völlig im Dunkeln tappte man aber bei der 'trage, welche Parteien bie Vizepräsidenten stellen würden. Die Frage fpktzte sich schließlich dahin zu, ob das Zentrum oder bie ®£3tatbemotratie den ersten Vizepräsidenten präsentieren werde. Beide Parteien könnten gleich berechtigte Ansprüche auf Berücksichtigung erheben: Die Sozialdemokratie hätte sich" als stärkste Pattei durch Verzicht auf den Präsidenten ein gewisses Anrecht auf bie erste Vizeprä. sibentemtelle erworben, das Zentrum aber könnte sich auf den Standpunkt stellen, daß ein Verzicht der Sozialdemokratie auf das Präsi. biunt keinesfalls auf Kosten des Zentrums er. folgen dürfe...Als zweitstärkste Partei ist abn (rem rechnen,») das Zentrum in erster Lime zur Stellung des ersten Vizepräsidenten fommt bann noch die Erwägung daß bei ber faft gleich statten Besetzung der beiden großen Parteigruppen des Hauses es im Interesse einer ordnungsmäßiaen Geschäfts,uh.
Die Situation muß sich nun bald flöten* und wenn tatsächlich (wie es den Anschein hat) der Zentrumsführer Freiherr von Hertling als Vorsitzender des neuen Kabinttts berufen wird, bann darf darin die zweifelfreie Bestätigung aller der Gerüchte erblickt werden, die in den letzten Wochen über die energische Betätigung des Thronfolgers, Prinzen Ludwig, während der parlamentarifchen Krise in Umlauf warem^Prtnz Ludwig gilt als ans- gefprochener Parteimann des Zentrums, und es ist deshalb, wenn Freiherr von Hett- ling als Vorsitzender des neuen Kabinetts berufen wird, damit zu rechnen, baß der neue Landtag ein reines Kampfparlament gegen Regierung und . . . Thronfolger werden wird.
deutlich groß ist. Taufende von Arbeiterfamilien sind hilf- und schutzlos dem bittersten Elend preisgegeben.
Am deutsch-euMcheu Wendepunkt?
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 9. Februar.
Von hoher diplomatifcher Seit« verlautet, daß die deutsch englischen Beziehungen vor einem entscheidenden Wendepunkt stehen. In den diplomatischen Kanzleien der europäischen Mächte ist schon seit einiger Zeit bekannt, daß zwischen Deutschland und England wichtige Verhandlungen im Zuge sind, die auf eine dauerndedeutsch-bri- tische Verständigung hinauslaufen. Die englische Regierung hat zu Ende des Borjah. res in Berlin vertraulich sondieren lassen, ob Denffchland geneigt sein würde, die politischen und wittschastlichen Interessengegensätze zwischen den beiden Ländern, auf dem Wege einer Abgrenzung der deutschen und englischen Interessensphäre dauernd zu beseitigen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Anwesenheit von Lord Haldane in Berlin damit zusammenhängt.
Wo war Lord Haldane?
(Privat-Telegramm)
Berlin, 9. Februar.
Der in Berlin weilende englische Kriegsminister Lord Haldane gewährte gestern (wie uns ein Privatielegramm meldet) dem Vertreter eines Depeschen-Bureaus ein Interview. Auf die direkte Frage, ob seine Anwesenheit die Beziehungen zwischen England und Teuffchland bessern könnten, erwidette er ausweichend, indem er sagte: „Ich hoffe, daß alle meine Besuche in Berlin diesem Zwecke dienen werden!" Gestern früh stattete Kriegsminister Lord Haldane um zehn Uhr dem englischen Botschafter einen Besuch ab und begab sich um halb ein Uhr zum Diner in die englische Botschaft, woselbst er mit dem deutschen Reichskanzler zusammentraf. Um dreieinhalb Uhr verließ Lord Haldane die englische Botschaft und kehrte erst gegen halb acht Uhr in sein Hotel zurück. Es ließ sich ttotz aller Re-Verchen nicht feststellen, w o Lord Haldane diese vier Stunden verbracht hat.
Die Etreittämpfe dauern fort!
Neue Zusammenstöße in der Borinage.
(Privat-Telegramm.)
Brüssel, 9. Februar.
Im Gebiet von Mons ist auch gestern wieder an verschiedenen Otten zu blutigen Zusammenstößen zwischen streikenden Bergarbeitern und ber verstärkten Gendarmerie gekommen, weil die Streifenben Lebensmitteltransvorte anatiffen und teilweise