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Hessische Abendzeitung
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2. Jahrgang
Sonnabend, 27. Januar 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Kummer 44
Fernsprecher 951 und 952.
Iem Kaiser!
Am siebenundzwanzigsten Januartag vollendet der Deutsche Kaiser sein dreiundfünfzigstes Lebensjahr, und auch der Tag ist nicht mehr fern, da Wilhelm der Zweite auf den Abend seines vierundzwanzigsten Regierungs-Jahrs zurückblicken kann. Seit dem tragischen Sommersonntag, der im Unheiljahr achtzehnhundertachtundachtzrg Kaiser Friedrichs Leben endete, ist nun bald ein Vierteljahrhundert verflossen, und das Reich der Deutschen erfreut sich unterm Szepter des dritten Kaisers einer Entwicklung, die in gleichem Maße und unter gleichen Verhältnissen kein andres Volk der Erde in wenig Dezennien durchlaufen. Seit vier Jahrzehnten ermöglicht der Friede Werke der Kultur und des Fortschritts, und die Segnungen nationaler Entwicklung offenbaren sich auf allen Gebieten wirtschaftlichen und geistigen Strebens. Als der damals Neunundzwanzigjährige als dritter Hohenzollsr im neugegründeten Reich der Väter Thron bestieg, wagte selbst unwandelbares -Vertrauen nicht die kühne Hoffnung auf den sieghaften Aufschwung, den deutsche Art und deutsche Arbeit seitdem erkämpften, und manche ernste Sorge knüpfte sich an des Schicksals Walten, das in einer kurzen Spanne Zeit zwei Kaiser von des jungen Reiches Thron zum Grabe nieder, steigen hieß, und kraftbewußter, tatendrängender Jugend die Bahn zur Erprobung neuer Energie öffnete.
Draußen im Weltgetriebe wirkten noch die Erschütterungen das Schicksaljahrs achtzehnhundertachtundachtzig nach, als der junge Kaiser schon sein Friedenswerk begonnen, daS dann später aller Welt seinen Namen vertraut machen sollte, und das schon in seinem Werden dem Welt- und staatsklugen Leo dem Dreizehnten das bewundernde Wort vom »sozialen Kaiser" entlockte. Nah an vierundzwanzig Jahre sind seitdem vergangen, und noch jedesmal, wenn der Morgen deS siebenundzwanzigsten Januartags heraufdämmert«, durfts der Deutsche sich bewußt sein, daß daS vergangne Jahr im Dasein des Trägers der Kaiserkrone der Arbeit für daS Wohl des Reichs und der Sicherung des Friedens gewidmet war; einer' Arbeit, deren Früchte allen Denen zugute ka- men, die im Schatten des Reichsgedankens friedlich strebten und mit dem Monarchen gemeinsam im Interesse deS Vaterlands wirkten. Gewiß: Es zogen auch dunkle Tage her- ruf; Tage, an denen zwischen Fürst und Volk sich Gegensätze offenbarten, die im Augenblick höchster Spannung unüberbrückbar schienen, und im Herzen des Volks den Zweifel rege werden ließen, ob ein Ausgleich überhaupt ehrlichem Stroben möglich. Die »Novemberschatten" von neunzehnhundertacht sind indes, ftn nicht zum dauernden Dunkel geworden, und DaS, was damals trennend zwischen Thron und Hütte stand, darf heut als beseitigt und überwunden gelten.
Auch in eines Kaisers Seele kämpftn Menschliches Empfinden, Pflicht und Neigung einen schweren Kampf, und die Psyche des dritten Kaisers ist nicht derart, als daß sie sich ohne Widerstreben dem Taggebrauch anzupas. sen vermöchte. In Wilhelm dem Zweiten ist die Eigenart einer in sich geschlossnen Persön. kichkeit verkörpert, die nicht mit dem Maß des Alltggstyps gemessen werden kann, und deren Vorzüge der Enthusiasmus des Auslands über den Grenzpfahl hinein la ul er ins Land ruft, als sie zuweilen im Bereich des Heimat- urteils gewürdigt werden. Die ganze Eigenart deutscher Verhältnisse (und deutscher Klein, lichkeit) kommt in der Beurteilung Wilhelms des Zweiten durch die nationale Zeitgenossenschaft meist schärfer zum Ausdruck, als die geschichtliche Gerechtigkeit es gestattet: Am lautren Bild des Wollens im Dasein die. fts Kaisers hat aber auch die Kritik keine Linie zu dunkeln vermocht, und Deutschland hat ein Recht, mit Stolz und Verehrung auf t^n Träger der Krone zu schauen, der ihm in virrundzwanzigjähriger Regierungszeit das Gut des Friedens ungemindert erhalten hat. Was Wilhelm der Zweite an weltgeschichtlicher Arbeit für des Reiches Wohl geleistet, wird die Historie einst mit Stolz den Nachfahrn künden, wenn der Parteien Haß und Gunst der Wahrheit Bild nicht mehr verdunkelt.
Getragen vom hohen Bewußtsein seines verantwortungschweren Amts, durchdrungen vom Gefühl ernsteter Pflichterfüllung, und ge. leitet von dem Stieben, «in Herrscher des Frie. dens und ein Förderer nationaler Entwicklung zu fein, wird Kaiser Wilhelm- Gestalt für immer als leuchtendes Vorbild deutscher Herr, fchertreue vor der Nachwelt bestehen, und keine Friedensarbeit wird für ewige Betten «in
Glanzpunkt in des jungen Reiches mächtig vor. wärtscrängender Entwicklung sein. Höhere Ziele, als die Sicherung des Friedens, die Förderung der Volkswohlfahrt und die Wahrungs des Reichsansehens kann auch eines Kaisers Streben nicht kennen, und vom Kaiser, der nun durch vierundzwanzig Jahre seiner Väter Krone trägt, darf geschichtliche Aufrichtigkeit vorbehaltlos bekennen, daß seine Kraft allezeit der Erstrebung dieser Ziele und der Verwirklichung höchster Ideale gewidmet war. Ein Monarch, dessen hoher Sinn so ganz in der Erfüllung seiner Herrscherpflicht aufgeht, wie es bei Wilhelm dem Zweiten das Auge der Bewunderung und der Blick des Zweisels gleichmäßig erkennen, der darf auch auf der Schwelle eines neuen Lebensjahrs voll Zuversicht in der Zukunft Dunkel schauen: Vertrauend der Kraft gewissenhafter Pflichterfüllung, vertrauend dem Stern des Reichs, und vertrauend der Lauterkeit des V o lksem pfin d en s , das sich eins weiß mit seinem Kaiser in dem stolzen Wort: Deutschland über alles in der Welt! F. H.
M Roüzen eines Mlonmten.
Der Kaiser und Oesterreichs Thronfolger.
Ein neu erschienenes Blatt, die „Budapester Presse", deren Chefredakteur Josef Veszi (der ehemalige Preßchef des Ministerpräsidenten Fejervary) ist, sucht sich durch «ine Kapi. talsensation bemerkbar zu machen. Angeblich „aus den Notizen eines Diplomaten" ver- öffenflicht das Blatt Enthüllungen über die Politik des österreichischen Thronfolgers, in denen auch von einem geheimen, bisher unbekannten Besuch d«S Thronfolgers im letzten November in Berlin erzählt wird, ein Besuch, der mit einer Entfremdung Kaiser Wilhelms und des Thronfolgers geendet haben soll. Wir entnehmen den Mitteilungen des Budapester Blattes folgende Stellen?
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Inkognito in Berlin.
Anfang November des Vorjahres traf Erzherzog Franz Ferdinand Difpo. sitionen, die in der Hofburg und atn Ballplatz sonderbar anmuten mußten. Da wurden Re. gimenter nach der südlichen Grenze transportiert, für die es in den Dolomiten nicht einmal Unterkunft gab. Trotz der rauhen Jahreszeit dauerten die Militärtransporte an. Mannfchaft und Offiziere wurden in Baracken unterge. bracht. Da begann man am Wiener Ballplatz (dem Sitz des Ministeriums des Aeußern) und, wohl auf Grund der Vorstellungen des Gra. fett Aehrenthal, auch in der Hofburg wachsam zu werden. Der alte K atser, der bett Frieden aufrichtig wünscht, wurde ner- v ö s und stellte seinen Neffen zur Rede. Erzherzog Franz war um eine Antwort nicht verlegen: Er legte dem Monarchen die Meldungen über die italienischen Rüstungen vor. Und als der Thronfolger fürchten mußte, in feinen militärischen Dispositionen gehemmt zu werden, reiste er plötzlich nach Berlin. Im November noch weilte Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin in Berlin in. kognito. Ohne verraten zu werden. Im Schlosse hatte er eine Zusammenkunft mit dem Deutschen Kaiser, und diesem schüttete er sein Herz aus.
Der Kaiser nnb der Dreibund.
Es heißt dann weiter: Die Grenzvorkehrungen waren dem Deutschen Kaiser kein Geheimnis. Er hatte längst alles erfahren. Was in Italien geschah, durch diplomatische Berichterstatter, was in Oesterreich unternommen worden, durch den Herzog Günther, der im Oktober in den Dolomiten war und die Militäraufgebote in den einzelnen Forts selbst sehen konnte. Erzherzog Franz hoffte bei Kaiser Wilhelm Anflang zu finden, wenn er im gegenwärtigen Zeitpunkt für die Auflösung des Dreibundes, oder mindestens dessen Nichterneuerung plädieren werde. Doch er irrte sich: Kaiser Wilhelm ist längst nicht mehr der Plötzliche. Er, hat sich geändert. Seitdem er sich die Lektion vom Fürsten Bülow gefallen lassen mußte, ist er vorsichtiger und behutsamer geworden und ruhiger, gesetzter vielleicht, seitdem er selbst Thronfolgersorgen hat. So ist es leicht begreiflich, wenn er die Pläne des österreichischen Thronfolgers kühl aufnahm. Kaiser Wilhelm soll zum Schlüsse der Unterredung gesagt haben, es sei „weder zweckdienlich, noch momentan ratsam, eine Extratour in Italien aufzuführen."
Franz Ferdinand, der Snttönschte.
Aufs Wort genau kann die große Aeuße- rung des Deutschen Kaisers nicht kontrolliert werden, doch ist es gewiß, daß Erzherzog Firani Ferdinand enttäuscht aus Set- inhetmkehrte. In diesem Stadium setzte Graf Aehrenthal ein. Damals trat er mit der Forderung auf, GeneralstabSchef Baron von Hövendorf möge feine Stelle niederleaen. " "n
Thronfolger gelang es nicht, seinen Liebling zu retten. Trotzdem konnte Erzherzog Franz Ferdinand soviel erreichen, daß Hötzcndorss Plan nicht endgiltig fallen gelassen wurde. Generalstabschef Schemua setzte die Verfügungen ruhig fort. An der Spitze des Kriegsministeriums steht jetzt der Vertrauensmann des Thronfolgers, der zu großen Aufgaben berufen ist. Wer die Energie und Zähigkeit des Thronfolgers kennt, wird es natürlich finden, daß Erzherzog Franz nicht ruhen wird, bis nicht auch am Ballplatz sein Vertrauensmann dte Geschäfte leiten wird. (Die letztere Bemerkung des Budapester Blattes zielt offenbar auf den nahe bevorstehenden Rücktritt des Ministers des Aeußeren, Grafen Aehrenthal hin, der allerdings in den nächsten Tagen bereits Tatsache werden dürfte.)
*
WaS das Budapester Blatt hier erzählt, ist offenbar eine Mischung von Wahrheit und Dichtung. In das Gebiet der Legende gehört zweifellos die heimliche Reise des Thronfolgers nach-Berlin und die daran geknüpfte Behauptung von einer „Entfremdung" Kaiser Wilhelms und des Thronfolgers. Diese Annahme wird schon dadurch schlagend widerlegt, daß der Thronfolger in den nächsten Tagen nach Berlin reist, um die Patenstelle bei der Taufe des jüngsten Sohnes des Kronprinzen zu übernehmen. Das einzig Zutreffende an den „Notizen eines Diplomaten" wird also wohl nur die Erzählung vom bevorstehenden Sturze Aehrenthals sein: Kombinationen übrigens, die sehr nahe lagen. **
An Mer der Mecke?
Aehrenthal tritt endgültig zurück!
Im Zusammenhang mit den Mitteilungen über die „Notizen eines Diplomaten" im vorstehenden Artikel ist die Nachricht von beson- derm Interesse, daß der Rücktritt des österreichischen Ministers des Aeußern, Grafen Lexa Aehrenthal, unmittelbar bevorstebt. Der Minister ist seit einigen Tagen „ernstlich krank", oder richtiger: Er wurde „krank gemeldet", und dte Folge dieser sehr plötzlich und überraschend gekommenen Krankheit ist nun der . . . Rücktritt! Wir verzeichnen folgende Meldung:
Wien, 26. Januar.
(Privat-Telegramm.)
Der Minffter des Aeußern, Graf Aeh. renth al, wird infolge feines leidenden Zu- stand«S noch im Laufe dieser Woche, wahr, scheinlich sogar schon heute, fein Rück- trittSgesuch überreichen, dem mit Rücksicht auf fein körperliches Befinden auch stattgegeben werden wird. Wie von zuständiger Seite verlautet, wird der stühere Handels. Minister und langjährige Referent für auSwär- ttge Angelegenheiten in der österreichischen De. legation, Marquis de Bacquohem, mit Aehrenthals Vertretung beaufttagt werden, und vermuüich auch endgültig das Portefeuille des Auswärtigen übernehmen. Auch unter dhc Beamtenschaft int Ministerium deS Aeußern werden Veränderungen vorgenommen werden. Marquis de Bacquohem gilt in unterrichteten politischen Kreisen als anerkannter Vertrauensmann des Erzherzog-Thron- folgerö, und es ist deshalb als sicher anzunrh- men, daß mit dem Wechsel im Ministerium auch ein Wechsel in der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns einsetzen wird.
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Nach Lage der Sache kann es keinem Zweifel unterliegen, daß Graf Aehrenthal dem in Oesterreich immer stärker hervortretenden Einfluß des Erzherzog-Thronfolgers auf die Gestaltung der österreichisch-ungarischen Außenpolitik zum Opfer gefallen ist: Gewissermaßen als „Sühneopfer" für Conrad von Hötzendorf, den im Spätherbst des Vorjahrs Franz Ferdinand der Uebermacht der Gegner preisgeben mußte. Die Dinge haben sich also durchaus s o entwickelt, wie wir es vor Monden in unserm Leitarttkel „Habsburgs Renaissance?" andeuteten.
Erdbeben auf den Zouischen Fnseln.
Dreißig Tote, drei Millionen Schaden!
Das Erdbeben, das (wie wir schon mitteilten) in der Nacht zum Donnerstag von der Frankfurter Erdbebenwarte angezeigt wurde, hat sich auf den Jonischen Inseln (Griechenland) ereignet. Tie Insel Zante, die zuletzt vor zwanzig Jahren durch ein Erdbeben schwer heimgesucht wurde, ist wieder von einem heftigen und andauernden Erdbeben erschüttert worden. Viele Häuser in der Stadt und in den Dörfern stnd eingestürzt. Neue Meldnugen besagen:
Athen, 26. Januar.
(Privat-Telegramm.)
Rach den jetzt vorliegenden amtlichen Meldungen über daS starke Erdbeben aus den Jonischen Zante und K e p h a l o » n i a wird die Zahl der Toten und Schwer
verletzten auf dreißig geschätzt. Der aus Zauta angerichtete Schaden wird auf drei Millionen Mark beziffert. Die Panik unter der Bevölkerung dauert an. Die Regierung ordnete sofort die Hilfsmaßregeln und Entsendung von Militär und Lebensmitteln an. Aus Korfu werden ebenfalls Erdstöße gemeldet. Die Bewohner lagern im Freien. Die Regierung sandte ein Pionierbataillon, sowie Zelte und Geldmittel zur Hilfe. Schwere Schäden infolge des Erdbebens werden auch von den übrigen jonischen Inseln und von der Nordostküste des Peloponnes, sowie von Aeto- lien gemeldet.
*
Es scheint übrigens, daß das vorgestrig« Erdbeben bett ganzen Küstenstrich Grie- chenlands heimgesucht hat, denn aus fast allen Orten werben Erbstöße gemelbet, die indessen weniger stark auftraten als auf Zante und Kephalonia. Die Erbstöße waren begleitet von seltsamen Naturerscheinungen, so baß bie Bevölkerung in ber Furcht vor dem Weltuntergang, von Panik ergriffen wurde und ins Freie flüchtete, wo sie trotz der niedergehenden Wolkenbrüche und Hagelwetter die Nacht verbrachte.
Der neue Reichstag.
Keine Mehrheit rechts! Seine Mehrheit links!
Der neue Reichstag setzt sich, nachdem nnnmehr alle Stichwahlen stattgefunde« habe«, folgendermaßen zusammen: 43 Konservative, 15 Retchspartei, 3 Reformpartei, 10 Wirtschaftl.Deretnig«»g, 2 Bayrischer Bauernbund, 93 Zentrum, 18 Polen, 45 Rationalliberale, 2 Deutsche« Bauernbund, > . 41 Fortschrittliche BollSpartet, 110
Sozialdemokraten» 5 Elsässer, 2 Lothringer, 5 Welfen, 1 Däne, 1 Wilder (Graf von Posadowskh). Daß auch bei den gestrigen letzten Stich- Wahlen zum Reichstag die Linke Erfolg haben werde (der in erster Linie der Sozialdemokratie zugutekommen würde), war nach Lage der Sache vorauszufehen. Die So- zialdemokraten haben gestern elf neue Mandate erhalten und ziehen in einer Stärke von 110 Mann in den neuen Reichstag ein, während sie zuletzt nur 53 hatten. Die Kon. servativen haben eS nur auf 43 gegen 59 im alten Reichstag gebracht, haben also sechzehn Mandate verloren. Die Anzahl der Reichsparteiler ist von 25 auf 15 gesun- fett, bie der Mitglieder der Wirtschaft, lich en Vereinigung von 18 auf 10. DaS Zentrum, das zuletzt 103 Mandate inne hatte, schickt 93 Mann in den neuen Reichstag, büßt also 10 Mandate ein. Uttfbe. deutend sind die Verluste von den übrigen Parteien: Die Polen zählen 18 gegen bisher 20 Sitze, die Nationalliberalen einschließlich drei Mitgliedern des Deutschen Bauernbundes 48 gegen bisher 51, die Fortschrittliche Volk spartet 42 gegen bisher 49, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß 2 Bayrische Bauernbündler und 1 Lothringer der Fortschrittlichen Volkspartei nahestehen, so daß sie 45 Mandate zählen kann. Wir geben nachstehend eine tabellarisch« Gesamtübersicht über die Zusammensetzung deS neuen Reichstags auf Grund der vollständigen Wahl, resultate.
Sie Bilanz der Wahlen.
Gewinn Bertult
Konservattv«
43
6
21
Reichspartei
15
6
16
Nattonalliberalc (einschl.
Bauernbund
48°
24
31
Zentrum und Elsässer
98
4
12
Forffchrittliche BolkSpartei
42
15
22
Wirffchaftliche Bereinigung
13
3
11
Welsen
5
5
1
Polen
18
0
2
Lothringer
2
0
1
Däne
1
0
0
Wilde
2
1
4
Bayerischer Bauernbund
2
2
0
Sozialdemokraten
110
68
12
Von der Wahlkampf-W-Matt.
Von bekannten Parlamentariern gehören auch dem neuen Reichstag an: Von den Nationalliberalen Prinz Schönaich- Carolath, vom Zentrum Giesberts, von der Fortschrittlichen Volkspartei Fischbeck, Dr. Ablaß, Dove, Dr. Dormann. Neugewählt sind die Herren Wamhoff und Dr. Böttger (Ratl.), von Liszt (Volkspartei) und Dr. Liebknecht (Soz.). Unterlegen sind bei den Konservativen Freiherr von Richtbofen, von Oldenburg, von Henning und Beuchelt, von der Reichspartei Linz, von den National- liberalen Bahn und von ber Fortschrittlichen Volkspartei bereu Führer Dr. Wirmer und Dr. Althosf, bei ben S o z i a l d « m o - traten Huö und Hengsbach und der Pol« von Saß-Jaworski. Aller Wahrscheinlichkeit nach werben im Reichstag hundertvierundvier- zig Abgeordnete der Rechten, zweihundert-