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Nr. 51. 2. Jahrgang.

Sonntag, 1 Februar 1912.

Casseler Neueste Nachrichten

Freikonservativen, eine Untersuchung herbeizu­führen, auf welchem Wege durch Maßnahmen der Gesetzgebung dem Notstand des städ. tische» Realkredits ein Ende gemacht werden kann. Ein weiterer Antrag verlangt die Vorlage eines Fideikommiß-Ge- s e tz e s.

Keine LohnkLmpfe im Ruhrrevier.

Ein Privat-Telegramm berichtet uns aus Essen a. R.: Vom Bergbaulichen Verein und vom Zechenverband sind die dem Kohlensyndikat angeschlossenen Zechen zu ei- ner Aeußerung über die bei einem Inkrafttre­ten der erhöhten Kohlenpreise am ersten April vorzunehmende allgemeine Erhöhung der Bergarbeiter löhne aufgefordert wor­den. Es foll die Absicht bestehen, ungefähr die Hälfte des durch die Preiserhöhung von den Zechen sollen auf diese Weise neuen Lohnbewe- rung der Bergarbeiterlöhne zu verwenden. Die Zechen sollen auf diese Weise neue Lohnbewe­gungen vorbeugen.

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Die Kreiskomitees der Zentrumspartei für den Siegkreis und Waldbröhl haben sich in ei­ner gestern abgehaltenen Versammlung mit dem Vorschläge des Reichstagsabgeordneten Dr. Becker, sein Mandat zugunsten Trim- b o rn s niederzulegen, einstimmig einv er­st a n d e n erklärt.

Ein Berliner Blatt hat gestern einen Wech­sel auf dem Posten des d e u t s ch e n G e s a n d- t e n in Lissabon als nahe bevorstehend an- gekündigt. Die Frage einer Neubesetzung des Postens dürfte aber (wie offiziös verlautet) bis auf weiteres nicht erwogen werden, solange noch Hoffnung besteht, daß Freiherr von Bod- mann seine Gesundheit wiedcrerlangt.

Aus Budapest wird uns berichtet: Die Vorgänge in Agram werden in politischen Kreisen sehr ernst beurteilt. Die Studenten halten ihr Standlager in der Universität, wo sie zwei kroatische und eine Trauerfahne hißten. Einen günstigen Eindruck machte eine Verfü­gung der kroatischen Regierung, durch die die Lehrergehälter im ganzen Lande um fünfundzwanzig Prozent erhöht werden.

Neues vom Tuge.

»^oweschcn der Casseler Neuesten Nachkkairen.)

LL Neues zur Affäre Wilscheck. Zur Bankiertragödie Wilscheck in Berlin, (über die wir bereits gestern ausführlich berich­teten) wird noch gemeldet, daß nach den bis­herigen Feststellungen Wilscheck Devotunter­schlagungen und Veruntreuungen in Höhe von mehreren hunderttausend Mark sich habe zu­schulden kommen lassen. Zum Teil habe er ihm anvertraute Papiere beliehen, zum Teil für eigene Rechnung verkauft. Heute vormittag wurde sein Prokurist Bier aus Charlot- tenburg verhaftet, da er dringend verdächtig i;t, Beihilfe geleistet zu haben.

xx Aus Nahrungssorgen in den Tod. In Neukölln versuchten gestern die achtundsünf- zigjährige Witwe Hedwig Haake und ihre siebenunddreißigjährige Tochter in ihrer ge­meinsamen Wohnung sich das Leben zu neh­men. Sie hatten zunächst Brom genommen und dann in sämtlichen Oefen Feuer gemacht und die Ofenklappen geöffnet. Durch den starken Kohlendunst wurden die übrigen Hausbewoh­ner aufmerksam. Sie ließen, da auf ihr Klop­fen nicht geöffnet wurde, die Tür öffnen und fanden Mutter und Tochter bereits leblos vor. Einem herbeigerufenen Arzt gelang es, beide Frauen ins Leben zurückzurufen; sie gaben an, die Tat aus Nahrungssorgen begangen zu haben.

xx Unter den Lawinen. Zwölf Holzhauer aus Grand Villard bei Freiburg in der Schweiz, die beim Holzsammeln beschäftigt waren, sind von einer Lawine überrascht wor­den. Fünf von ihnen wurden mit in die Tiefe gerissen, drei konnten gerettet werden, wäh­rend die übrigen vier als Leichen aufgefunden

Matrosen, sämtlich unverheiratet. De­peschen von heute mittag zufolge werden die Bergungsarbeiten mit großem Eifer betrieben, und man hasst, das gesunkene Unterseeboot bis morgen srüh heben zu können. Die Leichen der vierzehn Verunglückten sollen dann nach London überführt und in einem gemeinsa­men Grab feierlich beerdigt werden.

Set Adjutant der Zaren.

Aus dem Leben eines Hochstaplers.

Wie wir schon kurz berichtet haben, ist in Nachen einer der gefährlichsten Hoch - st a p l e r verhaftet worden, der in den letzten Jahren die Hauptstädte des In- und Auslan­des unsicher machte. Ter Schwindler entpupp­te sich bei seiner Verhaftung als ein früherer Kammerdiener namens Alexander Tscher- n i a d e w. Er liebte es, meist unter der Maske eines »Generals ä la suite d es russi­schen Zaren" große Schwindeleien zu ver­üben. Sein Strafregister geht bis zum Jahre achtzehnhundertachtzig zurück. Da Tschernia- dew in Deutschland keine Betrügereien nachzu­weifen sind, wird er sich hier lediglich wegen -Führung eines falschen Namens zu ver­antworten haben. lieber das Vorleben des Abenteurers werden folgende charakteristische Einzelheiten bekannt:

Achen, 3. Februar.

(Privat-Telegram m.)

Der angebliche »Graf Tscherniadew" ist als der Sohn eines jüdischen Verbannten in Irkutsk achtzehnhundertfünfundvierzig geboren. Bereits mit einundzwanzig Jahren beschritt er in Petersburg die Verbrecherlaufbahn. Nachdem er in Wien die Tochter eines Zollbe­amten geheiratet, siedelte er nach Paris über, wo er einen Fabrikanten Ragenau um mehr als eine halbe Million Mark beschwin­delte, indem er sich diesem gegenüber als Gold­minenbesitzer aus Sibirien ausgab. Bereits in einem Jahre hatte er das ganze Kapital durch­gebracht. Tscherniadew wohnte in einer präch­tigen Villa am Genfer See, wo er sich achtzehn Pferde hielt und wunderbare Feste veranstalte­te. Dieses Seb en setzte er in verschiedenen Städten Italiens fort, indem er Juweliere Und Lieferanten um ungeheure Summen prellte. Während dieser Zeit starb seine Frau im Pariser Armenhause; seine beiden Söhne wurden in Waisenhäusern erzogen. In Turin unterhielt Tscherniadew mit der Witwe eines reichen Bankiers ein Verhältnis; er will hier eine halbe Million als »Darlehn" erhalten haben. Vor acht Jahren versuchte er, die Toch­ter einer wohlhabenden Bürgerfamilie in Nürnberg zu heiraten, flüchtete aber mit einer erschwindelten großen Geldsumme. Nach­dem er in Paris und London mehrjährige Ge­fängnisstrafen abgebüßt hatte, machte er so ziemlich den ganzen europäischen Kontinent un­sicher. Vor vierzehn Tagen kam er nach Aachen. Durch sein Auftreten als »Generaladjutant des Zaren" wurde die Polizei mißtrauisch und ent­deckte ihn schließlich im Verbrecheralbum, wor­auf seine Verhaftung erfolgte. Man fand bei ihm ein kleines Warenlager an Gold, Edel­steinen und Schmucksachen. Tscherniadew gibt, an, die Wertgegenstände rechtmäßig erwor­ben zu haben und verweist für seine Zahlungs­fähigkeit aufvierbis fünf Scheckbücher der verschiedensten angesehensten Banken. Er bestreitet entschieden, in Deutschland sich irgend­welcher Schwindeleien schuldig gemacht zu ha­ben und behauptet, sich in Aachen nur haben ,ansruhen" zu wollen.

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Tscherniadew führte in seinen eleganten Kof- sern eine riesige Menge von Ordenszeichen, Brillantringen, Briefmarkensammlungen, Sä­

beln und Pistolen aus Edelmetall, die über und über mit Juwelen geziert sind, gol­dene und silberne Etuis, die einen großen Tisch im Polizeipräsidium füllen, daneben ein großes Lager von Uniformen mit sich.

8mm« noch: Scharnebeck!

Fran von Schönebeck im Sanatorium.

(Von unferm Korrespondenten.)

Man schreibt uns aus Berlin: Frau von Schöneheck-Weber, geb. Lüders, die viel­genannte Heldin des Allensteiner Sensations- Prozesses, ist in den letzten Tagen in das Win­ter s a n a t o r i u m des Dr. Lots in Fried- richsroda überführt worden. Daraus erhellt, daß der Geisteszustand der vielgenannten Frau nach wie vor berartig ist, daß in abseh­barer Zeit an eine Wiederaufnahme des Allensteiner Prozesses, in dem Frau von Schönebeck der Begünstigung des durch Selbst­mord aus dem Leben geschiedenen Hauptmanns von Goeben bei der Ermordung des Majors von Schönebeck beschuldigt wurde, nicht zu den­ken ist. Durch Nachfrage an amtlicher Stelle ist festgestellt worden, daß mit einer Wieder­aufnahme des Prozesses auch nicht mehr gerechnet wird. Die Men in dem Straf­verfahren befinden sich feit dem jähen Abbruch des Allensteiner Prozesses fast unausgesetzt auf Reisen zwischen den verschiedensten Städten des Deutschen Reiches, in denen gerichtliche Nachspiele zur Allensteiner Tragödie verhan­delt werden, fei es in Form von Zivil-, Straf­oder Beleidigungsprozessen, an welch letzteren besonders der bisherige Ehemann der Frau von Schönebeck, Schriftsteller A. O. We­ber, in erster Linie beteiligt ist. In diesen Prozessen handelt es sich vor allem um die Fest­stellung, was der Allensteiner Prozeß in Bezug auf die ehelichen und geschäftlichen Beziehun­gen des Herrn Weber zu feiner inzwischen von ihm gegangenen Frau ergeben hat.

Angesichts der vielen nach dieser Richtung hin gegen ihn erhobenen Angriffe hat sich übri­gens A. O. Weber veranlaßt gesehen, kürzlich in einer Broschüre, betiteltSieber ins Zuchthaus als entmündigt" seine Er­lebnisse seit dem Allensteiner Prozeß eingehend zu schildern. Die Broschüre, die sich als eine rechte Sensationsschrist darstellt, behauptet in erster Linie, daß Frau von Schönebeck zu Un­recht nach der Allensteiner Verhandlung ent­mündigt worden sei, und wendet sich dann dagegen, daß man den Berliner Rechtsanwalt Walter Braun zu ihrem Vormund bestellt habe, da dieser erst ein Mann von dreißig Jah­ren, unverheiratet und sowohl Frau von Schönebeck, wie auch ihm (Weber) geistig garnicht gewachsen fei. Eingehend fdjif bert er bann nochmals die Entstehung feiner Beziehungen zu Frau von Schönebeck unb bleibt babei, baß ihn nicht ihr Gelb zu der verhängnisvollen Heirat mit ihr veranlaßt habe. Er und Frau von Schönebeck ständen jetzt vollkommmen mittellos da, und wenn man Frau von Schönebeck nicht in­zwischen in einem Sanatorium interniert hätte, so würden sich wahrscheinlich die ungeheuer­lichsten Konsequenzen aus dem Verhalten ihres bisherigen Vormunds ergeben haben. Weber schließt seine Anklageschrift mit der Bemerkung, daß es für Frau von Schönebeck jedenfalls bes- fer gewesen wäre, wenn der Allensteiner Pro­zeß zu Ende gegangen wäre; denn unter den gegenwärtigen Verhältnissen werde Frau von Schönebeck in kurzer Zeit voll­ständig zu Grunde gehen. -jck-

Sie Wit der Lager.

Aus der Parlamentsmappe.

Die freikonservative Fraktion des A b ge - ordnetenhauses beantragt, dem Landtag in der nächsten Session den Entwurf eines Wohnungsgesetzes zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse für die unter groß­städtischen Verhältnissen leidenden Menschen­massen vorzulegen. Ferner beantragten die

worden sind. Sie waren durch den ungeheu­ren Luftdruck so heftig gegen einen Felsen ge­schleudert worden, daß sie an den erlittenen Verletzungen sofort starben. Die Leichen der in die Tiefe Gerissenen konnten noch nicht ge­borgen werden.

xx Ehre ...! Gestern früh fand im Eli- senhain ein Pistolenduell zwischen dem Leutnant Gens vom Infanterie-Regiment Nr. 42 und dem Greifswalder Studenten der Medizin, Mees, der aus Kottbus stam­men soll, statt. Bei dem Duell wurde der Stu­dent getötet. Der Leutnant erlitt eine leich­tere Verletzung; er wurde dem Ärankenhause zugeführt. Wie verlautet, foll das Duell durch eine tätliche Beleidigung veranlaßt worden fein. Die Behörden bewahren über die Ange­legenheit Stillschweigen.

xx Die Alster vereist. Wenn der augenblick­lich herrschende starke Frost anhält, wird das Eis der Alster in den nächsten Tagen für den Eissport freigegeben werden, was fett neunzehn Jahren nickt mehr der Fall war. Zur Wegräu­mung der in den letzten Tagen niedergegange- nen Schneemassen wurden außer neunhundert Staatsarbeitern im Laufe des gestrigen Tages noch zweitausendeinhundert Hilfsarbeiter hin­zugezogen. Trotzdem werden noch einige Tage vergehen, bis aller Schnee hinweggeschafft sein

XX Eine sonderbare Vergiftungsaffäre. In B ernich im Kreise Euskirchen im Rhein­land ist nach dem Genüsse von Hefeplätzchen die Familie eines Gutsbesitzers, die aus elf Personen bestand, unter Vergiftungserscheinun­gen schwer erkrankt. Besonders bei drei Kin­dern des Gutsbesitzers sind die Krankheitser­scheinungen so heftig aufgetreten, daß die Aerzte keine Hoffnung haben, sie wieder Her­stellen zu können. Die Untersuchung zur Fest- stellung der Krankheitsursache ist bislang ergeb­nislos gewesen.

Sos Neueste aus Sasse!.

Der konfessionelle Friede.

Als Entgegnung auf die große Kathoftk-w Versammlung vom vierzehnten Januar, in bet Professor Dr. Weber Protest gegen den Ev angelifchen Bund" erhob, weil des­sen Vorgehen eine Störung des konfessionellen Friedens bedeute, fand gestern abend im über­füllten Saale desEvangelischen Vereinshau­ses" eine vomEvangelischen Bund" ein­berufene Versammlung statt. Pfarrer Dr. P reg er hatte die Eröffnungsansprache übernommen, in der er die Aufgaben des Evangelischen Bundes" darlegte. Nicht die katholischen Mitbürger zu kränken, oder gar ihre Kirche zu beschimpfen, fei die Aufgabe bei Bundes, und wenn mitunter eine besondere Schärfe zutage trete, fo sei diese lediglich an die Sache geknüpft. Das Hauptreferat der Versammlung lag in den Händen des ge- schästsführenden Vorsitzenden desEvangeli­schen Bundes", Licentiat Everling aus Halle a. S-, der feinen Ausführungen das Thema:Wer stört und fördert bett konfes­sionellen Frieden?" zu Grunde legte. Redner ging in feinen Darlegungen davon aus, daß sich Deutschland nach Frieden im Innern seh­ne, besonders auf konfessionellem Gebiete. Bei­de Konfessionen sollten sich als geschichtlich ge­wordene und geschichtlich berechtigte Erschei­nungsformen des Christentums achten, und wenn dies nicht der Fall sei, so verkenne man Zweck und Wesen der Religion. In der erwähnten katholischen Versammlung und in dem dort gehaltenen und als Bro­schüre erschienenen Vortrag von Professoi Weber wurde Oberlehrer Hoffmann ange­griffen. Er (Redner) erkläre, daß hinter Oberleh­rer Hoffmann eine halbe Million Bundesmän­ner aus ganz Deutschland ständen. Der Haupt- kampf desEvangelischen Bundes" richte sich gegen den ultramontanen Fanatismus, mit dem sich der Vortragende eingehend beschäftig- te, um dann zur Broschüre Professor Weber's

Kleines Feuilleton.

erkennbar in den steten melodiösen Forffüh. rungen, ein Beweis der reichen, musikalischen Erfindungskraft. Das Orchester brachte die Schönheiten der Sinfonie unter der geschickten

sonders kampflustiges Gepräge trägt. Wie ganz anders dagegen Richard Strauß. Noch vom Lieder-Strauß bis zum jetzigen Tonpoeten ist ein weiter Weg. Aber die nun erreichte Stufe in seiner Entwicklung für die Instrumental­musik zeitigt Werke, die wohl von bedeutender Gestaltungskraft und einem einzig dastehenden Orchestrierungsvermögen erzählen, aber mit den oft herben Klangformen keine dauernde Freude beim Anhören auflommen lassen. Die unvermittelt grellen Lärmeffekte und der impo. santen Verarbeitung von verschiedenen The­men veranschaulichen recht deutlich den auf der Jagd nach einem Weib dahinstürmenden Her­renmenschen Don Juan . . . Professor Beier war den klanglichen Schönheiten der Partitur, sofern man von einer solchen noch reden kann, ein getreuer Anwalt, unb mit großer Sicherheit führte er den gewaltigen Orchesterkörper zu den verhallenden schlußtönen.

' G. 0. K.

DaS Bismarck-Nationaldenkmal am Rhein. In einer am Freitag in Frankfurt am Main abgehaltenen Sitzung der Ausschüsse für bte Errichtung eines Bismarck-Natio- naldenkrnals wurde beschlossen, mit den durch die Entscheidungsausschüsse gewählten Künstlern vor der Feststellung des endgültigen Entwurfes in Verhandlungen einzutreten. Ein­stimmig wurden die Angriffe znrückgewiesen, die gegen die zu Gunsten des Kreis-Lederer- fchen Entwurfes getroffene Entscheidung erho­ben worden sind, unb besonders die Anfein­dungen, di? einzelne der anwesenden Mitglie­der des Kunstausschusses erfahren hatten, für durchaus ungerecht erklärt.

Joses Ettlinger{-. Aus Frankfurt am Main meldet der Draht: Im dreiundvier, zigsten Lebensjahre verstarb der Schriftsteller unb Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Zei. tung Josef 6ttlinger. Ettlinger war ein her- vorragenb geistvoller Essayist und humorvoller

AbolMMentr-Konrett.

Gastspiel von Frau Metzger-Froitzheim.

Die bekannte ausgezeichnete Altistin Frau Ottilie Metzger-Froitzheim vom Bamberger Stadttheater war im gestrigen Abonementskonzert das Ereignis des Abends. Diesem erfreulichen Umstand mag der Wohl etwas bessere Besuch zuzuschreiben sein. Und die Erwartungen sind nicht getäuscht, sondern durch den hervorragenden Gesang allseitig an­erkannt worden. Ottilie Metzger besitzt ein so- nores, dunkel-gefärbtes, voll und weichklingen­des Organ.. Aus ihre tiefen Alttöne, die me- lallen wie eine Glocke klingen, setzt sie eine ge­sunde, ausdrucksreiche Mittellage und eine leichte Höhe. Auch sichere Atembeherrschung und deutliche Tertbehandlung sind rühmliche Vorzüge. Die Klage der Andromache aus dem »Achilleus" von Bruch fang die Künstlerin der­art, daß bas Leid der Witwe für die Zuhörer jum wirklichen Erlebnis wurde. Auch ihre Lieder waren recht glücklich gewählt und zeug, ien von einem großen inneren Gestaltungsver­mögen, bas die geschätzte Künstlerin in ihren Gaben mit künstlerisch-vollendeter Reife zum Ausdruck brachte. Das Publikum lauschte mit Andacht den Liedern von Schubert, Brahms, R. Strauß und Hugo Wolf, und hätte seine Befriedigung nur beifallsfreudiger kundgeben können. Unter Professor Dr. Beiers Leitung (der auch die Gesangsbegleitung vornehm durchgeführt) fpielte bas Orchester zwei grö­ßere Werke, die in ihrer grundsätzlichen Der- schiedenheit recht bezeichnend wirkten. Das den Abend einleitende Hauptwerk war die sich durch »himmlische Länge" auszeichnende 0-äur-Fan- tasie Rr. 7 von Franz Schustert.

' Noch während seines Lebens erlebte Schu- brt die traurige Tatsache, baß ihm der Wiener Musikverein die Sinfonie, weil sie »zu lang und zu schwer fei", nickt aufführte. Frühlings- ftimmung unb duftige Romantik sind die pro- grammatifchen Richttinien, unb biefe werden

Plauderer. Er hatte in Berlin, Straßburg und Heidelberg studiert und übersiedelte nach Er. langung der Doktorwürde dauernd nach der . _____________ ______ Reichshauptstadt. Besonders erwähnt seien

Führung feines Dirigenten frisch und lebendig seine Essays über Hofmann in Hoftnannswal- |iL®?5or. Namentlich ben letzte» Satz, bet be. bau, Detzäm i« Constant undMauberft Auch

Fontaines literarischer Nachlaß wurde von ihm herausgegeben.

tOi Hermann Bang's letzter Wunsch. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Vor einigen Jahren hat der verstorbene Dichter Hermann Bang seinem Freunde Christian Dahl, ei­nem Redakteur des BlattesPolitiken", einen Brief übergeben, der erst nach feinem Tode ge­öffnet werden solle. Wie sich jetzt herausstellt, wünscht Bang, daß er auf dem Herrensitz Bangbö, wo er die glücklichste» Stunden verlebt habe, b e i g e s e tz t werde. Er verbittet sich jedes christliche Begräbnis und verlangt, daß weder Photographie, Zeichnung noch To­tenmaske von ihm genommen werde. Auch soll auf feinem Grabe kein Gedenkstein errich­tet werden.

tOi Ein neues Volkstheater in Leipzig. Ei« Konsortium hat die Errichtung eines Volks­theaters in Leipzig beschlossen. Das bisherige Schauspielhaus, dessen Pachtvertrag im näch­sten Jahre abläuft, foll für diesen Zweck mit einem Kostenaufwand von einer halben Mil. lion Mark umgebaut werden. Die Direktion wird in Händen des bisherigen Opernsängers am Stadtcheater, Albert Kunze, lieqen Es sollen im neuen Volkstheater klassische so­wie moderne Schauspiele und Lustspiele zu sehr niedrigen Preisen geboten werden

-L Theater gegen Kientopp. Dieser Tage hätte das Drama des Wiener Schriftstellers Dr. Oskar Bendiner »Der Unbekannte" in einem Wiener Kinotheater zur Auffüh. rung gelangen sollen. Die Ausführung wurde jedoch auf Einspruch des Direktors des Deut, scheu Volkstheaters verhindert, da er Einspruch gegen die Mitwirkung seines Theaterpersonals auf der Kinobühne erhob, sowie gegen die Darstellung des Stückes selbst, dessen Auffüh. rungsrecht er allein besitze.

tOi Ankauf desTränenopals". Aus New. York wird berichtet: Mrs. E. Maclean hat denTränenopal", ein Schmuck von erheblichem Kunstwert, der schon so vielen seiner Besitzer, wie Ludwig den .Sechzehnten und Maria Stu. art, UnMck gebracht hat, für über eine Mil. lion Mark gekauft.

= Umbau beS Jenaer Stadttheaters. Für den Umbau des Jenauer Stadttheaters in Jena im historischen Goldenen Engel, bewll- liaie der Gemeinderat hundertfüniLiatausend

Mark. Der Umbau foll bis Oktober beende: sein.

iOi Nach Wedekind Heijermans. Der feit Jahren in Berlin lebende Verfasser vonHoff, nung auf Segen", der holländische Dichter Her­mann Heijermans, gedenkt seinen Wohnsitz tr Deutschland binnen kurzem aufzugeben. Er wird sich in Amsterdam niederlassen uni dort an einem Theater, das fast ausschließlich seine Stücke zur Ausführung bringt, die Rs- gieoberleitung übernehmen.

tOä Ein Drama Verharrens. Der Belgier Verhaeren, der größte Lyriker in französischer Sprache, hat einH el M a von Sparta" betiteltes Drama geschrieben, das im Mai im Pariser ChLtelet-^heater mit Ida Rubin, stein in der Titelrolle zur ersten Ausführung gelangen soll.

fcQ: Der auferstandene Ibsen. Ein europai. scher Reisender kam kürzlich nach George, town in Nebraska und las dort an den öf­fentlichen Anschlagsäulen, daß am Abend im StadttheaterDer Volksfeind" zur Ausführung gelangen, und daß der Verfasser des Stückes, Herr Ibsen, der Vorstellung beiwohnen werde. Der Europäer war natürlich sehr neugierig, den Ibsen von Nebraska zu sehen, und kaufte sich für teueres Geld eine Einlaßkarte. Als nach dem ersten Akt der Vorhang fiel, und die be­geisterten Leute von GeorgetownBeifall ra­sten", erschien als Ibsen ein noch junger Mann in einem tadellos schwarzen Gehrock; fein Haupthaar war nach der neuesten Mode glatt geschoren und fein Antlitz glatt rasiert. Der imitierte Ibsen verneigte sich dankend und wurde dann noch viermal gerufen; der echte hatte sich inzwischen wahrscheinlich in seinem Grabe umgedreht ...

Das Lincolndenkmal in Washington. Der schon feit längerer Zeit bestehende Ge. danke, dem großen Präsidenten der nordameri. kanischen Union ein Denkmal zu errichten, soll nunmehr verwirklicht werden. Für den Bau des Denkmals stehen etwa vierzig Mil­lionen Mark zur Verfügung. Die Sier, stellung der Entwürfe ist dem Architekten Henry Bacon übertragen worden. Das Denkmal foll ein Monumentalgebäude und ein würdiges Gegenftück zum Kapitol in Washing. ton werden, EL wird im Potomacpark er- richtet. , J