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Hessische Abendzeitung

Nummer 52

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 6. Februar 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang

St« «ander Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und -war abend, Der «bannemenlSpretS beträgt monatlich so Pfg. bei freier Zustellung in« Haus. Befledunaat werden jederzeit von der Geschäftsstelle ober den Boten eutgegengenomme!^ $ ruderet Bertaa 2?/3a Sprechstunden der Redaktion von 1-3 Uhr nach? bprechswnden für »nsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabends von t8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrtchstrabe 16, Delephon: Amt IV 67«.

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(Privat-Telegram m.)

Vor dem Eiffelturm hatte sich gestern mor­gen eine große Menschenmenge angesammelt, die dem Versuch des Damenschneiders Rei­chel beiwohnen wollte. Die Polizei hatte we­gen der damit verbundenen Lebensgefahr dem Reichel den Versuch bisher verboten, doch ließ sie sich gestern dazu bestimmen, die Er­laubnis dazu zu erteilen. Reichel hatte ur- stirünglich die Absicht gehabt, eine junge Dame, die früher in seinem Schnei'dergeschäst als Probiermamsell tätig gewesen war, einen Probeabsturz mit seinem Fallschirm vornehmen zu lasten. Jedoch hatte die Polizei diese beab­sichtigte Erweiterung des Berufes alsPro- biermamsell" untersagt. Reichel hatte darauf den Versuch auf gestern morgen verschoben und sich enffchlosten, das Wagnis selbst auszu­führen. Er stieg bis zur ersten Plattform des TurmeS empor und ließ sich von dort b e i heftigem Sturmwind herab. Das Ge­webe des Apparates, das aus Seide bestand, hielt aber dem böigen Sturme nicht stand und riß, wodurch Reichet aus einer Höhe von etwa sechzig Metern herab stürzte. Die Menschenmenge eilte sofort nach der Unfall­stelle und bemühte sich um den Verunglückten, doch kam jede Hilfe zu spät, denn Reichel erlag bereits seinen Verletzungen auf dem Wege zum Hospital.

m» Lpser des Techstage-Rermens.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Berlin: Das Berliner Sechs-Tage- rennen brachte gleich am gestrigen ersten Tage einen schweren Unfall. Der Ame­rikaner W: l e y kam mittags gegen zwölf Uhr zugleich mit zwei anderrn Fahrern zu Fall und schlug mit dem Kopf heftig auf die Fahrbahn auf. Er konnte sich zunächst wieder erheben, doch verschlimmerte sich sein Befinden

: land sagte: Die Marokkofrage, eine ständige Quelle der Erregung und Verbitte­rung zwischen den beiden Nationen, ist gere­gelt. Es ist ein Abkommen geschlossen worden, das Frankreich und Deutschland in gleicher Weise Vorteile bringt und die britischen Inter­essen nicht schädigt. Ich glaube, es liegt im In­teresse Frankreichs, Deutschlands, Rußlands und Großbritanniens, daß ein besseres Verhältnis zwischen den Natio­nen erzielt wird, und ich glaube, daß es mit Aufrichtigkeit, Freimütigkeit und Unerschrocken­heit wohl erzielt werden kann. Die Welt würde besser und reicher werden und die Steu­ern könnten eingeschränkt werden denn was man an R ü st u n g e n sparen würde, könn­te für die Entwicklung der Hilfsquellen des Landes und für die Verbesserung der Lebens­haltung des Volkes Verwendung finden Der Eckstein einer gesunden Finanz ist der Frie­de auf Erden und guter Wille unter den Menschen.

Sn Schnee und W.

Kälte- und Schnecmeldungen von überall.

Die Herrschaft des Winters hat im Monat Februar mit aller Gewalt eingesetzt und die letzten Tage haben in manchen Gegenden Deutschlands Temperaturen gebracht, wie sie seit Jahren nicht mehr zu verzeichnen gewesen sind. De» Winter neunzehnhundertzwölf, der so milde einsetzte, scheint also doch die alte Bauernregel wahr machen zu sollen, daß einem heißen Sommer ein int gleichen Verhält­nis k a l t e r Winter zu folgen pflegt, saßet' nicht nur in Deutschland, sondern auch im üb­rigen Europa macht sich die Kälte in seit Jah­ren nicht gekannter Heftigkeit bemerkbar und stellenweise sind so riesige Schneemengen nie­dergegangen, daß der Eisenbahnverkehr schwere Störungen erlitten hat und die Züge nur mit großen Verspätungen eintrafen. Wir verzeich­nen nachfolgende telegraphische Mel­dungen:

Berlin, 5. Februar.

Bis zu Ende der Woche war in Norddeutsch- land die Witterung im allgemeinen milde ge­blieben. In der Nacht zum Sonntag setzte dann Schneefall mit nachfolgender star­ker Kälte ein. Gestern und heute früh herrschte in Berlin und Rorddeuffchland über­haupt eine Kälte von stellenweise achtzehn bis zweiundzwanzig Grad. Am schlimmsten aber sind die skandinavischen Länder von der Kälte heimgesucht. In Drontheim zeigte das Thermometer in der gestrigen Nacht fünf­undvierzig und in Silkeborg neunundvierzig Grad unter Null.

Bingen, 5. Februar.

In der vergangenen Nacht ist das Thexmo. Meter hier in der Umgebung auf zwanzig Grad unter Null gesunken. Im Hunds- rück sogar auf dreißig Grad unter Rull. Wie stark der Frost ist, läßt sich am besten aus der Taffache erkennen, daß die kleinen Nebenflüsse des Rheins, wie die Nahe, in der letzten Nackt völlig zugefroren sind. Während der letzten zehn Stunden hat sich eine mehrere Zentimeter dicke Eisdecke gebildet. Der Rhein führt starkes Treibeis mit sich.

Kuxhaven, 5. Februar.

Gestern war hier mit dreißig Grad Kälte der kälte st e Tag seit Menschenge­denken. Die Kälte hält bei klarem Himmel und Ostwind an. Infolge des abnormen Fro­stes ist der Eisgang auf der Unterelbe und bei der Elbmündung fo schwer, daß der seewärts geßenbe. Schiffsverkehr fast vollständig unter­brochen ist. Mehrere Dampfer fitzen im Eis fest. Ein großer Kosmosdampfer wurde durch Eis auf den Strand gedrückt. Ein zu Hilfe eilender Eisbrecher geriet zeitweilig ebenfalls fest. Der Schiffsverkehr nach den Nordfriesischen Inseln ruht einstweilen ganz. Kopenhagen, 5. Februar.

In Skandinavien herrscht furchtbare, große Kälte. In Oestersund in Schweden zeigte das Thermometer in der letzten Nacht dreiund­vierzig Grad und in Goetheborg neunundvier­zigeinhalb Grad Celsius. Eine solch niedrige Temperatur ist in Dänemark seit fünfzig Jah­ren nicht mehr beobachtet worden. Seit zwei Wochen sind außerdem riesige Schneemassen niedergegangen, sodaß fast aller Verkehr stockt und der Eisenbahnbetrieb nur teilweise auf­recht erhalten werden kann. Zwölf Perso­nen sind in der letzten Woche erfroren. Petersburg, 5. Februar.

Während der beiden letzten Tage sind im Gebiete von Ischim achtzehn Personen und acht Pferde erfroren. Eine Reisegesell­schaft von dreißig Personen wurde von einem Schnee sturm überrascht und ist im Schnee stecken geblieben Rettungsmannschaften sind zu ihrer Hilfe abgegangen, doch ist es kaum wahrscheinlich, daß die Rettung gelingen wird. Seit drei Tagen herrscht in ganz Rußland eine Kälte, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr zu verzeicknen war. Der Verkehr stockt vollständig und auch die Schiffahrt mußte cingesteltt werden.

Toulon, 5. Februar.

Seit gestern morgen wütet in Toulon und Umgebung ein heftiger Sturm, der be-

Mn Drama auf dem Melwrnr.

Das Ende eines Fallschirm-Konstrultcurs.

Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich ge­stern am Eiffelturm in Paris. Der Flug­techniker Franz Reichel, der östereichischer Staatsangehöriger ist und früher Damenschnei­der war, hatte einen Fallschirm angefer­tigt, mit dem er gestern früh bei einem Ver­suche aus einer Höhe von sechzig Metern ab­stürzte und sich so schwere Verletzungen zuzog, daß er auf dem Wege zum Hospital ver­starb. lieber den Unglücksfall erhalten wir folgenden Bericht eines Augenzeugen:

Paris, 5. Februar.

gut ausgerüstet ist, wie das der .Schwarzen Hand". Seine Versicherung, daß die Karage- orgievic Serbien noch weiter beglücken müssen, ttifft bei weitem nicht so scharf tote etwa der Beweis, daß König Peter die Muttat gegen Alexander selbst dirigiert hat.

Und alle provisorischen Lösungen des. la­tenten Konflikts werden die Katastrophe, die man in Serbien ungescheut voraussagt, kaum verzögern, gewiß nicht verhindern. Immer mehr tritt es zutage: Die serbische Sache geht nicht Serbien allein und nicht das so oft stra­pazierte europäische Gewissen an, das aber doch existiert. Sie bettisst die Sicherheit Eu­ro p a s, das fordern darf, nicht von einer tu­multuösen Völkergruppe konstant beunruhigt zu werden. Die Leiter der .Schwarzen Hand" greifen sozusagen auf den Balkan über. Sie setzen sich mit den Banden ins Einvernehmen und wollen den schmutzigsten Teil der Arbeit (wie der wohl aussehen mag!) ihnen über­tragen. Daß die Banden, sie mögen nun ser­bisch, griechisch oder bulgarisch fein, wenn sie einmal Waffen besitzen und einige Monate er­nährt wurden, ihr Treiben nicht auf Kom- mandv einstellen und es nicht auf die vorbe­stimmten Grenzen einschränken, weiß matt. Ist der Besitz der serbischen Dynastie Europa dies alles wert? König Peter kann nichts anderes, als seine Komplicen um Geduld und Schonung bitten. Er unterhandelt und beruft seine Rat­geber aus dem Ausland, um noch einmal einen Ausweg aus dem Engpaß zu finden. Aber Europa braucht nicht mitzuwarten, ob die Schwarze Hand" noch einmal Schonung und Geduld gewähren will. Europa sieht diesem Balkanfrühling mit bösen Ahnungen ent. gegen. Es braucht nicht noch einen lodernden Feuerherd unten. Es kann Peter klarmachen, daß dieSchwarze Hand" nur dann auf­hören wird zu leben, wenn Peters blutgerötete Hand sie nicht mehr abwehrt. Es kann mah­nen, und auch drohen, wenn man sonst nicht auf seine Stimme achtet. Es mag ja begreiflich sein, daß Peter in seiner Angst an dem einzi­gen Mittel vorbeisieht, das in das zerklüftete Serbien Frieden bringen kann. Europa hat aber nicht die gleichen Rücksichten zu üben, und wenn es sie dennoch übt, gefährdet cs seine eigne Sicherhcht! .a-

CMr NM Nachrichten

_______________ Casseler Abendzeitung

Balkan-Frühling?

Verschwörungen und Krisen in Serbien.

Es ist immer wieder die alte Geschichte: Wenn etwas Neues aus dem interessantesten aller interessanten Balkanländer gemeldet wird, so kann es natürlich nur Verschwörun­gen, Offiziersintrigen, drohenden Umsturz be- treffen. Lebt Serbien auch sonst noch, schafft es frische Werte, baut es Industrien, vermehrt es das nationale Vermögen? Man weiß nichts davon. Man hört nur immer von dem u n. seligen Fluch, der mtt logischer Gerechtig­keit seit bald einem Jahrzehnt (so lange wie die Herrschaft der Karageorgiewic) auf dem Volke lastet. Jetzt wieder die Umtriebe einer Offiziersvereinigung, die sich mit verjährter Räuberromantik .Die schwarze Hand" benennt. Sie setzt sich aus den Offizieren zu- sammen, die neunzehnhundertdrei in der Schauernacht Alexanders und der Dame Draga gegen diesen den Streich geführt haben. Es sind die jüngern: Die älteren haben den Lohn ihrer Heldentat eingeheimst, sind hochgestellt oder in wohlbezahlter Pension. Die jüngeren warten noch, für ihre Henkertat bezahlt zu werden. Richt, daß König Peter etwa nicht wüßte, daß man unter Komplicen Ehrlichkeit schuldet. Er möchte schon den «Preis für seine Berufung auf den Thron zahlen, aber er hat ihn nicht: Einen, zehn, fünfzig Verschwörer kann man entlohnen, aber doch nicht gleich Ba­taillone und Regimenter. Dazu reicht der ser­bische Besitz an Pfründen, Aemtern und Stellen nicht aus. Die jüngeren Angehörigen der ser­bischen Staatsinstitution, die eben die Ver­schwörer geworden sind, fühlen sich also benach­teiligt. Sie rumoren wieder, und haben dafür niemand anders als den Kriegsministcr selbst zur Verfügung.

Ein leiser Vorstoß, den die radikale Partei Spastisch' gegen sie versuchte, wurde mit lächer­lichen Drohungen und anonymen Todesurtei- len beantwortet. DieSchwarze Hand" be- stcht auf ihrem Rechte zu existieren und auf ihren Forderungen. Ihre Mitglieder wollen in der besten Garnison und im Zentrum aller Ereignisse bleiben. Der Kriegsminister ist mit ihnen, der König verhandelt mit ihnen kame­radschaftlich, die anständigen Elemente sind vor den begehrlichen Gläubigern ohnmächttg. Pa- fltfch' große Gestalt wird von ihrer brutalen Kraft zur Seite geschoben, und sogar dem Kronprinzen Alexander gegenüber sind sie Sie­ger. Der Kronprinz ist Major und Armee- generalinspektor dazu. Westlichen Begriffen scheint diese Kumulierung zweier im Range ungleicher Aemter unglaublich, aber die west­lichen Begriffe sind eben nicht so von einer At­mosphäre von Autokratentum umgeben, und ihnen bleibt fremd, was König- und Kron- prinzentum alles vermögen. So kann Alexander Karageorgievic jetzt vom Oberstleutnant bis zum General aufwärts Befehle entgegenneh­men und dann vor die Reihe treten, um die stramm ausgeführten Befehle zu krittsieren. In seiner Eigenschaft als Major schien er mit den Verschwörern zu paktteren, als Armee­inspektor war er entschieden gegen die Um­triebe. Der Armeeinspektor war lauter in ihm, der erzählte zunächst alles, was der Major im Vertrauen erfahren hatte, und verlangte die Enffernung der Schuldigen.

Leider behielt aber der Major Recht, und dieSchwarze Hand" wurde nicht im gering­sten belästigt, bis der Armeeinspektor, dem Ma­jor und den ©einigen (darunter war auch der Kriegsminister) das Feld ließ. Die auf ihre dynastischen Verdienste pochenden Offiziere sind also die Stärkeren. Sie trotzen gegen die Bür­gerschaft, gegen die Regierung, gegen den ; Kronprinzen, und der König kann die blutigen Genossen von einst nicht abschütteln. Hier ist der K e r n des sressenden Hebels, das seit neun ' Jahren Serbien nicht zur Ruhe gelangen läßt ' und sein Vorwättskommen hindert. Es , wird von den ungeduldigen Gläubigern, den . Offizieren, keine unberechtigte Schuld einge- ' fordert, sondern eine mit königlichem Wort ' verbürgte. Und sie haben allen Grund, zu ' glauben, daß sie mit ihren Forderungen nicht , vor die große Oeffentlichkeit werden treten , muffen. Tenn schmutzige Schulden werden be- , kanntlich am sichersten bezahlt. Die Schuld, die König Peter kontrahiert hat, lastet auf dem ' Lande, und sie ist eine von denen, die nie schwindet. Nie, solange nicht gründlich tabula rasa gemacht ist. Mit Diplomatisieren, mit halben Besänftigungen, schafft man sie nicht 1 aus der Welt. Richt einmal mit einem Gegen- ; mittel, das in Serbien anscheinend versucht : wird und das homöopathisch wirken soll. Der ' Schwarzen Hand" wurde der Verschwörer- \ bundEinigkeit oder Tod" gegenübergestellt. , Dieier veraißt nur. büß ie>- ^rienal gick^ so,i

i bald derart, daß der behandelnde Arzt die - Ueberführung des Verletzten in das Kranken- , Haus veranlaßte. Der Amerikaner hat eine . schwere Gehirnerschütterung davon- getragen, und da auch ein Bluterguß ins Ge-

* Hirn vorzuliegen scheint, gilt der Zustand des Gestürzten als sehr bedenklich.

Die Konferenzen beim Kanzler.

Hundert Millionen für Heer und Flotte.

Wie wir schon mitgeteilt haben, wird in den ersten Tagen dieser Woche der Reichs­kanzler mit den Führern der bürgerlichen Parteien wegen der Deckungssrage sür die neuen Heer- und Flottenforderungen konferie­ren, und es wird sich ja dann Herausstellen, ob der Zahlungseifer, der in den Herbsttagen (während der Marokkodebatten) in den Herzen der Parteien glühte, noch vorhanden ist. Aber so oder so: Um die Erbschaftssteuer wer­den die Herren nicht herumkommen. Indessen wird die Summe, die ans dieser Steuer aufzu­bringen ist, noch lange nicht reichen, denn (tote zuverlässig verlautet), sollen sich die Kosten für die neuen Rüstungsvorlagen auf rund hun­dert Millionen Mark belaufen. Von anderer Seite wird das freilich bestritten. Es sotten nur siebzig bis achtzig Millionen fein. Es wird also außer der Erbschaftssteuer noch andere hatte Steuernüssc zu knacken geben, zu­mal (wie hochoffiziös erklärt toird) der Bun­desrat noch immer einer Reichsvermö­genssteuer gänzlich ablehnend gegen« übersteht. Es wird überdies die im Hinblick auf das völlige Versagen unserer Diplomatie in der Marokkoaffäre doppelt dringliche Frage zu erörtern sein, welche Garantien der Volksvertretung zu geben sind für eine ver­nünftige Verwendung der ungeheuren Macht­mittel.

Ae neue Heeres-Borloge.

lieber den Inhalt der zu erwartenden Heeresvorlage toird an den zuständigen Stellen das strengste Stillschweigen beobachtet. Doch weiß man ja, daß es sich in erster Linie darum handeln toird, die dritten Batail­lone bei den Infanterie-Regimentern, die de­ren bis jetzt nur zwei besitzen, aufzustellen und aus dem Ueberschuß an Truppen, der bei eini­gen Armeekorps vorhanden ist, zwei neue Armeekorps, eins ttn Osten und eins im Westen des Reiches, zu bilden. In militärischen Krei­sen spricht man übrigens (wie aus Berlin be­richtet wird) sogar von drei neuen Ar­meekorps. Auch daß die Maschinengewehr- Abteilungen vermehrt werden sollen, ist un­widersprochen geblieben. Dann ober scheint eine starke Vermehrung der technischen Truppen geplant. So heißt es, daß ein Flieger­bataillon errichtet und aus dem Trup­penübungplatz Döberitz untergebracht werden soll, und auch die Aufstellung eines fünften Telegraphen-Bataillons und vierten Eisenbahn- Regiments ist, wie man sagt, beabsichtigt. Doch entziehen sich diese Mitteilungen einstweilen der Kontrolle. Mit aller Reserve geben wir schließ­lich noch die Behauptung wieder, daß in der neuen Flotteuvorlage eine Verstärkung des Flottenpersonals um sünfzehntausend Mann verlangt werden soll.

Der Krieg in den Lüsten.

Deutschlands furchtbare Luftflotte".

In einer eingehenden Erörterung des vom Deutschen Kaiser für den besten Flug­zeugmotor gestifteten Füufzigtausend-Mark- Preises schreibt der russische Militärflieger Popow im PariserFigaro": Wie der Kai­ser durch seinen begeisternden Ansporn und durch seine unermüdliche organisatorische Tat­kraft es zu Wege gebracht habe, Deutschland innerhalb weniger Jahre mit einer großarti­gen Flotte auszustatten, so werde Deutschland dank der kaiserlichen Initiative und dank der vorbfldlichen Energie des Prinzen Hein- r i ch zweifellos in nicht allzu ferner Frist eine furchtbare Flotte von Flugzeugen besitzen. Die Franzosen müßten unverzüglick alle ihre Kräfte anspannen, um von Deutsch­land nicht überflügelt zu werden. Sie müßten überzeugt fein, daß Deutschland an dem Tag, wo es im Flugwesen einen Vorsprung gewon­nen haben werde, von keinem ander en Land mehr werde eingeholt werden könne. Ohne Zeit zu verlieren, müßten die Franzosen schon von diesem Jahre an eine Flotte von zwei- bis dreitausend Aeroplanen ichafsen. Diese Waffe müsse ein wahres Ar­meekorps werden, das den übrigen zwanzig Armeekorps die erforderlichen Flugzeuge und Flieger liefern könnte. Frankreich müsse sich vor Augen halten, daß die Eroberung der Luft i die Eroberung der Welt bedeute.

Lloyd George als Frledeusesgel.

Herr Lloyd George, der frühere Schatz­kanzler im Kabinett Asquith und aussichts­reichste Anwärter auf den englischen Premier- Ministerposten, scheint sich vom grimmen Sau­lus zum fanften Paulus gewandelt zu haben. Im Sommer vorigen Jahres hielt der Herr die bekannte Drohrede gegen Deutsch­land in der Marottoaffäre, und am Sonn­abend hat dieser selbe Politiker im Londoner Liberalen Club eine Rede gehalten, in der er über die Beziehungen Englands zu Deutsch-