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Casseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung W Hessische Abendzeitung____

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Nummer 47. Fernsprecher 951 und 952. Mittwoch, 3L Januar 1912. Fernsprecher 951 und 952.2. Jahrgang.

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MMr-MMr-M«.

Ein Beitrag zum KapitelDämon Gold".

In der eifengitter-bcwehrten Anklagebank des Kriminalgerichts in Moabit sitzt ein Mann wie Dutzende Andrer, die dort den Spruch der Gerechtigkeit erharrten, der für sie Schicksal, Verhängnis oder Erlösung bedeutete. Dierunddreißigjährig, unansehnlich, Stirn, Nase, Mund und Kinn nach dem übereinstim­menden Zeugnis aller Akten-Signalements .gewöhnlich", das Auge fast schüchtern, sanft und ohne Arg. Die Fragen des Vorsitzenden beantwortet eine leise Stimme im Ton jener Unterwürfigkeit, die tieswurzelnde Achtung vor der Autorität offenbart, und in Haltung und Geste dieses Sünders regt sich etwas, das um Mitleid fleht. Um Mitleid mit armer, un­gelenker Hilflosigkeit, die sich der Verzweiflung gegenübersicht und mit bittcnd-forschendem Auge in den Mienen der Mitfühlenden nach Teilnahme späht. Dieser Mann mit dem slachsblond-strähnigen Haar, der unbefleckten Unschuld-Miene und der ergebenen Bescheiden­heit nennt sich nach der Anklageakte Hans Möller, ehemaliger Lohnschreibcr und Bo­genkanzlist beim Königlichen Amtsgericht Ber. lin-Tempelhof, vordem Bureau-, Handlungs­und Buchhandlungs-Gehilfe in kleinen Privat­betrieben; evangelisch, nicht vorbestraft, mili. tärfrei und laut polizeilichen Führungszeug­nis bis zum Tag seines Konfliktbeginns mit dem Reichsstrafgesetzbuch gut beleumdet. Die menschgewordne Harmlosigkeit in der Armen, sünderbank ist beschuldigt, sich durch Schwinde, leien arglistiger Art eines Riesenbetrugs schuldig gemacht und auf diesem »nicht mehr ungewöhnlichen Wege" rund eine halbe Million Mark erbeutet zu haben.

Eine halbe Million blinkender Silberlinge! Der Mann mit dem frommen Augenaufschlag weltfremder Unschuld hat in knapp neun Mo­naten diese Riesensumme durch einSystem" erarbeitet, dem man den Reiz der Neuheit nicht absprechen tarnt. Daß er, um dies System wirksam werden zu lassen, auch zu einigen we­niger originellenTricks" seine Zuflucht neh­men mußte, mindert zwar einigermaßen die Priorität dieser einträglichen Gaunermethode, aber es scheint eben, daß auch die höhere Spekulation auf den Unverstand Derer, die .nicht alle werden", sich von jenem peinlichen Erdenrest plumpen Gaunertums nicht frei­machen kann, der das Verhängnis fast aller Intellektuellen" in den stattlichen Bänden der photographischen Verbrecher-Sortiments ist. Herr Hans Möller operierte in origineller Form mit dem .großen Unbekannten", der ihm aber weder silberne Löffel geschenkt, noch Tausend, markscheine in die Westentasche gesteckt hatte: Hans Möllers sagenhafter Unbekannter war vielmehr ein noch weit sagenhafterer G e - heimrat im Kaiserlichen Patentamt, dessen (sagenhaftestes) Gewissen es erlaubte, die in­timsten Geheimnisse der Kaiserlich Deutschen Patentregierung lauschenden Freundeohren rückhaltlos zu offenbaren, und dessen Harm­losigkeit so weit ging, von diesen lieben Freun- den anzunehmen, daß sie die Intimitäten des Patentamts mit derselben Diskretion in ihres Busens tiefftem Innern bewahren würden, wie etwa vertraulich« Anekdötchen aus dem glitzern­den Märchenschatz heimlicher Liebe. Diesen großen Unbekannten" erfunden zu haben, ist Hans Möllers unbestrittneS Verdienst.

Daß er daneben noch die Umwandlung des karg gelohnten Bogenschreibers Möller in den Gerichts-Assessor Müller" oder denStabsarzt Dr. Mertini" für erforderlich hielt, beweist, daß der Mann in der Oede der Amtsgerichts-Kanz­lei den Sinn für diePsychologie des Allzu- menschlichen" nicht eingebüßt hatte. Dafür spricht auch der Umstand, daß er den Erfolg seiner Aktionen auf die Sympathie der Frauen seiner Opfer gründete, deren Inter­esse und Dankbarkeit er durch reichliche Spende von Theaterfreikarten zu fesseln verstand. Alles in allem also: Ein Gauner besonder» und vol­lendetsten Typs, der zwar nicht mit ber, SSeck- fälschungs-Kamera und dem Sauerstoffgebläse arbeitete, stattdessen aber in der Menschen­kunde eine Sicherheit und Operationsge­wandtheit offenbarte, die dem eisgrauesten Un­tersuchungsrichter Ehre machen würden. Der Bogenschreiber im tadellosen Gehrock des Asses­sors oder Stabsarzts wittert seine Opfer nicht da, wo des Lebens Jammer seine Heimat hat: Er verschmäht den handwerksmäßigen Raub­zug simpler Patentschwindler, stachelt im Rauch­zimmer, im Klub, an der Gesellschaftstasel und im Boudoir den instinktiv in den Seelen woh­nenden Golddurft der Besitzenden, schürt das Verlangen nach mühelosem Erwerb glei­ßender Schätze durch romantische Andeutungen über die gcbcimnisvolleZauberwurzel", die, von seiner kundigen Hand aeflihrt, das Mär­

chcnreich der Millionen weit erschließt, und er­reicht mit plump nachgeahmten Briefköpfen und vertraulich-heimlichen Flüsterungen, was re­elle Geschästsarbeit nicht durch solideste Ga­rantien vermocht hätte: Die Einfalt öffnet dem elegant entrierten Schwindel ihre Schatz- Kassette!

Die Anklageschrift nennt als hauptsäch- l i ch Geschädigte die Namen von Leuten, deren Intelligenz an diesem Prüfstein plumpster Ver­suchung nicht hätte versagen dürfen: Namen von Klang und Würde, deren Träger für sich und ihre Sippe Ansehen und bürgerliche Wert­schätzung heischen, und die es sicher weit von sich weisen würden, zu unlauterm Handel die Hand zu bieten. Einer von Denen, die dem Bogenschreiber Möller emsig ins Netz flogen, betrauert den Verlust von hundertvierzigtau­send Mark: Das gesamte Familien-Ver- mögen; einer offensichtlich verbrecherischen Idee geopfert! Ist den Leuten, die zu derKund­schaft" des Vertrauten jenes geheimnisvollen Geheimrats im Kaiserlichen Patentamt" ge­hörten, niemals der Gedanke gekommen, daß sich dieser Geheimrat (der glücklicherweise nur in der Phantasie des Herrn Möller-Müller-Mer- tini existierte) eines schweren, mit Zuchthaus­strafe bedrohten Amtsverbrechens schul­dig machte, wenn er wirklich (wie der Ver­sucher slüsterte) demGerichts-Assessor Müller" oder demStabsarzt Dr Mertini" Kenntnis von Dingen gab, die geheimzuhalten seine be- schworne Dienstpflicht war? Bei der geistigen Qualität der Opfer dieses Sünders wäre es fast eine Beleidigung, anzunehmen, daß dieser Gedanke die Einfalt der Seelen nicht bewegt habe; es bleibt also nur die Annahme, daß ent­weder die Sucht nach dem Golde alle edlern Instinkte im Empfinden dieser Vertrau­ensseligen ertötet hat, oder ihr Rechtsbewußt­sein so gemindert gewesen ist, daß sie angesichts des eignen Vorteils das Verbrechen des (sagen­haften) Geheimrats gering zu achten vermoch­ten. Der gebührende Lohn ist ihnen nicht vor- enthalten geblieben. Und man darf (mit Ge­nugtuung) sagen: Von Rechts wegen!

F. H.

Wilhelmstraße - Downing Street.

Geht Botschafter Wolff-Metternich?

(Von unserm Korrespondenten.) Berlin, 30. Januar.

Gestern wurde (wie wir mitteilten) aus London gemeldet, daß man dort in orientier­ten Kreisen Symptome der Amtsmüdigkeit des deuffchen Botschafters, Grafen Wolff- Metternich, konstatieren möchte. Tatsächlich handelt es sich, wenn man von einem bevor­stehenden Rücktritt des Grafen spricht, um mehr als ein müßiges Gerede, denn in unter­richteten Kreisen wartet man schon seit einigen Monaten auf die Entscheidung, ob Graf Wolff- Metternich infolge seiner bevorzugten Stellung zur Krone auf seinem Posten verharren darf, oder ob er aus den Unstimmigkeiten, die sich zwischen ihm und der Wilhelmstraße bei der Behandlung der Marokkoftagen häuften, dahin die Konsequenzen zieht, daß er die Enthebung von dem Posten in London erbittet.

In englischen diplomatischen Kreisen ver­lautet hierzu, daß man in London in der Person deS Grafen Wolff-Metternich mehr den Freund des Kaisers, als den deut­schen Botschafter respektiert; ja, es heißt, daß das Londoner Auswärtige Amt ausge­sprochen Neigung hat, lieber mit Berlin di- rett, als mit der deutschen Botschaft zu ver­handeln. Auch auf deutfcher Seite find in der letzten Zeit (und hauptsächlich bei der Be­handlung der marokkanischen Fragen) Stimmen laut geworden, die unsere Vertre­tung in London nicht in den rechten Händen wähnen.

Man hält dem Grafen vor, daß er entwe­der die Stimmung in Londoner maßgebenden Kreisen verkannte, und damit einen großen Fehler beging, oder aber, daß er sich eigen­mächtig über diese Stimmung hinwegsetzte, um sie als unbeachtlich in Berlin nicht zum Vor­trag zu bringen. Auch hieraus müßte man na­türlich nach den Vorkommnissen des Sommers dem Grafen einen Vorwurf der Leichtfertigkeit machen. Soviel steht jedenfalls-fest: In der Berliner Wilhelmstraße würde man zwar auf Wunsch einer höheren Stelle eine zu erwartende Neubesetzung des Botschafterpostens in London abstreiten und danach auch handeln, viel lieber aber wäre cs den führenden Stellen, wenn sie verkünden könnten, daß der Graf tatfächlich aus diesem oder jenem Grund um einen Nachfol­ger eingekommen fein würde. Daß eine Neu­besetzung des Londoner Postens in naher Zeit zu erwarten ist, darf demnach als fest­stehend erachtet werden.

Ja beim Diner...!

(Privat-Telegramm.)

Petersburg, 30. Januar.

Während eines offiziellen Diners zu Ehren der hier weilenden englischen Parka- mentarier hielt ein englischer General­

major eine Rede, in der er sagte: Trotzdem das Militär sich nicht mit Politik beschäftigen darf, sondern nur seine Pflicht zu erfüllen habe, würden die englischen Soldaten glücklich sein, wenn sie bald Schulter an Schulter mitdcn Russen gegen einen gemeinsa­men Feind kämpfen dürften. Führende po­litische Kreise, die der Ansicht sind, mit dem ge­meinsamen Feind fei Deutschland gemeint, sind über die Tattlosigkcit des englischen Gastes mehr als erstaunt, und aus guter Quelle wird versichert, die setzte Rede der englischen Gäste bei den politischen Banketten habe in Peters­burg in maßgebenden Hoftreisen starkes Mißbehagen erregt. Es habe sich sogar ein Bestreben geltend gemacht, den englischen Be­such abzukürzen.

Stewart, der Gentleman-Won.

DerSpionage-Sport", die größte Gefahr.

Wie wir schon mitgeteilt haben, beginnt morgen vor dem vereinigten zweiten und drit. ten Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig der sensationelle Spionageprozeß gegen den englischen Rechtsanwalt Bertrand Stewart, der bekanntlich des versuchten Verrats militärischer Geheim­nisse, die sich auf die Marine beziehen, angeschuldigt ist. Zu den Verhandlungen sind einundzwanzig Zeugen und drei Sachverstän­dige geladen. Stewart gehört zu jenenGent­leman-Spionen", die die Spionage sozusagen alspatriotischen Sport" betreiben. Wie g e - jährlich aber grade diese Art Spionage Deutschland werden kann, beweisen folgende Mitteilungen, die uns von unterrichteter Seite zugehen:

Leipzig, 30. Januar.

(Privat-Telegram m.)

Stewart wurde am zweiten August vorigen Jahres in Breme n.unter dem Verdachte des Verbrechens gegen dös Spionagegesetz festge­nommen. Er war erst wenige Tage vorher nach Deutschland gekommen, und batte unter dem Vorwand, Geschäftsverbindungen für den Vertrieb von F l a sehe n vc r sch lüs scn an­knüpfen zu wollen, mehrere Ort« der deutschen Nordseeküste besucht. Verschiedene Umstände ließen den Verdacht aufkommen, daß sich hin­ter diesem Handel mit Flaschcnverschüfsen an­dre Zwecke verbargen. Sorgfältige Ermittlun­gen und Beobachtungen ergaben dann bald daß Stewart nicht auf neue Geschäftsverbin­dungen, wohl aber ans Erkundigungen a u s g i n g , die sich auf militärisch« D ing c an der Küste bezogen und die mit den in der Presse lebhaft erörterten Ereignissen des letzten Sommers in engstem Zusammenhänge zu stehen schienen. Es wird erzählt, daß Ste­wart mit sehr genauen Aufträgen ver­sehen war und über ganz bestimmte Fra­gen berichten sollte. Man wird in der An. nähme nicht fehl gehen, daß er ebenso wie die anderen Spione Schultz und Genossen nach ganz bestimmten Weisungen der Organe einer anderen Macht han­delte, die gerade damals in kritischer Zeit ein besonderes Interesse für den Bereitschafts­zustand der deutschen Küste, speziell sür gemut­maßte Kriegsvorbereitungen in den deutschen Nordseehäfen, für etwaige Einziehung von Reservisten und für da? derzeitige Matz der Tätigkeit auf den Kricgswerstcn zeigt«. Wenn es glückte, zu verhindern, daß sür es geglückt ist, zu verhindern, daß für unsere Gegner in jener Zeit politischer Hoch­spannung besonders wichtige und wertvolle Nachrichten in die Hände unserer Gegner gc. langten, so ist das dem Umstand zu verdanken, daß Stewart dank der Aufmerksamkeit der Be­hörden verhaftet wurde, ehe er mit dem Ergebnis feiner Erkungsreise die holländische Grenze (tote es beabsichtigt war) erreicht hatte.

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Sollte die Verhandlung (was allerdings kaum zu erwarten ist) sich in der Oefsentlichkeit abspielen, so wird sie die ungeheure Ge­fahr beleuchten, die unserm Lande durch eine solche Art der Spionage droht, wie sie von Stewart ausgeübt wurde. Diese gewissermaßen sportmäßige, vor nichts zurückschreckende und ohne Rücksicht auf eigen« pekuniäre Opfer aus­geübte Tätigkeit eines reichen und intelligen­ten Mannes ist weit gefährlicher, als das Handwerk bezahlter Spione, die schließlich ihre Nachrichten doch dem besten Zahler ohne Rücksicht auf Nationalität aus­liefern. «i.

Graf Posadowsky dankt!

Die Präsidentenfrage im Reichstag (Telegramm unsers Korrespondenten )

Berlin, 30. Januar.

Wie ich aus bester Quelle hör«, hat sich Graf PosadowSkY mit großer Bestimmt- heit gegen die Uebernahme des Reichstags­präsidiums ausgesprochen. Graf Posadowsky hat seine ReichstaaSkandidatur angenommen.

um im Reichstag zum Besten der Allgemeinheit in positiver Arbeit, namentlich auf sozial- p olitt sch cm Gebiete mitzuschaffen. Die Uebernahme des Postens eines Präsidenten, so ehrenvoll eine etwaige Wahl für den ehemali­gen Staatsminister auch sein würde, würde diese Absicht des Grafen vollständig vereiteln. Die Wahl des Präsidiums dürfte übrigens (wie man in parlamentarischen Kreisen an­nimmt) den Fraktionen des Reichstags noch viel Kopfzerbrechen machen. Die Na­tionalliberalen wünschen kein einseitiges Links­präsidium und wollen dem Zentrum anbie­ten, aus seinen Reihen den Kandidaten für den ersten Präsidenten zu stellen. Man nimmt an, daß das Zentrum an einem sozialdemokra. tischen Vizepräsidenten keinen Anstoß nehmen wird und den zweiten Vizepräsidenten den Nationalliberalen überlassen dürste.

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Der neue Reichstag.

Der neue Reichstag wird am siebenten Februar, mittags zwölf Uhr, im Weißen Saale des Schlosses eröffnet werden. Der Alters­präsident, Abgeordneter Träger, dürfte die erste Sitzung des Reichstags am gleichen Tage um ein Uhr nachmittags abhalten, in der sich das Haus konstituieren wird. Die Präsidenten­wahl wird erst am achten oder neunten Fe­bruar stattfinden, da die Fraktionen sich über bic-'e Wahl eingehend verständigen muffen. Die erste Arbeitssitzung wird deshalb erst zu Be­ginn der neuen Woche (etwa am dreizehnten Februar) stattfinden, da ein bis zwer Tagc für dir Beratung des Etats innerhalb der Fraktionen frei bleiben müssen.

»am Kampfplatz der Arbeit.

Der Generalstreik in Portugal.

(Privat-Telegramm.)

Lissabon, 30. Januar.

Die Arbeiterbewegung in Portugal hat zur Proklamierung des Gen e r a lstreiks im ganzen Lande geftihrt: In Lissabon wer­den die Gasanstalt und das Elektrizitätswerk militärisch bewacht. Patrouillen durchstreifen die Straßen. Ein Goldarbeiter, der Bom- den anfertigte, ist verhaftet worden. Die Ge- schäftsräume des Arbeitersvndikats sind von Truppen umstellt. Die Streikenden durchziehen in zahlreichen Trupps die Straßen und hindern die nicht Ausständischen an der Arbeit. Der ganze Stra tz enba hnverkehr ist lahm­gelegt. Als gestern ein Straßenbahnfuhrer sich den Weg mit Gewalt bahnen wollte, indem er mit voller Fahrt einsetzte, sprengten die Streikenden den Wagen mit einer Bombe in die Luft. Der Wagen wurde in Stücke gcris- fen, der Führer an den Armen verletzt. Auch der Zeitungsverkaus wird von den Streikende» verhindert.

Mutige StreiNSmpfe in Amerika.

(Privat-Telegrarnrn.)

Newyork, 30. Januar.

Die ausständigen Textilarbeiter in Lor« raint und Lawrence haben schwere Unruhen veranlaßt. Sie belästigten Passan­ten auf der Sttaße und wurden wiederholt tät­lich. Straßenbahnwagen wurden umgestürzt und in zahlreichen Straßen kam eS zu Hand- g em en gen ; viele Personen wurden hierbei verletzt. Die Läden sind geschloffen. Zwei- undzwanzigtausend Ausständige mit einer ro­ten Fahne an der Spitze veranlaßten einen Umzug, an dem sich auch zahlreiche Frauen beteiligten. Die Soldaten mußttn mit der blanken Waffe vorgehen, wurden aber verschiedentlich zurückgeschlagen, da sie von den Ausständigen mit allen möglichen Wurfge­schossen empfangen wurden. Zahlreiche Berhak- tungen wurden vorgenommen. Die Behörden beabsichtigen, den Belagerungszustand über die beiden Städte zu verhängen.

Hassel» neuer Kat.

Keine Steucr-Echöhung im neuen Jahrs

Zur Beruhigung aller Bürger und Steuerzahler Cassels rann im voraus mitgeteilt werden- daß der neue städtische Etat für neunzehn» hundertzwölf keine Steuerer» Höhung in sich birgt, es bleibt demnach bei de« bisherigen Zu» fchlagsfähen zur Cinkommensteuer. Diese erfreuliche Tatsache wurde durch nur gering« Höherforderungen sämtlicher Verwaltungen ermöglicht, lediMch der Sckul- etat weist eine Vermehrung feiner Anspruch» um beinahe die zweite Million auf. Das Os» dinarium selbst balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 10 421 300 Mark gegenüber 10150650 Mark im letzten Jahre. Einige Iteueränderungen bringen lediglich die i r 5 i- retten Steuern. Tort fallen die Ver­brauchsabgaben für Wild und Geflügel fort. Der Branntwein bringt 120 000, nach Abzug von 38 000 Mark Rückvergütung 82 000 Mark Reingewinn, und in Cassel gebrautes Bier 160 000 Mark, einaeführtes Bier 35 000 Mark