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Casseler Neueste Nachrichte« '

Freitag, 3. Februar 1913.

arbettung klangvoller Tongemälde als beson­ders gäungene Wiedergaben repräsentieren durften. Den Gesangssolisten-Teil übernahm Frau Major C. Wehmer mit einer hellklin­genden Sopranstimme, und mit Rücksicht auf den guten Zweck können ihre Vorträge selbst vor einer strengen Kritik bestehen. Die Kolora­turen in der Mozart-Arie verrieten in der Mit­tel- und hohen Lage ein klangvolles, ausbil- dungsfähiges Organ. Von Herrn Regierungs- rat Krause gilt das noch mehr, denn seine Violinvorträg« zeugten von einer künstlerischen Auffassung und einem hohen Grad technischen.

Könnens. -t-

Sie Politik der Lager.

Englischer Königsbesuch am Kaiserhof?

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Berlin: Gestern nachmittag war an der

WohttStigketts-Koazert im Sladtpart.

Das gestrige Wohltätigkeitskonzert zum Be- sten der Soldatenarbeit des .Christlichen Ver­eins junger Männer' von der dreiundachtziger Kapelle hatte dem edlen Zweck eine auserlesene, stattliche Gesellschaft im großen Stadtpark­saal versammelt. Das künstlerische, von Ober­musikmeister Grosse zusammengestellte Pro­gramm wurde durch soliftische Gaben zweier Mitglieder aus der Gesellschaft recht abwechse­lungsreich gestaltet. Tie bekannt tüchtigen Dar­bietungen des , geschätzten Orchesters brachten unter Leitung ihres Dirigenten schöne Leistun­gen, unter denen sich das feinsinnige .Vorspiel zur OPer Jacinta' (vom hiesigen Professor Hoebel) und das .Scherzo aus der ungedruck- teq gUifptttt* pog Otto Nicolai durch Heraus-

mittelnde Stellung zwischen beiden Meistern ein, die sich besonders in humorvollen, komi­schen, äußeren Formen bemerkbar machte. Das Ls-änr-Quartett trägt dos Gepräge des Froh­sinns, der ausgelassenen Lustigkeit, und mit Ausnahme des getragenen Andantes sprühen alle anderen Sätze von Leben und Sorglosig­keit. Die Wiedergabe durch unser« Quartett- Vereinigung geschah zur Freude der leider spärlicher als sonst erschienenen Kammermusik- gemeinde in ungetrübtem Fluß und durchaus einheitlicher Geschlossenheit. Das Poco Andan- tino war ebenso (wie Ditterdorfs Quartett) weniger bekannt und erinnerte an den Wie­ner Hoflapellmeister Felix Dessoff. Das in leichter, sehr melodiös gehaltener Menuett­form hinfließend« Werk bot mit gedämpften Streichinstrumenten eine sehr husche Abwechs­lung und fand eine freundliche Aufnahme. Ebenso das bekannte Largo von Haydn mit seinen breiten, behäbigen Akkorden und der eigenartig zarten Melodieenführung (eine dankbare Aufgabe für Konzertmeister Hop­st e n.) Das dritte, kleinere Werk war die Canzo- nette vonF. Mendelsohn-Bartholdi. Zum Schluß folgte das 0-woU-Quartett von Beethoven, das vierte der Werke op. 18, das ebenso wie die Sonata pathetique gern vom Publikum ge­hört wird. Den verdienswollen Veranstaltern der edlen Kammermusik möchte man nur für den nächsten Abend ein ausverkauftcs Haus wünschen. G. O. K.

neues Dom Sage. -

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichkeii.)

Auss dem Schnellzug entsprungen! Aus Dessau wird uns berichtet: Der vom Land­gericht in Leipzig wegen mehrerer Einbrüche zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte Arbeiter P e - o l d sollte gestern im Schnellzug von Wittenberg, wo er vorgeführt worden war, nach dem Zuchthaus in Waldheim in Sachsen transportiert werden. Unterwegs ist der Ver­brecher im Abort aus dem Fenster gesprun­gen. Der Zug wurde sofort zum Stehen ge­bracht, Petzold war aber verschwunden.

ur Der bestohlene Graf HoenSbroech. In dem Schloß Haag im Rheinland des bekannten Grafe» HoenSbroech wurde in der vorigen Nacht ein Einbruchsdiebstahl verübt, bei dem Silbersachen im Werte von 12 000 Matt gestoh­len wurden. Die Diebe müssen mit den ört­lichen Verhältnissen ganz genau vertraut ge­wesen sein, da sie andere Behälter nicht erbro­chen haben. Unter den gestohlenen Sachen be­finden sich auch einige ältere Stücke von gro­ßem kunstgeschichtlichen Wert.

iS Die Räuber von Prenzlau. Die beiden Verbrecher, die (wie wir gestern ausführlich be­richtet haben) vorgestern abend im Prenz­lauer Amtsgericht einen Einbruch verübten und hierbei den Kastellan des Gerichts und einen Schneidermeister, die sie festnehmen woll­ten, schwer verwundeten, wurden gestern abend in einer Scheune bei Steinhöfen im Kreis Angermünde ermittelt und festgenommen. Es

der-Reliefs am Florentiner Findelhause. Auch von Giovanni della Robbia wurde die Tech­nik der Künstlerfamilie weiter gepflegt. . . Eine besondere Gruppe der Florentiner Künst­ler für sich bilden die Bildhauer, die in Mar­mor und Bronze gearbeitet haben. Meistens waren es ursprünglich Steinmetzen gewesen aus den Florenz benachbarten Sandsteinbrü­chen. Vorzugsweise wandten sie sich der Her­stellung von Grabdenkmälern zu und pflegten namenüich auch mit entschiedener Naturtreue die Porttätbüste. Antonio Rossellino schuf das Grabdenkmal des in Florenz gestor­benen Kardinals Johann von Portugal, das zugleich typisch für die damalige Grabmal­kunst ist. Auf einem Sockel erhebt sich zwi­schen Pilastern der Sarkophag. Sie ttagen ein zierliches Gebälk, über dem stch im Bogen- selde ein von Engeln gehaltenes Medaillon mtt der Madonna und dem Christuskinde sich befindet. Auch Desideria da Setti g- nano, mir realistischen Büsten, Bene­detta daMajano und Mino da Fie- sole schlossen sich dieser Richtung an. Ebenso Andrea Sansorino gehört hierher. Sein vollendetstes Werk ist die Bronzegruppe der Taufe Ehristi über dem Portal des Bap­tisteriums von Florenz. Später schuf er in Rom zwei der herrlichsten Marmorgrabmäler Italiens. Besonders hervorzuheben ist schließ­lich noch Andrea del Verra cchio, ur- sprüngfich Goldschmied, dann Maler und Bild­hauer. Sein« bedeutendsten Werke sind die Bronzegruppe »Christus und Thomas' in Florenz und die Reiterstatue, die er im Auf­trage der Republik Venedig ihren Söldnerfüh­rer Bartolommeo Colleoni errichtete, das auf einen sehr hohen Sockel stehend voll trutziger Wucht das venettanische Straßenbild be- herrscht. H. E.

Kasseler Kammermusik.

Mit den wenig gehörten Kompositionen von C. von Dittersdorf, jenem bekannten Singspielkomponisten und eifrigen Vertreter der Programmusik, begann der gestrige Abend Ditterdorfs Kammermusik ist stilistisch fast eigenartig zu nennen, und die Verquickung von Mozarts sanglicher Schreibart und der strengen Durchführung der motivischen Haydn', scheu Forme» räumte ferne» Arbeiten eine ber»

Sine Same als Spionin!

(Privat-Telegramm.)

KrakaH 1. Februar.

Gestern nachmittag wurde in einem hiesigen ersten Hotel eine vornehm gekleidete Dame verhaftet, bei der man militärische Schriftstücke, die von den Militärbehörde« in Lodz stammen, vorfand. Wie stch bei der Untersuchung herausstellte, gehört die Dame einer wett verzweigten Spionagebande an, die in letzter Zeit besonders durch die ge­fangen in Galizien streifte, lieber die Ergeb­nisse der Untersuchung in der Angelegenheit wird behördlicherseits strengst-s Still, chweigen beobachtet.

3t. Gronau Bortröge.

Im Verein FrauenbUdung - Frauenstudinm.

In seinem gesttigen Vortrag (dem fünf- i«n des Zyflus) im Verein Frauenbil- düng . Frauenstudium sprach Galerie- Direttor Dr. Gronau über die Florentiner Plastik von Luca della Robbia bis Verrochio. Wie «ine große Zahl von Malern sich an Ma- iaccio anschloß, und die von ihm eingeschla- zene Richtung entwickelte, so folgte «ine nicht minder . erhebliche Anzahl von Bildhauern dem Meister Tonatello. Ueberboten hat ihn jedoch keiner- seiner Rachgänger. Donatello's Kanzelwerk in S. Lorenzo offenbart einen so gewaltigen Naturalismus, daß man über ihn nicht mehr hinausgehen konnte. Sie suchten daher in der Veredlung seiner Technik ihre Freude. Das Schöne, das man in der mo­dernen Kunst so gern wegdisputieren möchte, findet sich am ausgesprochensten im ganzen Quattrocento bei Luca della Robbia. Er, der als Knabe die Werk« Donatello's und Ghkbertt's entstehen sah, war von einem reinen griechischen Kunstempfinden geleitet. Reliefs von ihm (Befreiung Petri, Kreuzigung) wer­den im Museum Nazionale aufbewahrt und offenbaren das Stilgefühl der griechischen Kunst zur Zeit Phidias. Von Luca della Robbia stammt auch ein schöner Marmorfries an der Orgelbrüstung des Florentiner Domes: tanzende, singende und musizierende Knaben und Mädchen. Auch die Bronzetür zur Sakri­stei desselben Gebäudes schmückte er mit Re­liefs. Seine vorwiegende Bedeutung aber liegt in der Uebertragung der Technik glasierter Terrakotten auf die Großplastik; er bildet« da­bei die Figuren meist in weißer Farbe aus blauen Grund. Mtt Vorliebe schuf er in im­mer neuen Stellungen die Madonna mit dem Kinde, bald von Engeln, bald von Heiligen umgeben. Von den Künstlern des Quattro­cento kommt er der Raffaelischen Kunst am nächsten. Auch die schönste Freigrupp« dieser Zett (in der Kirche von Pistoria) soll feixt Werk fein.

In seinem Neffen Andrea fand Rob- bia's Kunst ihre Weiterpflanzung. Auch bei ihm ist das Schönheitsgefühl vorwiegend, mir fehlt ihm di« innere Größe seines Oheims. Hei« berühmtestes Werk sind die - Wickelkin-

tvährend des Bureufeldzuges mttteilen. Stewart gibt an, daß er nur für Kavalleriewesen Verständnis habe, und daß er von Marineangelegenheilen über­haupt nichts verstehe, zumal ja im Bu. renfliege solche Dinge gar nicht in Frage kom- men konnten. Auf die Frage, ob er ein Kriegs­schiff von einem Handelsschiff unterscheiden könne, zögert der Angeklagte zunächst mtt einer Haren Antwort und erflärt dann, daß er sich über die Bedeutung der Handelsschiffe für den Kriegsfall niemals recht tat klaren gewesen sei, worauf ihm der Vorsitzende bemertt, daß ta Deutschland jedes Schulkind darüber un. terrichtet sei, daß tat Kriegsfälle die HandelS- chiffe armiert und als Schlachtschiffe benutzt würden. Angekl.: Dann ist der Unterricht in Deutschland jedenfalls besser als der unsrige hierüber. Ich habe von allen diesen Dinge» nur flüchtig in Zeitungsartikeln etwas gelesen und kann nicht sagen, daß ich in Marinedingen irgendwie informiert bin. Ich habe täglich als Anwalt schwer zu arbetten und nur wenig Zeit ür andere Dinge. Der Vorsitzende geht hier, auf die gesellschaftlichen Verbi», dünge» des Angeklagten durch und stellt fest, daß der Angeklagte durch sein« Verheiratung der vornehmen Londoner Welt enge, höre. Wie wir schon mitgeteilt haben, findet die Beweisaufnahme und die weitere Ver­handlung unter völligem Ausschluß der O effentlichkeit statt. DaS Urteil wird Freitag mittag zu erwarten sei.

den Besitz der wichtigste» Geheimnisse des deutz- scheu Küstenbefestigungsdienstes und der deut, scheu Marine zu setzen. Bei der Feststellung feiner Personalien tn der gestrigen Verhand­lung war der Angeklagte bemüht, seine zivile Beschäftigung als Rechtsanwalt in den Hin­tergrund zu stellen. Er betonte wiederholt, daß er auch englischer Offizier fei und seit langen Jahren im Dienste bet Yeomanry stehe. Er gehöre einem Kavallerie-Regiment an, habe viel für englische militärische Fachzeitschriften gearbeitet und besitze etwa eine Viertel Million Mark Vermögen. Sein jähr, liches Einkommen als Rechtsanwalt betrage etwa vierzigtausend Mark. Auf die Frage nach seinem Vorleben erzählte der Angeklagte aus­führlich von seinen Reisen, sowie von seiner sportlichen Betättgmtg als Jäger und Fischer. Energisch bestreitet er, während des Buren, feldzugs, oder bei seinen späteren Reisen in Frankreich, Deutschland und Italien Spio­nage getrieben zu haben. Vors.: Waren Sie öfter in Deuffchland? Angekl.: Ja, ich war achtzehnhundertzweiundneunzig mehrere Wo. chen in Dresden, habe auch Berlin besucht und bin wiederholt den Rhein entlang gefahren. Einmal bin ich auch hier ttc Leipzig gewesen. Der Vorsitzende läßt sich dann von dem Ange­klagten näheres über feine Tätigkeit

: bandelt sich um ei» paar .schwere Jungen-, die i schon sett langem von den Behörden gesucht : werden.

rx Schloß Liechtenstein niedergeb rannt. Das herrliche, aus dem vierzehnten Jahrhun- bert stammende Schloß des Fürsten Liechten- stein in Reulengbach an der Wiener West- : bahn ist fast vollständig niedergebrannt. Nur ein Rebenbau, in dem der fürstliche Postdirettor wohnte, konnte gerettet werde». Neber die Entstehungsursache des Brandes konnte Be­stimmtes noch nicht festgestellt werden; doch nimmt man an, daß Brandstiftung vorliegt. Den Flammen sind auch eine Anzahl wertvoller Kunstschätze zum Opfer gefallen.

rrr Selbstmord ans gekränktem Ehrgefühl. In Pürglitz in Böhmen erschoß sich gestern der Vorsitzende des dortigen Spar- und Dar- lehnSvereins. Man glaubt, daß die Tat mtt einer in dem Institut beabsichtigten Kassenre- Vision in Zusammenhang zu bringen ist und daß der Vorsitzende in dieser Revision ein Mißtrauensvotam gegen sich erblickte. Infolge der au den Selbstmord geknüpften Redereien fand ein Run auf die Kasse statt; doch wur­den alle Einlagen prompt ausgezablt.

zz Schneestürme an der norwegische» Küste. Der gestern über die Westküste Norwegens hereingebrochene heftige Schneesturm hat längs der ganzen Küste zahlreiche Schiffsunfälle zur , Folge gehabt. An vielen Stellen sind Schiffs­trümmer angeschwemmt worden. In der Nähe des Leuchtturms bei Bergen ging die norwegifche Bark .Elino" aus Christian- funb unter. Von der fünfzehnköpfigen Be­satzung, die sich aus Angehörigen verschiedener Rationen zusammensetzte, sind elf Mann, da­runter zwei deuffche Matrosen, ertrunken. Von verschiedenen kleineren Schiffen ist man noch ohne Nachricht: man fürchtet, daß auch sie dem Sturm zum Opfer gefallen sind.

Ein Doppelmord in Frankreich. Aus Limoges in Frankreich wird berichtet: In der vergangenen Nacht wurden der frühere Bür- germeifter von Limoges und seine achtundsech­zigjährige Haushälterin durch Arthiebe ermor­det. Die Mörder versuchten die Leichen dann zu verbrennen, indem sie die Kleider mit Petro- leum übergossen und anzündeten. Sie erbrachen darauf den Geldschrank und raubten sämtliche Gold- und Werffachen. Die fofort angestellten umfangreichen Ermittelungen der Kriminal- tolizei sind bislang ergebnislos verlaufen.

Ein Eifersuchtsdrama im Theater. In bet gestrigen Abendvorstellung im National- Theater in Belgrad erschoß ber Maler Mi- leite aus Eifersucht seine Braut, ein Fräu­lein Marie Pavlovic und verwundete sich odann durch einen Revolverschuß tödlich. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Die junge Dame, «ine anerkannte Schönheit, war der Ge­genstand zahlreicher Huldigungen der vorneh­men Belgrader Herrenwelt, und es ist wohl an- zunehme», daß sie den einen oder anderen ihrer Verehrer zuweilen ihrem Bräutigam vorae- zogen hat.

Kleines FenWeton.

& Haus Richters Nachfolger in Manchester. Richters Nachfolger wird der Kapellmeister von der Budapester Oper Michael Balling. Der Posten des Dirigenten des bekannten Halls-Orchesters in Manchester bringt eine maßgebende Stellung in dem Musikleben Eng­lands mtt sich, da dem Dirigenten gewöhnlich auch die Leitung der großen Londoner Sinso. nie-Konzerte zufällt. Balling ist in England kein Fremder mehr und erntete erst vor einem Jahre als Dirigent des Ringes der Ribelun. gen in London lebhafte Anetteunung. 1908 war Balling als erster Kapellmeister an die Karlsruher Hofoper berufen wurden und erst tat Vorjahr« folgte er von dott einem Rufe an die Budapester Oper.

iQ- Eta Jbsenhaus in Goffensass. Der Rur* Vorstand in Goflensaß (Tirol), wo Ibsen be. karmtlich ost und gerne geweilt bat, beschloß, dem großen Norweger auf dem bereits beste­henden Jbsenplatze eine weitere Erinnerungs­stätte in Gestalt eines Jbfenhauses zu widmen. Um das ©ebäube würdig auszustat- ten, wandte man sich an die Witwe des Ver­storbenen mit der Bitte, für diesen Zweck ei­nige dem Dichter lieb und wert gewesene Ge­genstände zu überlassen. Frau Susanne Ibsen hat diesem Ansuchen ht zuvorkommender Weise entsprochen und dem Kurvorstand eine Reihe von Gegenständen aus dem Nachlaßdes Dich­ters zur Verfügung gestellt. Unter diesen befin­det sich auch bte Schreibfeder, mit der Ibsen zum letztenmale seine. Namensunterschrift ge- a-ben hat.

Nr. 49. 2. Jahrgang.

Abzeichnen des WeserfortS Bremen und bei photographischen Aufnahme» der Forts be­obachtet worden ist, und daß man dieser feiner verdächtigen Tätigkeit zunächst keine Bedeutung beilegte. Er hatte sich in Bremen als Erfindet eines neuen BierflaichenverschlusseS ausgege­ben und erHäti, daß er dafür Vertreter a» Ot­ten der Nordseeküste ausfindig mache» wolle. Semen Ausflügen in die Umgegend wurde da- her kein« besondere Bedeutung beigemessen, doch wurde er bald verdächtigt, als er gerade ml: denjenigen Persönlichkeiten in Verbindung trat, die bereits von den militärischen Behör­den der Polizei als Helfershelfer der damals auf dem Höhepunst stehenden englischen Spio­nage bezeichnete worden waren. Als Stewart dann auch Ausflüge nach Helgoland, Bor­ken und Wilhelmshaven unternahm und hier wiederum sein besonderes Interesse für die Befestigungsanlagen an bett Tag legte, folgten ihm unauffällig mehrere Beamte, die bei der Rückkehr Stewarts über Hamburg dort feststellen konnten, daß Stewart

ber Werst von Bloehm und Boß bes dort im Bau befindlichen modernsten Panzerkreuzer der deutschen FlotteMoltke* ju allen Einzelheiten genau besichtigt hatte. Ebenso wußte sich Stewart später in Bremen auch noch genaue Angaben über die internen Entrechtungen des dort auf der Weserwerft

Bau befindlichen neuen Dreadnoughts ^.Thüringen- zu verschaffen. Nun griffen bte Behörden zu und in aller Stille wurde Stewart in das Bremer Untersuchungs­gefängnis eingeliefert. Gleichzeitig beschlag, nahmte man sein in Geestemünde lagerndes Gepäck. Dabei wurden sofort Feststellungen getroffen, bte den Angeklagten als einen der S.*.^hrltchsten Spion« des eng- lrschen Nachrichtendienstes erkennen ließen. Er hatte nicht nur sehr wichtiges Kartenmaterial bei sich, das sich auf die Befesttgungen der Nordseeküste bezog, sondern es wurden auch Zeichnungen und Pläne von thm gefunden, die sich auf die beiden Schlacht, schiffe bezogen und deren Auffindung die so- jorttge Festnahme von vier Werftan. gestellten zur Folge hatte. Auch von den Forts Brinkamerhof, Langlütjen und Wremen an der Weser wurden Karten und Skizzen in feinem Besitz vorgefunden. Briefe an den An- ßrflagten von hoher englischer mili- tarischer Seite herstammend, ließ klar erlernten, daß die Auftraggeber Stewarts

in den höchsten englischen Kreisen saßen und daß es man bei dem Angeklagten tntt einem Gentlemanspion zu tun hatte, den Nicht Gewinnsucht, sondern unbändiger Ehrgeiz nach Deutschland getrieben hatte. Die damaligen kntischen Verhältnisse hatten in jenen Kreisen em besonderes Interesse für den Dereiffchafts. Kustand der deutschen Küste, speziell für die an. geblichen Kriegsvorbereitungen in den deut­schen Nordfeehäfen wachgerufen, und da Sie. wart nach dieser Richtung hin etwas positives nicht sestzustellen vermochte, so konzentrierte er seine Aufmerksamkeit auf den deutschen Schlachtschiffbau und die Befestigungsanlagen, um doch wenigstens etwas heim z» bringen. Daß das bott Stewart zusammengebrachte Material gravierend für ihn ist, kann nach den Ermittelungen der Reichsanwaltschast keinem Zweifel unterliegen. Andererseits erscheint es besonders erfreulich, daß er damit nicht über , pte holländische Grenz« entkomme» ist, die für alle englischen Spionageversuche der letzten Zeit di« Operationsbasis gebildet hat. Seine Festnahme erscheint um so verdienstvoller, als 1 man In ihm einen besonders intelligenten und Durch seine Beziehungen um so gefährlicheren Spion erwifchte, und weil zugleich durch seine Festnahme die Kette der Beweise dafür ge- schloffen erscheint, daß

in den krittschen Frühsommertagen deS Vorjahres der englische Spionagedienst seine Mittel und Wege gescheut hat, um sich in <

Las Neueste aus kastel.

Mctttum in Wort und Lied.

Im .Verein für Hessisch« VolkS- kund e*, der gestern im Evangelischen Ver­einshause eine Monatsversammlung seiner Mitgfieder abhielt, gab es zwei interessante Vortrage zu hören. Herr Prof. Dr. Fuckel ließ einen tiefen Blick in das Volksgemüt werfen, wie «S im Volksliede lebt und webt In unserem sang- und klangreichen Hessenlan­de steht das VoÜslied ja nördlich und südliche von Schlitz und Rien noch in schönster Blüte. Der Großstädter kann ost genug beobachten, wie das von der Arbeit hetmkehrende Land­volk seine alten Weisen singt; sonst weiß er freilich nicht mehr allzuviel von ihnen. Eine reiche Literatur jedoch unterrichtet über Wesen und Verbreitung der hessischen Volksgesänge. Neuerdings ist jtt den vorhandenen Sa mm-

hiesigen Börse das Gerücht verbreitet, daß der König von England mit Gemahlin ta aller Kürz« dem deuffche» Kaiserpaare einen Besuch abzustatten gedenke. Wie hierzu von zuständiger Seite verlautet, wird das eng. lisch« Königspaar jetzt zuefft nach London zurückkehrerü wo ihm Vorschläge über den Be. such verschiedener europäischer Höfe unterbreitet werden. Rach dieser AuSkunst also scheint sich das Gerücht von einem Besuch des englische» KönigSpaareS in Berlin zu bestätigen.

Eta Berliner LohlenmLeiter- Streik?

AuS Berlin wird uns berichtet: Die Verhandlungen wegen des neuen LohntarifeS der Kohlenarbeiter sind noch nicht zu­stande gekommen. Di« Berliner Grotzfirmen sind tat Prinzip nicht abgeneigt, mit ihren Ar. bettern über eine Neuregelung der Löhne und Arbeitsverhältnifle in Beratung zu treten, ha­ben aber die Kompetenz des Einigungsamtes des Berliner Gewerbegerichts noch nicht aner­kannt. Die Stimmung in den beteiligten Ar­beiterkreisen ist sehr erregt ES wird in­dessen bestimmt erwartet, daß wesenttiche Zu­geständnisse erfolgen. Die Entscheidung über EinigungSverhandlungen oder Streik dürste »och heute erfolgen. *

Eta Telegramm meldet unS: König Nicolaus von Montenegro traf heu­te früh in München zu zweitägigem Aufent­halt ein. Nach kurzem Aufenthalt in Frank­furt am Main wird der König nach Ber­lin reife», wo er am fünften oder sechsten Februar zu verweilen gedenkt Die Reffe er­folgt in strengstem Inkognito.

Der Londoner Exchange Telegraphen- Company wird aus Berlin gemeldet: Die Deuffche Regierung beabsichtigt aus Anlaß deS Besuches d«S Prinzen Adalbert von Preußen in den Vereinigten Staaten di« Entsendung eines Geschwaders »ach ber Union, um den Besuch des amerika­nischen Gechwaders zu erwidern.

Depesche» anS Newyork zufolge hat ta Mexiko zwischen den Anhängern des Ge­nerals Zapara und den mexikanischen Sun» destruppe» ein Kampf, der zehn Stunden dauerte, stattgefunden. Die Anhänger Zapa- ra'S wurden zurückgeschlagen, sie lie­ße» dreißig Tot« und zahlreiche Deyvun- dete auf dem Schlachffeld zurück.