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Casseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang

Dienstag, 23. Januar 1912

Fernsprecher 951 und 951

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Nurnmer 40

alle nach Tientsti hin ist seine Ab,

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Polen

len sein: Beides für die zum Königsamt Berufnen voll. Friedrich Wilhelms hat die Kummerjahre einer gend überdauert, indem er

Entwicklung eines gleich verhängnis- des Ersten Sohn schicksalreichen Fu­ge i st i g sich über

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Rationaüiberals W

Fortschr. Bolkspartei 17

Demokr. Bereinigung ß

Monats endgültig fertiggestellt werden und dem Reichstag sofort bei seinem Zusammen­tritt vorgelegt werden. Der Regierung ist da- ran gelegen, sofort festzustellen, ob der neue Reichstag eine Mehrheit besitzt, auf die die Regierung sich in nationalen Wehr­ragen stützen kann. Ergibt sich eine natto- nale Mehrheit nicht, dann dürfte sofort die Auflösung des Reichstags erfolgen.

ew Saftetet «ewettee NaLttcht« trid)einen roödentttl fed)»ma! und iroar abend». Der CbemtemenUpttl# betrögt monatlich so bet freier guttellung in» Hau». Bestellungen werde» tederzeU een btt ®efd>4fune0e oder den Boten entgegengenommen Druckerei. Verlag and Stebottten Scht-chtbofstraßt W/M Sprechstunden bet Redaktion non 13 Uhr nach, mittag», turtfttto« Sprechstunden für untere Abonnenten Mittwoch» und Sonnabend» von » Uhr abend» Berliner Vertretung.. SW. Friedrichstraße 16. Delephon: Amt rv 676.

Äkajoritätsverhältniffen des neuen Reichstags die Präsidialgeschäfte in eine m ö g l i ch st neutrale Hand lege», und diese sei am al­lerbesten in der Person Les Grafen Posa- d o w s k h zu finden. Es wird in Verbin­dung hiermit auf die sehr erfolgreiche Ge- schäftsfühnlng des Grasen Vetter von der Li­lie im österreichischen Retchsrat hingewiesen. Auch Graf Vetter war einEinspänner" und hatte im besten Falle eine Partei von nur vier Abgeordneten hinter sich.

Reue Mrmr in 66hm?

Ein Ultimatum an Juanschikai.

Sozialdewokraten Elsässer .... Lothringer. . . Welsen .... Litauer .... Dänen .... Mlde ....

3nfertt6n»pretfe: Die fechSgespaltene geile für einheimische Beschilfte iS Pfg.. für au», mittige Inserate 25 Pf. Reklame,eile für einheimische Beschütte <0 Pf, für au*n>6tttge Beschütte 60 Pf. Beilagen für die Besamtaustage werden mit 6 Matt pro Lausend be­regnet Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restden» und der Umgebung sind die Lafseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» Jnsettton»organ. »elchüft»stellei «ölnische StraBe 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16. Telephon: Amt rv 676.

Leben Friedrichs zu rechten: Ob der Feld­herr oder der König die gewalttgste Kon. zentration der Kräfte und die riesigste Wucht des Erfolgs erzwang; sicher ist nur das Eine: Daß das Reinmenschliche im Le­bensbild dieses Königs weit htnausragt über alle Tatenhöhe, die seiner glückgewohnten Hand gelang.

In allen sonnenhellen und schicksaldunklen Stunden (an deren raschem Wechsel sein Leben so reich gewesen) hat Friedrich von Preußen den idealgesinnten Menschen offen, bart, dessen Dafeinsauffaflung frei und unbe­engt von Dogmenlast, licht und menschlich-edel war. Sogar der Greis, den düstre Lebenser­fahrung zur Verachtung desAllzumensch- lichen" erzogen hatte, ist dem geistigen Idealis­mus reinen Menschentums nie fremd gewor. den, und von der Prozeßaffäre des (histori­schen) Müllers von Sanssouci bis zu den be­rühmtenRandverfügungen" des greisen Kö­nigs auf Bittgesuchen Armer und Unterdrück­ter: Ueberall leuchtet aus dem Regierungs­werk Friedrichs das Prinzip edelster Mensch, lichkeit strahlend empor, das dieser autorität­bewußte und herrschaftstolze König weder als gekrönte Autokrat, noch als lorberrum- kränzter Feldherr je vergessen. In der Nacht zum fünfzehnten August des Jahres siebzehn­hundertachtunddreißig wurde der damalige Kronprinz von Preußen imSchloß Salz, dahlum" in Braunschweig von der Brüder­schaft der Hamburger FreimaurerlogeZur Weintraube" feierlich in den Bruderbund der Menschenliebe ausgenommen und verpflichtet. Für den damals Sechsundzwanzigjährigen bedeutete dieser Moment den Markstein in der Entwicklung seines Innenlebens, denn was Friedrich der Zweite dort als Jüngster in der Bruderkette gelobt, ist dem König und Feld. Herrn sechsundvierzig Jahr« hindurch Wegwei­ser und Richtschnur gewesen: Achtung de? Menschlichen in jedem Menschen; Menschlichkeit und Gerechtigkeit gegenüber dem Nächsten, und ernste Selbsterkenntnis gegenüber sich selbst! Das iff3, das uns nicht nur den König und Feldherrn, sondern auch den Menschen im Bilde dieses Gekrönten groß und gewaltig er­scheinen läßt! F- H-

daS ihn Niederzwingende emporrang, und als am letzten Maientag siebzehnhunderwierzig der Vater (der dem Sohn im Leben seelisch nie nahgestanden) vom Tode abberufen wurde, schied er in der Ueberzeugung, Thron und Kro­ne einembraven und würdigen Sohn" zu hinterlassen.

Ein Achtundzwanzigjähriger, bestieg Frie­drich den Thron der Preußenkönige; weder Soldat, noch Staatsmann, ohne weltbewegend« Herrlibastspläne, ohne grundlegende Resorm- ideen: Ein junger, noch unerprobter Mann, der erst spät dem Leben bescheidne Freude abge­rungen und in seines Daseins achtundzwanzig Lenzen mehr Schicksal erduldet hatte, als Dutzende Andrer, die nicht aus einer Prinzen, wiege ins Leben schauten. Was Friedrich der Zweite als junger König und alternder Greis für das seiner Herrschaft anvertraute Land ge- lefftet, was er als Feldherr erstritten und als Vater feines Volks für das Reich der Zollern getan, steht in unvergänglichen Lettern auf den Blättern der Weltgeschichte geschrieben, und wird in diesen Tagen, da die Nachgebornen sich zur Zweihundertjahrfeier für denPhiloso. pH en von Sanssouci" rüsten, in Aller Erinne­rung lebendig werden. Friedrich von Preußen darf der größte Feldherr seiner Zeit genannt werden (ohne deshalb Napoleons gigantisches Genie zu schmälern), und auch sein Königswerk verdient die Anerkennung der Nachwelt als die Schöpfung eines genialen Geistes, die im Jahrhundert Friedrichs nicht ihres Gleichen hat. Es mag unfruchtbar fein, über den Entwicklunas- und Tatengipfcl im

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König,Feldherr undMensch.

DaS Porttät eines großen Königs.

Januar siebzehnhundertzwölf. Das junge Königtum Friedrichs des Ehrgeizigen, po- litifch noch (in den Stadien primitivster Ent- wicklung) mit neuer Zeit und neuen Ideen ringend, wird im altey Reichsverband deut­scher Ration als fährnisweckender Fremdkör­per beargwöhnt, des ersten Königs Eitelkeit belächelt und die bescheidne Regung neu-preu­ßischen Geistes durch die Wucht kaiserlicher Zentralgewalt gehemmt. Im Lande selbst ver­bitternde Enttäuschung über unerfüllt geblieb- tte Hoffnungen auf die aus fürstlicher Ehrsucht gedorrte Staatsumwandlung, grollende Unzu­friedenheit des unter hartem Lastendruck stöh- «enden Volks, und eine Hof-Region, die gei. stig nicht über das Niveau platter Schmeichel- . Luvst hinausreicht, die Caesarenlaunen Frie­drichs als Offenbarungen königlicher Größe bestaunt und dem Volk in Denken und Empfin­den so fern ist, wie die Erde der Sonne. Die Finanzwirtschaft des jungen Staats durch die Verschwendimgssucht der in ihm Höchsten ver­worren, die Steuerschraube bis zur Hochspan­nung äußerster Leistungsmöglichkeit angezo­gen, und die innere Landesverwaltung kaum über den Entwicklungsstand hinaus gediehen, den sie der schöpferisch-organisatorischen Hand des großen Kurfürsten dankte: Das war das Preußen, dem am vterundzwanzigsten Januar­tag im dreizehnten Jahr des jungen König­reichs des ersten KronenttägerS Enkel geboren ward, Friedrich von Preußen, dem die Geschichte seiner Tag« den Ehrennamen iDer Große" gewidmet hat.

Friedrichs Entwicklung als Mensch und - selbstherrschender König bestätigt den alten - Ersahmngssatz, daß die harte Schule einer kaum vom Licht berührten Jugend die im WM-Menschengeist schlummernden Energien zur höchsten Krastentsaltung drängt. Der Sohn des zweiten Königs von Preußen vertrauerte seiner Jugend Jahre weit außerhalb des Zauberreichs jenes Glücks, das das Schicksal selbst Denen nicht vorzuenthalten pflegt, die - statt in deS Palastes Prunkgemächern in der ä Armut Hütte das Licht der Welt erblicken, von sorgender Elternliebe aber geführt und behü­tet, dennoch den Weg ins Leben finden. Frie­drich dem Zweiten ist als Kind und Jüngling keine einzige der Enttäuschungen erspart ge- > blieben, dieauf der Menschheit Höhen" der schroffe Gegensatz zwischen Tradition und Neigung grade im Gefühlsleben erzeugt, und die Geschichte seiner Jugend gleicht in allen Phasen dem Märtyrium eines Unglücklichen, dessen herbe Form modernem Empfinden fast undenkbar scheint. Ein weniger elastischer und weniger widerstandsfähiger Geist wür­de in der Jugendrolle des spätem Preußenkö- nigs entweder der Verbittemng (die später vielleicht in Grausamkeit sich offenbart hättet, oder weltflüchtiger Schwäche zum Opfer gefal-

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Depeschen aus Peking melden: Die Lage ist außerordentlich verwickelt und es werden wichtige Ereignisse erwartet. Gegenwärtig betreiben die jüngeren Mandschu- irinzen gegen die Republik «ine aktive Kriegs, ührung, die eine gewisse Bedrohung Juansckii. dis in sich schließt. Seine Freunde hielten ge- icrn drei Sonderzüge bereit, um ihn im Not- all« nach Tientsin bringen zu lassen. Immer- ;in ist seine Abreise unwahrscheinlich. Neue

Sie Räuber von Borken.

Westfälische Räuber-Romantik vor Gericht. (Von unferm Korrespondenten.)

Born Schwurgericht in Münster wurden am Sonn- abend die Borte ne r Räuber wegen einer Reibe räuberischer UeberfäOe und zahlreicher Einbrüche abge- urteilt. Die viertöpstge Räuberbande hauste in einer Höhle bet Botten und unternahm von dort Streif. züge tn die Umgebung. 8tTS die Bande verhaftet werden sollte, erschoß ihr Anführer einen Polizeibeamten. Auch ein Polizetwachtmeister wurde durch mehrere Schüsse schwer verletzt.

Di« Verhandlung gegen bi« R Luder von Borken fand vor dem Schwurgericht in M ü n st e r unter riesigem Andrang des Publi­kums statt, da die vier Bewohner ter Borkener Räuberhöhle Monate lang die Umgegend in weitem Umkreise aufs schwerste beunmhigt hat­ten. Die Festnahme der Verbrecher erfolgte bekanntlich am elften November vorigen Jah­res, nachdem sie durch eigene Unvorsichtigkeit ihren Schlupfwinkel verraten hatten. Sie hat- ten sich eine Mergelhöhle, die weit ab von jeder menschlichen Wohnung lag, ziemlich häuslich eingerichtet. Beim Herannahen der kalten Jahreszeit wollten sie die Höhle durch Auspolstern mit Strob wärmer machen. Sie stahlen daher einem Bauern mehrere Bunde Stroh und schleppten dies in einer Nacht nach der Höhle. Als der Bauer am Morgen seinen Verlust bemerkte, ging er den Strohspuren nach und sah am Eingang der Höhle mehrere ver­dächtige Gestalten stehen. Er benach. richtigte sofort die Gendarmerie und der Wacht­meister Tilgner begab sich in Begleitung eines weitern Beamten nach der bezeichneten Stelle. Beim Hineinleuchten in die Höhlen. Öffnung mit einer Taschenlampe sah der Be­amt« mehrere Personen auf dem Stroh uegen; wie sich später herausstellte, hatten sich die Höhlenbewohner, abergläubisch wie alle Ver­brecher,

mit gegenseittgcm Wahrsagen die Zeit vertrieben. Der Wachtmeister sorderte die Insassen der Höhle auf. herauszukommen, und als das nicht geschah, betrat er selbst die Höhle, die sich ziemlich zwölf Meter weit in die Erde hineinstrcckt. Ter Beamte wurde so­fort mit Schüssen empfangen, die er mit seinem Browning erwiderte. Er erhielt einen Schuß in die Brust, der ihn fünf Wochen aufs Krankenlager warf; noch heute ist die Wunde nicht völlig verheilt. Mit Hilfe herbei- geeilter Bauern gelang es schließlich, di« Höh.

Graf Posadowsky am Ahem.

Eine Rede über innere und äußere Politik.

(Privat-Telegram m->

Köln, 22. Januar.

In einer von mehreren tausend Personen besuchten Zentrums - Versammlung sprach hier gestern mittag der frühere Staats- settetär Graf von Pofadowsky. Ein- leitend führte er aus, daß ihm fälschlicherweise bei feinem Austritt aus dem Staatsdienst nachgesagt worden fei, er sei abhängig vom Zentrum. Er stehe auf keinem Partet- standpukt; bei seinen sozialen Bestrebun­gen habe er allerdings Unterstützung nicht nur beim Zentrum, sondern auch bei der Freisinni­gen Volkspartei, bei den Rattonalliberalen und bei einem Teil der Konservativen gefun­den. Er wünsche, daß es dem bürgerlichen Li­beralismus gelingen möchte, wieder eine solche Stellung zu erhalten, wie er sie in den ersten zehn Jahren nach der Gründung des Reiches hatte. Graf Posadowsky ging sodann auf das Vereinsgesetz ein, das er für gut hält, bestritt die sogenannteAdelsherrschast" in Preußen und verteidigte den Zolltarif und die Finanzreform. Bezüglich der auswärti. gen Politik meinte der Redner, daß die Enttäuschung, die im Volke zu bemerken fei, vollberechtigt fein könne; es sei aber in der auswärtigen Politik die größte Ruhe und Kaltblütigkeit notwendig:Wir werden in Zukunft etwas weniger optimistisch fein müssen; wenn sich Annäherungsbeftre- bungen bemerkbar machen, fo können wir st« nicht zurückweisen!" Bezüglich unseres Ver­hältnisses zu Frankreich glaubt Posadows- ky, daß unter dem neuen Ministerpräsidenten, den er persönlich kennt, das Verhältnis sich wesentlich bessern werde. Wir stehen (so sagte Graf von Posadowsky) an der Wand und dürfen nicht eine Linie zurück- weichen, wenn wir nicht unfer Ansehen in der Welt verlieren wollen. Bei den Sttchwah- len handelt es sich um die Verteidigung des bürgerlichen Staats gegen den Zukunftsstaat der Sozialdemokratie. Er sei nach Köln ge­kommen, um den Zenttumskandidaten Trim- b o r n zu unterstützen, einen Mann, den er als warmherzigen Sozialpolittker in seinem langjährigen Reichsdienst kennen gelernt habe. Gras Posadowsky Aeichstagspräfident?

(Privat-Telegram m.)

Für das Präsidium des neuen Reichs­tags wird neben dem Prinzen Heinrich zu Schönaich-Earolath auch Graf Posa- dowsky genannt. Von den Freunden die­ser Kandidatur wird die Ansicht verfochten, man müsse bei den voraussichtlich sehr knappen

Mandate erhalten:

Konservative... 37

Reichspartei ... 11

Reformpartei . . S

Wirtsch. Bereinigung 3

Zentrum . ... 88

Nach den ersten Mchwahlen.

Das Fazit des ersten Stichwahltags.

Die Stichwahl am Sonnabend hat für den Beobachter, den keine Parteibrille zwingt, subjektiv zu urteilen, das Resultat erbracht, das man nach der Hauptwahl voranssehen konnte: Das Zentrum wird für den kom­menden Reichstag seine Pärteistarke behalten, die Konfervativen werden einige Man­date verlieren, und die Sozialdemokrat t t e wird auf Kosten aller Parteien die stärkste oder mindestens zweifftärkste Partei im Wal- lctbau sein. Hält man sich die Vertretung der Parteien im Reichstage, wie fix nach den Stichwahlen am Sonnabend einstweilen fest­gelegt ist, in einer Statistik vor Augen, so ge­winnt man folgendes Bild: Es hahen bisher

Nachrichten melden:

Peking, 22. Januar.

(Privat-Telegramm)

Die Lage in China gestaltet sich stün d l ich bedrohlicher. Die Revolutionäre in Nan­king haben Juanschikai ein Ultimatum ge- andt, des Inhalts, daß ihm untersagt wird, die vorläufige Regierung in Peking einzurich­ten, falls die Mandschudynastie zurücktritt. Sie befürchten nämlich, daß in dem Augenblick, wo durch Juanschikai dann diese vorläufige Regie, rung gebildet werde, im ganzen Norden die Anarchie beginnen würde. Der Pekinger Vertreter desNewyork Herald" gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß eine Einmi. chung der Großmächte unabwend­bar sei. In den auswärtigen Aemtern aller Mächte halte man lange Beratttngen ab, da die Lage in China unhaltbar geworden sei.

Kabalen der Mandschn-Prinzen.

(Privat-Telegram m.)

Rach neueren Ermittelungen scheint es (De. »eschen auS Peking zufolge) festzustehen, daß der kürzlich gegen Juanschukai verübte Anschlag auf einen der Mandschn- Prinzen zurückzusühren ist. Juanschikai lvill a ber diese Spur nicht Wetter ver. folgen, um den Sturz der Dynastie nicht noch mehr zu beschleunigen. Di« Abdankung der Mandschudynastie steht unmittelbar bevor. Juanschikai hat erklärt, die Präsidentschaft der Republik übernehmen zu wollen, falls deren Dauer nicht auf vier Jahr« beschränkt, sondern auf fünfzehn Jahre ausgedehnt werde.

Insgesamt sind bisher zweihundert­vierundachtzig Abgeordnete gewählt worden, sodaß in den beiden noch folgenden Wahlgängen (heute und am Donnerstag) noch hunderldreizehn Abgeordnete zu wählen sein werden. Wie uns aus Berlin berichtet wird, soll der frühere Oberst G a e d k e in nächster Zeit ans dem Verbände desBerliner Tageblatt" (dessen militärischer Mttarbeiter er bisher gewesen ist) ans- scheiden. Das Tageblatt hat Anstoß an Gaedke's Wahlaufruf genommen, in dem Gaedke für einen Anschluß der Demokraten an die Sozialdemokratie eintrat.

Die Stichwahl in Cassel.

Rach den nun vorliegenden amtlichen Zusammenstellungen des städtischen Statisti­schen Amts haben bei der vorgestrigen Stich­wahl im Stadtkreis Cassel von insge­samt 33 669 Wahlberechtigten 29 941 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Bon diesen 29941 Stimmen entfielen 14158 auf den bür­gerlichen Kandidaten Dr. Schröder und 15 783 auf den Kandidaten der Sozialdemokra­tie, den Frankfurter Stadtverordneten Hütt- mann. 402 abgegebene Stimmen waren un- giltig. Insgesamt wurden im Stadtkreis Cas- fel bei der vorgestrigen Stichwahl 30 343 Stim­men abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von rund neunzig Prozent aller Wahl- herechtigtm gleichkommt.

Die dekorierten Parlamentarier.

Bei dem gestrigen Krönungs- und OrdenS- fest in Berlin erhielten nachstehende Parla­mentarier Ordensauszeichnungen: Den Roten Mdlerorden zweiter Klasse mit dem Stern der Zentrumsführer Freiherr von Hertling; den Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub Rabe von Pappen­heim u. Oberbürgermeister Spiritu s-Bonn: den Roten Mdlerorden dritter Klasse mit der Schleife Oberbürgenneister Müller-Cassel, Landgerichtspräsident 'Viereck -Ostrowo und Graf York von W a r tensleb en-Kleinöls; den Roten Adlerorden vierter Klasse der natio­nalliberale Senator Sie Vers-Winsen und der Zentrumsabgeordnete Vonderscheer- Straßburg; den Stern zum Kronenorden zweiter Klasse Professor Klein-Göttingen; den Kronenorden dritter Klasse Geheimer Kommerzienrat Aronsohn - Bromberg (Forffchrittliche Volspartei), Oberbürgermei­ster C u n s - Hagen, Gras von W e st a r p - Ber­lin (Konfervattver) und den Kronenorden erster Klasse der bisherige Prästdent des Preu­ßischen Abgeordnetenhauses, Abgeordneter von K r ö ch e r.

Wie uns ein Telegramm unseres parlamentarischen Mitarbeiters meldet, werden die neuen Heeres - und Flottenvorlagen noch im Laufe dieses