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Nr. 50. 2. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Sonnabend, 3. Februar 1912.

Stichwahlen ungünstig beeinflussen würde. Der Bundesrat hat nämlich nur neunund­sechzig Städte berücksichtigen zu sollen ge­glaubt, obwohl Hunderte von Petitionen bei ihm eingegangen waren.

In die Klaffe A

wurde nur eine einzige Stadt im Be­reich der Reichsverwaltung, nämlich Stutt­gart, versetzt.

In die Klaffe B

nur sechs Städte: Blankenese, Godesberg, Loschwitz hei Dresden, Nikolassee bei Berlin, Pforzheim und Remscheid.

In die Klaffe C

wurden eingereiht: Falkenstein am Taunus, ?amborn (Ruhrrevier), Königswinter a. Rh., ichtenrade bei Berlin, Lübars mit Waid­mannslust bei Berlin, Offenburg i. Baden, Ro­senthal bei Berlin, Roßberg bei Beuthen, We­sel, Wittenau und Borsigwalde (beide bei Berlin).

In die Klaff« D

endlich wurden versetzt: Altenberne, Nieder- becker und Oberbecker (Landkreis Dortmund), Altenhunden (Kr. Olpe), Antonienhütte (Land­kreis Kattowitz), Aplerbeck (Kreis Hörde), Binz auf Rügen, Äleichfelde (Bromberg), Bobrek (Beuthen), Brackwede (Bielefeld), Braubach a. Rh., Buschhausen (Kreis Dinslaken), Char- lottenbrunn (Kreis Waldenburg), Deggendorf (Niederbayern), Domb (Landkreis Kattowitz), Dotzheim (Wiesbaden), Eisersseld (Siegen), Bad Elster, Finkenwalde bei Stettin, Fried- richsfeld (Baden), Goldberg i. Schles., Hohen­lohehütte (Kattowitz), Holten (Kr. Dinslaken), Hombruch (Kreis Hörde), Hüsten (Arnsberg), Unterliederbach b. Höchst a. M.. Vorhalle (Land­kreis Hagen i. W.) und einige Orte im Osten des Reichs.

In die Klasse E

wurde (wie in Klasse A) nur ein Ort ein­gereiht: Bergheim an der Sieg. Wie man sieht, wurden zumeist nur die Orte in der Nähe von Groß- und Industriestädten in eine höhere Servisklasse versetzt. Die Stadt Cas- s e l und die Nachbarstädte sind bei der Neuein» Teilung der Wohnungsgeld-Klassen leider un- berücksichtigt geblieben, trotzdem grade bie heimische Beamtenschaft bestimmt erhofft hatte, daß auch Cassel in eine höhere Klasse Ungereiht werde.

Februar in den KaiserMerr.

Unser erstes Varieteetheater bietet feit ge­stern ein Programm, das allgemeinen Beiftill finden muß. Schon Deta Waldau als Geschiedene Frau" versetzt das Haus in eine frohe Stimmung. Schick und Kostümpracht paaren sich bei dieser feschen Soubrette mit einem anmutigen, auch Absonderlichkeiten nicht abge. neigten Organ, und bringen der Künstlerin wohlverdieten Beifall ein. Mit einem ganz neuen Trick arbeiten die Equilibristen T h e Caesaros. Auf schwankender Leiter führt bas jugendstarke, fchön gewachsene Artistenpaar die waghalsigsten und doch dezent wirkenden equilibrrstischen Leistungen aus, wobei beson­ders die katzenartige Behendigkeit der jungen Dame interessant ist, mit der sie ihrem Partner die Balance wahrt. Guten Eindruck hinter­läßt auch der Damen.Jmitator Alexander Tacianu. Ein mehr diskreter Theaterzettel, und niemand wäre auf den Gedanken gekom- men, in der Trägerin des reinsten und glocken- Hellen Soprans einen . . . Mann zu vermuten. Paff, der übersprudelnde, artistisch wohlge- schulte Exzentriker, und Pretty, seine Assi­stentin, wissen mit Humor und prächtigem Kön­nen das HauS zu unterhalten, und auch der Humorist Nesemann trägt das Seine dazu bei, um Lachen und Heiterkeit wachzuhalten. Dazu bietet Droeses optische Berichterstattung noch zwei nette Films. Das Hauptinteresse aber gruppiert sich unzweifelhaft um den be. kannten Träger rheinischen Humors, denecht kölschen" Komiker Jean Blatzheim, der mit seinem Ensemble gut eingespielter Kräfte eine tolle Burleske aufführt:Prinz Guttalin". Zwerchfellerschütternd ist die Wirkung, wenn der wohlbeleibte Rheinländer total geschwärzt auf den Plan tritt und von einer überspannten amerikanischen Miß als Nigger präsentiert wird. Tosender Beifall durchbraust bei dieser gelungenen Szene das ganze Haus. Kapell­meister Krieger schließt das Ganze dann mit einem neuen MarschAuf zum Kellerfest", das unten im Parterresaal ein ausgelassenes Leben und Treiben entfesselt. Derfidele Nickel", nicht nur in Süddeutschland, sondern auch im Herzen des Vaterlandes ein geschätzter Festarrangeur, bringt auch hierLeben in die Bude" und sein Kellerfest findet den größ­ten Anklang. Man kennt den Parterresaal kaum wieder, so hat er sich in einen Münchner Bierkeller umgewandelt. Mit Confetti aber wird nicht im mindesten gespart und das Bock­bierfließt in Strömen ..." -ey»

A Opfer der Straßenglätte. In der Zeit von gestern bis heute mittag ereigneten sich in Cassel eine große Zahl Unfälle, die auf die durch den Schneefall eingetretene Glätte in den Straßen zurückzuführen sind und dazu mahnen, sich auf dem Bürgersteig wie auf den Straßen selbst, beim Gehen der größten Aufmerksamkeit zu befleißigen. Bisher wurden uns folgende Fälle gemeldet: Gestern morgen stürzte in der Essiggasse ein fünfundsechzig Jahre alter Schneider so unglücklich, daß er sich einen Bruch des linken Fußgelenkes zuzog. Er wurde zunächst nach seiner Wohnung in der Packhof­straße und von da durch die Krieger-Sanitäts­kolonne in das Landkrankenhaus überführt. Die Fälle, in denen gestern abend nach Ein­bruch der Dunkelheit Personen infolge der Glätte verunglückten und ins Krankenhaus überführt werden mußten, erreichten eine be­denklich hohe Ziffer. Um zehn Uhr abends er­litten zunächst in der Königsstraße ein Arbeiter und in der Gießbergstratze rin Mann Bein­brüche. In der elften Stunde trugen sich dann noch zwei weitere Fälle ähnlicher Art zu und zwar am Martinsplatz, wo ein hiesiger Kellner ausrutschte und sich beim Sturz eine schwer­innere Kopfverletzung zuzog, und in der Hol­ländischen Straße, wo sich ein Mann am Un­terschenkel verletzte. Der Kellner wurde nach seiner Wohnung gebracht, Heute morgen

nahmen dann die Unfälle ihren Fortgang. Zwischen acht und neun stürzte am Holländi­schen Tor ein Mann und brach den Fuß, sodaß seine Ueberführung ins Landkrankenbaus not­wendig wurde. Auch die Automobile batten durch die Glätte zu leiden. Außer den beiden bereits bekannten Unfällen von gestern sei noch ein dritter erwähnt, der einem Casseler Pri­vatautomobil gestern nachmittag gegen Vier Uhr auf der Landstraße zwischen Frankenberg und Rosenthal .zustieß. Der Kraftwagen kam an einer abschüssigen Stelle ins Rutschen und fiel, da es nicht mehr möglich war, seiner Herr zu werden, in den Straßengraben. Die beiden Insassen erlitten ziemlich erhebliche Ver­letzungen.

A Vor der Stadtverordnetenwahl. Nach­dem sowohl diebürgerlichen als auch die sozial­demokratischen Kandidaten für die Stadtver­ordnetenwahlen nominiert sind, kann der Wahlkampf, wenn man überhaupt von einem solchen sprechen kann, beginnen. Gewählt wird am 12., 13., 19., 20. und 22. Februar, und zwar geht das Wahlgeschäft wie folgt vor sich: In der dritten Wählerabteilung am 12. und 13. Februar in der Turnhalle der Bür­gerschule 14 (Gräfestraße 15), im kleinen Stadt­parksaal (Wilhelmsstraße 6), im Saale des Re­staurants Stadt Stockhom (Mittelgasse 30) und int Saal des Arbeiter-Fortbildungsvereins (Holländischestraße 21) jeden Tag von zehn Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags und von 3 bis 8 Uhr nachmittags. In der zweiten Wäh­lerabteilung am 19. und 20. Februar je­den Tag von 10 Uhr vormittags biz 1 Uhr mittags und von 4 bis 7 Uhr nachmittags im Neuen Rathaus, Zimmer 16, Eingang Wil- helmsstraße. In der ersten Wählerab- t e i l u n g am 22. Februar im.Neuen Rathaus, Zimmer 16, Eingang Wilhelmsstraße, von 10 Uhr vormitags bis 2 Uhr nachmittags.

A Nach langem Suchen gefunden. Unsere Leser erinnern sich noch der tollkühnen Flucht des aus der Fürsorgeanstalt Rengshausen entsprungenen Fürsorgezöglings Weimann. Als er vor einigen Monaten festgenommen werden sollte, sprang der Bursche im letzten Augenblicke auS dem dritten Stockwerk eines HauseS an der Schlagd durch das Fenster aus die Straße, kam unversehrt unten an und ver­schwand von der Bildfläche. Inzwischen hat der Ausreißer sich noch gegen das siebente Gebot vergangen. Gestern gelang es der Po­lizei, den Langgesuchten festzunehmen und in sichere Obhut zu bringen.

A Wieder ein LogiSschwindler. Wie uns von privater Seite mitgeteilt wird, treibt ein Logisschwindler in Cassel seinGeschäft". Es hnadelt sich um den etwa vierzigjährigen Rei­senden Ewald Sch , der Zimmer mit voller Pension mietet, sich Essen und Trinken gut schmecken ließ und dann ohne zu bezahlen ver­duftete. Die Kriminalpolizei fahndet eifrig nach dem Gesuchten.

AWie da« Leben spielt... Der ehemalige Schauspieler und Romanschrift­steller Wilhelm B. aus D.. der schon mehr­fach zu längeren Gefängnisstrafen, zuletzt zu einem Jahre Zuchthaus, verurteilt worden ist, stand heute abermals wegen Urkundenfälschung und Betrugs vor der Straflammer. Im März neunzebnhundertelf wurde der Angeklagte vyn einem Kunstatelier in Berlin, das sich mit der Anfertigung von Bildervergrößerungen beschäf­tigt, als Reisender engagiert und einem Ober- reisenden in Cassel zugeteilt. Seine Beschäfti­gung war, von Haus zu Haus zu gehen, Bil­der zu sammeln und die Kommissionen an den Oberreisenden abzuliefern. B. lieferte nun ver­schiedene Bestellscheine ab, die, wie sich nachher berausstellte, gefälscht waren, und ließ sich auf Grund dieser Bestellscheine eine Provision von sechs Mark auszahlen. Der Angeflagte bestritt entschieden, die Absicht gehabt zu haben, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu ver­schaffen, weil er Geld erwartet hätte, und es dem Geschädigten wieder zustellen wollte, was er auch getan hat. Das Gericht erkannte auf eine Zusatzstrafe von zwei Monaten Zuchthaus.

Ä Aus Cassel ausgewiesen! Wie unS mtt- geteilt wird, hat der etwa einunddreißigjährige Arbeiter Georg Wachsmuth auS Allendorf an der Werra die Anweisung erhalten, Cas- sel binnen Tagesftist zu verlassen.

A Vom Schicksal ereilt. Gestern abend ge­lang es der Kriminalpolizei, einen schon lange gesuchten V e r b r e ch e r in der Person des et­wa dreißigjährigen Gelegenheitsarbeiters N. zu verhaften. N. werden eine ganze Reihe Ein- bruchsdiebstähle zur Last gelegt, die er in Cassel verübt haben soll. Bei seiner Verhastung, die in der Obersten Gasse erfolgte, bestritt N. erst, der Gesuchte zu sein, gab es aber später doch zu, worauf er in Haft genommen wurde.

A Unter schwerem Verdacht. Heute vor­mittag wurde der etwa achtzehnjährige Bursche einer hiesigen Firma wegen Notzucht und Blutschande verhaftet, die er an einem min­derjährigen Mädchen begangen haben foll. Den jugendlichen Sünder ereilte sein Geschick, als er sich gerade auf einem Geschäftsgang br­and. Der Festgenommene leugnet ganz ent- chieden.

ATer Sohn reicher Eltern". Im August berichteten wir über umfangreichere Keller- diebstähle, die in den Häusern am Neu- markt ausgeführt wurden, besonders die Weinkeller eines hiesigen Landgerichtsrats und einer Generalswitwe waren wesentlich erleich­tert worden. Eines Tages beobachtete ein« Frau aus dem Hause, daß auf der Straße ein unger Mann auf und ab ging, und im geeig­neten Moment in das Haus verschwand. Die Frau holte einen in der Nähe befindlichen Schutzmann herbei, der den Verdächtigen als­bald so ins Kreuzverhör nahm, daß er sich in Widersprüche verwickelte. Nunmehr schritt der Beamte zu seiner Verhastung. Di« Staatsan­waltschaft erhob gegen ihn Anflage, sodaß sich der Uebeltätcr, der sich als Schlosser T. von hier entpuppte, heute vor der Strafkammer zu verantworten hatte. T. will den Wein und Sekt, den er den Chauffeuren der Autozentrale zum besten gab. von einem Unbekannten in der

Mittelgaffe gekauft haben. Den Leuten, denen er die Gelage gab, schwindelte er vor, daß er von vermögenden Eltern stamme und sein Va­ter ihm dir Getränke zur Vrrfügung gestellt habe. Der Staatsanwalt hielt den Angeklag- ten für überführt und beantragte acht Monate Gefängnis. Tas Gericht erkannte wegen der bisherigen Unbescholtenheit auf drei Mo­nate Gefängnis.

A Vorsicht bei kleinen Verletzungen! Ein unbedeutender Unfall, der offenbar nur durch Unachtsamkeit schwerere, nicht vorhergesehene Folgen hatte, ereignete sich gestern. Ein hiesiger Handelsmann verletzte sich durch eipe Mistgabel an der Hand. Gegen Abend war der ganze Arm schon derart angeschwollen, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genmmen werden mußte. Man befürchtet eine schwere Blutvergiftung. Die Sanitätskolonne leistete dem Bedauerns- werten die erste Hilfe.

A Casseler Strafurteile vorm Reichsgericht. Das Landgericht Cassel hat im November vorigen Jahres den Kaufmann James Berge wegen Betruges im wiederholten Rückfall zu einem Jahr acht Monaten Zuchthaus, drei Jahren Ehrverlust und einer Geldstrafe ver­urteilt. Der Angeklagte betrieb ein Darlehns. grundstück und Hypöihekengeschäft. In vier ihm zur Last gelegten Fällen hat er sich von Leuten, die Darlehn suchten Vorschuß für seine Bemühungen geben lassen, namentlich für Reisen, auf denen er das Geld besorgen wollte, die er aber in Wirklichkeit niemals unternahm. Die Revision des Angeklagten, der behauptete, daß er sich ernstlich um die Beschaffung des Geldes bemüht habe, und niemand habe be­trügen wollen, und daß ihm di« betrügerische Absicht auch nicht nachgewiesen sei, wurde (wie uns aus Leipzig geschrieben wird) vom Reichs­gericht gestern verworfen.

A Die neuen Kriegsbeorderungen. Ende nächsten Monats erfolgt an alle Mannschaf­ten des Beurlaubtenstandes die Aushändigung der Kriegsbeorderungen und Paß­notizen. Das Bezirkskommando macht aus­drücklich darauf aufmerksam, daß Woh­nungsveränderungen, welcke bis jetzt noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebracht sind, s o f o rt dem Bezirksfeldwebel gemeldet werden müssen.

A Sich selbst bezichtigt. In der Schwur­gerichtssitzung vom dreizehnten Oktober vorigen Jahres wurde der einundzwanzigjäh­rige Arbeiter Wilhelm D. aus Wehlheiden we­gen versuchter Notzucht zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, nachdem er bereits im Fahre 1908 wegen des gleichen Deliktes mit einer mehrjährigen Gefänanisstrase belegt war. Heute stand D. abermals vor der Straf­kammer unter der gleichen Anklage, die sich auf Selbstbezichtigung des Angeklagten aufbaute. Es handelte sich um zwei Fälle, in denen sich der Angeklagte an noch nicht vier­zehnjährigen Mädchen vergangen hat. Der Angeklagte gibt die Tat in vollem Umfange zu und schildert den einen Fall als Versuch, den zweiten alS vollendetes Verbrechen. Ter Staatsanwalt beantragte eine Zusatzstrafe von sechs Monaten Zuchthaus, während das Ge- richt aus drei Monate Zuchthaus er­kannte.

A Der Zwischenfall in Kirchditmold. Wie uns mitgeteilt wird, hat sich der Vorfall in Kirchditmold, wobei ein Schutzmann nicht un­erhebliche Verletzungen davontrug, nicht im LokaleZum Kirchditmolder Hos", sondern auf der Straße abgespielt. Der Schlosser Fritz Mohr will übrigens den Schutzmann Kroke nicht zu Boden geworfen haben, er be­hauptet vielmehr, daß der Beamte gefallen fei.

ABauern-Regeln" für den Februar. Im Februar starker Tau, bringt Nachtsrost im Mai aus Flur und Au. . . . Wenn der Fe­bruar w a rm sich hält, bringt das Frühjahr uns große Kält. . . . Ein nasser Februar bringt uns «in sruchtbar Jahr. . . . Wenn's der Hornung gnädig macht, bringt der Mai den Frost bei Nacht. . . . Wenn im Februar die Mücken schwärmen, mutz man im März die Ohren wärmen. . . . Hornung hell und klar, bringt ein gutes Flachsjahr. . . . Friert's im Februar nicht ein, wird's ein schlechtes Korn­jahr sein. ...Nordwind im Februar, verspricht ein fruchtbar Jahr. . . . Wenn im Februar spielen die Mücken, gibt's im Schaf­stall große Lücken. . . . Viel N e b e l im Fe­bruar, viel Regen das ganze Jahr. . . . Singt die Lerche jetzt schon hell, geht's dem Land- mann an das Fell.

A Kleine Tageschronik. Die Spezialitäten- Dorstellung, sowie das Gastspiel des Blatz heim'schen Ensembles in denKaisersä­len" muß morgen wegen des Maskenf^tes ausfallen. Am Sonntag finden zwei Vorftel- lungen statt. Das Münchener Kellerfest be­ginnt am Sonnabend schon um sieben Uhr. Das heute abend im großen Saale des Re- sidenz-Tbeaters (Hanusch) stattfindende Bock- biersest verspricht nach dem, was uns mit­geteilt wird, einen recht gemütlichen Verlauf zu nehmen. Im übrigen verweisen wir auf das Inserat in der heutigen Ausgabe. In Ferd. Becker's Lichtspieltheater, Königsstraße 79, gelangt bis aus weiteresDie Verräterin", eine dramaftslbe Kriegsepisode, in der die be­kannte Kino-Schauspielerin Asta Nielsen die Hauptrolle übernommen hat, zur Vorsüb- rung. Der Unterneustädter Kirchenchor will am Dienstag, den dreizehnten Februar, im Evangelischen Vereinshause einen Fami­lienabend veranstalten. Außer Frühlingslie­dern, Duetten, Männerchören und gemifchteu Chören kommt auch ein größeres Chorwerk: Im Maien" von G. Baldamus für gemisch­ten Chor und Tenorsolo mit Orchester- und Klavierbegleitung, zur Ausführung. Der Rein­ertrag ist für die Schulspeisung armer Kinder bestimmt. DerVerein ehemaliger 143er" veranstaltet am Sonntag im Saale des Re­staurantsSchaubs - GaGrten" seine erste Kai- fergeburtstagsfeier, verbunden mit Abend­unterhaltung und Ball. Näheres siehe Inserat.

A Das Wetter am Sonnabend. Der amt­liche Wetterbericht sagt für Sonnabend für Hes- en-Nafsau folgende Witterung voraus: Bewöl­kung abnehmend, vereinzelt noch etwas Schnee, Frost zunehmend, auch am Sonntag.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Farmlien-TragSdisn ohne Sude!

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 2. Februar.

Eine furchtbare Familientragödie hat sich heute mittag um halb zwölf Uhr in der Greifs­walderstroße 43 abgespielt. Ter Schneidermei­ster Karl Gohrke hat seine Frau durch fechs Messerstiche (von denen zwei den Kopf und vier den Hals trafen) lebensgefährlich verletzt/ Dann überfiel er den achtundzwan- zigjährigen S o h n und verletzte diesen eben­falls durch zwei Messerstiche fchwer. Gohrke hat die Tat anscheinend in einem Anfall von G e i st e s k r a n! h e i t verübt. Gohrke selbst ist ebenfalls schlimm zugerichtet. Er ist von seinem Sohn durch Schläge und Stiche schwer verletzt worden, sodaß für das Leben der drei Unglücklichen ernste Befürchtungen bestehen.

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Waldheim i. S., 2. Februar. (P r k « vattclegramm.) Ein Raubmordver- s u ch auf seine Stiefmutter vollsührte gestern abend der achtzehnjährige arbeitslose Kurt Gruber in Waldheim. Der Bursche schlug seine Stiefmutter mit Beilhieben nieder. Auf das Hilfegeschrei der alten Frau entfloh der Verbrecher, konnte aber ergriffen und verhaftet werden.

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Petersburg, 2. Februar. (Privat- Telegramm.) Der achtjährige Sohn des Kandidaten der Physik und Matematik, W a r - far, erhängte sich am eigenen Ledergurt. Die Ursache zu der Tat ist unbekannt. Ter Va­ter des unglücklichen Kindes wurde wahn­sinnig in den Straßen Rigas aufgegrisfen. Frau Warsar vergiftete sich in der vergan­genen Rocht, da sie das Unglück nicht überleben wollte.

Deutsche Truppen für China.

Petersburg, 2. Februar. (Privat« t e l e g r a m m.) Aus Tientsin meldet dieNo- woje Wremja", daß auf Verlangen deS deut­schen Gesandten in Tsingtau fünfhundert deutsche Soldaten in Tientsin eintrafen. Bon diefen geht ein Teil nach Peking zum Schutze der deutschen Gesandtschaft.

Der Prozeß Hermann vor Gericht

Berlin, 2. Februar. (Prtv a t-T ele» g ra m m.) Rach mehrfacher Vertagung gelangte beute Vormittag der Pro- arnm vf'.? ßischen Fiskus zur Fortsetzung, den die Witwe des Arbeiters Herrmann angestrengt hat. Herrmann war bekanntlich bei den M o a- bit er Unruhen dadurch ums Leben ge­kommen. das er von Säbelhieben der Schutz­leute tödlich bettoffen wurde.

Das Unglück in der Fabrik.

Berlin, 2. Februar. (Privat-Tele­gramm.) In der Wäschefabrik von Josef Ja­cobi in der Mühlenstratze ereignete sich heute vormittag ein Betriebsunfall, Bei dem heiße Dämpfe zwei Personen schwer und mehrere andere leicht verletzt wurden. Ter Un­fall hatte eine Panik hervorgerufen, die bei­nahe verhängnisvoll geworden wäre.

Großmutter und Enkelin.

Delmenhorst, 2. Februar. (Privat-Te- l e g r a m m.) Bei einem Zimmerbrand in Delmenhorst kam gestern abend das zweijäh. rige Kind eines Arbeiters u m. Die Groß­mutter, die es retten wollte, erlitt so schwere Brandwunden, daß an ihrem Auflomuten ge­zweifelt wird.

Schuld und Sühne.

Mühlbausen (Elsaß). 2. Fevruak. (Privat-Telegramm.) In dem Prozeß gegen den Arbeiter Johann Adolf, der be­schuldigt ist, atu zwölften Dezember vorigen Jahres die Bauerswitwe Katharine Weber ermordet und beraubt zu haben, bejahten die Geschworenen in der vergangenen Nacht die Frage auf Mord und Raub. Adolf wurde darauf zum Tode verurteilt.

Das Opfer eines Verbrechens?

Donaueschingen, 2. Februar. (Ptk- vat-Telegramm.) Im Hirschwalde bei St. Georgen wurde der Schmiedemeister und Gemeinderat B ö s i n g e r tot aufgefunden, Die Leiche wies eine große Kopfwunde auf. Man vermutet, daß Bösinger einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Tie Akademie für Völkerrecht.

Amsterdam, 2. Februar. (Privat Telegramm.) Die Gründung einer interna­tionalen Akademie für Völkerrecht im Haag ist nunmehr gesichert. Ter Vorstand der von Carnegie mit zehn Millionen Dollar gegründeten Stiftung zur Förderung des Welt­friedens in Washington hat die Errichtung der Akademie im Haag beschlossen. Ein niederlän­disches Komitee von Rcchtsgelehrten und Staatsmännern, unter Vorsitz des Staatsrats A s s e r, ist mit der Ausarbeitung eines Ent­wurfs. beauftragt worden.

Ter Grubenarbeiterstreik dauert fort!

Brüssel, 2. Februar. (Privai-Tete- 9 tarnm.) Ter Verband der Grubenarbeiter in Mons beschloß in seiner gestrigen Sitzung, angesichts der Haltung der Grubenbesitzer den Ausstandfortzusetzen. Es sanden ge­stern in verschiedenen Arbeiter-Zentren S t r a- renkundgebungen statt. Es heißt, daß ein Aufruf an den nationalen Verband der Grubenarbeiter gerichtet werden wird, zwecks Proklamienmg des General Ausstandes.

Ein Mord im russischen Highlife?

Petersburg, 2. Februar. (Privar- t e l e g r a m m.) Der in der Petersburger Ge- ellschaft beliebte verabschiedete Gardeoffizier Dimitri Lubinski wurde gestern abeud tot mit Schußwunden in seiner Wohnung auf­gefunden. Als des Mordes verdächtig wurden die Tochter eines Wirklichen Staatsrats und ihr Freund, ein Student, verhaftet

WaMamet mn W12 Seiten.