Weler Neueste Nachrichten
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Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
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Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 2. Febrirar 1912
Nummer 49
Fernsprecher 951 und 952.
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Notizen vom Tage.
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Der Konvent der Senioren.
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Sie Soffeter 9!eueftea Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und »war abeudL Der AboMsmentSprets beträgt monalltch 50 Psg bet freiet Zustellung In« Hau». Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle ober den Boten eutgegengenommen. Druckerei, Verlag und RedaMon: Schlachthosstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 1—3 Uhr nachmittags, turistttche Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabends von 6—e Uhr abends Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.
Dom Manuel hinter der Szene?
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus P a r i s : An erster Stelle veröffentlicht der .Figaro- heute einen Dom Manuel, den frühem König von Portugal verherrlichenden Artikel, in dem ausgeführt wird, daß der junge Monarch den gegenwärtigen Vorgängen in seinem Heimatlande mit grö ß ter Auf m erk- samkeit folge und von den besten Hoffnung e n für die Wiederherstellung des Königtums beseelt sei. Die gegenwärtigen, blutigen Streikkämvfe feien der beste Beweis fur die Unhaltbarkeit des republikanischen Regimes m Portugal, und die gegenwärtige Regierung habe sich als ungeeignet erwiesen, die Ordnung im Lande auftecht erhalten zu können. Erkonig Manuel und Dom Miguel von Braganza hatten vorgestern in einem Hotelzimmer in D o - v e r eine Zusammenkunft, die sich auf di« gegenwärtigen Unruhen in Portugal bezog.
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auf die anreitenden Truppen geworfen, die schreckliche Explosionen herbetführten. Schließlich trieben bk ,ge in die tiefer gelegenen .ES wurden
JnserttonSprets«: Die sechSgespallen« Zeile für einheimische Geschäfts 15 Psg., für ouS- wärttge Inserate 25 Pf, RellamezeU, für einheimische Geschäfte «0 Pf., für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit » Mart pro Tausend be. rechnet. Wegen ihrer dichten «erbreitung in der Restden, unb der Umgebung stad die Sasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnserkionSorgau. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676-
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Studentenkrieg in Agram.
Zwanzig Studenten schwer verletzt!
(Privat.Telegramm.)
Budapest, 1. Februar.
Gestern mittag sollte in der Aula der Univer- lität in Agram ein« Versammlung der >stu- denten fiattiinden. WS dies« aber »ur festge- fetzten Zett erschiene«, fanden sie di« Umversitat
geschlossen. Man einigte sich schließlich daraus, die Versammlung unter freiem Himmel vor der Universität abzuhalten. Ein Student chwang sich auf ein Postament und hielt von da aus eine Ansprache, in der er den Statthalter ür die Auflösung des Landtages verantwortlich machte. Inzwischen hatte sich eine große Menschenmenge eingesuUden, so- >aß sich die Polizei veranlaßt sah, die Vcr- ammlung aufzulösen, wobei es zu s ch w e - :ctt Ausschreitungen kam. Die Polizei ging darauf mit blanker Waffe vor, wobei ungefähr zwanzig Studenten durch Säbelhiebe schwer verletzt wurden. Zahl- reiche Verhaftungen mußten vorgrnom- men werden. Die Unruhen dauerten bis gegen zehn Uhr abends.
Sie Maner marschieren! Neue Konfliktsstoffe im fernen Osten. (Telegraphische Meldungen.)
Depesche« ans Tokio melde«: Die Japaner habe« jetzt de« vo« ihnen schon seit geraumer Zeit beabsichtigten Einmarsch i« die Südmandschurei vollzogen und die «icht fcr« der koreanischen Grenze gelegene Hauptstadt der Mandschurei besetzt. Zn Mukde« herrscht große Aufregung, da man infolge des Vorgehens der Japaner neue schwere Unruhe« befürchtetet. Weitere japanische Truppen befinde« sich auf dem Marsch «ach der Ma«dfch«rei.
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Titel Staatsangehörigkeitsgesetz. Es bringt wesentliche Aenderungen gegenüber der bisherigen Rechtslage, die durch das Gesetz über den Erwerb und Verlust der deuffchen Staatsangehörigkeit vom Jahre achtzehnhunderteinundsiebzig geschaffen wurde. Der V e r - lüft der deutschen Staatsangehörigkeit ist we- enilich erschwert. Ferner beseitigt die Vor-, läge gewisse Unstimmigkeiten, die sich bisher aus der Zugehörigkeit eines Deutschen mehreren Bundesstaaten ergeben konnten.
Generalstreik und Revolution.
Dreitausend Verhaftete in Lissabon.
Die Lage rnLissabonhatsich derart zugespitzt, daß nicht mehr mtt dem Generalstreik allein, sondern mit der offenen Revolution in Portugal gerechnet werden mutz. Nach einer Konferenz zwischen der Regierung und dem diplomatischen Korps wurde die Suspension aller verfassungs- mätzizen Garantien in Lissabon erklärt. Lissabon ist zurzeit ganz von Militär besetzt. Ein Edift wurde angeschlagen, das jedem gesetzlichen Schutz Msichert, bet. arbeiten will. Weitere Nachrichten besagen:
Lissabon, 1. Februar.
(Privat-Telegramm.)
Lissabon hat das Aussehen eines einzigen Heerlagers. Ganze Eskadronen gingen gestern abend gegen de« Mob vor, der sich aus Gesindel und anarchistischen Elementen znsammensetzt. Rach rechts und links wurde die Menge mit dem Säbel auseinandergetrieben, bis sie nach allen Seften hin flüch- tete. Aus den Fenster« wurden Bomben
2. Jahrgang.
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Der Kaiser und der Reichskanzler.
Es ist in den letzten Tagen in politischen Kreisen viel bemerkt worden, daß der Kaiser dem Reichskanzler in dessen Palats Tag für Tag längere Besuche abstaftet. Auch^ gestern hielt das elfenbeinfarbene kaiserliche fast eine Stunde lang vor der inneren Auffahrt des Reichskanzlerpalais. Trotzdem erhalten sich in bestimmten Kreisen die Gerüchte, daß Herrn von Bethmann Hollweg kern langes.Le^ den als Reichskanzler mehr beschteden WK5 man hofft oder fürchtet (je nachdem), daß er die ersten ©türme im neuen Reichstag nicht überstehen werde. An unterrichteter Stelle erfahren diese Gerüchte indessen bestimmteste Ablehnung. Auch die Besuche des Kaisers beim Reichskanzler seien nichts außergewöhnliches, wenn man bedenke, daß der Kaffer seinerzeit dem Fürsten Bülow ebenfalls, häufige Besuche abzustatten pflegte. Der Kaiser finde dabei Gelegenheit, Fragen der inneren Politik, die ihn zurzeit beschäftigen, direkt und schnell mit dem Kanzler besprechen zu können.
r?e Hansa in Hamburg.
Ein Privattelegramm berichtet uns aus Hamburg: In etner von über dreitauend Personen besuchten Versammlung des Hamburger Zweigvereins des Hanfabun- des gab gestern abend Geheimrat Rietz e r einen Ueberblick über die augenblickliche politische Lage. Er betonte, daß der Sozialdemokratie viele Mandate zugefallen waren, und zwar in der Hauptsache nur durch die Stimmenthaltung der Konservativen und Bündler bei den Stichwahlen, an denen Liberale beteiligt waren. Jetzt, nachdem die Sozialdemokratie die stärkste Partei des Reichstages geworden, sei der Augenblick gekommen, wo sie anfangen müsse, p o s 11 i v e Arbeit zu leisten, sonst sei der Anfana vom Ende dieser Partei gekommen. Bleibe sie bei der reinen Verneinung, so müsse gegen sie ein Block der Bürgerlichen gebildet Werden, allerdings nur unter der Bedingung, daß die Liberalen gleichberechtigt mit den Rechtsparteien seien.
lieber die augenblickliche Situation tn China berichtet uns ein Privat-Tele- gramm aus Peking: Das Abdan - kungsbekret der Mandschu-Dynastie ist von neuem ausgefertigt und unterzeichnet worden jedoch werden die Mitglieder der kaffet- lichen Familie Peking erst in einem Monat ver- lchsen, ba ihnen die Manbschuttuppen mit dem Tode gedroht haben, wenn sie sich früher aus der Hauptstadt zurückziehen sollten. Juanschikai scheint neuerdings für feine eigene Sicherheit wieder sehr besorgt zu fein. Er läßt fortgesetzt ihm ergebene Truppen nach Peking kommen, wo sich bereits elftaufend Mann zu feinem peffönlichen Schutz befin- den. Rach gestern aus Nanking eingetroffenen Telegrammen sollen die Revolutionäre den Vorschlag gemacht haben, Juanschikai zum Präsidenten und Dr. Sunyatsen zum Vizepräsidenten der neuen chinesischen Republik zu ernennen. Dem kaiserlichen Friedensunterhändler T a n g s ch a o y i soll der Posten des M in ist er prüf identen und dem revolutionären General Lijuanheng das Portefeuille des Krieges angeboten werden. General Tschangsun ist gestern zum Vizekönig der Provinzen Kwantung und Kwangsi auSgerufen worden.
Gentleman-Won Etewart.
Der Spionageptozetz gegen den englischen Rechtsanwalt Bertrand Stewart. (Telegraphischer Bericht.)
■ Leipzig, 1. Februar.
langen Wanderung durch die untern Grade naturgemäß an Intensität eingebüßt habe. Die Berechtigung dieser Kritik ist nicht von der Hand zu weisen, und ihr Grundton enffpricht ja auch durchaus dem bei uns (seit Jahrzehnten) geübten Prinzip der .Verjüngung" des OMzierkorps. Diesem wichtigen Grundsatz, das Offizierkorps jung und frisch zu erhalten, steht indessen die Tatsache der Ueberalte- tung in der Leutnants-, Oberleutnants- und Hauptmannes-Charge diametral entgegen, und schon dieser schroffe Gegensatz sollte genügender Anlaß fein, die Möglichkeit eines Ausgleichs zu schaffen.
Seit länger als vier Jahrzehnten erfreut sich das Reich der Wohltat ungestörten Friedens, und die Armee hat infolgedessen bisher nicht Gelegenheit gehabt, die Fortschritte ihrer technischen und strategischen Entwicklung, an der in der langen Zeit des Friedens unermüdlich gearbeitet worden ist, Praktisch zu erproben. Es ist aber ein alter Erfahrungssatz, daß eine lange Friedenszeit auf die Dauer auch den besten und wohlorganisiertesten Kriegsapparat lähmend beeinflußt; eine Tatsache, die sich schon vom rein-menschlichen und psychologischen Standpunkt aus leicht und überzeugend begründen läßt. Wir haben zwar nicht zu fürchten, daß die Schlagkraft und Kriegsfertigkeit unsres Heeres in den vier Jahrzehnten friedlicher Reichsentwicklung sich gemindert haben; wohl aber liegt die Befürchtung nahe, daß auch bei uns die Wirkungen jener Stagnation merkbar werden, die Oesterreichs Kriegsminister so kurz und treffenb a!8 .Verkalkung" gekennzeichnet hat. Unser Lffv zierkorps ist (heut wie einst) berufsfreubtg und berufsstolz, und erfüllt mit Hingabe und streue die ihm obliegenden Pflichten: Die unzulängliche wirtschaftliche Sicherung des ~TTt$ierfian» des und die geringe Aussicht auf die Möglichkeit befriedigenden Forttommens aber (die durch die Langsamkett des Avancements entfach ausgeschaltet wird) verlangen vom deutschen Offizier des zwanzigsten Jahrhunderts eine Selbstverleugnung in der Zurückstellung wichtigster Lebens-, Familien- und Existenz-Rücksichten, die man früher nicht kannte, und die das Matz des Erträglichen weit über
schreitet.
Daß das eine Gefahr bedeutet, braucht nicht erft bewiesen zu werden: In keinem ander« Stand ist die Erhaltung unb Pflege der Berussfreudigkeit so ausschlietz- l i ch tmd wirklich das Fundament aller ethische« und vraftische« Wertung, als grade tm
Der Prozetz gegen den englischen „©e»11^ man-Svion", Rcckiisanwalt Bertrand Ste- wart, besann (wie bereits mitgeteilt) gestern vor dem Reichsgericht unter mäßigem Andrang des Publikums, das sich m der Hauptsache aus Juristen, Offizieren und Pr-ffevett-e- tem zusammensetzte. Stewart ist in Sssnz England als P a t r i o t bekannt und genutzt, u»b nimmt daher Wohl nicht mit Unrecht am daß das englische Spionagebureau tn London gerade diesen Mann als ein besonders brauchbares Werkzeug für den Aufllarungsdlenst betrachtet hat, den es anfangs vorigen JahreS an der deutschen Nordseekuste einzunchten für gut befartb. Aus den Spionageprozessen gegen die Leutnants Fr euch.und Brandon, sowie gegen den Schiffsoandler «och«li her weiß man bereits, daß der englische Lpio- nagedienst von Holland aus die De;e;tt- gungen an der deutschen Rordseefiffte in diesem Frühjahr mit einem ganzen Retz von Spionen überspannt hatte. Besonders waren es dre neu flitaclccticn itttb 9tcitb€fcfti9un^€tt Guf
SÄwnt.fn ««» d>, nehmlich aber die Wilhelmshavener Hafeneinfahrt, die sich der uttenWett englischen Spionage zu erfreuen hatten. Außerdem interessierte die Engländer auch der Fortschritt unserer Dreadnoughtbauten auf den Wersten in Bremen und Hamburg. Es icyeint, daß Stewart zunächst eine Anzahl anbetet Spione nach Deutschland entsaicht hat, und deren Arbeiten unauffällig persönlich überwache« wollte. Mit dem kürzlich verurtefften
englischen Schiffshändler Schul, scheint er ganz besonders enge Beziehungen unterbauten zu haben, denn er kam unmittelbar nach dessen Verhaftung in Bremen an und suchte von hier aus zu erfahren, wieweit Schulz mit seinen Feststellungen gekommen war. Wo Schulz aufgehört hat«, wollte er anscheinend fortfabten Tatsache ist jedenfalls, datz er hei«
Die Regierung ohne Truppen?
(Privat-Telegramm.)
Wie weiter berichtet wird, ist die telegw- phische Verbindung zwischen Lissabon und Se- «wal ; < stört. Die Telegraphenbeamten wurden «uf beit Straßen angehalten und von ben Streikenden aufgefordert, sich dem Au«- taub anzuschließen. Die Regierung h«t lein Vertrauen zu der Liffäboner Garnison, weil Streittgketten zwischen bett Marinesowa- ten und der republikanischen Garde vorgekom- mcn sind. Bon den übrigen in Lissabon gar- nifonierenden Regimentern befürchtet man, daß sie, falls sie in Aktton treten, sich siegen- seitig beschießen könnten. Es sollen daher Provinzregimenter in die Stadt gelegt werden, weshalb Verstärkungen von Aveiro und Santarem herangezogen worden sind. Die Regierung geht nach wie vor energisch gegen die Streikenden vor. Alle Läden, Restaurants und Theater find geschloffen. Jede in den Straßen gebildete Ansammlung wird mtt militärischer Gewalt zerstreut. Unter den gestern verhafteten dreitausend Peffonen befinden sich zahlreiche Frauen und Kinder.
Wie uns ein Telegramm unseres par- lamentarischen Mitarbeiters meldet, dürfte der Seniorenkonvent des Ab- geordnetenhauses in absehbarer Zett nicht wieder zusammentreten. Bekanntlich hatte sich der Präsident, Freiherr von Erffa, um den Wiederzusammentritt des Seniorenkonvents, der in der vorigen Session wegen Dif- erenzen mit den Sozialdemokraten nicht zn- ammengetietcn war, eifrig bemüht. Wie nun edoch verlautet, haben die Konservatt- ven es abgelehnt, im Seniorenkonvent mit dem Vertreter der Sozialdemokraten zu- ammenzuarbeiten. Da auch der Vorsitzende des Seniorenkonvents, Erzellenz von Hobrecht, zurzeit erkrankt ist, so wird der Senrorenkon- oent vorläufig nicht zusammentreten. Für die Etatsberatungen dürste wieder (wie in den Vorjahren) ein Kontingentierungsplan aufgestellt werden. In Abgeordnetenkreisen bezwer- elt man übrigens, datz der Etat im Landtage bis 3um ersten April sertiggestellt werden kann.
Wehrstand, und es ist deshalb ein Gebot zwingender Rücksichtnahme auf die Erhaltung der nationalen Wehrkraft, unser Offizierkorps vor der Gefahr der „Verkalkung" zu bewahren; einer Gefahr, der man soeben auch in Oesterreich mit energischer Hand entgegenzuarbeiten ücht. Um die Avancements-Verhältnisse zu verbessern, soll dort zwischen die Chargen des Hauptmanns und Majors der "Grad des „Vize-Majors" eingeschoben werden, um auf diese Weise die Möglichkeit zu schaffen, wenigstens in den Hauptmannstellen allmählich einen rascher» Aufstieg zu ben verantwort- lichern und demgemäß auch wirtschaftlich besser gestellten Posten herbeizuführen. Es soll hier nicht untersucht werden, ob grade dieser Weg ,taktisch und effolgversprechenb ist; jedenfalls aber baff bas Vorgehen des Nachbarlandes für di? deutsche Militärverwaltung und für die gesetzgebenden Körperschaften des Reichs eine ernste Mahnung fein, auch ihrerseits mit geeigneten Mitteln einer Gefahr entgegenzuwirken, die umso schwerer wiegt, als die Situation in Europa und auf dem Erdrund überhaupt uns jeden Tag vor die Notwendigkeit einer deuffchen Kraftprobe unb der Verteidigung des Vaterlands stellen kann. Sparsamkeit wäre hier Verhängnis, und grollende Engherzigkeit ein Verbrechen am Reich! F- H.
Das CtaatsangehSrigkett-Gesetz.
Aus Berlin wird uns depeschiert: Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird die Regierung dem neuen Reichstag außer dem Etat für feine erste Tagung nur die Wehrvorlage und die Novelle zum staats- Angehörigkeits-Gesetz zugehen lassen. Ucber das feit langem erwartete unb vielbesprochene Staats-Angehörigkeitsgesetz wird (na<f> Mitteilungen von amtlicher Seite) folgender bekannt: DaS Gesetz fuhrt kurz den
Sowaten die Menge in die tie Stadtteile, woAie sich zerstreute, über b reitau(enb Personen verhaftet unb a« Borb bet Kriegsschiffe gebracht. Die Verhaftungen bauerten ben gestrigen ganzen Tag an. Kavallerieabteilungen patrouillierten auch gestern in ber Stabt unb verfolgten ben Mob, ber bau Militär entwichen war. Mit gezogenem Schwert wurde die ganze Nacht in ben Häusern der Stadtteile weitere Säuberung vorgenommen, da noch zahlreiche anarchistische Elemente in Freiheit geblieben sind.
LeuMe Gewissens-Fragen.
Auch eine „Forderung bes Tags".
Es ist mehr als ein Bonmot, wenn vom ' Gang des Avancements in unserm Heer ' gesagt wird, eine Schnecke könne sich ihm gegenüber als Renner behaupten. Tatsächlich sind die Avancements-Verhältnisse im deutschen Mil- lionenheer die denkbar ungünstigsten, und bem- gemLH die Aussichten für unser Offizierkorps (namentlich in den untern Chargen) alles andre eher als erfreulich. Die stärkste Landmacht ber Welt bietet bem jungen Offizier relativ bie geringsten Möglichkeiten, in feinem Beruf schnell vorwärtszukommen und auf ber Höh? ber Manneskraft (in einem Alter, in dem H bet Kaufmann, bet Beamte und der Gelehrte sich meist schon des Genusses eines ausreichenden Einkommens erfreuen) sich in gesicherter unb wirtschaftlich angemessen dotierter Posiffon zu sehen. Es ist heute fast allgemein, daß die Wartezeit in ben untern Charge» (Leutnant imb Oberleutnant) bie Dauer von anderthalb Jahrzehnte» weit überschreitet, unb wir haben in ber Armee Hauptleute von anerkannter Tüchtigkeit, bie zwölf Jahre und länget auf dem Posten des Kompagniefüh- ters verharren müssen, weil bei bet Schwerfälligkeit und Schwierigkeit des Avancements die Beförderungsmöglichkeit weit übet bie Dauer bes Erträglichen hinaus zurückgebrängt wirb. Daß diese Uebelstände nicht ohne schädliche Einwirkung auf bas Heerwesen blei-
. ben können, liegt auf bet Hand.
Der neue österreichische Kriegsminister, General von Anffenbetg (ber emsig bemüht ist, die unter Schönaich stark eingerostete Heeres- organifation aufzustischen) hat dieser Tage tti einer Parlamentsrebe bie auch in Oesterreich bestehenbe« ungünstigen Avancements-Berhält- nifle als eine schwere Gefahr für bas sv. Heer und ben Geist ber Armee gekennzeichnet, well bas Offizierkorps unter ben Einwirkungen bet jahrzehntelang anbauernben Monotonie des Dienstes in den untern Rangstellen „ber- falte", unb in bie verantwortungsvollem Stellungen erst in einem Alter einrüde, in bem bie physische Leistungsfähigkeit bereits im Mißverhältnis zu ben körperlichen Anstrengungen des Berufs stehe, da die Spannkraft auf ber