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Casseler Abendzeitung

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Rummer 54

Donnerstag, 8. Februar 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Der neue Reichstag.

Die Eröffnung des neuen Reichstags; die Thronrede des Kaisers.

Sie weißen Raben- Lichtbilder aus dem letzten Wahlkampf. Nun, da des Wahlkampfs letzte Woge sacht verronnen, und auch im Bayerland die Waffen ruhn, weckt selbst der Walstatt düstres Bild ein lichteres Empfinden, und man ver­gleicht zweifelnd den harten Skeptizismus des Worts von der Politik, dieden Charakter ver­derbe", mit dem schönen Optimismus des Er­fahrungsatzes, daßein fröhlicher, muntrer Wahlkampf das politische Leben im Volk auf­rüttle, und das staatsbürgerliche Gewissen schärfe". Heut, da der Lärm des Kampfs ver­stummt, erinnert man sich mit förmlichem Be­hagen eines kleinen Intermezzos, eines Licht­blicks oder einer flüchtig vorüberhuschenden Ueberraschung, die wie Momentbilder am Auge oorbeihasteten: Silhouetten des Guten oder Bö­sen, das, vom Eifer der Parteien zu Tag ge­fördert, es verdient hätte, sorglicherer Aufmerk­samkeit gewürdigt zu werden, und das auch nur deshalb so rasch im Dunkel verschwand, weil im gewaltigen Aufschäumen der Leiden- schasten das intimere Bild der Regungen und Ideen in den Schatten gedrängt wurde. Und doch sprach mitunter aus drei oder vier Wahlaufrufen, Wählerzeitungen oder Flugblät­tern mehr Maffen-Psychologie, als die dicksten Folianten diplomierter Weisheit offenbaren. Ein solches Friedensbild, deffen Reize man im Dämmerlicht politischer Werkeltagsarbeit kaum entdeckt haben würde, hat der Wahlkampf im Mörser Wählerkreis dem Auge in erreichbare Nähe gerückt, und die Entdeckung ist so eigen­artig, daß sie's verdient, aus dem Meer des Häßlichen und Schönen, das wochenlang durch die Lande rauschte, ans Ufer der Erinnerung gerettet zu werden.

Im Wahlkreis Mörs rang ein Staats­anwalt am Berliner Landgericht, Dr. Ernst Rosenfeld, als Kandidat der Nationallibe­ralen um die Siegerpalme. Sie war ihm nicht beschieden, und der Kampf blieb ohne Lohn. Dieser Staatsanwalt und Reichstag-Kandidat ist in der Presse hier und da alsweißer Rabe" bespöttelt worden, weil er in seinen Kandidatenreden ohne alle Umschweife erklärt hatte, daß er für eine Verschlechterung des Wahlrechts (zum Deutschen Reichstag) nicht zu haben fei. Es ist eigentlich bedauer­lich, daß der Kreis dieserweißen Raben" so klein ist: Sie könnten für Reich und Parla­ment nützlicher werden, als die ganze Schar ihrer Vettern. Doch das ist's nicht, von Dem hier die Rede sein soll, sondern ein Seitenstück zu diesemRabentum", das sich ebenfalls sehen lassen darf. Der Staatsanwalt Dr. Ro­senfeld ist nämlich gleichzeitig auch (wie man im Tumult des Wahlkampfs vernahm) General- Sekretär des Vereins zur Besserung entlassner Strafgefangner, und er entfaltet als solcher eine Wirksamkeit, die zur Bewunderung zwingt, denn dieser Staatsan­walt scheint nicht nur nach der politischen Seite hin einweißer Rabe" zu sein, sondern auch in andrer Beziehung: Der Mann, der als öffentlicher Ankläger pflichtgemäß das Ver­brechen verfolgt, arbeitet außerhalb der Amtsstube mit vorbildlicher Hingabe an der Heilung der Wunden, die das scharfe Schwert der Gerechtigkeit der Menfchenschuld schlägt. Er straft im Namen des Rechts und versöhnt im Dienst der Menschlichkeit!

Hunderte von Denen, die nach Monden oder Jahren verdienter Kerkersühne durch die Eisentore von Moabit oder Plötzensee wieder ins Leben der Freiheit traten (von der Mitwelt gemieden, vom Strafregister als Verbrecher gebrandmarkt), fanden in dem Staatsanwalt, der am Schicksalstag der Gerechtigkeit vielleicht selbst den Schuldspruch vom Gericht heischte, den Retter und Helfer, der den Gestrau- «belten den rechten Weg wies, und ihnen neue Freude an ehrlicher Arbeit verschaffte. Im eignen wissenschaftlichen Dienst verwendet die­ser Staatsanwalt eine ganze Anzahl einstiger Anwälte und Justizbeamten, die in einer schwachen Stunde vom Weg der Pflicht ab­irrten und schließlich als Opfer des Leicht­sinns fielen. Der regelmäßige, auskömmlich honorierte Bürodienst als Privat-Angestellte des Gelehrten Dr. Rosenfeld ermöglicht ihnen den Uebergang und den Wiedereintritt in ein neues Dasein inmitten geordneter und rechtschaffner Tätigkeit, und viele Gestrauchelte grade aus den Kreisen der Intellektu­ellen danken es der stützenden Hand dieses Menschenfreunds, daß ihnen die düstre Ver­gangenheit nicht zum dauernden Lebens- Verhängnis wurde. Der öffentliche Ankläger des Verbrechens nimmt es mit seinem Amt als General-Sekretär des Vereins zur Besse­rung entlassner Strafgefangner heilig ernst: Richt mit bessernden Ermahnungen allein (die dem aus dem Kerker Heimkehrende« «och kein

Ein Telegramm unsers parlamentari­schen Mitarbeiters meldet uns aus B e r li n: Im Weißen Saal des Königlichen Schlosses wurde heute mittag der neue Reichstag durch den Kaiser mit einer Thronrede eröffnet. Das neugewählte Par­lament war bei dem feierlichen Akte fast voll­zählig versammelt. Der Kaiser, umgeben von den hohen Würdenträgern des Hofes und den Ministern, verlas die Thronrede mit fester, lau­ter Stimme, jedes Wort besonders betonend. Der Inhalt der Thronrede wird in parlamen­tarischen Kreisen sehr sympathisch beur­teilt. Nach der feierlichen Eröffnung des Reichstags begann nachmittags um zwei Uhr die erste Sitzung des Parlaments im Reichs­tagsgebäude, die vom Alterspräsidenten T r a e » ger eröffnet wurde. Die heutige Sitzung dient nur der Konstituierung des Hauses und wird deshalb nur von ganz kurzer Dauer sein. Bei der Eröffnung der Sitzung wa­ren alle Tribünen (auch die Hof- und Diplomaten-Logen) überfüllt. Am heutigen Nachmitag und Abend halten sämtliche Fraktio­nen Sitzungen ab, in denen die Präsi- dentensrage etörtert werden soll.

Der Kaiser au den Reichstag.

Dis Thronrede, die der Kaiser zur Eröffnung der neuen Session des Reichstags heute mittag im Weißen Saal des Kgl. Schlosses verlas, hatte folgenden Wortlaut Geehrte Herren! Im Namen der verbün­deten Regierungen heiße ich den neuen Reichstag willkommen. Das feste Gefüge des Reichs und die staatliche Ordnung unver­sehrt zu erhalten, die Wohlfahrt des Volkes in allen feinen Schichten und Stän den zu mehren, die Stärfe und das Ansehen der Nation zu wahren und zu erhöhen, ist das Ziel meines Handelns. In ihm weiß ich mich mit meinen hohen Verbündeten eins und ickk lebe der Ueberzeugung, daß auch Sie als er­wählte Vertreter der Nation ihre beste Kraft an die gemeinsame Arbeit setzen wer­den. Seit einem Menschenalter nimmt die f o- ziale Fürsorge in der Reichsgesetzgebung einen hervorragenden Platz ein. Noch in der letzten Tagung des vorigen Reichstags sind die Wohltaten der Versicherung auf welle Kreise der Bevölkerung ausgedehnt worden. Der­selbe soziale Geist, aus dem dieses Werk her­vorgegangen ist, muß auch fernerhin walten, denn die Entwicklung steht nicht still.

Die Finanzen des Reichs haben einen festen $alt gewonnen. Auf der Grundlage bestimmt bemessener Matriknlarbei- träge ist es gelungen, das Gleichgewicht des Reichshaushalts herzustellen und mit Hilfe der Ueberschüsse, die sich ergeben haben, den außerordentlichen Etat zu entlasten. Durch das Festhalten an den bisherigen strengen Grundsätzen wird das Reich binnen kurzem zu einer vollständigen Gesundung seiner Fi­nanzen gelangen. Mit Befriedigung erfüllt mich der Gedanke, welche hohe Leistungen der freie Unternehmungsgeist in Industrie und Ge­werbe, Handel und Verkehr vollbracht hat, und wie bei der steigenden Vervollkommnung ihrer Technik die Landwirtschaft allmählich wieder emporgeblüht ist. Angesicht?

dieser glücklichen Forffchritte werden die ver­bündeten Regierungen die Grundlage unserer Zollpolitik auch künftig bei der Vorbereitung und dem Abschluß von Handelsverträ­gen nicht verlassen.

Der Stärkung des Deutschtums im Auslande wird ein Ihnen alsbald zugehen­der Gesetzentwurf dienen, der die Reichs- und Staatsangehörigkeit neu in der Weise regelt, daß es den deutschen Landsleuten draußen er­leichtert wird, Reichsangehörige zu blei­ben, oder die verlorene Reichsangehörigkeit wieder zu erwerben. Das Gedeihen unserer Werke des Friedens daheim und über See hängt davon ab, daß das Reich mächtig ge­nug bleibt, um feine nationale Ehre, feinen SWent» und seine berechtigten Interessen in der Welt jederzeit zu wahren und zu vertreten. Deshalb ist es meine beständige Pflicht und Sorge, die Wehrkraft des deutschen Volkes, dem es an waffenfähiger, junger Mannschaft nicht gebricht, zu Lande und zu Wasser zu erhalten und zu stärken. Gesetzent­würfe, die diesen Zweck verfolgen, sind in Vorbereitung und werden Ihnen mit den Vorschlägen über die Deckung der Mehrkosten zugehen. Helfen Sie, geehrte Herren, diese hohe Aufgabe erfüllen, so werden Sie dem Vaterland

einen großen Dienst erweisen.

Von unserer Bereitwilligkeit, internationale Streitvtmtte Uütlich zu erledige«, wo immer

es der Würde und den Interessen Deutschlands entspricht, haben wir durch den Abschluß der Vereinbarung mit Frank­reich einen neuen Beweis gegeben. Neben der Pflege unserer Bündnisse mit der öster­reichisch - ungarischen Monarchie und dem Königreich Italien bleibt meine Politik darauf gerichtet, mit allen Mäch­ten freundliche Beziehungen auf der Basis gegenseitiger Achtung und guten Wil­lens zu unterhalten. Im Vertrauen auf die gesunde Kraft des deutschen Vol­kes blicke ich mit Zuversicht und auf Gottes gnädigen Beistand bauend überdieKämp- fedes Tages hinweg in die Zukunft des Reiches. So entbiete ich Ihnen, geehrte Her­ren, zu Beginn der neuen Legislaturperiode meinen Gruß in der Hoffnung, daß Ihre Tätig­keit dem Volk und dem ganze« Land zum Heil gereichen werde!

*

Die Thronrede hat keinerlei Ueber- raschungen gebracht. Was an ihr (im Gegen­satz zu frühem Kundgebungen des Throns an den Reichstag) auffallen könnte, ist höchstens der poetische Schwung, der die ganze Thronrede durchweht, und der sie vorteilhaft (in gewisser Hinsicht sogar ästhetisch reizvoll) unterscheidet von der Thronrede zur Eröffnung des Landtags, die sich auf die trockne Auf­zählung der dem Hause zugehenden gesetzgebe­rischen Vorlagen beschränkte. Die Thronrede vom siebenten Februar läßt den Hauch des Volksempfindens spüren: Das feste Ver­trauen auf die Größe, Kraft und Zu­kunft des Reichs, das durch dieernste, schwere Zeit", die wir (nach dem Wort des Kanzlers) durchschritten, nicht gemindert, son­dern gekräftigt worden ist. An dieses Ver­trauen appelliert der Träger der deutschen Kaiserkrone in seinem Gruß an den neuen Reichstag. Und das Volk wünscht und hofft, daß dieser Appell an das nationale Be­wußtsein im Reichstag von neunzehnhun­dertzwölf ein lautes Echo finden möge!

Ser Prafidentenstuh! im Reichstag.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 7. Februar.

Im Vordergrund des parlamentarischen Interesses steht zurzeit die Frage der Besetzung des Reichstags-Präsidiums. Gestern abend haben die Nationalliberal en und Sozialdemokraten bereits lange Frak- ftonssttzungen abgehalten, in denen die Präsi- dentschastsfrage eingehend erörtert wurde. Wie verlautet, sind indessen Beschlüsse noch nicht ge­faßt worden. Die Gesamtstimmung läßt sich dahin charakterisieren, daß die national- liberale Fraktion einerseits nicht der Mei­nung huldigt, die Rechte verfüge noch über die Majorität, andererseits aber auch am Bestehen einer linken Majorität zweifelt. Zwischen zwei gleich starken Gruppierungen schwanken nach ihrer Meinung vielmehr einigeunsichere Kantonisten", wodurch in die Mehrheitsverhält­nisse von vornherein eine Unsicherheit komme. Die nationalliberale Fraktion will da­her von einem ausgesprochenem Linkspräsidium nichts wissen. Sie erkennt jedoch den An­spruch der Sozialdemokraten auf einen Sitz im Präsidium als gerechtfer­tigt an. Die Fraktion ist auch geneigt, für einen sozialdemokratischen Vize- Präsidenten zu stimmen, falls dieser die Erklärung abgibt, sich an den üblichen Besuchen des gesamten Präsidiums beim Kaiser beteili­gen' zu wollen. Auch in der sozialdemo­kratischen Fraktion soll man sich dahin ent- chieden haben, sich mit dem Posten eines Vizepräsidenten und eines Schrist- ü h r e r s im Präsidium zu begnügen.

Voffermanv und Scheidemann?

(Telegramm unsers Korrespondenten.^

Berlin, 7. Februar.

Wie ich soeben aus nationalliberalen Ab­geordnetenkreisen erfahre, wird seitens der libe­ralen Parteien im Reichstag eine Kandidatur des nationalliberalen Parteiführers Basser- ma«« für den Posten des Reichstags- Präsidenten ernstlich erwogen. Für Bas- ennanu haben sich (wie man hört) auch die Forffchrittliche Vollspartei und die Sozial­demokraten enffchieden. Ta Baffermann auch auf der Rechten Sympathie genießt, hat feine Wahl als Reichstagspräsidem viel Wahrschein­lichkeit für sich Wird Baffermann tatsächlich als Kandidat für den erste« Präsidentenposten aufgestellt, dann werden die Sozialdemokraten Scheidemann (früher in Cassel) als Vizepräsidenten aufstellen, und diese Kandidatur dürfte die Unterstützung der ge­samten Linken finden.

Brod versorgens, sondern vor allen Dingen durch praktische Arbeit vorbildli­cher Menschlichkeit, die auch im ent- laffnen Sträfling den Bruder achtet, sucht er dem Gefallnen den Wiederaufstieg zur Höhe bürgerlicher Ehrbarkeit zu erleichtern. Es ist sicher: Wir könnten uns glücklich schätzen, wenn weiße Raben" dieser Art zahlreicher unter uns vertreten wären!

Ein ander Bild: Durch die Presse ging die­ser Tage die Nachricht vom tragischen Schicksal eines Bestraften, der nach Sühnung eines Leichtsinn-Verbrechens sich nach Berlin wandte, in der Hoffnung, dort, in der Millionenstadt, wo niemand seine Jugendsünde kannte, eine neue Existenz erstreben zu können. Es gelang ihm auch: Da er drei Sprachen beherrschte, sand er in einem Exporthaus gutbezahlte Beschäf­tigung als Korrespondent. Doch das Verhäng­nis schläft nicht. Nach ein paar Wochen er­schien beim Chef des Hauses ein Polizcibeam- ter, um ihm die Frage vorzulegen, ob er von der Vorstrafe seines Angestellten (wegen Un­terschlagung: Zwei Jahre Gefängnis) Kennt­nis habe. Das Schicksal des um eine neue Existenz Ringenden war damit entschieden: Das Strafregister halte seine ehrlichen Bemühungen zunichte gemacht! Und vielleicht erinnert man sich in diesem Zusammenhang auch der Tragödie des (weiland)Schuster- Hauptmanns von Köpenick", den das Ver­hängnis einer irr Jugendjahren erlittnen Vor­strafe ebenfalls durch die Lande hetzte, obwohl der Gerechtigkeit längst Genüge geschehen. Das Vorurteil gegen den aus Kerkermauern zum Leben der bürgerlichen Gesellschaft Heim­kehrenden wurzelt nun einmal tief in der Vor­stellungswelt menschlicher Ehr- und Moralbe­griffe, und es überragt meist bei weitem die Erkenntnis der Menschlichkeitpflicht auch ge­genüber dem Gefallnen, den das Schick­sal ohnehin mit harter Faust getroffen. Der Staatsanwalt Dr. Rosenfeld am Berliner Landgericht zeigt uns, wie diese Pflicht der Menschlichkeit zu üben ist, und dies lichte Friedensbild aus des Wahlkampfs hitzigsten Tagen versöhnt mit manchem Andern, das das Auge schmerzte.... F. H.

Notizen vom Tage.

Schwere Erkrankung des dänischen Königs!

(Privat-Telegram m.)

Kopenhagen, 7. Februar.

Don einem schweren Unwohlsein wurde gestern König Friedrich befallen, als er am Nachmittag in Begleitung seiner beiden Töchter den gewohnten Spaziergang unter­nahm. Der König, der das Bewußtsein verloren hatte, wurde in ein gerade vor­überfahrendes Automobil gebettet und in größter Eile in das Residenzschloß ge­bracht. Der König konnte sich zwar nach einiger Zeit erholen, doch gilt sein Zustand als ziemlich ernst. Kurze Zeit nach dem Bekanntwerden der Nachricht versammelte sich die kronprinzliche Familie sowie die übrigen Prinzen und Prinzessinnen im Schloß. Neber den Charakter der Krankheit des Königs ist bisher noch nichts bekannt. Die Nach­richt über die Erkrankung des Königs rief über­all große Bestürzung hervor. Ein abends zehn Uhr ausgegebenes Bulletin lautet. Heute abend ist das Befinden des Königs den Um­ständen nach befriedigend... König Fried­rich steht im neunundsechzigsten Lebensjahr.

Sie Verschwörer gegen die Republik.

(P r ivat-Telegramm.)

Lissabon, 7. Februar.

Die Regierung hat nunmehr alle Verzwei­gungen und Vorbereitungen der neuesten Be­wegung für die Wieder-Einsetzung der Monarchie entdeckt. Das Hauptguartier der Arbeitervereinigung in L i s s a b o n, die für den Putsch gewonnen war, hatte Filialen in jeder Stadt. Bis jetzt sind bereits dreiund­zwanzig derartige Filialen entdeckt worden, von denen jede über ein vollkommenes Arse­nal von Waffen und Bomben verfügte. Die Behörden beschlagnahmten große Mengen von Waffen und Munition; auch über drei­tausend Dynamitbomben wurden ge­sunden. Wie verlautet, sind in der letzten Zeit über fünftausend Verhaftungen vor­genommen worden. Die Gefängnisse und die als solche dienenden Kriegsschiffe find überfüllt mit Gefangenen, Die energische Aktion der Re­gierung findet allgemein Beifall. Die Be­wegung gegen die Republik gilt jetzt als un­terdrückt.

*

Revolte im MilttSr Gefängnis.

(Privat-Telegram m.)

Paris, 7. Februar.

Eine schwete Meuterei brock, in der letzten Nacht im Militärgefängnis von Bar- raux aus. Dort steckten die Sträflinge ihre Bette« m Braud, schlugen die Türen ein und