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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

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2. Jahrgang

Dienstag, 3V. Januar 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 46

Fernsprecher 951 und 952.

se rtum in seinem letzten war!

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$te gafleler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der Dbonnementsprets beträgt monatlich 50 Pfg. bet freier Zustellung inS HauS. Bestellungen werden jederzeit von der SeschäftSstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaltton: Schlachchojstraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 13 Uhr nach­mittags, juristische Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabend» von 68 Uhr abends Berliner Bertretung: SW Friedrichstratze 16, Telephon: Amt IV 676.

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Weiter wird uns gemeldet: Infolge der Ab­setzung des Generalsekretärs des Syndikats der französischen Unterbeamten der Posi und Telegraphie herrscht unter den genann­ten Beamtenkategorien eine große Aufre­gung. Am gestrigen Sonntag fand eine Rei­he von Versammlungen statt, in denen Pro­testkundgebungen gegen das Vorgehen der Re- gienmg angenommen wurden. Man befürch­tet, daß die Maßregelung des Generalsek^tärs m einem Generalstreik der Post - und Telegraphenbeamten führen wird

Wesen wie in feinen Methoden der Vergangen­heit angehört.

Schon, als die kaiserliche Dynastie Uuan- schikai aus der Verbannung heimrief, hieß es, daß er nach beiden Seiten geschickt laviere und von jedem Sieger zu kaufen sein werde. Diese Hypothese war richtig: Jetzt bietet er sich der siegreichen neuen Zeit an! Und allen Attenta­ten zum Trotz scheint diese und sogar ihr Füh­rer nicht übel Lust zu haben, sich noch einmal dem gewandten, an Autorität und Erfahrung reichen Diplomaten anzuvertrauen. Er würd- das republikanische China auf konservative Bahnen, und (wer weiß) auf diesem Umweg wieder dorthin leiten, wo er gerade die Mand- schudynastie verlassen hat: Gefahrvoller, an Klippen aller Art vorbeiführcnd, aber in ihrer inner» Idee sichrer wäre die Republik, die Sunjatsen organisieren würde. Er, der sie zunächst in China selbst unter allerlei Be­drängungen und dann von San Francisco, Rewyork und London aus baute, der im Au­genblick des Kampfs unter feinen Getreuen plötzlich erschien und sie zum Erfolg vorwärts brachte, er wurde auch sogleich als ihr selbst­verständlicher Ches bezeichnet. Mit ihm würde die chinesische Republik die ersten Stadien der Entwicklung rasch durchlaufen und gleich dort­hin gelangen, wo sie ein zielbewußter, politi­scher Geist zu sehen wünschen wird. Aber Sun­jatsen mißtraut im Siege seiner Kraft. Er will dem frühem Mittler zwischen Kaisertum und Republik Platz machen: Und auch in ihrem e r st e n Kapitel ist die Republik so höflich, voll weitsichtiger Diplomatie, wie es das K a i-

JnserttonSpreis«: Die sechSgefpaltene Zeile für einhetrntsche Geschäfts 15 Pfg., für aus­wärtige Inserate 25 Pf., Reklamezelle für einheimische Geschäfts 40 Pf., für auswärtige Geschäfts 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend be. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgehung sind die Casseler Neueste» Nachrichten ein vorzüglicher Jnsertionsorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Bertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

send Personen besucht war. Von den Ver­sammlungsteilnehmern wurde beschlossen, die Regierung aufzufordern, dafür Sorge zu tra­gen, daß ein Mindestlohn festgesetzt und die Feier der Festtage geregelt werde. Sollte die Regierung dieser Forderung bis zum 1. März nicht entsprochen haben, so sind die Bergleute gewillt, sich dem internationa­len Generalstreik anzuschließen. Ihr Komitee hat an alle Bergleute der Umgegend einen genauen Bericht über die augenblickliche Lage gesandt, in dem diese aufgefordert wer­den, sich dem Ausstand anzuschließen, falls die Regierung die berechtigten Forderungen der Grubenarbeiter nicht erfüllen sollte.

nesischen Staatsleben ab und gibt neuem politischen Entwickeln Platz. Aber was feststcht, ist, daß die gewaltig aufgespet- cherten Kräfte des Intellekts und des Wollens nun f r ei sind und daß sie gewiß, nachdem sie sich mit der frischen Luft vollgesogen haben, ihre eigenen Wege ziehen werden. Mit Eu­ropa gegen Europa? Es kommt, wie man es ja jetzt sehen kann, immer anders, als es die kühnsten Konjekturalkünstler glauben. Heut steht China als sichre Republik da, die auf zwei Männer zählen kann: Auf den geraden, zuver­lässigen Doktor Sunjatsen, der die neue­ste Welt (Amerika) in seiner Persönlichkeit, in seinen Ideen und in seinen Freundschaften re­präsentiert. Und Yuanschikai, der erst noch als Hoffnung der Monarchie aalt, und in seinem

Bombenattentate und Revolntio«.

(Privat -Telegramm.)

London, 29. Januar.

DerDaily Telegraph" läßt sich ans P e - littg telegraphieren, daß die Bombenat- tcntate weiter fortfahren, eine Rolle zu spielen; insbesondere in Peking, in Tientsin und in Mulden. In Mulden iamcit bei Einzelattentat fünf Personen ums Le­ben. In den letzten fünf Tagen sind nicht we­niger als dreiunddreißig Attentate verübt worden. Die Lage in China wird nach wie vor in politischen Kreisen sehr kritisch beurteilt.

und Legationsrat vom Rath. Zum Vor- itzendeu des Vereins wurde Generalmajor Keim, zum stellvertretenden Vorsitzenden Rcichstagsabgeordneter Geheimrat Dr. Paasche zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Landrat a. D. von Dewitz, Mitglied des Ab­geordnetenhauses, und zum Schatzmeister Ge­heimer Kommerzienrat Vüxenstein erwählt.

Die StrelttSmpfe in Luxemburg.

Die Italiener werden ausgewiesen.

Wie uns aus Luxemburg berichtet wird, besteht Hoffnung auf baldige Beilegung des Streiks in Differdingen. Außer den hundertneunundzwanzig Arbeitern, die aus Hamburg am Sonnabend angekommen waren, trafen gestern hundertfünfzig aus Dortmund ein. Um erneute Ausschreitungen zu verhüten, die bei der Beerdigung der getöteten Perso­nen vorkommen könnten, sind umfangrei­che Vorkehrungen getroffen worden. Die italienische Regierung ist übrigens von den re­volutionären Ausschreitungen der italienischen Arbeiter in Differdingen unterrichtet worden mit dem Hinzufügen, daß demnächst alle in Luxemburg arbeitenden Italiener, die schon lange eine Gefahr für das Land bilde­ten, des Landes verwiesen würden. Von der Ausweisung werden etwa tausend italieni­sche Arbeiter betroffen, die zum Teil seit Jah­ren in Differdingen ansässig sind.

Reue Generalstreiks iu Frankreich?

(Privat-Telegram m.)

Paris, 29. Januar.

Die Grubenarbeiter des Steinkohlenberg­werks in St. Etienne hielten gestern eine Versammlung ab, die von ungefähr zwcitau-

Wo« Stewart vor Gericht.

Schon wieder einGentlematt-Spion"!

(Bon unserm Korrespondenten.)

Arn Mittwoch wird vor dem Reichsgericht in Leipzig der Spionage-Prozeß gegen den englischen Nechtsanwo.lt Bertram Stemmt beginnen, besten Berhaftttng im ver­gangenen Sommer da» größte Altstehen erregte und sogar im englischen Unterhaufe zu einer Anfrage führte, bei deren Beantwortung Staatssekretär Grey sich zurück­haltend ausdrückte. Die Anklage lautet auf versuchten Verrat militärischer G eh eimnifse. Stewart entstammt einer sehr angesehenen englischen Familie. Die Verhandlung dürste zwei Tage in Anspruch nehmen. Wohl die wichtigste Spionageaffäre der an Spionageprozessen nicht gerade armen letzten Monate wird am Mittwoch und Donnerstag die vereinigten zweiten und dritten Strafsenate des Reichsgerichts beschäftigen. Angc- klagt ist der vierzig Jahre alte englische Rechtsanwalt Bertrand Stewart, der des versuchten Verrats militärischer Ge­heimnisse beschuldigt wird. Er entstammt einer sehr abgesehen«» englischen. Familie und ist Teilhaber der Rechtsanwaltsfirma Merkby und Stewart. Er ist ein Reffe der verstorben:» Lady Kensington, deren Gemahl eine Zeitlang Abgeordneter, dann erster Kammerherr der Königin Viktoria und noch später Chef des königlichen Haushaltes war; feine Mutter ge. hört der Johnstone-Douglas-Familie an. In seinem Militärverhältnis gehört er der R e. ferne der Heomanry an. Die Hamburger Polizeibehörde hatte bereits längere Zeit auf Stewart und ieiue Komvlizen ein Auge: ne wartete aber mit der Verhaftung, bis das Ma­terial so belastend war, daß die Schuldigen überführt werden konnten. Soweit in der Oeffentlichkeit bekannt geworden ist, hat Ste­wart versucht, durch

Bestechung von Werftangesiellten die genauen Angaben und Zusammenstellungen über Beschasscnheit und Gröhenverhältniffe der Kriegsschiffsneubauten der deutschen Marine zu erfahren und dem englischen Ad­miralsstab mitzutcilen. Bei dem Svionaae-

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Sie kaiserliche Republik.

Das Ende der Mandschu-Dynastie.

Das Schicksal nimmt feinen Lauf, und alle Winkelzüge mongolischer Kniffpolitik haben nicht ausgereicht, seinen Weg zu beirren: Höf­lich, mit konventionellem Lächeln, das zur Wohlerzogenheit des Chinesen gehört, verläßt das Kaisertum China. Es flüchtet sich vor den Drohungen der republikanische» Scharen, die sonst nach Peking marschieren würden. Da es nicht mehr die Macht hat, die Rebellen in einem Meer von Blut zu ertränken, so wendet cs die gute Manier an. Ja, noch mehr, viel­leicht eine erhabne Ironie, und vielleicht sogar noch mehr als dies: Eine weitreichende po­litisch- Idee, die der Großzügigkeit der astatischen Diplomaten alle Ehre macht. In den nächsten Stunden schon soll nämlich ein kaiser­liches Edikt erscheinen, in dem die Dynastie der Tsing nach mehr als zweieinhalb Jahrhunder­ten des Regierens auf den Thron verzichtet. : Aber mit diesem Entschluß ist die Sorge der : Kaiserin-Mutter um Chinas Zukunft nicht er­loschen. Ungleich den europäischen Familien, die von Thronen gestoßen wurden, ruft sie nicht cin mehr oder minder deutliches »Rach mir die Sintflut!" aus: Sie stellt die Kontinuität der chinesischen Geschichte her undbefiehlt" die Einführung der republikanischen Staats form. China wird, ob ein Bund von Republiken oder ein einheitlicher Staat, eine Republik von Kaisers Gnaden sein. Nun hebt (nach dem Geiste dieses historischen Doku- k: ments) nicht ein ganz neuer Abschnitt im Vier- Hundert-Millionen-Reich an, sondern das eine Blatt seiner Geschichte, das das kaiserliche Sie­gel trug, ist vollgeschrieben und ein andres - setzt sie im Zeichen westlicher Theorien fort.

Man kann seine Macht nicht besser bis zur ? letzten Minute ausnutzen, nicht besser den Geg- L »er und Nachfolger verhöhnen, als indem man HB ihm selbst die Herrschaft zu erleichtern vor­gibt, die er mit kämpfender Geste erringen will. Man kann aber auch den Glauben an seine Herrscherpflicht nicht genialer dartun, als indem I man noch im Abschied das Haus bestellt, das man als Erbe eines tausendjährigen Systems verwaltet hat. Und wird die Republik in der L Wirrnis entgegenwirkender Bestrebungen unter­gehen, wie man am Hofe in Peking zweifellos hofft, dann ist sie einfach eine Episode ge­wesen, eine von kaiserlicher Laune anbe- sohlne Episode, die so wenig in der Geschichte iU des chinesischen Kaisertums zählt, wie ein Som- merssjour in kühlrer Lust. Dann war das Kai­sertum nicht abgesetzt worden, sondern es hatte sich einfachvertreten" lassen. Mit welchen Ne­bengedanken aber auch der Hof den kleinen Kaiser Puji von Peking fortnimmt: Wir sehen nunmehr ein ungeheures Ereig­nis, das die Geschichte der Welt noch beein­flussen wird, Leben gewinnen. China ein- Re­publik, und allen Ideen des Westens eröffnet! Eine ganze Raffe von Hunderten Millionen Menschen zunächst seiner eignen verträumten Kultur entriffen und dann von der abendländi­schen überflutet, die neue Energien, ein neues Denken, ein neues Streben schaffen wird. Die Kenner des fernen Orients haben die Japaner, ihre geistige und kulturelle Kraft nie hochge­schätzt, haben sie als bloße Imitatoren und Kopisten Europas und als unfähig selbstän­diger Arbeit belächelt.

p- Was die gelbe Rasse aber vermag, wer- F den erst die Chinesen zeigen, wenn sie sich M vom Joch mittelalterlicher Traditionen freige­macht haben. Aber das (beteuerten die Seher) werde Jahrzehnte dauern, einen Weltkrieg ent- fe fesseln, das werde in blutiger Apothese ge- fchehen! Und nun ist (wie immer, wenn sich Propheten" in die Geschichte einmischen) ein durchaus andres Bild ans Licht gekommen! Nicht eine Reihe von Jahrzehnten, sondern wenige Jahre, nachdem Europa selbst die ver- schlossnen Pforten der Großen Mauer durch­brochen hat, nicht unter dem Widerspruche der europäischen Mächte, fast ohne merfliche Kon- fulsionen bröckelt sich das Morsche aus dem chi-

| 6iiijder Wie Nachrichten

Kassel in Mninnt?

Eine Millionengründung am Plattensee.

(Privat-Telegram m.)

Budapest, 29. Januar

Eine Gruppe deutscher Finanzleute aus Cassel wird demnächst (wie hier verlautet) am Plattensee eine Schiffahrtsgesellschaft mit einem Kapital von drei Millionen Mark gründen. Die Dampffchiffe der Gesell­schaft werden von Kesthely bis Siofok verkehren. Die Plattensee-Gesellschaft hat bereits ihre Zu­stimmung erteilt. Die Regierung bewilligte den Casseler Unternehmern eine größere Subvention. Die Gesellschaft wird in Kesthely die Direktion für Ungarn etablieren. Die Verwaltung selbst aber wird in Cassel bleiben. Im Anschluß hieran fei bemerkt, daß der Plattensee in Ungarn der be­deutendste See Mitteleuropas ist. Er ist zwci- undachtzig Kilometer lang und bis fünfzehn Kilometer breit. Das oben genannte Kesthely liegt am westlichen, Siofok am südwestlichen Ufer. In den See münden dreißig Bäche. Am Plattensee wird in bedeutendem Umfange Weinbau getrieben.

Wir geben diese (aus als zuverlässig bekannter Quelle stammende) Mitteilung unter Vorbehalt wieder. Auf unsre Anfrage bei verschiednen Casseler Bankhäusern und Finanz­instituten wurde uns nämlich erwidert, daß dort von einer derartigen Gründung nichts bekannt sei, und eS sich also möglicherweise um ein Privwtunternehmen handle, zu dessen Finanzierung der G e l d m a r k t nicht ir Anspruch genommen wurde.

Taufe im Kronprinzenhaus.

Der jüngste Hohenzollern-Prittz.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 29. Januar.

Gestern abend um sieben Uhr fand im Kronprinzlichen Palais in Berlin die Taufe des jüngsten Sohnes des Kronprinzen statt, der den Namen Friedrich Georg Wil­helm Christoph erhält. An den Tauf- feierlichkeiten nahm auch der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdi­nand teil. Der Erzherzog traf gestern vor­mittag auf dem Anhalter Bahnhof ein, wo der österreichische Botschafter und die Herren der österreichischen Botschaft zum Empfang erschie­nen waren. Von der Stellung einer Ehrenkom- vagnie wurde, da offizieller Empfang nicht bebiebt war, Abstand genommen. Dagegen ließen der Kaiser und der Kron­prinz es sich nicht nehmen, ihren Gast per­sönlich auf dem Bahnhof zu begrüßen. Rach kurzer Vorstellung der beiderseitigen Ge­folge begab sich der Kaiser mit dem Erzherzog Franz Ferdinand im Automobil nach dem Schloß, der Kronprinz nach dem Palais zu­rück. Nachmittags hatte sich der österreichische Thronfolger zum Tee auf der österreichischen Botschaft angesagt, zu dem auf feinen Wunsch auch der Reichskanzler von Beth- mann-Hollweg und der Staatsse­kretär von Kiderlen-Wächter hinzu- gezogen waren Der Erzherzog unterhielt sich mit jedem der Herren sehr eingehend. Als Vertreter des Königs von Italien traf dessen Bruder, der Graf von Turin, gestern nachmittag ein und wurde ebenfalls vom Kai­ser und dem Kronprinzen empfangen. Die Taufe wurde feierlich vollzogen. Hierauf brach­ten die Fürstlichkeiten der Kronprinzessin ihre Glückwünsche bar. Gegen acht Ubr war Tafel in den Festsälen. Kurz nach zwölf Uhr abends bat gestern Erzherzog Fran; Ferdinand dte Rückreise nach Wien angetreten.

$er neue Deutsche Wehrverein.

(Privat-Telegram m.)

Aus Berlin wird uns berichtet: Gestern nachmittag erfolgte hier die Gründung des Deutschen Wehrvereins in Anwesen­heit von über tausend Personen, darunter viele aktive und inaktive Militärs, zahlreiche Par­lamentsmitglieder, eine große Zahl von Siu- denten in vollem Wichs und etwa zweihundert Frauen. Von bekannten Persönlichkeiten sah man Generalfeldmarschall von der Goltz, Generalmajor Keim, Generalleutnant L i tz- m a n n unb die Abgeordneten Dr. P a a s ch e

Die Nachwehen der Wahl.

Wahlproteste und Wahlkorrckturen.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Berlin: Gegen die Wahl des Reichs- verbandsvorsttzenden Generals von Sie­bert, der im sächsischen Wahlkreis Borna mit nur siebenundzwanzig Stimmen Vorsprung ge­legt hat, ist wegen angeblicher Wahlbe- einflussung Protest eingelegt worden. Im Wahlkreis Kosel-Groß-Strelitz erheben die Polen gegen die Wahl des bischöflichen Kommissars Glowtzki Protest. In Katto- witz wollen die Sozialdemokraten die Wahl des Polen Sosinski anfechten. In Löwenberg iroteftieren die Konservativen gegen die Wahl ;es Fortschrittlers Rektor Kopsch. Gegen die Schwester Stichwahl protestieren ferner die Polen. Nach polnische» Blättern erkannte der Minister die Berechtigung der (schon mit- geteilten) polnischen Beschwerde über die Fest- tellung der Hauptwahl an. Danach wäre die Stichwahl ungültig und in Sckwetz der Pole Jaworski gewählt. Der Ministerbescheid traf aber verspätet ein, und die Wahlunruhen waren bereits geschehen, als man von dem Be­scheid des Ministers amtlich Kenntnis erhielt.

Erbschustssteuer oder nicht?

(Privat-Telegramm.)

Die Frage, ob di« Erbschaftssteuer dem neuen Reichstage wieder vorgelegt werden wird, ist anscheinend noch unentschieden, weil die Erbschaftssteuer, wie in gewissen Regie, rungskreisen angenommen wird, einen neuen Zankapfel zwischen de» bürgerlichen Par­teien bilden würde unb weil die Regierung schließlich zur Durchführung der Marine- unb Heeresvorlagen doch auf ein Zu. sammenwirken der bürgerlichen Parteien an­gewiesen ist. Jedenfalls werden in dieser Frage keine endgültigen Entschließungen ge­troffen werden, ohne daß vorher ein Einver­nehmen mit den führenden bürgerlichen Par- teien im Reichstage erzielt worden ist. Mit den Bevollmächtigten des Bundesrats ist we- gen Einführung einer Erbschaftssteuer bereits Fühlung genommen worden. Die Erbschafts­steuer wird sich nach der letzten Vorlage richten, die im Reichstag neunzehnhundertneun abge. lehnt wurde. Es handelte sich damals um die sogenannte Erbanfallsteuer, also um die Besteuerung der einzelne» Anteile, die die Kinder beziehungsweise die Ehegatten oder Eltern erben. Der Ertrag dieser Steuer wurde damals auf fünf unb fünf ä i g Millio. neu Mark jährlich berechnet, doch würde diese Summe für die neuen Heeres- und Ma­rinevorlagen Wohl kaum ausreichen und es müßte noch eine neue Steuer dazu gefun­den werden:

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Ein weiteres Privat-Telegramm meldet uns: Zu der Frage, ob die Regierung Ausnahmegesetze einbringen werde, teilt eine Nachrichtenstelle mit, daß alle Mel­dungen, die von Ausnahmegesetzen handeln, in das Reich der Erfindungen verwiese» werde» können. So wurde jüngst wieder mit­geteilt, daß Vorarbeiten zur Schaffung eines ReichSgefetzes gegen die sozialdemokratischen Jugendorganisationen im Gange sei. Auch diese Meldung ist nicht richtig. Eben­so sind sämtliche Nachrichten über Ausnahme­gesetze, die Spionage betreffend, unrichtig.