Einzelbild herunterladen
 

Casseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang

Freitag, 26. Zannar 1912

Nummer 43

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher toi und 952.

**

Reichshaus aufs neue beginnen.

E

t

DU Catfeier Neuesten Noch richten erscheinen wöchenMch sechsmal und zwar abend». Der LboimementSpret» beträgt mmmtltch 60 Psg. bet freier Zustellung tn» Hau«. Bestellungen werde» jeder,eit von der LeschästSstelle oder den Boten eutgegengenommen. Druckerei, Bertag und Rebaltton: Schlachthofstraße 28/30. Sprechstunden der RedaMo» von 13 Uhr nach­mittag», juristische Sprechstimden für unsere Abonnenten Mittwoch» und Sonnabend» von 88 Uhr abend». Berliner Bertretung: SWn Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Das Wettrüsten geht weiter! Zwei englische Schisse für ei« deutsches. (Privat-Telegramm.)

London. 25. Januar.

Gestern sand hier die Jahresversammlung der englischen F l o 1 t c n - L i g a im West- minßer-Palasthotel statt. DaS Parlamentsmit-

JnsertionSpreise: Die sechSgespaltene Zeile für einheimische Geschäft« 15 Psg., für au», roärttge Inserate 25 Pf., lstetlamezetle für einheimische Geschäfte 40 Pf., für auswärtige »«schäft« 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restdenz und der Umgebung stnd die Coffeter Neuesten Nachrichten et» vorzügliche» JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW» Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676-

Präsidenten nicht begnügen wollte. Statt des Freiherr« von Hertling wurde hierauf der Freikonfervatwe von Unruh gewählt. 1890 zeigte die Bildung des Präsidiums abermals ein ganz anderes Bild. Präsident wurde jetzt der wieder in den Reichstag gelangte Konser­vative von L e v e tz o w , den ersten Vizepräsi­dentenposten besetzte wieder das Zentrum und zwar mit seinem Mitgliede, dem Grafen Bal­lestrem. 1893 ttat neben dem Herrn von Le- Vetzow, der zum Präsidenten wiedergewählt wurde, das Zentrumsmitglied Freiherr von Buol-Berenberg, als erster Vizepräsident und als zweiter Vizepräsident Dr. Bürklin.

Am siebenten Dezember 1898 behielt bei der neuen Bildung des Präsidiums das Zentrum die Präsidentenstelle. Präsident wurde Graf Balle st rem, erster Vizepräsident der Kon­servative Dr. von Frege, zweiter Vizepräsident der Freisinnige Schmidt. Später wurde der Freisinnige durch einen Rattonalliberalen ab- gelöst und bei der Auslösung vom dreizehnten Dezember 1906 waren neben dem Grasen Bal- lestrem als Präsidenten der Konservative Graf Stollberg-Wernigerode erster und der Natio- naMberale Dr. Paasche zweiter Vizepräsident. Im neuen (dem sogenannten .Blockreichstag" wurde das Zentrum bei der Bildung des Prä­sidiums völlig ausgeschaltet. Präsident wurde der Konservative Graf Stollberg, erster Vizepräsident der Nationalliberale Paasche und zweiter Vizepräsident der Freisinnige Kaempf. Der durch die Reichsfinanzreform herbeige­führte Zerfall des konservativ-liberalen Blocks trat auch in der nun folgenden BUdung des Präsidiums zutage. Graf Stollberg blieb Prä­sident. Erster Vizepräsident wurde das Zen­trumsmitglied Spahn und zweiter Vizepräsi­dent wurde, nachdem der Nattonallrberale Paasche die Wahl abgelehnt hatte, der Erb­prinz von Hohenlohe. Nach dessen Rücktritt von diesem Amte wurde der Reichsparteiler Schultz auf diesen Posten berufen. Inzwischen war auch insofern ein Wechsel im Präsidium cingetreten, als der Konservative Graf von Schwerin-Löwitz anstelle des Grafen Swllberg getreten war. Das Zentrum hatte nach dem Hinscheiden des Grafen Stollberg mit Rücksicht auf den inzwischen eingetreten Wan­del der parteipolitischen Stimmung die Stell« des ersten Vizepräsidenten für sich beanspruchen können. Es verzichtete aber darauf mit der Begründung, daß es mit seinem Ansprüche warten wolle, bis ein neuer Reichstag zusam­mengetreten sein werde. Am siebenten Februar kann nun der Kampf um denAdlerstuhl" im

Lar Reichstags PrWdmm.

Die Präsidentenstnhl-Jnhaber des Reichstags.

Die sozialdemokratische Reichstagsfvaktion wird, wie als sicher verlantst, als stärkste Frak­tion des neuen Reichstages einen Kandidaten für bett Posten des erste« Vizepräsident^«« präsen­tieren. Zum PräfidrnLe« wird höchst­wahrscheinlich GrafPasadowskh gewählt werden, da weder das Zen­trum «och die Konservativen eine« Sih im Präsidien« annehmen werden. Der zweite Bizepräftdent wird von einer der beide« liberalen Fraktionen gestellt werden. Wie weiter verlautet, werde« die Rationalliberalen für einen sozialdemokratische» Vizepräsi- Penten nur stimmen, wenn dieser sich bereit erklärt, die üblichen Re- Präsentatio «spflichten auch der Krone gegenüber, z« Wernehmen.

Di« Bildung des Präsidiums des Reichstags ist eine Probe auf die Stärke der MehrheitSverhältnisse im Reichs, tag und gleichzeitig ein Ausdruck des Wandels der parteipolitischen Stimmungen. Mit Rück­sicht darauf wird der BUdung des Präsidiums für den neuen Reichstag mit der größten Span- mmg «ttgegengeseheu. Die bisherige Geschichte des Reichstagspräsidiums zeigt, daß der Grundsatz, den Präsidenten jedes Mal der stärksten Fraktion zu entnehmen, und bei der Vergebung der Prästdialämter auf die Zahl der Mitglieder einer Partei entscheidende Rücksicht zu nehmen, durchaus nicht immer be­folgt worden ist. Solange die Liberalen die Führung im Parlament hatten, wurde das Zentrum bei der BUdung des Präsidiums gar ittcht berücksichtigt, bis 1874 Herr Simson und nach ihm bi« zum zwanzigsten Oktober 1879 Forckeubeck Präsident wurde. Die Wendung zum Schutzzoll, die damals di« Re­gierung vollzog, wollte der Berliner Oberbür­germeister nicht mitmachen. Er fühlte, daß «r der Unterstützung der Mehrheit nicht mehr sicher war, und angesichts dessen verließ «r den Präfldentenstuhl. Nunmehr gingen die Kon- fervatwen «rit dem bis dahin bei der Wahl des Präsidiums ausgeschlossenen Zenttum zu­sammen. Präsident wurde der Konservative von Seydewitz, Währmd das Zentrums- Mitglied Freiherr von Franckmstein anstelle des mit Forckeubeck zurückgetretmen liberalen Freiherrn von Stauffenberg erster Vizepräsi­dent wurde. Den Posten des zweiten Vize, prösidmten erhielt der Freikonservattve Dr. Lucius.

Rach kurzer Zett lehnte Herr von Seydewitz chic Wiederwahl ab, und sein Nachfolger auf dem Präfidentenpostm wurde am dreizehnten Februar 1880 Graf Arnim-Boitzenburg. Auch er führte die Präsidialgeschäfte nur ein Jahr lang; am siebzehnten Februar 1881 wurde er durch Herrn von Goßler erfetzt, und die­sem folgte am neunzehnten November dessel- ben Jahres Herr von Levetzow. In allm dicsm Präsidien saß als Vertreter des Zen­trums Herr von Franckenstein als erster Vize­präsident. Die zweiten Vizepräsidenten wech- seltm inzwischen. Nach dem Rücktritt des Dr. Lucius bot man die Stelle den Nationallibe­ralm an. Herr von Benda aber, auf den die Wahl fiel, lehnte es ab, in das Präsidium «inzutreten, da er (und zwar durchaus im Einverständnis mit seiner Partei) nicht nebm einem Zmtrumsmann im Präsidium sitzen wolle. An Stelle von Bmdas wurde darauf der Konservative Ackermann zweiter Vizepräsident. In dieser Bildung des Präsidiums trat eine gründliche Aenderung ein, als am zweiund- zwanzigsten November 1884 von Levetzow bei dm damaligen Wahlen kein Mandat erhalten hatte: Der Konservative Herr von Wedel- P i e s d o r s wurde zum Präsidenten und Herr von Franckenstein wieder zum elften und der Fortschrittler Hoffmann zum zwetten Vi­zepräsidenten gewählt.

Diese Zusammensetzung des Präsidiums wurde aber schon durch das Ergebnis der Sep­tmatswahlen 1887 beseitigt. Es wurde der Konsewative von Wedel-Piesdorf zum ersten Präfldmten wiedergewählt, dagegen er­hielten die Rationalliberalen den ersten Vize- prästdmten zugebilligt, an die Stelle des Frei- Herrn von Franckmstein trat der Rattonal­liberale Buhl. Dem Zentrum wurde nun der Posten des zweiten Vizepräsidenten zugebilligt und dafür wurde der Abgeordnete Dr. Freiherr von Herlling gewählt, der jetzige Vorsitzmde der Zmtrumsfraktton. Im Einverständnis mit dieser Partei lehnte aber Freiherr von Hert­ling die auf ihn gefallene Wahl ab, well das Zentrum sicb mit der Stell« des zweitm Vize-

Ein Privat.Telegramm berichtet uns dazu aus Rom: Auf seiner Rückreise nach Deuttchland sandte Staatssekretär von Kider- len-Waechter von dm Grenze an den Minister des Amßem San Giuliano ein sehr herz­liches Telegramm, das San Giuliano ebenso herzlich erwiderte. Es unterliegt (wie römische Zeitungen hervorheben) keinem Zwei, fei, daß zwischen den beiden Staatsmännern das beste Einvernehmen herrscht.

Friedrichstag im deutschen Land.

Der Kaiser über feinen Ahnherrn.

In eine seltsame, in eine ernste Zeit fiel die gestrige Feier des Friedrichstags in Berlin. Nirgmdwo in Preußen, im ganzen Dmsichen Reich, war man Wohl so geneigt, jene Stunde sestlich zu begehen, da vor zwei­hundert Jahren Friedericus Rex das Licht der Weit erblickte, wie gerade in dm beiden Resi­denzen Berlin und Potsdam. Und so sah denn der trübe Wintertag, der über der Mark Bran­denburg heraufdämmerte, an jenen Stättm, wo sich Friedrichs Geist am lebendigstm betä­tigt hat, wehende Fahnen und paradierende Truppen: Echt militärische Feiem rm Sinne des Toten, den man ehren wollte. Der eigmtliche Schwerpunkt der andachts­vollen Feier aber lag naturgemäß in Pots­dam, wo der Kaiser mit seinem ganzen Hause, dem militärischen Gefolge und der ge­samten Gamison Festgottesdienst und Vorbei­marsch abhielt. Anstelle Grumbkows, Ziethens, Seydlitzens, Schwerins, Winterseldts und Fouquss waren unsere kommandierenden Ge­neräle getreten, und der ChoralNun danket alle Gott", der nach Leuthm, dem Wendepunkt im Geschick Preußens, die Herzen der Sterben­den und Ueberlebendm über die ©reuet der Schlacht zu höherem Fluge erhoben hatte, ward auch gestem in der Garnisonttrche zu Potsdam von Soldatenmund angestimmt. Zur Feier des Geburtstages Friedrichs des Großm fand gestern nachmittag im Weißen Saale des Königlichen Schlosses in Berlin eine Festsitzung der Königlichen Aka­demie der Wissenschaften statt, in der der Kaiser eine Ansprache hielt, aus der wir folgende markanten Sätze wiedergeben:

Ahn «uv Snkel.

Mit mir und meinem Haufe feiert heute das ganze Vaterland den vierundzwanzigsten Ja­nuar als einen Tag weihevollster Erinnerung. Einen besonderen Anlaß aber zu dankbarem Gedenken haben diejenigen Glieder unseres Gemeinwesens, deren Geschickte mit dem Na­men des großen Königs unmittelbar verknüpft ist. Hat der Morgen des heutigen Tages der Feier des Heeres und vor allem derjenigen Truppenteile gehört, die ihre Stiftung auf denKönig-Comietable" zurückführen, so grü­ße ich hier die Akademie der Wissenschaften als

die geistige E l i t e t r u p p e, die Friedrich der Große angeworben und auf ihren Ehren­posten gestellt hat. Hat doch der jugendliche König, noch eh« er der Mehrer seines Reichs an kriegerischen Erfolgen geworden ist, die Wissenschaft und sich selbst mit dem unvergeßlichen Worte geehrt, daß er die Gewinnung des deutschen Philoso­phen, den er zunächst für den Vorsitz in der Akademie in Aussicht genommen hatte, als eineConquHte im Lande der Wahrheit" be­trachten wolle. So gilt fiir die Akademie ins­besondere das Zeugnis, das mein in Gott ru­hender Herr Großvater in bezug auf Friedrich den Großen bei festttchem Anlaß abgelegt hat: Alles, was wir Großes und Gutes in unse­rem Lande bewundern, ist auf den Fundamen­ten begründet, die er gelegt".

Große Männer, große Staate»!

Nicht nur der Wiederhersteller und Schutz­herr der Akademie, auch ihr ständiger Mitar­beit e r ist König Friedrich gewesen. Ich er­innere die Akademie daran, daß in einer ihrer Sitzungen die Abhandlung zur Verlesung ge­langt ist, in welcher der erlauchte Verfasser gegen eine materialistisch gerichtete Geschichtsbetrachtung der Auffassung Ausdruck gegeben hat, daß Reichtum und ma­terielle Güter ein toter Stoff feien, der erst durch die Intelligenz und Geschicklichkeit Leben und Bewegung erhalte. Und diese Abhand­lung birgt zugleich das erkenntnisreiche Wdrt, daß die S t ä rsse der Staaten auf den großen Männern beruht, welche die Na­tur ihnen zur rechten Stunde gebo­ren werden läßt. Ein Wort, das wir dank­erfüllt heute auf ihn selbst anwenden, und das unserer Feier den Grundton gibt. Uns aber ziemt es, des großen Königs Werk auszu- bauen und die Kräfte zu nutzen, die Gottes Weisheit und unendliche Güte in ihm unserm Preußenvolk geschenkt hat. Dazu an meinem Teil zu wirken, wird man mich stets bereit fin­den. Die Akademie aber wird, so vertraue ich, den großen und freien Geist, in dem ihr zweiter Begründer in ihr und auf sie ge­wirkt hat, in ihrer Mitte stets lebendig halten, zum Segen der Wissenschaft und zum Heile des Vaterlandes.

Set Krieg in den Wolken.

Das künftigeSchlachtfeld ohne Pardon".

Der französischen Kammer liegt (wie wir schon mitgeteilt haben) ein Antrag der Kriegs. Verwaltung vor, der alle Aussicht hat, ange­nommen zu werden. Denn welcher Deputierte wird der Lockung widerstehen, mit weniger als den halben Kosten eines Panzerschiffes Frank­reich zum Herrn der Lüste zu machen, ihm di« größte Flotte über der Erde zu ge. ben? Für zweiundzwanzig Millionen sollen zwei- bis dreitausend Aeroplan« hergestellt werden, die im Grenzgebiet gegen Deutschland, Italien und Spanien her. umschwirren werden, bis sie endlich alle wen. den und in einer Richtung drohend davonknat- tern ... dem Feinde entgegen! Fünfzehn lenkbare Ballons hat Frankreich außerdem, die allein die Zeppelin-Flotte Deuttchlands aus- wiegen. So ist dann ein Uebergewicki für den Ernstfall geschaffen, das nicht so bald eingeholt werden kann. Denn wenn auch Deutschland ebenfalls um zwanzig Millionen Fahrzeuge baut, so kann «s sie doch nicht bemannen. Es hat über dem Manöverfeld den Exerzier. Platz in der Luft vergessen, bat"nicht wie Frankreich fein Offiziers- und Unteroffiziers, korps dazu gedrängt, weniger auf die Führung einer Kompagnie bedacht zu sein, als auf die einer Flugmaschine. Nun hat der Traum einer Revanche für Elsaß-Lothringen den Drei- und-mehr.Mächte-Stattdard einer Luftflotte zur Verfügung, die für den Ernsttall von hoher Bedeutung werden kann. Die Aeroplane, die die Italiener jetzt in Tripolis verwenden, machen zwar noch immer nicht die strengste Reifeprüfung durch, dazu müßten sie einen mo- dern bewaffneten und geführten Gegner vor sich haben, der über gleichwertige Lustfahr. zeuge verfügt. In ihrer einseitigen Verwen- düng zeigen sie nun ihre riesige militärische Bedeutung.

Diese AufklärungSkavallerie der Lüfte bringt vor allem dem Kommandanten die beste Auf- Körung über den Aufenthalt der feindlichen Massen, so daß er sich nun nicht mehr von dem Scheimnanöver eines geschickten Taktikers irre, führen läßt und die Flanke der eigenen Trup­pen Gefahren preisgkbt. Dazu führen die Aeroplan« noch Vernichtungswaffen mit sich, Pikrittbomben, die aus sicherer Höhe mörderisch herunterfallen und in weitem Kreis« die tapferen und doch wehrlosen Krieger niedermähen. Die Italiener haben nur einige Aeroplane in Tripolis unten und verdanken trotzdem lediglich ihnen die «r. langten Erfolge. Nun wird von den Fran­zosen,die Sache ins Gigantische vergrößert: Schwärme von Hunderten Aeroplanen, über der heranrückenden Armee des Feindes ein Regen von Bomben, von denen eine nach gutem Wurf Dutzende Soldaten tötet und verwundet. Das Bild ist majestätisch als Tri. nmph der Vernichtung und di« schrecklichste Schande für den wahren Fortschritt des Men- schen, den wir erstreben sollen. Der Krieg in den Lüsten lehrt uns Tolstois Haß gegen die Zivilisation begreifen, die es versteht, aus der fegensreichsten Errungenfchast einen höl­lischen Fluch zu machen. Es dünkt uns in un­serer rasend abrollenden Zeit nur ein Gestern ZU fein, daß die Brüder Wright mit ihrem einzigen glückhaften Schiss auf den amerikani. schen und französischen Flugfeldern unter dem Beifall der ganzen Kulturwelt landeten,

Ein Triumphgefühl jauchzender Freiheit ging über die Erde. Es war möglich gewor­den, die Erdenschwere von sich abzuwerfen, über Wind und Luft mit fester Hand zu herr­schen, und Könige hielten es einer fangen Reise für wert, di« köstliche Errungenfchast mit eignen ftaunenden Augen zu betrachten. Und bann nahm die Zivilisation die Technik in ihre Dienst«, verbesserte, modelte und vervielfältigte mit Künsten. Heut« fehen wir nun mit Grau­sen das Ergebnis: Ein Schlachtfeld in ben Wolken. Das Grausamste, worauf menschliche Zerstörungswut jemals aefommes t|i! Denn auf diesem Schlachtfeld wird kein Pardon gegeben, gibt es keinen Verwunde­ten, sondern ... nur Tot«! Der Schutz, der den Aanndraht der Tragfläche errcidrt, rauht dem Apparat fein Gleichgewicht und stürzt ihn

glich Uerburgh führte den Vorsitz. Im Jah­resbericht wurde emphatisch erklärt, daß keine Verminderung des englischen Flottenbau- Programms möglich fei. Der Vorsitzende legte in feiner Erläuterung im Jahresberichte dar, die Befürworttmg des Maßstabes von zwei Kielen gegen einen fei keine Herausfor­derung gegen Deutschland. Zu wel­chem Zwecke baue Deutschland feine große Flotte? Gegen wen sei sie gerichtet? und wie sei die gegenwärtige Lage? Das deutsche Programm schließe die Ersetzung sechs alter Schiffe durch sechs Schlachtkreuzer von höchster Krafiletstung ein. Hierdurch sei eine neue Lage geschaffen und fo fortig e Abhilfe sei erforderlich. Die Liga würde verlangen, daß England für jeden neuen Kreuzer Deutschlands selbst zwei neue auf Kiel lege. Wenn Deutschland die neuen sechs Kreuzer gebaut habe, müsse England zwölf neue besitzen. Der Redner sand gro­ßen Beifall und der Jahresbericht der Liga wurde einstimmig angenommen.

Merkens Romfahrt.

Fürst Bülow hinter der Szene?

lieber die römische Mission des Herrn von Kiderlen-Waechter erhält die Berliner Nationak-Zeitung aus diplomatischer Quelle stammende Angaben, die bestätigen, daß, was man trotz aller Dementis allgemein annahm, besondere politisch« Gründe die plötz­liche Romfahrt veranlaßt haben. Danach hätte man eS in Berlin gern gesehen, wenn auch der Papst sich zu einer Unterredung mit Herrn von Kiderlen verstanden hätte, aus Motu pro­prio- und anderen Gründen. Pius der Zehnte sei aber trotz aller Bemühungen Merrh del Vals infolge feiner tiefgehenden Abnei. gung gegen rein politische Besuch« nicht zu bewegen gewesen. Nach glaubhaften Versicherungen soll «s zwischen dem Papst und dem Kardinal-Staatssekretär zu bewegten Auseinandersetzungen Wer die Be- suchsfrage gekommen sein. Herr von Mühl­berg, der preußische Gesandte beim Vatikan, der den Besuch vermitteln wollte, mutzte aber unverrichteter Sache wieder abziehen. In den B-efprechungen mit San Giuliano und Giolitti war natürlich vom Dreibund die Rede, doch konnten die Richtlinien für fein« Erneue­rung noch nicht festgestellt werden. Die Erneue­rung, die übrigens bei allen maßgebenden In. stanzen seststeht, stößt noch auf große Schwie­rigketten, die in den Verhältnissen in Wien lie- gen. Uebrigens hat Herr von Kiderlen vom Fürsten Bülow wertvolle Ratschläge er­halten. Der Erkanzler ist der Ansicht, daß sich Italien, mit seinem neuen afrikanischen Besitz belastet, dagegen von seinen ehemaligen Der. Pflichtungen gegenüber Frankreich und Eng­land entlastet, in dem neuen Dreibundverhält­nis behaglicher fühlen und schwerlich zu neuen Extratouren Veranlassung finden wird. Alles in allem: In Rom hat man sich Wer eine Neuorientierung der Politik der drei großen Zentralmächte eingehend unterhalten, die auf einer neuen Basis glaubt, der Sache des Frie­dens besser als bisher Lienen zu können.